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7.05. Das Buch der Weisheit/Sapienta Salomonis (Weish/SapSal)

Übersicht über das Buch der Weisheit

1-5 Gegenüberstellung des Schicksals von Weisen und Toren, Gerechten und Gottlosen
6-9 Ratschläge des weisen Königs (Salomos) an andere Könige, in Weisheit zu regieren und um diese zu bitten
10-19 Das Wirken der Weisheit in der Geschichte Israels als Abbild dessen, wie die Weisheit in der Endzeit wirken wird.
  Darin: 11,15-12,27 : Gottes unerwartete Milde gegenüber Ägypten und Kap. 13-15: Der Unsinn des Anbetens von Gestirnen, Tieren und Götzenbildern

Name

Wie das Hohelied oder das Predigerbuch wird das Buch der Weisheit dem König Salomo zugeschrieben, dessen Weisheit nach 1Kön 10,6 weltbekannt war. Das Buch selbst erwähnt Salomo nicht mit Namen, doch Anklänge an den biblischen Bericht über ihn in 7,7 und 9,8 lassen den Schluss zu, dass jener der Verfasser sein soll. In der griechischen Übersetzung wird das Buch daher mit der Überschrift „Weisheit Salomos“ betitelt (= lat. sapientia Salomonis), in der lateinischen Vulgata heißt es „Buch der Weisheit“.

Thematik

Die Sapientia Salomonis steht in der Tradition der biblischen Weisheitsliteratur, wie sie durch das Buch der Sprüche, die Reden im Hiobbuch und das ebenfalls apokryphe Sirachbuch repräsentiert wird. Wie diese möchte die Schrift zu einem Leben in Weisheit und Gottesfurcht anleiten; nur so ist eine erfüllte Existenz möglich. Und wie im Hiobbuch soll eine Antwort auf die Frage nach ungerechtem Leid versucht werden (Kap. 3-5). Doch trotz solcher Nähen steht das Buch an einem Schlusspunkt der Entwicklung der israelitischen Weisheit, denn Sprache und Denken der Sapientia sind ebensosehr griechisch-hellenistisch wie biblisch geprägt. Der Autor hat sich einer Vielzahl von Stilelementen der hellenistischen Literatur bedient, beispielsweise stehen die Kapitel 6-9 griechischen Traktaten über die Aufgaben eines Königs nahe.

Zudem ist deutlich, dass der Verfasser von den philosophischen Strömungen seiner Zeit beeinflusst ist, der Stoa und dem Mittelplatonismus. Gleichzeitig werden auch biblische Vorstellungen weiterentwickelt. Salomos Gebet um Weisheit (1Kön 3) findet eine Wiederaufnahme in Kap. 9. Die aus Prov 8 bekannte Darstellung der personifizierten Weisheit erfährt nun eine Weiterentwicklung: Die Weisheit gilt hier als Abglanz Gottes; als Ausfluss seiner Herrlichkeit ist sie im gesamten Weltall präsent (7,22-8,1).

Theologie

Auch auf Themen der apokalyptischen Literatur wird geantwortet. Die bereits formulierte Vorstellung der Auferstehung der Toten wird mit griechischen Vorstellungen weiterentwickelt: Seele und Leib gelten – anders als in der hebräischen Anthropologie – als getrennte Größen, so dass die Seele nach dem Tod wie ein Darlehen zurückgefordert und belohnt oder bestraft werden kann (15,8, vgl. 5,15). Während Gott den Menschen zur Unverweslichkeit geschaffen hat, kam der Tod durch den Neid des Teufels in die Welt (2,23f.). Diese dualistischen Vorstellungen gehen deutlich über das hinaus, was bisher in Israel gedacht (und biblisch begründet) werden konnte.

Ein wichtiges Thema des Buches ist die Abwehr von Götzendienerei und Gottlosigkeit. Es will zeigen, dass die Weisheit Gottes bereits in der Heilsgeschichte von Adam bis zum Exodus über die (ägyptischen) Götzendiener gesiegt hat. Die Heiligen Israels sollen sich demnach auch in Zukunft nach der Weisheit ausrichten, um nicht ein dem Verderben geweihtes Leben zu führen (vgl. 14,21). Damit ist deutlich, dass sich das Buch der Weisheit Salomos primär an jüdische Leser gerichtet hat. Das muss nicht ausschließen, dass auch interessierte Nichtjuden als Adressaten des Autors galten, denen die Überlegenheit der jüdischen Weisheit vorgestellt wurde. Ähnliche Gedanken finden sich bei jüdisch-hellenistischen Schriftstellern dieser Zeit.

Entstehung

Das Werk wird wohl im letzten vorchristlichen Jahrhundert im ägyptischen Alexandrien entstanden sein, gewiss war es auch ursprünglich in griechischer Sprache verfasst. In der christlichen Theologie hat es eine besondere Wertschätzung erfahren, weil die Aussagen über die Weisheit die spätere Logos-Theologie des jüdischen Philosophen Philo von Alexandrien und des Evangelisten Johannes vorbereitet haben. Zur Verdeutlichung dieses Gedankens ist es hilfreich, SapSal 7,22-8,1 parallel zum Prolog des Johannes-Evangeliums in Joh 1 zu lesen.

Digitale Bibelkunde

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Die Texte auf dieser Seite sind mit freundlicher Genehmigung übernommen aus:

Cover der Bibelkunde des Alten Testaments von Martin Rösel

Rösel, Martin: Bibelkunde des Alten Testaments. Die kanonischen und apokryphen Schriften. Mit Lernübersichten von Dirk Schwiderski, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 11., veränd. Aufl. 2021.

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