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Die zehn Gebote

Dekalog / Die zehn Gebote

Name

Der Name Dekalog leitet sich nach Ex 34,28 (vgl. LXX) aus dem Griechischen her, übersetzt lautet er: Zehnwort. Als Dekaloge im engeren Sinne gelten die beiden Reihungen Ex 20,1-17 und Dtn 5,6-21. Daneben finden sich innerhalb des AT noch weitere Reihungen von Rechtssätzen. Der Tradition nach gibt es insgesamt 613 Ge- und Verbote in der Tora.

Stil

Besonderes Kennzeichen der Rechtssätze ist der sogenannte apodiktische Stil (A. Alt) nach dem Muster "Du sollst/ wirst (nicht)" als absolute Formulierung ohne Angabe eines genauen Fallbeispiels oder einer Strafandrohung. [Gegenteil: kasuistischer Rechtssatz, bei dem ein konkreter Kasus samt Strafe geschildert wird: "… wenn einer das und das tut, dann soll ihm das und das geschehen". (vgl. Ex 21,28-32)

Alter

An den parallel überlieferten Reihungen von Rechtssätzen ist ablesbar, dass die klassischen Dekaloge offensichtlich spätere Bildungen sind (spätvorexilisch, dtn./dtr.?), die das Bestreben haben, das gesamte Verhältnis zwischen Gott und Menschen/ Israel umfassend zu ordnen. Die früheren Reihen beziehen sich dagegen auf Einzelaspekte (Reinheit, Kultus etc.). Einzelgebote können dabei aber älter als die Gesamtkomposition sein. Nach Ps 50,7 und 81,9-11 wurden Dekaloge wohl bei kultischen Begehungen rezitiert.

Theologie

Der Dekalog als Zusammenfassung des göttlichen Willens setzt voraus, dass Gottes Heilstat vor allem menschlichen Antworthandeln geschehen ist. Der Mensch tut nur das, was dem Heilshandeln Gottes entspricht. Negativ formulierte Sätze sollen die Grenze markieren, hinter der ein bundesgemäßes Leben nicht mehr möglich ist. Die Dekaloge sichern demnach die Ordnung des Bundes und so heilvolles Leben.

Doppelüberlieferung des Dekalogs

Die Doppelüberlieferung des klassischen Dekalogs in Ex und Dtn ist in hohem Maße bemerkenswert, weil es zwischen den beiden Versionen ca. 20 Differenzen gibt. Dabei bietet die Dtn-Fassung 13 Erweiterungen, so dass sie wohl als die jüngere Version anzusehen ist. Insgesamt scheint das ganze Buch Deuteronomium den Dekalog auslegen zu wollen. Die einzelnen Abweichungen wie der ursprüngliche Sinn der Einzelgebote sind nicht Gegenstand der Bibelkunde, dazu vgl. die Sekundärliteratur.

Zählungsunterschiede

Im Judentum gilt der erste Satz des Dekalogs nicht als eine Glaubensaussage, sondern als besonderes, erstes Gebot, an Gottes Existenz zu glauben; daher die abweichende Zählung. Die orthodoxe und reformierte Tradition begreift Fremdgötter- und Bilderverbot als getrennte Sätze. Jüdische und orthodoxe/ reformierte Tradition differenzieren nicht mehr beim Gebot des Begehrens, so erreichen auch sie die Zehnzahl. Lernstoff ist in jedem Falle die Zählung der Einzelgebote, hier nach der römisch-katholischen und lutherischen Ordnung.

Bundestafeln

Nach Dtn 5,22 werden die Gebote auf die beiden Tafeln verteilt, die Mose laut Ex 32,15f./34,1-29 auf dem Gottesberg erhalten hat. Im Exodus-Text gibt es jedoch keinen Anhalt für die Verbindung von Bundestafeln und Dekalog. Nach 1.Kön 8,9 wurden diese beiden Bundestafeln in der Lade im Tempel aufbewahrt.

Literatur

F.L. Hossfeld, K. Berger, Art. Dekalog, NBL I, 1991, 400-405.
K. Koch, Was ist Formgeschichte? 5. Auflage, 1989, Abschnitte 1C, 2B, 3C, 4C, 5C.
M. Köckert, Die Zehn Gebote, 2007
W.H. Schmidt, Die zehn Gebote im Rahmen alttestamentlicher Ethik, EdF 281, 1993.

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