Pfingstgeschichte, bibeldidaktisch (Primar- und Sekundarstufe)

1. Elementare Strukturen

Welche grundlegenden inhaltlichen Elemente der Pfingstgeschichte sind aus fachwissenschaftlicher Sicht im Blick auf Kinder und Jugendliche relevant?

1.1. Inhalt und Aufbau

Die Pfingstgeschichte steht im ersten Hauptteil (Apg 1,1-12,25) der → Apostelgeschichte. Letztere stammt aus der Feder desselben Verfassers wie das → Lukasevangelium; zur Vereinfachung wird er im Folgenden Lukas genannt. Im Anschluss an das Himmelfahrtsgeschehen und die Wahl des Matthias erzählt Lukas hier, wie der → Heilige Geist über die Jünger Jesu kommt und so aus der innerhalb des Judentums entstehenden messianischen Bewegung eine erste Gemeinde in Jerusalem entsteht. Pfingsten bildet damit das Scharnier zwischen der Verheißung des Geistes durch Jesus (Lk 24,49 und Apg 1,8) und der sich kraft des Geistes formierenden Gemeinschaft, die sich später zur Kirche entwickeln wird (→ Urchristentum).

Die Darstellung gliedert sich in zwei Teile: Die Ausgießung des Geistes an Pfingsten mit dem Sprachenwunder (Apg 2, 1-13) und die geistgewirkte Predigt des Petrus (Apg 2,14-42). Daran schließt eine knappe Schilderung des Alltags der rasch wachsenden Jerusalemer Gemeinde an (Apg 2, 42-47).

1.2. Der Begriff Pfingsten

Der Begriff Pfingsten geht auf das griechische Wort pentēkostē zurück und bedeutet „der 50. (Tag)“. Die Wurzeln dieses Festes liegen im jüdischen Wochenfest Schawuot, das als Fest der Weizenernte am 50. Tag nach dem Passa mit einer Darbringung von Erntegaben im Jerusalemer Tempel gefeiert wurde. Nach Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. wird Schawuot mit der Gesetzgebung am Sinai verknüpft und seitdem als Fest des Geschenkes der Tora gefeiert (Weiser, 2011, 166). Innerhalb des sich neu formierenden Christentums wird Pfingsten zunächst nicht als eigenständiges Fest gefeiert. Erst im 4 Jh. etabliert sich der 50. Tag nach Ostern als Fest der Sendung des Heiligen Geistes.

1.3. Entstehung, Historizität und Erzählintention des Textes

Die narrative Struktur des Textes und die fehlenden außerlukanischen Quellen erschweren die Suche nach einem historischen Kern der Pfingstgeschichte. In der Fachwissenschaft wird daher kontrovers diskutiert, welche Teile der Erzählung aus der Feder des Lukas stammen, welche Quellen er verwendete und was auf historischen Erinnerungen fußt.

Relative Einigkeit besteht darin, dass der Erzählung ein Bericht von der Massenekstase der ersten Jünger in einem Haus in Jerusalem zugrunde liegen könnte (Pesch, 2005, 108; Gebauer, 2014, 38; Eckey, 2000, 69). Auch die besondere Stellung des Petrus in der Urgemeinde und die hinter der Pfingstpredigt liegende Botschaft sind historisch plausibel. Selbst das jüdische Schawuot-Fest wird als Datum des ersten öffentlichen Auftretens der Jünger in der Forschung vereinzelt für möglich gehalten (Eckey, 2000, 80; Roloff, 1981, 39).

Sehr unterschiedlich sind aber die Ansichten darüber, ob die Glossolalie, also das unverständliche, ekstatische Reden, und das Sprachenwunder, das bewirkt, dass alle Anwesenden die Jünger in ihrer Muttersprache verstehen, zum Traditionsgut gehörten, oder ob beide Erzählelemente erst von Lukas mit dem Pfingstgeschehen verknüpft wurden (Lüdemann, 1987, 47-49; Pesch, 2005, 99-101; Haacker, 2019, 52). Auch über den Ursprung der Theophaniemotive (→ Epiphanie, AT) wird diskutiert. Während Lüdemann davon ausgeht, dass Feuer, Zungen und Sturm erst durch Lukas in die Geschichte eingetragen wurden (vgl. Lüdemann, 1987, 49), vermutet Pesch, dass die Theophaniemotive zur vorlukanischen Tradition gehören (Pesch, 2005, 99). Pesch rechnet die Verse 1-4, 6a., 12-13 zur ursprünglichen Pfingsterzählung und ist der Auffassung, dass Lukas lediglich eine Umdeutung der Glossolalie zu einem Sprachenwunder von universeller Bedeutung vornimmt, indem er beispielsweise die Adressaten-Liste einfügt.

Die Predigt des Petrus (Apg 2,14-41) trägt dagegen klar die Handschrift des Lukas und wurde von ihm evtl. selbständig komponiert. In ihr erklärt die lukanische Figur des Petrus für die Hörer die wundersamen Ereignisse. Die aus dem Publikum gestellte Frage: „Wie kann es sein, dass wir die Jünger in unserer Sprache von den großen Taten Gottes berichten hören?“ beantwortet er mit einem Septuaginta-Zitat aus Joel 3,1-5 als Erfüllung göttlicher Verheißung. Der Kern der Predigt ist die Verkündigung von Tod und Auferweckung Jesu durch Gott, in der sich das endzeitliche Heilshandeln Gottes, wie in der Schrift vorausgesagt, erfüllt. Daher nutzt Lukas Schriftbeweise, die wie Joel 3,1-5 oder Ps 110,1 bereits früh innerhalb der christlichen Tradition zur Deutung des Christusgeschehens verwendet werden (Lüdemann, 1987, 54). Die Argumentation der Predigt gipfelt in Vers 36 mit der Feststellung: „So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat“. Darauf folgt der Ruf zu Umkehr und Taufe, der dazu führt, dass an jenem Tag 3000 Menschen neu in die Gemeinde aufgenommen werden. Ob Petrus tatsächlich eine derartige Rede während des Schawuot-Festes gehalten hat, ist zweifelhaft. Wichtig ist die Botschaft, die Lukas mit diesem Ereignis verknüpft: Die Jünger Jesu werden kraft des Geistes zu seinen Zeugen in Jerusalem (und im Folgenden bis an das Ende der Welt).

Fest steht: Die Pfingstgeschichte ist sprachlich und stilistisch stark lukanisch geprägt. Lukas erzählt zu Beginn der Apg in einem bewusst komponierten Text, wie er sich die Entstehung der messianischen Gemeinschaft rückblickend vorstellt. Der Erzählzusammenhang spiegelt die Intention des Lukas wider, die Entstehung der „Kirche“ mit der Verheißung Jesu aus Apg 1,8 zu verbinden und so eine Kontinuität im Heil schaffenden Handeln Gottes in der Geschichte aufzuzeigen (Schnelle, 2016, 481).

2. Elementare Zugänge

2.1. Pfingsten – das unbekannte Fest

Welches Vorwissen haben Kinder und Jugendliche möglicherweise zu Pfingsten und welche Hinweise geben Studien zur Bedeutung des Pfingsttextes für sie?

Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das drittwichtigste christliche Fest. Dennoch haben große Teile der Bevölkerung nur eine sehr vage Vorstellung davon, warum dieses Fest gefeiert wird. Während zwischen 80 und 90% der Befragten die Bedeutung von Weihnachten und Ostern kennen, wissen dies bei Pfingsten nur etwa 50% (Emnid, siehe Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, 2012).

Diese Diskrepanz spiegeln auch Untersuchungen zum Bibelwissen von Kindern und Jugendlichen wider. In einer Untersuchung gaben 28% der Befragten aus der 6. und 7. Klasse an, die Pfingstgeschichte zu kennen. Damit erreicht sie nur Platz 15 von 18. Die Arche Noah, die Kreuzigung, die Auferstehung oder die Geburt Jesu kennen dagegen über 90% der Jugendlichen (Kammeyer/Büttner, 2011, 17). Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kommen Hanisch/Bucher auch für die 4. Klasse. Mit 5,2% kennt nur jedes achtzehnte Kind die Pfingstgeschichte. Bei den Lieblingsgeschichten ist Pfingsten mit 0,4% zwischen Jesus und der Ehebrecherin und Daniel in der Löwengrube zu finden (Hansch/Bucher, 2002, 24;40). In der Untersuchung von Gennerich und Zimmermann geben zwar 21% der befragten Jugendlichen an, die Geschichte zu einem vorgegebenen Bild nacherzählen zu können, dennoch können nur 11% einer bildlichen Darstellung der Apostel mit Feuerzungen über den Köpfen die richtige Überschrift zuordnen. Bei den für sie wichtigen Geschichten nennen nur 0,9% der Jugendlichen die Pfingstgeschichte (Gennerich/Zimmermann, 2020, 99;115).

Die Untersuchungen machen eins deutlich: Mit großer Wahrscheinlichkeit haben viele Grundschulkinder kein Vorwissen zur Pfingstgeschichte, und auch in der Sekundarstufe 1 ist davon auszugehen, dass die Pfingstgeschichte für die meisten unbekannt ist. Dies mag angesichts der Tatsache, dass Pfingsten in den Kerncurricula meist nur als Teilaspekt des Themas Kirchenjahr auftaucht, und auch in Schulbüchern oft ausgeklammert wird, für viele Lehrenden keine große Überraschung sein. Darüber hinaus zeigen die Untersuchungen, dass der Inhalt der Geschichte wenig Relevanz für die Lernenden besitzt. Vielleicht erklärt dies, warum auch Erwachsene hier nicht auskunftsfähig sind, selbst wenn sie in ihrer Schulzeit die Pfingstgeschichte kennengelernt haben.

2.2. Wie Kinder und Jugendliche die Pfingstgeschichte lesen

Kommt es zu einer (Erst-) Begegnung zwischen Pfingsttext und Lernenden, welche Deutungen sind dann zu erwarten?

Hier können Untersuchungen aus der Kindertheologie wichtige Hinweise geben.

Die Studie von Gerth zeigt, dass Schülerinnen und Schüler der Grundschule die Pfingstgeschichte grundsätzlich anders hören, werten und deuten als die der Sekundarstufe 1. Viertklässler setzen sich unmittelbar mit der Geschichte auseinander, können sich problemlos in die Jünger hineinversetzen und deren Veränderung nachvollziehen. Das Wirken des Heiligen Geistes wird von ihnen in der Geschichte meist nicht in Frage gestellt und direkt mit den ungewöhnlichen Naturphänomenen oder der Veränderung der Jünger verknüpft (Gerth, 2011, 288-300). Zu beachten ist hier, dass analog zu den entwicklungspsychologischen Stufenmodellen von Oser/Gmünder oder Fowler (→ Entwicklungspsychologie), das Wirken des Geistes oft als direktes Eingreifen verstanden wird und die Symbole (Feuer/Sturm) meist wörtlich gedeutet werden. In den theologischen Gesprächen werden auch mögliche Fallstricke deutlich, die im Unterricht auftreten können. So löst das Bild der Feuerzungen Assoziationen mit einem Heiligenschein oder Blitzen aus und kann zu der Frage führen, ob die Jünger (ver-)brennen (Maurer, 2006, 225). Ein personales Verständnis des Heiligen Geistes bewirkt möglicherweise, dass die Kinder diesen als eine Person in die Geschichte einbauen. Auch eine Deutung der Geschehnisse mit magischen Elementen (Verzauberung/Fluch) ist denkbar. Die Schilderung der Naturphänomene erinnert Kinder möglicherweise an eigene Erfahrungen mit Sturm und Gewitter, die, auf die Geschichte übertragen, auch zu der Aussage führen kann: „der Heilige Geist macht den Jüngern Angst“ (Gerth, 2011, 291;306). Steinkühler macht drauf aufmerksam, dass die Thematisierung des Pfingstfestes als Geburtstag der Kirche für Verwirrung sorgen kann, da Kinder bei Kirche zunächst an das Gebäude vor Ort denken (Steinkühler, 2017, 117).

Die Jugendlichen drücken eine große Distanz zur Geschichte aus. Sie besitzt keine Relevanz für ihr Leben und Erleben. Eine Identifikation mit den Jüngern fällt ihnen schwer. Für sie steht die Frage nach dem tatsächlichen Geschehen und einer Erklärung der Phänomene im Zentrum des Interesses. Das Sprachenwunder fasziniert sie und wird ganz unterschiedlich gedeutet. Die Jugendlichen lesen die Geschichte als Science-Fiction, als Gruselgeschichte oder als Werbetext für das Christentum. Das Wirken des Heiligen Geistes wird daher als Trick, Erfindung oder didaktischer Kniff des Lukas verstanden (Gerth, 2011, 313-316).

3. Elementare Erfahrungen

Welche Erfahrungen aus dem Pfingsttext sind für Kinder und Jugendliche nachvollziehbar und wie passt das zu den Erfahrungen, die zur Entstehung des Textes geführt haben?

3.1. Dieselbe Sprache sprechen – Gemeinschaft

Die Apostelgeschichte erzählt, aus der Sicht des Lukas, von den (geistgewirkten) Erfahrungen der ersten „Christen“. Die Motive und Schilderungen, die Lukas für das Wirken des Geistes verwendet, ähneln der Bildsprache für Theophanien im AT (→ Epiphanie, AT) und dürften den Hörerinnen und Hörern des Lukas unmittelbar verständlich gewesen sein. Bei den Schülerinnen und Schülern sorgen sie jedoch für Verwirrung. Auch das dem Sprachenwunder möglicherweise zugrunde liegende Reden in Zungen, trat als sichtbares Zeichen des Geistes (Charisma) in den frühchristlichen Gemeinden häufiger auf (Apg 10,46; 19,6, 1Kor 14), ist für heutige Leser aber meist befremdlich. Anschlussfähig an die Erfahrungen des Textes ist dagegen das von Lukas transportierte Bild des Redens in derselben Sprache, das Gemeinschaft überhaupt erst ermöglicht. Bereits im Grundschulalter kennen Kinder unterschiedliche Sprachen und wissen, was es bedeutet, den anderen oder die andere nicht zu verstehen. Spricht man dagegen dieselbe Sprache, so entsteht Verständigung und Gemeinschaft. Für Lukas ist klar, der an Pfingsten ausgegossene Heilige Geist stiftet den Zusammenhalt der messianischen Gemeinschaft. Was macht für Kinder und Jugendliche heute Zusammenhalt und den Geist einer Gemeinschaft aus? Die hohe Bedeutung der Gemeinschaft für das Leben Jugendlicher zeigt eine Studie aus Baden-Württemberg. Über 90% der Befragten glauben, ihr Leben bekomme Sinn durch soziale Beziehungen oder zwischenmenschliche gemeinschaftsstiftende Werte. Dagegen hat nur für knapp 37% der Befragten Gott eine zentrale Bedeutung in ihrem Leben (empirica-Forschungsinstitut, 2012, 31).

3.2. Begeisterung und Mut

Die Erfahrung, sich für etwas zu begeistern und sprichwörtlich Feuer und Flamme zu sein, kennen die Schülerinnen und Schüler. Während Grundschulkinder wohl eher die übersprudelnde Begeisterung nachvollziehen können, die dafür sorgt, dass man etwas besonders Wichtiges einfach nicht für sich behalten kann, ist für die Jugendlichen wahrscheinlich auch die Erfahrung einsichtig, dass es Mut (und vielleicht eine besondere Kraft) braucht, öffentlich etwas Unangenehmes auszusprechen. Hier knüpft die Frage an, was Jugendliche heute bewegt und wofür sie auf die Straße gehen würden.

3.3. Spirituelle Erfahrungen

Ein Blick auf Untersuchungen zu spirituellen Erfahrungen von Jugendlichen zeigt Erstaunliches. Laut einer Studie der Uni Tübingen geben dreiviertel der Jugendlichen an, in ihrem Alltag zu beten (Schweitzer, 2018, 21). Streib verweist darauf, dass ca. 12-15 % der Jugendlichen von sich selbst behaupten, spirituell zu sein und zeigt auf, dass diese Selbsteinschätzung auch mit mystischen Erfahrungen zusammenhängt (Streib, 2017, 21-25). In diesem Kontext ist auch die wachsende Zahl der Pfingstgemeinden und charismatischen Bewegungen zu beachten. Zwar ist die Zahl der Gemeindemitglieder mit ca. 300.000 in Deutschland überschaubar, doch weltweit machen die Pfingstkirchen ca. ein Viertel der Christen aus. Schülerinnen und Schüler mit einem pfingstkirchlichen Hintergrund bringen möglicherweise ganz eigene Erfahrungen in den Unterricht ein.

4. Elementare Wahrheiten und Fragen

Welche Glaubens- und Wahrheitsfragen können bei der Thematisierung der Pfingstgeschichte aufbrechen?

4.1. Fragen nach dem Wirken Gottes

Die Pfingstgeschichte schildert sehr bildhaft das Wirken Gottes durch seinen Geist. Für Schülerinnen und Schüler ist diese unmittelbare Erfahrbarkeit des Heilshandeln Gottes fragwürdig und lässt sich weiter zuspitzen in der Frage: (Wie) kann Gott in unserem Alltag erfahren werden? Kann er durch seinen Geist in der Gemeinde wirken? Hier bricht eine der grundlegenden Fragen des Religionsunterrichts auf, nämlich die nach dem Gottesbild der Schülerinnen und Schüler. Wie lässt sich erklären, dass das für uns so merkwürdig anmutende Geschehen Ausdruck von Gottes Wirken sein soll?

4.2. Fragen nach dem Wahrheitsgehalt der Geschichte

Jugendliche fragen vor allem nach dem historischen Wahrheitsanspruch der Geschichte. Ist das, was Lukas hier beschreibt wirklich passiert oder liegt dem Text eine andere Auffassung von Wirklichkeit zugrunde, die nicht als historischer Bericht verstanden werden kann (siehe 1.3)? Gennerich und Zimmermann machen in ihrer Studie deutlich, dass für Jugendliche die Frage nach dem Wahrheitsanspruch einer Geschichte viel mehr umfasst als nur die Frage nach dessen Historizität. Es geht auch um einen lebensweltlichen Anwendungsbezug der Texte (Gennerich/Zimmermann, 2020, 197).

4.3. Fragen nach der Bedeutung von Kirche und Glauben

Schließlich wirft die Pfingstgeschichte, durch das in ihr transportierte Bild der ersten Gemeinde, die Frage auf nach dem Bild, das die Schülerinnen und Schüler von Kirche und Gemeinde haben. Was verbinden sie mit Kirche? Welche Bedeutung hat Kirche in ihrem Alltag? Wirkt der Heilige Geist, wie Lukas dies schildert, als Motor der Heilsgeschichte (Schnelle, 2016, 479) tatsächlich bis heute in der Kirche und wie geisterfüllt sind ihre Mitglieder heute?

5. Elementare Wege

Welche Lernarrangements ergeben sich aus den bisherigen Schritten der Elementarisierung?

5.1. Theologisieren über das Wirken des Heiligen Geistes

Die Pfingstgeschichte zeigt: Geist-Erfahrungen lassen sich nicht genau beschreiben und festmachen. Lukas verwendet daher Bilder. Er spricht von einem Brausen, wie von einem Sturm und von Zungen, wie von Feuer. Das, was hier geschieht, ist aber nicht genauer beschreibbar. Beobachtbar sind nur die Folgen. Schon bei Lukas ist das Geschehen offen für Interpretationen. Das begeisterte und begeisternde Auftreten der Jünger kann ein Zeichen für das Wirken Gottes sein. Der Vorwurf „die sind betrunken“ zeigt aber, dass es auch eine ganz andere Erklärung geben könnte, und öffnet den Text für gemeinsames Theologisieren! Nimmt man die Pfingstgeschichte in ihrer Vielschichtigkeit in den Blick, so bietet sie zahlreiche Möglichkeiten, mit den Schülerinnen und Schüler über ihren Glauben und ihre Vorstellungen von Gott, Gemeinschaft und Kirche ins Gespräch zu kommen. Wichtig dabei ist, die Verstehensvoraussetzungen der Kinder und Jugendlichen im Blick zu behalten (siehe 2.2). Eine Orientierung zum Setting theologischer Gespräche mit Kindern geben Artikel aus den Jahrbüchern für Kindertheologie (Freudenberger-Lötz/Schreiner, 2004,109-117; Orth/Gerth, 2008, 123-136). Ideen zum Theologisieren mit Jugendlichen bietet der Sammelband KU Praxis - Heiliger Geist (Gäfgen-Track/Haeske/Löhmannsröben, 2015).

5.2. Die Pfingstsymbole erschließen und erfahren

Über die Pfingstsymbole Wind und Feuer ist eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit der Pfingstgeschichte anhand der vier Aneignungswege nach Schweiker möglich. Ideen dazu finden sich beispielsweise in den „Arbeitshilfen Religion inklusiv“ (Schweiker, 2014), in dem Band „Religion unterrichten in konfessionell-gemischten Lerngruppen“ (Felber/Weißenfeldt, 2017, 56-66) oder den „Arbeitshilfen inklusive Konfirmandenarbeit“ (Munk/Schaaf, 2019).

5.3. Motivation, Erneuerung, Veränderung

Gerade jüngere Kinder finden über die Thematisierung der Gefühle der Jünger einen guten Zugang zur Geschichte und zum Wirken des Heiligen Geistes (Gerth, 2011, 296f.). Dies nutzen zahlreiche Schulbücher und didaktische Materialien (z.B. Konevic/Paul, 2009, 24-29; Peters, 2015, 24-27; Kuhl, 1994). Für Jugendliche eignet sich hier beispielsweise die DVD „Spirit – Gottes Geist verändert Menschen“ oder ein Unterrichtsvorschlag aus dem Material „Das Kirchenjahr im Religionsunterricht“ (Heger/Stark/Schorz, 2009, 93-104).

5.4. Gemeinschaft und Entstehung der Kirche

Die unter 3.1 und 4.3 herausgearbeiteten elementaren Zugänge und Fragen werden in vielen Unterrichtsideen zum Thema Pfingsten aufgegriffen. Ein exemplarisches Beispiel für die Grundschule findet sich in den „Arbeitshilfen Religion Neu Grundschule – Feste im Kirchenjahr“ (Hauser/Hermann, 2014, 183-214). Mehrere Ideen für die Sek 1 bietet die Zeitschrift Zeitsprung (AKD 2018).

5.5. Der Wahrheitsanspruch der Pfingstgeschichte

Die Jugendlichen zeigen ein feines Gespür für die Differenz zwischen Wahrheit und Wirklichkeit des Textes (siehe 2.2; 4.2). Einige halten den Text zwar für historisch unplausibel, würdigen aber den didaktischen Kniff des Lukas so die Ausbreitung der messianischen Bewegung zu erklären. Ein Achtklässler fasst das stark verkürzt so zusammen: „Man weiß ja nicht, ob die Geschichte wahr ist. Dazu erfunden ist sicherlich der Heiligen Geist. Aber wenn wir eine eigene Geschichte dazu machen müssten, würde ich das auch so schreiben. Weil es spannender klingt. Denn es ist ja langweilig, wenn da irgendwelche rumgezogen sind und gesagt haben ‚tretet dieser Religion bei‘“ (Gerth, 2011, 279). Hier lässt sich anknüpfen, um im Sinne von Zimmermann und Zimmermann das eng begrenzte Wahrheitsverständnis der Lernenden zu entgrenzen, indem ein kumulatives Verständnis von Wahrheit in der Bibel angeregt wird (Zimmermann/ Zimmermann, 2018, 736).

Literaturverzeichnis

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