Friedhofsbesuch/Friedhofspädagogik

1. Bedeutung von Friedhöfen gestern und heute

„So, wie ein Volk seine Toten verehrt, so offenbart sich seine Seele vor dir.“ Was der chinesische Philosoph Konfuzius hier beschreibt, verweist darauf, dass Friedhöfe den Zeitgeist von gestern und heute widerspiegeln und so zu bedeutenden Kulturdenkmälern einer Region zählen können.

Die ältesten Zeugnisse menschlicher Zivilisation hat man in Grabstätten gefunden, und Grabstätten selbst gehören zu den frühesten Zeugnissen der Menschheit überhaupt. Die Germanen begruben ihre Toten in Steinstuben oder Steinkistengräbern, die als Familiengräber über viele Generationen im Einsatz waren und stets weiter mit Grabbeigaben wie Waffen, Rüstungen etc. ausgestattet wurden.

Die ersten Friedhöfe datiert man zwischen 500-800 v. Chr. erst noch unabhängig von christlich geweihtem Boden. 782 n. Chr. ordnete Karl der Große dann die Beerdigung auf Friedhöfen an, die damals noch als Kirchhöfe um die Kirchen herum angeordnet waren, woraus sich auch der Begriff „Friedhof“ in Anlehnung an das mittelhochdeutsche Wort „vrīthof“, d.h. eingefriedeter, umzäunter Bereich (um die Kirche) ableitet. Die Gläubigen wollten möglichst nahe bei der Kirche und den dort oft aufgebarten Reliquien begraben sein und hofften auf deren Fürsprache beim jüngsten Gericht. Als höchstes Privileg galt eine Bestattung im Altarraum oder in der Kirchengruft unter der Kirche. Sie war meist kirchlichen Würdenträgern oder der Familie des Kirchenstifters vorbehalten. Es wurden allerdings nicht alle Personen auf dem Friedhof bestattet. Außerhalb der Stadtmauer fanden in ungeweihter Erde Verstorbene ihren Platz, die sich selbst umgebracht hatten, exkommuniziert oder kriminell gewesen waren, oder im Mittelalter einem sogenannten unehrlichen Stand angehörten wie Bettler, Gaukler und Schauspieler.

Die Beerdigungspraxis rund um die Kirche änderte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts, weil einerseits der Platz in den Städten zu knapp wurde, ab dem 18. Jahrhundert dann hygienische Gründe geltend gemacht wurden.

Erste Feuerbestattungen gab es im christlichen Kulturraum erst Ende des 19. Jahrhunderts, weil sie zuvor als auf germanisch-keltischer Tradition beruhend als heidnisch abgelehnt wurden.

Friedhöfe heute sind (leider in vielen Städten städteplanerisch uniformierte) Stätten der Erinnerung, der Trauer, der Ruhe, der Besinnung und spiegeln in der Unterschiedlichkeit der Anlage (Ehrenmale, Trauerhallen, Kreuze, Kriegsgräber u.a.), der Gräber und der aktuellen Erweiterungen (islamische Gräberfelder, anonyme Bestattungsfelder, Baumgräber ohne Grabsteine etc.) Ereignisse und Prioritäten der Vergangenheit und der Gegenwart sowie ihre aktuellen Herausforderungen.

Wie Menschen Bestattungen vollziehen und Bestattungsorte wählen, gibt einerseits einen Eindruck ihres persönlichen Glaubens, ihrer wirtschaftlichen Situation und gesellschaftlichen Stellung wieder, andererseits spiegeln sich darin zeitgeschichtliche Ereignisse und kulturelle Entwicklungen neben regionalen Einflüssen. Diesen Aspekten am Lernort Friedhof nachzugehen, kann didaktisch von großem Wert sein.

Weil Friedhöfe sowohl architektonisch als auch künstlerisch einen großen Wert haben, gibt es einige Friedhöfe, die sogar unter Denkmalschutz stehen.

Bestattungskultur heute befindet sich im Umbruch, da die Anzahl der anonymen Bestattungen ebenso wie die Zahl der Einäscherungen stetig steigt. Außerdem sind sogenannte digitale Friedhöfe und digitale Trauer- und Erinnerungsorte entstanden. Da die Familien oft nicht mehr am gleichen Ort wohnen, wird Gräberpflege oft als Belastung empfunden und ist gerade für ärmere Familien, deren Angehörigen für den Todesfall nicht vorgesorgt haben, eine große finanzielle Belastung. Der früher übliche regelmäßige Besuch am Grab, z.B. an den Geburtstagen, zu Weihnachten, Ostern, Allerheiligen u.a., zu dem auch die Kinder mitgenommen wurden, wird immer seltener. Somit ist der Tod für Kinder- und Jugendliche zwar medial so präsent wie nie zuvor, aber ein Friedhofsbesuch am Grab toter Angehöriger und vielleicht zuvor am offenen Sarg in der Leichenhalle und Beerdigungen von entfernteren Bekannten kommen im realen Alltag als unmittelbare Erfahrung kaum noch vor. Deshalb gehören Friedhöfe auch nicht mehr zu den vertrauten Orten von Kindern und Jugendlichen.

Es gibt aber keinen anderen Ort, an dem die physische und psychische Endgültigkeit durch Zeichen und Worte deutlicher erlebt werden kann als auf Friedhöfen, die zwar an das Ende erinnern, aber auch in unterschiedlichsten Symbolen und Zeichen Hoffnung zum Ausdruck bringen. Auf einen Grabstein mit der Aufschrift „Bis bald!“, der im Schulbuch für die Klasse 9/10 eindrucksvoll abgebildet und didaktisch nutzbar gemacht wird, mag hier exemplarisch verwiesen sein (Husmann, 2014, 150).

2. Was ist Friedhofspädagogik?

Besucht man einen Friedhof als Ort des Lebens und des Todes, der Zeit und der Ewigkeit, des Erinnerns (→ Erinnerung/Erinnerungslernen) und des Vergessens wird das Nachdenken über die großen Fragen des Lebens unmittelbar angeregt: Wo gehe ich hin? Wo komme ich her? Was bleibt? Was ist der Sinn?

Auf dem Friedhof didaktisch mehr oder weniger angeleitet diesen Fragen nachzugehen und religiöse Sprach- und Deuteangebote zu entdecken, die durch Motive, → Bilder, Symbole (→ Symboldidaktik) vermittelt werden, ist das Ziel der Friedhofspädagogik, die dazu den Friedhof als Stätte praktizierter Religion und auch als regional bedeutsamen Lernort aufsucht. Während die Kirchenpädagogik auf umfassende Literatur zur Erschließung von Kirchenräumen verweist (→ Pädagogik des Kirchenraums/heiliger Räume) (Degen/Hansen, 1998; Klie, 2003; Sajak, 2012; Rupp, 2016 u. 2017 u.a.), finden sich nur vereinzelte, vor allem praktisch ausgerichtete Beiträge zur Friedhofspädagogik (Ziegler, 2007; Freisen, 2011; Schulte, 2013, 138-148).

2.1. Religionspädagogische Begründung

In den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Interesse an alternativen Lernorten und Lernwegen zentrales Thema. Mit dem Pisa-Schock kam es dann zu einer bildungspolitischen Wende, die teilweise leider mit der kognitiven Verengung des Lernverständnisses einherging. Erst langsam werden auch oder gerade im Kontext einer kompetenzorientierten Didaktik (→ Kompetenzorientierter Religionsunterricht) Lernorte und ihre Chancen für → Anforderungssituationen wieder neu entdeckt.

Außerschulische Lernorte waren stets ein zentraler Bestandteil reformpädagogischer Arbeit (→ Reformpädagogik), weil „Lernorte realitätsnah und erfahrungsorientiert sind. Sie fördern die kreative Eigentätigkeit der → Schülerinnen und Schüler. Sie ermöglichen ein prozessorientiertes forschendes Lernen und verknüpfen konkretes und analytisch-logisches Denken. Sie schöpfen das Potenzial ganzheitlichen Lernens aus und eröffnen eine ungeahnte Methodenvielfalt. Außerdem befördern sie die bewusste Entwicklung sozialer und kommunikativer Kompetenzen“ (Schulte, 2013, 16, die hier auch auf Adam, 2006, 360 verweist). Der Friedhof ist ein Raum vor Ort, der Religion sinnhaft entdecken und erleben lässt, der Emotionen auslöst, Fragen stellt und zum Forschen anregt. Religion in privater und öffentlicher Präsentation kann so in regionaler Anbindung in direkter Begegnung mit religiös bedeutsamen Zeichen, Ereignissen und Symbolen wahrgenommen werden.

Der Begriff der „originalen Begegnung“ wurde von Heinrich Roth (1906-1983) eingeführt, der als Vertreter der geisteswissenschaftlichen Pädagogik die Begegnung als methodisches Prinzip profilierte. Sie sei für den Erfolg des Unterrichts mitverantwortlich: Der Gegenstand und das Kind seien so miteinander in Beziehung zu bringen, „dass das Kind fragt, weil ihm der Gegenstand Fragen stellt, und der Gegenstand Fragen aufgibt, weil er eine Antwort für das Kind hat“ (Roth, 1967, 111). Über einen Gegenstand nur zu sprechen, reiche nicht, er müsse selbst präsent sein, um „Ereignis zu werden“ (Roth, 1967, 113).

2.2. Lernbereiche und Kompetenzen

Fragt man danach, welche Lernbereiche durch ein didaktisches Arrangement am Lernort Friedhof bedient werden können, finden sich folgende Anknüpfungspunkte (Schulte, 2013, 141-143): Christlicher Glaube als Lebensorientierung, Grunderfahrungen und Grenzsituationen des Lebens, Religiöse Phänomene in Alltag und Kultur.

Als mögliche Kompetenzbereiche können für die Primarstufe vorgeschlagen werden: Schülerinnen und Schüler

  • nehmen den Friedhof als Teil ihres lokalen Umfeldes als besonderen Ort auch mit religiös-christlichen Sprachformen (Gräber, Grabsteine, Symbole) wahr und deuten davon ausgehend Formen des Abschieds, der Erinnerung und der Hoffnung.

Für die Sekundarstufe I werden aufgeführt (Scherer, 2013, 7):

  • Grundformen religiöser Sprache in Symbolen, Gebeten, Gebärden am Lernort Friedhof unterscheiden, deuten und gestalten;
  • unterschiedliche Ausdrucksformen des Glaubens wie Beerdigungen, Trauerrituale und Trösten kennenlernen und Bezüge am Lernort wahrnehmen und deuten;
  • Das eigene Selbst- und Weltverständnis am Lernort Friedhof wahrnehmen.

Schulte (2013, 143) formuliert für die Sekundarstufe II: Die Schülerinnen und Schüler

  • identifizieren die religiös-christlichen Sprachformen, Motive und Elemente in der Friedhofskultur, reflektieren sie kritisch und erklären ihre Herkunft;
  • identifizieren die säkularen Sprachformen, Motive und Elemente in der Friedhofskultur, erklären sie als alltagssprachliche Formen des Abschieds, der Erinnerung und des Gedenkens und reflektieren sie kritisch.

2.3. Didaktische Aspekte

Die jungen Friedhofsbesucher werden unterschiedliche Einstellungen, Vorerfahrungen und Kenntnisse über Friedhöfe mitbringen. Vor allem der unterschiedliche Grad der Betroffenheit wird stark variieren, je nachdem ob z.B. in jüngster Zeit ein (naher bzw. nächster) Bekannter bzw. Verwandter verstorben ist. Daher ist gerade in diesem Zusammenhang eine Erhebung der Lernausgangslage (→ Lernausgangslage erheben) unverzichtbar. Je nach Lerngruppe ist zu entschieden, auf welche Aspekte exemplarisch Bezug genommen wird. Soll es um die aktuelle Beerdigungspraxis gehen, sollen sozialpolitische Entwicklungen entdeckt werden (anonyme Gräberfelder, Friedwald u.a.), stehen geschichtliche Aspekte im Vordergrund (Soldatengräber, Gräberfelder nach Unglücken u.a.), können Biografien bedeutender Personen bzw. Christinnen und Christen vor Ort erschlossen werden, geht es um die christlich-abendländische Ikonographie und Symbolik in Kontext Sterben, Tod und Auferstehung oder um die Sprache der Gräber (Größe, Bepflanzung, Pflege u.a.) oder vielleicht sogar darum, die eigenen Endlichkeit (erstmals) beim Anblick von Gräbern von Kindern bzw. Jugendlichen im gleichen Alter wahrzunehmen? Was hiervon gegenwärtig, zukünftig und exemplarisch für die konkrete Lerngruppe bedeutsam ist, muss im Einzelfall entschieden und begründet werden.

Auch fächerübergreifende Projekte mit Gesellschafts- bzw. Sozialkunde, Geschichte, Deutsch, Kunst oder Ethik sind denkbar (Beispiele bei Schulte, 2013, 147; Zimmermann/Hellwig, 2011).

3. Methodische Hinweise

3.1. Besuch eines christlichen Friedhofs

Für den Besuch des Friedhofs vor Ort bieten sich methodisch zwei Zugänge an (didaktische Vorentscheidungen bei Schulte, 2013, 16-18). Entweder wird der Friedhof in seiner Unmittelbarkeit und Ursprünglichkeit ohne Vorgaben in Augenschein genommen. Durch die Begegnung erst stellen die Schülerinnen und Schüler Fragen, machen Beobachtungen und es entstehen Forschungsaufgaben. Der Lernort initiiert somit ihm eigene Lernwege, die dann von der Lehrkraft gebündelt und weitergeführt werden. Das könnte in der Weise erfolgen, indem die Schülerinnen und Schüler Fragekarten bekommen, die sie in eine vorbereitete Fragebox werfen. Auch wichtige Beobachtungen werden in einer zweiten Kiste gesammelt. Beide Inhalte systematisiert die Klasse im Anschluss an den Lerngang, und einzelne Teams beschäftigen sich mit Unterstützung des Lehrers bzw. der Lehrerin mit ihrer Beantwortung bzw. der Bündelung der Beobachtung. Bei einem zweiten Besuch werden dann vor Ort die Ergebnisse vorgestellt, bevor die Lernenden wiederum Zeit zur persönlichen Vertiefung am Lernort haben.

Beim zweiten Zugang würde der Lernort zielgerichtet ausgewählt; an ihm sollen vorher eruierte Fragen und Inhalte wahrgenommen und bearbeitet werden. Dafür bereitet der Lehrende Lehr- und Lernmaterialien gezielt vor. Das kann in Form eines kleinen Erkundungsbuches erfolgen, durch das Aufgaben vorgegeben und damit Fokussierungen intendiert sind.

Die Beobachtungsaufgaben können folgende Inhalte berücksichtigen:

  • Zuerst gilt es, die besondere Stimmung auf einem Friedhof einzufangen und die Wirkung, die diese auf die Kinder bzw. Jugendlichen hat.
  • Zur Wahrnehmung des Friedhofs als Ganzem könnte man fragen: Wo liegt der Friedhof, wie ist er gestaltet, welche Bereiche sind erkennbar, welche Gebäude gibt es, wie groß ist er? Hierzu kann eine (Teil-)skizze vorgegeben werden, die die Lernenden erweitern, bzw. in die sie die Nummern des „Inventars“ wie Kapelle, Denkmal etc. eingetragen.

Zur inhaltlichen Vertiefung bietet sich an:

  • Auffällige Grabstätten finden und beschreiben/fotografieren/abmalen;
  • frische Gräber beschreiben (Blumen, Kränze, frische Erinnerungsstücke u.a.);
  • Informationen über die Bestatteten den Grabsteinen entnehmen (Fotos, Leitsprüche, Vorlieben u.a.);
  • Vergleich von Gräbern aus verschiedenen Zeiten;
  • Vergleich von verschiedenen Gräbertypen (Familiengrab, Einzelgrab, Urnengrab, anonyme Gräber, Friedwald u.a.);
  • Bibelstellen, Symbole und Aussagen, die hoffnungsvoll über den Tod hinausweisen, identifizieren und deuten.

Manchmal ist es möglich, am Ende oder im Anschluss an eine Friedhofserkundung einen Termin mit einem Bestatter auszumachen, der meist die offenen Fragen klären kann.

3.2. Besuch eines jüdischen Friedhofs

Die Begegnung mit einer anderen Beerdigungskultur und das Kennenlernen anderer Gebräuche und Beerdigungsriten, aber vor allem die Konfrontation mit der Vernichtung jüdischen Lebens im Zusammenhang des Dritten Reiches sind eine große Herausforderung, wenn als Lernort ein „jüdischer Friedhof“ ausgesucht wird.

Als feinsinniges Leitprinzip wählt Susanne Ziegler hierfür „Die Schwelle überschreiten“ (Ziegler, 2007): Ausgehend von Schwellenängsten wird hier mit einer realen, vom Schreiner hergestellten Schwelle die Begehung des jüdischen Friedhofs in Ladenburg exemplarisch vorgestellt, für die im Unterrichtssetting sechs Schwellen überwunden werden. Die Lernenden sollen so die „Übergänge zwischen Leben und Tod, zwischen Gegenwart und Geschichte wahrnehmen. Sie sollen eintreten in den Raum der jüdischen Religion und diesen Raum achten. Sie sollen in entdeckender, eigenständiger und ganzheitlicher Weise mit Symbolen, Zeichen und Zeichenhandlungen [mitgebrachte Steine werden auf Gräber gelegt] umgehen und sich mit Lebensgeschichten und Familiengeschichten der jüdischen Mitbürger/innen ihres Ortes beschäftigen“ (Ziegler, 2007, 87).

Methodisch arbeitet Ziegler anhand von Fotoaufgaben, die den besonderen Blick der Schülerinnen und Schüler festhalten, und mit Besichtigungen von Grabsteinen, die auf eine Geschichte verweisen, die von Schülergruppen als Erkundung zu jüdischen Familien in Ladenburg erschlossen werden sollen. Somit wird eine Beziehung zur Lebensgeschichte einer konkreten jüdischen Familie aufgebaut, deren lebensweltlicher Bezugspunkt vom Grab auf dem jüdischen Friedhof ausgeht.

Auf den in Wien von Dr. Robert Streibel entwickelten Ansatz „Führungen mit der Gartenschere“ verweist Antje Rösner (2011). Hier geht es darum, Beziehung über Grabpflege zu entwickeln, indem wilderndes Efeu von den Gräbern der Toten geschnitten wird – als Dienst, der anstelle der Nachfahren jüdischer Mitbürger erfolgt, die im Holocaust umkamen. Dies sei besonders zur Erhaltung der Erinnerungsorte wichtig und werde von den jüdischen Gemeinden vor Ort begrüßt. Denn jüdische Grabstätten werden niemals aufgegeben, weil nach jüdischem Glauben der Friedhof für die Verstorbenen ein Haus der Ewigkeit darstellt. Auch hier sind die Fragen, die bei dieser Begegnung mit dem Gegenstand entstehen, zentral für die Auseinandersetzung am Lernort: Wann hat dieses Grab zum letzten Mal ein Angehöriger besucht? Was ist aus dieser Familie geworden? Wofür hat dieser Mensch gelebt, woran hat er geglaubt, wie hat er sich eingebracht und wie mag er gestorben sein?

Ganz praktisch ist für einen Besuch des jüdischen Friedhofs wichtig, dass eine Kopfbedeckung mitgebracht wird.

Literaturverzeichnis

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