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Buddhismus im Religionsunterricht

Der Buddhismus ist nicht nur als eine der großen Weltreligionen für den Religionsunterricht – konfessionellen wie überkonfessionellen – relevant, sondern auch als eine im deutschsprachigen Raum zunehmend gelebte Realität. Der Gedanke einer religiösen Welt­deutung ohne notwendigen personalen Gottesbezug wirkt ebenso faszinierend wie die intensive meditative Pra­xis, alternative Form des Kultes und ein anspruchsvoller ethischer Weg. Hinzu kommen die vergleichsweise offenen Formen einer Mit­gliedschaft, das Fehlen eines Dogmengebäudes und (oft freilich nur ver­meintlich) von kultischer Strenge. In der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) haben sich die verschiedenen buddhistischen Richtungen zu einem gemeinsamen Bekenntnis zusammengefunden. In Österreich gibt es Buddhismus als ordnungsgemäßes Schulfach. In Berlin wird buddhistischer Religionsunterricht an mehreren Schulen angeboten - nach einem 2002 anerkannten Lehrplan. Die Arbeitsgemeinschaft Unterrichtsmaterialien der DBU (https://buddhismus-unterricht.org/unterrichtsmaterial/) sammelt und erarbeitet Unterrichtsentwürfe, Texte und authentische Materialien für den Unterricht von Buddhismus und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Im Folgenden werden Grundinformationen und unterrichtliche Perspektiven für Lehrkräfte vorwiegend des christlichen Religionsunterrichts dargeboten, in dem die Begegnung mit den Weltreligionen einen wichtigen Teilbereich der Lehrpläne darstellt. Dabei bietet das von buddhistischer Seite angebotene Unterrichtsangebot eine wertvolle Hilfe für eine authentische Wahrnehmung dieser Religion, auch in Richtung eines anzustrebenden religions-kooperativen Unterrichts.

1. Grundlagen des Buddhismus

Im Mittelpunkt des Buddhismus steht eine Erkenntnis, eine Erleuchtung, die einst dem historischen Buddha zuteil wurde und die durch die Zeiten hindurch in einer ungeheuren Vielfalt philoso­phischer und religiöser Richtungen gedeutet und entfaltet wurde und die Grundlage religiöser Praxis darstellt (dies und das Folgende nach Lähnemann, 2010, 190-197).

1.1. Buddha – der „Erwachte“

Die Lebensdaten des Buddha sind nicht vollständig zu klären, vermutlich wurde er 563 v. Chr. geboren und starb 483, nach anderer Datierung lebte er eventuell erst zwischen 450 bis 350 v. Chr. Archäologische Funde deuten zurzeit jedoch auf die ältere Zeitspanne.

Einen historisch genauen Ablauf von Buddhas Leben wiederzugeben, ist nahezu unmöglich, da er selbst keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen hat und auch kein Zeitgenosse von ihm die Daten seines Lebens schriftlich niederlegte. Die Geschichten über ihn sind ohne Frage mit vielen Legenden versehen. Dennoch zeigt die Lebensbeschreibung des Buddha auch in ihrer um Legenden angereicherten Gestalt so viel aus den Ursprüngen des Buddhismus, dass man sie zum Verstehen der Religion gut heranziehen kann.

Es heißt, dass der Buddha in seiner Jugend in Pracht und Herrlichkeit gelebt habe. Sein Vater Suddhodana war Machthaber der kleinen Adelsrepublik der Shakyas in Nordindien. Die Namen, die er trug, leiten sich zum Teil von diesem Herkommen ab: Gautama war der Sippenname der Familie, Shakya-muni bedeutet, dass er als Weiser des Shakya-Volkes gesehen wurde. Siddhartha ist der, der sein Ziel erreicht hat. Doch auch schon dieser letzte Name mag Programm sein.

Schon jung sei er mit einem edlen Mädchen verheiratet worden. Trotz des äußeren Glanzes befriedigte ihn das üppige Leben nicht, weil er sich darüber klar wurde, dass alle Genüsse vergänglich sind. Er legte sich die Frage vor, ob es etwas gibt, das von den Übeln Alter, Krankheit und Tod frei ist. Es wird erzählt, dass ihm bei seinen Ausfahrten nacheinander (eine Gottheit als) ein Greis, ein Kranker, ein Leichnam und schließlich ein Asket begegnet seien und ihn zu seinen Gedanken über die Vergänglichkeit und zur Suche nach ihrer Überwindung angeregt hätten.

Daraufhin verließ Siddhartha mit 29 Jahren seine Familie und zog in die Hauslosigkeit hinaus. Zunächst schloss er sich nacheinander zwei Hindu-Lehrern an; deren Lehren schienen ihm aber nur Durchgangsstufen zur Wahrheit zu sein, nicht die Wahrheit selbst. Dann versuchte er durch schmerzvolle Kasteiung und strenges Fasten in Verbindung mit Meditationen die Erleuchtung zu erzwingen. Als er entkräftet war, wurde ihm klar, dass er auf diesem Wege nicht zur Erkenntnis vordringen könnte; er nahm wieder reichlichere Nahrung zu sich und versuchte, auf dem mittleren Wege, jenseits der Extreme, zum Ziel zu kommen.

Als er in einer Nacht im siebten Jahr seines Asketentums unter einem Feigenbaum saß, erreichte er die Erleuchtung/das Erwachen (bodhi) und wurde aus einem Bodhisattva – einem Anwärter der Erleuchtung – zu einem Buddha. Er erlangte bei dieser Erleuchtung vor allem das Wissen um die vier edlen Wahrheiten und um die Vernichtung der drei Grundübel, nämlich der Sinnenlust, der Werdelust und des Nichtwissens. Er wusste, dass er die Erlösung erreicht hatte, dass es für ihn also keine Wiedergeburt mehr gab.

1.2. Die vier edlen Wahrheiten

Charakteristisch für die Lehre sind die vier edlen Wahrheiten:

  • Die erste Wahrheit ist die Wahrheit vom Leiden. Hier liegt die Erkenntnis zugrunde, dass alle Wesen, nicht nur die Menschen, leiden. Denn alle Wesen sind der Vergänglichkeit unterworfen: dem Alter, der Krankheit und dem Tod. Wenn der Buddha dies erkannt hat, so führt das bei ihm nicht dazu, dass er der Welt überdrüssig wäre, sondern es führt umgekehrt zu einer starken Verbundenheit mit allem Lebendigen, zum Mitgefühl.
  • Die zweite Wahrheit ist die Wahrheit von der Entstehung des Leidens. Der Grund für das Leiden liegt in der irrigen Meinung des Menschen, er wäre etwas Bestehendes, Bleibendes. Dadurch gerät er in Widerspruch zur Um­welt, die ihm durch ihre Veränderungen immer wieder zum Feind wird. Sie fügt ihm Schmerzen zu und entreißt ihm das Angenehme. In Wirklichkeit aber fügt der Mensch sich selbst das Leid zu. Er ist es ja, der an etwas hängt oder vor etwas anderem flieht. Der Grund für das Leid ist das Verlangen des Menschen und sein Widerwille. Beides zusammen wird als sein Haften an dem, was Verlangen und Widerwillen schafft, seine Gier oder insbesondere auch als sein Lebensdurst bezeichnet.
  • Die dritte Wahrheit ist die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Es ist die Überwindung des Anhaftens an einer vergänglichen Identität, das Aufge­ben, das Zurückweisen, das Fahrenlassen, das Nichtbeherbergen der Gier, das schließlich zum Nirvana – zum Erlöschen, Vergehen – führen kann.
  • Die vierte Wahrheit ist die Wahrheit vom Wege zur Aufhebung des Leidens. ­Das Leid kann nur durch persönliche Anstrengungen aufgehoben werden. Der Weg zu dieser Aufhebung ist der edle achtfache Pfad. Zu ihm gehört 1. das Wissen, dass es keine fixen Identitäten, kein letztendliches Selbst gibt, und das Wissen der vier Wahrheiten, 2. der Wille, das Leid zu überwinden, das Nirvana zu erreichen, 3. rechtes Reden – dass man wahrheitsgetreu, höflich, angenehm, hilfreich redet, 4. rechtes Handeln – dass man nicht tötet, nicht stiehlt, sondern auf das Wohl der Mitmenschen bedacht ist, 5. dass man seinen Lebensunterhalt so erwirbt, dass er im Einklang mit der Natur und dem Wohlbefinden aller Wesen ist, 6. dass man nach wahrer Erkenntnis, Erleuchtung sowie Mitgefühl strebt, 7. dass man sich der Vergänglichkeit bewusst bleibt und schließlich 8. dass man die rechte Versenkung zu üben weiß. Dies ist eine Konzentration, die meist von einem Objekt oder Gedanken ausgeht und durch verschiedene Stufen bis zum Nirvana führt.

Die einzelnen Schritte des achtfachen Pfades gehören zusammen. Kein Mensch kann ihn gleich vollkommen gehen. Der Erlösungssuchende schraubt sich also langsam von unten herauf, jeweils so weit, wie es seine Vorbedingungen – sein Karma – erlauben. Viele Buddhisten glauben aber auch an die Möglichkeit der Befreiung in diesem Leben.

Der Buddha beschloss, fünf Asketen zu seinen ersten Schülern zu machen, mit denen er schon früher zusammen gewesen war. Er fand sie in Sarnath bei Benares, hielt dort seine erste Lehrrede und setzte damit das Rad der Lehre in Bewegung. Das Rad der Lehre, das die Lehren von der Erleuchtung überall hinträgt, ist zu dem Symbol des Buddhismus überhaupt geworden.

1.3. Mönche und Laien

Die fünf Asketen, denen der Buddha sich zuerst zuwandte, wurden die ersten Mitglieder seines Mönchsordens. Bald aber wurden auch Laien, die nicht in den Orden direkt eintraten, zu Anhängern seiner Lehre. Der Buddha erwartete nicht, dass jeder die Reife haben könnte, in den Orden einzutreten. Jeder soll an seinem Ort, entsprechend seinem sittlichen Reifegrad, sich bemühen, ein sittliches Leben zu führen, und sei es nur, um eine gute Wiedergeburt auf Erden zu erreichen. So zerfielen die Anhänger des Buddha in zwei Gruppen: 1. in die Laien, die im Rahmen ihrer weltlichen Betätigung und ihres Familien­lebens die fünf sittlichen Gebote beachteten, nämlich: nicht zu morden, nicht zu stehlen, nicht zu lügen, nicht unkeusch zu leben und nicht berauschende Getränke zu sich zu nehmen. 2. Die Mitglieder des Ordens, die Mönche und die Nonnen, nahmen die gleichen Vorschriften in verschärfter Form wahr – indem sie völlige Keuschheit und Armut bewahrten und bestimmte asketische Regeln befolgten. Zwischen diesen beiden Stufen gab (und gibt) es noch Zwischenstufen insofern, als Laien für kürzere oder längere Zeit in ein Kloster eintreten und einen Teil der mönchischen Gelübde freiwillig übernehmen und so ihr Dasein im Blick auf eine spätere Wiedergeburt verbessern können.

Über vierzig Jahre lang durchzog der Buddha das nordöstliche In­dien und verbreitete seine Lehre durch Zwiegespräche und Predig­ten. Er sammelte eine Gemeinde von Mönchen um sich, sprach aber ebenso Laien an, die die sittlichen Gebote seiner Lehre in Beruf und Familie zu verwirklichen versuchten. – Beson­ders beeindruckend ist beim Buddha – ähnlich wie bei Jesus (→ Christus) – die vollkommene Übereinstimmung von Leben und Lehre. Dass es ihm gelungen ist, durch strenge Zügelung der Sinne alle Begierden, alle Gefühle von Zorn und Hass und alle Verblendung in sich zu ertöten, wird von allen Texten übereinstimmend berichtet. Dennoch erach­tet er nicht seine Person, sondern seine Lehre als das Entscheidende. Nicht durch die Verehrung seiner Person, sondern durch das Bege­hen des achtfachen Pfades ist die Erleuchtung zu erlangen.

Faszinierend ist, dass es dieser Lehre gelang, sich ohne Gewaltan­wendung in der gesamten asiatischen Welt auszubreiten (auch wenn es in der späteren Geschichte des Buddhismus verschiedentlich zu gewalt­samen Auseinandersetzungen kam). Dabei hat der Buddhismus die vielfältigsten Erscheinungsformen angenommen – in Verbindung mit den Kulturen so unterschiedlicher Länder wie China, Japan, Thailand, Tibet und der Mongolei.

1.4. Hauptrichtungen des Buddhismus

Man kann vor allem zwei Hauptzweige des Buddhismus unterschei­den:

  1. den Theravada-Buddhismus, der vornehmlich in Thailand, Birma, Sri Lanka, Kambodscha, Indien und (teilweise) Vietnam gepflegt wird und den
  2. Mahayana-Buddhismus, der vornehmlich China, Japan, Korea, Nepal, Vietnam und Tibet (hier in der spezifischen Form des Tantrayana-Buddhismus, der durch ganz besondere Riten gekennzeichnet ist) umfasst.

In all diesen Ländern ist der Buddhismus zu einem wesentlichen Kulturbestandteil geworden, teilweise überhaupt zur Grundlage des geistigen Lebens. Dabei gibt es unterschiedliche Erschei­nungs­formen und Auffassungen im Einzelnen. Es zeigten sich große Freiheiten in der Auslegung der Lehre des Buddha; es muss nach seinem Verständnis der Einzelne den Weg zur Erlösung selbst finden. Es gab auch schnell Angleichungen an andere Religionsrichtungen und Vermischungen mit den in den verschiedenen Ländern herrschenden Anschauungen.

Gegenwärtig rechnet man mit bis zu 500 Millionen Menschen weltweit, die sich zum Buddhismus bekennen. Die Schwierigkeiten, eine genaue Zahl festzustellen, liegen darin, dass es eine einheitliche Religionsorganisation nicht gibt und dass die Zugehörigkeit zu einem weiteren Bekenntnis nicht ausgeschlossen ist.

Hier können nur einige Merkmale der beiden Hauptrichtungen des Buddhismus aufgeführt werden:

1. Die Bezeichnung Theravada-Buddhismus ist bereits kennzeichnend: Theravada bedeutet, dass die Anhänger dieser buddhistischen Richtung sich möglichst eng an die ursprünglichen Leh­ren des Buddha anschließen wollen, ohne sie zu verändern, das heißt sie bleiben dabei, dass der mönchische Weg, den vier Wahrheiten und dem achtfachen Pfad zu folgen, das höchste Erstrebenswerte sei. Sie bleiben dabei, dass letztlich jede und jeder selbst den Weg der Erleuchtung fin­den und gehen muss, dass ihm keine Gottheit dabei helfen kann.

In der Praxis freilich hat sich auch der Theravada-Buddhismus mit Formen der Volksfrömmigkeit verbunden, bei denen verschiedene Vereh­rungs­formen für den Buddha und bedeutende geistliche Lehrer vorkommen.

2. Der Begriff Mahayana bedeutet Großes Fahrzeug. Das besagt, dass diese Richtung des Buddhismus allen Menschen das Heil zugänglich machen will. Damit ändert sich auch die Stellung des Mönches. Die Möglichkeit, das Ziel der Erlösung zu erreichen, ist dem Menschen nach Anschauung des Mahayana dadurch gegeben, dass er Mitleid übt und den Buddha bzw. die Buddhas verehrt.

Wichtig ist im Mahayana-Buddhismus, dass hier Formen der Verehrung wie beim Götterglauben eine erhebliche Rolle spielen: Der Buddha ist mehr als der im Nirvana erloschene Lehrer. Dabei ist er keineswegs eine Einzelgestalt, die nur selten innerhalb langer Perioden auftritt. Es gibt vielmehr unzählige Buddhas, die nach ihrem Tod, in dem ihr Schein­leib zerfällt, mit ihrem überirdischen Leib, dem Leib des Genusses, in ihrer überirdischen Welt ihren Anhängern helfen.

Eine besondere Bedeutung hat im Mahayana das Bodhisattva-Ideal gewonnen. Ein Bodhisattva ist kraft seiner Weisheit und seiner Verdienste, die er durch die Frömmigkeit und Aufopferung während vieler Existenzen erworben hat, vollauf dazu befähigt, ins Nirvana einzugehen. Er verzichtet aber darauf aus Rücksicht auf die anderen lebenden Geschöpfe in der Welt. In seinem unermesslichen Mitleid mit allen Geschöpfen stellt er sein eigenes Wohl zurück, um seinen Mitgeschöpfen auf den Weg der Erlösung zu verhelfen. Es ist nur eine kleine Zahl, die das hohe Ziel, ein Bodhisattva zu werden, anstreben kann. Für die meisten Gläubigen sind die Bodhisattvas erhabene Wesen, an die man seine Gebete um Hilfe richten kann.

Zwei besondere Zweige, die sich aus dem Mahayana-Buddhismus entwickelt haben, sind der Trantrayana-Buddhismus (auch Lama­ismus), der in Tibet (zum Teil auch in China und Japan) bestimmend ist, und der Zen-Buddhismus mit seiner hoch entwickelten Meditations-Praxis, der in Japan zu Hause ist. Ersterer bestimmt durch die vielen Exil-Tibeter, die sich im westlichen Ausland befinden (und nicht zuletzt durch die Leitgestalt des Dalai Lama), letzterer durch die Aufnahme von Zen-Meditationspraktiken in christlichen Klöstern auch das Bild des Buddhismus im Westen neu­zeitlich stark mit. Vermittelnd zwischen den verschiedenen Richtungen des Buddhismus wirkt der aus Vietnam stammende mönchische Lehrer Thích Nhất Hạnh, der im Osten wie im Westen großen Einfluss hat und auch eine Leitgestalt des engaged buddhism ist, die sich gezielt sozialen Problemen widmet.

Zum Vergleich von Grundanschauungen im Buddhismus und im Christentum, der im Rahmen dieses Artikels nicht ausgeführt werden kann, sei auf meine Gegenüberstellung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses und des buddhistischen Grundbekenntnisses, der Zuflucht zum Buddha, zur Lehre und zur Gemeinde derer, die den Weg des Buddha gehen wollen (Sangha), verwiesen (Lähnemann, 2010, 197-206).

2. Unterrichtliche Wege und Möglichkeiten

Da die Lehre des Buddha stark von Erkenntnissuche mit vielen Elemen­ten einer Lebensweisheit geprägt ist und der Buddha diese Bemühung auch von seinen Schülerinnen und Schülern erwartet, schien es herkömmlich ange­bracht, diese Elemente vor allem in der Sekundarstufe II zur Geltung zu bringen.

Dabei gilt für den Buddhismus (wie für die anderen Weltreligionen), dass er von Erzählungen, Gleichnissen und Symbolen lebt, die sehr ins Konkrete gehen und kindlicher Auffassungsgabe entgegen kommen.

Dies kommt zur Geltung in den inzwischen vielfältigen Unterrichtsanregungen der Arbeitsgemeinschaft Unterrichtsmaterial der Deutschen Buddhistischen Union. Grundlage ist das Buddhistische Bekenntnis, das bereits 1985 formuliert wurde und von allen buddhistischen Schulen anerkannt wird. Seinen Kern bildet das Bekenntnis zum Buddha als dem unübertrefflichen Lehrer, zum Dharma als der Lehre des Buddha und zum Sangha, der Gemeinschaft derer, die den Weg des Buddha gehen. Die vier edlen Wahrheiten gehören dazu wie auch die 5 ethischen Grundgebote, die in die Selbstverpflichtung münden: „Zu allen Lebewesen will ich unbegrenzte Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entfalten“ (www.buddhismus-deutschland.de/buddhistisches-bekenntnis).

Auf dieser Basis ist 2002 der Rahmenplan für den Buddhistischen Religionsunterricht in Berlin entwickelt worden, der im Sinne eines Spiralcurriculums Grundzüge des Buddhismus von Stufe zu Stufe für die Klassen 1-13 beschreibt und schülerorientiert entfaltet (www.buddhistischer-religionsunterricht.de). Sie werden jeweils den drei Grundkonstanten des Buddhismus – Buddha, Dharma, Sangha – zugeordnet.

Im Folgenden werden deshalb neben Unterrichtswegen, die für christlichen Religionsunterricht im Blick auf den Buddhismus entwickelt sind, Materialien von buddhistischer Seite aufgeführt, die auch für christlichen Religionsunterricht (→ Religionsunterricht, evangelisch; → Religionsunterricht, katholisch) Anregungen geben können.

2.1. Buddhismus als Thema für jüngere Altersstufen

Schon für das 1./2. Schuljahr bietet der Berliner Lehrplan kindgemäße Anregungen, über bildliche Darstellungen zur legendären Lebensgeschichte des Buddha, Stille-Übungen (→ Stilleübungen), Übungen zu den ethischen Grundregeln, Phantasiereisen, Mandala-Malbücher und Kontakte zu buddhistischen Tempeln und Gemeinschaften die Religion des Buddhismus elementar nahezubringen. Das lässt sich so für christlichen Religionsunterricht nicht übernehmen. Es kann aber in einer ähnlich gearteten Begegnung mit der Jesustradition, Sensibilisierung für die Bewahrung der Schöpfung, konkret gelebter Festtradition und kleinen meditativen Elementen seine Entsprechung finden und vertieftes Verstehen beim interkulturellen und interreligiösen Lernen (→ Interreligiöses Lernen) schon vorbereiten.

Für den Altersbereich des 4.-6. Schuljahres kann das Buch „Das Geheimnis des Buddha“ von Andrea Liebers (2007) auch im christlichen Religionsunterricht und im → Ethikunterricht einen Zugang eröffnen: In ein fiktives Gespräch zwischen dem Buddha-Be­glei­ter Ananda und zwei Kindern fließt der ganze, liebevoll ausgemalte Lebensweg des Buddha ein. Dabei entsteht eine Lerngemeinschaft zwischen dem alten Weisen und den beiden Geschwistern. Die Darstellung ist zwar eher eine Ikonographie als eine Historiographie – macht aber eben dabei, ähnlich den Ge­burts­­geschichten in den Evangelien für die Jesustradition, wesentliche Zentralerfahrun­gen der Lehre und des Weges des Buddha anschaulich. Ergänzt um das Arbeiten mit Artefakten (Buddha-Statue, Hausaltar, Klangschale, usw.), zu dem Werner Haußmann (2005) einfühlsam an­leitet, lässt sich hier schon ein Erfahrungszugang zum Buddhismus für jüngere Altersstufen anbahnen. Parallel können die von der Unterrichts-AG der DBU für die Klassen 4-7 aufbereiteten Bausteine zu Geschichten aus Buddhas Leben wertvolle Anregungen geben.

Eine andersartige Begegnung mit einem buddhistischen Lebensraum lässt sich bspw. für das 7./8. Schuljahr gestalten, wenn man – etwa in Ver­bindung mit dem in den Lehrplänen häufig vorgesehenen Thema Vorbilder – den Weg des 14. Dalai Lama erschließt, z.B. anhand von Auszügen aus seiner Selbstbiographie (1992).

2.2. Buddhismus als Thema für Abschlussklassen der Sekundarstufe I

Eine größere Anzahl an fundierten Unterrichtsmodellen und -vor­schlägen liegt für die Abschlussklassen der Sekundarstufe I vor. Das umfangreichste Werk ist die Arbeit von Christian Wendebourg (2002): Östliche Religion und evangelischer Glaube, eine besonders religionstheologisch relevante Un­ter­suchung, bei der christlich-evangelische Positionalität und Dialog­offenheit gleichermaßen zu einer intensiven Auseinandersetzung ein­laden.

Ebenfalls mit einem religionsvergleichenden Impetus, vielperspektivisch angelegt und schulisch erprobt ist das Unter­richtsprojekt von Christiane Lähnemann (2005): Buddha und Jesus – Für Ab­schluss­­klassen der Sekundarstufe I. Eine Grundorientierung über den Buddha, die buddhistische Lehre und die geschichtliche Entwicklung der buddhistischen Richtungen wird eingebettet und erweitert um aktu­elle Thematiken.

Für die Grunderschließung des Buddhismus wird – außer mit Buddha­bildern – mit dem Film „Buddhismus“ aus der von Hans Küng rea­lisier­ten Fernsehserie „Spurensuche“ gearbeitet, sinnvoll in Aus­schnitten, etwa mit der Darstellung zum Leben des Buddha.

In einem nächsten Schritt wird der Weg Jesu im Gegenüber dazu dargestellt, wobei differenziert darauf eingegangen wird, ob und wie viel Vorwissen auf Schüler- und Schülerinnenseite vorhanden ist. Es wird des Weiteren versucht, die unterschiedlichen Zeit- und Lebensvorstellungen in Buddhismus und Christentum skizzenmäßig (zirkulär, linear ...) darzu­stellen.

Ein weiterer Vergleich ist den ethischen Geboten des Dekalogs im Gegenüber zu den 5 Silas (den 5 Laienverpflichtungen im Buddhis­mus) gewidmet.

Die besondere Ausprägung der Spiritualität kommt in der genaueren Beschäftigung mit dem 3. Teil des achtfachen Pfades (den Stufen 6-8: rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes Sichversenken) zur Geltung, auch hier wieder mit Beziehung zu christlicher Aktualisierung von Meditationstraditionen wie in der Rezeption des Zen bei Pater Enomiya Lassalle. Für die Grunderfahrung des Zur-Ruhe-Kommens und des Zur-Mitte-Kommens werden zwei verschiedene Meditationsübungen angeboten. Es wird dann auch der schwerpunktmäßige Unterschied zum dialogischen Charakter des Betens (→ Beten christlich; → Beten, jüdische Perspektive) herausgearbeitet.

Weitere Bausteine, die zum Teil parallel von Schüler- und Schülerinnengruppen bearbeitet wer­den können, sind Mönchtum im Buddhismus und Geschichte des Buddhismus.

Lernen in der Begegnung (→ Begegnungslernen, interreligiös) ist schließlich eine Perspektive, die gewonnen werden kann, wenn sich ein buddhistisches Zentrum in der Nähe befindet (siehe hierzu www.buddhismus-deutschland.de). Sinnvoll ist es, eine solche Begegnung in Bezug auf mögliche Fragen vorzubereiten, was nach den zuvor geschilderten Unterrichtsschritten gut möglich sein dürfte.

2.3. Die Thematik in der Sekundarstufe II

In der Sekundarstufe II können die verschiedenen Bausteine des vorgenannten Projekts ebenfalls ihren Ort im Unterricht finden, wenn die Thematik Buddhismus nicht früher bearbeitet worden ist. Vertiefungen sind sowohl in weltanschaulicher Hinsicht (der Buddhismus als Lebensphilosophie) als auch in spiritueller und nicht zuletzt in ethisch-sozialer Hinsicht denkbar.

Für die zweite und die dritte Dimension sollen hier kurz Beispiele skizziert werden:

Im Teil I meiner „Weltreligionen im Unterricht“ habe ich ein ausführliches Unterrichtsprojekt vorgestellt, das spezifische inhaltliche Schwer­­punkte setzt: „Meditation und Gebet im Zen-Buddhismus und in der Communauté von Taizé“ (Lähnemann, 1994).

Voraussetzung zur Bearbeitung sind fundamentale Kenntnis zu den Religionstraditionen des Buddhismus und des Christentums, in denen die beiden Bewegungen stehen, weiterhin eine Herausarbeitung der Spezifika von Meditation und Gebet.

Ein vergleichbares Anliegen verfolgt das von der Unterrichts-AG der DBU vorgelegte, von Hans-Günter Wagner erstellte Unterrichtsmodell „Buddhismus und westliche Philosophie“ (https://buddhismus-unterricht.org). „Im Vordergrund steht die Arbeit mit historischen Texten sowie Sekundärquellen zu philosophischen und metaphysischen Fragen. Ziel ist ein paradigmatischer Vergleich buddhistischer mit westlichen Denktraditionen. [...] Die Lernenden werden inspiriert über ‚letzte Fragen‘ selbstständig zu reflektieren und vertiefen zugleich ihrer Fertigkeiten im Erschließen komplexer Texte.“ (a.a.O. 2)

Wenn es um den Buddhismus und seine soziale Wirksamkeit geht, ist es lohnend, sich mit einem der Beispiele des engaged buddhism auseinanderzusetzen: Sulak Sivaraksas Initiativen in Thailand (2007) oder A.T. Ariyaratnes Sarvodaya-Bewegung in Sri Lanka (2003).

Um es an Sarvodaya (= Wohlfahrt für Alle) zu verdeutlichen: Hier werden die buddhistischen Werte der Achtsamkeit und des Mit-Fühlens in Verbindung mit den Prinzipien Mahatma Gandhis in einer vielfältigen Grassrootarbeit umgesetzt:

Sarvodaya versucht, eine nicht arme und nicht reiche Gesellschaft zu schaffen, in der die Ressourcen miteinander geteilt werden, wodurch die Ärmsten im Lande instand gesetzt werden, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sarvodaya zielt auf eine ausgewogene Entwicklung, die nicht nur Bekämpfung von Armut ist, sondern den Menschen ihre sozialen, kulturellen, geistigen und politischen Möglichkeiten und Fähigkeiten bewusst machen will. Mahatma Gandhis Werte – Wahrheit, Bescheidenheit und Gewaltfreiheit – bilden die Grundlage, auf der Sarvodaya die menschlichen Grundrechte und die Grundbedürfnisse mit der Erhaltung der Umwelt in Einklang zu bringen versucht.

Literaturverzeichnis

  • Ariyaratne, Ahangamage T., Sarvodaya – Application of Gandhian and Buddhist Principles of Non-Violence to Combat Fanaticism, in: Lähnemann, Johannes (Hg.), Spiritualität und ethische Erziehung. Erbe und Herausforderung der Religionen, Hamburg 2001, 412-418. Ausführliche Informationen unter: www.sarvodayausa.org.
  • Dalai Lama, Das Buch der Freiheit. Autobiographie, Bergisch Gladbach 1992.
  • Haußmann, Werner/Lähnemann, Johannes (Hg.), Dein Glaube – mein Glaube. Interreligiöses Lernen in Schule und Gemeinde, Göttingen 2005.
  • Haußmann, Werner, Glaube gewinnt Gestalt – Lernen mit religiösen Artefakten, in: Haußmann, Werner/Lähnemann, Johannes, Dein Glaube – mein Glaube. Interreligiöses Lernen in Schule und Gemeinde, Göttingen 2005, 25-49.
  • Küng, Hans, DVD: Spurensuche – Folge 4: Buddhismus (Neue Fassung), 2013.
  • Lähnemann, Christiane, Buddha und Jesus - Für Abschlussklassen der Sekundarstufe I, in: Haußmann, Werner/Lähnemann, Johannes, Dein Glaube – mein Glaube. Interreligiöses Lernen in Schule und Gemeinde, Göttingen 2005, 149-180.
  • Lähnemann, Johannes, Buddhismus, in: Lachmann, Rainer/Rothgangel, Martin/Schröder, Bernd (Hg.), Christentum und Religionen elementar, Göttingen 2010, 188-213.
  • Lähnemann, Johannes, Weltreligionen im Unterricht. Eine theologische Didaktik für Schule, Hochschule und Gemeinde. Teil I: Fernöstliche Religionen, Göttingen 2. Aufl. 1994.
  • Liebers, Andrea, Das Geheimnis des Buddha, Wuppertal 2007.
  • Pädagogische Internetpräsentationen der Deutschen Buddhistischen Union. Online unter: www.buddhismus-deutschland.de/unterrichtsmaterialien, zuletzt abgerufen am: 23.11.2018.
  • Sivaraksa, Sulak, Das ‘Parlament der Armen‘ – eine spirituell-politische Alternative? in: Lähnemann, Johannes (Hg.), Visionen wahr machen. Interreligiöse Bildung auf dem Prüfstand, Hamburg 2007, 113-117.
  • Wendebourg, Christian, Östliche Religion und evangelischer Glaube. Ein Unterrichtsprojekt für die 10. Jahrgangsstufe, 3 Bde., Erlangen 2002 (Gymnasialpädagogische Materialstelle, Marquardsenstr. 2, 91054 Erlangen).

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