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Lexikon

Weltjugendtage

Janieta Bartz

(erstellt: Febr. 2019)

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Digital Object Identifier: https://doi.org/10.23768/wirelex.Weltjugendtage.200370

Weltjugendtage sind ein fester und prototypischer Bestandteil jugendpastoraler Arbeit (→ Jugendarbeit, katholisch), weil sie auf der Bemühung basieren, jungen Menschen den katholischen Glauben auf jugendkulturelle Weise zugänglich zu machen. Weltjugendtage finden in zwei Formen statt. Im Abstand von zwei bis drei Jahren werden vom Päpstlichen Laienrat in Rom internationale Jugendbegegnungen in einer Weltmetropole organisiert. In der Zwischenzeit finden die Weltjugendtage auch auf nationaler Ebene, im Kontext sogenannter Diözesanweltjugendtage statt. Dieser Artikel widmet sich vornehmlich den internationalen Weltjugendtagen. Diese haben eine internationale Ausrichtung und einen jugendorientierten Eventcharakter. Ebenso charakteristisch sind hierbei die Anwesenheit des Papstes und eine intensive Emotionalität bei den teilnehmenden Pilgerinnen und Pilgern (→ Reisen/Pilgern), die im Zusammenhang mit zahlreichen interkulturellen Begegnungen (→ Interkulturelles Lernen) steht.

1. Geschichte der Weltjugendtage

1.1. Das Centro Internazionale San Lorenzo in Rom als Ursprungsidee

Die Entstehungsgeschichte des Weltjugendtages beginnt in den 1980er Jahren mit der Konzeption des Centro Internazionale San Lorenzo in Rom. Paul Josef Cordes beobachtete bei einem Treffen mit deutschen Oberstufenschülerinnen zum wiederholten Mal, dass die jungen Frauen mehr Interesse an „Menschen, weniger an Monumenten“ (Cordes, 2008a) haben und er entwickelte die Idee, ein Begegnungszentrum mit einer kleinen Kirche in der Nähe des Petersdoms einzurichten (Cordes, 2008b). Papst Johannes Paul II. war am 13.03.1983 bei der Eröffnung des Zentrums anwesend, in dem sich in der Folge viele ermutigende Begegnungen von jungen engagierten katholischen Christen mit jungen Menschen, die am katholischen Glauben interessiert sind, ereigneten. Besonders bemerkenswert ist das Straßenapostolat (→ Evangelisierung, katholisch) dieser Jugendlichen auf der Piazza Navona und später auf dem Petersplatz, wobei auch Cordes an Gesprächen mit Passanten teilnahm.

1.2. Erste internationale Jugendbegegnung

1983/84 war das Außerordentliche Heilige Jahr und für Don Massimo Camisasca, einem freiwilligen Helfer des Zentrums, ein Anlass, um die Organisation einer internationalen Jugendbegegnung anzuregen. So wurde das erste Jugendtreffen vom Päpstlichen Laienrat sowie dem Zentrum San Lorenzo vorbereitet und trotz diverser Vorbehalte gegenüber dem Projekt durchgeführt. Das Jugendtreffen stellte sich als überaus erfolgreiche Initiative heraus, an der rund 300.000 junge Pilgerinnen und Pilger (→ Reisen/Pilgern) teilnahmen, die am Palmsonntag zur Eucharistiefeier mit Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz zusammenkamen.

1.3. Der erste Weltjugendtag

Papst Johannes Paul II. nahm das folgende Jahr der Jugend der Vereinten Nationen zum Anlass, ein weiteres Jugendtreffen in Rom stattfinden zu lassen, an dem ca. 250.000 Jugendliche teilnahmen. Am Ostersonntag 1984 verkündete Papst Johannes Paul II. die jährliche Fortsetzung der Jugendtage auf nationaler und internationaler Ebene.

Seitdem findet der Weltjugendtag in Rom jährlich statt und steht als internationales Glaubensfest der Katholischen Kirche im Kontrast zur Entkirchlichung, welche seit den 1980er Jahren zu beobachten ist (Höring, 2016, 136f.). Die internationale Variante erfolgt im Abstand von zwei bis drei Jahren in verschiedenen Ländern.

Die Ursprünge des Weltjugendtages zeigen eine Orientierung an authentischem Dialog in Glaubens- und Lebensfragen. Die Begegnungen junger Menschen gehen über den Ort Kirche hinaus und werden auf öffentliche Plätze ausgeweitet. Das Weltjugendtagskreuz wird zum Symbol (→ Symboldidaktik) des öffentlichen Glaubensbekenntnisses und der Weitergabe des Glaubens.

2. Struktur der Weltjugendtage

Ein wesentlicher Bestandteil des Weltjugendtages ist das Pilgern (→ Reisen/Pilgern). Momente von Aufbruch und Ankunft, Reisen und Rasten, Warten und Wandern sind Kernelemente eines jeden internationalen Weltjugendtages (Lehmann, 2016, 42-43). Im Laufe der Zeit entstand eine Vorbereitungszeit auf lokaler Ebene, in der sich junge Heranwachsende auf den bevorstehenden Aufenthalt im jeweiligen Gastgeberland einstimmen (Bode, 2005, 251ff.). Dies erfolgt in der Regel in touristischer wie auch spiritueller Hinsicht (Simon, 2007, 105), das heißt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer informieren sich einerseits über die Reisekonditionen und führen andererseits vertiefende Gespräche über das Motto des Weltjugendtages.

Seit 1997 wurden die sogenannten Tage der Begegnung bei Weltjugendtagen eingeführt (Simon, 2007, 105; Scharnberg, 2010, 16), bei denen die internationalen Pilgerinnen und Pilger mit den Jugendlichen und ihren Gemeinden des jeweiligen Gastgeberlandes zusammentreffen. So bekommen die Gäste die Möglichkeit, auf authentische und besonders intensive Weise Land und Leute, Kirche und Glauben kennenzulernen.

Auf die Tage der Begegnung schließt in der Regel am Mittwoch der folgenden Woche die Eröffnung des Weltjugendtages durch den Bischof des Gastgeberlandes in einem feierlichen Gottesdienst an. Die Ankunft des Papstes am nächsten Veranstaltungstag stellt einen weiteren Höhepunkt dar. Freitags findet im Beisein des Papstes regelmäßig eine Kreuzwegandacht mit Glaubenszeugnissen von Jugendlichen statt. Am Samstag nehmen die Jugendlichen an einem Pilgerweg teil, der zum Veranstaltungsort für die Vigil am Abend und den Abschlussgottesdienst am Sonntagvormittag führt. Diese Höhepunkte des Programms sind eingebettet in Katechesen, soziale Projekte und Treffen des Papstes mit Vertreterinnen und Vertretern kirchlicher und politischer Einrichtungen (detaillierte Darstellung des Ablaufes bei Scharnberg, 2010, 17f.). Als Orientierung und gemeinsame Grundlage der internationalen Weltjugendtage dient jeweils ein Motto, welches dem Neuen Testament entnommen ist und neben der Erläuterung in Predigten und Katechesen eine didaktische Umsetzung in einem alljährlich eigens komponierten Weltjugendtagslied findet.

Zu den Katechesen (→ Katechese/Katechetik) ist anzumerken, dass diese in der Regel in einer längeren Ansprache eines Bischofs bestehen – bislang leider ohne nennenswerte Beteiligungsmöglichkeiten für die Jugendlichen (s. 4.). In dieser Praxis zeigt sich nicht nur ein im Vergleich zu „Evangelii nuntiandi“ (Paul VI., 1975) und zur Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (Synodenbeschluss Sakramentenpastoral, 1976) verengter Katechesebegriff, sondern entgegen der ursprünglichen theologischen Konzeption des Weltjugendtages auch ein instruktionstheoretisches Missionsverständnis (s. 3.; Bartz, 2017; Bünker, 2010).

Der Weltjugendtag ist insgesamt aber weniger von den oben genannten Programmpunkten als von der Atmosphäre und den Auftritten des Papstes geprägt (Bartz, 2017, 137-177; Forschungskonsortium WJT, 2007, 127). Scharnberg stellt fest, dass insbesondere im programmfreien Kontext die Bewältigung „improvisierter Unterkunfts-, Sanitär- und Verpflegungssituationen“ die Atmosphäre des WJT maßgeblich beeinflussen (Scharnberg, 2010, 19).

Die große öffentliche Aufmerksamkeit für die Auftritte des Papstes ist in Hinblick auf seine Rolle, „sichtbare[s] Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit sowohl von Bischöfen als auch von Gläubigen“ (Lumen Gentium, 23, 66) zu sein, eine Chance. Diese Tatsache ist für die Veranstalter des Weltjugendtages mit der Hoffnung verbunden, die Jugendlichen in der Entwicklung einer kirchlich-religiösen Identität (→ Identität, religiöse) zu bestärken, deren Bestandteil die Zugehörigkeit zur weltweiten Gemeinschaft der katholischen Kirche und in diesem Rahmen auch die Gemeinschaft, Solidarität und interkulturelle Begegnung mit den Mitgliedern der Gemeinschaft aus aller Welt ist (Lehmann, 2016, 41).

3. Die Theologie des Weltjugendtages

Die Eventisierung jugendpastoraler Angebote begegnet vielen Skeptikern, aber auch leidenschaftlichen Befürwortern. Letztere verbinden mit Veranstaltungen wie dem Weltjugendtag oft Erwartungen eines neuen Pfingsten, das insbesondere in den Gastgeberländern angesichts bestehender Krisen neue Zuversicht vermitteln soll. Junge Menschen sollen die Events als spirituelle ‚Tankstellen‘ erleben und den Glauben auch in ihren Heimatländern neu entfachen. In diesem Spannungsfeld zwischen freudiger Befürwortung und kritischer Nachfrage stellt sich auch die Frage nach der theologischen Fundierung der Weltjugendtage.

Papst Johannes Paul II. konzipierte den Weltjugendtag als Ereignis, bei dem das Element der Evangelisierung (→ Evangelisierung, katholisch) zentral ist. Sowohl als Erstevangelisierung von Jugendlichen, die sich bislang nicht zur Kirche bekennen, als auch als Neuevangelisierung im Sinne einer Glaubensstärkung und -vertiefung der Jugend der Kirche. Bischof Bode bezieht die mit dem Weltjugendtag beabsichtigte Glaubensverkündigung auf das Schreiben „Evangelii nuntiandi“ von Papst Paul VI. (Paul VI., 1979). Ausgangspunkt der authentischen Glaubensverkündigung ist demnach ein lebendiges Glaubenszeugnis, welches weniger auf der Lehre als auf dem Leben – im Sinne eines gelebten Glaubens – fußt (Bode, 2005, 251-253). Neben dem kommunikationsorientierten Prinzip, dem Evangelium ein persönliches Gesicht zu geben, gelten eine gut verständliche, jugendorientierte Sprache, eine tragfähige Symbolik, überzeugtes Handeln („burning persons“, Lk 24,32) sowie Sehnsucht nach und ein Bewusstsein für Gemeinschaft als Merkmale der Glaubensverkündigung in diesem Sinne. Diese kommen nicht nur während des Weltjugendtagsgeschehens, sondern durch den bewussten Aufbruch auch schon im Vorfeld und durch die Übertragung der Weltjugendtagserfahrung in den Alltag und die Gemeinde vor Ort auch im Nachhinein zum Ausdruck (Bode, 2005, 253-267).

Als Ziel der Glaubensverkündigung beim Weltjugendtag sieht Bode eine „katholische“ – also „allumfassende“ – Erfahrung, die als Erlebnis im Leben allein, in der Gruppe oder in der Masse angeeignet werden kann. In der Vielfalt und Ganzheitlichkeit von religiöser und kultureller Erfahrung erkennt er ein missionarisches Potenzial im Sinne des Schreibens „Proposer la Foi“ der französischen Bischöfe (Die Bischöfe Frankreichs, 1996; Bünker, 2010, 355-438): Junge Menschen sollen den Glauben als mögliche Option im eigenen Lebensentwurf vorgeschlagen und vorgelebt bekommen. Eine ganzheitliche Pastoral sei auch die Pastoral, die Jesus selbst in Einzelgesprächen, Gruppenerfahrungen mit den Jüngern und Massenbegegnungen mit dem Volk praktiziert haben soll. Das Geschehen während des Weltjugendtages ist deckungsgleich mit den Grundvollzügen der Kirche: der Verkündigung des Glaubens in Katechesen (→ Katechese/Katechetik) (martyria) und liturgischen Feiern (leiturgia), dem sozialen Engagement (diakonia) und vor allem der gemeinschaftlichen Bewältigung des Weltjugendtagsalltags (koinonia).

Für Bode ist der Weltjugendtag in seiner theologischen Konzeption zudem trinitarisch ausgerichtet: In der interkulturellen, vielfältigen und einmütigen Glaubensgemeinschaft wird der Vater als Schöpfer erkennbar, der alle über alle Grenzen hinweg zu einem gemeinsamen Menschsein einlädt. In der Hingabe zu den Armen und Schwachen der Gesellschaft, im sozialen Engagement also, wird der Sohn erfahrbar, der Mensch geworden und Vorbild für christlichen Einsatz gegen soziale Ungerechtigkeit ist. Der Heilige Geist zeigt sich in der eigenen Berufung und konkreten Nachfolge Jesu, die über den Besuch des Weltjugendtages hinausgeht (Bode, 2005, 251-253).

Theologisch lässt sich der Weltjugendtag also durchaus als Evangelisierungsgeschehen verstehen, das in seiner universalen, ganzheitlichen Konzeption trinitarisch verstanden werden kann und auf das die Grundvollzüge der Kirche abbildbar sind. Junge Menschen begegnen einander im katholischen Glauben, im sozialen Engagement, in interkultureller Solidarität und erleben individuelle und/oder kollektive Glaubenserfahrungen. Sie sollen als Pilgerinnen und Pilger gestärkt in ihren Alltag zurückkehren und Gott als Option für ihren Lebensentwurf und als Antwort auf ihr Suchen erkennen.

4. Forschung zu Weltjugendtagen

Weltjugendtage wurden ins Leben gerufen, um junge Menschen den katholischen Glauben auf besondere Weise erleben zu lassen. Über ein Jahrzehnt begleitende Forschung zeigen: Insbesondere mit den alle zwei bis drei Jahre stattfindenden internationalen Weltjugendtagen wird dieses Ziel regelmäßig erreicht. Als Einschränkung lässt sich allerdings anführen, dass das Format der Weltjugendtage – anders als ursprünglich beabsichtigt – nicht geeignet ist, um Jugendliche, die der Kirche bislang fernstehen, in großem Stil als neue Mitglieder zu gewinnen (Scharnberg, 2010, 81-92). Vielmehr sprechen Weltjugendtage v.a. solche Jugendliche an, die bereits zum engeren Kreis derjenigen gehören, die der Kirche nahestehen und sich meist auch regelmäßig in der Kirche engagieren (Bartz, 2017; Mason, 2010; Scharnberg, 2010; Forschungskonsortium WJT, 2007). Für sie dienen Weltjugendtage zur eigenen Glaubensstärkung und zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in der internationalen Glaubensgemeinschaft (Bartz, 2017, 87f.), auch die Frage nach der eigenen Berufung ist ein Thema (Singleton, 2011). Der Begriff ‚Jugendliche‘ ist im Kontext des Weltjugendtages zudem weit zu fassen, denn die Teilnehmenden sind im Alter zwischen 14 und 35 Jahren (Hitzler, 2011).

Bei den Teilnahmemotiven lässt sich eine Dominanz derjenigen Motive beobachten, die auf internationale und interkulturelle Erfahrungen und Kontakte bezogen sind. Ausschlaggebend sind aber ebenso religiös-spirituelle Teilnahmemotive. Tourismus und Spaß fallen als Motive für eine Teilnahme entgegen den Einwänden mancher Kritiker empirisch weniger ins Gewicht (Mason, 2010; Scharnberg, 2010).

In Studien zum Erlebnis des Weltjugendtages durch die Teilnehmenden zeigt sich, dass während des Events erlebte Freude, Genuss und Glaubenspraxis eine Symbiose eingehen und gerade dadurch ihren Reiz bekommen (Bartz, 2017). Die Forschung zum Weltjugendtag in Deutschland prägte in diesem Zusammenhang auch den Begriff des ‚Hybrid-Events‘ zur Charakterisierung der Komplexität des Formats (Scharnberg, 2010; Forschungskonsortium WJT, 2007; Foitzik, 2007). Spaß- und erlebnisorientierte Aspekte werden im Kontext des Weltjugendtages jedoch vielfach zu Impulsen für theologische Reflexionen – Profanes und Religiöses steht nicht unverbunden nebeneinander (Bartz, 2017, 140-162). Dabei ist eine zum Teil beeindruckende religiöse Reflexions- und Sprachfähigkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu beobachten, die zudem eigene spirituell-religiöse Ausdeutungs- und Ausdrucksformen ihres Glaubens entwickeln (z.B. Formen der Tauferneuerung, des gemeinsamen Mahls, Gebete in eigener Sprache und mit eigener Metaphorik). Vigil und Abschlussgottesdienst als zentrale und eindeutig auf die Glaubenspraxis bezogene Veranstaltungen werden von den Teilnehmenden mit Abstand am besten bewertet. Nicht selten sind sie durch touristische und Freizeitaktivitäten gerahmt. Die beim Weltjugendtag erlebte Theologie ist eine kontextuelle Theologie, die aus der Symbiose von Erlebnis, Jugendkultur, Reflexion und Spiritualität entsteht. Sie ist eine in Jugendkultur und Jugendwelt sich neu konkretisierende Theologie, in dem Sinne, dass das göttliche Wort in der Welt der Jugendlichen zur Wirklichkeit kommen kann (Bartz, 2017, 140-162).

Betrachtet man die Inhalte der Verkündigung und die Botschaften, die Jugendliche und junge Erwachsene während des Weltjugendtages erreichen, zeigt sich, dass v.a. die Botschaften des Papstes wahrgenommen und gewürdigt werden (Bartz, 2017, 169). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuen sich über offene und fortschrittliche Aussagen des Papstes, insbesondere zu den Themen Homosexualität, Ehe und Interreligiosität. Im Rahmen der Katechesen gewinnen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen neue Einsichten in Bezug auf ihren Glauben, wenngleich sie sich eine offenere Form und in größerem Umfang Partizipationsmöglichkeiten wünschen (s. 2.; Bartz, 2017, 226f.).

Teilnehmerinnen und Teilnehmer kehren nach dem Erlebnis des Weltjugendtages in der Regel persönlich gestärkt und ermutigt in ihre Heimatgemeinden zurück und zeigen dort häufig den Wunsch, sich stärker als bisher einzubringen (Bartz, 2017; Mason, 2010). Mehrere Autoren sehen an dieser Stelle die Gefahr, dass die Weltjugendtagsheimkehrer aufgrund der wahrgenommenen Gegensätze zwischen den intensiven Erfahrungen während der Weltjugendtage und der bisweilen ernüchternden Situation in den Heimatgemeinden rasch desillusioniert werden, und fordern deshalb geeignete jugendpastorale Angebote, die dies abfedern können (Mason, 2010; Forschungskonsortium WJT, 2007). Nach den von Bartz (2017) beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro erhobenen Daten ist den Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Singularität des Weltjugendtags als Höhepunktereignis durchaus bewusst. Die von ihnen geäußerten Vorstellungen von einer guten Kirche für Jugendliche bestehen jedenfalls nicht in einer einfachen Adaption des Großevents auf das Gemeindeleben vor Ort, sie wünschen sich auch gar nicht in erster Linie einen Ausbau des jugendspezifischen Angebots. Viel wichtiger erscheint ihnen eine Kirche, in der Gott wirklich erfahrbar wird, die Verantwortung in der Gesellschaft übernimmt, die auf Gemeinschaft, Liebe und die Kommunikation des Evangeliums ausgerichtet ist, in der die Freude des Evangeliums gelebt wird und in der jeder willkommen und eingeladen ist, sich zu beteiligen. Sie schätzen Vorbilder und überzeugende Persönlichkeiten, die v. a. in der Gemeinschaft der Erwachsenen zu finden sind, in der sie als junge Kirche aufgehen und die sie durch Innovation und Lebendigkeit bereichern möchten (Bartz, 2017; Bartz/Roebben, 2016).

Literaturverzeichnis

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