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Lexikon

Sport(gruppen)

1. Das Verhältnis von Sport und Kirche

1.1. Historische Entwicklung

Betrachtet man die institutionelle Entwicklung von christlichen Kirchen und Sport im chronologischen Verlauf, zeigt sich ein spannungsreiches, stetig wechselndes Verhältnis von Nähe und Distanz. Immer wieder war das Christentum mit dem Vorwurf der Leibfeindlichkeit konfrontiert (Wils, 1986; Sternberg, 2005). Viele dieser Vorwürfe sind bis heute Gegenstand der theologischen Diskussionen um Körper (→ Körper (AT)), Leiblichkeit (→ Leib), Leistung, Mensch und Schöpfung. Mit Johann Amos Comenius (→ Comenius, Johann Amos) kam die pädagogische Reflexion um Leibesübungen in der Erziehung erstmals explizit auf und setzte sich in der pietistischen Tradition (Philipp Jakob Spener, August Hermann Francke u.a. → Pietismus) und bei den Philanthropen (Johann Christoph Friedrich GutsMuths, Christian Gotthilf Salzmann u.a.) fort. Die Verquickung von Leibesübungen und Erziehung erreichte bei Friedrich Ludwig Jahn mit dem als Klimax zu verstehenden Wahlspruch „frisch, frei, fröhlich, fromm“ (Geldbach, 1975, 173) ihren vorläufigen Höhepunkt. Im 19. Jahrhundert kam es außerdem zur Gründung der YMCA (Young Men’s Christian Association), welche Sport in der christlichen Missionsarbeit (→ Mission, christliche) – zunächst mit den Sportarten Basketball und Volleyball – fest verankerte. Infolge der raschen Ausbreitung der YMCA kam es ab 1882 zu ersten CVJM-Vereinsgründungen (Christlicher Verein Junger Männer [heute: Menschen]), deren Verband für Leibesübungen ab 1925 den Namen „Eichenkreuz“ trug (zur Geschichte der YMCA/des CVJM Geldbach, 1975, 176-203). Parallel zu dieser Entwicklung bildeten sich infolge des Wirkens Adolph Kolpings auf katholischer Seite Mitte des 19. Jahrhunderts erste Gesellenvereine, später Schützen- und Turngesellschaften zur Stärkung, Erholung und zum Vergnügen (Schwank, 1978, 15-28). 1920 entstand auf der Basis katholischer Jugendvereinigungen der DJK-Sportverband (Deutsche Jugendkraft), der aufgrund der ungeklärten Frage, inwiefern Leibesübungen ein Handlungsfeld der katholischen Kirche seien, in einem spannungsvollen Verhältnis zu den Gesellenvereinen stand (Schwank, 1978, 98-103). Die DJK ist bis heute einer der Jugendverbände, die im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) als Dachverband zusammengeschlossen sind. Päpstliche Äußerungen zum Sport seit Pius X. (Schwank, 1978, 197-212) bis hin zu Johannes Paul II., der 2004 im Vatikan eigens ein Sportbüro einrichten ließ (Radio Vatikan, http://www.radiovaticana.va/proxy/tedesco/tedarchi/2005/Januar05/ted21.01.05.htm), zeigen die hohe Bedeutung, die der (olympische) Sport in der katholischen Kirche bis in die Gegenwart einnimmt. Seit 1964 existiert darüber hinaus der in der EKD gegründete Arbeitskreis Kirche und Sport. Im katholischen Bereich gibt es entsprechende Landesarbeitsgemeinschaften Kirche und Sport. Die jeweiligen Arbeitsgruppen sind ökumenisch vernetzt.

Spätestens ab Ende des 19. Jahrhunderts sind Sport und Kirchen also auf Vereinsebene verbunden und in das institutionell organisierte sportpraktische Geschehen (nicht nur) des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) bis in die Gegenwart eingebunden. Dazu kommen weitere christliche Verbände außerhalb des DOSB, die organisierte Sportangebote anbieten, z.B. die Evangelische Jugend (EJ), der Christliche Jugendbund (CJB) oder Entschieden für Christus (EC). Anzumerken ist jedoch, dass ein wissenschaftlicher Dialog zwischen Sport- und → Religionspädagogik bisher kaum stattgefunden hat und das Potential einer gezielten Zusammenarbeit noch lange nicht ausgeschöpft ist (Pilz, 2003).

1.2. Sportpraktische Angebote im Raum der Kirchen

Die folgenden Angaben zu Mitgliederzahlen, Vereinen und Sport- und Ausbildungsangeboten sind auf den jeweiligen Webauftritten der Bundesverbände des CVJM (www.cvjm-sport.de) und des DJK (www.djk.de) nachzulesen.

Sowohl im CVJM als auch in der DJK besteht für Mitglieder die Möglichkeit, vom DOSB anerkannte Übungsleiter-Aus- und Fortbildungen zu absolvieren. Das Angebot umfasst ein breites Spektrum vom Eltern-Kind-Turnen über Achtsamkeitsseminare bis hin zum Leistungstraining.

Noch vielfältiger ist die Auswahl für aktive Mitglieder. Der CJVM zählt mehr als 44.000 Sporttreibende in ca. 1.000 CVJM- bzw. Eichenkreuz-Gruppen. Der rein sportlich ausgerichtete DJK-Sportverband hat nach eigenen Angaben rund 500.000 aktive Mitglieder in 1.100 Vereinen. Nicht erfasst sind die zahlreichen Sportangebote außerhalb der Verbände, sei es im Rahmen der EJ, des CJB, des EC oder auf gemeindlicher Ebene. Sportangebote sind in vielen Gemeinden Bestandteil eines gelingenden Gemeindelebens über alle Altersgruppen hinweg (z.B. → Tanz, → Erlebnispädagogik und religiöse Bildung, Ballsport etc.).

2. Sport(gruppen) als Lernort religiöser Bildung

2.1. Merkmale des Lernorts

Nach Grethlein können Lernorte (→ Lernorte religiöser Bildung) nach verschiedenen Gesichtspunkten differenziert werden. Für den Lernort Sportgruppe ist zu beachten, dass jede Sportart ihre ganz spezifischen Charakteristika und Bildungschancen hat. Dennoch lassen sich folgende übergreifende Charakteristika herausstellen (Neuber u.a., 2017, 16;29):

  1. Freiwilligkeit, Selbstbestimmung: Die Teilnehmenden kommen intrinsisch motiviert (Freunde, Bewegung, Austausch, Wettkampf) zu ihrer Sportgruppe und bringen sich ihren Fähigkeiten und ihres Wissens entsprechend ein.
  2. Demokratische Entscheidungsprozesse,Gruppe/Peergroup, Pluralität, Spontaneität: Die Teilnehmenden sind gleichberechtigt und kommunizieren auf Augenhöhe miteinander. Freude und Teamwork gehen vor Leistung. Vielfalt und Pluralität werden anerkannt und aktiv in die Gruppenprozesse mit einbezogen.
  3. Ehrenamt, Mitgestaltung, Integration, Prozessorientierung, Teamwork: Die Teilnehmenden an Sportgruppen haben unterschiedliche Ziele und Interessen. Bezogen auf die Mitsportler/-innen geht es vielen Aktiven vor allem um ein gutes Miteinander, um Integration aller Teilnehmenden und um das erreichen sportlicher Ziele als Mannschaft oder als Einzelsportler (Sieg, Fitness, Performance etc.). Ehrenamtliche Übungsleiter/-innen sind dabei eine wichtige Stütze der Verbandarbeit, die durch ihr Engagement die Ziele der Gemeinschaft solidarisch verwirklichen und diese gleichzeitig aktiv mitgestalten.
  4. Spannung zwischen Voraussetzungen der Teilnehmenden und Anforderungen der jeweiligen Sportart: Das Besondere an christlich geprägten Sportgruppen ist die Orientierung an → Inklusion und Integration. Während es im Sportverein in bestimmten Abteilungen vorrangig um die Leistung geht, steht in christlichen Verbänden die Integration aller Teilnehmenden im Fokus und stellt dabei die größte Herausforderung für Übungsleiter/-innen dar.
  5. Kommunikation des Evangeliums, Menschenwürde, ethische Werte (→ Bildung, Werte-), Gemeinschaft: Ethische Werte stehen für christliche Sportvereine im Vordergrund. Selektion nach körperlichen Voraussetzungen und Leistung findet nicht statt. Das Evangelium wird in Form tätiger → Nächstenliebe und in der Gemeinschaft durch körperliche Bewegung kommuniziert.
  6. Spezifik des Ortes abhängig von der Sportart (Outdoor, Sportplatz, Halle etc.): Das Ausüben einer Sportart sowie ihre Wahrnehmung bei den Teilnehmenden und der Gesellschaft ist stark vom Ort abhängig, an dem sie praktiziert wird. Dieser Ort hat außerdem große Auswirkungen auf das didaktisch-methodische Handeln der Trainer/-innen.

2.2. Ziele sportpädagogischer und -missionarischer Gemeindearbeit

Sowohl der CVJM als auch der DJK-Sportverband arbeiten in ökumenischer Offenheit und wollen durch ihre Sportangebote Menschen ganzheitlich fördern. Das Erleben von Gemeinschaft, die Orientierung an christlich-ethischen Werten und die Kommunikation des Evangeliums sind grundlegende Ziele beider Verbände. Weitere Aufgaben und Ziele sind (Dazu DJK: https://www.djk.de/sportverband/wir-ueber-uns/13-verbandsphilosophie und CVJM: https://cvjm.de/arbeitsbereiche/cvjm-arbeit-in-deutschland/sport/ueber-cvjm-sport/grundlagen-und-ziele/):

  • Abstand vom alleinigen Leistungsstreben bei gleichzeitiger Ermöglichung der Entfaltung von Begabung und Förderung des Leistungssports
  • Förderung einer gesunden Lebensweise durch qualifizierte Sportangebote
  • Bekämpfen von Benachteiligung durch gezielte → Inklusion, Integration, Mitbestimmung
  • Raum schaffen für Begegnungen über die sportliche Gemeinschaft hinaus
  • Spirituelle Angebote und Seelsorge durch Sportpfarrer/-innen

Zudem konkretisieren die Kirchen in ihrer gemeinsamen Erklärung zum Sport, „Sport und Christliches Ethos“ (Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, 1990), weitere Ziele und Aufgaben:

  • Konkrete ethische Forderungen an Sportler, Coaches, Zuschauer, → Medien und Gesellschaft
  • Fairness als oberste sportliche Tugend
  • Sport als Dienst am Frieden (→ Friedenspädagogik)
  • Sorge für Schwache
  • Die Vorbildfunktion von Spitzensportlern
  • Verantwortung von Vereinen und Trainern für Hochleitungssport im Kindes- und Jugendalter
  • Kampf gegen Doping

2.3. Sport und Bildung

Wenngleich insbesondere der Kinder- und Jugendarbeit in Sportvereinen häufig zahlreiche Bildungschancen zugesprochen werden, müssen diese Behauptungen kritisch geprüft werden.

Studien zur informellen Bildung von Kindern und Jugendlichen gibt es kaum. Die Studie von Brettschneider/Kleine (2001) attestierte der Jugendarbeit in Sportvereinen sogar einen fehlenden nachhaltigen Bildungswert und entfachte damit eine Diskussion um Bildung und Jugendarbeit (Deutsche Sportjugend, 2009). Einige neuere Studien deuten auf einen positiven Zusammenhang von Selbstwertgefühl und Sportengagement hin (Neuber/Breuer/Derecik/Golenia/Wienkamp, 2017, 34-37). Immerhin liegt mit dem Konzept der psychosozialen Ressourcen im Sport ein Ansatz zu Bildung und Persönlichkeitsentwicklung im Sportverein vor, auch wenn die empirischen Befunde den intendierten Bildungserfolg nicht eindeutig belegen (Sygusch/Herrmann, 2010, 245-266).

Gelegentlich wird kritisch angefragt, ob Sportvereine überhaupt eine Stätte von → Bildung sein können oder ob im außerschulischen Sport nicht vielmehr von impliziter und domänenspezifischer kultureller Bildung und Kompetenzaneignung gesprochen werden muss (Heim, 2010, 110;114). Rüdiger Heim (2010) unterscheidet hier zwischen formaler und non-formaler Bildung an Lernorten und non-formaler und informeller Bildung in Lernwelten. Bildungsgänge im Sport sieht er nur im Bereich der Trainer-Ausbildung, des leistungsorientierten Sports und des schulischen Sportunterrichts, spricht sich aber gleichzeitig gegen eine Konfrontation der Settings aus und plädiert für die Nutzung der jeweiligen Potentiale entsprechend der Bildungsbedingungen. Insbesondere für die Reflexion christlich-religiöser Bildungschancen im Sport ist die Unterscheidung und Kritik Heims von Bedeutung.

Die Deutsche Sportjugend (DSJ) leitet aus einer explorativen Studie (2009) als Reaktion auf unterschiedliche kritische Studien folgende Bildungschancen im Vereinssport ab: Neben der Förderung der sozialen Kompetenzen sind für die Jugendlichen die Integration aller aktiven Beteiligten, die Stärkung personaler Kompetenzen (Selbstwertgefühl, Konzentration etc.) und der Erwerb sportlicher Kompetenzen wichtige Punkte. Wie diese Fähigkeiten im Vereinssport erworben werden können, ist ein junges, sich entwickelndes Feld der sportpädagogischen Forschung.

2.4. Dimension der christlich-religiösen Bildung im Sport

Die skizzierte sportpädagogische Diskussion wirft die Frage auf, wie viel inszenierte Bildungschancen – wie viel „Schule“ – kirchliche Sportangebote tatsächlich enthalten und vertragen. Ob und wie weit Anspruch und Wirklichkeit voneinander entfernt sind, kann auch von Gruppen in CVJM und DJK nur vermutet werden. Die Dimension der christlich-religiösen Bildung im Sport, inwiefern im Sport also implizites religiöses Lernen stattfindet (→ Informelles (religiöses) Lernen), ist ein Forschungsdesiderat. Zu beachten ist weiterhin die Schwierigkeit, dass im Grunde jede einzelne Sportart(engruppe) ihr ganz spezifisches Bildungspotenzial hat und im Rahmen dieser Darstellung nur übergreifende Bildungschancen aufgezeigt werden können.

  • Häufig wird der Aspekt des sozialen Lernens betont. Sport schafft Raum zur Kommunikation, auch über Sprachbarrieren und soziale Milieus (→ Milieu und Religion) hinweg und fördert → Toleranz, Empathie und Kooperationsfähigkeit. Integration und → Inklusion sind hierbei zentral. Gleichzeitig erfahren die Teilnehmenden die Bedeutung aktiver Teilhabe. In den Bereich des sozialen Lernens fallen auch Ansätze der → Friedenspädagogik und Gewaltprävention (→ Gewalt als Thema von Religionen; → Gewalt(forschung)) durch Sport (Degenhart, 2005, 71; Pilz, 2003, 160; Schlagnitweit, 2005, 232).
  • Ein weiterer Punkt ist die naturale Dimension christlich-religiöser Bildung. Sport schafft die Möglichkeit, dass sich Kinder und Jugendliche, die in einer zunehmend bewegungsarmen Lebenswelt aufwachsen, aktiv mit ihrem Bewegungsumfeld befassen und in ihm Erfahrungen sammeln können. Dies fördert zum einen → Kreativität und Selbstbewusstsein und schult zum anderen die Wertschätzung gegenüber der Natur (→ Schöpfung; → Bildung für nachhaltige Entwicklung; → Schöpfung(AT)), gerade bei Outdoor-Sportarten oder erlebnispädagogischen Angeboten (→ Erlebnispädagogik und religiöse Bildung) (Pilz, 2003, 158).
  • Eine dritte Dimension ist die der persönlichen Sinnsuche und des kreativen Gestaltens (des eigenen Lebens). Diese personale Dimension kann unter anderem als Unterform der ästhetischen Bildung (→ Bildung, ästhetische) angesehen werden. Sport ermöglicht Erfahrungen mit dem eigenen Körper und vermittelt so eine Handlungskompetenz, die eng verwoben ist mit Fragen nach der eigenen Persönlichkeit. Beispielsweise können in Wagnissituationen und durch Bewegungsformen, die Ausdruck verlangen (→ Tanz, darstellendes Spiel, → Bibliodrama), Grenzerfahrungen inszeniert werden, die zur Reflexion über existentielle Fragen anregen. Zu diesem Bereich zählt auch die Entwicklung eines Bewusstseins für die → Verantwortung für sich und andere (in Bezug auf physische und psychische Gesundheit und Sicherheit), die im sportlichen Vollzug praktisch erfahren werden kann (Pilz, 2003; Schloz, 2000; Rössler, 2000; Struve, 2005).
  • Kulturelle Bildung (→ Kulturpädagogik/Kulturelle Bildung/Arts education) ist eine oft vergessene Dimension christlich-religiöser Bildung (→ Bildung, religiöse) im Sport. Sport, seine Selbst- und Fremddarstellung und die damit verbundenen Fankulturen sind (ebenso wie liturgische Vollzüge) immer ein Ausdruck des vorherrschenden Zeitgeistes (→ Popularkultur). Verwendete Symbole und vollzogene Handlungen bedürfen daher immer einer kritischen Reflexion. Im sportlichen Handeln sollten kulturelle Werte verkörpert und umgesetzt werden. Versteht man Sport als zweckfreies Spiel (→ Spielen, Spiel), ist die „symbolische Dimension der Zweckfreiheit“ (Schlagnitweit, 2005, 234) als Gegenpol zu einer immer schnelllebigeren Welt und stark durchstrukturierten Zeit eine wertvolle Erfahrung. Bewegung kann so als Ausdruck des Glaubens, gegründet auf einem ganzheitlichen Menschenbild (→ Spielen, SpielSpielen, Spiel), verstanden werden (Daecke, 1996, 394).

3. Gegenwärtige Trends und Herausforderungen

Über das Verhältnis von Kirche/Protestantismus/Katholizismus und Sport aus historischer Perspektive gibt es zahlreiche Publikationen, noch mangelt es im systematisch-theologischen und religions-/gemeindepädagogischen Bereich aber an normativer und empirischer Forschung.

Im Bereich der Gemeindeentwicklung (→ Gemeinde/Gemeindepädagogik) wird zwar immer wieder auf die Bedeutung der Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und Sportvereinen hingewiesen (Pilz, 2003; Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, 1990), konkrete Ansätze und deren praktische Umsetzung sind bislang aber kaum erarbeitet. Wichtige Schlagworte für eine gewinnbringende Kooperation sind hier beispielsweise: Vernetzung, Sozialraumerkundung und Prozessorientierung.

Im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit (→ Jugendarbeit, evangelisch; → Jugendarbeit, katholisch) ist aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre zu erwarten, dass die Themen → Inklusion und Integration eine immer wichtigere Rolle spielen. Ebenso sind Faktoren wie der Sozialraum (Deinet, 2018; Haupert, 2018) und veränderte Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen (Einfluss digitaler → Medien (→ Spiele, digitale), Mangel an Bewegungsräumen, Ganztagesschule) zu berücksichtigen.

In der → Erwachsenenbildung undSeniorenarbeit/Altenbildung sind die Themen Gesundheit, Fitness und damit zusammenhängend die Verantwortung für den eigenen Körper seit längerer Zeit aktuell. Prävention und Rehabilitation sind Bereiche, denen die Gemeindearbeit durch seelsorgerliche Begleitung einer alternden Gesellschaft in Zukunft begegnen kann, gleichzeitig aber einem einseitig an Ästhetik ausgerichteten Körperkult entgegentreten sollte.

Dabei ist es wichtig, dass Kirchen nicht kritisch und normativ abwertend gegenüber Sportthemen auftreten, sondern die Chancen einer bewegungs- und sportorientierten → Pädagogik vom Säugling bis zum alten Menschen aufgreifen und für ein gelingendes Gemeindeleben nutzbar machen (Pilz, 2003, 168-169; Struve, 2005, 105-113). „So kann der Mensch nicht zwischen Sportverein und Kirche aufgeteilt und sein Leib nicht von der Seele getrennt werden […]. Vielmehr sind Sportverein und Kirche gemeinsam dafür verantwortlich, dass […] ein ungezwungenes, entspanntes Spiel miteinander und füreinander noch möglich ist, wo die geschöpfliche Würde des Menschen gewahrt wird.“ (Daecke, 1996, 394).

Literaturverzeichnis

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