Wort Gottes (AT)

1. Einleitung

Der sprachliche Befund zu „Wort Gottes“ ist durch drei Aspekte geprägt: Erstens hängt das deutsche Wortpaar „Wort Gottes“ nicht mit einem, sondern mehreren hebräischen Begriffen zusammen. Zudem enthalten einige Texte, die klassisch mit dem Thema „Wort Gottes“ verbunden werden, keinen dieser Begriffe. So kommt in Gen 1,1-2,4a – dem Paradebeispiel zum Motiv → Schöpfung durch das Wort – ein Nomen mit der Bedeutung „Wort“ nicht vor.

Zweitens variieren die in den Konkordanzen und theologischen Wörterbüchern aufgeführten Belegstellen: Vor allem der zentrale Begriff דָּבָר dāvār bedeutet neben „Wort / Rede“ auch „Begebenheit / Sache“ (Mylonas / Llewelyn / Wearne). Wie דָּבָר dāvār zu verstehen ist, hängt daher vom Kontext ab und bleibt vielfach subjektiv, was schon die antiken Übersetzungen bezeugen. Eine weitere Schwierigkeit entsteht dadurch, dass es oft nicht eindeutig ist, ob eine Wendung das Nomen דָּבָר dāvār oder den Infinitiv des Verbs דבר dbr „reden“ enthält.

Drittens werden die unten aufgeführten Begriffe nicht nur für göttliche Worte benutzt, sondern bezeichnen auch menschliche Kommunikation. In vielen Fällen lässt sich kaum trennscharf zwischen den Worten Gottes und den Worten seiner Propheten oder anderer Offenbarungsmittler unterscheiden.

Im Folgenden liegt der Schwerpunkt auf Texten, die ein Nomen mit der semantischen Bedeutung „sprechen / reden / mitteilen“ (im Deutschen) aufweisen. Dass die Auswahl in gewissen Aspekten subjektiv bleibt, lässt sich nicht vermeiden, namentlich beim Begriff דָּבָר dāvār.

2. „Wort“ (dāvār)

דָּבָר dāvār „Wort / Rede / Begebenheit / Sache“ hebt sich unter den zu untersuchenden Begriffen hervor: Die Anzahl der Vorkommen im Alten Testament ist mit fast 1500 Belegen deutlich höher als bei den anderen Wörtern. Das Bedeutungsspektrum von דָּבָר dāvār ist zudem breiter als das semantische Feld des Sprechens.

In vielen Büchern beziehen sich die Ausdrücke דָּבָר dāvār und דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH auf sehr unterschiedliche Größen. So werden etwa auch nicht-auditive Texte wie Zeichenhandlungen und Visionen als „Worte Jahwes“ bezeichnet. Dies spricht dafür, dass die Belege von דָּבָר dāvār und דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH aus unterschiedlichen Phasen stammen. In vielen Fällen muss von späteren Bearbeitungen bzw. Fortschreibungen ausgegangen werden.

2.1. Im Pentateuch

Insgesamt bezeichnet der Ausdruck „Wort Jahwes“ im → Pentateuch überwiegend unterschiedliche Gebote und Gesetze. Das Wort דָּבָר dāvār begegnet mit Abstand am häufigsten im Buch Deuteronomium. Bemerkenswert ist, dass das Wort דָּבָר dāvār in Texten, die klassisch der Grundschrift der → Priesterschrift zugeordnet werden, nicht vorkommt. Dies unterstützt die These von Christoph Levin, wonach in der Schöpfungserzählung Gen 1,1-2,4a der Tatbericht nachträglich um den Wortbericht ergänzt wurde (Levin 1994).

2.1.1. Genesis. Im Buch → Genesis wird das Wort Gottes nur ganz vereinzelt erwähnt: Der Begriff דָּבָר dāvār kommt nur in Gen 15,1.4 mit göttlichem Subjekt vor. Das Wort ist hier die in v4 einsetzende Gottesrede.

2.1.2. Exodus. Die Worte Gottes – Ankündigungen kommenden Heils und Unheils sowie Anweisungen an die Israeliten – werden im → Exodusbuch zumeist durch → Mose bzw. Mose und → Aaron vermittelt (s. z.B. Ex 4,30; Ex 9,20). Beim Bundesschluss am → Sinai kommt דָּבָר dāvār häufig vor: Hier werden die Worte Jahwes und des Volkes mit der Pluralform bezeichnet (Ex 19,6-9).

In Ex haben die Worte Jahwes oft einen Bezug zu Gesetzen und Ordnungen. So werden die Anweisungen zum → Passafest in Ex 12,24 abschließend als ‎הַדָּבָר הַזֶּה haddāvār hazzæh „diese Ordnung“ bezeichnet. Die Rahmung des → Bundesbuches nennt die darin erhaltenen Gesetze ‎כָּל־דִּבְרֵי יְהוָה kål divrê JHWH „alle Worte Jahwes“ (Ex 24,3). Ex 20,1 nennt den → Dekalogכָּל־הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה kål haddəvārîm ha’ellæh „alle diese Worte“ und Ex 34,28עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים ‘ăśæræt haddəvārîm „die zehn Worte“ (so auch Dtn 4,13). U.a. in Ex 34,27-28 wird erwähnt, dass die Worte Jahwes niedergeschrieben werden.

2.1.3. Leviticus. Die vier Belege in → Leviticus beziehen sich auf göttliche Gebote. Drei finden sich im Kontext der Einsetzung Aarons und seiner Söhne zu Priestern (Lev 8,5; Lev 8,36; Lev 9,6). Der vierte Beleg steht am Anfang des → Heiligkeitsgesetzes in Lev 17,2.

2.1.4. Numeri. Elf Belege von דָּבָר dāvār beziehen sich auf göttliche Zusagen (Num 11,23-24) und Gebote (Num 15,31; Num 22,20; Num 36,6). Als Vermittler werden Mose und → Bileam genannt (Num 14,39; Num 36,6). In der Bileamerzählung kündigt der Seher die Worte Jahwes dem Moabiterkönig → Balak mit der allgemeinen Gottesbezeichnung ‎אֱלֹהִים ’älohîm als „Worte Gottes“ an (Num 22,38), und Bileam erfährt die göttliche Nachricht über einen Boten Jahwes (‎מַלְאַךְ יְהוָה mal’akh JHWH in Num 22,35).

2.1.5. Deuteronomium. Im → Deuteronomium gehören ca. 50 Belege von דָּבָר dāvār zur Motivkonstellation „Wort Gottes“. Die meisten finden sich in den Rahmenkapiteln: → Mose verweist in seinen Reden auf frühere Gottesreden, z.B. in Dtn 4,12. In den meisten Fällen beziehen sich die Worte Jahwes auf die Gesetze und Weisungen, die im Buch mitgeteilt werden. Im Einzelfall können der Dekalog (Dtn 5,22), ein einzelnes Gebot (Dtn 24,18) oder das ganze deuteronomische Gesetz bzw. die Tora (z.B. Dtn 12,28) gemeint sein. Die einzelnen Worte der gesamten Sammlung kommen u.a. in Dtn 31,12 zur Sprache, wo „alle Worte dieses Gesetzes“ (‎כָּל־דִּבְרֵי הַתּוֹרָה הַזֹּאת kål divrê hattorāh hazzo’t) genannt werden. Die Israeliten sollen die Worte des Gesetzes halten, weil sie Leben geben (Dtn 32,46-47).

Wichtig im Buch Deuteronomium ist die Frage, ob ein angebliches Wort Gottes wahr oder falsch ist und wie es übermittelt wird. Wenn über die Worte des als → Propheten dargestellten Mose gesprochen wird, ist im Einzelfall schwer zu entscheiden, ob diese zugleich als die Worte Jahwes verstanden werden. Gelegentlich wird dies explizit festgestellt (z.B. Dtn 4,10). Nach Dtn 13,4-6 soll ein Prophet, der zum Dienst anderer Götter aufruft, getötet werden; ein solcher Prophet erweist sich also wegen seiner Botschaft als ‚falsch‘. Nach dem Prophetengesetz von Dtn 18,9-22 dagegen gleicht ein wahrer Prophet dem Mose und benutzt keine mantischen Praktiken (→ Divination). Außerdem müssen prophetische Worte von Jahwe stammen und in seinem Namen gesprochen werden. Einen wahren Propheten erkennt man daran, dass die von ihm angekündigten Worte eintreffen. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass die göttlichen Botschaften an Mose nie mit einer → Wortereignisformel („und das Wort Jahwes geschah zu …“) ausgedrückt sind (Grether, 85).

2.2. In den Vorderen Propheten

2.2.1. Josua. Im Buch → Josua beziehen sich ca. 20 Vorkommen von דָּבָר dāvār auf Worte Gottes. Diese können Verheißungen und Zusagen (Jos 1,13), unterschiedliche Gebote (Jos 8,8), aber auch Flüche (Jos 8,34) sein. Wie im Pentateuch wird Mose im Buch Josua als Vermittler göttlicher Worte charakterisiert (Jos 1,13), in seiner Nachfolge auch Josua (Jos 3,9). Die Worte der Tora (Gottes) werden in Jos 8,34 und Jos 24,26 erwähnt.

2.2.2. Richter. Im → Richterbuch begegnet der → Bote Jahwes (מַלְאַךְ יְהוָה mal’akh JHWH) als Vermittler göttlicher Worte. In Ri 2,4 übermittelt der Bote eine Gottesrede an das Volk Israel, und in Ri 13 überbringt er eine Zusage über die Geburt von → Simson an Manoach und seine Frau (Ri 13,12). In Ri 3,20 gibt der Richter → Ehud vor, dem Moabiterkönig → Eglon eine göttliche Nachricht überbringen zu wollen. So kann er sich ihm nähern und ihn töten.

2.2.3. 1-2Samuel. In den → Samuelbüchern wird das Wort Gottes in einzelnen Perikopen gehäuft erwähnt. In weiteren Texten bezeichnet der Begriff דָּבָר dāvār vor allem menschliche Rede oder verschiedene Ereignisse.

Bei der Berufung → Samuels in 1Sam 3 wird mit dem Wort דָּבָר dāvār darauf Bezug genommen, wie Jahwe Samuel ruft. Anders konnotiert ist 1Sam 3,21, wo der Offenbarungscharakter von דָּבָר dāvār zur Sprache kommt: „Und Jahwe erschien weiterhin zu Silo, denn Jahwe offenbarte sich Samuel zu Silo durch das Wort Jahwes (‎בִּדְבַר יְהוָה bidvar JHWH).“ In 1Sam 15,10-26 wird die Verwerfung von → Saul mehrfach mit dem Wort Gottes in Verbindung gebracht. Samuel funktioniert häufig als Vermittler der Worte Jahwes (1Sam 8,10), wobei eine → Wortereignisformel Verwendung finden kann (1Sam 15,1).

In 2Samuel werden die Worte Jahwes durch die Propheten → Nathan und → Gad übermittelt. In der Nathanverheißung 2Sam 7 findet sich eine Wortereignisformel und Nathan gibt die Botschaft Jahwes an → David wieder. In 2Sam 12,9 wirft Nathan David vor, das Wort Jahwes missachtet zu haben. Nach der Volkszählung Davids in 2Sam 24 wird ihm die Strafe durch den Propheten Gad angekündigt (2Sam 24,11-13; 2Sam 24,19).

2.2.4. 1-2Könige. In den → Königsbüchern finden sich einige Wortereignisformeln, mit denen Gottesreden eingeleitet werden. Das Wort Jahwes kann direkt zu den Adressaten kommen (1Kön 6,11) oder es bedarf eines Vermittlers. So spricht Jahwe in 1Kön 12,15 zu → Jerobeam durch → Ahija von Silo, der in 1Kön 14,18 als Knecht Jahwes und Prophet (vgl. auch 1Kön 15,29) bezeichnet wird. In 2Kön 7,1 vermittelt → Elisa das Wort Jahwes den Ältesten Israels, und in 2Kön 19,21 gibt → Jesaja eine Heilsbotschaft an → Hiskia wieder. Als Vermittler kann Jahwe zudem „seine Knechte, die Propheten (‎עֲבָדָיו הַנְּבִיאִים ‘ǎvādāw hannəvî’îm) einsetzen (2Kön 24,2).

Der Gottesmann ist nur in den Königsbüchern als Vermittler der Worte Gottes belegt (‎אִישׁ־הָאֱלֹהִים ’îš hā’älohîm). Beispielhaft kann → Schemaja genannt werden, der in 1Kön 12,22-24 ein Wort Gottes (‎דְּבַר הָאֱלֹהִים dəvar hā’älohîm) empfängt und dies dem König → Rehabeam und dem Volk Israel wiedergibt. Auch → Elia wird als Gottesmann bezeichnet (1Kön 17,24). Daneben begegnet in 1Kön 13 auch ein anonymer Gottesmann, dem zahlreiche Worte Jahwes zugeschrieben werden.

Jahwe gibt außerdem seine Worte an Propheten weiter, ohne dass die Adressaten genannt sind. So findet sich in 1Kön 16,1-12 eine Unheilsankündigung gegen → Bascha, den König Israels, die der Prophet Jehu empfängt und die nicht vollständig als eine Rede an Bascha gelesen werden kann. Hier werden Aussagen über ihn und nicht an ihn gemacht. S. auch 1Kön 21,28-29, wo → Elia Worte Jahwes über → Ahab empfängt, die er aber nicht zu ihm spricht. Insbesondere Elia empfängt konkrete Handlungsanweisungen von Jahwe (1Kön 17,2-9; 1Kön 18,1). Er übermittelt zudem Worte Gottes an die Könige Ahab (1Kön 21,17-19) und → Ahasja (2Kön 1,15-17) sowie an weitere Menschen, denen er begegnet. Die Vermittlung der Worte kann über zwei Stufen geschehen: So empfängt Elia in 2Kön 1 die göttlichen Botschaften durch einen Boten Jahwes.

Das Problem der wahren und falschen Prophetie kommt in den Königsbüchern am Beispiel des Propheten → Micha ben Jimla zur Sprache. In 1Kön 22 wird berichtet, dass etwa 400 Propheten sich für einen Krieg gegen die → Aramäer äußern, Micha als Prophet Jahwes (‎נָבִיא לַיהוָה nāvî’ laJHWH) verkündet jedoch Unheil und wird dafür in den Kerker geworfen. Es zeigt sich, dass Micha mit seiner Botschaft recht hatte.

Mit dem Begriff דָּבָר dāvār wird zudem auf frühere Verheißungen Jahwes Bezug genommen, so z.B. in 1Kön 2,4. Dies kann mit einem Gebet verbunden werden, dass Jahwe sein Wort wahr werden lasse (1Kön 8,26). Entsprechend wird auf vorangehende Unheilsankündigungen zurückverwiesen (1Kön 2,27). In 2Kön 22-23 spielt das Buch der Tora, das im Tempel gefunden wird, eine große Rolle. Die meisten Belege von דָּבָר dāvār beziehen sich hier auf dieses Buch. Auch lassen sich Worte Jahwes in diesen Kapiteln finden: In 2Kön 22,20 hört König → Josia eine Botschaft Jahwes, die durch die Prophetin → Hulda vermittelt wurde.

In den Königsbüchern enthalten das Wort דָּבָר dāvār oder das Wortpaar ‎דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH „Wort Jahwes“ nicht immer eine Entsprechung in der → Septuaginta. Dies lässt vermuten, dass die Worte Jahwes teilweise zu den spätesten Redaktionen der Königsbücher gehören.

2.3. In den Hinteren Propheten

2.3.1. Jesaja. Im → Jesajabuch spielt das Motiv „Wort Gottes“ eine geringere Rolle als in den Büchern Jeremia und Ezechiel. Im Vergleich zu diesen fällt vor allem das weitgehende Fehlen der → Wortereignisformel auf. Auf die Seltenheit des Motivs weist auch die Tatsache hin, dass die LXX in Jes 9,7 דָּבָר dāvār mit θάνατον thanaton „Tod“ wiedergibt. Dies setzt die Lesung דֶּבֶר dævær „Pest“ voraus.

1) Protojesaja (→ Jesaja / Protojesajabuch). Häufig wird der Begriff דָּבָר dāvār als eine allgemeine Bezeichnung der im direkten Kontext zitierten göttlichen Nachricht verwendet. Hierbei kann es sich um ein Mahnwort (Jes 1,10) oder eine Gerichtsankündigung (Jes 9,7) handeln. Häufig kommen Worte Jahwes in Jes als Objekt des Verbs שמע šm’ „hören“ vor. דָּבָר dāvār steht des Weiteren in gliedernden (Zwischen-)Überschriften und kann in dieser Funktion synonym zum Begriff „Vision“ (‎חֲזוֹן ḥǎzôn) verwendet werden (vgl. Jes 1,1 mit Jes 2,1). In Jes 36-39 ist der Gebrauch von דָּבָר dāvār vermutlich von den Parallelstellen in 2Kön 18-20 beeinflusst (s.o. 2.2.4.).

Üblicherweise ist implizit vorausgesetzt, dass die Worte Jahwes vom Propheten Jesaja übermittelt werden; explizit wird dies nur in Jes 39,5.8 erwähnt. Die Frage nach der wahren und falschen Vermittlung der Worte Jahwes kommt in Jes 28 zur Sprache (s. vor allem Jes 28,13-14). In Jes 29,9-12 wird die Unfähigkeit des Volkes, das Wort Gottes zu verstehen, thematisiert. Die Worte Jahwes werden mit einem versiegelten Buch verglichen; V. 10 stellt sogar explizit fest, dass Jahwe selbst das Verstehen verhindert hat.

2) Deuterojesaja (→ Deuterojesaja). In Jes 40-55 wird vor allem betont, dass das Wort Jahwes Bestand hat, zuverlässig ist und Heil bewirkt (Jes 40,8; Jes 55,11). Auffällig ist, dass die wenigen Belege von דָּבָר dāvār die Verkündung von DtJes umrahmen und diese dadurch insgesamt beeinflussen und reflektieren (Aurelius). In Jes 44,26 wird auf das Wort des → Kyros als Knecht Jahwes Bezug genommen. Jes 50,4 berichtet, dass Jahwe dem Gottesknecht eine Zunge gegeben hat, damit er richtige Worte sprechen kann.

3) Tritojesaja (→ Tritojesaja). Jes 59 thematisiert insbesondere Lügen und böse Rede des Volkes. Abschließend verspricht Jahwe bei der Heilswende, dass seine Worte aus dem Mund des Volkes von nun an nicht mehr weichen sollen. Jes 66,2-5 betont, dass die Worte Jahwes furchterregend sein können.

2.3.2. Jeremia. Die Worte Jahwes finden sich im → Jeremiabuch ca. 40-mal in einer Wortereignisformel. Diese lautet in der Grundform „Und das Wort Jahwes geschah zu mir“ (z.B. Jer 1,4) oder verbindet sich mit unterschiedlichen Erweiterungen (z.B. Datierungen [Jer 1,9], Angaben zur Situation [Jer 21,1], zum Thema [Jer 14,1] oder zu Adressaten [Jer 46,1]).

Worte Jahwes unterschiedlicher Art werden in Jer mit der expliziten Nennung von דָּבָר dāvār bzw. דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH „Wort Jahwes“ eingeleitet, wobei eine zusätzliche Aufforderung zum Hören belegt sein kann (Jer 2,4). Inhaltlich kann es sich um Visionsberichte (Jer 1,11), Gleichnisse (Jer 18,2) oder um Anweisungen zu Zeichenhandlungen (Jer 13,2) handeln. Häufig belegt sind unterschiedliche Mahnungen und Aufrufe zur Umkehr (Jer 7,2) sowie Unheilsankündigungen gegen Israel, Juda und die Völker (Jer 16,10). Verheißungen oder Worte des Zuspruchs finden sich vor allem in der zweiten Buchhälfte (Jer 34,4-5). Die Worte Jahwes werden in einigen Kontexten mit dem Gesetz gleichgesetzt (Jer 8,8-9); die Worte können aber auch einen Bezug zum → Bund haben (Jer 11,1-10).

Ein zentrales Thema des Jeremiabuches ist die Frage, was wahre Prophetie ausmacht und auf welche Weise die Worte Jahwes übermittelt werden. Am deutlichsten wird dies sichtbar an der Gestalt Jeremias, der immer wieder Worte Jahwes empfängt und für ihren Inhalt angefeindet wird (Jer 26,12-15). Dies kann auch dadurch zur Sprache kommen, dass der konkrete Verkündigungsbefehl von Jahwe an Jeremia überliefert worden ist (Jer 19,2-3). In Jer 42,4-6 bittet das Volk Jeremia um Vermittlung der Worte Gottes. Es wird mehrfach betont, dass die Propheten nicht immer Worte Jahwes sprechen, sondern nach ihrem eigenen Sinn handeln (Jer 23,9-40). Falsche Ankündigungen werden sogar als „Lügenworte“ (‎דִּבְרֵי הַשֶּׁקֶר divrê haššæqær) bezeichnet, so z.B. in Jer 7,4. Jer 23,13 stellt fest, dass die Propheten im Namen → Baals geweissagt haben. Positiv wird neben Jeremia über den Propheten Uria (Jer 26,20-24) sowie über einige frühere Propheten (Jer 26,5) gesprochen.

In den Texten kommt die Zuverlässigkeit der Worte Jahwes zur Sprache: Jer 33,14. Trotz der Aufrufe zum Hören halten die Israeliten die angekündigten Worte für falsch oder wollen sie nicht wahrnehmen (Jer 44). In jedem Fall ist die gewünschte Wirkung – Umkehr – nicht erkennbar. An einzelnen Stellen wird auf die Vollständigkeit der Wiedergabe (Jer 26,2) oder auf die Verschriftlichung der Worte Jahwes hingewiesen (Jer 51,59-64). Jer 29,10 nennt Worte Gottes im Brief, den Jeremia nach → Babylon geschickt hat.

Wie in den Königsbüchern lassen sich auch im Jeremiabuch Unterschiede zwischen hebräischem und griechischem Text feststellen. So enthält der masoretische Text Belege von דָּבָר dāvār, die keine Entsprechung in der → Septuaginta haben. Vgl. z.B. die wesentlich kürzere Form der LXX in Jer 2,1-2; Jer 7,1-2; Jer 11,8; Jer 23,36. Diese Belege zeigen, dass das Wort Gottes ein wichtiges Motiv in relativ späten Bearbeitungen darstellte.

2.3.3. Ezechiel. Das Buch → Ezechiel weist mit ca. 50 Belegen die meisten → Wortereignisformeln im gesamten Kanon auf. Sie leiten neue Gottesreden ein und sind zu Beginn der meisten Kapitel zu finden. Die Formeln sind teilweise verbunden mit weiteren Inhalten, zumeist Datierungen (Ez 26,1) oder Situationsangaben (Ez 12,8). Diese Häufung hebt hervor, dass Ezechiel der Übermittler der Worte Gottes ist. Daneben lassen sich weitere, freier formulierte Aussagen zur Vermittlerschaft Ezechiels finden (Ez 24,20). Im Zusammenhang mit der prominenten Position der Visionsberichte in Ez 1-3 steht vermutlich die Aussage, dass Ezechiel Worte Jahwes auch gesehen hat (Verb ראה r’h), Ez 11,25. Falsche Propheten, die nach ihrem eigenen Sinn prophezeien, werden in Ez 13,1-14,11 thematisiert.

Wie Jeremia, wird auch Ezechiel wegen der Vermittlung der Worte Gottes angefeindet (Ez 2,6). Häufiger kommt zur Sprache, dass die Israeliten auf die von Ezechiel vermittelten Worte nicht hören wollen (Ez 33,30-32). In diesem Zusammenhang können sie als „Haus der Widerspenstigkeit“ (‎בֵּית מְרִי bêt mərî) bezeichnet werden (Ez 2,6-7). In Ez 3,6 wird sogar festgestellt, dass fremde Völker die Worte Jahwes besser hören würden als Israel. Diese werden im Ezechielbuch in den Fremdvölkersprüchen Ez 25-32 auch direkt angesprochen (Ez 25,3). Die Verkündigung wird unabhängig von Adressatengruppen gelegentlich mit einem Höraufruf verstärkt (Ez 6,3). In Ez 12,23-28 betont Jahwe, dass sein דָּבָר dāvār zuverlässig ist.

Das Prophetenamt Ezechiels wird in Ez 3,16-21; Ez 33,1-9 mit den Aufgaben eines Wächters verglichen, weshalb Ezechiel für das Überbringen der Worte Gottes persönlich verantwortlich ist. Die Motivkonstellationen der prophetischen Wächterfunktion sowie der Widerspenstigkeit der Israeliten hängen vermutlich mit der für Ez zentralen Gotteserkenntnis (→ Erkennen / Erkenntnis) und dem Anerkennen des Propheten zusammen (vgl. Ez 24,24-27).

Die Inhalte der Worte Jahwes folgen dem Aufbau des Ezechielbuches: Ez 1-24 enthält Mahnungen und Gerichtsworte gegen das eigene Volk. Ez 25-32; Ez 38-39 kündigen Unheil für die Fremdvölker an, was gleichzeitig Heil für Israel bedeutet. Die Heilsworte an Israel dominieren in Ez 34-37.

2.3.4. Zwölfprophetenbuch. Im → Zwölfprophetenbuch begegnet דָּבָר dāvār als Bezeichnung für Worte Jahwes zum einen in den Buchüberschriften, die häufig eine → Wortereignisformel enthalten (Hos 1,1; Joel 1,1; Jon 1,1; Mi 1,1; Zef 1,1; Hag 1,1; Hag 1,3; Sach 1,1). In Mal 1,1 kommt die Wendung דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH „Wort Jahwes“ ohne die Formel vor. Außerhalb der Buchüberschriften finden sich Wortereignisformeln in Jon 3,1 und in den Büchern Haggai (Hag 2,1) und Sacharja (Sach 1,7).

Zum anderen wird mit דָּבָר dāvār auf Gottesreden hingewiesen, die im unmittelbaren Kontext zitiert werden, entweder einleitend (Am 3,1; Hos 4,1; Sach 9,1) oder abschließend (Hos 14,3; Sach 11,11). Die einleitenden Belege sind gelegentlich mit einem Höraufruf verbunden (Hos 4,1; Am 4,1). Die Ankündigung der Worte Jahwes kann mit einem Umkehrruf schließen (Hos 14,3). Inhaltlich beziehen sich die Worte Jahwes zumeist auf das kommende Unheil (Am 3,1; Zef 2,5; Sach 9,1). In Sach 1,6 sind die Gesetze gemeint. In Sach 1,13 empfängt ein Bote Jahwes freundliche und tröstliche Worte; in Sach 4,6Serubbabel Zuspruch.

Die Mittlerschaft der Propheten kommt außerhalb der Buchüberschriften nur gelegentlich zur Sprache. Amos wird wegen seiner Verkündigung der ihm von Jahwe aufgetragenen Worte aus → Bethel ausgewiesen (Am 7,10-17). Hag 1,12 nennt explizit, dass die Worte Haggais im Auftrag Jahwes gesprochen worden sind; Sach 1,6 u.a. berichten über Worte Jahwes, die seine Propheten übermittelt haben; Sach 4,6 enthält ein Wort an Sacharja, das an Serubbabel weiterzugeben ist. Auch weist Jahwe Propheten zu bestimmten Handlungen an (Jon 3,3). In Sach 7,12 sendet Jahwe seine Worte durch seinen Geist, was eine weitere Stufe der Vermittlung bedeutet.

In Am 8,11-12 bekommen die Israeliten Hunger nach dem Wort Jahwes, ohne dass er es finden lässt. An dieser Stelle hat דָּבָר dāvār eine abstraktere Bedeutung als im Kontext der Unheilsankündigung; es ist mit dem Willen und der ersehnten Gegenwart Jahwes zu verbinden.

2.4. In den Schriften

2.4.1. Psalmen. Der Psalter (→ Psalmen) weist ca. 40 Belege für Worte Gottes mit dem Wort דָּבָר dāvār auf. Der Begriff kommt vor allem im Torapsalm Ps 119 vor: Die Einleitung in v1-8 legt das Gesetz und die Gebote Jahwes sowie ihr Halten eindeutig als Leitwörter des Psalms fest. Entsprechend beziehen sich die meisten von über 20 Belegen von דָּבָר dāvār auf diese Motivkonstellation hin. In vielen Fällen trägt das Wort Gottes zusätzlich die Bedeutung „Zusage“, „Verheißung“ oder „Gegenwart“ (Ps 119,25; Ps 119,74). Auf die Gebote und das Gesetz beziehen sich zudem Ps 50,17; Ps 147,19.

Außerhalb des Ps 119 wird der Begriff דָּבָר dāvār im Psalter vorwiegend für göttliche Zusagen und Verheißungen verwendet. Diese können allgemeine Aussagen darstellen (Ps 33,4) oder für die Betenden des Psalms gelten (Ps 56,11). Eine dezidierte Zusage der Vergebung findet sich in Ps 130,5. Einen Schöpfungsbezug hat das Wort Jahwes in Ps 33,6. In Ps 105,8.42 findet דָּבָר dāvār in Bezug auf den → Bund Verwendung. Einzelne Psalmen lassen an das Wort als eine Art Hypostase oder Tatkraft denken (s.u. 5.4.2.).

2.4.2. Hiob. Im Buch → Hiob wird dreimal auf Worte Gottes mit dem Begriff דָּבָר dāvār Bezug genommen. Hi 15,11 lautet: „Gelten die Tröstungen von El so gering bei dir und ein Wort, das sanft mit dir verfuhr?“. Hier ist mit dem Wort Els kein einzelner Redebeitrag gemeint, sondern das Wort muss mit den Taten Gottes verbunden werden. „Das leise Wort“ ist in Hi 26,13 dem Donner der Macht Gottes gegenübergestellt. Die Gottesreden in Hi 38-41 werden in Hi 42,7 als „diese Worte“ (‎הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה haddəvārîm hā’ellæh) zusammengefasst.

2.4.3. Proverbia. Im → Sprüchebuch gibt es drei Belege von דָּבָר dāvār, die als Worte Gottes verstanden werden können. In Spr 30,6 erinnert die Aussage „Tu nichts zu seinen Worten hinzu, dass er dich nicht zurechtweise und du als Lügner dastehst.“ an die → Kanonformel in Dtn 4,2; Dtn 13,1. In Spr 13,13 ist der Gottesbezug nicht so eindeutig, aber in der parallelen Aussage werden die Gebote genannt. Auch Spr 16,20 könnte auf das Gesetz hinweisen.

2.4.4. Megillot. In den Festrollen lassen sich keine Worte Gottes mit dem Begriff דָּבָר dāvār finden.

2.4.5. Daniel. In den hebräischen Teilen des Buches → Daniel findet der Begriff דָּבָר dāvār in den Kapiteln 9-10 gehäuft Verwendung.

Zum einen wird mit dem Ausdruck auf frühere Worte Jahwes Bezug genommen. In Dan 9,2 findet sich ein Rückverweis auf ein Wort Jahwes an Jeremia (vgl. Jer 25,11-12); eine allgemeinere Bezugnahme gibt es in Dan 9,12.

Zum anderen empfängt Daniel selbst Worte Gottes. Diese können von „dem Mann Gabriel“ (‎הָאִישׁ גַּבְרִיאֵל hā’îš gavrî’el) vermittelt werden, so u.a. in Dan 9,21-25, wo Daniel die Deutung der vorangehenden Vision erhält. In Dan 10,1-11; Dan 10,15 sieht er eine furchterregende männliche Gestalt, die zu ihm (von Gott) gesendet worden ist (vgl. Dan 10,11), um über die Ereignisse am Ende der Tage zu berichten. Diese Worte soll Daniel in ein Buch versiegeln (Dan 12,4.9). Daniel kann Worte Gottes jedoch auch ohne einen Mittler empfangen (Dan 10,1).

2.4.6. Esra-Nehemia. In den hebräischen Teilen der Bücher → Esra und Nehemia sind die Worte Gottes kein häufiges Thema.

In Esr 1,1 wird auf eine frühere Ankündigung des Propheten Jeremia (s.o. 2.3.2.) Bezug genommen (vgl. 2Chr 36,22); Neh 1,8 weist auf ein Wort Jahwes hin, das er zu seinem Knecht Mose gesprochen hatte. In Neh 9,8 wird die Landverheißung an Abraham Wort Jahwes genannt. Mit dem Begriff דָּבָר dāvār sind in Esr 7,11; Neh 8,9; Neh 8,13 die Worte der Gebote bzw. der Tora gemeint. Auch in Esr 9,4 sind mit den ‎דִּבְרֵי אֱלֹהֵי־יִשְׂרָאֵל divrê ’älohê jiśrā’el „Worten des Gottes Israels“ wohl Gesetze gemeint (vgl. Dtn 7,3).

2.4.7. 1-2Chronik. Was die Verwendung von דָּבָר dāvār in den → Chronikbüchern betrifft, muss zunächst gefragt werden, ob und inwieweit die Belege sich von denen in den Samuel- und Königsbüchern unterscheiden (s.o. 2.2.3. und 2.2.4.).

Dadurch, dass viele Ereignisse aus den Samuel- und Königsbüchern nicht oder stark verkürzt übernommen sind, gibt es insgesamt weniger Belege von דָּבָר dāvār. So fallen etwa die vielen Vorkommen bei der Berufung Samuels (1Sam 3) und in den Elia- und Elisa-Erzählungen (1Kön 17-2Kön 8) weg. Auch die Belege in den Erzählungen über Saul und David in 1Sam 15-16 reduzieren sich auf zusammenfassende Aussagen in 1Chr 10,13; 1Chr 11,3; 1Chr 11,10. Auffällig ist die Tatsache, dass die Chronikbücher nur eine Wortereignisformel aufweisen (2Chr 11,2).

Gelegentlich können weitere Textunterschiede erkannt werden. So empfängt Gad in 1Chr 21,18-19 das Wort durch einen Boten Jahwes. Von einem zusätzlichen Vermittler ist in der Parallelstelle 2Sam 24,11-19 nicht die Rede. Das Wort Jahwes (דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH) in 2Sam 7,4 wird zu einem Wort Gottes (‎דְּבַר־אֱלֹהִים dəvar ’älohîm) in 1Chr 17,3. Der Bericht über die → Zerstörung Jerusalems weist in 2Chr 36,16 und 2Chr 36,21 auf frühere Jahweworte hin, die durch die Propheten, namentlich Jeremia, angekündigt worden waren. Auf Jeremia wird auch in der Einleitung zum Kyrosedikt in 2Chr 36,22 Bezug genommen (vgl. Esr 1,1).

Die Chronikbücher verwenden den Begriff דָּבָר dāvār auch an Stellen, die keine Entsprechung in den Samuel- oder Königsbüchern haben. In 1Chr 15,15 wird etwa hingewiesen auf ein Wort Jahwes, das er über Mose gesprochen hat (vgl. 2Chr 35,6). Im Danklied Davids bezieht sich das Wort Jahwes auf den Bundesschluss (1Chr 16,15). 1Chr 22,8 begründet mit einem Wort Jahwes, warum David den Tempel nicht bauen darf, und 1Chr 25,5, warum Heman so viele Söhne hat. Im Vergleich zu 1Kön 14,25-31 bietet 2Chr 12 eine längere Textfassung mit einem weiteren Wort Jahwes hinsichtlich des Kriegszugs von → Schischak gegen Juda, in dem die Ereignisse theologisch gedeutet werden. Die Reue von → Manasse, die zum chronistischen Sondergut gehört, wird durch das Wort Jahwes verursacht, diesmal vermittelt durch die Seher (2Chr 33,18).

3. Weitere Begriffe und Sprachen

3.1. Hebräisch

3.1.1. אֹמֶר ’omær. Der Begriff אֹמֶר ’omær „Spruch / Wort / Weisung“ hat 55 Belege im Alten Testament und kommt vor allem in den poetischen Büchern vor. Einige Belege in Hiob beziehen sich auf Worte Gottes: In Hi 6,10 finden sich Worte des Heiligen und in Hi 20,29, Hi 22,22 sowie Hi 23,12 bezeichnet der Begriff Zuspruch und Weisung. Vier Belege in den Psalmen beziehen sich auf göttliche Worte: Ps 68,12 (Befehl); Ps 77,9 (Verheißung); Ps 107,11 (Gebot). In Ps 138,4 hören die Könige der Erde den אֹמֶר ’omær Jahwes, wodurch seine universale Macht zum Ausdruck kommt.

Im Pentateuch und in den Vorderen Propheten lässt sich das Wort sechsmal finden. In Num 24,4.16 bezeichnet sich → Bileam als Hörer von Worten Gottes. Josua bezeichnet die Worte des Bundesschlusses zu → Sichem als „alle Worte Jahwes“ (Jos 24,27). In den Hinteren Propheten kommt אֹמֶר ’omær viermal vor. In Jes 41,26 wirft Jahwe den anderen Göttern vor, dass sie mit keinem Wort die zukünftigen Ereignisse angekündigt haben. In Hos 6,5; Hab 3,9 sind die Sprüche Jahwes in Gerichtskontexten belegt.

3.1.2.אִמְרָה ’imrāh. Der Begriff ‎אִמְרָה ’imrāh „Rede / Wort“ kommt im Alten Testament 37-mal vor. Die Vielzahl der Belege findet sich in Psalmen, namentlich im Torapsalm Ps 119 mit 20 Belegen, die sich sämtlich auf das Wort Jahwes beziehen (vgl. auch Dtn 33,9; Jes 5,24). In Ps 12 werden die lauteren Worte Jahwes dem Lug und Trug der Frevler gegenübergestellt (Ps 12,7; vgl. Ps 18,31; Ps 138,2; Spr 30,5). Laut Ps 105,19 wird → Josef aufgrund der אִמְרָה ’imrāh Jahwes aus der Gefangenschaft befreit. Mit der Wendung ist hier entweder göttlicher Beistand oder die Traumdeutung (Gen 40-41) gemeint (→ Traum). In Ps 147,15 kann an eine Hypostase Jahwes gedacht werden (s.u. 5.4.2.). Die zweitgrößte Anzahl der Belege findet sich im Buch Jesaja. Von den fünf Belegen ist Jes 5,24 auf das Gesetz des Heiligen Israels bezogen. In Klgl 2,17 bedeutet אִמְרָה ’imrāh die erfüllte Unheilsankündigung.

3.1.3.מַאֲמָר ma’ǎmār. Der Begriff מַאֲמָר ma’ǎmār „Befehl / Wort“ bezeichnet im Alten Testament nie göttliche Rede.

3.1.4.מִלָּה millāh. Von den 38 Belegen des aramäischen Lehnwortes מִלָּה millāh „Wort / Rede“ beschreibt nur 2Sam 23,2 ein Wort Gottes. Hier spricht David: „Der Geist Jahwes hat durch mich geredet, und sein Wort ist auf meiner Zunge.“

3.2. Aramäisch

3.2.1. דִּבְרׇה divrāh*. Der Begriff דִּבְרׇה divrāh* „Angelegenheit“ findet sich in Dan 2,30 und Dan 4,14. In Dan 2,30 bezeichnet das Wort die Deutung eines Traums → Nebukadnezars. Da Dan 2,28 erwähnt, dass der Gott des Himmels Geheimnisse offenbart, ist es hier deutlich, dass die Deutung דִּבְרׇה divrāh* von Gott kommt. In Dan 4,14 ist דִּבְרׇה divrāh* im Rat der Wächter (‎גְזֵרַת עִירִין gəzerat ’îrîn) beschlossen worden und gilt als ein Spruch der Heiligen (‎מֵאמַר קַדִּישִׁין me’mar qaddîšîn). Dadurch ist die wörtlich vermittelte Sache auch hier göttlichen Ursprungs. In beiden Fällen ist → Daniel der Mittler der Worte Gottes.

3.2.2. מֵאמַר me’mar*. Dan 4,14 nennt den Begriff מֵאמַר me’mar* „Wort / Befehl“ im direkten Kontext zum Rat der Wächter. Das Wort (מֵאמַר me’mar*) geht von den Heiligen (קַדִּישִׁין qaddîšîn) aus und wird von Daniel vermittelt.

3.2.3. מִלָּה millāh. Nur gelegentlich werden mit dem 24-mal belegten Begriff מִלָּה millāh „Wort / Sache“ Worte Gottes gekennzeichnet. In Dan 2,23 dankt Daniel Gott dafür, dass er ihm die Deutung des Traums des Königs → Nebukadnezar kundgetan hat (vgl. Dan 5,26). In Dan 7,16 deutet „einer von denen, die [um den Thron des Uralten] dastanden“ (s. Dan 7,9-10) die vorangehende Vision an Daniel, sodass hier ein weiterer Vermittler zwischen Gott und Daniel belegt ist. Der göttliche Ursprung der Deutungen wird durch Dan 2,11 unterstrichen: „Denn was (‎מִלְּתָא millətā’) der König fordert, ist zu schwer, und es gibt auch sonst niemand, der es vor dem König sagen könnte, ausgenommen die Götter, die nicht bei den Menschen wohnen.“ In Dan 4,30 wird festgestellt, dass das Wort (מִלָּה millāh) an Nebukadnezar erfüllt wurde. Der Rückbezug auf die „Stimme vom Himmel“ (‎קָל מִן־שְׁמַיָּא qål min-šəmajjā’) in Dan 4,28 legt den göttlichen Ursprung dieses Wortes fest.

3.3. Griechisch

Im Regelfall gibt die → Septuaginta (LXX) die hebräischen Begriffe für „Wort“ mit λόγιον logion „Spruch“, λόγος logos „Wort / Rede“ oder ῥῆμα rhēma „das Gesagte / Wort“ wieder. Weitere griechische Wörter, die in diesem Zusammenhang verwendet werden, sind z.B. ἀπόκρισις apokrisis „Antwort“, πρόσταγμα prostagma „Anordnung“ und φωνή phōnē „Stimme“. Kontextbedingt übersetzt die LXX den Begriff דָּבָר dāvār und seine Äquivalente auch mit Verbformen, z.B. mit den Verben λαλέω laleō „reden“ oder λέγω legō „sagen / sprechen“.

Die Septuaginta gibt nicht alle im masoretischen Text vorkommenden Belege der Worte Jahwes wieder, s.o. die Ausführungen zu 1-2Könige (s.o. 2.2.4.) und Jeremia (s.o. 2.3.2.). Daneben kann festgestellt werden, dass die LXX in ihrem eigenen Sondergut Belege für ῥῆμα κυρίου rhēma kyriou „Wort des Herrn“ und λόγος κυρίου logos kuriou „Wort des Herrn“ enthält: 1Kön 12,24; 2Chr 36,5. Auch in den → Apokryphen lassen sich explizite Nennungen von Worten Jahwes finden: Weish 9,1; Weish 12,9; Sir 1,24 (Lutherbibel: Sir 1,29); Sir 42,15. Die Belege beziehen sich oft auf Schöpfung. Im Buch → Tobit empfängt Tobias Worte des Gottesboten → Rafael (Tob 8,2).

4. In den Nachbarkulturen

In den Nachbarkulturen Israels und Judas spielten mantische Praktiken in der Divination eine wesentlich größere Rolle als im Alten Testament (→ Divination im Alten Orient; → Divination in Ägypten). In altorientalischen Texten lassen sich aber Worte der Götter finden, die den alttestamentlichen Belegen ähnlich sind, denn in den epischen und mythischen Texten sprechen die Gottheiten nicht nur unter sich, sondern wenden sich auch Menschen zu. In der alttestamentlichen Wissenschaft wird oft nur auf Quellentexte zur Schöpfung durch das Wort verwiesen; jedoch sind Worte der Götter und Göttinnen in den Nachbarkulturen wesentlich breiter belegt.

4.1. Ägypten

Ägyptische Texte sprechen in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen von Worten der Götter. Die wichtigsten Begriffe dafür sind mdw und mdw.t (Bergman). Die alttestamentlichen Einleitungsformeln haben ihre Entsprechung in Ritualtexten, in denen zitierte Worte der Gottheiten mit ḏd mdw jn N „Rede des Gottes N“ eingeleitet werden. Die Verschriftlichung der göttlichen Worte ist ein bedeutendes Motiv in der ägyptischen Tradition, in der die Hieroglyphenliteratur als mdw-nṯr „Gotteswort“ bezeichnet werden kann. Durch diesen Bezug werden die Worte der Götter mit dem Schreibergott Thot verbunden. Die Begriffe mdw und mdw.t werden nicht personifiziert, anders als ḥw „Ausspruch / Befehl“ und ḥk3 „Zauberspruch“ (Ringgren, 9-37). In der Totenliteratur kommt der lebendigmachende Charakter der göttlichen Worte zum Ausdruck. In der Königsideologie bestimmen Götter durch ihre Worte die Herrschaft der einzelnen Könige, deren Erwählung Gegenstand von Orakeln sein kann. Könige erhalten auch Befehle von Göttern als Orakelsprüche (vgl. TUAT I/6, 575-578). Göttliche Zusagen an die Könige lassen sich zudem in literarischen (vgl. TUAT NF 8, 307) und historischen Texten finden (vgl. TUAT I/6, 554-555). Die sog. → Hungersnotstele nennt explizit, dass die Gottesoffenbarung im Traum geschah (TUAT NF 1, 215). Die Worte der Götter kommen des Weiteren in Beschwörungen bzw. Heilungssprüchen vor (vgl. z.B. TUAT II/3, 365.372).

Im ägyptischen Denken haben die Worte Macht inne, und die Götter vollbringen ihre Taten durch ihre Aussprüche (hw). Die Begriffe für „Wort“ kommen oft parallel zu „Befehlen“ (wḏ.t-mdw) vor. Häufig wird in diesem Zusammenhang auf Schöpfungstexte hingewiesen. Der berühmte Text → „Denkmal Memphitischer Theologie“ schildert die Schöpfung der Welt durch die Worte des Gottes Ptah. Hierbei wird das Gotteswort (mdw-nṯr) explizit genannt (RT 31-32 = TUAT Erg., 166-175). Auch vom Sonnengott Amun berichten Hymnen, dass er durch das Wort geschaffen hat: In den Texten finden sich Wendungen wie „[der] Worte sprach und die Götter entstanden“ und „aus dessen Mund die Götter wurden“ (RT 40-43) oder „der mit seinem Mund sprach und es kamen ins Sein Menschen, Götter, Vieh und alles Wild insgesamt“ (RT 52-53 = TUAT II/6, 886-891). Diese Motivkonstellation erinnert im Alten Testament vor allem an Ps 33,6.

4.2. Hethiterreich

In hethitischen Texten können Worte der Götter und Göttinnen an den Menschen im Traum offenbart oder durch die Eingeweideschau mitgeteilt werden (→ Divination im Alten Orient). Im Mythos von Verschwinden und Wiederkehr der Sonnengottheit (CTH 323) finden sich durch Orakelschau vermittelte Worte (uttar) der Götter (TUAT III/4, 814-815 = TUAT NF 8, 153); vgl. auch den Mythos über den Wettergott → Telipinu (CTH 324 = RT 181-186 = TUAT III/4, 815-821 = TUAT NF 8, 155-160). In der Apologie von Hattušili III. wird berichtet, dass → Ischtar eine Botschaft im Traum geschickt hat (CTH 81 = TUAT I/5, 482-483). Die Nachrichten der Gottheiten werden auch durch Vermittler – mit oder ohne Eingeweideschau – mitgeteilt (CHT 373 = RT 188-191; CTH 378 II = RT 191-196).

In hethitischen Gebeten findet sich die Vorstellung, dass der kranke Beter auf das Wort (uttar) des Sonnengottes hin genesen wird (CTH 372 II,42 = TUAT II/6, 798 = TUAT NF 7, 112; vgl. auch RT 189). Auf ein göttliches Gebot bzw. Gesetz bezieht sich der Begriff memiya- „Wort / Rede“ im 2. Pestgebet Muršilis (CTH 378 II = RT 195 = TUAT NF 7, 119); auf die Flüche der Vertragseide wird mit demselben Wort in einem Gebet anlässlich einer militärischen Gefahr Bezug genommen (CTH 375 = TUAT II/6, 802).

4.3. Mesopotamien

Die mesopotamischen Quellen enthalten Texte in sumerischer und akkadischer Sprache und erstrecken sich vom 4. bis zum 1. Jt. v. Chr. Der übliche Begriff für das Wort ist enem / inim im Sumerischen; im Akkadischen sind vor allem dababu, dibbu und awatu / amatu von Bedeutung.

In den epischen und mythischen Texten sprechen die Götter in vielen unterschiedlichen Zusammenhängen. Worte der Götter und Göttinnen kommen u.a. in Schöpfungskontexten vor. So lässt → Marduk im babylonischen Epos →Enuma Elisch ein Sternbild durch sein Wort (epšu pîm) verschwinden und wiedererscheinen (IV,23-26 = TUAT III/4, 583-584 = TUAT NF 8, 107). Die Götter können zudem Handlungsanweisungen geben. So befiehlt der Gott Enki dem Helden → Atrachasis im gleichnamigen akkadischen Epos, dass er eine → Arche bauen soll, wonach im Text festgestellt wird: „Atrachasis nahm die Weisung / den Auftrag (têrtum) an“ (III,I,38 = RT 115-118 = TUAT III/4, 638).

Die Hierarchie innerhalb des Götterpantheons hängt zusammen mit der Frage, ob die göttlichen Entscheidungen von einer anderen Gottheit verändert werden können. In einem sumerischen Handerhebungsgebet heißt es über den Mondgott Nanna (Sîn): „Herr, der im Himmel und auf Erden die Entscheidungen trifft, dessen Spruch (DU11.GA; qibītu) niemand zu ändern vermag“ (RT 128-130). Ähnlich wird die oberste Position des Gottes Marduk in Enuma Elisch festgestellt: „Dauerhaft ist sein Geheiß (amatu), unverwandelbar sein Wort (qibītu). Was sein Mund sprach, soll kein Gott ändern“ (VII,151-155 = RT 110 = TUAT III/4, 602 = TUAT NF 8, 130-131). In Enuma Elisch ist die Verbindung des göttlichen Wortes und der Schicksalsbestimmung besonders eng. Die Beständigkeit der Worte der Götter und der dauerhaften Regeln wird in einer Stadtklage über Ur angezweifelt (RT 165-168, s. auch TUAT II/5, 706).

Die Worte der Götter können Heil und Unheil verursachen, was Parallelen vor allem in den alttestamentlichen Prophetenbüchern hat. Diese können einzelne Personen, Völker oder Länder beeinflussen. In einem Staatsvertrag aus → Ebla steht: „All diejenigen, die mit bösen Absichten handeln, wird das Wort (DU11.GA) des Sonnengottes (sowie das der Götter) Hadda (und) Kakkab […] umkommen lassen.“ (TUAT NF 2, 9). In einer altbabylonischen Königsinschrift verheißt Enlil mit seinem Wort (awatu; inim) einen militärischen Sieg für den König (TUAT NF 2, 49). Die Worte der Götter können entsprechend als Ursachen für historische Ereignisse verstanden werden (Albrektson, 1967b, 53-67), so etwa in den Tonkegeln von Enmetana von Lagasch (TUAT I/4, 308-312; gù „Wort“), im Prolog und Epilog des Codex Hammurapi (z.B. IV,27 = TUAT I/1, 43; ittu „Befehl, Wort“ und XLIX,73-80 = TUAT I/1, 77-78). In den Königsinschriften wird häufig erwähnt, dass die Könige Feldzüge nach dem Wort / Befehl (ina qibīt; ina amāt) der Götter durchführen.

Laut den Prologen der Gesetzestexte sind Recht und Gerechtigkeit Aufgaben des Königs, die er durch das Wort einer Gottheit erhalten hat (vgl. Codex Lipit-Eštar I,52 = TUAT I/1, 23-31 [inim]). Die Vermittlerrolle des Königs kommt u.a. im Epilog des Codex Hammurapi zur Sprache (XLVIII,20-38 = TUAT I/1, 39-80).

Das schon erwähnte Gebet an den Mondgott Nanna (Sîn) beschreibt Wirkungen seines Wortes (enem; amatu), die im Alten Testament zur Motivkonstellation um den → Segen gehören: Das Wort von Nanna gibt Regen, lässt die Landwirtschaft gedeihen und bewirkt sogar Recht und Gerechtigkeit. An Jes 55 und Dtn 30,12-14 erinnert das Gebet durch die Unergründbarkeit des Wortes: „Dein Wort (enem; amatu) ist himmelsfern und erdentief, so dass niemand es durchschauen kann. Dein Wort (enem; amatu) – wer vermag es zu erkennen, wer kann sich mit ihm messen!“ (RT 128-130). Auch können die Worte der Götter als „geheiligt“ bezeichnet werden, so in einer sumerischen Hymne auf den König von Larsa (TUAT NF, 7 8). In einigen Quellen werden die Worte der Gottheiten als so eigenständig geschildert, dass von einer Hypostasierung auszugehen ist (Dürr, 129-134; Ringgren, 65-68; s.u. 5.4.2.).

Göttliche Zusagen finden sich in Bezug auf den König u.a. in den Namen der Regierungsjahre (s. TUAT I/4, 341) und in den Königshymnen (s. TUAT II/5, 653-659). Der sumerische König Iddindagan möge hohe Kraft „auf das gute Wort (ka) Ans und Enlils hin“ erhalten (RT 131-132). In Gebeten kann um ein heilerwirkendes Wort der Gottheiten gebeten werden (RT 133-136). Mit dem Wort (enim) der Götter werden ihre Taten und Macht auch allgemeiner bezeichnet, wie im „Sumerischen Hiob“ gelesen werden kann (RT 164-165).

Die prophetischen Texte aus Assyrien (TUAT II/1, 56-63; TUAT NF 4, 54-60) enthalten ermutigende und warnende Gottesworte, die den Königen durch Vermittler und Vermittlerinnen wiedergegeben und gesandt wurden. Sie enthalten gelegentlich die Wendung „Wort (der Göttin) Ischtar“ (abat Issār), die dem alttestamentlichen „Wort Jahwes“ sehr ähnlich ist (Parpola, LXV). In den Briefen wird zudem berichtet, dass die Worte der Gottheit sich im Traum oder in einem ekstatischen Zustand ereigneten (Nissinen). Worte bzw. Sprüche (zikru) der Götter werden jedoch auch durch die Opferschau vermittelt – vgl. Prisma Ninive A von Asarhaddon I,13-16 (TUAT I/4, 393-397) – und Beschwörungen können als Worte (inim) des Gottes Enki bezeichnet werden (TUAT II/2, 98; vgl. auch TUAT NF 4, 107).

4.4. Ugarit

Die epischen und mythischen Texte aus → Ugarit enthalten zahlreiche Worte der Götter und Göttinnen. Hierbei kann es sich um Kommunikation zwischen Göttern und Göttinnen handeln: Viele Beispiele finden sich im → Baal-Zyklus (KTU 1.1-6 = TUAT III/6, 1091-1198 = TUAT NF 8, 183-236). Einzelne Belege geben differenziertere Einblicke in die ugaritische Motivkonstellation. In KTU 1.3 V 30-31 (= TUAT III/6, 1148 = TUAT NF 8, 210) stellt die Göttin Anat fest, dass das Wort (tḥm) des Gottes → El weise ist und dass seine Weisheit in Ewigkeit gilt. Das Wort Els ist hier mit der Schicksalsbestimmung verbunden, was an die Quellen aus Mesopotamien erinnert.

Aus Ugarit sind Beschwörungen überliefert, in denen Baal Unfruchtbarkeit heilt (KTU 1.82 4-5 = TUAT II/3, 338; dort wörtlich p „Mund“) oder ein Exzorzist Dämonen mit „Worten des Baal“ (rgm b‘l) vertreiben soll (KTU 1.169 1-2 = TUAT II/3, 335). KTU 1.86 7 nennt den Begriff rgm im Kontext von Träumen, sodass er sich hier auf eine göttliche Nachricht beziehen kann (CoS I 293-294).

4.5. Levante

Die Belege für Worte der Gottheiten aus der Levante sind aufgrund der Quellenlage nicht besonders zahlreich. Die erhaltenen Texte bieten dennoch interessante Einblicke in die Vorstellungen über göttliche Botschaften.

In einer phönizischen Beschwörung steht, dass das Wort (פי pj „Mund / Ausspruch“) des Gottes Hauron wahr ist (KAI 27, 16; vgl. TUAT II/3, 435-437).

In der Mescha-Stele befiehlt der Gott → KemoschMescha, dem König von → Moab, Feldzüge durchzuführen (KAI 181, 14.32; vgl. HTAT 246.248). Ein Heilsorakel erhält der König Zakkur in einer militärischen Notlage, die in der Zakkur-Stele (KAI 202 A) geschildert wird. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Gott Baal-Schamem „durch Vermittlung von Sehern und durch Vermittlung von Zukunftskundigen“ spricht.

Die aramäische Wandinschrift aus Tell Dēr ‘Allā (→ Sukkot) erwähnt Worte der Götter, die der Seher Bil am in einer nächtlichen Vision empfängt (Z. 1-2; vgl. TUAT NF 8, 466 und die Ausführungen zum Buch Numeri in 2.1.). Ein Ostrakon aus → Elephantine (KAI 270 A) thematisiert einen Traum bzw. eine Erscheinung. Der schwer zu deutende Text enthält laut manchen Bearbeitungen in den letzten Zeilen die Aussage „seine Worte (waren): Heil!“, was sich auf ein Wort Gottes beziehen könnte (מלוהי שׂלם mlwhy šlm; so KAI z. St.; dagegen Porten [TADAE D7.17]).

5. Synthese: Bedeutungen der Worte Gottes im Alten Testament

Die verschiedenen Vorstellungen über das Wort Gottes im Alten Testament spiegeln die Entwicklungen und Umbrüche der israelitischen Religionsgeschichte wider. Die frühesten Belege haben ihre Wurzeln in der altorientalischen Prophetie im Besonderen und in der Kulturkoine des antiken Vorderen Orients im Allgemeinen. Die späteren Weiterentwicklungen bringen Charakteristika der nachstaatlichen Jahweverehrung zum Ausdruck. Grundlegend für das Verständnis ist die zunehmende Bedeutung der niedergeschriebenen Worte Jahwes als Weg, Jahwe zu begegnen. Parallel dazu kann das Wort Gottes Inhalte bezeichnen, die zunehmend weiter gefasst sind.

5.1. Das Wort Gottes in den Hinteren Propheten

Dass das Wort Jahwes (דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH) seinen genuinen Ort in der Prophetie hat, zeigt schon die Tatsache, dass über die Hälfte der Belege dieser Wendung in den Hinteren Propheten zu finden ist, weshalb die Wendung „etwas bezeichnen muß, was zum Prophetentum in Beziehung steht“ (Grether, 66). Die bleibende und zentrale Rolle der Schriftprophetie bezeugt auch die Wendung „meine (deine / seine) Knechte, die Propheten“ (‎עֲבָדַי הַנְּבִיאִים ‘ǎvādaj hannəvî’îm), die vor allem in 2Kön und Jer sowie in späten Büchern (Esr 9,11; Dan 9,6.10) als eine allgemeine, zusammenfassende Bezeichnung verwendet wird.

5.1.1. Die Propheten als Verkünder der Worte Gottes

Propheten und Prophetinnen verkündeten Botschaften Jahwes bereits in der Königszeit. Das Phänomen ist im antiken östlichen Mittelmeerraum keineswegs einzigartig, sondern auch durch Textfunde aus Mari und Assyrien bekannt (Nissinen; s.o. 4.3.). Die ältesten prophetischen Texte des Alten Testaments leiten Worte Gottes mit dem Begriff דָּבָר dāvār ein, enthalten jedoch weder die Wortereignisformel noch die Wendung דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH „Wort Jahwes“ (Levin 2004). Häufiger sind in diesen Texten Höraufrufe sowie unterschiedliche Vor- und Rückverweise zum unmittelbaren Kontext. Die prophetische Vermittlung von Worten Gottes ist zudem im → Lachisch-Ostrakon Nr. 3 belegt (KAI 193; Nissinen, 92-93). Dass das Amt bzw. die Rolle des Propheten die Wahrheit der Ankündigung nicht garantiert, zeigt die Motivkonstellation um die wahre und falsche Prophetie.

5.1.2. Schriftprophetie als Wort Gottes

Die wohl ältesten Belege der Wendung „das Wort Jahwes“ (דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH) in den Prophetenbüchern finden sich im → Jeremiabuch, wo das Wortpaar u.a. in Jer 1,4-14; Jer 2,1-2 in vorliegende Texte nachgetragen worden ist (Levin 2004).

Dass das Wort Jahwes sich zu einem tragenden Element der Schriftprophetie entwickelte, ist vor allem an den Büchern Jeremia, Ezechiel und Sacharja erkennbar. Zentral ist hierbei die → Wortereignisformel, die in diesen Büchern als Kennzeichen eines Neuansatzes vorkommt: Die Formel „Und es geschah das Wort Jahwes zu mir (folgendermaßen)“ markiert Perikopenanfänge, ist aber auch in Buchüberschriften zu finden (Jer 1,2; Ez 1,3; Hos 1,1; Joel 1,1; Jona 1,1; Mi 1,1; Zef 1,1; Hag 1,1; Hag 1,3; Sach 1,1). Die Wortereignisformel am Buchbeginn setzt das Buch unter die Autorität des namentlich erwähnten Propheten, der die Worte Jahwes empfangen haben soll. Dies umfasst die gesamte im Buch mitgeteilte Verkündigung, auch wenn einzelne Sprüche dort nicht ausdrücklich als Wort Jahwes bezeichnet werden.

Die Rede von den Worten Gottes ist in den prophetischen Büchern zunehmend formalisiert worden. Es fällt auf, dass die meisten Belege für die Wortereignisformel im Buch Ezechiel zu finden sind: Dort kommt der Begriff דָּבָר dāvār eher selten in einem anderen Kontext vor. In Jer finden sich im Vergleich weniger Wortereignisformeln als Belege in anderen Zusammenhängen; in Jes gibt es gar keine Wortereignisformeln. In diesen Büchern werden Gottesreden als דָּבָר dāvār bezeichnet, was jedoch häufig freier formuliert ist.

Die Verschriftlichung der Worte Jahwes wird in den prophetischen Büchern explizit thematisiert. Die Gottesoffenbarung findet sich in Jes 29,11-18 in einem versiegelten Buch. Jer 36 enthält eine Erzählung über den König → Jojakim, der eine Schriftrolle mit den Worten Jahwes, die er durch Jeremia gesprochen hatte, verbrennt. Auch Jer 51,59-64 bezieht sich auf eine Schriftrolle mit der Verkündigung Jeremias. In Dan 12,4 wird Daniel aufgefordert, die Worte zu verbergen und das Buch (mit ihnen) zu versiegeln.

5.2. Prophetische Worte Gottes in den Vorderen Propheten

In den Vorderen Propheten können Jahwe und sein Wille unterschiedlich wahrgenommen werden: Die Bücher nennen Visionen, Träume sowie Urim und Tummim als Weisen, Botschaften von Jahwe zu empfangen (→ Divination). Daneben findet sich eine große Anzahl von Wortereignisformeln und anderen Nennungen der Worte Jahwes. Auch eine Verbindung dieser Alternativen – das Schauen vom Wort Jahwes oder dessen Empfang im Traum – ist gut belegt.

In den Königsbüchern findet sich die Vorstellung, dass das Wort Gottes Geschichte geworden ist (von Rad, 197). Dieser Zusammenhang unterstreicht die Macht und Beständigkeit von Worten Jahwes, deren Erfüllung in der geschilderten Ereignisgeschichte genau notiert wird (s. z.B. 1Kön 13,2 und 2Kön 23,16-18). Die Belege für Wort Jahwes (דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH) in den Elia- und Elisa-Erzählungen sind spätere Bearbeitungen (Dietrich, Smend, Levin 1992); auch die sog. Erfüllungsnotizen sind in der Forschung als Nachträge gesehen worden. Die Vorderen Propheten enthalten bei der Wiedergabe der Worte Gottes häufig Wortereignisformeln und andere geprägte Wendungen, was der zunehmenden Formalisierung in den Hinteren Propheten ähnelt (Jer, Ez) und die Worte Jahwes von anderen Dialogen in den Königsbüchern formal absetzt.

Die Worttheologie der Vorderen Propheten setzt die Vorstellungen der Hinteren Propheten sowie deren Formsprache voraus und scheint ihrerseits die Psalmen beeinflusst zu haben (Spieckermann, 168).

5.3. Das Gesetz als Wort Gottes

Als das Wort Gottes „zum Inbegriff der Offenbarung schlechthin“ (Levin 2004, 279) wurde, konnte es auch einzelne Gesetze und Ordnungen sowie das gesamte (deuteronomische) Gesetz bezeichnen. In diesem Gebrauch wird דָּבָר dāvār gelegentlich parallel zur תּוֺרָה tôrāh „Weisung / Tora“ benutzt (Grether, 121-124; → Tora). Mit einer Form im Plural wird üblicherweise auf Einzelgebote hingewiesen, wobei der Plural auch auf eine Sammlung bezogen sein kann. So bezeichnen „die Worte“ in Ex 24,3-8 die Gebote und Ordnungen des → Bundesbuchs. Der Dekalog wird in Ex 34,28; Dtn 10,4 als „die zehn Worte“ (עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים ‘ăśæræt haddəvārîm) genannt. Dtn 17,19; Dtn 27,3-8; Dtn 28,58 u.a. erwähnen „alle Worte dieser Tora“ (‎כָּל־דִּבְרֵי הַתּוֹרָה הַזֹּאת kål divrê hattorāh hazzo’t; vgl. auch Jos 8,34 MT).

Einen engen Zusammenhang zu Gesetzen können zudem „die Worte des Bundes“ (דִּבְרֵי הַבְּרִית divrê habbərît) haben (s. z.B. Ex 34,28). Worte des Gesetzes werden auch in Jos 24,25-26 im Kontext eines Bundesschlusses gelesen (vgl. noch Jer 11,1-8; Jer 34,18 MT).

Der ausführlichste Text zur Beziehung von Gesetz und Wort Gottes findet sich im Torapsalm Ps 119. Außerhalb des Pentateuchs kommt die Motivkonstellation zudem in Jos 8,34 MT; Jos 24,26; Spr 13,13; Spr 16,20; Esr 7,11; Neh 8,9-13 vor. In 2Kön 22-23 gibt es viele Belege über das Bundesbuch und das Buch der Tora, die hier explizit als verschriftlichte Größen vorkommen.

Im Gegensatz zu prophetischen Worten, die mit konkreten Situationen verknüpft sind, haben die Gesetze als Worte Jahwes den Anspruch einer andauernden Gültigkeit (Grether, 111-115). In Dtn kommt dieser Gedanke insbesondere durch die → Kanonformel zum Ausdruck (Dtn 4,2; Dtn 13,1).

Dtn 30,11-14 betont am Ende des deuteronomischen Gesetzes den Charakter der vorangehenden Gebote als „das Wort (הַדָּבָר haddāvār) ganz nahe bei dir“. Durch diese Verse kommt deutlich zum Ausdruck, dass das Wort „in deinem Mund und in deinem Herzen“ zu finden ist und dem angeredeten Volk die Heilsgegenwart Jahwes bedeutet, dem nicht mehr in seinem Tempel begegnet werden kann (Aurelius). Das Wort Gottes stellt kein Geheimwissen dar (Müller).

5.4. Verschiedene Weiterentwicklungen

5.4.1. Die Boten Gottes und der Geist als Mittler und Deuter der Worte Gottes

Im Alten Testament lässt sich eine kleine Anzahl von Texten finden, in denen göttliche Worte nicht direkt von Jahwe an die menschlichen Empfänger gerichtet werden. In einigen Texten wird zudem hervorgehoben, dass die Worte Gottes von sich aus nicht verständlich für die Empfänger sind, sondern von Mittlergestalten erläutert werden müssen.

In Ri 2,1-5 klagt der Bote Jahwes (מַלְאַךְ יְהוָה mal’akh JHWH) die Israeliten wegen ihrer Verfehlungen an. In Ri 13 spricht er mit Manoach und seiner Frau, um die Geburt von → Simson zu verheißen. Die Boten Jahwes geben Botschaften weiter, auch ohne dass der Begriff דָּבָר dāvār explizit genannt wird.

In Dan 9,20-27 kommt „der Mann Gabriel“ (‎הָאִישׁ גַּבְרִיאֵל hā’îš gavrî’el), „um dir [= Daniel] zum rechten Verständnis zu helfen“ (Dan 9,22), und erläutert die vorangehende Vision. In Dan 10,5 wird ein Mann (‎אִישׁ ’îš) mit Kleidern aus Leinen beschrieben. Durch die folgenden Verse wird deutlich, dass dieser „Mann“, der in Dan 10-12 mit Daniel spricht, kein Mensch sein kann. Dan 12,8 thematisiert noch explizit, dass Daniel die Aussagen über den Zeitpunkt der letzten Dinge nicht versteht (Dan 12,6-7). Dan 12,10 unterscheidet anschließend zwischen dem Verständnis der Gottlosen und Verständigen. Der Bote (‎מַלְאָךְ mal’ākh) vermittelt als „Deuteengel“ (→ Engel) Visionen und ihre Deutungen im Sacharjabuch (s. z.B. Sach 4,1-14).

Vereinzelt übermittelt der → Geist (‎רוּחַ rûaḥ) die Worte Jahwes. Sach 7,12 führt alle prophetischen Worte darauf zurück, dass Jahwe diese „durch seinen Geist (‎בְּרוּחוֹ bərûḥô) sandte“. Dieser Gedanke kann in einen Zusammenhang mit weiteren nachexilischen Texten gebracht werden: So geht u.a. Num 11,29 von einer (allgemeinen) Verbindung zwischen dem Geistbesitz und der Prophetie aus (Tengström, 413-417). Vgl. auch 2Sam 23,2.

5.4.2. Das Wort Gottes als Hypostase

Dass das Wort Gottes im Alten Testament personifiziert oder hypostasiert werden kann, ist in der alttestamentlichen Wissenschaft unter Berücksichtigung weiterer altorientalischer Quellen häufig postuliert worden (Dürr, Grether, Ringgren). In der neueren Forschung ist die Frage umstritten, was zum Teil mit unklaren Definitionen einer Hypostase zusammenhängt. Gegen die Vorstellung des Wortes Gottes als Hypostase hat sich u.a. Levin (2005, 1699) ausgesprochen; Gerleman hat gefragt, „ob man die ‚Hypostasierung’ göttlicher Attribute von der allgemeinen Neigung zur Verdinglichung und Verlebendigung des Abstraktums, die im Alten Testament überall wirksam ist, isolieren darf“ (1971, 442).

Als mögliche Beispiele für das Wort Gottes im Alten Testament werden Texte aus den Psalmen und aus dem Jesajabuch diskutiert. Diese können jedoch auch ohne die Annahme einer Hypostase ausgelegt werden. In Ps 33,6 wird festgestellt, dass der Himmel „durch das Wort Jahwes“ gemacht worden ist, was keineswegs als eine Hypostasierung verstanden werden muss: Das Wort דָּבָר dāvār kann hier mit einem Befehl Jahwes gleichgesetzt werden (vgl. Ps 148,8). Ähnlich verhält es sich mit Ps 107,20: Wenn man nicht – gegen den Parallelismus – einen Subjektwechsel in v20a voraussetzt, gibt es keinen zwingenden Grund, von einer Hypostasierung auszugehen. In Jes 9,7-8 wird berichtet, dass Jahwe ein Wort (דָּבָר dāvār) zu Jakob gesandt hat und dass es in Israel niedergefallen ist. Da das Wort im Folgenden ein Objekt des Verstehens ist und von sich aus nichts verrichtet, ist es wahrscheinlich als Bezeichnung eines göttlichen Gerichtswortes zu verstehen.

Zwei Belege kommen am ehesten in Betracht. Ps 147,15 lautet: „Er [= Jahwe] sendet seine Rede (‎אִמְרָה ’imrāh) auf die Erde, sein Wort (דָּבָר dāvār) läuft schnell.“ In Jes 55,11 sagt Jahwe über sein Wort (דָּבָר dāvār), das aus seinem Mund auf die Erde gegangen ist: „Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ Hier scheint das Wort seinen Auftrag, den es von Jahwe aufgetragen bekommen hat, bis zu einem gewissen Grad eigenständig durchzuführen.

In den Apokryphen ist das Phänomen deutlicher ausgeprägt: Weish 16,12.26; und insbes. Weish 18,14-16.

5.4.3. Das Wort Gottes in späten Texten des Alten Testaments

In späten Büchern und Textschichten des Alten Testaments weist das Wort Gottes einen Wandel im Gebrauch auf. Die Belege im Danielbuch zeigen aufgrund des aramäischen Einflusses eine größere begriffliche Varianz auf. Die Belege von דָּבָר dāvār und מִלָּה millāh sowie des aramäischen Begriffs דִּבְרׇה divrāh* können als Beispiele für die Worte Gottes im Kontext der wachsenden Transzendenz Jahwes und der frühen Apokalyptik gesehen werden: Daniel empfängt die Worte Jahwes durch einen Mittler, der zudem ihre Bedeutung erläutert (vgl. auch Jes 29,11-18).

Auch in den Chronikbüchern gibt es einige Sonderentwicklungen. So steht das Wortpaar „Wort Jahwes“ (דְּבַר יְהוָה dəvar JHWH) nur in 1Chr 15,15; 2Chr 30,12; 2Chr 34,21; 2Chr 35,6 sowie in Num 15,31 für das Gesetz (Grether, 72f). Die Chronikbücher enthalten im Vergleich zu den Vorderen Propheten eine viel größere Anzahl namentlich erwähnter Propheten (Gerstenberger). Mit dieser Entwicklung vergleichbar ist auch die Darstellung von Mose im chronistischen Sondergut: in 1Chr 15,15 werden die Gebote Moses als solche, die „nach dem Wort Jahwes“ sind, bezeichnet. Dieser Befund spricht dafür, dass der Ausdruck mit immer weiteren Inhalten gefüllt wurde.

Die textgeschichtliche Evidenz in den Königsbüchern und Jeremia bestätigt, dass die Motivkonstellation lange produktiv gebraucht wurde, um Texte zu überarbeiten und zu aktualisieren: Das Sondergut im masoretischen Text und in der Septuaginta weist nicht wenige Belege der Wendung „das Wort Jahwes“ auf.

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Literatur-Recherche Index Theologicus

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