Wetterphänomene, theologische Bedeutung (NT)

(erstellt: April 2020)

1. Einführung

Wetterphänomene können dem Menschen im Neuen Testament sowohl zum Wohl als auch zum Übel gereichen: Neben dem lebenspendenden Regen (Hebr 6,7; Jak 5,7) stehen verheerende Unwetter, die das Leben des Menschen bedrohen (Mt 7,25.27; Lk 8,23; Mk 4,37; Apg 27,20). Deswegen versucht der Mensch, die Wetterlage vorherzusagen (Lk 12,54-55; Mt 16,3). Wetterphänomene können aber auch theologische Bedeutung tragen:

  • Großen Raum nehmen Unwetterphänomene (Regen, Donner, Blitz, Hagel) in apokalyptischen Texten (v.a. Apk) ein. Sie kündigen das bevorstehende Gericht an.
  • Vor allem Blitz und Donner sind außerdem Begleiter von Theophanien.
  • Der Regenbogen ist Ausdruck der Herrlichkeit Gottes.
  • Das Motiv der Wolke als himmlisches Fortbewegungsmittel betont die Göttlichkeit Jesu.
  • Auch die Beherrschung von Wind und Sturm – im Alten Testament ein Privileg Gottes – erweist Jesus als göttlich.
  • Unwetterphänomene finden sich oft in Vergleichen (z.B. der Blitz beim Kommen des Menschensohnes in Mt 24,27).

    Anhand der Wettervorhersagen durch Naturbeobachtungen zeigt sich die Tendenz, Wetterphänomene nicht immer auf göttliches Wirken zurückzuführen, wie es im → Alten Orient noch üblich war.

2. Wolke

Das Motiv von Gott als „Wolkenfahrer“ (rqb ‘rpt) ist bereits in Ugarit im 2. Jahrtausend v. Chr. von der Gottheit → Baal belegt und wird im Alten Testament wieder aufgegriffen (Dtn 33,26; Ps 104,3). Im Hintergrund steht die Vorstellung einer → Wettergottheit, die über Blitz, Donner, Regen und Wind verfügt und dementsprechend Wolken als Transportmittel benutzt. Ein Anklang an dieses Motiv findet sich auch noch im Neuen Testament: Bei der Verklärung Jesu (Mk 9,7 par. Mt 17,5 par. Lk 9,34-35) ruft eine Stimme aus einer Wolke (griech. νεφέλη / nephélē): „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; hört auf ihnATMt 17,5</a>" />. Das Motiv der Wolke dient hier dazu, die Gegenwart Gottes bei gleichzeitiger Wahrung seiner Unverfügbarkeit anzuzeigen (siehe auch → Epiphanie [AT]). Der Imperativ „Hört auf ihn!“ verweist bereits auf die „himmlische Inthronisation Jesu als Weltenherrn“ (Konradt, 273). Dort tritt bei der Rede vom kommenden Menschensohn, der zur Rechten Gottes herrscht, das Fahren auf Wolken noch deutlicher zutage: „Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Mt 26,64; vgl. Mt 24,30; Mk 13,26; Mk 14,62; Lk 21,27). Das Fahren auf Wolken ist damit auch ein Mittel, die Göttlichkeit des Menschensohnes auszudrücken. Diese Verbindung von Menschensohn- und Wolkenmotivik findet sich bereits alttestamentlich in Dan 7,13-14. Bestätigung erfährt die Göttlichkeit Jesu schließlich bei seiner Himmelfahrt, wenn er emporgehoben und von einer Wolke aufgenommen wird (vgl. Apg 1,9). Die → Parusie Jesu am Ende der Zeit geschieht dementsprechend ebenfalls auf Wolken (Apk 1,7; Apk 14,14-20; vgl. auch den „starken Engel“ in Apk 10,1, der womöglich Teil einer „archaischen Christologie“ [Berger, 731] in der Johannesapokalypse ist und ebenfalls mit Wolken als Attribute der Göttlichkeit dargestellt wird [Giesen, 230]). Eine Parallele zur zweimal erzählten → Himmelfahrt Jesu (Lk 24,50-53; Apg 1,9-11) findet sich in Plutarchs Doppelbiographie über Romulus und Numa (Heininger, 175). Die beiden Biographien werden durch zwei Erzählungen über die Himmelfahrt des Romulus verbunden. Eine Wolke ist dort allerdings nicht explizit genannt.

Das Neue Testament kennt auch zwei Belege für menschliche Wolkenfahrer: In Apk 11,12 ist von der Wiederbelebung zweier Märtyrer die Rede („Und sie gingen in den Himmel in der Wolke hinauf“). Paulus kennt außerdem die Wolkenfahrt der Gläubigen bei der Parusie Christi: „Danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken zur Begegnung mit dem Herrn in die Luft“ (1Thess 4,17).

3. Regen

In Mt 5,44-45 wird der Regen (βρέχω / bréchō; „ich lasse es regnen“) im Kontext der Antithesen der → Bergpredigt genannt: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Sonne und Regen als Teil der Schöpfung Gottes verdeutlichen die Feindesliebe Gottes, zu der alle Menschen im Sinne einer Imitatio Dei aufgerufen sind (Konradt, 98). Dass Gerechten und Ungerechten dasselbe Schicksal widerfährt, ist ein weisheitliches Motiv, das sich bereits in Koh 9,2-3 findet.

Im Gleichnis vom Hausbau (Mt 7,24-27) spielt Regen (βροχή / brochḗ) auf der Bildebene ebenfalls eine prominente Rolle: Das Unwetter, das das Haus heimsucht, steht für das endzeitliche Gerichtsgeschehen (Konradt, 129). Damit wird wieder auf alttestamentliche Motive (vgl. Jes 28,2; Ez 13,11ff) zurückgegriffen. Nur wer die Worte Jesu nicht nur hört, sondern auch tut, kann sein Haus vor dem Unwetter schützen und im Gericht bestehen.

In Apg 14,17 wird die Güte Gottes anhand seiner Sorge um die Schöpfung dargestellt: „[…] indem er Gutes tat und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gab und eure Herzen mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte“ (vgl. auch Lev 26,4). Denn nur der eine wahre Gott ist – im Gegensatz zu nichtigen (τῶν ματαίων / tṓn mataíōn; Apg 14,15) Götzen – in der Lage, Regen zu bringen (vgl. auch Jer 14,22; Jak 5,17-18).

4. Wind und Sturm

Wind und Sturm (λαῖλαψ ἀνέμου / laílaps anémou; „Sturmwind“) sind in den neutestamentlichen Evangelien mehrmals im Kontext von Wundererzählungen auf dem See belegt (Mk 4,35-41 par. Mt 8,23-27 par. Lk 8,22-25). In Mk 4,39 gebietet Jesus Wind und Wasser zu schweigen. Prompt gehorchen die Elemente. Im Hintergrund steht die Vorstellung, dass sich Dämonen in Wind und Wasser befinden können (vgl. äthHen 69,22; Jub 2,2) – damit liegen Ähnlichkeiten zu Exorzismuserzählungen vor (Gnilka, 195). Christologisch bedeutsam ist die Erzählung, weil sie Jesus als Herrn über die stürmischen Elemente darstellt – eine Vollmacht, die im Alten Testament YHWH selbst zukommt (Ps 107,28-29; Ps 74,13-14). Dementsprechend wird von Paulus in der Perikope vom Schiffbruch auf der Reise nach Rom (Apg 27,9-44) zwar nicht berichtet, dass er dem Sturm Einhalt gebietet – aber er vertraut der Zusage Gottes, dass er und seine Männer sicher nach Rom gelangen werden (Apg 27,23ff).

Auch die Seewandelerzählungen gehören in diesen Kontext (Mk 6,45-52; Mt 14,22-23; Joh 6,16-21). Das Gehen auf dem Wasser ist von Menschen in der hellenistischen Umwelt vereinzelt belegt (z.B. Lukian, Philopseudes 13), kommt aber besonders im alttestamentlichen Kontext nur Gott selbst zu (Ijob 9,8; vgl. auch die Selbstüberschätzung Antiochus IV. in 2Makk 5,21). Dementsprechend zeigen der Seewandel Jesu ebenso wie die Beherrschung des Unwetters seine Göttlichkeit an (vgl. Konradt, 237). Die Macht Jesu reicht sogar so weit, dass er auch andere – nämlich Petrus, der ebenfalls versucht, auf dem Wasser zu gehen – daran teilhaben lassen kann (Mt 14,28-29). Voraussetzung dafür ist aber der Glaube desjenigen.

Im Nikodemusgespräch (Joh 3,1-21) wird das griechische Wort πνεῦμα (pneúma) in seinen beiden Bedeutungen „Wind“ und „göttlicher Geist“ (Lang, 1116) benutzt: „Der Wind (πνεῦμα / pneúma) weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist (πνεῦμα / pneúma) geboren ist“ (Joh 3,8; vgl. auch Ez 37,9-10; Koh 11,5). Der Hintergrund für die Vorstellung des Windes als Bild für den göttlichen Geist ist wohl darin zu sehen, dass sowohl Wind als auch Geist aus dem Mund Gottes hervorgehen (Lang, 1116; vgl. Ex 15,8; Ps 18,16; Ps 104,30; → Geist [AT]).

Der Wind (πνεῦμα / pneúma) erscheint auch in Hebr 1,7, wo die Funktion der Engel im Heilsplan Gottes, besonders im Gegenüber zu Jesus, entfaltet wird: Gott macht seine Engel zu „Winden“. In Bezugnahme auf Ps 104,4 wird Gott als Schöpfer dargestellt, dem die Engel als Boten und Diener zur Seite stehen. Der Wind, der als Teil der Schöpfung Gott untergeordnet ist, drückt damit auch die Unterordnung der Engel gegenüber Jesus aus (Weiß, 164-165).

Bekannt ist auch die Verwendung der Worte πνοή / pnoḗ „Sturm“ und ἦχος / ḗchos „Ton, Geräusch“ beim Pfingstereignis in Apg 2,2: „Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen (ἦχος), wie wenn ein heftiger Sturm (πνοή) daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen.“ Hintergrund ist die Verkündigung am Sinai in Ex 19, bei der das Auftreten Gottes von vielen Unwetterphänomenen begleitet wird: Donner, Blitz, Wolke, Hörnerschall, Feuer, Rauch und Erdbeben (Ex 19,16-19). Ähnlich geht auch bei der Begegnung Elijas mit Gott am Horeb in 1Kön 19,11 der Epiphanie ein starker Wind – bzw. ein Geräusch, das einem starken Wind ähnelt – voran (Lang, 1117). Das Wind-Brausen bereitet in Apg 2,2 damit das Auftreten des Heiligen Geistes (Apg 2,4) vor und gilt als Anzeichen einer Theophanie.

5. Blitz und Donner

Der Blitz (ἀστραπή / astrapḗ) steht neutestamentlich besonders bei Vergleichen, wobei das Tertium comparationis je unterschiedlich ausfallen kann: Universalität (Lk 17,24 par. Mt 24,27), Helligkeit (Mt 28,3) oder eine Abwärtsbewegung (Lk 10,18).

Die Ankunft des Menschensohnes wird in Lk 17,24 par. Mt 24,27 mit einem Blitz verglichen, der über den gesamten Himmel zieht: „Wenn sie nun zu euch sagen: ‚Siehe, er ist in der Wüste!‘, so geht nicht hinaus! ‚Siehe, in den Kammern!‘, so glaubt es nicht! Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein“ (Mt 24,26-27). Von Vers 26 her zeigt der Vergleich mit dem Blitz an, dass die Ankunft des Menschensohnes „ein überall wahrnehmbares Ereignis“ (Konradt, 375; vgl. Wolter, 580; Foerster, 503) ist, welches nicht auf bestimmte Orte begrenzt ist: Der gesamte Himmel wird für kurze Zeit von seiner Helligkeit erleuchtet.

Das Aussehen des Engels am Grab wird in Mt 28,3 ebenfalls mit einem Blitz verglichen: „Sein Aussehen aber war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee.“ In Verbindung mit dem weißen Gewand, dass der Engel trägt, betont der Blitz das helle Erstrahlen des Engels und damit seine himmlische Herkunft (vgl. Dan 10,6). Er verweist damit auch zurück auf das Aussehen Jesu bei der Verklärung in Mt 17,2: „Und er wurde vor ihnen umgestaltet. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Gewänder aber wurden weiß wie das Licht.“

Schließlich wird auch der Sturz Satans aus dem Himmel mit einem Blitz verglichen: „Er aber sprach zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lk 10,18; vgl. Apk 12,9). Hier liegt das Tertium comparationis in der schnellen Bewegung vom Himmel zur Erde. Der Sturz Satans drückt seine Entmachtung aus.

Der Donner (βροντή / brontḗ) findet sich neutestamentlich hauptsächlich in der → Apokalypse des Johannes (sonst noch in Mk 3,17 bei den „Donnersöhnen“ und Joh 12,29, wo das Volk die Stimme Gottes verkennt und sie für ein gewöhnliches Naturereignis hält).

In Apk 10,3-4 heißt es: „und er [der starke Engel] rief mit lauter Stimme, wie wenn ein Löwe brüllt. Und als er rief, ließen die sieben Donner ihre Stimmen vernehmen. Und als die sieben Donner redeten, wollte ich schreiben; und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Versiegle, was die sieben Donner gesagt haben, und schreibe dies nicht!“ Die sieben Donner stehen für eine Botschaft Gottes, deren Niederschrift jedoch untersagt wird – eine verhüllte Offenbarung. Die Enthüllung erfolgt erst am Ende (vgl. Dan 12,4; Giesen, 232f.), um die Wahrheit der Worte Gottes im Nachhinein zu bestätigen. Der Donner ist damit „Medium der Offenbarung Gottes“ (Berger, 730).

In Apk 14,2 und Apk 19,6 wird das Ausmaß von lauten Stimmen mit dem Grollen des Donners und dem Rauschen von Wasser verglichen (Foerster, 638): einerseits die Halleluja-Rufe der Gläubigen angesichts der Königsherrschaft Gottes (Apk 19,6, vgl. Lichtenberger, 244), andererseits die Musik der himmlischen Sänger und Musikanten in Apk 14,2.

In der Johannesapokalypse (Apk 4,5; Apk 16,18) erscheinen Blitz und Donner gemeinsam mit anderen Unwetterphänomenen. Hier finden sich Linien zu alttestamentlichen Theophanieerzählungen wie in Ex 19,16 (Foerster, 503). Die Phänomene sind Zeichen der Anwesenheit und Macht Gottes bei gleichzeitiger Wahrung seiner Unverfügbarkeit:

Bei der Thronvision in Apk 4,1-11 (vgl. auch die Thronvision in äthHen 14,18-19) gehen Blitz und Donner aus dem Thron Gottes hervor: „Und aus dem Thron gehen hervor Blitze und Stimmen und Donner; und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind“ (Apk 4,5).

Bei der Öffnung des Tempels und des Erscheinens der Bundeslade treten nicht nur Blitz und Donner, sondern auch Erdbeben und Hagel (s.u.) auf: „Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Da begann es zu blitzen, zu dröhnen und zu donnern, es gab ein Beben und schweren Hagel“ (Apk 11,19). Die Elemente sind wieder Zeichen der Gegenwart Gottes, hier besonders seines Zornes gegenüber Feinden (vgl. Lichtenberger, 174; Giesen, 267; anders Berger, 845).

Blitz und Donner erscheinen auch in Apk 16,18 nach dem Ausgießen der siebten Schale: „Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner; und ein großes Erdbeben geschah, desgleichen nicht geschehen ist, seitdem ein Mensch auf der Erde war, ein so gewaltiges, so großes Erdbeben.“ Blitz und Donner kündigen auch hier die Erscheinung Gottes an (Giesen, 365; vgl. Jes 66,6). Das Erdbeben hat die Zerstörung einer Stadt (wahrscheinlich Rom) und das Verschwinden von Inseln und Bergen zur Folge (Apk 16,19-20). Schließlich folgt noch Hagel (s.u.). Die Unwetterphänomene dienen hier im Besonderen dazu, die Strafaktion für die Stadt als Gericht Gottes selbst darzustellen (Giesen, 365; Lichtenberger, 218).

6. Hagel

Der Hagel (χάλαζα / chálaza) ist neutestamentlich nur in der Johannesapokalypse belegt:

  • Zusammen mit anderen Unwetterphänomen begegnet er in Apk 11,19 als Begleiterscheinung einer Theophanie (s.o.).
  • Nach dem Ausgießen der siebten Schale, was die Zerstörung einer Stadt und das Verschwinden von Bergen und Inseln zur Folge hat (s.o.), folgt starker Hagel: „Und gewaltiger Hagel, schwer wie ein Talent, stürzt vom Himmel auf die Menschen herab. Dennoch lästerten die Menschen Gott wegen der Hagelplage; denn ihre Plage war sehr groß“ (Apk 16,21). Mit dem alttestamentlichen Vorbild der siebten Plage in Ex 9,22-26 (vgl. auch Jos 10,11) dient der Hagel der Bestrafung der Menschen. Die Strafe erzielt jedoch nicht die gewünschte Wirkung: Statt sich Gott zuzuwenden, nehmen die Menschen den Hagel als Anlass zu weiteren Gotteslästerungen.
  • Ebenfalls als göttliche Plage erscheint der Hagel in Apk 8,7: „Der erste (Engel) blies seine Posaune. Da kam Hagel und Feuer, das mit Blut vermischt war, und wurde auf die Erde geworfen. Und ein Drittel des Landes verbrannte, ein Drittel der Bäume verbrannte und alles grüne Gras verbrannte“ (ausführlich zur Aufnahme der alttestamentlichen Plagen im Frühjudentum siehe Berger, 665-670).

7. Regenbogen

Der Regenbogen (ἶρις / íris) ist im Neuen Testament zweimal belegt und ist jeweils Ausdruck der Herrlichkeit Gottes:

  • Bei der Thronvision in Apk 4 wird auch ein Regenbogen genannt: „Und der Sitzende (war) vom Aussehen gleich einem Jaspisstein und einem Karneol, und ein Regenbogen (war) rings um den Thron, vom Aussehen gleich einem Smaragd“ (Apk 4,3). Der Regenbogen um den Thron Gottes zeigt wie die Edelsteine (grüner Smaragd, roter Karneol, verschiedenfarbiger Jaspis) vor allem bunte Farben, Lichtglanz und Kostbarkeit aufgrund ihres seltenen Vorkommens an. Auch in Ez 1,28 wird der Glanz, den Gott auf seinem Thron ausstrahlt, mit einem Regenbogen verglichen: „Wie das Aussehen des Bogens, der am Regentag in der Wolke ist, so war der Zustand des Lichtglanzes ringsum“ (vgl. auch Gen 9,13; ApkAbr 11,2). Durch die Verwendung des Regenbogens und der Edelsteine kann die Herrlichkeit der Theophanie beschrieben werden, ohne Gott in menschlicher Form darstellen zu müssen.
  • Der „starke Engel“ in Apk 10,1 trägt einen Regenbogen um den Kopf: „Und ich sah einen anderen starken Engel aus dem Himmel herabsteigen, umgeben von einer Wolke; und der Regenbogen über seinem Haupt, sein Gesicht wie die Sonne, und seine Beine wie Feuersäulen“. Die Beschreibung des Engels mit Regenbogen, Wolke, glänzendem Gesicht und Feuerbeinen ähnelt der Beschreibung Christi in Apk 1,16 (zur Wolke s.o.) und drückt die himmlische Herkunft des Engels aus.

8. Finsternis

Für die Finsternis (σκότος / skótos) bei der Kreuzigung Jesu (Mk 15,33 par. Lk 23,44 par. Mt 27,45) von der sechsten bis zu neunten Stunde – also von 12 bis 15 Uhr nachmittags – kann auf alttestamentliche Belege verwiesen werden: Finsternis am Tag steht für das Gericht Gottes (Am 5,18; Am 8,9; Jes 13,10; Jo 2,2; vgl. Mk 13,24; Mt 24,29; Apg 2,20; vgl. Klein, 713), aber auch für himmlische Trauer (Jer 4,27-28). Daneben ist die Finsternis ganz allgemein negativ besetzt und steht für Tod und die Abwendung von Gott (1Sam 2,9; Jes 50,10; Hi 10,21-22; Mt 4,16; Mt 6,23; Lk 1,79; Joh 3,19; Apg 26,18). Aber auch in der römisch-hellenistischen Literatur kommt Finsternis eine besondere Bedeutung zu, und zwar im Kontext von Katastrophen, besonders aber beim Tod berühmter Männer (Wolter, 761-762). Bei der Himmelfahrt von Romulus beispielsweise ereignet sich Finsternis und Unwetter: „Das Licht der Sonne erlosch, Nacht brach herein, weder sanftmütig noch ruhig, sondern mit furchtbarem Donner und Winden von Stürmen, die Unwetter in Bewegung setzten, von allen Seiten“ (Plutarch, Romulus 27,7; vgl. u. a. auch Caesar bei Plutarch, Caesar 69,3f.; Karneades bei Diogenes Laertius 4,64 und Augustus bei Cassius Dio 56,29,3).

In Apk 8,12 hat das Abschlagen eines Drittels von Sonne und Mond jeweils Finsternis an einem Drittel des Tages bzw. der Nacht zur Folge. Diese Finsternis ist wie die neunte ägyptische Plage (Ex 10,21ff; Ps 105,28) eine Form der Strafe Gottes, die nach apokalyptischem Verständnis am Ende der Welt beim Tag des Herrn bzw. bei der Parusie Christi bevorsteht (vgl. Jo 3,4; Lk 21,25).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Berger, K., Die Apokalypse des Johannes. Kommentar, 2 Bände, Freiburg i. Br. 2017
  • Foerster, W., Art. ἀστραπή, in: ThWNT I (1933) 502-503
  • Foerster, W., Art. βροντή, in: ThWNT I (1933) 638-639
  • Giesen, H., Die Offenbarung des Johannes (RNT), Regensburg 1997
  • Gnilka, J., Das Evangelium nach Markus, 2 Bände (EKK 2/1-2), Zürich / Neukirchen-Vluyn 51998-1999
  • Heininger, B., Das Paulusbild der Apostelgeschichte und die antike Biographie, in: Ders., Die Inkulturation des Christentums. Aufsätze und Studien zum Neuen Testament und seiner Umwelt (WUNT 255), Tübingen 2010, 157-178
  • Klein, H., Das Lukasevangelium (KEK 1/3), Göttingen 2006
  • Konradt, M., Das Evangelium nach Matthäus (NTD 1), Göttingen 2015
  • Lang, B., Art. Wind, in: NBL III (2001) 1116-1117
  • Lichtenberger, H., Die Apokalypse (Theologischer Kommentar zum Neuen Testament 23), Stuttgart 2014
  • Weiß, H.-F., Der Brief an die Hebräer (KEK 13), Göttingen 1991
  • Wolter, M., Das Lukasevangelium (HNT 5), Tübingen 2008

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