Welken / verdorren

(erstellt: Jan. 2021)

1. Altes Testament

1.1. Bezeichnungen

Für das Welken von Pflanzen hat das Hebräische mehrere Bezeichnungen, insbesondere אַמַל ’amal „welk / verdorrt sein“ und die Nebenform dazu מָלַל mālal „verwelken“, נָבַל nāval „verwelken“ und vor allem יָבֵשׁ jāveš „trocken sein / trocken werden / verdorren“.

1.2. In der Natur

Die Menschen sind auf die → Fruchtbarkeit der Natur, insbesondere der Kulturpflanzen wie der verschiedenen Getreidearten und der Fruchtbäume für die Erzeugung der Lebensmittel angewiesen. Wichtig war dafür eine ausreichende Versorgung mit → Wasser (vgl. Hi 8,11f). Wenn die Fruchtbäume wie → Weinstock und → Feigenbaum, → Granatapfel, → Palmen und → Apfelbäume, die → Getreidepflanzen verdorren (Joel 1,10-12) und auch die → Weiden der Tiere vertrocknet sind (Am 1,2; → Dürre), so ist eine Zeit der Not da (Jes 16,8; Jes 24,7; Hos 9,16), weil den Menschen die für ihr Überleben notwendigen pflanzlichen und tierischen Lebensmittel fehlen (→ Hungersnot).

1.3. Metaphorik

Das menschliche Leben in seiner Flüchtigkeit und Vergänglichkeit zeigen die Bilder von der aufwachsenden und dann welkenden Blume oder Pflanze (Hi 14,2; vgl. Hi 8,11-14; Hi 15,32; Hi 18,16; Hi 24,24: vom Frevler). Ps 90,6 vergleicht den Menschen (vgl. Jes 40,6-8; Ps 102,12), Ps 37,2 den Frevler mit dem im Frühling prächtig aufwachsenden Gras, das angesichts der Gluthitze des aus der Wüste kommenden Windes bzw. der intensiven Strahlenhitze der Sonne verwelkt und verdorrt. Ps 129,6 spitzt dieses Bild zu, wenn hier vom → Gras als Unkraut auf den Dächern der Häuser die Rede ist, das, wenig verwurzelt, gar nicht ausgerissen werden muss, da es zuvor verwelkt. Wenn Menschen verwelkt sind wie Blätter, so ist das Zeichen für Untergang und Tod (Jes 64,5), denn sie tragen keine Lebenskraft mehr in sich (vgl. Jes 34,4 bezogen auf das Himmelsheer). Der Gerechte dagegen gleicht einem Baum, an Wasserkanälen gepflanzt, dessen Blätter nicht verwelken (Ps 1,3), Zeichen für Leben und Bestand (ähnlich Ez 47,12).

Auch sonst ist das Bild des Verwelkens von Pflanzen Bild des Gerichts Gottes (vgl. Ez 17,9-10.24; Ez 19,12; Jes 15,6; Jes 19,7; Jes 24,4; Jes 42,15), das angesichts des Fehlverhaltens von Menschen und der mangelnden Gotteserkenntnis die ganze Erde erfasst (Hos 4,3; Jer 12,4). Dies kann gekoppelt sein mit der göttlichen → Theophanie, auf die die Natur mit dem Verdorren des Ackerlandes und der prächtigen Vegetation der fruchtbaren Landschaften wie → Karmel, → Baschan und → Libanon reagiert (Nah 1,4; vgl. Jes 33,9).

In übertragenem Sinne können auch ein Land oder eine Stadt dahinwelken (Jes 24,4; Jes 28,1.4; Jer 14,2; Klgl 2,8). Wo das Herz oder die Gebeine, ja die Lebenskraft von Menschen verdorren (Ps 102,5; Ez 37,11; Ps 22,16), ist das gleichbedeutend mit Vergänglichkeit und Todesnähe (Bester 2007, 203-205).

2. Neues Testament

2.1. Bezeichnung

Für „austrocknen / trocken werden / verwelken“ verwendet das Neue Testament die Bezeichnung ξηραίνω zērainō.

2.2. Verwendung

Auch das Neue Testament nimmt Bezug auf das Verdorren als natürlichen Vorgang im Pflanzenreich: Bäume, wie der Feigenbaum (Mk 11,20-21 par.) können verdorren, ebenso wie das Gras oder die Blumen (1Petr 1,24) oder der Same, der keine Wurzel hat (Mk 4,6 par.) – Bilder für Tod und Verderben.

Jak 1,11 überträgt das Bild des unter der Einwirkung der Sonne vertrocknenden Grases auf den Reichen, der in seinen Wegen vergeht.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992

2. Weitere Literatur

  • Bester, D., Körperbilder in den Psalmen. Studien zu Psalm 22 und verwandten Texten (FAT II/24), Tübingen 2007
  • Hugger, P., Das trauernde Land, der schreiende Stein. Die gegenwärtige Naturkrise und das Zwölfprophetenbuch, in: L. Ruppert / P. Weimar / E. Zenger (Hgg.), Künder des Wortes. Beiträge zur Theologie der Propheten, Würzburg 1982, 301-313
  • Riede, P., Kostbarer Boden – liebliches Land. Beiträge zu einer alttestamentlichen Agrotheologie (FzB 140), Würzburg 2020
  • Riede, P., Der Gerechte wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon (Psalm 92,13), Pflanzenmetaphorik in den Psalmen, in: ders., Schöpfung und Lebenswelt. Studien zur Theologie und Anthropologie des Alten Testaments (MThSt 106), Leipzig 2009, 19-41

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