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Lexikon

Wacholder

Peter Riede

(erstellt: Dez. 2017)

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1. Botanisch

Aus: Wikimedia Commons; © Shioshvili at Flickr, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 2.0 Generic; Zugriff 7.11.2017

Abb. 1 Phönizischer Wacholder (Juniperus phoenicea) in der Nähe von Petra bei Vaux Moise.

Der zur Familie der → Zypressen gehörende Wacholder ist in Palästina in zwei Arten belegt: Die selten in Obergaliläa auftretende Art Juniperus oxycedrus L. bzw. die auf Edom, den Sinai und Nordwestarabien beschränkte Art Juniperus phoenicea L. Letztere wird maximal 8 m hoch und kann ein hohes Alter erreichen. Der dicke Stamm hat zahlreiche Zweige, die kleine schuppenartige, ledrige Blättchen tragen. An ihrer Unterseite befindet sich eine längliche Drüse. Im Libanon ist der Hohe Wacholder (Juniperus excelsa) belegt.

2. Biblisch

Aus: Wikimedia Commons; © Zeynel Cebeci, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 Unported; Zugriff 7.11.2017

Abb. 2 Hoher Wacholder (Juniperus excelsa).

Der hebräische Name des Wacholder ist בְּרוֹשׁ bərôš. Diese Bezeichnung kann sich an den Stellen, die ein Vorkommen im Libanon voraussetzen (1Kön 5,22.24; Jes 14,8; Jes 37,24), auf den Hohen Wacholder oder die Kilikische → Tanne beziehen, ansonsten aber auf die anderen unter 1. genannten Arten, die alle Unterarten der → Zypressen darstellen.

Wachholderholz wurde besonders bei Bauten verwendet, z.B. für Fußböden und Türen im Jerusalemer Tempel (1Kön 5,22.24; 1Kön 6,15.34; 1Kön 9,11; 2Chr 2,7; 2Chr 3,5). Dass die Pracht des Libanon, also seine herrlichen Bäume, auch für den Bau des neuen Tempels Verwendung finden wird, verheißt Jes 60,13. Dass das Holz des Wacholderbaumes auch im Schiffsbau Verwendung fand, zeigt Ez 27,5.

Ps 104,17 benennt Wachholder und Zeder als Wohnstatt des → Storches. Jes 14,8 ergreift die Freude angesichts des Endes des nicht näher bezeichneten Gewaltherrschers auch die großen gewaltigen Bäume wie den Wachholder, der parallel zu den Zedern genannt wird. Ausdruck der Hybris ist es, in den Gottesgarten (→ Garten) mit seinen auserlesenen Bäumen einzudringen (2Kön 19,23; Jes 37,24ff). Wo fremde Könige wie der assyrischen Herrscher zu ihm heraufsteigen, um diese zu fällen, greifen sie die „Grundlagen des Lebens überhaupt“ (Wildberger 1978, 542) an. Die Heimkehr der Exilierten geht mit einer Verwandlung der Natur, insbesondere der Wüste, einher: → Dorngestrüpp und → Disteln werden durch Wacholder und → Myrte ersetzt (Jes 55,13). Das Gerichtswort Sach 11,2 schildert den durch ein Feuer hervorgerufenen Untergang der im Libanongarten befindlichen herrlichen Bäume, was zur Folge hat, dass der hochgewachsene Wacholder in ein Klagegeheul ausbricht. Zeder und Wachholder sind hier Sinnbilder hochgestellter Persönlichkeiten (vgl. Willi-Plein 2007, 181f). Der in Ez 31,8 beschriebene → Weltenbaum ist in seiner Herrlichkeit schöner als Wacholder und andere Bäume. Als Schattenspender wird der Wacholder in der Wüste geschätzt (Jes 41,19). Den „Wald als Liebeslager“ (Keel 1986, 76) setzt Hhld 1,17 voraus, wenn dort Zedern und Wacholder das Haus der Liebenden bilden.

Hos 14,9 vergleicht JHWH mit einem immergrünen Wacholder, der zugleich als Fruchtbaum gedacht ist. Die Verbindung unterschiedlichster Eigenschaften dieses Baumes, die so in der Natur nicht zu finden sind, weisen ihn als Lebensbaum aus. Die Übertragung des Bildes auf JHWH zeigt eindrücklich, dass allein Israels Gott diesem Frucht und damit Leben gewähren kann.

Die Lutherübersetzung gibt auch das hebräische רֹתֶם rotæm (1Kön 19,4f; Ps 120,4) mit Wacholder wieder. Dieses hebräische Wort meint aber den → Ginsterbusch.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992
  • Hermisson, H.-J., Deuterojesaja. 3. Teilband: Jesaja 49,14-55,13 (BK XI/3), Neukirchen-Vluyn, 2017, 639-641
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 90f
  • Keel, O., Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986
  • Löw, I., Die Flora der Juden III, Nachdruck Darmstadt 1967
  • Stolz, F., Die Bäume des Gottesgartens auf dem Libanon, ZAW 84 (1972), 141-156
  • Wildberger, H., Jesaja. 2. Teilband: Jesaja 13-27 (BK X/2), Neukirchen-Vluyn 1978
  • Willi-Plein, I., Haggai, Sacharja, Maleachi (ZBK.AT 24/4), Zürich 2007
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl. 1986, 107.117

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Phönizischer Wacholder (Juniperus phoenicea) in der Nähe von Petra bei Vaux Moise. Aus: Wikimedia Commons; © Shioshvili at Flickr, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 2.0 Generic; Zugriff 7.11.2017
  • Abb. 2 Hoher Wacholder (Juniperus excelsa). Aus: Wikimedia Commons; © Zeynel Cebeci, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 Unported; Zugriff 7.11.2017

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