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Lexikon

Terebinthe

Peter Riede

(erstellt: Okt. 2017)

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1. Botanisch

 Aus: Wikimedia Commons; © Eitan f, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 7.11.2017

Abb. 1 Pistacia atlantica.

Die Terebinthe kommt in Palästina in mehreren Arten vor, u.a. die Pistacia palaestina, die Pistacia atlantica und die Pistacia lentiscus.

Die Palästinische Terebinthe hat beste Voraussetzungen für den mediterranen Bereich. Sie ist als Busch oder als kleinerer Baum von maximal 10 m Höhe vor allem in Bergwäldern heimisch. Die atlantische Terebinthe dagegen, die bis 20 m hoch werden kann und einzeln oder in Gruppen vorkommt, ist ein Baum, der mit weniger Wasser auskommt und daher im Zwischenbereich von Wald und Steppe gedeihen kann. Charakteristisch für beide Pistazienarten sind Blätter mit zwei- oder mehrpaarigen Fiederblättchen, die im Winter abgeworfen werden.

Terebinthen haben kleine, grüne Blüten, die in dichten Büscheln zusammenstehen. Weibliche und männliche Blüten sind jeweils auf unterschiedliche Bäume verteilt. Ihre eher winzigen, runden Früchte, die gut riechen, werden zuweilen mit Pistazien verwechselt. Diese stammen aber von der Pistacia vera, die in alter Zeit für Palästina nicht nachgewiesen werden kann.

Nüsse der Pistacia palaestina können sowohl frisch geerntet als auch geröstet verzehrt werden, die der Pistacia atlantica, deren Fleisch eher bitter ist, werden beim Färben und Gerben eingesetzt. Wichtiges Produkt der Pistacia lentiscus, einem kleinen, meist nur 1 m hohen Strauch, war das Mastixharz, das mithilfe von Einschnitten in die Rinde dieses Baumes gewonnen wurde (→ Harz).

2. Biblisch

Die hebräische Bezeichnung der Terebinthe ist אֵלָה ’elāh.

Terebinthen werden im Alten Testament als große Bäume beschrieben. Zum Teil wurden sie auch als Heilige Bäume betrachtet und entsprechend geschützt, so dass sie ein Alter von tausend Jahren erreichen können. Terebinthen konnten auch zu Grabstätten für herausragende Personen werden (vgl. 1Chr 10,12). Einzelne Bäume oder Haine von Terebinthen markierten in frühisraelitischer Zeit Orte des Kultes, die eine besondere Nähe zu Gottheiten ermöglichten. Daher erstaunt es nicht, dass mit einer Terebinthe eine Engelserscheinung verbunden ist (Ri 6,11), die → Gideon widerfährt. Von → Jakob wird berichtet, dass er alle fremden → Götterbilder und Ohrringe unter einer Terebinthe bei → Sichem vergrub, bevor er sich mit seiner Familie auf den Weg nach → Bethel machte (Gen 35,4). Das ist als bewusste Abkehr von bisherigen Kultpraktiken zu deuten. Da die Wirkmächtigkeit der Götterbilder bestehen blieb, brauchte es für deren kultische Bestattung einen heiligen Ort. Auf einen kultischen Zusammenhang deutet auch hin, dass → Josua unter einer Terebinthe einen Stein als Zeichen des → Bundes aufrichtet (Jos 24,26). Hos 4,13 setzt Höhenheiligtümer (→ Kulthöhe), an denen Fremdkulte praktiziert wurden, voraus. Charakteristisch für diese Höhenheiligtümer sind u.a. große Bäume, wie → Eiche, → Storax und Terebinthe (vgl. ähnlich Ez 6,13).

Verschiedene Geschichten des Alten Testaments sind mit Terebinthen verbunden: So erschlägt → DavidGoliat im Terebinthental (1Sam 17,2.9; 1Sam 21,10), dessen Name wohl auf die große Zahl der dort wachsenden Bäume zurückzuführen sein dürfte. Auch das Ende → Absaloms, eines Sohnes → Davids, ist mit einer Terebinthe verknüpft. Auf der Flucht vor seinem Vater bleibt er hilflos mit seinen Haaren an den Zweigen eines solchen Baumes hängen und wird schließlich vom judäischen Hauptmann → Joab getötet (2Sam 18,9).

Prophetische Texte nehmen metaphorisch auf Terebinten Bezug: So ist die welk gewordene Terebinthe Bild für die Todesverfallenheit derer, die vom JHWH-Kult abgefallen sind (Jes 1,30). Wie sich aus dem Wurzelschoss des Baumes die Pflanze erneuern kann, so kann auch das Volk Gottes zu einem neuen Anfang finden (Jes 6,13). In Jes 61,3 ist ein Terebinthenhain Bild für Wachstum und Gedeihen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Darom, D., Die schönsten Pflanzen der Bibel, Herzlia, o.J., 43
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 33.122.147
  • Kottsieper, I., Bäume als Kultort, in: U. Neumann-Gorsolke / P. Riede (Hgg.), Das Kleid der Erde, Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart 2002, 169-187
  • Löw, I., Die Flora der Juden, Bd. I, Nachdruck Hildesheim 1967, 621-634
  • Wolff, H.W., Das Buch Hosea (BK.AT XIV/1), Neukirchen Vluyn 3. Aufl. 1976, 107
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl, 1986, 110f
  • Zwickel, W., Faszination Bibelgarten, Gütersloh 2000, 29-31

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Pistacia atlantica. Aus: Wikimedia Commons; © Eitan f, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 7.11.2017

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