Strick / Seil

(erstellt: Jan. 2020)

1. Einleitung

Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 7.2.2020

Abb. 1 Seilträger (Relief aus der Zeit Amenemhets I.; 20. Jh. v. Chr.).

Seile wurden hergestellt, indem man Schnüre aus Pflanzenfasern (Hanf; → Flachs, Ez 40,3), Reben, Tierhaaren (→ Schaf, → Ziege, → Kamel) oder → Lederstreifen miteinander verzwirnte (→ Garn). Verwendet wurden Schnüre und Seile in vielen Bereichen des täglichen Lebens, z.B. um Tiere anzubinden, Wasser aus einem Brunnen oder einer Zisterne zu schöpfen, Gegenstände aufzuhängen, Lasten zu befestigen oder zu ziehen, Zeltdecken zu spannen (→ Zelt) und Gefangene zu fesseln (→ Fessel); zudem konnten sie zu Netzen verknüpft werden.

Aus: E. Mackay, Note on a New Tomb (No. 260) at Drah Abu'l Naga, Thebes, The Journal of Egyptian Archaeology 3 (1916), 125-126, Pl. XV

Abb. 2 Zur Herstellung eines Seils dreht der Mann rechts einen Stab, an dem die Enden zweier Schnüre befestigt sind, um sie miteinander zu verzwirnen. Oben liegen fertige Seile (Grab des User, TT 260, Theben; 15. Jh. v. Chr.).

In Ägypten bezeugen Bilder, wie man Seile herstellte (vgl. Teeter, 71-77), und ein Hortfund von Schiffstauen zeigt, wie professionell stabile Seile aus Papyrus in der Zeit um 1800 v. Chr. angefertigt wurden (Veldmeijer / Zazzaro, 9-39; Borojevic / Mountain, 131-141). In Palästina sieht die Fundlage sehr viel schlechter aus, doch hat man am See Gennesaret, südlich von Tiberias an dem Fundort Ohalo II (Koordinaten: 2039.2364; N 32° 43' 17'', E 35° 34' 14''), geringe Schnurreste aus der Zeit um 17.500 v. Chr. gefunden (Näheres → Garn 1.). Einen indirekten Beleg bieten Einritzungen in Keramik, die als Gebrauchsspuren von Schnüren, z.B. einer Halterung, zu deuten sind (gefunden z.B. in Sha‘ar Hagolan aus dem Neolithikum; s. Freikman, 211-215 [z.B. S4] und 242).

2. Deutsche und hebräische Begriffe

Aus: G.F.S. Elliot, The Romance of Plant Life, Interesting Descriptions of the Strange and Curious in the Plant World, Philadelphia 1907, 114

Abb. 3 Seile waren im Schiffsbau wichtig (Tempel der Hatschepsut, Theben, 15. Jh. v. Chr.).

Die Begriffe Schnur und Kordel auf der einen sowie Seil und Strick auf der anderen Seite werden im Deutschen fast synonym verwendet. Schnur und Kordel bestehen aus mehreren miteinander verzwirnten → Garnen. Seil und Strick sind dicker und bestehen aus mehreren miteinander verzwirnten Schnüren.

Auch das Biblische Hebräisch kennt im Wortfeld „Strick“ mehrere Begriffe, vor allem חֶבֶל ḥævæl (von dem unser Wort „Kabel“ stammt) und עֲבֹת ‘ǎvot. Diese Begriffe werden relativ synonym gebraucht, wie z.B. ihre Verwendung im Parallelismus membrorum (→ Poesie) zeigt (vgl. Jes 5,18; Hos 11,4). Da weder die hebräischen noch die deutschen Begriffe klar voneinander abgrenzbar sind, werden die hebräischen Begriffe in den deutschen Bibelübersetzungen nicht konsequent mit demselben Wort wiedergegeben.

Beispielsweise übersetzt die Lutherbibel von 1984 חֶבֶל ḥævæl mit „Seil“ (Jos 2,15), „Strick“ (1Kön 20,31), „Schnur“ (2Sam 8,2) und „Band“ (Ps 18,5) sowie עֲבֹת ‘ǎvot mit „Seil“ (Jes 5,18), „Strick“ (Ri 15,13) und „Kette“ (Ex 28,24).

3. Altes Testament

3.1. חֶבֶל ḥævæl „Strick / Seil“

3.1.1. Gebrauch von Seilen im Alltag. Der Begriff חֶבֶל ḥævæl, der in vielen semitischen Sprachen ein Pendant hat (vgl. z.B. akkadisch eblu „Strick / Seil / Leine“), bezeichnet ein stabiles Seil, das das Gewicht eines Mannes aushalten kann. Nach Jos 2,15 sind Israels Kundschafter aus → Jericho geflohen, indem → Rahab sie mit einem Seil an der Stadtmauer heruntergelassen hat (vgl. 1Sam 19,12). Als die Oberen Jerusalems → Jeremia gefangen setzten, ließen sie ihn mit Stricken in eine Zisterne herab (→ Kerker), später wurde er mit Stricken wieder herausgezogen und erhielt dabei sogar Kleiderfetzen, die er sich unter die Achselhöhlen legte, damit der Strick sich nicht einschneiden konnte (Jer 38,4-13). Seile waren auch im Zeltbau wichtig (Jes 33,20; → Nomaden) und konnten dazu dienen, eine Stange zu befestigen (Jes 33,23: einen Schiffsmast oder ein Banner; vgl. Beuken 2010, 293).

Bei der → Jagd nutzte man am Boden versteckte Seile, vermutlich Schlingen, um Tiere zu fangen – so Hi 18,10, wo es allerdings darum geht, dass Sünder zu Fall kommen. Auch die an → Hiob gerichtete rhetorische Frage, ob er das mythische Seeungeheuer → Leviatan angeln und ihm mit einem Seil die Zunge herausziehen (?) könne, spielt vielleicht auf den Fischfang an (Hi 40,25).

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Abb. 4 Auf dreispännigen Streitwagen stehen jeweils ein Schütze und ein Wagenlenker, der die Pferde mit Seilen lenkt. Die Pferde des hinteren Wagens brechen zusammen, ein Soldat ist von einem Pfeil getroffen (Relief; Nord-West-Palast Assurnasirpals II. in Nimrud; 1. Hälfte 9. Jh.).

Stricke konnten auch gegen Menschen eingesetzt werden. So klagen Psalmenbeter darüber, dass Feinde ihnen mit Stricken nachstellen, um sie zu Fall zu bringen (Ps 119,61; Ps 140,6, Text jedoch umstritten). Beim Schleifen einer Stadt konnte man mit Seilen Balken oder wichtige Steine aus Bauten herausziehen, um diese Bauten zu zerstören (2Sam 17,13; Fabry [702] denkt hier an Seile mit Haken zum Entern einer Stadt). 1Kön 20,26-30 erzählt von einem Sieg Israels über die → Aramäer und deren König → Ben-Hadad. Danach sollen sich Ben-Hadad und seine Entourage Sackkleidung angezogen und Stricke um ihre Köpfe gebunden haben, weil sie hofften, dass der König sie dann vielleicht am Leben lassen würde (1Kön 20,31f). Dem Kontext nach muss es sich bei den Stricken am Kopf um ein Unterwerfungszeichen handeln. Es ist jedoch nur hier belegt und so bleibt unklar, wie es zu erklären ist und wie es genau aussah. Legte man sich vielleicht ein Stirnband an? Oder ein Seil, mit dem man Lasten mit dem Kopf tragen konnte, um sich damit als unterwürfiger Lastenträger zu präsentieren (vgl. Thiel, 418f)?

Aus: A.H. Layard, A Second Series of Monuments of Nineveh, London 1853, Pl. 15

Abb. 5 Mit dicken Tauen ziehen Männer in mehreren Reihen eine große Steinskulptur auf einem Schlitten über Rollen und mit Hebeln auf einen künstlichen Hügel (Ninive, Südwest-Palast Sanheribs, Hof 6, um 700 v. Chr.).

Ez 27,24 preist gedrehte und feste Seile als Handelsgüter, doch bleibt unklar, ob sie eine technische Funktion hatten oder, da zuvor Kleidungsstücke genannt wurden, Gürtel gemeint sind. Zur Festausstattung des persischen Palastes gehörten nach Est 1,6 Tücher, die mit Schnüren aus kostbarem Byssos aufgehängt waren.

3.1.2. Messschnur. חֶבֶל ḥævæl kann auch eine → Messschnur / ein Metermaß bezeichnen und davon abgeleitet ist „Messschnur“ ein Längenmaß, von dem wir jedoch nicht wissen, wie lang es war. Eine Einheit dürfte allerdings mehrere Meter lang gewesen sein, da von ihr im Kontext von Landvermessung und Landzuteilung die Rede ist (Am 7,17; Mi 2,5; Sach 2,5). Die Vorstellung, dass Gott seinem Volk das Land zugewiesen hat, kann mit dem Bild verbunden werden, dass Gott dieses Land mit einer Messschnur verteilt (Ps 16,6; Ps 78,55). Nach 2Sam 8,2 hat → David an besiegten → Moabitern ein Massaker angerichtet, indem er den Menschen befahl, sich niederzulegen, und dann abwechselnd zwei Messschnüre von ihnen, also die Menschen, die eine Reihe von zwei Messschnüren bildeten, tötete und eine am Leben ließ (vgl. Dietrich, 722f).

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Abb. 6 Mit Seilen wurden an den einarmigen Hebel einer Ölpresse Gewichte gehängt, um den Pressdruck zu erhöhen.

3.1.3. Landanteil / Landstrich. חֶבֶל ḥævæl kann sodann ein Stück Land, ein Gebiet bezeichnen. Der Ausdruck חֶבֶל נַחֲלָה ḥævæl naḥǎlāh „Gebiet des Erbbesitzes“ (→ Land) bezieht sich auf die Vorstellung von der Landgabe, auf das von Gott „zugemessene Erbland“ Israels (Ps 105,11 = 1Chr 16,18). Singulär kann in Dtn 32,9 das Volk Israel als das „zugemessene Erbe“ Jahwes gelten. Als Landanteil kann sich חֶבֶל ḥævæl verbunden mit einem Stamm Israels (z.B. „Landanteile Manasses“) auf das Gebiet des genannten Stammes beziehen (Jos 17,5.14; Jos 19,9; Ez 47,13). Darüber hinaus können zwei andere Gebiete als חֶבֶל ḥævæl bezeichnet werden: „Gegend des Meeres“ meint das Gebiet der → Philister (Zef 2,5-7) – vielleicht weil es ein länglicher, zugespitzt formuliert „seilförmiger“ Küstenstreifen war (vgl. Noth, 386). „Gegend von → Argob“ bezeichnet ein im Golan gelegenes, aber nicht genau lokalisierbares Gebiet (Dtn 3,4.13.14; 1Kön 4,13), bei dem es sich vielleicht auch um einen schmalen Landstreifen handelte.

3.1.4. Menschengruppe. Schließlich kann חֶבֶל ḥævæl auch eine von einem inneren Band umschlossene Gruppe meinen, so allerdings nur in 1Sam 10,5.10 für eine „Schar von Propheten“ (vgl. ugaritisch ḥbl „Schwarm / Schar“, z.B. Schwarm von Adlern in CAT 1.19 I,33).

3.1.5. Bildsprache. In der Bildsprache drücken Stricke meist Zugkräfte aus, die eine enge Verbindung und Zusammengehörigkeit herstellen. Die Ausdrücke „Stricke des Todes“ (חֶבְלֵי־מָוֶת ḥævlê māwæt: Ps 18,5; Ps 116,3; vgl. מֹקְשֵׁי־מָוֶת moqšê māwæt: Ps 18,6; 2Sam 22,6; Spr 13,14; Spr 14,27) und „Stricke der Scheol“ (חֶבְלֵי שְׁאוֹל ḥævlê šə’ôl: Ps 18,6; 2Sam 22,6; → Jenseitsvorstellungen) veranschaulichen, mit welcher Kraft der Tod die Menschen zu sich zieht, und geben damit der Unausweichlichkeit des nahen Endes Ausdruck. Dementsprechend ziehen die „Stricke des Elends“ (Hi 36,8) einen Menschen in große Nöte, und der Ausdruck „Stricke der Sünde“ verdeutlicht, wie stark der Frevler im wahrsten Sinne des Wortes mit seiner Sünde verstrickt ist (Spr 5,22). Diesem Ausdruck entspricht „Stricke der Nichtigkeit (הַשָּׁוְא haššāw’)“ in Jes 5,18 (wenn man nicht mit Kellermann, 95, zu „Stricke von Stieren [הַשּׁוֹר haššôr]“ ändert). Damit sind nicht brüchige Seile gemeint, sondern Seile, mit denen der Sünder Schuld samt ihren unheilvollen Folgen auf sich zieht und an sich bindet (vgl. Beuken 2003, 152). Die Seile werden also wegen der Sache, die sie binden, als „nichtig“ charakterisiert.

Eine Schnur kann auch Vergänglichkeit ausdrücken. Pred 12,6-7 vergleicht die Vergänglichkeit des Menschen mit der Vergänglichkeit verschiedener Gegenstände, z.B. eines Krugs und einer Schnur (חֶבֶל ḥævæl) aus Silber. Eine derartige Schnur ist zwar schön und kostbar, aber weder stabil noch langlebig, sondern schnell vergänglich und der Mensch vergeht noch schneller.

Hos 11,4 veranschaulicht Gottes liebevolles Handeln gegenüber Israel in Fortführung von v3 mit einem Bild von Gott als Bauer. Dabei wird der Vergleich Israels mit einer gelehrigen und arbeitswilligen jungen Kuh aus Hos 10,11 aufgenommen. Jahwe hat diese Kuh mit Lenkseilen geführt, aber nicht gewaltsam, wie ein irdischer Bauer es tun mag, sondern mit „menschlichen / humanen Seilen“ (חַבְלֵי אָדָם ḥavlêādām) und „Stricken der Liebe“ (עֲבֹתוֹת אַהֲבָה ‘ǎvotôt ’ahǎvāh). „Liebe“ und „human“ bezieht sich nicht auf die Stricke, sondern auf den, der die Stricke hält. Er hat sich also mit großer Fürsorge um sein Volk gekümmert, Israel mit Güte erzogen.

3.2. עֲבֹת ‘ǎvot „Strick / Seil“

Auch עֲבֹת ‘ǎvot meint ein stabiles Seil, mit dem man ein Zugtier vor einen Wagen (Jes 5,18) oder einen Pflug (Hi 39,10; Ps 129,3-4) spannen oder aber mit dem man die eingespannten Tiere lenken konnte. Menschen konnten mit einem Seil gefesselt werden, z.B. → Simson (Ri 15,13f; Ri 16,11f; vgl. Ps 2,3; Ez 3,25; Ez 4,8). Sehr viel dünner wird man sich die aus reinem Gold gefertigten Schnüre vorstellen dürfen, die der Befestigung von Brusttasche und → Efod des Hohenpriesters dienten (Ex 28,14.22.24.25; Ex 39,15.17.18).

3.3. Weitere Begriffe

3.3.1. תִּקְוָה tiqwāh1 „Schnur / Band“ findet sich nur in Jos 2,18.21 und bezeichnet das rote Band, das → Rahab in ihre Fenster hängen soll, damit sie und ihre Familie bei der Eroberung → Jerichos von den angreifenden Truppen Israels geschont werden.

3.3.2. חוּט ḥûṭ bezeichnet wohl einen nicht sehr stabilen Faden. Das genannte Band der Rahab bestand nach Jos 2,18 aus roten Fäden. Hhld 4,3 vergleicht die Lippen der Geliebten mit einem roten Faden. → Abraham will von → Melchisedek nichts annehmen, nicht einmal einen Faden oder einen Sandalenriemen (Gen 14,23). → Simson ist so stark, dass er seine Fesseln wie einen Faden zersprengt (Ri 16,12). Erst ein dreifacher Faden reißt nicht so schnell (Pred 4,12). Zum Messen war ein Faden aber durchaus geeignet (1Kön 7,15 // Jer 12,21).

3.3.3. Auch פָּתִיל pātîl von der Wurzel פתל ptl „verdrehen / verzwirnen“ meint nur eine dünne Schnur und auch sie kann Simsons Stärke veranschaulichen. Er zerstört seine Fesseln so schnell, wie eine Schnur aus Hanf zerstört wird, wenn sie ans Feuer kommt (Ri 16,9). Mit einer Schnur konnte man sich ein Siegel umhängen (Gen 38,18.25) oder einen Deckel an einem Gefäß befestigen (Num 19,15). Dem Hohenpriester dienten blaue Schnüre zur Befestigung von Brusttasche und Diadem (Ex 28,28.37; Ex 39,21.31). Blau sollten nach Num 15,38 auch die Schnüre der Quasten sein, die zur Kleidung der Männer gehörten (→ Zizit). Sir 6,30 (Lutherbibel: Sir 6,31) preist die Fesseln der Weisheit als blaue Schnur (hebr.: פתיל ptjl). Goldblech konnte in schmale „Schnüre“, also Streifen geschnitten werden (Ex 39,3). Auch zum Messen war die Schnur geeignet (Ez 40,3).

3.3.4. יֶתֶר jætær1 bezeichnet eine Bogensehne (Ps 11,2), die durchaus aus Hanf bestanden haben kann (vgl. 3.3.5.). Mit frischen, also besonders reißfesten Bogensehnen hat man Simson gefesselt (Ri 16,7.8.9). Im → Hiobbuch ist das Lösen der Sehne (aus dem Bogen) ein Bild für das Ende der Lebenskraft und den Tod (Hi 4,21; Hi 30,11). Da der Bogen jedoch nicht genannt wird, ändert man den Text zuweilen zu einer Form von יָתֵד jāted „Zeltpflock“, so dass bildlich vom Ausreißen des Zeltpflocks die Rede ist. Davon dürften Übersetzungen beeinflusst sein, die nicht vom Lösen einer Sehne, sondern vom Abreißen eines „Zeltseils“ sprechen. Da eine einheitliche Wiedergabe von יֶתֶר jætær1 mit Bogensehne jedoch möglich ist, sollte es bei ihr bleiben (in Sir 14,24 [Lutherbibel: Sir 14,25] ist angesichts des Kontexts vermutlich mit der griechischen Überlieferung [πάσσαλος passalos] יתד jtd „Zeltpflock“ zu lesen, in hebräischer Handschrift sind sich die beiden Lesarten äußerst ähnlich; → Pflock).

3.3.5. מֵיתָר mêtār (< יֶתֶר jætær1) bezeichnet Zeltseile, die wohl aus Hanf hergestellt wurden und der Verspannung mit Zeltpflöcken dienten (Ex 35,18; Ex 39,40; Num 3,26.37; Num 4,26.32; Jes 54,2; Jer 10,20). In Ps 21,13 meint der Begriff dagegen singulär eine Bogensehne. Nach Weippert (49) zeigt die Wortwahl, dass in Palästina auch Hanfschnüre als Bogensehnen verwendet wurden. Dass auch Hanfschnüre als Bogensehnen verwendet wurden, dürfte zwar zutreffen, doch soll die Wortwahl eher übertreibend hervorheben, dass die Sehnen im Bogen des angeredeten Königs so dick wie ein Zeltseil ist.

3.3.6. נִקְפָּה niqpāh ist nur in Jes 3,24 belegt und bedeutet nach der → Septuaginta „Strick“ (Zeron, 97: die Krankheit „Gürtelrose“). Der Kontext malt den Niedergang der Bewohnerinnen Jerusalems aus. Sie werden ihre Pracht in Lumpen tauschen und statt eines Gürtels nur noch einen Strick tragen.

In Bibelübersetzungen können weitere Begriffe mit „Strick“ übersetzt werden: פַּח paḥ „Falle“ (z.B. Ps 91,3) und מוֹקֵשׁ môqeš „Vogelfalle / Vogelnetz / Wurfholz“ (z.B. Ps 64,6; Hi 40,24; → Falle / Fallstrick; → Jagd).

Die Bedeutung des nur in Ex 28,14 belegten Nomens מִגְבָּלוֹת migbālôt ist unsicher, war vielleicht schon sehr früh unklar, so dass jemand meinte, zur Erläuterung die Glosse מַעֲשֵׂה עֲבֹת ma‘ǎseh ‘ǎvot „Schnurwerk“ einfügen zu müssen. Der Begriff kommt von der Wurzel גבל gbl, die man vielleicht mit חֶבֶל ḥævæl „Strick / Seil“ und / oder כֶּבֶל kævæl „Fessel“ zusammenhängt (vgl. Propp, 438). Traditionell denkt man an gedrehte Schnüre oder geschmiedete Ketten.

4. Neues Testament

Im Neuen Testament ist von Stricken (σχοινία schoinia) an nur zwei Stellen die Rede: Bei der Tempelreinigung macht Jesus eine Geißel aus Stricken (Joh 2,15) und Apg 27,32 erwähnt Schiffstaue. In 1Kor 7,35 betont Paulus, den Korinthern mit seinen ethischen Vorstellungen keine Schlinge (βρόχος brochos) umlegen, sie also nicht einengen zu wollen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Nashville / New York 1962 (rope, cord, tackle)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992 (Seil[erei])
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006 (Strick)

2. Weitere Literatur

  • Beuken, W.A.M., Jesaja 1-12 (HThKAT), Freiburg im Breisgau 2003
  • Beuken, W.A.M., Jesaja 28-39 (HThKAT), Freiburg im Breisgau 2010
  • Bohr, J. / Olsen, K., The Ancient Art of Laying Rope, Europhysics Letters 93/6 (2011), 1-6 (DOI: 10.1209/0295-5075/93/60004)
  • Borojevic, K., / Mountain, R., The Ropes of Pharaohs: The Source of Cordage from „Rope Cave“ at Mersa / Wadi Gawasis Revisited, Journal of the American Research Center in Egypt 47 (2011), 131-141
  • Dietrich, W., Samuel. 1Sam 27 – 2Sam 8 (BKAT VIII/3), Göttingen 2019
  • Dohmen, Chr., Exodus 19-40 (HThKAT), Freiburg 2012
  • Domning, D.P., Some Examples of Ancient Egyptian Ropework, Chronique d’Egypte 52 (1977), 49-61
  • Fabry, H.-J., Art. חבל ḥbl 1, in: ThWAT, Bd. 2, Stuttgart u.a. 1977, 699-706
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  • Jeremias, J., Der Prophet Hosea (ATD 24,1), Göttingen 1983
  • Kellermann, D., Frevelstricke und Wagenseil: Bemerkungen zu Jesaja V 18, VT 37 (1987), 90-97
  • Noth, M., Beiträge zur Geschichte des Ostjordanlandes I. Das Land Gilead als Siedlungsgebiet israelitischer Sippen, PJB 37 (1941), 50-101 (= ders., Aufsätze zur biblischen Landeskunde I, Neukirchen-Vluyn 1971, 347-390)
  • Propp, W.H.C., Exodus 19-40 (The Anchor Bible), New York u.a. 2006
  • Thiel, W., Könige. 1. Könige 17,1-22,54 (BKAT IX/2), Göttingen 2019
  • Weippert, H., Art. Bogen, in: BRL 2. Aufl., Tübingen 1977, 49-50
  • Weippert, H., Art. Zelt, in: BRL 2. Aufl., Tübingen 1977, 363-364
  • Wolff, H.-W., Hosea (BK.AT XIV/1), Neukirchen-Vluyn 3. Aufl. 1976
  • Teeter, E., Techniques and Terminology of Rope-Making in Ancient Egypt, The Journal of Egyptian Archaeology, 73 (1987), 71-77
  • Veldmeijer, A.J. / Zazzaro, Ch., The „Rope Cave“ at Mersa / Wadi Gawasis, Journal of the American Research Center in Egypt 44 (2008), 9-39
  • Zeron, A., Das Wort niqpā, zum Sturz der Zionstöchter (Is. III 24), VT 31 (1981), 95-97

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Seilträger (Relief aus der Zeit Amenemhets I.; 20. Jh. v. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 7.2.2020
  • Abb. 2 Zur Herstellung eines Seils dreht der Mann rechts einen Stab, an dem die Enden zweier Schnüre befestigt sind, um sie miteinander zu verzwirnen. Oben liegen fertige Seile (Grab des User, TT 260, Theben; 15. Jh. v. Chr.). Aus: E. Mackay, Note on a New Tomb (No. 260) at Drah Abu'l Naga, Thebes, The Journal of Egyptian Archaeology 3 (1916), 125-126, Pl. XV
  • Abb. 3 Seile waren im Schiffsbau wichtig (Tempel der Hatschepsut, Theben, 15. Jh. v. Chr.). Aus: G.F.S. Elliot, The Romance of Plant Life, Interesting Descriptions of the Strange and Curious in the Plant World, Philadelphia 1907, 114
  • Abb. 4 Auf dreispännigen Streitwagen stehen jeweils ein Schütze und ein Wagenlenker, der die Pferde mit Seilen lenkt. Die Pferde des hinteren Wagens brechen zusammen, ein Soldat ist von einem Pfeil getroffen (Relief; Nord-West-Palast Assurnasirpals II. in Nimrud; 1. Hälfte 9. Jh.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 5 Mit dicken Tauen ziehen Männer in mehreren Reihen eine große Steinskulptur auf einem Schlitten über Rollen und mit Hebeln auf einen künstlichen Hügel (Ninive, Südwest-Palast Sanheribs, Hof 6, um 700 v. Chr.). Aus: A.H. Layard, A Second Series of Monuments of Nineveh, London 1853, Pl. 15
  • Abb. 6 Mit Seilen wurden an den einarmigen Hebel einer Ölpresse Gewichte gehängt, um den Pressdruck zu erhöhen. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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