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Lexikon

Sieg / Siegesfeier

Krieg; → Waffen; → Zweikampf

1. Alter Orient und Ägypten

© public domain (Foto: Rüdiger Liwak, 2006)

Abb. 1 Der Pharao tötet einen Feind (Pylon des Totentempels Ramses’ III.; Medinet Habu; 12. Jh.).

Aus dem Alten Orient und Ägypten liegt uns eine Fülle von Dokumenten, und zwar Texten und Bildern, vor, in denen Herrscher ihre Siege, die sie der Ideologie nach mit Gottes Hilfe errungen haben, glorifizieren, auch wenn diese historisch gesehen in einigen Fällen alles andere als glorreich gewesen sein dürften. Sowohl die Texte als auch die Bilder kennen dabei eine Reihe fester Motive wie in der Ikonographie das Bild vom Pharao, der einen Feind am Schopf packt und mit einer Keule erschlägt.

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2005)

Abb. 2 Das Eingangspylon des Tempels von Luxor (13. Jh.).

Für derartige Dokumente können hier nur wenige Beispiele genannt werden: → Ramses II. (1301-1254 v. Chr.) stellt am Eingangsphylon des Tempels von Luxor monumental seinen (angeblichen) Sieg in der → Schlacht von Kadesch dar.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 3 Ramses III. besiegt die Seevolker (Ausschnitt; 12. Jh.).

Ähnlich großformatig zeigt → Ramses III. (1184-1153 v. Chr.) an der Außenwand seines Totentempels in Medinet Habu den Sieg seiner Flotte über die → Philister.

Aus: A.H. Layard, A Second Series of Monuments of Nineveh, London 1853, Pl. 23

Abb. 4 Bewohner von Lachisch unterwerfen sich Sanherib (um 700 v. Chr.).

Deutlich kleiner wirken die Siegesreliefs der assyrischen Könige, die allerdings nicht an Außenwänden, sondern im Innern von Palästen angebracht waren. So zeigt ein Relief aus dem Palast Sanheribs in Ninive (um 700 v. Chr.) die Eroberung von Lachisch und die Deportation der Einwohner sowie den König vor den Toren der Stadt auf seinem Thron.

Aus: Wikimedia Commons; © Mujtaba Chohan, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 1.6.2018

Abb. 5 Rekonstruktion der Tore von Balawāt (9. Jh.; British Museum).

Eine Fülle von Siegen Salmanassars III. (858-824 v. Chr.) stellen die überaus fein gearbeiteten Bronzereliefs aus der assyrischen Stadt Balawāt dar, die einst zu einem Tor gehörten.

a) Aus: A.H. Layard, The Monuments of Nineveh, London 1849, Pl. 53; b) aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Tf. LIII; c) aus: Wikimedia Commons; © יעל י, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 1.6.2018

Abb. 6 Schwarzer Obelisk (198 cm hoch), Mescha-Stele (110 cm) und Tel-Dan-Stelle (Frgm a: 32 cm; alle Mitte des 8. Jh.s v. Chr.).

Außer auf großflächigen Reliefs konnten Siege auf Stelen vor Augen geführt werden. So zeigt der sog. Schwarze Obelisk (841 v. Chr.) aus → Kalchu ebenfalls Siege Salmanassars III. Unter anderem sieht man, wie sich Israels König → Jehu ihm unterwirft. Ebenfalls aus der Mitte des 9. Jh.s stammt eine Stele des Königs → Mescha von → Moab, auf der er einen Sieg über Israel feiert, allerdings ohne bildliche Darstellung, allein im Text. Auf einer kleineren Stele aus eben dieser Zeit rühmt sich ein aramäischer König (→ Aramäer), wohl → Hasael von Damaskus, seines Sieges über Israel und Juda (→ Inschrift von Tel Dan).

Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 1.6.2018

Abb. 7 Prisma des assyrischen Königs Sanherib (7. Jh. v. Chr.).

Weniger repräsentativ waren demgegenüber Prismen aus Ton, auf denen die Siege von Herrschern propagandistisch beschrieben wurden. Zu nennen ist z.B. das 38 cm hohe und 14 cm breite Prisma des assyrischen Königs Sanherib, das unter anderem einen Bericht von der Belagerung Jerusalems 701 v. Chr. bietet.

Zu all diesen Formen von Siegesdarstellungen, die für die Großmächte Mesopotamiens und Ägyptens gut belegt sind, gibt es aus Israel und Juda kein Pendant. Für Siege israelitischer oder judäischer Könige sind uns also keine vergleichbaren Quellen bekannt.

2. Hebräische Bibel

Die Begriffe „Sieg“ und „Siegesfeier“ kommen in der Hebräischen Bibel kaum vor. Deswegen werden außer den wenigen Texten, die solche Begriffe enthalten, auch Texte behandelt, die sich inhaltlich auf ein Siegesgeschehen beziehen. Dabei ist – zwischen Hebräischer Bibel (MT) und → Septuaginta (LXX) differenzierend – zu klären, was man unter einem „Sieg“ bzw. einer „Siegesfeier“ versteht.

Folgende Begriffe können einen Sieg umschreiben: 1) גְּבוּרָה gəvûrāh „Mannhaftigkeit / Kraft / Stärke“, abgeleitet von der Wurzel גבר gbr „überlegen / stark sein / machen“, von der ebenso der Begriff „junger Mann“ (Spr 30,19) bzw. einfach „Mann“ gebildet worden ist (vgl. z.B. Num 24,3; Dtn 22,5; Ri 5,30; Hi 10,15), sowie 2) יְשׁוּעָה jəšû‘āh „Hilfe / Heil“ und תְּשׁוּעָה təšû‘āh „Hilfe / Rettung“ von der Wurzel ישׁע jš‘ „helfen / retten“.

Die alttestamentlichen Erzählungen von Israels Siegen, z.B. von den Siegen → Josuas und vom Sieg → Davids über → Goliat, dürfen nicht als historische Berichte gelesen werden. In ihnen verwirklicht sich Israel vielmehr narrativ den Traum von großen Siegen über die mächtigen Völker, unter denen er vielfach zu leiden hatte.

2.1. Sieg mit Gottes Hilfe in der Hebräischen Bibel

An zahlreichen Stellen ist in der Hebräischen Bibel von Kampf und Sieg über Feinde / Gegner der Israeliten / Judäer die Rede, z.B.

Es ist aber auch vom Kampf gegen und (teilweisen) Sieg über Israel / Juda die Rede, z.B.

So gesehen gehören kriegerische Auseinandersetzungen mit allen entsprechenden Begleitumständen wie Niederlage und Sieg zu den selbstverständlichen Lebenserfahrungen der Menschen in nahezu allen Generationen. Ausdrücklich ist jedoch in der Hebräischen Bibel immer wieder betont, dass ein militärisch zu verstehender Sieg nur eine Gabe Gottes sein kann: Durch eigene Kraft oder eigenwilliges Agieren ist nichts gewonnen, aber alles verloren (vgl. Jos 7; 1Sam 15). Wenngleich Israel / Juda Siege mit Gottes Hilfe erringt, ist von einer Siegesfeier selten die Rede. Im sogenannten Kriegsrecht (Dtn 20) ist zwar das Beutemachen (Dtn 20,14) und die (teilweise) Vernichtung der Besiegten ausdrücklich geboten (Dtn 20,13.16f), aber eine Siegesfeier findet keine Erwähnung. Dafür werden gelegentlich Lieder des Danks über den Sieg gegen die Gegner im narrativen Verlauf an einzelnen Stellen eingefügt (vgl. Ex 15,1-18.20f; 2Sam 22).

2.2. JHWHs Sieg über Feinde (2Chr 20,1-30)

In 2Chr 20,1-30 wird von einem Krieg der → Moabiter und → Ammoniter, unterstützt von gewissen Meunitern (vgl. 1Chr 4,41; 2Chr 26,7) / Maonitern / Edomitern / Temaniter (?), gegen Judäa und dessen König → Joschafat berichtet. In der Quelle 1Kön 22,41-51 ist von diesem Ereignis keine Rede; vielmehr wird dort nur auf die sogenannte „Chronik der Könige von Judäa“ verwiesen (vgl. 1Kön 22,46).

Als Joschafat vom Truppenaufmarsch gegen ihn erfährt, gerät er in Furcht und zieht sich in den Tempel zu Jerusalem zurück, um vor der Gemeinde Judas und Jerusalems angesichts der Gefahr zu JHWH zu beten. Aus dem Wortlaut des Gebets (2Chr 20,6-12) erfährt der Leser, dass außer den Söhnen Moabs und Ammons nun auch noch die Söhne des Berglandes Seir zu den Angreifern zählen (2Chr 20,10). Die Meuniter hingegen werden im weiteren Verlauf nicht mehr erwähnt, es sei denn, dass diese mit denen vom Gebirge Seir identisch sind, was geographisch nicht ausgeschlossen ist.

Während des Gebets des Königs kommt der → Geist JHWHs über einen gewissen Jahasiel, der nirgends als Prophet bezeichnet, sondern als Levit vorgestellt wird (die Septuaginta bezeichnet ihn dagegen in 2Chr 20,20 als „Prophet“). Jahasiel verkündet den Judäern, dass sie zwar gegen die Feinde anzutreten, aber nicht gegen sie zu kämpfen haben. JHWH werde nämlich mit ihnen sein, selbst für sie gegen die Feinde kämpfen und sie retten (2Chr 20,15b-17), wenn sie nur den Zusagen der Propheten (MT 2Chr 20,20) bzw. des Propheten (LXX) vertrauen.

An jene Weisung Jahasiels hält König Joschafat sich strikt und überbietet sie sogar, indem er Sänger im heiligen Schmuck vorangehen lässt, die schon vor dem Kampf beginnen, JHWH Loblieder im Sinne von Dankliedern darzubringen (vgl. 2Chr 20,21; Ps 106,1; Ps 118,1.29; Ps 136,1). Während des einsetzenden Lobpreises stellt JHWH den Feinden einen Hinterhalt und lässt sie dann gegeneinander kämpfen, so dass sie sich am Ende‎ gegenseitig vernichten (→ Bann). Anschließend plündern Joschafat und sein Volk drei Tage lang die Leichen des vernichteten Gegners. Die Beute, die als sehr reichlich beschrieben wird – die Septuaginta führt zudem noch „Vieh“ an –, ist der den Kriegern zustehende Lohn und ist daher sicherzustellen (vgl. 2Chr 20,25). Von daher verwundert es nicht ganz, dass diese erst am vierten Tag zum ausdrücklichen Dank (ברך brk) JHWH gegenüber zusammenkommen. Erst Plünderung, dann Dank. Von dieser Begebenheit her hat der Ort dann die Bezeichnung „Lobetal“ erhalten (vgl. 2Chr 20,26). Wie es hierbei um die etymologischen Verhältnisse bzw. Abhängigkeiten bestellt ist, kann an dieser Stelle offenbleiben.

Ob dieses göttlichen Sieges über die Feinde kehren alle Männer (כָּל־אִישׁ kål ’îš) Judäas und Jerusalems, die nun zum ersten Mal so ausdrücklich genannt werden (vgl. dagegen 2Chr 20,21.25), mit Joschafat an der Spitze in einem Siegeszug unter Harfen- und Zitherspiel sowie unter Trompetenklängen nach Jerusalem und zum Tempel zurück. Die Erwähnung der Musikinstrumente vermag zu unterstreichen, dass hier ein sogenanntes „levitisches Tempelorchester“ (vgl. Seybold, 188) unter hymnischem Gesang JHWH dankend Lobpreis darbringt.

2.3. Die Siegeslieder von Mose und Mirjam (Ex 15,1-21)

Die wahrscheinlich bekanntesten Preis- und Siegeslieder der Hebräischen Bibel finden sich eng vereint in Ex 15. Das eine wird dem → Mose und das andere der → Mirjam zugeschrieben, wobei das Preis- und Siegeslied der Mirjam ob seiner Kürze und Prägnanz das wohl noch bekanntere und zudem vermutlich vielleicht das ältere ist (→ Lieder außerhalb des Psalters). Doch wird kontrovers diskutiert, wie sich die Lieder zueinander verhalten.

2.3.1. Das Siegeslied des Mose (Ex 15,1-19)

Unter dem Aspekt „Sieg“ und „Siegesfeier“ lässt sich vielleicht Folgendes sagen: 1. Wie bei dem sogenannten Mirjam-Lied (Ex 15,20f) bestimmt auf Endtextebene jetzt der Makrokontext bzw. die narrative Erzählabfolge des ersten Teils des Buches Exodus (Ex 1-18), dass das sogenannte Mose-Lied auf die Errettung des Volkes Israel vor dem Pharao durch JHWH am Schilfmeer (Ex 14) zu beziehen ist (synchroner Aspekt; → Meerwundererzählung). Ob dieses Lied bzw. Teile davon aus einem anderen ursprünglicheren Kontext stammen oder eigens für den jetzigen Kontext komponiert worden sind, muss letztlich Spekulation bleiben (diachroner Aspekt). 2. Das Lied spricht von einer Errettung durch JHWH aus höchster feindlicher Gefahr. Gott erscheint somit als Sieger. 3. Von einer instrumentalen Einstimmung auf dieses Lied oder dessen Begleitung (vgl. Ex 15,20) ist nirgends die Rede. Von daher könnte es sich um einen a-cappella Gesang handeln.

Aufgrund folgender Merkmale handelt es sich bei Ex 15,1-19 um ein Siegeslied, das zugleich als Danklied zu verstehen ist. 1. An den Stellen, an denen von einer feindlichen Bedrohung gesprochen wird, gilt diese als abgewehrt und überwunden (Ex 15,1bβ.4f.9f.13.19). 2. Einzelne Begriffe sprechen für einen kriegerischen Kontext (Reiterei, Streitwagen: Ex 15,1bβ.4a.19aα; Streitmacht: Ex 15,4a; [Drei]Kämpfer: Ex 15,4b; Feind: Ex 15,6.9; Gegner: Ex 15,7; Beute: Ex 15,9a; Schwert: Ex 15,9b). 3. Als Akteur des Abwehr- und Errettungskampfes gilt allein JHWH, der als Kriegsherr gekennzeichnet ist (Ex 15,3.6-8.11f.16a.19). 4. Die Folgen des Sieges sind Furcht und Zittern bei den Völkern ringsum (Ex 15,14-16); JHWHs Volk ist errettet (Ex 15,16b.17aα), das Heiligtum JHWHs ist fest gegründet (Ex 15,17aβ.b). 5. Schließlich wird bekräftigt, dass JHWH für immer und ewig als König herrscht (Ex 15,18, vgl. Ps 146,10).

2.3.2. Das Lied der Mirjam (Ex 15,20f)

Mit Ex 15,20 ist ein Neueinsatz zu verzeichnen, der sich deutlich von Ex 15,1-19 absetzt. Mirjam wird als „Prophetin“ und Schwester Aarons eingeführt. Sie ist die erste Frau in der Hebräischen Bibel insgesamt, die als Prophetin bezeichnet wird, und in der → Tora ist sie die einzige. Mirjam intoniert mit Hilfe einer Trommel (Handpauke) ein Sieges(tanz)lied (Beer, 84). Ihr folgen tanzend „alle Frauen“ ebenfalls mit Trommeln (Handpauken) (vgl. Jdt 15,12-14 [in Lutherbibel verkürzt: Jdt 15,16]). Ein solches prozessionsartiges Geschehen gilt siegreich aus Schlachten heimkehrenden Soldaten (vgl. Dohmen 2015, 358; Ottosson, 727) bzw. dem, der einen bedeutenden Sieg errungen hat, und ist im Alten Testament auch an anderen Stellen belegt (vgl. Ri 11,34; 1Sam 18,6f; Ps 68,25f). JHWH hat für Israel gegen Ägypten erfolgreich gekämpft (vgl. Ex 14,14.25), so dass diese militär-musikalische Adaption auf JHWH gerechtfertigt scheint.

Der Makrokontext von Ex 15,20f handelt von der Errettung des Volkes Israel vor dem Pharao durch JHWH am (Schilf-)Meer (Ex 14). Von daher ist das Lied auf diese Errettung zu beziehen.

2.4. Eingeschränkter Sieg über Amalek (Ex 17,8-16)

Ex 17,8-16 erzählt, wie Amalek das Volk Israel in Refidim, einem nicht lokalisierbaren Lagerplatz auf der Wüstenwanderung, angreift, und zwar auf neutralem Boden, denn Refidim gehört weder den Amalekitern noch den Israeliten. Am Ende kann Israel Amalek im Kampf nur „schwächen“.

Die Erzählung Ex 17,8-16 lässt sich in sechs Aktionsschritte gliedern. 1. Angriff auf Israel (Ex 17,8), 2. Vorbereitung Israels hinsichtlich seiner Verteidigung (Ex 17,9f), 3. Kampf bei gleichzeitig notwendig spiritueller Unterstützung des Hauptanführers der Israeliten, Mose (Ex 17,11-13), 4. Siegähnlicher Ausgang für Israel (Ex 17,13), 5. Einführung einer Erinnerungstradition (Ex 17,14f) und 6. abschließende Deutungsnotiz (Ex 17,16).

Während aus dem Text eindeutig hervorgeht, dass Amalek Israel angreift und es daraufhin zu einem Kampf kommt, heißt es bezüglich des Ausgangs dieses Kampfes mehrdeutig „Und Josua schwächte Amalek und sein Volk mit der Spitze / Schärfe des Schwertes“ (Ex 17,13). „Schwächen“ (חלשׁ ḥlš) bedeutet dem Kontext nach, dass Amalek zwar besiegt, aber nicht restlos geschlagen oder gar vernichtet ist. Darauf weist auch die abschließende Notiz, dass es mit Amalek immer Krieg geben wird (Ex 17,16; vgl. Num 14,25.41-45; Dtn 25,17-19; Ri 6,3; 1Sam 14,48; 1Sam 15; 1Sam 30; 2Sam 1,1-16). Weil kein endgültiger Sieg errungen wurde, wird von einer Siegesfeier nichts berichtet.

2.5. „Siegesschall“ (גְּבוּרָה gəvûrāh) in Ex 32,18?

2.5.1. Kontext. Auf Ebene des narrativen Ablaufs im Buch → Exodus kommt es nach Kundgabe des → Dekalogs (Ex 20,1-17), des Altargesetzes (Ex 20,22-26) und des → Bundesbuches (Ex 21,1-23,33) zum → Bundesschluss zwischen JHWH und seinem Volk, dessen Mittler letztlich → Mose ist (Ex 24,1-8). Im Anschluss daran wird von einer Schau des Gottes Israels erzählt (Ex 24,9-11), in deren Anschluss wiederum Mose von JHWH aufgefordert wird, auf den Berg zu JHWH zu steigen, damit dieser ihm die Tafeln aus Stein, die Weisung (→ Tora) und das Gesetz übergeben kann. Mose folgt dieser Aufforderung und nimmt seinen Diener → Josua mit sich. Betont wird, dass Mose dann 40 Tage auf dem Berg, dem Berg Gottes blieb (Ex 24,12-18). Diese Leserlenkung dient dazu, die jetzt folgenden Anweisungen zu Heiligtum und Kult folgen zu lassen (Ex 25-31,17). Nach diesem Abschnitt wird von der Anfertigung des sogenannten → Goldenen Kalbes berichtet, und zwar vor dem Hintergrund, dass das Volk nicht weiß, was aus dem abwesenden Mann Mose geworden ist, und sich somit führungslos glaubt (Ex 32,1-6). Während Mose auf JHWHs Geheiß mit Josua von dem Berg hinabsteigt, vernimmt Josua die Stimme des Volkes in seinem Lärm (in seiner Schlechtigkeit, vgl. Dohmen 2004, 290), und er deutet es Mose gegenüber als Kriegsgeschrei, vielleicht in gesangartiger Weise vorgetragen (Ex 32,17). Daraufhin antwortet Mose: „Es ist nicht ein Schall einen Sieg intonierend, und es ist nicht ein Schall eine Niederlage intonierend, (sondern) Schall eines Wechselgesanges (Wettgesanges) vernehme ich.“ (Ex 32,18).

2.5.2. Deutung. Wenngleich bezüglich einer angemessenen Übersetzung von Ex 32,17f verschiedene Möglichkeiten zu erwägen sind (vgl. Dohmen 2004, 291.306), so besteht doch Übereinstimmung darin, dass in Ex 32,18aα גְּבוּרָה gəvûrāh im Sinne von Sieg zu verstehen ist. Dafür spricht zudem, dass im selben Vers das Antonym „Niederlage“ (חֲלוּשָׁה ḥǎlûšāh) verwendet wird (Ex 32,18aβ), wobei dieser Ausdruck, dies sei einschränkend vermerkt, sich in der Hebräischen Bibel nur an dieser Stelle findet, so dass es sich hierbei schließlich um ein Hapax legomenon handelt.

In der Kittel-Bibel (1906) und ihren Nachfolgern wird – im Unterschied zu den allermeisten jüdischen hebräischen Bibelausgaben – druckgraphisch hervorgehoben, dass bei Ex 32,18 eine poetische Ausdrucksweise vorliegt. Dabei kann es sich um ein lange Zeit und andernorts tradiertes Lied oder Sprichwort handeln („springt ganz und gar aus dem Kontext heraus“, Dohmen 2004, 306), das jetzt Mose in den Mund gelegt wird. Auffällig ist, dass in Ex 32,18 dreimal der Infinitiv constructus von ענה ‘nh (עֲנוֹת ‘ǎnôt) gebraucht wird. Diese Wurzel kann vier Grundbedeutungen haben: I. „antworten / erwidern“; II. „elend / ausgemergelt sein“; III. „sich plagen“ und schließlich IV. „singen“. Während vom Kontext her sich die Bedeutung „singen“ in allen drei Fällen anbietet (vgl. HALAT 808), können durchaus inhaltliche Assoziationen zu „bedrücken / demütigen (ענה ‘nh II)“ (Dohmen 2004, 307) mitschwingen bzw. nicht ganz unbeabsichtigt sein. Sieht man näher hin, so kann auch hier gelten, dass die unterschiedliche Vokalisation (עַנּוֹת ‘annôt in Ex 32,18c steht im Piel) bereits unter masoretische Rezeption fällt, gleichviel ob sich die Piel-Form nun auf „bedrücken“ oder „singen“ bezieht.

Der Samaritanische Pentateuch und die Peschitta lesen diesen Ausdruck interpretierend als „Sünde“ (vgl. Baentsch, 271). Ebenso auffällig ist aber auch, dass zwar auf die beiden Infinitivi constructi in Ex 32,18a jeweils ein Nomen im Sinne eines Genitiv-Attributes folgt, was aber beim dritten Infinitiv constructus in Ex 32,18b nicht der Fall ist. M. Noth vermutet, dass das „entscheidende Wort“ hier „versehentlich ausgefallen sei“ – und lässt dies auch druckgraphisch zum Ausdruck bringen (Noth, 205.199); auch G. Beer hätte mit Blick auf den in der Septuaginta in Ex 32,18b vorhandenen Genitiv einen entsprechenden im hebräischen Text erwartet (Beer, 154).

Die Übersetzung von Ex 32,18c mit „Schall eines Wechselgesanges / Wettgesanges / Singtanzes vernehme / höre ich“ lässt sich mit Bezug auf das sogenannte Goldene Kalb im Sinne eines rituellen Geschehens in einem musikalischen Kontext verstehen (vgl. Jes 27,2; Ps 88,1). Über den ursprünglichen Kontext des in poetischer Art verfassten Verses Ex 32,18 kann freilich nur spekuliert werden, „dessen ursprünglicher ‚Sitz im Leben’ jedoch dunkel ist“ (Noth, 205). Zumindest deuten die in ihm verwendeten Ausdrücke auch im Sinne von „Sieg“ und „Niederlage“ auf einen militärartigen Bezug hin, zumal Siege und Niederlagen, aber auch ein Kampfbeginn, schließlich mitunter der Kampf selbst lange Zeit von → Musikinstrumenten begleitet worden sind.

Auch in Ps 21,14 wird der hebräische Ausdruck גְּבוּרָה gəvûrāh wie in Ex 32,18aα im Sinne von „Sieg / siegreich“ gebraucht, und zwar in Verbindung mit JHWH (vgl. zudem Ps 71,18; Ps 80,3). Ähnlich verhält es sich in der in Hab 3,8 formulierten Frage: „Ist gegen Flüsse entbrannt JHWH … dass du (sc. JHWH) mit deinen Rossen heranstürmst und mit deinen siegreichen Wagen?“ (eigentlich: Wagen des Heils מַרְכְּבֹתֶיךָ יְשׁוּעָה markəvotækhā jəšû‘āh).

2.5.3. Ex 32,18 in der Septuaginta. Die Septuaginta weicht in Ex 32,18 deutlich vom hebräischen Text ab und hat dabei vielleicht eine ursprünglichere Lesart bewahrt (Beer, 154). Der LXX-Text lautet in deutscher Übersetzung: „Und er sagt: Es ist nicht ein Gesang derer, die anheben mit Kraft, und auch nicht ein Gesang derer, die anheben zum Rückzug, sondern einen Gesang derer, die anheben zum Wein, höre ich.“ Damit muss nicht unbedingt ein Weingelage, sondern kann auch ein von Wein begleiteter (Opfer-)Ritus gemeint sein, der durchaus bacchantische Züge annehmen kann, wie es in Ex 32,6bβ (vgl. 1Kor 10,7) und in Ex 32,19aβ angedeutet ist.

3. Apokryphe / deuterokanonische Schriften

3.1. Das Buch Judit

Das Buch → Judit schildert keine historischen Ereignisse. Es ist eine Art Beispielgeschichte zur existenziellen Bedrohung des kleinen Volkes der Judäer / der Juden (Judit) durch weltgeschichtliche, überaus starke und bedrohliche Akteure wie beispielsweise die Assyrer. In diesem Buch wird der Kampf des „assyrischen“ Königs Nebukadnezzars gegen „alle Länder des Westens“ bzw. „das ganze Land des Westens“ (Jdt 2,6.19 [Lutherbibel: Jdt 2,5.11 mit anderem Text]) erzählt, wozu letztlich auch Juda gehört. Einer drohenden Eroberung versuchen sich die Israeliten / Judäer zu widersetzen (Jdt 4,4-8 [Lutherbibel: Jdt 4,3-6]), woraufhin der Oberbefehlshaber der assyrischen Streitmacht, → Holofernes, mit der Belagerung der anscheinend strategisch wichtigen Ortschaft → Betulia (Haus Gottes) beginnt, welche an einem Gebirgspass liegt (Jdt 7,1). Während der äußerst dramatisch verlaufenden Belagerung macht sich eine Frau, namens Judit, in Absprache mit einem der Befehlshaber von Betulia, → Usija (Jdt 8,9.11 [Lutherbibel: Jdt 8,8-9]), und den Ältesten auf den Weg ins Heerlager des Holofernes (Jdt 8,35 [nicht in Lutherbibel]). Nach Ankunft im Lager, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, nämlich eines ausgiebigen Festmahles, köpft Judit den Holofernes in seinem Zelt. Daraufhin ist letztlich das assyrische Heer im doppelten Sinne des Wortes kopflos und in Auflösung begriffen (Jdt 15,1-3). Die Israeliten / Judäer gehen daraufhin zu einem Gegenangriff über, verfolgen die Assyrer (Jdt 15,4-5 [Lutherbibel: Jdt 15,6-7]) und nehmen zahlreich Beute, dreißig Tage lang (Jdt 15,6f.11 [Lutherbibel: Jdt 15,8f.14]).

Der mutigen Tat der Judit, die ganz ohne militärische Streitmacht einen so mächtigen Heerführer wie Holofernes bezwungen hat, wird im narrativen Verlauf des Buchs Judits dreimal lobpreisend gedacht:

1) Nahezu unmittelbar nach der Überbringung der Nachricht von der vollbrachten siegreichen Tat der Judit wird Gott dafür gepriesen: Das ganz Volk ist außer sich und preist Gott, der die Feinde seines Volkes gedemütigt / verachtet hat (ἐξουδένουν exoudenoun; Jdt 13,17 [Lutherbibel: Jdt 13,22]).

2) Nach den Plünderungen kommt es seitens aller Frauen Israels (πᾶσα γυνὴ Ισραηλ pasa gynē Israēl) zu einer Dankes- und Lobesfeier für Judit wegen ihres erfolgreichen Einsatzes gegen die Assyrer. Judit zu Ehren führen die Frauen Israels einen Reigentanz (χορός choros) auf, und sie reichen sich gegenseitig Thyrsosstäbe, mit Efeu umwundene Stäbe, in denen sich im griechisch-hellenistischen Kontext mitunter ein Pinienzapfen oder auch eine eiserne Spitze verbarg und die ursprünglich im Dionysoskult ihren Sitz im Leben hatten (Gross, 809). In Jdt 15,12f (nicht in Lutherbibel) wird Judith somit als Heldin und zugleich als Chorführerin stilisiert. Denn Judit und die Frauen bekränzen sich mit Ölzweigen; sie geht nicht nur dem ganzen Volk voran, sondern sie wird zudem eigens Anführerin aller Frauen genannt. Erst darauf folgen die Männer Israels bewaffnet, ebenfalls bekränzt sowie Hymnen anstimmend. Ein nahezu bacchantischer Zug. Ein solcher siegesbestimmter Festumzug kann durchaus als Gegenveranstaltung zu ähnlichen Tänzen der Küstenbewohner verstanden werden, die sie als Anbiederung an die Streitmacht des Holofernes aufführten und die letztlich für jene in einem Desaster endeten (vgl. Jdt 2,28-3,8 [Lutherbibel: Jdt 2,18-3,9]). Der von Judit angeführte Reigenzug mündet schließlich in einem von ihr angestimmten Lobgesang, den das ganze Volk mitsingt (Jdt 15,14 [Lutherbibel: Jdt 15,16]). In Jdt 16,1-17 (Lutherbibel: Jdt 16,1-20) folgt der psalmartige „Bekenntnis- und Lobgesang Judiths und des ganzen Volkes“, so die Kapitelüberschrift in LXX/D. Der Grundtenor des Lieds ist zweifach. a) Gott selbst ist kein Gott des Krieges (Jdt 16,2a [Lutherbibel: Jdt 16,3a]; vgl. Jdt 9,7 [Lutherbibel: Jdt 9,5-8]; Ex 15,3 LXX) und b) die rettende Tat selbst geschah nicht durch starke Männer (Jdt 1,6), sondern allein durch „die Hand einer Frau“ (Jdt 16,5 [Lutherbibel: Jdt 16,7], vgl. Jdt 13,15 [Lutherbibel: Jdt 13,18-19]).

3) Aus Jdt 16,18 (Lutherbibel: Jdt 16,22) geht hervor, dass der Reigenzug sich in Richtung Jerusalem in Gang gesetzt hat. Dort findet so etwas wie eine „Nachfeier am Heiligtum zu Jerusalem“ (Miller, 233) statt. Denn das Volk reinigt sich, bringt Brandopfer und anderweitige Opfer freiwillig dar; Judit stiftet ihrerseits alles, was ihr das Volk an Gegenständen des Holofernes als Beute übergeben hat, im Sinne eines Banngutes als Weihegabe für Gott (εἰς ἀνάθημα τῷ θεῷ eis anathēma tō theō); anscheinend erfolgt alles im Tempel. Anschließend war das Volk „fröhlich in Jerusalem bei dem Heiligtum drei Monate lang“ (Luther Revidiert 2017) zusammen mit Judit.

Kurzum: Dem Sieg über die Assyrer wird dreimal gedacht, wobei ausdrücklich und ausführlich Judit als die entsprechende Heldin stilisiert ist. Jedoch wird an keiner Stelle Zweifel daran gelassen, dass Gott allein den Sieg gewährt hat.

3.2. Das Buch Ester

Das Buch → Ester, dessen hier zugrunde gelegte griechische Langfassung in den über den Text der hebräischen Fassung hinausgehenden Passagen „eine ausdrücklich theologische Ebene“ hat (Zenger, 379), ist von seiner Grundthematik eng mit dem Buch Judit verbunden: Eine Frau wendet mit Gottes Hilfe durch ihr Geschick schweres Unheil vom Volk Israel ab und wird dadurch zu einer Heldin für die nachfolgenden Generationen in und für Israel.

Wenngleich das Hauptthema im Buch Ester die Planung und die Abwehr eines Judenpogroms im persischen Weltreich ist (; Est 6,4; Est 8,5), finden militärische oder kämpferische Auseinandersetzungen in weiten Teilen der Estererzählung vorerst keine Erwähnung (Est 1-8).

Im Est 3,7-13 wird von einem Plan seitens der persischen Regierung berichtet, die Juden (Judäer) in „allen Provinzen“ des Reiches „auszurotten“. Auf welche Weise dies geschehen soll, wird jedoch nicht genannt. Der Zeitpunkt des Pogroms wird von Haman, der als Agagiter gekennzeichnet wird (Est 3,1.10), per Losverfahren (פור pûr) entschieden (Est 3,7; Est 9,24). Dass Haman als Agagiter bezeichnet wird, zeigt an, dass er als ein Nachfahre der Amalekiter wahrzunehmen ist (vgl. 1Sam 15,8f.20.32f), von denen es heißt: „Krieg ist zwischen JHWH und Amalek von Generation zu Generation“ (vgl. Ex 17,16aα.b).

Erst in Est 8,8 bzw. Est 8,11 wird auf jenen Erlass insofern wieder Bezug genommen, als im Namen des persischen Königs ein Gegenerlass aufgesetzt wird, der es den Juden (Judäer) gestattet, sich nicht nur wirksam zu wehren, sondern auch den angreifenden Gegner zu vernichten und ihn auszuplündern, und zwar in allen Provinzen des persischen Königs (vgl. Est 8,11f, revidierte EÜ). Während es auf narrativer Ebene in Est 8,8-17 so aussieht, dass der Erlass des Agatiters Haman (Est 8,3.5) aufgehoben wird bzw. nicht zur Ausführung kommt, wenden sich in Est 9 die Juden (Judäer) aktiv gegen ihre Gegner, ohne dass im Text des Esterbuchs erkennbar ist, dass diese die Juden (Judäer) zuvor tätlich angegriffen hätten. Hierbei handelt es sich anscheinend der Sache nach um einen Präventivangriff (vgl. Est 9,1f). Alle Gegner der Juden (Judäer) werden erschlagen (vgl. Est 9,5). Besonders wird hierbei hervorgehoben, dass in der Festung Susa 500 Gegner der Juden (Judäer), zuzüglich der zehn Söhne Hamans, des Feindes der Juden (Judäer), getötet worden sind (Est 9,6-10.12a). Ausdrücklich wird vermerkt, dass die Juden (Judäer) sich nicht am Besitz der Getöteten bereicherten (vgl. Est 9,10bβ.15bβ), wenngleich ihnen der königliche Erlass dies gestattet hätte. Auch in den anderen persischen Provinzen töten die Juden (Judäer) ihre Gegner und auch dabei vergreifen sie sich nicht an deren Besitz (vgl. Est 9,16). Der Sieg über die Feinde wird nicht nur als ein einmaliger Festtag mit Essen und Trinken begangen (vgl. Est 9,17-19), sondern es wird den Juden (Judäern) als Verpflichtung auferlegt, diesem Tag jährlich im Sinne eines Gedenktages zu begehen (Tage des Festmahls und der Freude) und ihn somit zu einem festen Brauch werden zu lassen (vgl. Est 9,21-23).

Festgehalten wird letztlich ausdrücklich, dass Gott sein Volk gerettet hat und dass im Gedenken daran, zu allen Zeiten und in allen Generationen dieses Fest von allen mit ausgelassener Freude gefeiert werden soll (vgl. Est 10,3f.k). Somit ist das → Purimfest schließlich ein freudiger Gedenktag des Sieges über die Feinde Israels, näherhin auch über den Feind schlechthin, den Amalekiter (vgl. Ex 17,16).

Das sogenannte Purimfest ist ähnlich wie letztlich das → Passafest (Exodusgeschehen) ein Fest in der jüdisch-judäischen Gedenkkultur, welches jährlich zu begehen ist, auch als Ausdruck des Sieges über die Feinde Israels. Wenngleich historische Belege sowohl für das eine als auch für das andere Geschehen im Sinne moderner Geschichtsschreibung fehlen, so verdichten sie auf authentische Weise bedrückende und befreiende Erfahrungen des Volkes Israel bis auf den heutigen Tag.

3.3. Siegesfeier nach dem Kampf gegen Timotheos und Bakchides (2Makk 8)

Der Begriff „Siegesfeier“ (ἐπινίκια epinikia, Adj. Neutr. Pl.) findet sich ausdrücklich nur in 2Makk 8,33. Judas, der auch den Beinamen „Der Makkabäer“ trägt (2Makk 8,1; → Makkabäer), führt mit seinen Leuten u.a. einen Kampf gegen den seleukidischen Offizier Timotheos (vgl. 1Makk 5,6-44) sowie gegen den seleukidischen Berater und Heerführer Bakchides (vgl. 1Makk 7,8-20; 1Makk 9).

Die dann in 2Makk 8 ausführlich geschilderte militärische Auseinandersetzung geschieht in folgenden Schritten.

Judas Makkabäus stellt ein Heer von 6.000 Personen auf (2Makk 8,16a), das sich auf eine Begegnung mit einem Heer von 20.000 Personen unter Führung eines gewissen Nikanor einstellt. Dieses hat den Auftrag, das „gesamte Geschlecht der Juden auszurotten“ (2Makk 8,9). Überaus deutlich wird aus literar-dramaturgischen Gründen die Übermacht des militärischen Gegners hervorgehoben (2Makk 8,16b). Angesichts der gegnerischen Übermacht spricht Judas Makkabäus unter Verweis auf ähnliche Beispiele aus der judäischen Geschichte seinen Mitkämpfern insofern besonders Mut zu, als in jenen Situationen der allmächtige Gott Israel unverhofft den Sieg geschenkt hat; dies begründet ihr absolutes Gottvertrauen (2Makk 8,19f).

Im Anschluss an die Motivationsansprache des Judas Makkabäus wird die Streitmacht in vier Abteilungen gegliedert. An die Spitze der Abteilungen stellt er als Befehlshaber seine Brüder (vgl. 1Makk 2,2-5), denen wiederum jeweils eine Einheit von 1.500 Personen zugeordnet wird (2Makk 8,21f). Judas Makkabäus (nach der Vulgata, II Macc 8,23, ist es Eleazaros, vgl. zudem Gutberlet, 128) gibt vermutlich in priesterlicher Funktion (vgl. Dtn 20,2-4) unter Hinzuziehung „der Heiligen Schrift“ (ἡ ἱερὰ βίβλος hē hiera biblos) die Losung bzw. Parole (σύνθημα synthēma; vgl. Ri 12,6 [Codex Alexandrinus]; 2Makk 13,15; Herodot, Hist. IX, 98) zum Kampf aus: „Gottes Hilfe“ (vgl. Ps 61,8 LXX). Daraufhin stellt sich Judas Makkabäus an die Spitze des Heeres und greift den Gegner direkt an (2Makk 8,23).

Unmittelbar darauf wird ein erster Sieg gegen das Heer Nikanors erzielt. Der maßgebliche Grund für diesen Erfolg liegt darin, dass der „Allmächtige“ (Pantokrator) Mitkämpfer (σύμμαχος symmachos „Bundesgenosse“, LXX/D) gewesen ist. Die Vorstellung, dass Gott direkt „Mitkämpfer“ bzw. ein entsprechender „Bundesgenosse“ ist, findet sich so ausdrücklich nur im Zweiten Makkabäerbuch, und der Ausdruck „Mitkämpfer“ ist außerdem in diesem Buch allein für Gott reserviert (vgl. 2Makk 10,16; 2Makk 11,10; 2Makk 12,36), und zwar auch im Unterschied zum Ersten Makkabäerbuch (vgl. 1Makk 8,20.24.28.31; 1Makk 9,60; 1Makk 10,6.16; 1Makk 12,14; 1Makk 14,40; 1Makk 15,17).

Die auf den Sieg einsetzende Verfolgung des noch übrig gebliebenen und fliehenden Gegners wird durch das Herannahen des → Sabbats unterbrochen. Der Sabbat selbst wird dazu genutzt, Gott für die Errettung und für sein Erbarmen zu lobpreisen. Nach dem Sabbat erfolgt die Verteilung der Beute sowie ein gemeinsames Fürbittgebet bei Gott um Erbarmen und Versöhnung (vgl. 2Makk 3,18; 2Makk 10,25; 2Makk 12,42). Daraufhin wird der Kampf wieder aufgenommen, und zwar gegen Timotheos und Bakchides. Wiederum werden die Gegner (20.000) im Kampf getötet, entwaffnet, Festungen eingenommen, die Beute unter den Kämpfern und an die bedürftige judäische Bevölkerung verteilt sowie einiges nach Jerusalem gebracht. Nachdem dies alles vollbracht ist, wird eine Siegesfeier (ἐπινίκια epinikia, Adj. Neut. Pl.) in der Vaterstadt abgehalten.

4. Neues Testament

Der Terminus „Sieg“ ist im Neuen Testament fünfmal belegt (vgl. Mt 12,20; 1Kor 15,54.55.57; 1Joh 5,4b). Die klassische Schreibweise für „Sieg“ (ἡ νίκη hē nikē, Femininum), die identisch mit der Namensschreibung der griechischen Göttin des Sieges „Nike“ ist (vgl. Hesiod, Theogonie 384), findet sich im Neuen Testament nur in 1Joh 5,4b; die jüngere Form der Schreibweise für „Sieg“, einschließlich des Genuswechsels (τὸ νῖκος to nikos, Neutrum), ist in Mt 12,20; 1Kor 15,54.57 bezeugt. Der Terminus bzw. das Wort „Siegesfeier“ ist im Neuen Testament nicht belegt. Hingegen lässt sich der Ausdruck „Siegespreis“ in frühchristlicher Literatur in der Wendung „einen Sieg nehmen / erringen“ ([τὸ] νῖκος λαμβάνειν [to] nikos lambanein) nachweisen (vgl. Hirt des Hermas 45,5 [Mand XII 2]).

Wenn im Neuen Testament von „Sieg“ (ἡ νίκη hē nikē; τὸ νῖκος to nikos) bzw. von „siegen“ (νικᾶν nikan) die Rede ist, so sind mitunter durchaus Anleihen an sportliche bzw. militärische Kontexte erkennbar (Luk 11,22; vgl. 2Makk 8,27a), jedoch überwiegt bei weitem die metaphorische Bedeutung im theologisch-bekenntnishaften Sinn. Hierbei geht es um das standhafte Durchhalten im wahren Glauben (vgl. Röm 8,37; Röm 12,21; 1Joh 2,13.14; 1Joh 4,4; 1Joh 5,5; Apk 2,7.11.17.26; Apk 3,5.12.21; Apk 5,5; Apk 21,7), an dessen Ende letztlich der Sieg über das antigöttliche Böse oder den Tod und somit Gottes Sieg insgesamt steht (vgl. Mt 12,20; Joh 16,33; Röm 3,4; 1Kor 15,54-57; 1Joh 4,5a; Apk 6,2; Apk 11,7; Apk 12,11; Apk 15,2). Dabei wird nicht ausgeblendet, dass in diesem existenziell-bekenntnishaften Ringen das Antigöttliche kurzfristig die Oberhand gewinnen kann (vgl. Apk 13,7; Apk 17,14).

In 1Joh 5,4, findet sich das Wort „Sieg“ (ἡ νίκη hē nikē) in einem eminent theologisch-christologischen Kontext, der zudem prätrinitarisch imprägniert ist (vgl. 1Joh 5,1-12). Die inhaltliche Bedeutung des Terminus „Sieg“ wird in einer Art Definition beschrieben, die ausschließlich theologisch-konfessorisch zu verstehen ist: „Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt (hat): unser Glaube“ (1Joh 5,4b). Sprachlich gesehen handelt es sich im griechischen Text näherhin um eine figura etymologica (und das ist der die Welt besiegende Sieg: unser Glaube), so dass das Partizip nicht nur perfektisch aufzufassen ist (vgl. Windisch, 132).

Das tertium comparationis hinsichtlich des sportkampfähnlichen bzw. militärischen und des theologischen Gebrauchs des Wortes „Sieg“ im Neuen Testament ist, dass ein Sieg errungen sein will. Das heißt, dass ein Sieg zwar mit Anstrengung und zuvörderst mit einem Willen zum Siegen verbunden ist, es aber keinen Anspruch auf einen Sieg gibt, da diesen allein Gott gewährt. Ein Sieg hat daher auch immer geschenkhaften Charakter. Sieg, dessen war man sich nicht nur in der klassischen, sondern auch in der vorklassischen Antike bewusst, verdankt sich letztlich göttlicher Macht bzw. ist göttlichen Ursprungs (vgl. 2Kön 19,35f; Bauernfeind, 941).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1933-1979
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015

2. Weitere Literatur

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  • Bauernfeind, Otto, 1966, Art. νικαω κτλ. in: ThWNT, Bd. IV, Stuttgart u.a., 941-945
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  • Gressmann, Hugo, 1926, Altorientalische Texte zum Alten Testament, Berlin / Leipzig, 82-87
  • Gross, Walter Hatto, 1975, Art. Thyrsos, in: Der Kleine Pauly. Lexikon für Antike in fünf Bänden, Bd. 5, München, 809
  • Gutberlet, Constantin, 1927, Das zweite Buch der Machabäer (ATA X), Münster
  • Jenni, Ernst, 1981, Lehrbuch der hebräischen Sprache des Alten Testaments, 2. Aufl., Basel / Frankfurt am Main
  • Kellermann, Dieter, 1993, Art. רע, in: ThWAT, Bd. VII, Stuttgart u.a., 545-555
  • Miller, Athanasius, 1940, Das Buch Judith, in: Die Bücher Tobias, Judith und Esther (HSAT IV/3), Bonn
  • Noth, Martin, 1959, Das zweite Buch Mose. Exodus (ATD 5), Göttingen
  • Ottosson, Magnus, 1995, Art. תף, in: ThWAT, Bd. VIII, Stuttgart u.a., 725-728
  • Seybold, Klaus, 1986, Art. נבל, in: ThWAT, Bd. V, Stuttgart u.a., 185-188
  • Windisch, Hans, 1930, Die Katholischen Briefe (HNT 15), zweite, stark überarbeitete Auflage, Tübingen
  • Zenger, Erich, 2016, Das Buch Ester, in: Frevel, Christian (Hg.), Erich Zenger u.a., Einleitung in das Alte Testament, 9. Aufl., Stuttgart, 378-388

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Der Pharao tötet einen Feind (Pylon des Totentempels Ramses’ III.; Medinet Habu; 12. Jh.). © public domain (Foto: Rüdiger Liwak, 2006)
  • Abb. 2 Das Eingangspylon des Tempels von Luxor (13. Jh.). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2005)
  • Abb. 3 Ramses III. besiegt die Seevolker (Ausschnitt; 12. Jh.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 4 Bewohner von Lachisch unterwerfen sich Sanherib (um 700 v. Chr.). Aus: A.H. Layard, A Second Series of Monuments of Nineveh, London 1853, Pl. 23
  • Abb. 5 Rekonstruktion der Tore von Balawāt (9. Jh.; British Museum). Aus: Wikimedia Commons; © Mujtaba Chohan, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 1.6.2018
  • Abb. 6 Schwarzer Obelisk (198 cm hoch), Mescha-Stele (110 cm) und Tel-Dan-Stelle (Frgm a: 32 cm; alle Mitte des 8. Jh.s v. Chr.). a) Aus: A.H. Layard, The Monuments of Nineveh, London 1849, Pl. 53; b) aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Tf. LIII; c) aus: Wikimedia Commons; © יעל י, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 1.6.2018
  • Abb. 7 Prisma des assyrischen Königs Sanherib (7. Jh. v. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 1.6.2018

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