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Lexikon

Schreibmaterial

Schrift; → Schreiber

1. Beschriebenes Material

In der Antike wurde auf eine Vielzahl von Materialien geschrieben. Allgemein werden in der Forschung dabei anorganische und organische Materialien unterschieden.

1.1. Anorganisches Material

1.1.1. Stein

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Die Inschrift an der Wand der Siloa-Tunnels (8. Jh. v. Chr.).

1.1.1.1. Natürlicher Fels. Zu den anorganischen Beschreibstoffen zählt der natürliche Fels, auf dem man Inschriften einmeißelte oder einritzte (→ Felskunst). Prominentes Beispiel aus Palästina ist die Siloah-Inschrift im Felsentunnel beim Siloah-Teich in → Jerusalem.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Die Stele des moabitischen Königs Mescha (9. Jh. v. Chr.).

1.1.1.2. Behauener Stein. Steine von Mauern, Wänden, Pfeilern, Säulen usw. wurden für Inschriften, aber auch Graffiti benutzt, für besondere Dokumente wurden eigens steinerne Stelen angefertigt, etwa für Gesetzestexte (z.B. der Codex → Hammurabi), Verträge oder Bauinschriften (→ Mescha-Stele).

Die Erzählung von den steinernen Gesetzestafeln in Ex 24,12 und Ex 34,1.4.28.29 greift die Tradition der Gesetzesstelen auf. Bei den besagten Tafeln dürfte es sich allerdings eher um ein theologisches Konstrukt als um reale Gegenstände handeln (Bosshard-Nepustil, 34).

1.1.2. Ton

 Aus: Wikimedia Commons; © Marie-Lan Nguyen, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-2.5 generisch; Zugriff 10.5.2018

Abb. 3 Inschrift Nabonids auf einem Ton-Zylinder (555-539 v. Chr.).

Tontafeln waren in Mesopotamien, Syrien und Anatolien der bevorzugte Beschreibstoff für alle Arten von Texten. Die Tontafeln wurden in der Regel getrocknet, selten auch gebrannt.

1.1.3. Ostraka

 Aus: Wikimedia Commons; © Hanay, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0 nicht portiert; Zugriff 10.5.2018

Abb. 4 Ostrakon von Meṣad Hāšavjāhu (7. Jh. v. Chr.).

Für kurze Mitteilungen aus dem Alltag waren Scherben von Tongefäßen (oder auch aus Kalkstein) ein günstiges und beliebtes Material. Der Text wurde mit Tinte aufgetragen oder seltener eingeritzt. Der Gebrauch von Ostraka wird in der Bibel nicht direkt erwähnt, ihr Gebrauch in Israel / Palästina ist aber durch archäologische Funde (vor allem → Lachisch, → Arad) gut bezeugt (→ Epigraphik).

1.1.4. Metall

Metall wurde in der Form von Platten benutzt. Wegen der Kostbarkeit und Dauerhaftigkeit des Materials wurden nur besonders wichtige Texte auf Metall eingeritzt oder gestanzt, Letzteres vor allem bei → Münzen.

Aus: Wikimedia Commons; © Tamar Hayardeni; Zugriff 10.5.2018

Abb. 5 Eines der Silberröllchen von Ketef Hinnom (7./6. Jh. v. Chr.).

1.1.4.1. Edelmetall. Die Silberröllchen mit dem → Aaronitischen Segen, gefunden in einem Grab vom Ketef Hinnom, bezeugen, die, wenn auch eher seltene, Verwendung von Edelmetallen als Beschreibstoff.

1.1.4.2. Kupfer. In Kupfer geprägte Texte sind durch die in Höhle 3 bei → Qumran gefundene Kupferrolle (3Q15) bekannt.

1.1.4.3. Blei. Hi 19,24 erwähnt Blei als Beschreibstoff für Mitteilungen, die dauerhaft festgeschrieben sein sollen. In der griechischen Welt ist Blei als Beschreibstoff für Anfragen an das Orakel des Zeus von Dodona bekannt, es wurde (vor allem in der römischen Welt) oft für Fluchtäfelchen (defixionum tabellae), aber auch für allgemeine briefliche Mitteilungen verwendet.

1.2. Organisches Material

1.2.1. Holz

1.2.1.1. Wachstafeln. Holz, mit einem Rahmen versehen und mit Wachs beschichtet, bildete ein beliebtes Material für Aufzeichnungen, die nicht von Dauer sein mussten. Mit Wachs überzogene Holztafeln wurden im römischen Reich insbesondere für den offiziellen Schriftverkehr, aber auch für privaten Gebrauch und im Schulunterricht verwendet. Beschriftet wurden die Wachstafel mit dem spitzen Ende des Griffels (s. 3.1.1.), mit dem abgeflachten Ende konnten Schreibfehler oder bei Bedarf auch der gesamte Text wieder gelöscht werden.

1.2.1.2. Holztafeln. Auf (oftmals geweißten) Holztafeln wurden in Griechenland und Rom öffentliche Bekanntmachungen angebracht. Das Anbringen von Holztafeln mit dem Schuldtitel oder Urteil war bei Kreuzigungen (→ Tod Jesu) üblich. Die Tafeln, auf die → Habakuk seine Vision aufschreiben muss (Hab 2,2), sind nicht näher bestimmt, das verwendete Wort לוּחַ lûaḥ wird sowohl für Holz- als auch für Stein- und Tontafeln gebraucht. Da sich Habakuks Worte an eine größere Öffentlichkeit richten, sind damit wohl plakative hölzerne Großtafeln gemeint (vgl. Seybold, 65).

1.2.1.3. Codex. Ursprünglich ist der Codex (von lat. codex „Baumstamm / Holz“) ein Stapel von Holztafeln. Die Bindung von Pergament (1.2.3.) und seltener auch Papyrus (1.2.2.) zu Codices, dem Vorläufer unseres Buches, begann sich im 1. Jh. n. Chr. zu etablieren (→ Codex Sinaiticus online; der Codex enthält die älteste vollständige Abschrift des Neuen Testaments).

1.2.2. Papyrus

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 6 Papyruspflanzen in Kairo.

Papyrus wurde in der gesamten antiken Welt verwendet. Hergestellt wurde das Schreibmaterial aus der gleichnamigen, in Hi 8,11 erwähnten Wasserpflanze mit langem dreieckigem Stängel (→ Papyrus). Nach Beschreibung von Plinius d. Ä. (Historia Naturalis 13,74-82; Text gr. und lat. Autoren) wurde dazu das Mark des Stängels in Streifen geschnitten, die in zwei Schichten, eine senkrecht und eine waagrecht, aufeinandergelegt wurden.

Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 10.5.2018

Abb. 7 Papyrus 38 mit Apg 18,27-19,6 (3. Jh. n. Chr.).

Durch die Bearbeitung mit dem Holzhammer verbanden sich die Schichten und nach Trocknung und Glättung mit Bimsstein entstand ein glattes und helles Blatt. Die so gewonnenen Papyrusblätter wurden anschließend zu einer Rolle zusammengeklebt. Die Papyrusherstellung war im Alten Ägypten ein blühender Wirtschaftszweig.

1.2.3. Pergament

1.2.3.1. Material. Pergament wurde aus der Haut von Kälbern, Rindern, Schafen, Ziegen und Antilopen hergestellt und war ein besonders edles und gut haltbares Material und über viele Jahrhunderte auch ein begehrtes Handelsgut, wurde es doch nicht nur als Beschreibstoff genutzt, sondern auch zur Bespannung von Trommeln oder Schilden. Die Qualität, aber auch der Preis von Pergament zeigen sich daran, dass es mehrfach verwertet wurde (s. 1.2.4.). Als Schreibmaterial blieb Pergament bis ins späte Mittelalter allgemein im Gebrauch, bis es vom Papier verdrängt wurde.

1.2.3.2. Herstellung. Anders als bei Leder verzichtete man bei der Herstellung von Pergament auf die Gerbung. Stattdessen wurde die Tierhaut einige Tage in eine Kalklösung eingelegt und Haar sowie Oberhaut wurden entfernt. Anschließend wurde die Haut in einen Rahmen gespannt, getrocknet, mit Bimsstein geglättet und mit Kreide geweißt.

1.2.3.3. Schriftrolle. Zur Herstellung einer Schriftrolle wurden mehrere Pergamentstreifen (bzw. Papyrus) aneinandergenäht (bzw. beim Papyrus geklebt, s.o.). Im Neuen Testament werden Schriftrollen mit βιβλίον bezeichnet; in Lk 4,17 beispielsweise bezeichnet βιβλίον biblion die im Synagogengottesdienst verlesene Prophetenrolle des Jesaja. βιβλίον biblion ist die Übersetzung von hebr. סֵפֶר sefær „Buch(rolle)“ (vgl. Jer 36,23). Wie βιβλίον biblion wird סֵפֶר sefær für beliebige Schriftstücke (etwa auch für den Scheidebrief; → Ehe) gebraucht.

1.2.4. Palimpsest

Aus Mangel an unbeschriebenem Beschreibstoff oder auch aus Sparsamkeit wurden Pergamente (aber auch Papyri) mehrfach verwendet. Dazu wischte man den ersten Text mit einem Schwamm oder schabte ihn mit einem Bimsstein ab, daher die Bezeichnung „Palimpsest“ vom Griechischen πάλiv palin „wieder“ und ψηστος psēstos „abgeschabt“. Die getilgten Schriften versucht man seit Beginn des 19. Jh. wieder sichtbar zu machen (wie z.B. beim Codex Ephraemi Rescriptus).

Papyrus ist leichter korrigierbar als Pergament, da man die Tinte abwaschen kann, während sie in das Pergament tief eindringt und mühselig abgeschabt werden muss. Die spätere rabbinische Halacha verbot daher, biblische Texte auf Papyrus zu schreiben (Stöckl Ben Ezra, 33-34).

2. Schreibstoff: Tinte

Abb. 8 Tintenfass aus Qumran (Spätes 1. Jh. v. Chr. – frühes 1. Jh. n. Chr.; mit freundlicher Genehmigung der © Israelischen Antikenbehörde; Foto: Meidad Sochovolski).

Abb. 8 Tintenfass aus Qumran (Spätes 1. Jh. v. Chr. – frühes 1. Jh. n. Chr.; mit freundlicher Genehmigung der © Israelischen Antikenbehörde; Foto: Meidad Sochovolski).

Die schwarze Tinte bestand weitgehend aus Ruß, dem man Wasser und Gummi arabicum beigab. Seltener wurde auch rote Tinte verwendet, etwa für Titel, wichtige Textstellen oder zur Rahmung von Kolumnen. Rote Tinte wurde aus Zinnoberrot oder aus Mennige hergestellt. Tinte wurde zum Beschreiben von Papyrus und Pergament, aber auch Holztafeln, Ostraka und Stein verwendet, biblisch ist sie in Jer 36,18 und in 2Kor 3,3, 2Joh 12 und 3Joh 13 (griechisch μέλας melas) erwähnt. Aufbewahrt wurde Tinte in zylindrischen Büchsen mit einer kleinen Öffnung für das Hineintauchen des Schreibgeräts. Biblisch-archäologisch sind solche Tintenfässer von Ausgrabungen in Jerusalem und Qumran bezeugt (Sussmann / Peled, 95).

3. Schreibgeräte

Die nachfolgende Unterscheidung zwischen Schreiben als Eingravieren und Schreiben mit Tinte entspricht den beiden Bedeutungen des griechischen Verbs. γράφω graphō. Dessen ursprüngliche Bedeutung „einritzen / eingravieren“ findet sich im Neuen Testament aber nur noch am Rande (Joh 8,6; Lk 1,63; Apk 2,17), vorherrschend ist die im klassischen und hellenistischen Griechisch übliche Bedeutung „schreiben“.

3.1. Schreibgeräte zum Eingravieren

3.1.1. Griffel

Griffel haben eine lange Tradition und sind zahlreich archäologisch belegt. Hergestellt wurden sie aus Metall, Holz oder Knochen, gebraucht wurden sie zum Schreiben auf (bzw. Einritzen in) Stein, Holz, Metallplättchen und Wachstafeln. Mit einem dreikantig zugespitzten Rohrgriffel wurden Keilschrifttafeln (s.o.) beschrieben. Biblisch ist der Griffel neben Hi 19,24 (s.o.) in Ps 45,2 und Jer 17,1 erwähnt.

3.1.2. Meißel und Stichel

Monumentalinschriften (aber auch Bilder) auf Stein oder Felsen wurden mit Hammer und Meißel gehauen. Mit einem Stichel wurden Buchstaben direkt in Stein geritzt oder gemeißelte Inschriften nachbearbeitet.

3.2. Schreibgeräte zum Schreiben mit Tinte

3.2.1. Binse

Binsen (eine ausdauernde Grasart) wurden am Ende weich gekaut, anschließend wurde damit wie mit einem Pinsel Tinte aufgetragen. Die Binse gehörte zum Werkzeug eines Schreibers in Ägypten.

3.2.2. Schreibrohr

Schräg angeschnittenes Schilfrohr (griechisch κάλαμος kalamos, 3Joh 13) wurde zum Schreiben mit Tinte auf Papyrus und Pergament benutzt. Schreibrohre waren billig, praktisch und relativ leicht herzustellen. Im 4. Jh. n. Chr. wurde Schilfrohr durch Vogelfedern als Schreibgerät abgelöst.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1932-2018
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2004
  • Biblisches Reallexikon, Tübingen 2. Aufl. 1977
  • Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament, 5. Aufl., München / Zürich 1994-1995
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Der Neue Pauly, Stuttgart / Weimar 1996-2003
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003
  • Theologisches Wörterbuch zu den Qumrantexten, Stuttgart 2011ff

2. Weitere Literatur

  • Baillet, M. / Milik, J.T. / de Vaux, R.,1962, Les ‘Petites Grottes’ de Qumrân (DJD III), Oxford
  • Berlejung, A., 2014, Kleine Schriften mit großer Wirkung. Zum Gebrauch von Textamuletten in der Antike, in: A. Kehnel / D. Panagiotopoulos (Hgg), Schriftträger – Textträger, Zur materialen Präsenz des Geschriebenen in frühen Gesellschaften (Materiale Textkulturen VI), Berlin, 103-126
  • Bosshard-Nepustil, E., 2015, Schriftwerdung der Hebräischen Bibel. Thematisierung der Schriftlichkeit biblischer Texte im Rahmen ihrer Literaturgeschichte (AThANT 106), Zürich
  • Kropp, A., 2014, „… Dann trag das Bleitäfelchen weg ans Grab eines vorzeitig Verstorbenen“, in: A. Kehnel / D. Panagiotopoulos (Hgg), Schriftträger – Textträger, Zur materialen Präsenz des Geschriebenen in frühen Gesellschaften (Materiale Textkulturen VI), Berlin, 73-102
  • Metzger, B.M., 1966, Der Text des Neuen Testaments. Eine Einführung in die neutestamentliche Textkritik, Stuttgart u.a.
  • Seybold, K., 1991, Nahum. Habakuk. Zephania (ZBK), Zürich
  • Stökl Ben Ezra, D., 2016, Qumran. Die Texte vom Toten Meer und das Antike Judentum (UTB, Jüdische Studien 3), Tübingen
  • Sussmann, A. / Peled, R., 1999, Qumran. Die Schriftrollen vom Toten Meer, St. Gallen

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Die Inschrift an der Wand der Siloa-Tunnels (8. Jh. v. Chr.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Die Stele des moabitischen Königs Mescha (9. Jh. v. Chr.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 3 Inschrift Nabonids auf einem Ton-Zylinder (555-539 v. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; © Marie-Lan Nguyen, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-2.5 generisch; Zugriff 10.5.2018
  • Abb. 4 Ostrakon von Meṣad Hāšavjāhu (7. Jh. v. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; © Hanay, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0 nicht portiert; Zugriff 10.5.2018
  • Abb. 5 Eines der Silberröllchen von Ketef Hinnom (7./6. Jh. v. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; © Tamar Hayardeni; Zugriff 10.5.2018
  • Abb. 6 Papyruspflanzen in Kairo. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 7 Papyrus 38 mit Apg 18,27-19,6 (3. Jh. n. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 10.5.2018
  • Abb. 8 Tintenfass aus Qumran (Spätes 1. Jh. v. Chr. – frühes 1. Jh. n. Chr.; mit freundlicher Genehmigung der © Israelischen Antikenbehörde; Foto: Meidad Sochovolski).

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