Schaufel

(erstellt: Febr. 2020)

1. Schaufeln am Brandopferaltar

Aus: G. Loud, Megiddo II. Seasons of 1935-39 (Oriental Institute Publications 62), Chicago 1948, Pl. 283.2

Abb. 1 Schaufel (Megiddo; Spätbronzezeit IIB).

Zu den Geräten aus Bronze, die bei → Ritualen am Brandopferaltar verwendet wurden (→ Altar), gehörten auch Schaufeln. Das hebräische Wort für „Schaufeln“, יָעִים jā‘îm (immer Plural), kommt vielleicht von יעה j‘h „beseitigen / entfernen“ (Jes 28,17; vgl. arabisch wa‘ā „hineintun / beinhalten“). Heutigen Kaminschaufeln nicht unähnlich dienten diese Geräte dazu, Kohlen aufzulegen, Asche zu entfernen und wohl auch Räucherwerk ins Feuer zu streuen.

In Ex 27,1-8 gibt Gott → Mose den Auftrag, am → Sinai einen tragbaren Brandopferaltar zu bauen sowie die an ihm benötigten Geräte herstellen zu lassen: Töpfe, Schalen, → Pfannen, → Gabeln und auch Schaufeln (Ex 27,3). Ex 38,1-7 berichtet von der Umsetzung des Auftrags: Bezalel, der als Kunsthandwerker für den Bau des Heiligtums am Sinai verantwortlich war (→ Stiftshütte), baute den Brandopferaltar und stellte die Geräte her (Ex 38,3). Wenn der mobile Altar zum Transport vorbereitet wurde, sollten die Priester ihn nach Num 4,13-14 von fettiger Asche reinigen, ihn mit einem purpurroten Tuch bedecken, die Altargeräte darauflegen und sie mit feinem Leder (→ Dachs) abdecken.

Auch zum Brandopferaltar des Jerusalemer Tempels gehörten nach 1Kön 7,40.45 (// 2Chr 4,11.16) Töpfe, Schalen und Schaufeln aus Bronze, die → Hiram, der Baumeister des Salomonischen Tempels, hergestellt haben soll (1Kön 7,50 // 2Chr 4,22 nennen auch Pfannen und Schalen aus Gold, während Gabeln in 1Kön 7 fehlen, vgl. aber 2Chr 4,16). Bei der → Eroberung Jerusalems 587 v. Chr. wurden diese Geräte nach 2Kön 25,14 (// Jer 52,18) von den babylonischen Eroberern mitgenommen.

Aus: E. Grant, Beth Shemesh, Palestine: Progress of the Haverford Archaeological Expedition (Biblical and Kindred Studies 2), Haverford 1929, 137

Abb. 2 Schaufel (Bet-Schemesch; Spätbronzezeit IIB).

Bei Ausgrabungen wurden mehrere Schaufeln gefunden, die vielleicht im Kult verwendet worden sind. So stammt z.B. aus einem spätbronzezeitlichen Stratum in Megiddo eine Schaufel aus Bronze. Ihr in sich gedrehter Stiel ist 42 cm lang. Die rechteckige Schaufelfläche hat einen erhöhten Rand und eine Länge von 15 cm (Abb. 1). In Bet-Schemesch wurde eine ähnliche Schaufel gefunden, die vermutlich in die gleiche Zeit zu datieren ist (Abb. 2).

Mit Dank an © Wolfgang Zwickel

Abb. 3 Altar mit Funden von Schaufeln (Tel Dan, Areal T; Eisenzeit IIB).

Aus der → Eisenzeit IIB wurden in → Dan (Areal T) drei Schaufeln dieses Typs gefunden (Abb. 3). Aus hellenistischer Zeit gibt es einen ähnlichen Fund aus → Beerscheba (vgl. Weippert, 276; Zwickel, 161-165, mit einer Liste von Funden außerhalb Palästinas).

2. Schaufeln zum Worfeln

Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 21.2.2020

Abb. 4 Beim Worfeln wird Getreide mit Schaufeln aus Holz in die Luft geworfen. Die Körner werden mit kleinen Besen zusammengekehrt (Grab des Nacht, Theben; 18. Dyn., um 1400 v. Chr.).

Um die Spreu vom Weizen zu trennen, wurde Getreide nach dem Dreschen geworfelt (→ dreschen und worfeln), d.h. es wurde mit Schaufeln in die Luft geworfen, damit der Wind die leichte Spreu verwehte, die Getreidekörner aber herunterfielen. Wie solche Schaufeln ausgesehen haben können, zeigt ein Bild aus Ägypten (Abb. 4). Im Hebräisch wird eine derartige Schaufel mit dem Nomen רַחַת raḥat bezeichnet, das in anderen semitischen Sprachen, z.B. dem Ugaritischen, „Handfläche“ bedeutet. Belegt ist der Begriff im Alten Testament nur in Jes 30,24 in der Beschreibung einer Heilszeit, die von Fruchtbarkeit geprägt ist.

Bildlich sprechen Mt 3,12 und Lk 3,17 von solchen Schaufeln. Auch beim eschatologischen Gericht soll nämlich zwischen Spreu und Weizen geschieden werden (→ Läuterung).

3. Schaufeln zur Beseitigung von Notdurft?

Angesichts der Gegenwart Gottes muss ein Kriegslager nach Dtn 23,10-15 rein sein. Deswegen darf man die Notdurft nur außerhalb des Lagers verrichten und soll, wenn man aus dem Lager geht, einen Gegenstand mitnehmen, um seine Notdurft zu bedecken. Im Hebräischen wird dieser Gegenstand יָתֵד jāted genannt (vgl. arabisch watid „Pflock“). Die deutschen Übersetzungen geben den Begriff vielfach mit „Schaufel“ wieder, doch bezeichnet er einen → Pflock, vor allem einen Zeltpflock, und genau dies dürfte in Dtn 23,14 gemeint sein.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992

2. Weitere Literatur

  • Propp, W.H.C., Exodus 19-40 (The Anchor Bible), New York u.a. 2006
  • Weippert, H., Art. Schaufel, in: Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977, 276
  • Wiesenberg, E.J., Rabbinic Hebrew as Aid in the Study of Biblical Hebrew Illustrated in the Exposition of the Rare Words רחת and מזרה, HUCA 47 (1976), 143-180
  • Zwickel, W., Räucherkult und Räuchergeräte. Exegetische und archäologische Studien zum Räucheropfer im Alten Testament (OBO 97), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1990

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Schaufel (Megiddo; Spätbronzezeit IIB). Aus: G. Loud, Megiddo II. Seasons of 1935-39 (Oriental Institute Publications 62), Chicago 1948, Pl. 283.2
  • Abb. 2 Schaufel (Bet-Schemesch; Spätbronzezeit IIB). Aus: E. Grant, Beth Shemesh, Palestine: Progress of the Haverford Archaeological Expedition (Biblical and Kindred Studies 2), Haverford 1929, 137
  • Abb. 3 Altar mit Funden von Schaufeln (Tel Dan, Areal T; Eisenzeit IIB). Mit Dank an © Wolfgang Zwickel
  • Abb. 4 Beim Worfeln wird Getreide mit Schaufeln aus Holz in die Luft geworfen. Die Körner werden mit kleinen Besen zusammengekehrt (Grab des Nacht, Theben; 18. Dyn., um 1400 v. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 21.2.2020

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