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Lexikon

Salmanassar III.

(858-824 v. Chr.)

Andere Schreibweise: Shalmaneser III. (engl.)

Jonathan Robker

(erstellt: Dez. 2017)

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 Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 14.4.2018

Abb. 1 Oben bringen Aramäer ihre Tributgaben ins assyrische Lager; unten tragen assyrische Soldaten Baumstämme (Relief auf dem Bronzetor der assyrischen Stadt Balawāt aus der Zeit Salmanassars III., 858-824 v. Chr.).

Salmanassar III. war ein König des neuassyrischen Reiches (→ Assyrer), der 858-824 v. Chr. regierte. Er setzte die militärische Expansionspolitik seines Vaters Assurnasirpal II. (883-859 v. Chr.) fort. Im Westen unterwarf er auf mehreren Feldzügen in Syrien die → Aramäer und wurde als erster assyrischer König zu einer Bedrohung für Israel. Von seinen Kriegszügen zeugt beispielsweise das Bildprogramm der Tore von Balawāt.

1. Quellen

Als Quelle stehen für Salmanassar III. ausschließlich neuassyrische Schriften zur Verfügung (vgl. Donner, 165-167). Nach ihnen ist Salmanassar im Zuge der Westexpansion des assyrischen Reiches mehreren Königen Israels begegnet, nämlich → Ahab und → Jehu sowie vielleicht → Joram, der allerdings nicht explizit genannt wird. Umgekehrt gibt es in der Hebräischen Bibel keinen sicheren Beleg für Salmanassar III.

Hos 10,14 erwähnt einen Schalman (שַׁלְמַן šalman), der Bet-Arbeel zerstört haben soll. Gegen den Vorschlag, dass es sich bei ihm um Salmanassar III. handelt, spricht, dass der Name, der Ort und der Vorgang ansonsten unbekannt sind.

2. Kriegszüge in die Levante

2.1. Die Schlacht von Qarqar 853 v. Chr.

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM ANE 118884

Abb. 2 Vorderseite der Monolith-Inschrift Salmanassars III.

In seiner berühmten Kurch Monolith-Inschrift, die heute im British Museum steht (BM ANE 118884; ediert neuerdings bei Grayson [A.0.102.2]; deutsche Übersetzung der relevanten Zeilen in TUAT I.4, 360-362; HTAT 254-259), verfasst um 853/2 v. Chr., berichtet Salmanassar III. zum ersten Mal von einer militärischen Auseinandersetzung mit einer Koalition levantinischer Herrscher. Dieser Koalition soll Salmanassar zum ersten Mal im Jahre 853 v. Chr. bei Qarqar begegnet sein und sie besiegt haben (→ Schlacht von Qarqar). Unter den Namen der in der Inschrift aufgelisteten Könige stehen Adadidri (= Hadadezer) von Damaskus, Irhuleni von Hamat und Ahab von Israel.

In seiner ersten Beschreibung dieser militärischen Auseinandersetzung behauptet Salmanassar, dass Ahab 10000 Soldaten und 2000 Kriegswagen gegen die assyrische Armee beigesteuert habe. Zudem gibt er an, 14000 Soldaten dieser Koalition getötet zu haben. Spätere Erzählungen weichen in Details von der ersten Fassung ab, z.B. sind nach den Annalen (Grayson A.0.102.6; HTAT 259-260), der Stierinschrift (A.0.102.8, TUAT I.4, 363-364) und der Wandinschrift (A.0.102.10; vgl. auch die Statueninschrift in TUAT I.4, 365) 25000 Soldaten seiner Gegner getötet worden (für eine Zusammenstellung und Auswertung der Quellen zu dieser Schlacht, vgl. Robker 201-210). Allerdings stimmen die Quellen darin überein, dass sich Salmanassar als Sieger der die Schlacht darstellen lässt. Es gibt jedoch gute Gründe, an einem klaren assyrischen Erfolg zu zweifeln (vgl. Ahlström; Jepsen; Elat).

Die Monolith-Inschrift stellt vermutlich den ältesten außerbiblischen Beleg für einen König von Israel dar (die → Mescha-Inschrift dürfte etwas jünger sein), und zwar als Teil einer antiassyrischen Koalition mit den Aramäern. Die Inschrift bietet bislang zudem den einzigen Beleg des Namens → „Israel“ in assyrischen Quellen (Eph‘al). Bemerkenswert und für Rekonstruktionen der Geschichte Israels besonders gravierend ist, dass die in der Monolith-Inschrift geschilderten Ereignisse in der Hebräischen Bibel mit keinem Wort erwähnt werden. Zudem widersprechen die Berichte Salmanassars Texten wie 1Kön 20 und 1Kön 22, die von Kriegen zwischen Aram und Israel berichten, die nach den neuassyrischen Quellen ab 853 v. Chr. Verbündete gewesen sein müssten. Doch gibt es verschiedene Versuche, die beiden Versionen in Einklang zu bringen: 1) Mal herrschte Krieg zwischen Aram und Israel, mal waren sie Verbündete. 2) 1Kön 20 und 22 hätten sich ursprünglich auf Assyrien statt auf Aram bezogen. 3) Die Geschichten in 1Kön 20 und 22 stammen aus der Zeit der Jehuiden und sind versehentlich oder absichtlich an die jetzige Position gestellt worden, um Ahab schwächer erscheinen zu lassen (zur Problematik und für diese letzte Lösung, vgl. Miller 1966 und 1968; davon abweichend, aber in der Tendenz ähnlich, vgl. Robker, 99-109 und 138-154).

2.2. Kriegszüge 849, 848 und 845 v. Chr.

Die Schlacht bei Qarqar 853 v. Chr. stellte nur die erste militärische Auseinandersetzung zwischen Salmanassar III. und der genannten Koalition levantinischer Könige dar. Weitere Kriegszüge unternahm Salmanassar 849, 848 und 845 v. Chr., allerdings ohne den Namen eines Königs von Israel in den Inschriften zu nennen (eine Zusammenstellung, Übersetzung und Erklärung der relevanten Textstellen bietet Robker, 210-215; THAT 260-263). Die wiederkehrende Erwähnung einer Koalition von zwölf Königen deutet eine relativ konstante Größe an; man wird deshalb damit rechnen dürfen, dass Salmanassar mindestens noch ein Mal, wahrscheinlich sogar drei Mal, gegen Joram von Israel gekämpft hat, auch wenn dieser nicht namentlich erwähnt wird. Bei allen diesen Kriegszügen gibt Salmanassar an, einen großen, vernichtenden Sieg errungen zu haben (vgl. die entsprechenden Passagen in TUAT I.4, 360-365). Das wiederholte Eingreifen spricht jedoch dafür, dass die levantinischen Koalitionäre ihre Unabhängigkeit weitgehend zu erhalten vermochten, d.h. es kann durchaus sein, dass diese Koalition, mit Israel als Mitglied unter omridischer Führung, sich erfolgreich und effektiv der neuassyrischen Bedrohung erwehrt hat (Tadmor). Auf alle Fälle scheint diese Koalition weitere Züge in den Süden verhindert zu haben.

2.3. Kriegszüge 841 und 838 v. Chr.

Im Jahre 841 v. Chr. scheint sich die Lage in der Levante grundlegend verändert zu haben (vgl. Robker, 215-224). Nun trifft Salmanassar III. nicht mehr auf eine Koalition verbündeter Kleinstaaten unter aramäischer Führung. Nach der Stierinschrift aus → Kalchu (Grayson A.0.102.8) ist Hasael und nicht Hadadezer König von Damaskus. Er wurde von Salmanassar erfolgreich besiegt (Z. 1”-21”). Auffallend ist, dass Hasael ohne Alliierte genannt wird. Stattdessen liest man desweiteren (Z. 22”-27”), dass die Städte → Tyrus und → Sidon sowie → Jehu, → Omris (!) Sohn, Tribut leisteten. Die antiassyrische Koalition scheint auseinandergefallen zu sein und Hasael von Damaskus hat dann die Widerstandspolitik seines Vorgängers allein fortgesetzt.

Die Bezeichnung Jehus als „Sohn des Omri“ ist bemerkenswert, denn sie widerspricht eindeutig der Darstellung von 2Kön 10,1-11, nach der Jehu die komplette Familie der Omriden ausrottete. Diesen Widerspruch will man mit der These lösen, Jehu sei einem Zweig der Familie Omris zuzuordnen, der nicht an die Macht hätte kommen sollen (vgl. Schneider; dagegen Na’aman). Dann wäre er zwar überraschenderweise König geworden, aber immer noch Teil der zu seiner Zeit herrschenden Familie gewesen. Nach einer anderen These soll mit dem in der Inschirft genannten Sohn Omris nicht Jehu, sondern Joram gemeint sein (vgl. McCarter; dagegen Weippert; Green; Halpern). Wahrscheinlicher haben die assyrischen Schreiber den Namen Omri einfach als Bezeichnung für das Königtum Israel genommen, da die Omriden die erste Dynastie bildeten, die sich auf dem Thron des Nordreichs behaupten konnte (vgl. bereits Ungnad sowie Kelle, 648, und die dort zitierte Literatur). Der Name Omri wird von den Assyrern nämlich noch bis zur Zeit → Tiglat-Pilesers III. (745-727 v. Chr.) für das Nordreich benutzt. D.h. dass der Name „Omri“ in Salmanassars Inschriften Jehu lediglich als König von Israel ausweisen soll.

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM ANE 118885

Abb. 3 Salmanassar III. erhält Tribute von den unterworfenen Völkern (Vorderseite des Schwarzen Obelisken).

Markant und bekannt sind die Darstellungen dieses Krieg- und Beutezugs auf dem Schwarzen Obelisken Salmanassars III. Auf der Vorderseite des zweiten Registers des Obelisken wird ein Bote oder ein sich niederwerfender König vor dem König Assyriens und seinen Göttern dargestellt. Laut Überschrift dieses Registers handelt es sich um Jehu (oder seinen Boten), der dem assyrischen Großkönig 841 v. Chr. Tribut geleistet haben soll.

 British Museum, London. Foto des Autors

Abb. 4 Israels König Jehu unterwirft sich Salmanassar III. (zweites Register der Vorderseite des Schwarzen Obelisken).

Auf den drei weiteren Seiten des Obelisken werden die Tribute aufgelistet und dargestellt: Silber, Gold, eine goldene Schale, ein goldenes Gefäß, Goldbecher, Goldeimer, Zinn, ein Holzstab für die Hand des Königs und Speere. Es scheint, als hätte sich Jehu, König von Israel, dem assyrischen König unterworfen und freiwillig Tribut gezahlt (Smith, 90) – ein Sachverhalt, der in der Hebräischen Bibel ebenfalls (bewusst oder unbewusst) keinen Platz findet.

Zum letzten Mal zog Salmanassar 838 v. Chr. gegen den Westen und wieder gibt er an, Hasael von Damaskus besiegt und Tribut von Tyros und Sidon bekommen zu haben. Allerdings fehlt jegliche Erwähnung von Jehu, so dass ungeklärt bleiben muss, in welchem Verhältnis Jehu zu Assyrien gestanden hat.

3. Salmanassar III. und die Chronologie der Hebräischen Bibel

Nach den in den Inschriften Salmanassars III. bezeugten Daten ist die Schlacht bei Qarqar um 853 v. Chr. anzusetzen. Daraus ergibt sich für Jehus Tributzahlung das Jahr 841, also zwölf Jahre später. Demgegenüber lag nach den → Königsbüchern zwischen den Regierungszeiten Ahabs und Jehus eine Zeitspanne von 14 Jahren (vgl. 1Kön 22,52 und 2Kön 3,1). Die Abweichung ist dadurch zu erklären, dass auf vordatierte erste Regierungsjahre rekurriert wurde. D.h. das letzte Jahr eines Königs ist zugleich das erste seines Nachfolgers (vgl. bereits Steuernagel, 349, für dieses Verständnis von Datierungen in den Königsbüchern). Ahabs letztes Jahr war zugleich das erste von → Ahasja, das zweite Jahr des Ahasja war zugleich das erste des → Joram und das letzte Jahr des Joram war zugleich das erste des Jehu. Aus dieser Rekonstruktion folgt, dass Ahab bald vor seinem Tod Krieg gegen Salmanassar führte oder bei diesem Krieg umgekommen ist (vgl. 1Kön 22,29-40, wobei das „sich zu seinen Vätern legen“ eher auf einen natürlichen Tod deutet, was sich nicht in die Erzählung fügt). Das würde bedeuten, dass Ahab 853 oder 852 gestorben ist. Danach folgten die Regierungen seiner Söhne, wobei Jehu die Amtszeit des Joram kürzte und diesen kurz vor 841, also 843 oder 842 v. Chr., umbrachte und sich des Throns bemächtigte. Eine solche Deutung führt zur Übereinstimmung der alttestamentlichen und neuassyrischen Daten.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • British Museum Dictionary of the Ancient Near East, London 2000
  • Eerdmans Dictionary of the Bible, Grand Rapids 2000

2. Weitere Literatur

  • Ahlström, G., 1988, The Battle at Ramoth-Gilead in 841 BC, in: M. Augustin (Hg.), Wünschet Jerusalem Frieden, Frankfurt, 157-166
  • Donner, H., 1964, Israel unter den Völkern (VT.S 11), Leiden
  • Elat, M., 1975, The Campaigns of Shalmaneser III against Aram and Israel, IEJ 25, 25-35
  • Eph‘al, I., 1991, ‚The Samarian(s)‘ in the Assyrian Sources, in: M. Cogan / I. Eph’al (Hgg.), Ah, Assyria… Studies in Assyrian History and Ancient Near Eastern Historiography (FS H. Tadmor; Scripta Hierosolymitana 33), Jerusalem, 36-45
  • Grayson, A.K., 1996, Assyrian Rulers of the Early First Millennium BC, Vol. II (RIMA 3), Toronto
  • Halpern, B., 1987, Yaua, Son of Omri, Yet Again, BASOR 265, 81-85
  • Jepsen, A., 1942, Israel und Damaskus, AfO 14, 153-172
  • Kaiser, O. (Hg.), 1984, Texte aus der Umwelt des Alten Testaments (TUAT), Bd. 1, Lfg. 4, Gütersloh
  • Kelle, B.E., 2002, What’s in a Name?, JBL 121, 639-666
  • McCarter, P.K., 1974, Yaw, son of ‚Omri‘, BASOR 216, 5-7
  • Miller, J.M., 1966, The Elisha Cycle and the Accounts of the Omride Wars, JBL 85, 441-454
  • Miller, J.M., 1968, The Rest of the Acts of Jehoahaz (1 Kings 20 22 1-38), ZAW 80, 337-342
  • Na’aman, N., 1998, Jehu Son of Omri, IEJ 48, 236-238
  • Nissen, H.J., 1999, Geschichte Altvorderasiens (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 25), München
  • Robker, J., 2012, The Jehu Revolution (BZAW 435), Berlin
  • Schneider, T., 1996, Rethinking Jehu, Bibl. 77, 100-107
  • Smith, C.C., 1977, Jehu and the Black Obelisk of Shalmaneser III, in: A.L. Merrill / T.W. Overholt (Hgg.), Scripture in History and Theology (FS J.C. Rylaarsdam), Pittsburgh, 71-105
  • Steuernagel, D.C., 1912, Lehrbuch der Einleitung in das Alte Testament mit einem Anhang über die Apokryphen Pseudepigraphen, Tübingen
  • Tadmor, H., 1975, Assyria and the West: the Ninth Century and Its Aftermath, in: H. Goedicke / J.J.M. Roberts (Hgg.), Unity and Diversity, Baltimore und London, 36-48
  • Ungnad, A., 1906, Jaua, Mâr Ḫumrî, OLZ 9, 224-226
  • Van De Mieroop, M., 2007, A History oft he Ancient Near East ca. 3000-323 BC, Second Edition, Malden
  • Veenhof, K.R., 2001, Geschichte des Alten Orients bis zur Zeit Alexanders des Großen (ATD Ergänzungsreihe 11), Göttingen
  • Weippert, M., 1978, Jau(a) Mār Ḫumrî, VT 28, 113-118

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Oben bringen Aramäer ihre Tributgaben ins assyrische Lager; unten tragen assyrische Soldaten Baumstämme (Relief auf dem Bronzetor der assyrischen Stadt Balawāt aus der Zeit Salmanassars III., 858-824 v. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 14.4.2018
  • Abb. 2 Vorderseite der Monolith-Inschrift Salmanassars III. Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM ANE 118884
  • Abb. 3 Salmanassar III. erhält Tribute von den unterworfenen Völkern (Vorderseite des Schwarzen Obelisken). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM ANE 118885
  • Abb. 4 Israels König Jehu unterwirft sich Salmanassar III. (zweites Register der Vorderseite des Schwarzen Obelisken). British Museum, London. Foto des Autors

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