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Lexikon

Rehob

Andere Schreibweise: Roheb, Rechob, Rehov, Rechov

Erasmus Gaß

(erstellt: März 2019)

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1. Name

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Rehob im südlichen Gebiet von Ascher und Rehob bei Bet-Schean.

Der Ortsname רְחֹב Rəḥov „Rehob“ ist als qutāl-Form der Wurzel רחב RḤB „sich erweitern“ gebildet und bedeutet „freier Platz / Marktplatz“ (Richter 1996). Das Substantiv רְחוֹב rəḥôv gilt als ein vom Adjektiv abgeleitetes Konkretum, das zum Typus der Beschreibewörter zählt. Dieser Name spielt vermutlich auf das weite Gelände an, in dem dieser Ort liegt. Möglicherweise soll auch der für die Besiedlung günstige Boden hervorgehoben werden (Borée 1968). Der Ort Rehob wird üblicherweise defektiv als רְחֹב rəḥov geschrieben (Num 13,21; Jos 19,28.30; Jos 21,31; Ri 1,31; 1Chr 6,60). Nur in 2Sam 10,8 findet sich die Pleneschreibung רְחוֹב rəḥôv. Hieronymus überträgt den Ortsnamen korrekt mit plataea sive latitudo (Hieronymus, De nominibus hebraicis 20:3).

2. Biblische Überlieferung

Der Ortsname Rehob findet sich im Alten Testament sieben Mal. Zum einen wird Rehob als Stadt des Stammes Ascher bezeichnet, die an der Grenze des Stammesgebietes liegt (Jos 19,28.30) und die Ascher nicht erobern konnte (Ri 1,31). Zum anderen gilt Rehob als Levitenstadt (→ Leviten) des Stammes Ascher (Jos 21,31; 1Chr 6,60). Die offensichtliche Gleichsetzung von Bet-Rehob (2Sam 10,6) und Rehob (2Sam 10,8) in der Erzählung vom Ammoniterfeldzug → Davids spricht mitunter für eine Identifizierung der beiden Orte Rehob und Bet-Rehob, sodass im Folgenden die Erwähnung von Bet-Rehob in Ri 18,28 ebenfalls berücksichtigt werden soll. Darüber hinaus dient der Ort Rehob als nördlichster Punkt des ausgekundschafteten Landes (Num 13,21). Dieses Rehob liegt in der Nähe von Lebo-Hamat und könnte daher entweder mit dem aramäischen Ort (Bet-)Rehob in der Beqā‘-Ebene oder mit Rehob in Ascher gleichzusetzen sein.

Da Rehob in der Beschreibung des Lehens des Stammes Ascher in kurzer Aufeinanderfolge zweimal genannt wird (Jos 19,28.30), darf man an zwei Orte desselben Namens im ascheritischen Stammesgebiet denken. In Jos 19,30 wird summarisch festgestellt, dass zum Stammesgebiet von Ascher 22 Städte mit ihren Dörfern gezählt werden. Zu diesen Städten zählen freilich nicht die phönizischen Stadtstaaten → Sidon und → Tyrus. Nach Abzug dieser beiden Küstenstädte und der vier Geländebeschreibungen (Karmel, Fluß Libnat, Sebulon, Tal von Jiftach-El) sind insgesamt 22 Orte genannt, falls man Rehob doppelt zählt und ḤBL ebenfalls als Ort versteht. Freilich ist es auch möglich, dass die Zahlenangabe 22 mit den zuvor genannten Orten nicht vereinbar ist, vor allem dann, wenn es sich lediglich um Grenzorte handelt und die Zahl 22 sich auf die von Ascher eroberten Städte innerhalb des Stammesgebietes bezieht, die nicht notwendigerweise mit den Grenzorten identisch sein müssen. Der erste Ort Rehob wird mit Kabul, Ebron / Abdon, Hammon, Kana und Sidon verbunden, sodass er im Norden zu suchen ist, während der zweite Ort vermutlich in der Akkoebene liegt. Auch wenn eine Aufteilung in ein nördliches und ein südliches Rehob in Ascher dem außerbiblischen Befund zu entsprechen scheint (s.u.), ist ein endgültiges Urteil in dieser Frage nicht mehr sicher zu erreichen.

Möglicherweise gibt es neben dem ascheritischen Ort Rehob noch einen weiteren Ort Bet-Rehob / Rehob, der aufgrund der Verortung der Erzählung von der Auseinandersetzung Davids mit den → Ammonitern im Ostjordanland liegen könnte. Darüber hinaus wäre aber auch noch an eine Lokalisierung in der Jesreelebene zu denken, da im narrativen Kontext der ammonitische König die → Aramäer von Rehob / Zoba, den König von → Maacha und die Männer von Tob versammelt (2Sam 10,6). Die Aramäer von Rehob könnten nämlich mitunter nordwestlich von Ammon anzusiedeln sein, während Maacha nördlich und Tob nordöstlich von Ammon liegt. Dann wäre es durchaus denkbar, dass dieses Rehob mit dem gleichnamigen Ort bei Bet-Schean zu identifizieren wäre (Finkelstein 2016). Dies ist aber nur eine literarische Bildung der biblischen Erzähler, da das tatsächliche Reich von Bet-Rehob eigentlich in der Beqā‘-Ebene liegt. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Hauptstadt dieses Aramäerreiches so weit im Süden befunden hat. In diesem Fall hätte sich das Territorium von Bet-Rehob mindestens 80 km nach Norden erstrecken müssen; dies ist aber eher unwahrscheinlich.

Man könnte darüber hinaus den Hinweis auf eine zu Bet-Rehob gehörige Ebene in Ri 18,28 mit dem gleichnamigen Ort bei Bet-Schean verbinden. Allerdings ist dies ebenfalls eine literarische Topographie, die nicht historisch verwertet werden kann. Das in Ri 18,28 genannte Tal, das zu Bet-Rehob gehört, ist wohl aufgrund der übrigen Angaben die Arḍ el-Ḥūle, zumal in diesem Vers die Lage des biblischen Ortes → Dan in den Blick genommen wird.

In 1Sam 14,47 wird schließlich von LXXL neben Zoba noch das → Aramäerreich von Bet-Rehob ergänzt. Ausweislich dieser Vergemeinschaftung könnte Bet-Rehob ebenso in der Nähe der ostjordanischen Reiche Ammon, Moab und Edom liegen. Eine derartige südliche Lokalisierung ist aber ebenfalls nicht sicher.

Somit sind die Erwähnungen von (Bet-)Rehob in Ri 18,28, 2Sam 10,6.8 und 1Sam 14,47-LXXL als literarische Topographie zu bewerten, die nicht historisch missverstanden werden darf. Denn der Hauptort des Aramäerreiches von Bet-Rehob lag sicher nicht in der Jesreel-Ebene oder im Ostjordanland. Vielmehr muss man die beiden Aramäerstaaten von Bet-Rehob und Zoba nördlich von Israel / Juda in der Beqā‘ verorten. Dementsprechend wird Bet-Rehob meist als Toponym für den Hauptort eines Aramäerstaates verstanden, der südlich von Zoba liege (Younger 2016). Gelegentlich werden beide Reiche sogar miteinander identifiziert, wobei Bet-Rehob das Eponym Rehob („weit / ehrgeizig“) der herrschenden aramäischen Dynastie enthalte und folglich mitunter als das „Haus Rehob“ gedeutet werden könne (Lipiński 2000). Eine derartige dynastische Vorstellung könnte sich als mār Ru-ḫu-bi „Sohn Rehobs“ auch auf der sogenannten Kurkh-Stele von Salmanassar III. (II:95) finden, auch wenn hier die Lesart als Ortsname Bīt Ruḫubi ebenfalls nicht ausgeschlossen ist (Bagg 2007). Hier kommt man über Vermutungen nicht mehr hinaus.

Aus alledem folgt, dass in der Bibel ein oder zwei Orte namens Rehob in Ascher belegt sind. Darüber hinaus könnte vielleicht ein bei Bet-Schean gelegener Ort Rehob im Alten Testament erwähnt sein. Der aramäische Ort Bet-Rehob wird zwar in der Bibel erwähnt, aber aufgrund des narrativen Kontextes viel zu weit im Süden verortet.

3. Außerbiblische Belege

Der Ort Rehob ist des Öfteren in ägyptischen Texten belegt, wobei aber vermutlich drei verschiedene Orte mit Namen Rehob gemeint sind (anders Görg 1974): ein südliches und ein nördliches Rehob im Stammesgebiet von Ascher und ein weiterer Ort Rehob in der Ebene von Bet-Schean (Aḥituv 1984).

a) Südliches Rehob in Ascher: Dieser Ort wird vermutlich schon in den → Ächtungstexten [e 11-12; f 8; E 14] sowie in topographischen Listen von Amenhotep III. [Soleb 3] und → Ramses II. [‘Amara West 77,104] genannt.

b) Nördliches Rehob in Ascher: Ein nördlicher Ort Rehob ist vermutlich in der topographischen Liste von Thutmosis III. [Karnak 87] and Amenhotep II. [Luxor B18] belegt.

c) Rehob bei Bet-Schean: In ägyptischen Quellen wird schließlich meist ein Ort Rehob bei → Bet-Schean genannt: im Papyrus Anastasi [IV 17:3], im Papyrus Turin [II 10] sowie in der → Scheschonq-Liste [Nr.17]. Rehob bei Bet-Schean wird auch in einem Brief aus → Taanach erwähnt. Außerdem bemerkt Sethos I. auf einer in Skythopolis / Bēsān (Koordinaten: 1975.2117; N 32° 30' 09'', E 35° 30' 07'') gefundenen Stele, dass dieser Ort zwar von antiägyptischen Rebellen aus Hamat und Pella belagert, aber schließlich von ihm unterstützt wurde. Der in der → Amarnakorrespondenz genannte Herrscher Ba‘lu-UR.SAG könnte petrographischen Analysen der Amarnatafeln zufolge der Herrscher von Rehob bei Bet-Schean sein (Goren u.a. 2002).

In den Texten aus → Ugarit ist zudem ein Toponym Rḥbn belegt, das den Fluss Nahr el-Kabīr und das dazugehörige Tal bezeichnet (Astour 1995). Eine Verbindung mit den biblischen Orten mit Namen Rehob ist freilich nicht möglich.

Eusebius verweist in seinem Onomastikon zweimal auf einen Ort Rehob, der in unterschiedlichen Regionen lokalisiert wird. Zum einen erwähnt er ein Dorf Roob, das 4 Meilen von Skythopolis / Bēsān entfernt sein soll (Euseb, Onomastikon 142:18-20; Eusebs Onomastikon). Dieser Ort sei nicht nur der nördlichste Ort der Kundschafter gewesen, sondern auch eine Levitenstadt, die nach Jos 21,30 von Ascher für die Leviten bereitgestellt werden solle. Dabei unterläuft ihm aber ein geographischer Fehler, da der Ort Rehob bei Bet-Schean nicht im Stammesgebiet von Ascher liegen kann. Zum anderen nennt er eine weitere Levitenstadt Rehob, die er möglicherweise dem Stamm Ascher zuweist (Euseb, Onomastikon 144:22), auch wenn diese Angabe aus der lateinischen Übersetzung zurück ins Griechische übertragen wurde (Timm 2017).

Der außerbiblische Befund belegt also mindestens zwei Orte mit dem Namen Rehob, und zwar bei Bet-Schean und im Stammesgebiet von Ascher. Orte namens Rehob, die im Ostjordanland bzw. im Ḥūle-Tal liegen, lassen sich außerbiblisch nicht nachweisen.

4. Lokalisierung

4.1. Südliches Rehob in Ascher

Für den südlichen Ort Rehob im Stammesgebiet von Ascher (Jos 19,30; Ri 1,31; vielleicht auch Jos 21,31; 1Chr 6,60) wurden vor allem zwei Ruinenhügel vorgeschlagen:

a) Chirbet Da‘ūk (Koordinaten: 1616.2530; N 32° 52' 18'', E 35° 07' 18'')

Manchmal wird Rehob auf Chirbet Da‘ūk gesucht (Kallai 1986), etwa 100 m südlich der ‘Ēn Da‘ūk, wodurch die Wasserversorgung sichergestellt werden konnte. Chirbet Da‘ūk war von der Mittelbronzezeit bis in die Spätbronzezeit und dann wiederum von der Eisenzeit IIB bis in die römische und arabische Zeit besiedelt. Vor allem persische und hellenistische Keramik ist auf Chirbet Da‘ūk stark vertreten. Die Besiedlung von Chirbet Da‘ūk schwankte zwischen 1 und 4,5 ha (Lehmann / Peilstöcker 2012). Auf dem kleinen Ruinenhügel befinden sich darüber hinaus kreuzfahrerzeitliche Befestigungsanlagen und Gewölbe. In der Kreuzfahrerzeit gehörte der Ort zu den Templern und führte den Namen Doc, Doke bzw. Dochum. Literarisch sind aus dieser Zeit Wassermühlen belegt, die indes nicht mehr vorhanden sind (Lehmann / Peilstöcker 2012).

b) Tell Bīr el-Ġarbī (Koordinaten: 1662.2563; N 32° 54' 06'', E 35° 10' 10'')

Aus: Lehmann / Peilstöcker 2012, Fig. 48, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 2 Plan von Tell Bīr el-Ġarbī.

Dieser Ruinenhügel ist strategisch überaus bedeutsam. Tell Bīr el-Ġarbī liegt im flachen Tal und verfügt über einen Zugang zum Meer. Außerdem befindet sich im Osten das Gebirge mit zwei wichtigen Handelsrouten (Peterson 1980). Die dazugehörige Quelle Bīr el-Ġarbī, die den Ort mit Wasser versorgen konnte, befindet sich etwa 220 m westlich des Ruinenhügels. In den Jahren 1957 bis 1980 fanden mehrere Surveys und Rettungsgrabungen auf dem etwa fast 7 ha großen Tell Bīr el-Ġarbī (Tel Bira) unter der Leitung von S. Yeivin und M. Prausnitz statt.

Der Siedlungsbefund von Tell Bīr el-Ġarbī beginnt bereits in der Frühbronzezeit und reicht über die Mittelbronzezeit, Spätbronzezeit und Eisenzeit I/II bis in die persisch-hellenistische Zeit (Peterson 1980; Lehmann / Peilstöcker 2012), worauf auch eine Münze von Antiochos III. hinweist, die im benachbarten → Akko geprägt wurde (Zidan 2014). Auf Tell Bīr el-Ġarbī hat man zudem Reste einer äußeren Umfassungsmauer mit Glacis freigelegt. Am nordwestlichen Fuß des Ruinenhügels fand man Hausarchitektur und Grabanlagen aus dem Übergang von der Früh- zur Mittelbronzezeit. Aus der Mittelbronzezeit I entdeckte man in der Unterstadt in den Felsen gehauene Gruben und Vertiefungen, die für wirtschaftliche Zwecke oder Gebäude benutzt werden konnten. Über dieses Stratum wurde in der späten Mittelbronzezeit IIA wiederum gesiedelt. Außerdem besaß Tell Bīr el-Ġarbī vermutlich einen gewerblich genutzten Stadtteil. In der Spätbronzezeit ging die Siedlungsfläche von 10 auf 3 ha zurück und wuchs in der Eisenzeit I wieder auf 4 ha an (Lehmann / Peilstöcker 2012). Zu Beginn der Eisenzeit entstand eine Stadt mit einem völlig anderen Stadtplan, der auch die Quelle Bīr el-Ġarbī einschloss (Prausnitz 1980). In der Eisenzeit II erreichte der Ort mit 8 ha annähernd die Größe der mittelbronzezeitlichen Siedlung. Aus dieser Zeit und der persisch-hellenistischen Periode fand man Reste der Befestigungsanlagen. Erst während der hellenistischen Zeit gab man Tell Bīr el-Ġarbī auf. Bemerkenswert sind die bronze-, eisen- sowie perserzeitlichen Grabanlagen mit zahlreichen Funden (Prausnitz 1962; Ben Yosef 1970; Stern 1996; Yitah 1999).

Meist wird das südliche ascheritische Rehob auf Tell Bīr el-Ġarbī vermutet. Fraglich ist, ob es eine etymologische Verbindung vom modernen Toponym Tell Bīr el-Ġarbī zum biblischen Ortsnamen gibt (so Frankel 1998), zumal der arabische Name „Ruinenhügel der westlichen Quelle“ bedeutet und sich daher innerarabisch ableiten lässt.

Bisweilen werden auch noch andere Ruinenhügel für den südlichen Ort Rehob vorgeschlagen, die im Süden von → Afek liegen und in der Bronze- und Eisenzeit besiedelt waren (Lemaire 1991).

4.2. Nördliches Rehob in Ascher

Für den nördlichen Ort Rehob in Ascher (Jos 19,28) sind die unterschiedlichsten Lokalisierungen, die allesamt in der Nähe von Iqrit (Koordinaten: 1760.2756; N 33° 04' 32'', E 35° 16' 31'') liegen, vorgeschlagen worden, auch wenn bisweilen die biblische Notiz als Dublette beurteilt wird (Lemaire 1991) und daher nicht über jeden Zweifel erhaben ist:

a) Chirbet Balāṭ (Koordinaten: 1776.2800; N 33° 06' 53'', E 35° 17' 26'')

Der Ort Chirbet Balāṭ liegt etwa 5 km nördlich von Iqrit (1760.2756) im Libanon. Über den archäologischen Befund von Chirbet Balāṭ ist allerdings nichts bekannt. Vermutlich ist der Ort in der hellenistisch-römischen Zeit besiedelt worden (Lehmann 2002). Nur die Überreste eines Tempels wurden entdeckt, über deren Datierung jedoch nichts verlautet (Lipiński 1991).

b) Chirbet el-Amarije (Koordinaten: 1633.2744; N 33° 04' 00'', E 35° 08' 19'')

Die Chirbet el-Amarije befindet sich ungefähr 13 km westlich von Iqrit. Der archäologische Befund von Chirbet el-Amarije weist vor allem in die Eisenzeit II, in die persische bis byzantinische Zeit, in die früharabische Zeit sowie in die Kreuzfahrer- und Mamelukenzeit (Frankel / Getzov 1997). Dementsprechend kann hier nicht der spätbronzezeitliche Ort Rehob der Thutmosis-Liste gesucht werden. Auf Chirbet el-Amarije fand man Mauerreste aus der persischen Zeit und eine antike Grabanlage (Frankel / Getzov 1997). Darüber hinaus entdeckte man einen byzantinischen Mosaikboden, der in einfachem geometrischen Muster verlegt war. Auf dem Ruinenhügel von Chirbet el-Amarije stand zudem die Kreuzfahrersiedlung Quafrenebit bzw. Kapharneby, die zum Lehen von Casai Imbert gehörte.

c) Tell er-Raḥīb (Koordinaten: 1807.2762; N 33° 04' 56'', E 35° 19' 28'')

Aufgrund der Namensähnlichkeit wird der biblische Ort Rehob gelegentlich auf dem Tell er-Raḥīb gesucht. Dort stand eine rechteckige Festung, die vermutlich aus dem Mittelalter stammt. Darüber hinaus fand man eine Olivenölpresse, in den Felsen geschlagene Zisternen und eine Höhle, die vermutlich als Lagerraum genutzt wurde (Gaß 2005).

d) Tell Abū Babēn (Koordinaten: 1813.2754; N 33° 04' 26'', E 35° 19' 58'')

Über den archäologischen Befund von Tell Abū Babēn ist wenig bekannt. Zumindest der Oberflächenbefund des etwa 1 ha großen, vermutlich mit Mauern befestigten Ruinenhügels Tell Abū Babēn weist in die Eisenzeit I und II (Frankel 2001).

Der nördliche Ort Rehob in Ascher könnte aufgrund des eisenzeitlichen Befundes auf Tell Abū Babēn vermutet werden. Erst in späterer Zeit wechselte dieses Toponym zu dem etwa 1 km nordwestlich gelegenen Tell er-Raḥīb, der den alten Namen noch bewahrt haben könnte. Allerdings kann dieser Ort nicht mit dem spätbronzezeitlichen Rehob der Thutmosis-Liste gleichgesetzt werden. Hinzu kommt, dass es überhaupt nicht sicher ist, ob es einen nördlichen Ort Rehob in Ascher jemals gab.

4.3. Rehob bei Bet-Schean

© public domain; Foto: Klaus Koenen, 2001

Abb. 3 Tell eṣ-Ṣārem / Rehob von Westen.

Mit guten Gründen wird der Ort Rehob bei Bet-Schean mit Tell eṣ-Ṣārem (Koordinaten: 1970.2070; N 32° 27' 27'', E 35° 29' 52'') identifiziert (Abb. 3). Der Tell eṣ-Ṣārem entspricht nämlich ziemlich genau den Angaben des → Eusebius, sodass auf diesem Tell das byzantinische Dorf Roob lokalisiert werden kann. Außerdem befindet sich in der Nähe von Tell eṣ-Ṣārem das Grabmal von Šēḫ er-Rihāb (Koordinaten: 1970.2062; N 32° 26' 60'', E 35° 29' 50''), das noch den alten Namen erhalten hat. Auch die Angaben der Thutmosis-Liste, des Papyrus Anastasi I und der Liste des Sethos I. lassen sich bestens mit Tell eṣ-Ṣārem vereinbaren.

Aus: Mazar 2015, 47, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 4 Ausgrabungsareale von Tell eṣ-Ṣārem.

Der Ruinenhügel von Tell eṣ-Ṣārem lässt sich in eine nach Norden hin langgestreckte Unterstadt und eine kleinere Oberstadt unterteilen. Eine Quelle an der nordöstlichen Ecke des Siedlungshügels konnte die Wasserversorgung sicherstellen. Ausgrabungen auf dem Tell eṣ-Ṣārem in den Jahren 1997 bis 2011 unter A. Mazar und N. Panitz-Cohen belegen, dass dieser Ort vor allem in der Spätbronzezeit und in der Eisenzeit I/II von Bedeutung war. Aus der Frühbronzezeit II/III stammt in der Oberstadt in Areal H eine mächtige, 9,5 m starke Befestigungsmauer mit vorgelagertem, 13 m breitem Glacis (Mazar 2013). Danach ist ein längerer Siedlungshiat auszumachen. Erst wieder in der Spätbronzezeit und Eisenzeit I befanden sich hintereinander mehrere Siedlungen auf Tell eṣ-Ṣārem. Bereits aus dem 14. Jh. v. Chr. stammt ein massives Gebäude in Areal D mit 1 m starken Außenmauern, das im Nachfolgestratum mit einem anderen Plan wiederaufgebaut wurde. Danach hat man dieses Gebäude aufgegeben und durch einen offenen Platz für Kupferschmelzarbeiten ersetzt. Da man auch in der Oberstadt spätbronzezeitliche Besiedlung nachweisen kann, darf man davon ausgehen, dass die vermutlich unbefestigte spätbronzezeitliche Stadt den ganzen Hügel einnahm.

In der Eisenzeit IA siedelten im 12. Jh. v. Chr. ausweislich des archäologischen Befundes vermutlich nicht nur Kanaanäer, sondern auch Seevölker (Mazar 2013). In der Eisenzeit IB war dieser Ort offenbar eine autonome kanaanäische Stadt, die nicht mehr von den Ägyptern wie zuvor in der Spätbronzezeit dominiert wurde.

In der Eisenzeit IIA, die in drei Strata zu differenzieren ist (Stratum VI-IV), wurde Tell eṣ-Ṣārem auf 10 ha über den gesamten Hügel dicht besiedelt, wobei vermutlich eine Befestigungsmauer fehlte. In dieser Zeit lebte in Tell eṣ-Ṣārem eine Oberschicht, die sich eine exklusive Ernährung leisten konnte (Marom u.a. 2009). Vermutlich hat dieser Ort außerdem weitreichende Handelsbeziehungen mit den phönizischen Küstenstädten unterhalten, worauf griechische Keramik hinweist. Aus der Eisenzeit IIA stammen zudem mehrere Inschriften auf Vorratskrügen (Mazar 2003). Nahezu alle Mauern waren in der Eisenzeit IIA aus Lehmziegeln gefertigt, die ohne Steinfundament gesetzt wurden, was diesen Ort von anderen Ausgrabungsstätten Israels unterscheidet. Hinzu kommt, dass Drei- und Vierraumhäuser fehlen. Dementsprechend handelte es sich um eine immer kanaanäisch geprägte Stadt. Stratum VI wurde gegen Ende des 10. Jh.s v. Chr. möglicherweise durch ein Erdbeben zerstört. Eine Zerstörung durch Pharao → Scheschonq, die angesichts der Erwähnung von Rehob in der Scheschonq-Liste immer wieder erwogen wird, lässt sich hingegen nicht nachweisen. In den beiden folgenden Siedlungsschichten (Stratum V und IV) errichtete man einige Gebäude, deren Lehmziegelmauern auf Holz aufruhten, vielleicht um einen besseren Schutz vor Erdbeben zu bieten.

Aus: Mazar / Panitz-Cohen 2007, 209, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 5 Imkerei in Areal C von Tell eṣ-Ṣārem.

In der zweiten Hälfte des 10. bis in den Anfang des 9. Jh.s v. Chr. und damit noch vor den Omriden (→ Omri; → Ahab) wurde eine Imkerei mit anatolischen Bienen in Areal C unterhalten (Abb. 5). Bei dieser Imkerei wurden 80 cm lange Tonzylinder mit 44 cm Durchmesser auf ein von Nord nach Süd verlegtes Holzbrett gelegt, wobei das östliche Ende offen, das westliche Ende mit einem Tondeckel verschlossen wurde. Vermutlich hatte die Imkerei noch ein zweites Stockwerk (Mazar u.a. 2008). 100 bis 200 Bienenkörbe waren in drei Reihen hintereinandergestellt, was darauf hinweist, dass hier industriell Bienenwachs produziert werden sollte. Diese Unternehmung muss auf eine zentrale politische Kraft zurückgehen, die die Kenntnisse für eine derart spezialisierte Wirtschaftsform besaß und über die Macht verfügte, mitten in der Stadt eine Imkerei zu installieren. Darüber hinaus wurden Lagerkrüge mit der Aufschrift lnmš gefunden, die vielleicht auf die in der Bibel erwähnte Familie Nimschi (1Kön 19,16; 2Kön 9,2.14.20; 2Chr 22,7) zurückgeführt werden könnte. Möglicherweise hat diese mächtige Familie die Imkerei betrieben. In unmittelbarer Nähe der Imkerei wurde neben anderen Kultobjekten ein tönerner Vierhörneraltar gefunden, auf dem vielleicht Honig verbrannt wurde. Auf derartige Praktiken könnte zudem das entsprechende Verbot in Lev 2,11 hinweisen (Mazar / Panitz-Cohen 2007). Vermutlich wollte man kultisch die Produktion der Imkerei durch Honigopfer unterstützen.

Aus: Mazar 2015, 58, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 6 Freiluft-Heiligtum (bāmāh) in Areal E von Tell eṣ-Ṣārem.

In der Unterstadt fand man in Areal E ein quadratisches Freiluft-Heiligtum (bāmāh; → Kulthöhe) aus Lehmziegel mit einem Steinpodium, Masseben und einem vorgelagerten Opfertisch (Abb. 6). Diese Kultanlage wurde vermutlich in Stratum V und IV verwendet. Sie stand in der Ecke eines etwa 13 x 15 m großen Hofes mit Bänken, Öfen und weiteren Installationen zur Zubereitung von Mahlzeiten, die bei kultischen Festen eingenommen wurden (Mazar / Camp 2000; Mazar 2015). Die Kultanlage befand sich an der nordöstlichen Ecke eines Gebäudes, das aus einer Haupthalle mit zwei flankierenden Räumen bestand. In diesem Gebäude könnten Gemeinschaftsmähler und andere kultische Aktivitäten abgehalten worden sein. Das Freiluft-Heiligtum von Tell eṣ-Ṣārem diente vermutlich nur einer kleinen Gemeinschaft als kultische Anlage. Die Masseben könnten einen Ahnenkult andeuten (Mazar 2015).

Aus: Mazar / Panitz-Cohen 2008, 47, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 7 Haus CF aus Stratum IV von Tell eṣ-Ṣārem.

In Haus CF aus dem 9. Jh. v. Chr. (Stratum IV) wurden Fragmente eines weiteren Altars und ein bemerkenswerter Hausschrein gefunden (Abb. 7). Die vier westlichen Nebenräume in Haus CF weisen Bänke an den Wänden auf (Mazar / Panitz-Cohen 2008). Die vielen in Tell eṣ-Ṣārem gefundenen Altäre und Hausschreine wurden wohl im privaten Kult verwendet, um das eigene Wohlergehen und den wirtschaftlichen Erfolg sicherzustellen (Mazar / Panitz-Cohen 2008).

Aus: Mazar 2015, 54, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 8 Haus CP aus Stratum IV von Tell eṣ-Ṣārem.

Südlich von Haus CF befindet sich das 9 x 12 m große Haus CP. Dieses Gebäude besteht aus acht Räumen, die in zwei Flügeln angeordnet sind (Abb. 8). Über eine eigene Eingangskammer erreicht man jeweils zwei rechteckige Haupträume mit Bänken. Dahinter befinden sich drei weitere Räume. Im nordwestlichen Raum des Hauses CP fand man ein Ostrakon mit dem Namen Elisa. Vielleicht hat der Prophet → Elisa zeitweise in Tell eṣ-Ṣārem gewirkt (Mazar 2015). Tell eṣ-Ṣārem wurde in der Mitte des 9. Jh.s v. Chr. zerstört. Dies könnte in Zusammenhang mit dem Untergang der Omriden erfolgt sein (Coldstream / Mazar 2003). Danach gab man die Unterstadt auf.

Der Ort Tell eṣ-Ṣārem, der sich danach auf 5 ha Oberstadt beschränkte (Stratum III), wurde ab dieser Zeit mit einer Kasemattenmauer aus Lehmziegeln und einem verstärkenden Turm umgeben. Kurz vor der Zerstörung durch die Assyrer errichtete man um die Oberstadt zudem eine stärkere, 9,5 m breite Verteidigungsmauer aus Lehmziegeln mit Vorsprüngen (Offset-Inset). Die schlechte Qualität der Lehmziegel verweist auf die schnelle Durchführung der Arbeiten und die unmittelbare Bedrohung durch die → Assyrer. Um 732 v. Chr. wurde Tell eṣ-Ṣārem von den Assyrern erobert, worauf ausgeprägte Zerstörungsspuren und Anzeichen für Kämpfe in den Häusern hindeuten.

Nach dieser Zerstörung siedelte man nur noch kurze Zeit auf Tell eṣ-Ṣārem. Möglicherweise befand sich ein kleiner assyrischer administrativer Komplex auf der Hügelspitze von Tell eṣ-Ṣārem (Stratum II), worauf der Befund in den Gräbern hinweisen könnte (Mazar / Aḥituv 2011).

Aus: Vitto 2015, 4, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 9 Plan der Synagoge von Tell eṣ-Ṣārem.

In römisch-byzantinischer Zeit ist der Ort an den Fuß des Tell gewandert. Ungefähr 800 m nordwestlich von Tell eṣ-Ṣārem fand man eine Synagoge in Form einer Basilika aus dem 4. Jh. n. Chr. (Abb. 9), die sich in drei Bauphasen gliedern lässt und eine halachische Inschrift im Mosaikboden aufweist. Erst nach einer längeren Siedlungslücke befand sich vom 8.-12. Jh. n. Chr. ein kleines Dorf auf der Hügelspitze (Stratum I).

4.4. Aramäisches Bet-Rehob im Ostjordanland?

Mit Dank an © Seminar für Altes Testament und Biblische Archäologie, Universität Mainz

Abb. 10 Bet-Rehob und andere aramäische Kleinstaaten in der nördlichen Levante.

Wenn man Bet-Rehob tatsächlich im Ostjordanland sucht, dann bietet sich aufgrund der Namensähnlichkeit der Ort Riḥāb (Koordinaten: 2532.1927; N 32° 19' 30'', E 36° 05' 36'') an. Das dort ansässige Aramäerreich wäre dann der nördliche Nachbar der Ammoniter gewesen. Insofern verwundert es nicht, dass in 2Sam 10,8 Bet-Rehob als erste der Aramäerherrschaften genannt wird, die von den Ammonitern zu Hilfe gerufen werden.

Der Ort Riḥāb liegt auf einer breiten Hügelzunge im erhöhten, zentralen Bereich des nordwestjordanischen Steppengebietes. Auf Riḥāb entdeckte man Scherben der Spätbronzezeit und der Eisenzeit I/II. Außerdem fand man bei Ausgrabungen in den Jahren 1936-42, 1958 sowie 1970 und 1979 spätbronzezeitliche und eisenzeitliche Siedlungsreste (Piccirillo 1989). Die entdeckten Mauerreste auf Riḥāb scheinen allerdings erst in die byzantinische und arabische Zeit zu weisen. Darüber hinaus fand man noch Häuser mit Mosaikfußböden und mehrere byzantinische Kirchen (Piccirillo 1980). Trotz des zutreffenden Siedlungsbefundes und der Bewahrung des Namens im modernen Toponym ist Bet-Rehob vermutlich nicht auf Riḥāb zu suchen, da diese Ortslage zu abseitig am Rande der Steppe liegt (Mittmann 1970). Außerdem scheint es, dass dieser Ort lediglich ein saisonal genutztes Dorf war, das vielleicht nur als Rastplatz oder Aussichtspunkt diente. In der Eisenzeit II wurde dieses Dorf zusätzlich mit Türmen gesichert, was mitunter zu einer Aufwertung führte (Heyneck 2012).

Insofern könnte man stattdessen an Tell el-Mu‘allaqa (Koordinaten: 2371.2235; N 32° 36' 17'', E 35° 55' 30'') denken. Der rechteckige Tell el-Mu‘allaqa mit abgerundeten Ecken und einem 60 x 60 m großen Scheitelplateau befindet sich an der Westböschung des Wādī er-Raḥūb. Der archäologische Befund weist bereits in die Frühbronzezeit II. Nach einer Siedlungslücke wurde auf Tell el-Mu‘allaqa erst wieder in der Mittelbronzezeit II gesiedelt. Möglicherweise wurde der Hügel danach wieder verlassen, bis in der ausgehenden Spätbronzezeit II die Siedlungstätigkeit wieder aufgenommen und ununterbrochen bis in die persische Zeit fortgeführt wurde, wobei ab dem 8. Jh. v. Chr. die Besiedlung nachließ. Erst in der Eisenzeit war Tell el-Mu‘allaqa durch eine 10 m breite Kasemattenmauer und eine zusätzliche Innenmauer befestigt. Nach der persischen Zeit, die vielleicht nur durch Silos und ähnliche Installationen geprägt war, tritt erneut eine Siedlungslücke ein, bis dann in spätbyzantinischer Zeit vor allem der Hang unterhalb des Tell bewohnt wurde (Mittmann 1970; Kamlah 2000). Möglicherweise war dieser Ort landwirtschaftlich ausgerichtet und übte eine Kontrollfunktion über das direkte Umland aus (Heyneck 2012). Für eine Identifizierung mit Bet-Rehob ist Tell el-Mu‘allaqa vermutlich viel zu unbedeutend, zumal man bei Bet-Rehob eher an ein größeres regionales Zentrum denken muss (Heyneck 2012).

Nicht weit entfernt von Tell el-Mu‘allaqa findet sich auf einem Spornplateau die ungefähr 170 x 90 m große Chirbet er-Raḥūb (Koordinaten: 2375.2241; N 32° 36' 34'', E 35° 55' 47''), wo sich der alte Name bewahrt haben könnte. Dieser Ort wird von einer 4-6 m dicken Mauer umgeben, die aus rohen, unbehauenen Basaltblöcken besteht. Da auf dem Ruinenhügel kaum Scherben gefunden wurden, ist eine adäquate Datierung von Chirbet er-Raḥūb allerdings schwierig. Im engsten Umkreis dieser Anlage weist der Oberflächenbefund in die Frühbronzezeit, als die Anlage von Chirbet er-Raḥūb als Refugium der umliegenden Siedler diente. Während des Übergangs von der Früh- zur Mittelbronzezeit war Chirbet er-Raḥūb ein Lagerplatz mit Begräbnisstätte. Mit der Mittelbronzezeit, in der sich auf Chirbet er-Raḥūb vielleicht eine offene Siedlung befand, riss die Besiedlung ab und wurde erst in byzantinischer Zeit wieder aufgenommen (Mittmann 1970; Kamlah 2000). Aufgrund des fehlenden Siedlungsbefundes kann sich Bet-Rehob auf Chirbet er-Raḥūb ebenfalls nicht befunden haben.

Bei dem Zentralort des Aramäerreiches von Bet-Rehob muss man wahrscheinlich an ein regionales Zentrum denken, das weiter nördlich im syrisch-phönizischen Bereich liegt. Vermutlich ist daher Bet-Rehob mit Tell er-Raḥīb (LG 1650.1939) in der Beqā‘-Ebene gleichzusetzen (Lipiński 2000). Die Ruine liegt auf einem natürlichen konischen Hügel von 150 m Durchmesser. Ungefähr 150 m südlich des Tells entspringt die ‘Ēn el-Matn, die die Wasserversorgung des Ortes sicherstellen konnte. Der dortige Oberflächenbefund weist in die Früh- und Mittelbronzezeit, in die Eisenzeit, sowie in die römische bis byzantinische Periode. (Marfoe 1995).

Aus alledem folgt: Nur Rehob bei Bet-Schean ist mit dem Tell eṣ-Ṣārem archäologisch und toponomastisch gut begründet. Das südliche Rehob in Ascher wird mit guten Gründen auf Tell Bīr el-Ġarbī vermutet. Hierfür sprechen der archäologische Befund und die verkehrsgeographisch und strategisch günstige Lage. Demgegenüber werden ein nördliches Rehob in Ascher und ein (Bet-)Rehob im Ostjordanland vom literarischen Befund nicht zwangsläufig gefordert, sodass es eigentlich müßig ist, diese Orte mit modernen Ruinenhügeln zu identifizieren. Das Aramäerreich von Bet-Rehob lag zudem sicherlich nicht im Ostjordanland oder der Jesreelebene, sondern in der südlichen Beqā‘-Ebene.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Rehob im südlichen Gebiet von Ascher und Rehob bei Bet-Schean. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Plan von Tell Bīr el-Ġarbī. Aus: Lehmann / Peilstöcker 2012, Fig. 48, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 3 Tell eṣ-Ṣārem / Rehob von Westen. © public domain; Foto: Klaus Koenen, 2001
  • Abb. 4 Ausgrabungsareale von Tell eṣ-Ṣārem. Aus: Mazar 2015, 47, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 5 Imkerei in Areal C von Tell eṣ-Ṣārem. Aus: Mazar / Panitz-Cohen 2007, 209, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 6 Freiluft-Heiligtum (bāmāh) in Areal E von Tell eṣ-Ṣārem. Aus: Mazar 2015, 58, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 7 Haus CF aus Stratum IV von Tell eṣ-Ṣārem. Aus: Mazar / Panitz-Cohen 2008, 47, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 8 Haus CP aus Stratum IV von Tell eṣ-Ṣārem. Aus: Mazar 2015, 54, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 9 Plan der Synagoge von Tell eṣ-Ṣārem. Aus: Vitto 2015, 4, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 10 Bet-Rehob und andere aramäische Kleinstaaten in der nördlichen Levante. Mit Dank an © Seminar für Altes Testament und Biblische Archäologie, Universität Mainz

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