Pfanne

(erstellt: Febr. 2020)

Mehrere hebräische Begriffe werden zuweilen mit „Pfanne“ übersetzt, obwohl sie zum Teil ganz andere Gegenstände meinen, nämlich eine Backplatte bzw. eine Feuerschale oder Feuerschaufel.

1. Backplatte

Der Begriff מַחֲבַת maḥǎvat bezeichnet wohl eine Backplatte. Bei ihr handelt es sich um eine runde konvexe Schale, die im antiken Israel meist aus Ton, nur selten aus teurem Metall gefertigt und mit der Wölbung nach oben über einem Feuer auf Steine gelegt wurde (vgl. Kelso, 23; Kellermann, 30). Dafür, dass der hebräische Begriff eine Platte meint, spricht die bei ihm verwendete Präposition: Gebacken wird nämlich nicht „in“, sondern „auf“ ihr. Zudem eignet sich in einer Zeichenhandlung → Ezechiels eine Platte für die Darstellung einer Stadtmauer besser als eine Pfanne mit ihren Rändern (Ez 4,3). In dieser Erzählung setzt die Materialangabe „aus Eisen“ voraus, dass die Platte nicht selbstverständlich aus Eisen bestand.

Aus: R.S. Lamon / G.M. Shipton, Megiddo I. Seasons of 1925-34, Strata I-V (OIP 42), Chicago 1939, Pl. 28,104

Abb. 1 Backplatte aus Ton (Megiddo; Eisenzeit).

Im Kult konnten auf einer Backplatte bestimmte Speiseopfer aus Mehl und Öl gebacken werden (Lev 2,5; Lev 6,14; Lev 7,9; 1Chr 23,29). Da die Platte keinen Rand hat, konnte der Teig auf ihr nicht in Öl gebacken werden. Somit dürften die Backwaren, deren Bezeichnung חֲבִתִּים ḥǎvittîm (nur 1Chr 9,31) von derselben Wurzel wie מַחֲבַת maḥǎvat „Backplatte“ stammt, hart und vermutlich nur dünn gewesen sein. Deswegen sollten sie nach Lev 2,6 in Stücke gebrochen und mit Öl übergossen werden (vgl. Dalman, 66).

2. Pfanne

2.1. Der nur zwei Mal belegte Begriff מַרְחֶשֶׁת marḥæšæt bezeichnet wohl einen ähnlichen Gegenstand wie eine Backplatte (Lev 2,7; Lev 7,9). Auch mit ihm konnten Speiseopfer zubereitet werden und in Lev 7,9 steht der Begriff neben מַחֲבַת maḥǎvat „Backplatte“. Im Unterschied zu dieser dürfte der Gegenstand jedoch einen Rand gehabt haben, da nicht „auf“, sondern „in“ ihm gebacken wird (Lev 7,9). Insofern könnte eine Art Pfanne gemeint sein, in der man den Teig in Öl gebacken hat. Dieses Gebäck dürfte deswegen relativ weich gewesen sein (vgl. Dalman, 66).

2.2. In der Tamar-Erzählung (2Sam 13,1-22) gibt Davids Sohn → Amnon vor, krank zu sein, und bittet seine Schwester → Tamar deswegen, ihm etwas zu kochen. Dabei zielt sein Vorgehen darauf, mit ihr allein zu sein und sie zu vergewaltigen (→ Gewalt). Tamar kocht ihm etwas, vermutlich in einer Art Pfanne (2Sam 13,9). Die Bedeutung des verwendeten hebräischen Begriffs מַשְׂרֵת maśret ist allerdings nicht sicher, da er nur hier belegt ist. Für die Wiedergabe mit Pfanne lassen sich die Übersetzungen von Septuaginta und Vetus Latina anführen.

Die → Septuaginta übersetzt מַשְׂרֵת maśret mit τήγανον tēganon „Bratpfanne“, doch kann sie diesen Terminus auch zur Wiedergabe von מַחֲבַת maḥǎvat und מַרְחֶשֶׁת marḥæšæt verwenden. Die Vetus Latina gibt den Begriff mit sartago „Bratpfanne“ wieder.

In der Erzählung vom Märtyrertod der sieben Brüder in 2Makk 7,1-42 wird der Sprecher der Brüder gefoltert und schließlich in einer Pfanne (τήγανον tēganon) gebraten (2Makk 7,3.5).

Nach Kelso (24f) bezeichnet sowohl מַרְחֶשֶׁת marḥæšæt als auch מַשְׂרֵת maśret nicht eine Pfanne, sondern einen Kochtopf. Im Fall von מַרְחֶשֶׁת marḥæšæt könnte dafür die Wurzel רחשׁ rḥš „bewegt sein / überwallen“ sprechen, wenn dabei an kochendes Wasser zu denken ist. Die Wurzel kann sich aber auch auf das Aufgehen von Teig (Levine, 11) oder das Brutzeln in Öl beziehen, wie man es eher in einer Pfanne sehen kann.

3. Feuerschale / Feuerschaufel

Das hebräische Wort מַחְתָּה maḥtāh, das von der Wurzel חתה ḥth „(glühende Kohlen) zusammenkratzen“ stammt, wird oft mit „Pfanne“ übersetzt, meint aber eine Feuerschale. Wenn man Feuerschalen auch in heißem Zustand tragen können musste, dürften sie häufig einen langen Griff aus Metall oder Holz gehabt haben, so dass sie eher als „Feuerschaufeln“ (→ Schaufel) zu bezeichnen sind. In dem Gefäß lagen jedenfalls glühende Kohlen oder brannte etwas Olivenöl, um Feuer leicht verfügbar zu haben oder zugänglich zu machen, z.B. zum Altar zu bringen (vgl. Lev 16,12; Num 17,11). Auch bei der Beseitigung heißer Asche konnte das Gerät hilfreich sein. Verwendet wurden Feuerschalen bzw. Feuerschaufeln nicht nur im Kult, sondern vermutlich in allen Haushalten – immerhin setzt Num 16,17 voraus, dass zumindest jeder der → Korachiten über eine eigene verfügte (vgl. Zwickel, 295).

3.1. Im Wüstenheiligtum

In Ex 25,31-40 gibt Gott dem → Mose Anweisungen zum Bau des siebenarmigen → Leuchters, der nach der fiktiven Darstellung der → Priesterschrift zum Wüstenheiligtum gehörte (→ Stiftshütte). Zu diesem Leuchter gehören auch kleine Feuerschaufeln (Ex 25,38; Ex 37,23; Lutherbibel bis 1984: Löschnäpfe; Lutherbibel 2017: Pfannen), die der Heiligkeit des → Feuers entsprechend wie der Leuchter selbst aus → Gold gefertigt werden sollten und dazu dienten, Feuer mit Hilfe glühender Kohlen oder brennenden → Ölivenöls zu dem Leuchter zu bringen und dessen Lichter anzuzünden (vgl. Propp, 404). Solche Feuerschalen gehörten auch zu den Geräten des Brandopferalters, sind dort allerdings aus Bronze (Ex 27,3; Ex 38,3). Wenn der Leuchter und der Altar zum Transport vorbereitet wurden, sollten die dafür verantwortlichen Kehatiten, die zu den → Leviten gehörten, deren Feuerschalen sorgfältig verpacken (Num 4,9.14).

3.2. Im Jerusalemer Tempel

Zum Salomonischen Tempel und seiner Ausstattung gehörten nach 1Kön 7,50 (// 2Chr 4,22) auch Feuerschalen aus Feingold. Diese sind nach 2Kön 25,15 (// Jer 52,19) bei der Plünderung Jerusalems 587 v. Chr. (→ Zerstörung Jerusalems) von den Babyloniern erbeutet worden.

3.3. Für Räucheropfer

In eine Feuerschale konnte man zum Feuer auch → Weihrauch legen, um ein Räucheropfer darzubringen (Lev 10,1; Lev 16,12f; Num 17,11). So machen es z.B. die 250 Männer in der Erzählung vom Ende der → Korachiter (Num 16,6-7.16-18). Sie werden jedoch vom Feuer Jahwes verzehrt (Num 16,35). Aus dem Material ihrer Feuerschalen wird daraufhin ein Überzug für den Altar gemacht (Num 17,1-5).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Nashville / New York 1962 (firepan)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992 (backen)
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977 (backen)
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992 (firepan)
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 4, Gütersloh 1935 (Nachdruck: Hildesheim 1987)
  • Kellermann, M., Art. Backen, in: Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977, 29-30
  • Kelso, J.L., The Ceramic Vocabulary of the Old Testament (BASOR.Supp 5/6), New Haven 1948
  • Levine, B.A., Leviticus (JPS Torah Commentary), Philadelphia u.a. 1989
  • McCarter, P.K., II Samuel. A New Translation with Introduction and Commentary (AB 9), New York 1984
  • Milgrom, J., Numbers (The JPS Torah Commentary), Philadelphia u.a. 1990
  • Milgrom, J., Leviticus 1-16 (AB 3), New York u.a. 1991
  • Willi, T., Chronik. 1. Teilband 1. Chronik 1,1-10,14 (BKAT XXIV,1), Neukirchen-Vluyn 2009
  • Zwickel, W., Räucherkult und Räuchergeräte. Exegetische und archäologische Studien zum Räucheropfer im Alten Testament (OBO 97), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1990

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Backplatte aus Ton (Megiddo; Eisenzeit). Aus: R.S. Lamon / G.M. Shipton, Megiddo I. Seasons of 1925-34, Strata I-V (OIP 42), Chicago 1939, Pl. 28,104

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