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Lexikon

Palme

Peter Riede

(erstellt: März 2018)

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1. Botanisch

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 1 Dattelpalme.

Die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) gehört zu den ältesten in Palästina verbreiteten Obstbäumen. Als Oasenpflanze ist sie in ihrer Wildform im Orient weit verbreitet. Die Kulturform ist in Ägypten und Mesopotamien schon um 5000 v. Chr. belegbar. Im Wüstengürtel am Toten Meer finden sich Oasen mit starken Quellen, z.B. En-Gedi, wo die Palme auch heute bestens gedeiht. In einem arabischen Sprichwort heißt es daher: „Die Palme will ihre Füße im Wasser, ihr Haupt aber im Feuer des Himmels baden.“ Diese Bedingungen aber erfüllen die Wüstenoasen, zumal die Dattelpalme leicht salzhaltiges, brackiges Wasser bestens verträgt. Zwar kommt die Palme auch an der Küste oder im Gebirge vor, doch werden ihre Früchte dort nicht reif (→ Dattel).

Der Stamm der Palme hat keine Zweige, endet aber in einem Büschel von 20 gefiederten Blättern, die etwa 2-3 m lang werden können. Er kann eine Höhe von 10-20 m erreichen. Die Palme gehört zu den zweigeschlechtlichen Pflanzen. Sie blüht im Frühjahr, die Reife der Früchte ist im Sommer. Schon früh wurde sie künstlich befruchtet, wie assyrische Darstellungen zeigen. Vermehrt wird die Palme hauptsächlich durch Teilung (Ableger).

Aus: Wikimedia Commons; © B. Simpson Cairocamels, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 30.3.2018

Abb. 2 Datteln an einer Palme.

Die Pflanze liefert vom 30. bis zum 100. Jahr bis zu 100 kg Früchte pro Jahr. Die in dichten Büscheln hängenden länglich-ovalen Früchte (bis 7 cm) haben ein süßes, fleischiges Inneres mit einem großen Samen. Je nach Reifegrad und Sorte sind sie gelblich, rot oder braun und haben bei Vollreife einen Zuckergehalt von bis zu 50%. Vor allem die stärkehaltigen Dattelsorten waren Grundnahrungsmittel der Wüstenbewohner Nordafrikas und Südwestasiens.

Faktisch konnte man alle Teile der Dattel verwenden: Die Stämme lieferten Bauholz für Dächer und Zäune sowie Brennholz. Aus den Blättern stellte man Matten und Körbe her. Daneben dienten sie auch als Viehfutter. Die Endknospen verarbeitete man als Palmkohl. Die Dattelfrüchte wurden frisch, und getrocknet gegessen und zu Sirup gepresst (Dattelhonig). Aus ihnen gewann man aber auch Palmwein und Palmschnaps (Arak).

2. Altes Testament

2.1. Bezeichnung

Die hebräische Bezeichnung der Dattelpalme ist תָּמָר tāmār. Der Name ist auch als Frauen- (Gen 38,6ff; 2Sam 13,1; 2Sam 14,27) und als Ortsname (2Chr 20,2; Gen 14,7; Ri 20,33; → Palmyra) belegt. Palmen als Dekorelemente innerhalb der Baukunst (die sogenannten Palmetten s.u. 2.5.) haben zur Unterscheidung von der Dattelpalme als Pflanze die hebräische Bezeichnung תִּמֹרָה timorāh.

2.2. Bedeutung

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 3 Ein beliebtes Motiv von Elfenbeinschnitzereien waren Baummotive. Links ist eine stilisierte Palme mit den Rispen am unteren Rand abgebildet, rechts ein weiterer stilisierter Baum (Samaria; 9./8. Jh. v. Chr.).

Biblisch gehört die Palme zu den 7 Früchten des Kulturlandes und ist typisch für Palästina (Joel 1,12), denn der in Dtn 8,8; Ex 3,8 erwähnte → Honig steht für Dattelpalmhonig oder -sirup. Palmen waren besonders verbreitet in → En-Gedi (Sir 24,14 [Lutherbibel: Sir 24,18]) und in → Jericho, das als „Palmenstadt“ berühmt war (Dtn 34,3; Ri 1,16; Ri 3,13; 2Chr 28,15). Auch → Josephus weiß von den dortigen Palmenhainen (Bellum Judaicum IV, 176; Text gr. und lat. Autoren). Die Palme als Oasenpflanze setzen auch Ex 15,27 und Num 33,9 voraus. Andere Regionen mit Palmenvorkommen waren die Küste und das Bergland. Besonders hervorgehoben ist dort die Deborapalme (→ Debora) zwischen → Rama und → Bethel (Ri 4,5), unter der eine Versammlungs- und Gerichtsstätte ihren Ort hatte.

2.3. Verwendung

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 4 Kapitell, das eine stilisierte Palme darstellt (Volutenkapitell; Eisenzeit II).

Begehrt waren die Früchte der Palme (Hhld 7,8). Ihre grünen Wedel wurden gerne beim Laubhüttenfest zum Bau von Hütten verwendet (Lev 23,40; Neh 8,15; 2Makk 10,7).

2.4. Metaphorik

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 5 Stilisierte Palme (Basaltstele aus Tell Halaf, Nordsyrien; Eisenzeit II).

Die Palme ist nicht allein Sinnbild für Eleganz und Grazie, sondern, wie der Ausdruck „Tochter der Wonnen“ unterstreicht, auch durch ihre reichen Früchtegaben begehrt (Hhld 7,7.8). Daher gleicht die Geliebte einer Palme, und ihre Brüste werden mit Datteltrauben gleichgesetzt (Hhld 7,9). Die Palme ist auch Symbol für Vitalität und Leben, so dass auch der Gerechte mit ihr verglichen werden kann (Ps 92,13). Da er sich von JHWHs Gerechtigkeitsvorstellung leiten lässt, wird er → Segen im Überfluss erlangen.

2.5. Bildkunst

Aus: O. Keel / S. Schroer, Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer Religionen, Freiburg / Göttingen 2002, Abb. 30; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 6 Von Capriden flankierte Palme als Symbol von Fruchtbarkeit und Leben (Rollsiegel aus Megiddo; 14. Jh. v. Chr.).

In der Bildsymbolik ist der von zwei Tieren flankierte und von Keruben behütete → Lebensbaum häufig als Dattelpalme stilisiert (vgl. Metzger 1993.1994). Diese Symbolik findet sich auch immer wieder in der Bildkunst. So setzt die Beschreibung des Salomonischen → Tempels Palmenornamente an den Wänden (1Kön 6,29), den Türflügeln des Allerheiligsten und des Langraumes (1Kön 6,32.35) und an den Seiten der Kesselwagen (1Kön 7,36) voraus. Da im Zusammenhang dieser Beschreibungen ebenfalls → Keruben genannt sind, dürfte auch hier die Lebensbaumsymbolik zu finden sein (vgl. ferner Ez 41,18.20.25f). Auf Palmenkapitelle auf den Türpfeilern des Tempels wird dagegen die Überlieferung in Ez 40,16.26.31.34.37 anspielen.

3. Neues Testament

3.1. Bezeichnung

Die griechische Bezeichnung der Palme ist φοῖνιξ phoinix.

3.2. Bedeutung

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 7 Palmen auf judäischen Münzen aus Palästina. Links: Prokuratorenmünze aus dem Jahr 8/9 n. Chr., daneben: eine Münze Domitians aus dem Jahre 92 n. Chr. und eine jüdische Münze aus dem 1. Jahr des Bar-Kochba-Aufstandes (132/3 n. Chr.). Rechts: eine Münze aus der Zeit Vespasians. Die trauernde Frau steht für das eroberte Judäa, wie auch die beigegebene Inschrift IUDAEA CAPTA“ („Judäa ist erobert“) zeigt.

Der in Jerusalem einziehende Jesus wird nach Joh 12,13 jubelnd mit Palmzweigen begrüßt, ein Erzählzug, der sich in der synoptischen Tradition nicht findet. Dort wird einzig von Zweigen berichtet, die vor ihm auf dem Weg ausgebreitet wurden (Mk 11,8 par. Mt 21,8). Im → Johannesevangelium dagegen dürfte es um eine Symbolhandlung gehen. Die Palmzweige fungieren als Ausdruck der Huldigung (vgl. 1Makk 13,37) und als politisches Siegeszeichen, mit dem der messianischen Herrscher begrüßt wird. Im Hintergrund kann auf 1Makk 13,51 angespielt sein (vgl. auch 2Makk 10,7; 2Makk 14,4), wo berichtet wird, dass → Judas Makkabäus Palmzweige während seiner Siegesprozession anlässlich der Wiedereinweihung des Tempels verwendet hat. Palmzweige als Siegessymbol finden sich auch in Apk 7,9.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. I, Gütersloh 1928, 74ff.257ff
  • Darom, D., Die schönsten Pflanzen der Bibel, Herzlia, o.J., 44
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 116-118
  • Löw, I., Die Flora der Juden, Bd. II, Nachdruck Hildesheim 1967, 306ff
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 63-65
  • Keel, O., Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986
  • Metzger, M., Keruben und Palmetten als Dekoration im Jerusalemer Heiligtum und Jahwe, „der Nahrung gibt allem Fleisch“, in: F. Hahn / F.-L. Hossfeld (Hgg.), Zion – Ort der Begegnung (FS L. Klein; BBB 90), Frankfurt / M. 1993, 503-529
  • Metzger, M., Jahwe, der Kerubenthroner, die von Keruben flankierte Palmette und Sphingenthrone aus dem Libanon, in: I. Kottsieper / J. van Oorschot u.a. (Hgg.), „Wer ist wie du, HERR, unter den Göttern?“, Göttingen 1994, 75-90
  • Moldenke, H.N. und A.L., Plants of the Bible, New York 1952
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P. (Hgg.), Das Kleid der Erde, Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart 2002
  • Porter, B.N., Sacred Trees and Date Palms. The Royal Persona of Assurnasirpal II, in: dies., Trees, Kings, and Politics. Studies in Assyrian Iconography (OBO 197), Fribourg / Göttingen 2003, 11-20
  • Riede, P., „Der Gerechte wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon“ (Psalm 92,11). Pflanzenmetaphorik in den Psalmen, in: ders., Schöpfung und Lebenswelt. Studien zur Theologie und zur Anthropologie des Alten Testaments (MThSt 106), Leipzig 2009, 19-42
  • Schroer, S., In Israel gab es Bilder. Nachrichten von darstellender Kunst im Alten Testament (OBO 74), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1987, 50-54
  • Walker, W., All the Plants of the Bible, London 1958
  • Wallert, I., Die Palmen im Alten Ägypten, Berlin 1962
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl, 1986, 60f
  • Zwickel, W., Zur Symbolik der Pflanzen im salomonischen Tempel, in: U. Neumann-Gorsolke / P. Riede (Hgg.), Das Kleid der Erde, Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart 2002, 194-221

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Dattelpalme. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
  • Abb. 2 Datteln an einer Palme. Aus: Wikimedia Commons; © B. Simpson Cairocamels, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 30.3.2018
  • Abb. 3 Ein beliebtes Motiv von Elfenbeinschnitzereien waren Baummotive. Links ist eine stilisierte Palme mit den Rispen am unteren Rand abgebildet, rechts ein weiterer stilisierter Baum (Samaria; 9./8. Jh. v. Chr.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 4 Kapitell, das eine stilisierte Palme darstellt (Volutenkapitell; Eisenzeit II). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 5 Stilisierte Palme (Basaltstele aus Tell Halaf, Nordsyrien; Eisenzeit II). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 6 Von Capriden flankierte Palme als Symbol von Fruchtbarkeit und Leben (Rollsiegel aus Megiddo; 14. Jh. v. Chr.). Aus: O. Keel / S. Schroer, Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer Religionen, Freiburg / Göttingen 2002, Abb. 30; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 7 Palmen auf judäischen Münzen aus Palästina. Links: Prokuratorenmünze aus dem Jahr 8/9 n. Chr., daneben: eine Münze Domitians aus dem Jahre 92 n. Chr. und eine jüdische Münze aus dem 1. Jahr des Bar-Kochba-Aufstandes (132/3 n. Chr.). Rechts: eine Münze aus der Zeit Vespasians. Die trauernde Frau steht für das eroberte Judäa, wie auch die beigegebene Inschrift IUDAEA CAPTA“ („Judäa ist erobert“) zeigt. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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