Nomadentum

(erstellt: Jan. 2020)

1. Vorbemerkungen

Der Begriff Nomadentum ist abgeleitet vom Griechischen. Er bezeichnet die Lebensart von Menschen ohne festen Wohnsitz. Aristoteles (Polit. 1256a) setzt die Lebensweise von Hirtennomaden (bios nomadikós) der bäuerlichen (geôrgikos) entgegen, bewertet sie negativ und verbindet sie mit ethnozentrischen Konzepten. Einen analogen Begriff gibt es in semitischen Sprachen nicht. Er transportiert daher bis heute problematische, abendländisch-ideologische Verzerrungen (Briant 1982, 9-56; Auberger / Goupil 2010). So kann das Studium des Nomadentums durch verschiedene Vorurteile behindert werden:

Sedentarismus: So wie Frauen unter sexistischen, Schwarze unter rassistischen und Juden unter antisemitischen Vorurteilen zu leiden haben, sehen sich Nomaden bis heute (z.B. Sinti, Roma, Jenische) häufig einem sedentaristischen Vorurteil ausgesetzt, das sie als Vaganten herabsetzt.

Architekturismus: Die historische Rekonstruktion kann durch eine (biblische) Archäologie verzerrt werden, die architektonische Hinterlassenschaften überbetont und dadurch Nomaden tendenziell ausblendet (Ben-Yosef 2019).

Orientalismus: Die vergleichsweise junge Gesellschaftsform des Beduinentums (vgl. 3.5.) ist eine spezielle Ausprägung des Nomadentums, die viele Reisende fasziniert (hat). Eine romantisierende Perzeption des Nomadentums neigt zur anachronistischen Rückprojektion des Beduinentums in die Antike und verkennt so die Vielfalt und Entwicklung nomadischer Lebensweisen (Rosen / Lehmann 2010). Dabei sind selbst die Reste des Beduinentums im Orient nicht vor „Auto-Orientalismus“ gefeit, wobei touristische Interessen, Staatsraison und Sehnsüchte nach einer vergangenen Welt ineinandergreifen (Prager 2012).

2. Definitionen und Lebensformen

Nomadentum ist nicht zu verwechseln mit dem Jäger- und Sammlertum vor der neolithischen Revolution. Es setzt die Sesshaftwerdung und damit die Domestikation von Pflanzen und Tieren und auch die Sekundärprodukterevolution voraus. Das Nomadentum ist eine relativ späte spezialisierte Lebensform auf der Basis einer primär bäuerlichen, arbeitsteiligen Gesellschaft. Mit Hilfe beweglicher Behausungen und Brunnenbauten wurden durch das Hirtennomadentum neue ökologische Nischen für die Viehzucht erschlossen (2.1.). Mit Hilfe neuer Reittechnologien wurden neue Wege für den Binnenhandel (2.2.) und mit Hilfe von Verhüttungstechnologie Erzminen erschlossen (2.3.). Wegen der aus dem Erz gemachten Waffen und ihrer Waffentechnik waren Nomaden als Söldner gefragt (2.4.), aufgrund ihrer Landeskenntnisse als Reiseführer (2.5.), aufgrund ihres Kontaktes mit unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaften als Unterhalter (2.6.). Aufgrund ihres Lebensraumes waren sie oft auch Jäger (2.7.). Schon diese Vielfalt zeigt: Nomaden lebten nie autark. Ökonomisch sind sie instabil. Sie existierten und existieren immer in Beziehung mit sesshaften Gesellschaften (Khazanov 1983). Nomaden als solche gibt es nicht. Abhängig von den ökologischen Nischen und den menschlichen Gesellschaften, in denen sie leben, haben sie ein je anderes Gepräge (Marfoe 1979; Staubli 1991).

2.1. Nomaden als Hirten und Käser

Meistens sind mit „Nomaden“ Hirtennomaden (pastoral nomads) gemeint, d.h. tribal organisierte, extensiv viehzüchtende Menschen ohne festen Wohnsitz des größten Teils der Familie (Khazanov 2009). Hirtennomadentum setzt je nach Typus die Domestizierung verschiedener Tiere voraus. Dazu gehören: 1. Die Hausziege (Capra hircus; → Ziege), die im Zagros im Epipaläolithikum oder frühen Neolithikum, also vor rund zehntausend Jahren (Zeder / Hesse 2000; Zeder 2001; Naderi u.a. 2008; Dong u.a. 2015), aus der persischen Wildziege oder Bezoar-Ziege (Capra aegagrus) gezüchtet worden ist. 2. Das Hausschaf (Ovis aries; Chessa u.a. 2009; → Schaf), das aus verschiedenen Mouflons gezüchtet wurde. 3. Der Hausesel (Equus asinus; Rossel u.a. 2008; Kimura 2013; → Esel), der in Nordostafrika vor ca. sechstausend Jahren aus dem Afrikanischen Wildesel (Equus africanus) mit seinen nubischen und somalischen Unterarten und mit späterer Einzüchtung des Onagers (Equus hemionus) im Vorderen Orient gezüchtet wurde. 4. Die Bändigung und Verbreitung des Kamels (Camelus dromedarius; Younker 1997; Heide 2010; Sapir-Hen / Ben-Yosef 2013; Cherifi u.a. 2017; → Kamel) und die Entwicklung geeigneter Reitsättel (Staubli 1991, 184-199; → Reiten) und 5. die Domestikation des → Pferdes, insofern von Nomaden auch → Maultiere verwendet worden sind (MacDonald 2019).

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 118881 lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 4.0 International; Zugriff 10.2.2020

Abb. 1 Hirt mit Kleinviehherde, bestehend aus Fettschwanzschafen und Ziegen (Wandrelief; Gips; Nimrud (Kalhu), Zentralpalast; Tiglatpileser III. 733-732 v. Chr.).

Hirtentum meint die Zucht von grasfressenden Haustieren in Herden auf Weideland unter der Aufsicht von Menschen (→ Hirt), meist in Symbiose mit → Hunden, manchmal auch mit Eseln, zur Produktion der wichtigsten Lebensgrundlage (Fleisch, Milch, Joghurt, Käse, Ghee, Wolle, Horn, Fell, Leder, Knochen). Die Herden des Alten Orients waren Kleinviehherden aus Ziegen und Schafen (→ Schaf; Abb. 1). Werden die → Herden einen oder mehrere Tage über das dörfliche Ackerland hinausgetrieben, spricht man von beweglichem Hirtentum. Werden die Herden in einem saisonalen Zyklus geweidet, spricht man von transhumierendem Hirtentum. Die Zyklen können horizontalen (Ackerland in der Brachzeit, Weideland in der Kulturzeit) oder vertikalen Routen (hohe Lagen im Sommer, tiefe Lagen im Winter) folgen. Vollnomadisches Hirtentum ist eine seltene Extremform des beweglichen Hirtentums, bei dem die Wohnlager das ganze Jahr hindurch gewechselt werden, je nach vorhandenen Ressourcen.

Hirtennomaden waren im Vorderen Orient Teil einer dimorphen (oder polymorphen) Gesellschaft (Rowton 1974; 1976a und b; Staubli 1991). Das heißt, sie lebten in Steppenrandgebieten (mehrheitlich zwischen der 100mm- und der 400mm-Isohyete) mit stark schwankendem Klima im labilen Gleichgewicht mit Ackerbauern (und Städtern).

2.2. Nomaden als Säumer und Händler

Nomadisierende Viehzüchter an wichtigen Verkehrsadern partizipierten aufgrund ihrer Fähigkeit zur Aufzucht von Transporttieren, dank ihrer Ortskenntnisse und dank der teils weiträumigen verwandtschaftlichen Vernetzung am Handel mit → Karawanen von Eseln und Kamelen. Dies gilt in der Region der Südlevante namentlich für die Menschen von → Sichem (Gen 34), bekannt als „Eselssöhne“, sowie für Ismaeliter (→ Ismael; Gen 37,25; Knauf 1985), Midianiter (→ Midian; Gen 37,26; Knauf 1989), Dedaniter (→ Dedan; Jes 21,13), Damaszener (→ Damaskus; 2Kön 8,9), Israeliten (→ Israel; Gen 24) und Judäer (Juda; Jes 30,6).

2.3. Nomaden als Erzverhütter und Schmiede

Aus: P.E. Newberry, Beni Hasan I, London 1893, PI. XXXI

Abb. 2 Nomadisierende, semitische Gruppe von Jägern mit Speer und Bumerang, Bergleuten mit gefalteten Blasebälgen auf den Eseln und Musikantinnen mit Leierspieler (Fresko; Beni Hasan: Grab Chnumhotep II [Nr. 3], Ausschnitt aus der Nordwand; 12. Dyn., um 1900 v. Chr.).

Nomaden hatten Kenntnisse über Erzvorkommen in Steppen- und Wüstengebieten und spezialisierten sich entsprechend auf Erzverhüttung und Schmiedekunst. Sie waren am Erzabbau von Serābīṭ el-Chādim (Zentralsinai; Koordinaten: N 29° 02' 12'', E 33° 27' 33'') beteiligt, wie die protosinaitischen Alphabetinschriften bekunden. In Mittelägypten sind solche Bergbauspezialisten auf einem berühmten Grabfresko verewigt worden (Abb. 2). In der → Araba (Wādī Fēnān; → Timna) konnte der Kupferabbau durch orts- und technologiekundige Nomaden, zeitweise unter ägyptischer Kontrolle, archäologisch und metallurgisch nachgewiesen werden (Ben-Yosef u.a. 2019). Die Zusammenhänge von Nomadentum und Schmiedekunst werden in einer biblischen → Genealogie ausdrücklich reflektiert (Gen 4,20-22; s.u. 4.2.). Möglicherweise war → JHWH ursprünglich der Gott der nomadischen Erzschürfer: Seine Ursprünge liegen bei den → Schasu bzw. → Edomitern bzw. → Kenitern. Kupfer (נְחֹשֶׁת nəḥošæt) und → Schlange (נָחָשׁ nāḥāš) spielen in seinem Kult eine Rolle (Ex 4,2-4; Num 21,9; 2Kön 18,4; de Vaux 1969; Amzallag 2009; → Nehuschtan). Der Schmelzofen ist ein Bildspender für JHWHs Theophanie (Ex 19,18). Darauf könnte auch die häufige Metapher von JHWHs (langer) Nase (אַף ’af) verweisen, die den brennenden Zorn (אַף ’af) Gottes (bzw. seine Geduld) meint (Amzallag 2018).

2.4. Nomaden als Söldner

Aus: H.H. Nelson, Medinet Habu, Vol. 2: Later Historical Records of Ramses III (Oriental Institute Publications 9), Chcago 1932, PI. 62

Abb. 3 Söldner im ägyptischen Heer beim Appell. Hinten zwei Schasu mit Krummschwertern und Speeren, erkenntlich an Schurzen mit Quasten, Spitzbart und langem, zusammengebundenem oder herabfallendem Haar, das durch ein Band zusammengehalten wird (Relief; Theben, Medinet Habu, Erster Hof, östliches Ende der Südwand; 20. Dyn., Ramses III., 1184-1153 v. Chr.).

Während Krieger in Stadtstaaten eine eigene Berufsgruppe darstellen, sind männliche Nomaden meistens auch im Krieg geübt. Sie waren daher gefragte Söldner. In den Heeren sowohl der Ägypter als auch der Hethiter dienten levantinische Schasunomaden (Abb. 3; → Schasu). Im Heer → Sauls dienten → Amalekiter (2Sam 1,8), im Heer → DavidsKereter (2Sam 8,13; 2Sam 15,18), im Heer → HiskijasAraber (Annalen Sanheribs).

2.5. Nomaden als Reiseführer

Kollorierte Zeichnung von Barbara Connell nach der Vorlage bei Allan H. Gardiner / T. Eric Peet, The Insciriptions of Sinai. Part II: Translations and Commentary (ed. J. Černy), London 1955, Fig. 17 (© Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz)

Abb. 4 Die Ägypter haben auf Stelen des Hathorheiligtums bei den Türkisminen im Sinai lokale Reiseführer verewigt. Nach den Beischriften heißt der Scheich auf dem Esel Schakirum und der Treiber Rapium (Zeichnung nach einer Sandsteinstele mit Farbresten [Ausschnitt]; Serābīṭ el-Chādim; 12. Dyn., Amenemhet III, 1844-1794 v. Chr.).

Für das frühe 2. Jt. v. Chr. sind Nomaden als lokale Reiseführer der Ägypter im Sinai bekundet (Abb. 4). Schasunomaden spielten eine Rolle als Scouts bei der → Schlacht von Kadesch.

2.6. Nomaden als Unterhalter

Semitische Nomaden, die u.a. von der Musik lebten, sind ikonographisch für das frühe 2. Jt. v. Chr. bezeugt (Abb. 2). Die Zusammenhänge von Nomadentum und Unterhaltung werden in einer biblischen Genealogie ausdrücklich reflektiert (Gen 4,20-22; s.u. 4.2.). Möglicherweise sind David (Leierspieler und Tänzer) und Teile der levitischen Sänger kalebitischer Herkunft (vgl. 1Chr 2,50-55; North 1964). Metallverarbeitende Zigeuner sind als Unterhalter im Vorderen Orient in einigen Gegenden bis heute bekannt (Mutribija, Haddad; Al-Absi / Al-Absiová 2014).

2.7. Nomaden als Jäger

Semitische Nomaden, die u.a. von der Jagd lebten, sind ikonographisch für das frühe 2. Jt. v. Chr. bezeugt (Abb. 2). Im Übergang von der Spätbronzezeit zur Frühen Eisenzeit (ca. 12.-11. Jh. v. Chr.) finden sich in der Felskunst der Südlevante und Nordwestarabiens Jagdszenen. Zu den Beutetieren gehörten → Steinböcke, → Oryxantilope, → Gazellen und → Strauße (Tebes 2017). Nachrichten über jagende Nomaden finden sich noch bei den Ethnographen des 19. Jh.s. Mit dem Aufkommen der Handfeuerwaffen wurden auf der Arabischen Halbinsel fast alle großen Wildtiere ausgerottet und so die Basis der Jagd als Lebensgrundlage vernichtet.

3. Geschichte des Nomadentums im Vorderen Orient

Nomadische Gesellschaften unterliegen geschichtlicher Veränderung ebenso wie bäuerliche und städtische. Die bewegliche Lebensweise, die Behausungen aus organischen Materialien und die weitgehend orale Kultur stellen die Geschichtsschreibung aber vor große Herausforderungen. Die Ursprünge werden erst allmählich erforscht (3.1.), denn die Archäologie des Nomadentums (3.2.) gestaltet sich schwierig. Bei den schriftlichen und bildlichen Daten ist zu Unterscheiden zwischen nomadischen Selbstzeugnissen und Fremdzeugnissen von Sesshaften (3.3.; 3.4.).

3.1. Voraussetzungen und Ursprünge des Nomadentums

Anfänge des Hirtennomadentums lassen sich in Nordmesopotamien schon im 5. Jt. v. Chr. nachweisen (Zarins 1990). Mehrheitlich setzt es aber mit der sogenannten Sekundärprodukterevolution im 4. Jt. v. Chr. ein. Die sekundären Produkte der Tiere zu Lebzeiten (Milch, Blut, Dünger, Haare, Transport, Arbeit) wurden wichtiger als ihre primären Produkte (Fleisch, Fell, Knochen) nach dem Tod. Diese Entwicklung ging Hand in Hand mit einer komplexen gegenseitigen Anpassung von Tier und Mensch. Dabei war das Hirtennomadentum oft gepaart mit anderen Ressourcenbeschaffungen wie dem Jagen, Sammeln, Fischen und Ackerbau. Mit der nomadisierenden Lebensweise reagierten die Menschen zudem auf die physisch, politisch und sozial sich verändernde Landschaft (Honeychurch / Makaresicz 2016).

Beispiel Zagros: Pollenanalysen vom Zeribar-See zeigen, dass die postglazialen Eichenwälder aufgrund menschlicher Eingriffe zunächst lichten Pistazien- und Eschenwäldern wichen, bevor im Chalkolithikum ideales Grasland Überhand nahm, das im weiteren Verlauf Anzeichen von Überweidung aufweist. Im ausgehenden Chalkolithikum treten erstmals isolierte Friedhöfe außerhalb von Siedlungen auf, die vielleicht auf eine nomadisierende Bevölkerung hindeuten, die unter schlechter werdenden Bedingungen dem Gras nachgehen musste. Nomadismus erweist sich als Anpassungsstrategie (Abdi 2003).

Im Großen und Ganzen scheint es, dass bis zum Ende der Frühbronzezeit das Hirtentum eng mit der Ackerbauwirtschaft verwoben ist (Khazanov 2009; Arbuckle / Hammer 2019). Erst mit der Entstehung befestigter Stadtstaaten tritt das Nomadentum nebst Bauerntum und Städtertum vermehrt als eigenständige, niemals jedoch als autarke und isolierte Wirtschaftsweise auf. Der großen Diversität ökologischer Nischen am Rand des fruchtbaren Halbmondes entsprechend bleibt das Nomadentum ein vielgestaltiges gesellschaftliches Phänomen über Jahrhunderte hinweg.

3.2. Das Problem einer Archäologie des Nomadentums

Untersuchungen im → Negev haben gezeigt, dass die starke beduinische Besiedlung der Gegend im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jh. schon wenige Jahrzehnte später kaum mehr nachweisbar war (Finkelstein / Perevolotsky 1990). Die Infrastruktur nomadischer Gesellschaften besteht mehrheitlich aus organischen Materialien und bleibt archäologisch daher weitgehend unsichtbar. Das bedeutet, dass von der Abwesenheit nomadischer Siedlungsspuren nicht immer auf die Abwesenheit von Nomaden geschlossen werden kann. Es gibt freilich eine Archäologie des Nomadentums (Rosen 1992), aber sie bleibt angewiesen auf besondere Umstände. Befunde der Ethnoarchäologie, also Analogien aus der Ethnographie, können helfen, Datenlücken zu schließen, bergen aber die Gefahr anachronistischer Rückschlüsse, da das Nomadentum kein geschichtsloses Phänomen ist (Gilbert 1975; Watson 1980; Aurenche 1984; Cribb 1991).

Hinweise auf Nomaden können geben:

a) Vegetation: Aus den Vegetationstypen der Steppen kann auf ihre langjährige Beweidung oder Überweidung durch Nomaden zurückgeschlossen und die Landschaftsgeschichte rekonstruiert werden. Erst in Ansätzen durchgeführt sind archäobotanische Analysen des Dungs von Schafen und Ziegen (Riehl 2006).

b) Zooarchäologie: Knochenreste geben Aufschluss über Art und Nutzung der Tiere. Sie belegen die sehr lokale und umfassende Nutzung von klimatisch gut angepasstem Kleinvieh (Hesse 1995; Sasson 2010).

c) Nomadenlager: Ähnlich wie die Lager von Jägern und Sammlern können unter günstigen Bedingungen auch die Lager von Nomaden nachgewiesen werden. Für den Negev wurde für das 4. und frühe 3. Jt. v. Chr. die sog. Timnische Nomadenkultur nachgewiesen, während im 2. Jt. ein Nomadentum in der Region zu fehlen scheint und erst im Verlauf des 1. Jt.s v. Chr. wieder archäologisch greifbar wird (Rosen 2002; 2003; 2008; 2010; 2017).

d) Kultstätten: Im Negev und im Sinai konnten für das 6. bis 3. Jt. v. Chr. Gräber und Heiligtümer nachgewiesen werden, bei denen Tiere, meistens Ziegen oder Steinböcke, geschlachtet und → Mazzeben aufgestellt wurden (Avner / Horwitz 2017).

e) Sedentarisierungsprozesse: Ein Rückverweis auf nomadische Bevölkerung sind primitive Siedlungsformen von Viehzüchtern, die sesshaft werden. Dabei orientieren sich diese einerseits an → Hausformen der Sesshaften und entwickeln zugleich der Viehzucht dienliche Siedlungsformen, wie auch ethnoarchäologische Studien zeigen (Aurenche 1984). So geht man heute mehrheitlich davon aus, dass die aus agglutinierenden Vierraumhäusern gebildeten Ringsiedlungen („enclosed settlements“) im judäischen und efraimitischen Hügelland des 12./11. Jh.s v. Chr. Siedlungen einer vormals nomadisierenden Bevölkerung sind (Finkelstein 1988; für den Negev siehe Finkelstein / Perevolotzsky 1990). Die Hausform, das sog. Vierraumhaus, wurde von Sesshaften übernommen und ist nicht ein versteinertes Zelt (Staubli 1991, 209-215).

f) Friedhöfe: Isolierte Friedhöfe am Rand des fruchtbaren Halbmondes werden oftmals mit Nomaden in Beziehung gesetzt (vgl. Eakins 1993). Eindeutige Nachweise bleiben oft schwierig. Beim Fundort BHS18 im Emirat Schardschah konnte allerdings dank eines Friedhofs bereits für das 5. Jt. v. Chr. eine nomadisierende, Kleinvieh züchtende Bevölkerung nachgewiesen werden, die kaum Kontakte mit sesshaften Ackerbauern pflegte (Uerpmann u.a. 2006).

g) Schlacke: Die nomadisierende Bevölkerung → Edoms hat in der Schlacke der Kupferminen von Chirbet en-Nahas und → Timna die deutlichsten Abdrücke ihrer Zivilisation hinterlassen (Ben-Yosef 2019; s.u. 4.6.4.).

h) Mauern: Der Versuch zentralistisch organisierter Staaten, Nomaden zu kontrollieren, provozierte deren Widerstand (Metzler 1988). Diverse Großmauern zeugen von konfliktbeladenen Beziehungen zwischen Stadtstaaten mit Ackerbau und viehzüchtenden Nomadenclans. Das gilt für die ca. 280km lange sog. „Amurriter-Mauer“ der sumerischen Könige Schulgi und Schu-Suen am Ende des 3. Jt.s v. Chr. gegen Nomaden im Diyala-Gebiet östlich des Tigris (Sallaberger 2009). Es gilt vermutlich auch für die ebenso alte 220km lange „Syrische Mauer“, die sich östlich der Stadtstaaten Ebla, Hama und Qatna bis in die nördlichen Ausläufer des Antilibanongebirges erstreckte (Geyer 2009). Der ca. 150km lange Khatt Shebib in Jordanien aus persischer Zeit war als Steinmauer von ca. 1m Breite und 50cm Höhe kein unüberwindbares Hindernis, aber wohl eine Demarkationslinie für Viehzüchter und Ackerbauern (Al-Khasawneh u.a. 2019).

3.3. Selbstzeugnisse

Nomadische Verwaltung, Rechtsprechung und Erinnerungskultur ist mündlicher Art. Daher gibt es keine Archive auszuwerten wie im Falle antiker Stadtstaaten. Felsige Steppen boten aber Flächen, auf denen Nomaden Botschaften in Bild- und – falls sie alphabetisiert waren – auch in Textform hinterlassen konnten.

3.3.1. Felskunst

Aus: Online Corpus of the Inscriptions of Ancient North Arabia, C 187

Abb. 5 Safaitische Felszeichnung: Jungkamel auf Muttertier. Beischrift: „Für Ngh, Sohn des Ḥzqn: Das junge weibliche Kamel.“ (Felszeichnung; Rif Dimashq, zwischen Ǧebel Sajs und Wādī Ġara).

Aus ganz Arabien und der Sinaihalbinsel sind → Felszeichnungen bekannt (Anati 1968-74; 1981). Aus der sog. Schwarzen Wüste in Nordostjordanien sind über 4500 Felszeichnungen aus dem späten 1. Jt. v. Chr. und frühen 1. Jt. n. Chr. dokumentiert, auch als „safaitische Felskunst“ bezeichnet. Zu sehen sind Kamele (Abb. 5), Wildtiere, Jagd- und Raubszenen an Standorten, die als Ausblicke für die Herden-, Jagdtier- und Feindesbeobachtung dienten. Die Zeichnungen konnten von anderen Nomaden betrachtet werden und reihten sich ein in eine lange Geschichte. Sie verbanden Mensch, Lebensweise und Landschaft auf symbolische Weise (Brusgaards 2019).

3.3.2. Inschriften

Safaitische Inschriften illustrieren viele Aspekte des nomadischen Lebens. Es gibt Namensinschriften mit bis zu zehn Filiationen. Viele dieser Kurztexte drücken eine Klage aus. Beispiel (SSWS 6): „Von Qnf, Sohn des Db, Sohn des Qmr, Sohn des Ḥy: Er verbrachte die Jahreszeit des Spätregens in diesem Tal mit Weinen wegen Liebeskummer.“ Andere Sehnsucht. Beispiel (C 2832): „Von Ẓnn, Sohn des Wdm, Sohn des ‘ḏ, Sohn des ‘ḏ, Sohn des Ġṯ: Er verkaufte das weibliche Kamel seines Bruders ‘ḏ für hundert und er sehnt sich nach seinem Vater und seinen zwei Brüdern.“ Andere Dankbarkeit. Beispiel (LP 157): „Von Hrt, Sohn des ’s, Sohn des Ṣmk: Er entkam den Römern und hütete die Ziegen der Ḍf-Sippe.“ Andere bestehen aus einer einfachen Bitte um Segen und Schutz. Beispiel (AAEK 85): „Von ’nhb, Sohn des R’s, Sohn des Tmlh, Sohn des Rhš, Sohn des Bnt aus der Familie Bdg: Allat möge ihm Sicherheit gewähren.“ Wieder andere drücken Stolz über erfolgreiche Geschäfte aus. Beispiel (JaS 11): „Von F‘m, Sohn des Ḫṣr, Sohn des Srdt, Sohn des Ġṭfn, Sohn des Ḥsd: Er handelte mit Wolle und nahm in Besitz.“ Oder die Freude über Nachwuchs in der Herde. Oft sind es Hinweise für andere Nomaden in Bezug auf den Weidegang oder einfach Erinnerungen daran. Beispiel (C2556): „Von Ḫlṣ, Sohn des Sḫr, Sohn des ‘bd, Sohn des ’dm, Sohn des Msk, Sohn des Ġlmt, Sohn des Š‘b: Er lagerte hier und dann führte er die [Kamele] in dieses Tal zur Weide und bewachte die Kamele. Mögen Allat und Gd‘wśḏ Sicherheit gewähren.“ Manchmal werden Bezüge zu größeren Zusammenhängen hergestellt. Beispiel (LP 326): „Von Msk, Sohn des ’brqn, Sohn des Msk: Er hütete die Schafe im Jahr als Mlk in der großen Armee diente. Und so möge Allat Sicherheit gewähren.“ Dieses letzte Beispiel illustriert auch die Söldnerdienste von Nomaden. Die Auswertung der safaitischen Inschriften, in denen insgesamt vier verschiedene Jahreszeiten genannt werden (Frühregen beim Aufgang von Canopus, Winter, Spätregen und Trockenzeit), lassen Rückschlüsse auf die Transhumanz der Nomaden zu (MacDonald 1992; Weblink zur Online-Datenbank der altnordarabischen Felsinschriften).

3.4. Fremdzeugnisse: Westsemitische Nomaden des 2. und 1. Jt.s v. Chr. in den Archiven von Großmächten

Weitaus mehr Informationen über Nomaden stammen aus den Archiven von Stadtstaaten, die mit Nomaden zu tun hatten. Die Beziehungen zu Nomaden waren im Normalfall symbiotischer Natur, da Ziegen, Schafe, Rinder sowie deren Sekundärprodukte wichtige ökonomische Grundlagen aller Stadtstaaten im alten Vorderen Orient waren. Zu Konflikten kam es insbesondere dann, wenn ein Stadtstaat seine Kontrolle über Gebiete mit nomadisierenden Stämmen ausdehnen wollte, ohne diese in sein Herrschaftsgefüge einzubinden.

Eine kontinuierliche Geschichte des altorientalischen Nomadentums lässt sich freilich aufgrund dieser Quellen nicht schreiben. Vielmehr eröffnen sie für bestimmte Epochen ein Fenster auf einzelne Regionen.

3.4.1. Nomaden am Mittleren Euphrat und in der Ḫābūr-Region (18.-16. Jh. v. Chr.)

Textquellen (besonders aus → Mari), aber auch historische Geographie und Archäologie des 2. Jt.s v. Chr. am mittleren Euphrat und in der Ḫābūr-Region deuten darauf hin, dass die nomadische Lebensweise eine Spezialisierung der Bauern ist, die sich dadurch vom Zentralstaat unabhängiger machten. Ausgehend von ihren Dörfern am Rande der fruchtbaren Alluvialebenen zogen sie mit den Herden ins angrenzende Weideland. Durch die Erschließung von Quellen in der Steppe konnten sie ihren Radius erheblich erweitern (besonders in nördlicher Richtung), ja, entstand mit der Zeit aus dem dörflichen Hirtentum der Ackerbauern ein autonomeres (nicht von den Dörfern vollständig entkoppeltes), in Sippen, Stämmen und beizeiten in Stammesverbänden organisiertes, nomadisierendes Hirtenbauerntum. Dass sich die nomadisierende Lebensweise dabei nie vollständig von älteren landwirtschaftlichen Lebensformen absetzte, zeigt sich schon im Fehlen eines akkadischen Begriffs für „Nomade“. Nomadisierende Menschen werden mit ihrem Stammesnamen bezeichnet, wobei Teile dieser Stämme auch sesshaft leben können (Kupper 1957; Matthews 1978; Buccellati 1990; Nicolle 2004; Charpin 2007; Reculeau 2013; Kärger 2014 mit der Kritik von Arkhipov 2016).

In den Augen der Sesshaften gilt die nomadische Lebensweise als barbarisch, wie ein Auszug aus der „Heirat des Martu“, einem sumerischen Text vom Beginn des 3. Jt.s v. Chr., zeigt (übersetzt nach Charpin 2015, 31-32):

„Nun, ihre Hände sind zerstörerisch, ihre Gesichtszüge sind die von [Affen], / sie essen das Tabu des Gottes Nanna, sie haben keine Ehrfurcht, / mit ihrem ständigen Ortswechsel […] / [sind sie] den Göttertempeln ein Gräuel, / ihr Verstand ist verwirrt, sie sprechen wirr, ein Volk, bekleidet mit einem Ledersack, das […] Das unter einem Zelt lebt, Wind und Regen [ausgesetzt], das kein Gebet [verrichtet], das in den Bergen wohnt, das die Orte [der Götter nicht kennt], ein Volk, das am Bergfuß Trüffel ausgräbt, aber nicht die Knie zu beugen weiß, das rohes Fleisch isst, das zu Lebzeiten kein Haus hat und im Tod kein Grab.“

Dennoch findet am Ende eine Heirat zwischen der Städterin und dem im Gott Martu typisierten Nomaden statt. Die beiden Lebensweisen waren eben über Jahrtausende hinweg komplementär. Das geht besonders aus dem Archiv von Mari deutlich und facettenreich hervor. Die Anweisung eines Aufsehers an Delegierte, die an eine Friedensverhandlung geschickt werden, illustriert es (FM 6 9, Charpin 2015, 45):

„Folgendes habe ich zu ihnen gesprochen: ‘Seit immer und ewig sind die Hanäer (= Nomaden) deine Hirten und du, du bist ihr Ackerbauer. Warum hältst du jetzt das Getreide der Hanäer zurück?’ Das habe ich ihnen unter anderem gesagt. Mit Worten habe ich ihr Gemüt beruhigt und jetzt hat man zum Zeichen der guten Beziehungen den Nomaden 21 Liter Olivenöl und […] Eselsladungen Getreide für jeden deponiert.“

Den Nomaden hingegen galt die eigene Lebensweise als ehrenvoll und begehrenswert, wie ein Brief eines Nomadenhäuptlings aus dem Mari-Archiv bekundet (A. 1146, übersetzt aus Charpin 2015, 42-43):

„Vor meinem Aufbruch habe ich so gesprochen: ‘Du musst mit mir kommen! Zimri-Lim hat beschlossen, sich auf den Weg zu machen.’ Du aber ziehst es vor, zu essen, zu trinken und zu schlafen und nicht mit mir zu kommen. Müßig liegenzubleiben lässt dich nicht erröten. Ich schwöre dir, ich bin keinen Tag ruhig zu Hause geblieben! Wenn ich nicht nach draußen an die frische Luft gehe, habe ich das Gefühl zu ersticken. […] Sag bloß, warum sollte ich dich verleumden? Vielleicht schlug Dir noch nie heißer oder kalter Wind ins Gesicht! Du bist deines Volkes unwürdig! Genau dort, wo Vater und Mutter deine Gesichtszüge studierten, nachdem du aus dem Schoß deiner Mutter gepurzelt bist, suchst Du nur den weiblichen Schoß auf. Du hast keine Ahnung vom Leben! Schau hingegen mich an: Bis jetzt bin ich nicht untergegangen, sondern dem Tod entronnen. Mitten in der Stadt Ahuna bin ich zehnmal einem Krawall entkommen. Warum sollte ich mich also nicht für einen Dumuzi halten? In jedem Kalenderjahr tötet man ihn […] er aber kommt zum Ahnentempel zurück. Ich selber gehe immer so vor: Ich lege keine Getreidereserven an, aber […].“

3.4.2. Nomaden im Sinai und Nordwestarabien unter ägyptischer Hegemonie (14.-11. Jh. v. Chr.)

In den ägyptischen Dokumenten des 14.-12. Jh.s v. Chr. sind Nomaden der Südlevante und Nordwestarabiens unter dem Namen → Schasu (Š3św) bekannt. Das Wort bedeutet ursprünglich wohl „Wandernder“. Das Koptische kennt noch das Wort šōs, „Herde / Hirte“. In den Amarnatexten ist von den Sutû oder Šuti die Rede. Das entspricht den Sutäern des Mari-Archivs (s.o. 3.4.1.). Vielleicht ist der biblische Name Set (Gen 4,25-26) damit verwandt. Er wird mit dem Beginn der Verehrung des JHWH-Namens in Verbindung gebracht. Dass ist insofern interessant, als die ägyptischen Quellen (Tempel von Soleb) auch ein „Land der Schasu (namens) Jahwe (jhw3)“ kennen. Im gleichen Kontext taucht das „Land der Schasu (namens) → Seïr“ auf. Nach biblischer Erinnerung in alten Liedern kommt die JHWH-Verehrung von dort her (Dtn 33,2; Ri 5,4-5; Hab 3,3.7; Ps 68,8-9; Keel 2007, 199-202; → Jahwe).

Aus: The Epigraphic Survey (Hg.), The Battle Reliefs of King Sety I, Reliefs and Inscriptions at Karnak IV (The University of Chicago Oriental Institute Publications 107), Chicago 1986, Pl. 2

Abb. 6 Der Pharao im Kampf gegen Schasu-Nomaden, die sich auf einen Fliehfelsen zurückziehen und zum Zeichen der Ergebenheit den Bogen zerbrechen (ganz oben, mittlere Figur). Verzweifelte Zivilbevölkerung (links unten): Greis, Frau, Kind (Relief; Karnak, Außenseite der Nordostecke des großen Säulensaales des Amuntempels; 19. Dyn., Sethos I., 1293-1279 v. Chr.).

Die Schasu wurden von den Ägyptern spätestens seit Thutmosis II. (1482-1479 v. Chr.) bekriegt und als Kriegsgefangene nach Ägypten deportiert. Dort waren sie als Söldner tätig (Abb. 3). Mitunter wurden auch ganze Volksgruppen deportiert und in anderen Landesteilen angesiedelt. Ein Text Sethos’ I. erwähnt Stammeshäuptlinge, ihre gebirgige Wohngegend und tribalen Fehden und preist die eigene Brutalität im Kampf gegen die Nomaden (Abb. 6). In der → Schlacht von Kadesch agieren die Schasu als Spione auf der Seite der Hethiter und locken die Ägypter in einen Hinterhalt. In den ägyptischen Schreiberschulen wurden Texte kolportiert, die davon erzählen, dass es in der Levante außer von Löwen, Leoparden und Bären auch von Schasu wimmelt. Sie verbergen sich im Gebüsch. „Es gibt unter ihnen (welche) von vier, (ja) fünf Ellen (Größe von) ihrer Nase bis zu den Füßen, mit wild blickenden Gesichtern. Ihr Herz ist nicht freundlich, sie hören nicht auf Schmeicheleien“ (Weippert 2010, 193). Von erschreckend großen Menschen in Kanaan berichtet auch die Bibel (Num 13,33). Zur negativen Sicht von Nomaden kontrastiert ein fünfhundert Jahre älterer Schultext. In der Erzählung von → Sinuhe wird beschrieben, wie ein politischer Flüchtling aus Ägypten von einem Stammesfürsten aufgenommen und nach allen Regeln der Gastfreundschaft verwöhnt wird.

Die kanaanäischen Stadtfürsten erwähnen die Sutäer (Schasu) in ihrer Korrespondenz mit dem Pharao in einem Atemzug mit → Hapiru (Hebräern) und Räubern, von denen sie sich einerseits bedroht fühlen, die sie mitunter aber auch als Söldner in ihren Truppen haben. Die Loyalität der Schasu hing von der politischen Agenda der Stadtfürsten ab. Oft wurden sie vom einen Stadtstaat für den Krieg gegen einen anderen in Dienst genommen. Umgekehrt versuchen sie, Stadtfürsten zu ihren Gunsten zu erpressen. Ähnliche Verhältnisse schildern uns die → Aufstiegsgeschichten von → David aus der Perspektive von Hebräern des 10. Jh.s v. Chr. (s.u. 4.1.). Die Ausgrabung des Wadi Fidan 40 Friedhofs bestätigt, dass die Nomaden Edoms (s.u. 4.6.4.) Nachkommen der Schasu sind (Levy u.a. 2004). Lit.: Giveon 1971; Ward 1972; Weippert 1974; 2010, 181-198; Staubli 1991, 19-66.

3.4.3. Nomaden der Levante unter neuassyrischer und neubabylonischer Hegemonie (8.-6. Jh. v. Chr.)

Die Assyrer bezeichneten die am Rande und zwischen den levantinischen Stadtstaaten lebenden Steppenbewohner global als Aribi (auch Arabi, Aribu, Arubu; → Araber), die Babylonier als Arabi (auch Arbāja). Es handelt sich um einen Begriff der Flusstalbewohner, der erst später von den Steppenbewohnern als Selbstbezeichnung verwendet worden ist (im Sabäischen zum ersten Mal erst im 1. Jh. n. Chr. bezeugt). Viele Stämme waren den Assyrern namentlich ebenso bekannt wie den Verfassern der Bibel: Ḫajappā (Efa), Ibādidi, Idiba’il (Abdeël), Marsīmani, Mas’a (→ Massa), Nabajāti (Nebajot), Qedar / Qidru (→ Kedar), Saba’a und Tamudi. Badāni, Ḫattē’a und Mu‘na (→ Mëuniter). Die Menschen werden gekennzeichnet als leitungslose Zeltbewohner mit einer eigenen Haartracht. Einige von ihnen lebten in befestigten Oasen wie → Tema, → Dedan und Duma.

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Abb. 7 Schamsi, die Königin der Araber, ergibt sich im Kampf gegen die Assyrer (Wandrelief; Gips; Nimrud [Kalchu], Zentralpalast; Tiglatpileser III.; 728 v. Chr.).

In der → Schlacht von Qarqar (853 v. Chr.) verbündeten sich auf Kamelen reitende Araber unter der Führung von Gindibu’ mit den levantinischen Stadtstaaten im Kampf gegen die nach Westen expandierenden Assyrer. Wie jene Stadtstaaten waren auch die Araber in der Folge Zielscheibe der assyrischen und neubabylonischen Kolonialisierungspolitik. Im Nordsinai werden von → Tiglatpileser III. (745-727 v. Chr.) die → Mëuniter geschlagen, wenig später (733 v. Chr.) in der Gegend des Drusengebirges südlich von Damaskus die Araber unter der Leitung von Schamschi (Abb. 7). Schamschi bezahlt in der Folge dem Frieden zuliebe Tribut, ebenso Zabibē, eine andere arabische Fürstin. Die Frauen müssen mit einem assyrischen Aufseher an ihrer Seite regieren. An der Grenze zu Ägypten, im Gebiet südlich von Gaza, setzt Tiglatpileser III. den Araber Idibi’ilu als „Türwächter“ Ägyptens ein. Sargon II. (721-705 v. Chr.) hat auch Stämme deportiert. So hat er Menschen aus → Tema in der Provinz Samerina (vormals Israel) angesiedelt. Unter → Sanherib (704-681 v. Chr.) wurde die Araberin Tabu’a am assyrischen Hof erzogen und als Königin über die Araber eingesetzt.

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Abb. 8 Assyrisches Heer im Kampf mit Arabern auf Kamelen. Diese sitzen im Huckepack auf den Tieren. Der Vordermann lenkt, der Hintermann schießt (Wandrelief; Gips; Ninive [Kujundschik], Nordpalast, Raum L; Assurbanipal, 645-635 v. Chr.).

Unter → Asarhaddon (680-669 v. Chr.) werden die arabische Königin Te’elḫunu und ein Ḫazā’il besiegt und mit Tributen belegt. Ḫazā’ils Sohn Jauta’ wird von Assurs Gnaden als Thronfolger eingesetzt und im Kampf gegen andere Scheichs unterstützt, bis er eidbrüchig wird und sich selber mit anderen Stämmen gegen Assur verbündet. → Assurbanipal (669-631 v. Chr.) bekriegt ihn und andere Araber zwischen 652 und 646 v. Chr., teilweise mit Unterstützung des Königs von → Moab. Die Araber schlugen sich auf die Seite des Bruders und Rivalen Assurbanipals, Schamasch-schumu-ukin. Sie wurden von Assurbanipal gnadenlos bekriegt (Abb. 8).

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Abb. 9 Assyrische Krieger massakrieren die nomadische Zivilbevölkerung in ihren Zelten und verbrennen sie (Wandrelief; Gips; Ninive [Kujundschik], Nordpalast, Raum L; Assurbanipal, 645-635 v. Chr.).

Die Kamelbeute überschwemmt in der Folge den assyrischen Markt. Anders als im Falle von Stadteroberungen wurde selbst die schutzlose Zivilbevölkerung in den Zeltlagern nicht verschont (Abb. 9). Die besiegten Stammesführer wurden zusammen mit wilden Tieren an → Ninives Stadttoren ausgestellt. Die so bekriegten und gedemütigten Araber suchten jede Möglichkeit, um dem ihnen auferlegten Tribut zu entkommen.

Großmächte, die über den ländlichen Raum herrschen wollten, waren auf das Knowhow der Araber angewiesen. So verfügte → Hiskija zum Beispiel über Söldnertruppen aus solchen Kreisen (Annalen Sanheribs). Diese Araber wurden von den Assyrern Urbi genannt. Die Assyrer waren bei ihren militärischen Aktionen auf deren Hilfe angewiesen. Dasselbe gilt für den Karawanenhandel. Lit.: Ephal 1982; Staubli 1991; Bagg 2010.

3.4.4. Nomaden der Levante in griechisch-römischer Zeit (3. Jh. v. Chr.- 4. Jh. n. Chr.)

Aus: a) Othmar Keel, Die Geschichte Jerusalems und die Entstehung des Monotheismus, Göttingen 2007, Abb. 680 (mit Dank an © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz); b) Staubli 1991, Abb. 78a

Abb. 10 Die Römer stellen die bezwungenen Judäer als einen Bacchanten dar, der neben einem Kamel kniet. Auf der römischen Münze, die die Bezwingung der Nabatäer feiert, steht stattdessen der Name des Königs Aretas. Ansonsten stimmen die Münzen überein, was den Brudercharakter der beiden Ethnien unterstreicht (a: Denar; Silber; Rom; Aulus Plautius, 55 v. Chr.; b: Denar; Silber; Rom; Aemilius Scaurus, 58 v. Chr.).

Bei Homer repräsentieren die Zyklopen die unzivilisierten und faulen Viehzüchter, die sogar rohe Milch trinken. Herodot unterscheidet wie schon seine Vorgänger Hellanikos und Hekataios bei allen Völkern „Bauern“ (arotêres) und „Hirten“ (nomádes). Bei Aristoteles stellt das nomadische Hirtenleben (bios nomadikós) die unterste Stufe menschlicher Zivilisation dar, hinter dem Banditenwesen, dem Fischen, dem Jagen und Sammeln und dem Ackerbau, der für ihn an oberster Stelle steht (Shaw 1982/83). Griechische Nachrichten über Nomaden sind episodisch und negativ gefärbt.

Die Römer erkannten den dimorphen Charakter der jüdischen Gesellschaft, die einerseits auf dem mediterranen Ackerbau basierte, mit Getreide und Wein als wichtigsten Produkten (vgl. die judäische Münzprägung), und andererseits an der nomadisch geprägten Handelskultur Arabiens partizipierte. Auf den Münzen, die den römischen Sieg über Juda feiern, stellten sie Juda als Bacchanten dar, also als Bevölkerung mit mediterranen, dionysischen Sitten (Abb. 10a-b). Das unterschied sie von den eng verwandten, nomadischen Nabatäern.

Gegen nomadisierende Stämme in Arabien, die sich nicht ins Römische Reich einbinden ließen, wurde von Karawanenstädten wie → Palmyra, Edessa, Dura-Europos oder Hatra aus Krieg geführt, wobei sich diese „Wüstenpolizei“ (Abb. 11) ebenfalls aus Nomaden rekrutierte, nämlich der Elite von Stämmen (Synodiarchen), die am Handel partizipierten (Sommer 2018). Der Bau von Straßen einerseits und vom Limes andererseits führte zu neuen Trennungen, Allianzen und Beziehungen. Besonders im 2. Jh. n. Chr. wurde der limes arabiae et palaestinae systematisch ausgebaut (Gichon 1968; 1986; Kuhnen 2018). Er führte zu einer Blütezeit der Städte im Negev und im Ostjordanland (Banning 1986; Parker 1987) und garantierte die Versorgung der römischen Truppen durch das nunmehr geschützte Ackerland. Im Negev können agronomisch ausgeklügelte Formen von Ackerbau und Gartenbau im Verband mit lokalen Nomaden nachgewiesen werden (Haiman / Fabian 2009).

Aus: Staubli 1991, Abb. 110

Abb. 11 Berittene Wüstenpolizisten auf Kamelen und Pferden sorgten für die Sicherheit der Karawanenstraßen im Umfeld Palmyras in römischer Zeit. Hier bei einer Räucherzeremonie im Tempel (Kalksteinrelief; Palmyra oder Umgebung; 213 n. Chr.; Damaskus, Nationalmuseum).

Indirekte Zeugen für die Bedeutung der nomadischen Bevölkerung in der Gegend sind Heiligtümer, die das Pilgerziel der nomadischen Bevölkerung einer Region waren. Das gilt u.a. für den Beltempel von → Palmyra, den Tempel von Baalbek, den Tempel von Jerusalem und eine ganze Reihe nabatäischer Heiligtümer im Ostjordanland (Dentzer 1999). In einigen dieser Heiligtümer spielten Bethylenkulte eine Rolle, wie sie für Nomaden typisch sind (s.u. 4.3.).

3.5. Beduinentum

Die Verbreitung der Kamelzucht und einer damit einhergehenden differenzierten Satteltechnologie (→ Reiten) sowie die Entwicklung des Schwarzen Zeltes (→ Zelt), das nur auf Kamelen transportiert werden konnte (Rosen / Saidel 2010), führten zur Etablierung des Beduinentums um ca. 100 n. Chr. (Caskel 1953) als einer spezifischen, nomadischen Lebensform, nämlich einem reiterkriegerischen Kamelhirtenstammeswesen. Zu den Protobeduinen gehörten die Qedarener und die Nabatäer. Die Kamelzucht erlaubte die Kontrolle des lukrativen Langstreckenhandels auf der arabischen Halbinsel und darauf gründend den Ausbau von Oasenstädten und ihren Heiligtümern (Seland 2015). Die strikte Geschlechterseklusion im Beduinenzelt widerspiegelt ebenso elitäre städtische Sitten wie später die Kaffeezeremonie (Staubli 2008). Das Beduinentum war eine Voraussetzung für die rasche Ausbreitung des Islams im 7. Jh. Es erlebte unter osmanischer Herrschaft nochmals eine Blütezeit (Oppenheim 1943). Mit dem Einbruch der Industrialisierung im Nahen Osten hat es sich stark verändert (Stein 1996). Lit.: Musil 1907; 1908; 1926; 1928; Al-‘Aref 1938; Oppenheim 1943; 1967.

4. Nomadentum in der Bibel

Die biblischen Texte, von Schreibkundigen niedergeschrieben, entstanden in städtischen Kontexten der Südlevante, Mesopotamiens und Nordägyptens und somit in Gegenden, wo sowohl das Hirtennomadentum als auch das in den Langstreckenhandel involvierte Kamelnomadentum präsent war. Das gelobte Land wird als ein Hirtenland charakterisiert, ein „Land, in dem Milch und Honig fließen.“

Das vielschichtige Verhältnis zwischen Sesshaften und Nomaden, zwischen räumlicher Nähe und sozialer Distanz, zwischen ökonomischer Verwobenheit und politischem Machtspiel verschiedener Player in diesem Land schlägt sich in den Texten facettenreich nieder. Dabei kommen verschiedene „nomadisierende“ Gruppen in den Blick: Lokale (agro-pastorale) Hirtennomaden (enclosed / internal nomadism), pastoral-nomadische bzw. protobeduinische Kamelnomaden (→ Araber; excluded / external nomadism), landlose Söldner bzw. → Hebräer (parasocial elements) und fahrende Schmiede (→ Keniter).

4.1. Implizite „Soziologie“ des Nomadentums

Nach Staubli 1991, 243 Fig. 21B

Abb. 12 Südliches Juda im 10. Jh. v. Chr.: Hier trafen protobeduinische Kamelnomaden der Negevstämme und transhumierende lokale Hirtennomaden der judäischen Dörfer aufeinander. Letztere wurden nach 1Sam 25 vor den Razzien der Protobeduinen von landlosen Hebräern beschützt, die zeitweise auch als Söldner für die philistäischen Städte gegen die Protobeduinen kämpften.

Exemplarisch lässt sich das komplexe ländliche Sozialgefüge, in das die Nomaden in der Südlevante je nach Art eingebettet oder von dem sie ausgeschlossen waren, an der → Abigajil-Geschichte illustrieren (1Sam 25; Staubli 1991, 238-243; Abb. 12). Sie spielt im südjudäischen Ort Karmel im 10. Jh. v. Chr. Ihre Entstehungszeit ist umstritten. Der Ort liegt auf 800m ü.M. auf der Wasserscheide des judäischen Berglandes. Hier können Getreide, Wein und Oliven kultiviert werden, aus denen die lokalen Produkte bestehen (1Sam 25,18). Im Sommer fällt Tau, so dass die Herden auch in den heißen Monaten noch Nahrung finden. Im Norden liegt → Hebron, ein regionales Zentrum, nach Osten fällt das Land steil zum Toten Meer ab und wird mit jedem Schritt arider. Hier folgen die Kleinviehhirten, je nach Niederschlag, ihren vertikalen Transhumanzrouten. Im Süden geht das Land allmählich in den Negev über, wo es Kamelnomaden gibt. In diesem Bereich gibt es horizontale Transhumanzrouten. Im Westen liegen die Ortschaften der → Philister. Die Geschichte wird aus der Perspektive der Dorfbevölkerung erzählt, die dabei ist, ein Schafschurfest zu feiern, eine Art Kirmes, von großer Bedeutung für die Menschen der Region (vgl. auch Gen 38,13). Die Sympathien der Erzählung liegen bei → David, einem Anführer von „Bedrängten, Verschuldeten und Verbitterten“ (1Sam 22,2), während der lokale Großgrundbesitzer, dem die Kleinviehherden gehören, in der Geschichte den Namen „Dummkopf“ (→ Nabal) trägt. Abigail verkörpert die umsichtige Politik der dörflichen Oberschicht. Die jungen, landlosen Männer leben in Höhlen und auf Felsen (1Sam 22,15; 1Sam 23,14; 1Sam 24,1) der Gegend, während ihre Frauen Zuflucht in verbündeten Philisterstädten finden (1Sam 22,3; 1Sam 30,5), für die diese Hebräer (1Sam 29,3) im Sold arbeiten (1Sam 27,1-3). Sie leben in Frieden mit den lokalen, transhumierenden Hirten im Dienste der Dorfbevölkerung (1Sam 25,7), überfallen aber die viehzüchtenden, protobeduinischen Kamelnomaden (1Sam 20,17) im Negev, wobei sie alle Menschen umbringen (1Sam 27,8-9), während die Nomaden ihrerseits Städte und Viehherden der Dorfbevölkerung ausplündern, allerdings ohne die Menschen umzubringen (1Sam 30,1-2). Ein Streitpunkt zwischen Nomaden und Städtern könnte der Zugang zum Kupfererz der Araba gewesen sein, über den die Philisterstädte ein Monopol zu halten versuchten (1Sam 13,19-22).

4.2. Explizite „Soziologie“ des Nomadentums

Im Modus der → Genealogie findet sich in der Genesis eine Soziologie des Nomadentums (Gen 4,1-22). Dieser zufolge sind Ackerbau und Viehzucht, repräsentiert in → Kain und Abel, die zwei Säulen einer komplementären (brüderlichen), meist also friedlichen, manchmal aber auch antagonistischen (Neid), ja konflikthaften (Brudermord) Landwirtschaft. Kain repräsentiert als Mörder auch den vom Land vertriebenen Ackerbauern und insofern – ohne dass das Wort im Text verwendet wird – auch den Hebräer. Er wird zum Erzeuger des ersten Städtebauers → Henoch und dieser wiederum zum Ururgroßvater der Nomaden. Die Genealogie bewahrte damit eine von heutiger Wissenschaft bestätigte Erinnerung daran, dass das Nomadentum ein relativ junges Phänomen der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung ist, das die Sesshaftwerdung voraussetzt. Ebenso treffend ist die Charakterisierung des facettenreichen Nomadentums mit Hilfe einer Verbreiterung der bis dahin linearen und frauenlosen Genealogie mit den zwei Frauen Lamechs in Gen 4,19-22. Ada ist die Mutter von Jabal, dem Vater der zeltenden Hirten, und von Jubal, dem Vater der Leier- und Flötenspieler. Die Zweitfrau Zilla ist die Mutter von → Tubal-Kain, dem Vater der Kupfer- und Eisenschmiede, und von seiner Schwester Naama. Diese wird nicht näher charakterisiert außer durch ihren Namen, „Liebliche“. Möglicherweise verweist das auf Tätigkeiten wie Singen und Tanzen. Sie wäre dann ein weibliches Pendant zu → Jubal beim ersten Geschwisterpaar (Friedmann 2019). Auch dieser Teil der archaischen, genealogischen Soziologie, die eine komplexe Verwandtschaft von nomadisierendem Hirtentum, fahrenden Musikern und Schmieden herstellt, wird bestätigt. Erstens durch das berühmte ägyptische Fresko aus Beni Hasan, das musizierende Schmiede und Jäger kanaanäischer Herkunft zeigt (Abb. 2), und zweitens durch jene Ethnographen des 19. und frühen 20. Jh.s, die noch Wüstenzigeuner (ṣolubba, ṣlubeh od. ṣleb) dokumentierten, die ihren Lebensunterhalt als Jäger, Schmiede und Holzverarbeiter verdienten und mit Eseln unterwegs waren (Dostal 1956; Doughty 1979; Betts 1989; ferner oben 2.3. und 2.6.). In Abweichung zu diesen Parallelen werden die Nomaden der biblischen Soziologie aber als Viehzüchter und nicht als Jäger präsentiert.

4.3. Nomadisches in Brauchtum und Kult

Im Festbrauchtum und Kult Israels haben sich Elemente erhalten, die auf einen ursprünglichen Sitz im Leben von Nomaden zurückverweisen:

4.3.1. Das Passa war ursprünglich wohl ein Blutritus nomadisierender Hirten zur Abwehr von → Dämonen (etwa in Gestalt der heißen Südwinde, die im April einsetzen und das Gras über Nacht verdorren lassen) anlässlich des Wechsels zur Sommerweide (Rost 1943; Keel 1972; Garroway 2015).

4.3.2. Im sog. → „kleinen geschichtlichen Credo“ identifiziert sich der opfernde Israelit in einer Erntedankfeier als Sohn eines umherirrenden aramäischen Vaters (Dtn 26,5). Die archaische Formel in einem relativ jungen biblischen Text zeigt die Verbundenheit mit nomadisierenden Ahnen im Ostjordanland in einem bäuerlichen oder städtischen Kontext (Vieweger 2013). Das hebr. אֹבֵד ’oved „umherirrend“ kommt von allen hebräischen Begriffen dem griech. nomadikós (s.o. 1.) am nächsten.

4.3.3. Das ursprünglich efraimitische Stammesheiligtum, die sog. → Lade (אֲרוֹן ’ǎrôn), war eine Truhe aus dem Holz der → Akazie, einem Steppenbaum (Ex 33,7). Sie wurde als Orakel verwendet (Num 10,33-34), in Kriegen mitgeführt (1Sam 4; 2Sam 15,24-29) und im Lokalheiligtum von → Silo deponiert und verehrt (1Sam 1; 1Sam 3). Sie materialisierte die Präsenz der göttlichen Segensmacht. Später hat man sie ins Jerusalemer Heiligtum integriert, theologisch mit dem Exodus verknüpft und stilistisch bis in Details an ägyptische Prozessionsheiligtümer angeglichen (Eichler 2016). Bewegliche Heiligtümer haben sich im beduinischen Brauchtum bis in die jüngere Vergangenheit erhalten (arab. qubbā, ‘otfe, markab, maḥmal; Morgenstern 1945). An den Heiligtümern konnten Kästchen (hebr. אַרְגַּז ’argaz, 1Sam 6,8-15; arab. rigzah) befestigt werden, die als Gegengewichte zur Stabilisierung des Heiligtums und zugleich als Behälter für Votivgaben (im muslimischen Kontext Koranexemplare) fungierten. Ein Heiligtum dieser Art setzt wohl auch Am 5,26LXX voraus: „Und ihr habt das Zelt (gr. skênê; hebr. סֻכָּה sukkāh) des Moloch und den Stern eures Gottes Raiphan getragen, ihre Statuen, die ihr euch gemacht habt“ (Morgenstern 1945).

Aus: Henry Seyrig, Bas-reliefs monumentaux du temple de Bel à Palmyre, Syria 15 (1934), Pl. XIX

Abb. 13 Prozession mit Palladium auf Kamelrücken, angeleitet von einem frei laufenden Esel. Am Ort, wo er stillsteht, wird ein Grundstein oder eine Mazzebe gesetzt. Grüßende Männer und voll verschleierte Frauen begleiten die Prozession (Relief; Palmyra, Baalstempel; um 32 n. Chr.; Freiluftmuseum beim Baalstempel).

4.3.4. Ps 132 feiert den Einzug der Lade im Tempel und damit die Sedentarisierung des Kultes mit dem Ruf „Mache dich auf, JHWH, zu deiner Ruhestatt, du und deine machtvolle Lade“. Die im Psalm evozierte Liturgie hat eine analoge Entsprechung im Reliefschmuck des Beltempels von Palmyra (Abb. 13; Staubli 1991, 249-250).

4.3.5. Im Kontext der Kupferabbaustätten von → Timna ist ein midianitisches Heiligtum entdeckt worden, das mit einer Zeltplane bedeckt war (→ Zelt). Der Fund plausibilisiert bis zu einem gewissen Grad bewegliche, nomadische Zeltheiligtümer und damit auch einen nomadischen Ursprung des Konzepts eines Zeltheiligtums in der Bibel. Dessen Beschreibung in Ex 25-27 orientiert sich freilich stark am Modell des steinernen Tempels von Jerusalem. Dass es sich deshalb um reine literarische Fiktion handelt, wie viele Ausleger seit dem 19. Jh. glauben, ist indes fraglich, da es in der Antike (zum Beispiel bei den Persern) große, historisch bezeugte Zeltanlagen gab und somit den antiken Rezipienten keine Zweifel an der Existenz eines Zeltheiligtums beschlichen haben (Houtman 1994). Offen bleibt hingegen, wieviel es noch mit nomadischem Leben zu tun hat, da textile Konstruktionen nicht auf den nomadischen Lebensraum beschränkt waren.

4.3.6. Der archaisierende Gebrauch von „Zelt“ für „Haus“ verweist zurück auf nomadische Wurzeln (→ Zelt).

4.3.7. Das → Sukkot-Fest verweist nach Ex 23,43 zurück auf eine nichtsesshafte Lebensweise während des Exodus. Faktisch handelte es sich um Hüttenbauten während der Erntezeit (→ Laubhütte), die mannigfaltige theologische Deutungen erfuhren.

4.4. Nomadisches in der Literatur

Die biblische Literatur, die sich an ein sesshaftes, mehrheitlich städtisches Publikum richtet, evoziert verschiedentlich nomadische Milieus. Das war nur in einem Kontext plausibel, wo solche Milieus aus der Umgebung bekannt waren:

4.4.1. Die → Ahnen Israels – Abraham, Isaak, Jakob und ihre Sippen – werden als Viehzüchter dargestellt, die in Zelten lebten, mitunter weite Strecken zurücklegten und eine friedliche Koexistenz mit der sesshaften Bevölkerung des Landes suchten. Besonders → Hungersnöte zwangen sie zu weiten Wanderungen. Die im 7.-5. Jh. verschrifteten Sagenkränze enthalten mündliche Traditionen aus der Zeit der Ansiedlung der Protoisraeliten mit kulturellen Beziehungen nach Nordsyrien (Vieweger 2013). Eine gewisse Parallele findet sich in einer assyrischen Königsliste. Sie nennt „insgesamt siebzehn Könige, die in Zelten wohnten“ und die teilweise Namen von bekannten Nomadenstämmen tragen (Weippert 1974).

4.4.2. Der Hebräer → Mose begegnet dem Staatsgott Israels während seiner Tätigkeit als nomadisierender Viehhirt (Ex 3,1) seines midianitischen Schwiegervaters.

4.4.3. Die komplexe und artifizielle Komposition der → Wüstenwanderung plausibilisiert sich nur auf dem Hintergrund des Wissens um Nomaden, die in der Wüste leben können. Die Hebräer selber werden allerdings keineswegs als Nomaden geschildert, sondern als murrende Städter, denen nomadische Stämme unterwegs feindlich entgegentreten.

4.4.4. In den Richter- und Davidgeschichten werden externe Kamelnomaden als Feinde dargestellt, die „zahlreich wie Heuschrecken“ (Ri 6,5; Ri 7,12) ins Land der israelitischen Bauern einfallen, die ihrerseits Ackerbau betreiben und Kleinviehzucht mit lokalem Nomadismus (s.o. 4.1.).

4.4.3. Während Nomaden in den → Königsbüchern praktisch keine Rolle spielen, treten sie in den → Chronikbüchern als Feinde in Erscheinung, die von Israel gnadenlos bekämpft werden (2Chr 14,8-14).

4.5. Idealisierungen des Nomadentums?

Dass Israel nomadische Ahnen hat, deutet nicht automatisch auf eine Idealisierung des Nomadentums. Viele selbstverständliche Verhaltensweisen der nomadischen Erzeltern werden durch die → Tora vom → Sinai verboten.

Auch impliziert das Lob → Jeremias für die Treue der → Rechabiter zu ihren Sitten nicht eine Glorifizierung ihrer nomadischen Lebensweise.

Deuterojesaja und spätere jesajanische Redaktionen greifen teilweise traditionell vorgegebene (vgl. Jer 10,20) Zeltmotivik auf (Diller 2007). Sie verwenden sie für schöpfungstheologische Aussagen (Himmel ausgespannt wie ein Zelt; Jes 40,22), zur Illustration von Zerstörung (Babel wird so verwüstet sein, dass selbst Nomaden dort nicht mehr weiden können; Jes 13,20; der Tod kommt wie der Abbruch eines Nomadenzeltes; Jes 38,12) sowie für die Schilderung einer Heilszeit (Jerusalem erweitert den Wohnraum wie man ein Zelt erweitert; Jes 54,2-3; das Zelt „Jerusalem“ wird nicht mehr abgebrochen; Jes 33,20). Das in diesen literarischen Texten metaphorisch verwendete Vokabular zeigt, dass ihre Autoren bereits das protobeduinische Schwarze → Zelt vor Augen hatten und davon beeindruckt waren. Eine Idealisierung nomadischer Lebensweise kann daraus aber nicht erschlossen werden.

Idealisierungen unterschiedlicher Art finden sich hingegen außerhalb der Bibel:

Das strenge Ethos der nomadischen Rechabiter hat die fromme christliche Phantasie beflügelt. In der apokryphen Schrift „Geschichte der Rekabiter“ (9. Jh. n. Chr. ?; auch bekannt als „Zosimus-Apokalypse“) findet sich eine Art Midrasch zu Jer 35. Der Einsiedler Zosimus wird auf seinen innigen Wunsch hin auf die Insel der Gesegneten entrückt. Es sind die Rechabiter, die dort nackt und enthaltsam auf glückselige Weise von Baumfrüchten und köstlichem Wasser und an Festtagen von → Manna leben und für die Sünder und Heiden in der Welt Gott bitten, seinen Zorn zu mäßigen (Knights 1997).

Der arabische Historiker Ibn Chaldun (1332-1406) hob die starke Stammessolidarität (arab. ‘asabīja) der Beduinen hervor, die jener der Städter überlegen sei. Daher werde die zur Dekadenz neigende städtische Kultur von Zeit zu Zeit durch Beduinen zerstört und ein neuer Zyklus begründet.

Die Bibelwissenschaft des 19. Jh.s, besonders einflussreich Ernest Renan, romantisierte die Wüste, die nomadischen Erzeltern und den in der Wüste erscheinenden urmonotheistischen Gott JHWH und schuf so das utopische Bild einer nomadischen, reinen Urzeit.

4.6. Nomadische Völker im Horizont Israels

Im Horizont Israels lebte eine Vielzahl von nomadischen Völkern, Stämmen, Stammesverbänden oder Sippen. Sie werden teils als Freunde, Verwandte oder Vorbilder, teils als Gegner und Feinde dargestellt.

4.6.1. Nomadische Freunde

Im Nordostnegev (vgl. Ri 1,16; 1Sam 27,10; 1Sam 30,29) lebten im 11./10. Jh. v. Chr. die → Keniter (eventuell mit → Tel Masos als Zentrum; auch → Arad galt als kenitisch; Ri 1,16) nicht nur als Viehzüchter, sondern auch als Erzverhütter und Schmiede, die am Kupferabbau der Süd-Araba partizipierten. Als solche waren sie auch in der Jesreelebene anzutreffen (Ri 5,24-27). In späteren Texten hat man sie mit den → Amalekitern vermengt und den Namen vermutlich auch für Araber verwendet, die den Negev erreicht hatten. Mit der Gestalt Kains (→ Kain und Abel), dem Stammvater der → Keniter, werden im Kleid der → Genealogie die soziologischen Besonderheiten der Keniter entfaltet. Dabei spielen Konflikte mit sesshaften Viehzüchtern (Gen 4,3-8), Schutztatoo (Kainsmal; → Tätowierung) und → Blutrache (Gen 4,15.23-24), Städtegründung (Gen 4,17), aber auch Verwandtschaft mit viehzüchtenden Zeltbewohnern, Musikantinnen und Musikanten und Erzverarbeitern (Gen 4,19-22) eine Rolle (s.o. 4.2.).

Nach 1Chr 2,55 gehörten zu den Kenitern die → Rechabiter. Sie werden als ein Volk mit strengen, nomadischen Traditionen dargestellt, das weder Wein trinkt, noch Ackerbau betreibt, noch in Häusern lebt (Jer 35,6-7), und als Hort eines fanatischen JHWH-Glaubens (vgl. 2Kön 10). Ihre Traditionstreue gilt Jeremia als vorbildlich (Jer 35). Sie werden von ihm gastfreundlich im Heiligtum von Jerusalem aufgenommen, wohin sie sich vor dem Heer → Nebukadnezars geflüchtet hatten (Jer 35,11). Die Episode bezeugt die Stadtflucht von Nomaden in Kriegszeiten.

Auch die Jerachmeeliter mit ihrer Stadt → Aroer (1Sam 30,28) gehörten zu den mit Juda verbündeten nomadischen Clans des → Negev (1Sam 27,10; 1Sam 30,29; 2Sam 2,3). Dasselbe gilt für die → Kalebiter mit Zentrum in → Hebron (Jos 14,15; Ri 1,10) und für die mit ihnen verwandten Kenasiter (Ri 1,11-15), sowie für die aus der Ägäis eingewanderten, im Nordwestnegev ansässigen Keretiter (1Sam 30,14), die David für seine Leibgarde anheuerte (2Sam 8,13; 2Sam 15,18).

4.6.2. Nomadische Feinde

Nomaden der gleichen Gegend, die Israel feindlich erlebte, fungieren unter dem Namen → Amalekiter. Es sind Erzrivalen, an denen aus Sicht der sesshaften Israeliten ein gnadenloser Bann zu vollstrecken ist (Ex 17,8-16; 1Sam 15; 1Sam 27,8-9), was Amalek an Israel nicht tut (1Sam 30,2.18). Das erinnert an die assyrischen Bilder der Vernichtung arabischer Stämme (Abb. 9). Genealogisch werden sie als Söhne → Esaus verortet (Gen 36,12), aber auch als Ahnen Efraims (Ri 5,14). Ein Amalekiter findet sich auch im Heer → Sauls (2Sam 1,8). Sie werden mitunter als Verbündete der → Midianiter bezeichnet (Ri 7,12). Auch diese gelten einerseits als enge Verwandte (Ex 18,1), ja als Vermittler der Jahwe-Religion (Ri 5,4-5), andererseits als Zerstörer Israels und als Erzfeinde wie Amalek (Num 25; Num 31). Wie die Amalekiter (1Sam 30,17) reiten die Midianiter auf Kamelen und überziehen das bäuerliche Israel periodisch mit Razzien (Ri 6-8). Junge Texte nennen ferner die → Mëuniter (2Chr 20,1), einen arabisierten Stamm in der Gegend von Meon, der in Juda einfallen konnte.

Israel soll sich mit Amalek nicht versöhnen (Dtn 25,17-19). Amalek wurde im Judentum zur Chiffre für den feindlichen Anderen, insbesondere für den Antisemiten. In der → Ester-Novelle wird → Haman als Agagiter bezeichnet, ein Synonym für Amalekiter nach deren König → Agag. Die Agagiter galten als Abkömmlinge Amaleks. Während die mit der Tilgung des Andenkens verbundene Etikettierung von Nazis als Amalek breit akzeptiert ist, ist die Amalekut („Amalekheit“) von Arabern und insbesondere säkularen Juden umstritten (Cromer 2001; Feldman 2004; Jacobs 2017).

4.6.3. Die weiter entfernt wohnenden nomadischen „Verwandten“

Nebst den befreundeten oder verfeindeten unmittelbaren nomadischen Nachbarn gab es die östlich des Jordan wohnhaften „Söhne des Ostens“, aufgrund ihres Lebensraumes auch als → Araber bekannt, zu denen primär der mit → Esau (→ Edom) verschwägerte (Gen 28,9; Gen 36,3) Stämmebund → Ismael gehörte, in den neuassyrischen Quellen des 8. und 7. Jh.s v. Chr. bekannt als Schumu’il. Ismael wird als Stiefbruder Isaaks an prominenter Stelle in die altisraelitische Geographie eingebaut, die aus persischer Zeit stammt, als der Stämmebund bereits zerschlagen war und die Araber die Handelswege im Negev kontrollierten.

Nach den assyrisch-babylonischen Kämpfen gegen die Araber repräsentiert Ismael die westlichen Nomaden. Als Alliierter der Perser, denen er den Weg nach Ägypten öffnet (Herodot, Historien III,88), und damit auch als Verbündeter der Provinz Jehud wird er in den jüngeren Schichten des Pentateuchs prominent integriert (Gen 16), nämlich als Erstgeborener Abrahams und der Ägypterin → Hagar (Amit 2019).

Der Völkerspruch (Gen 16,12) charakterisiert treffend die protobeduinische Lebensweise der Ismaeliter, die über weite Strecken mit den Arabern der Neuassyrer identisch waren: Die bewegliche, anpassungsfähige Lebensweise mit breitem Aktionsfeld in der Steppe; die räuberischen Überfälle (Razzien) auf Bauernland; die Gefährdung der eigenen ungeschützten Zivilbevölkerung durch fremde Heere und umgekehrt die nomadische Besiedlung von verheerten Städten und Dörfern. Wie Ismael in diesem Spruch, so wird auch die qedarenische Königin Schamschi (vgl. Abb. 7) in den neuassyrischen Quellen mit einem fliehenden Wildesel verglichen. → Kedar war der ismaelitische Hauptstamm. Ihm entstammen die Königinnen, die aus den neuassyrischen Quellen bekannt sind. Aus ihm sind später vermutlich die Nabatäer hervorgegangen (Knauf 1986).

Die biblische Listenwissenschaft hat ein System von zwölf Stämmen Ismaels geschaffen (Gen 17,20; Gen 25,12-18; 1Chr 1,29-31), das ein Gewirk aus Stammes-, Stadt- und Landschaftsnamen darstellt. In Israel kannte man arabische Städte: Buz (Jer 25,23) und Massa (Spr 30,1; Spr 31,1), Zentren arabischer Weisheit (Hi 32,2-6), → Dedan, ein bedeutender Handelsplatz (Jes 21,13; Ez 25,13), berühmt für seine Kamelsatteldecken (Jes 27,20; Abb. 13), Duma, die Stadt am Südende des Wādī Sirḥān, die in der oralen Geographie als Sohn Ismaels (Gen 25,14) geführt wurde, → Tema, berühmt für seine Karawanen (Hi 6,19).

4.6.4. Edom: Nomadenstaat und Brudervolk

Die bedeutenden Kupferverhüttungsstätten von Fēnān, Chirbet en-Nahas und → Timna wurden ca. 1150 bis 850 v. Chr. von den → Edomitern kontrolliert und ausgebeutet, und sie handelten mit dem Rohstoff. Produkte aus Araba-Kupfer sind bis weit nach Griechenland hinein belegt. Im Bergbaukontext sind Verteidigungsmauern (Timna, Chirbet en-Nahas, → Negev), Hürden und Vierraum-Gebäude (Fēnān; Negev), sowie organische Materialien wie Zeltdächer erhalten geblieben, nomadische Einrichtungen, die sonst kaum mehr nachweisbar sind, ein großer Friedhof (Fēnān) ohne dazugehörige Siedlung mit Steinfundamenten. Die systematische archäologische Auswertung der Schlacke (Levy u.a. 2014; Ben-Yosef 2019) zeitigte auch Hinweise auf hierarchische gesellschaftliche Strukturen und technologische Fortschritte.

Die Genesis hat eine Erinnerung daran bewahrt, dass → Edom ein Königtum war, bevor ein solches in Israel existierte (Gen 36,31). Der edomitische Staat ist auch in außerbiblischen Quellen gut belegt. Die nomadische Lebensweise schließt Staatlichkeit nicht aus. Die Edomiter lebten weiterhin in Zelten (2Kön 8,21). Sesshaftwerdung ist erst während des 8. Jh.s v. Chr. nachweisbar (LaBianca / Younker 1995), umfasste aber sicher nur Teile der Gesellschaft, denn auch die Anfänge des späteren Nabatäerstaates in dieser Region sind archäologisch nicht fassbar, also wohl vorwiegend nomadischer Natur.

Edom, genealogisch personalisiert in → Esau, galt → Israel als Brudervolk (Dtn 23,8-9), das dieselben privilegierten Zulassungsbedingungen zur Kultgemeinschaft genoss wie die Ägypter. Noch die Nabatäer sind mit den Judäern verschwägert (→ Herodes). Die Römer nehmen Nabatäer und Judäer als verwandt war (Abb. 10a-b).

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Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Hirt mit Kleinviehherde, bestehend aus Fettschwanzschafen und Ziegen (Wandrelief; Gips; Nimrud (Kalhu), Zentralpalast; Tiglatpileser III. 733-732 v. Chr.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 118881 lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 4.0 International; Zugriff 10.2.2020
  • Abb. 2 Nomadisierende, semitische Gruppe von Jägern mit Speer und Bumerang, Bergleuten mit gefalteten Blasebälgen auf den Eseln und Musikantinnen mit Leierspieler (Fresko; Beni Hasan: Grab Chnumhotep II [Nr. 3], Ausschnitt aus der Nordwand; 12. Dyn., um 1900 v. Chr.). Aus: P.E. Newberry, Beni Hasan I, London 1893, PI. XXXI
  • Abb. 3 Söldner im ägyptischen Heer beim Appell. Hinten zwei Schasu mit Krummschwertern und Speeren, erkenntlich an Schurzen mit Quasten, Spitzbart und langem, zusammengebundenem oder herabfallendem Haar, das durch ein Band zusammengehalten wird (Relief; Theben, Medinet Habu, Erster Hof, östliches Ende der Südwand; 20. Dyn., Ramses III., 1184-1153 v. Chr.). Aus: H.H. Nelson, Medinet Habu, Vol. 2: Later Historical Records of Ramses III (Oriental Institute Publications 9), Chcago 1932, PI. 62
  • Abb. 4 Die Ägypter haben auf Stelen des Hathorheiligtums bei den Türkisminen im Sinai lokale Reiseführer verewigt. Nach den Beischriften heißt der Scheich auf dem Esel Schakirum und der Treiber Rapium (Zeichnung nach einer Sandsteinstele mit Farbresten [Ausschnitt]; Serābīṭ el-Chādim; 12. Dyn., Amenemhet III, 1844-1794 v. Chr.). Kollorierte Zeichnung von Barbara Connell nach der Vorlage bei Allan H. Gardiner / T. Eric Peet, The Insciriptions of Sinai. Part II: Translations and Commentary (ed. J. Černy), London 1955, Fig. 17 (© Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz)
  • Abb. 5 Safaitische Felszeichnung: Jungkamel auf Muttertier. Beischrift: „Für Ngh, Sohn des Ḥzqn: Das junge weibliche Kamel.“ (Felszeichnung; Rif Dimashq, zwischen Ǧebel Sajs und Wādī Ġara). Aus: Online Corpus of the Inscriptions of Ancient North Arabia, C 187
  • Abb. 6 Der Pharao im Kampf gegen Schasu-Nomaden, die sich auf einen Fliehfelsen zurückziehen und zum Zeichen der Ergebenheit den Bogen zerbrechen (ganz oben, mittlere Figur). Verzweifelte Zivilbevölkerung (links unten): Greis, Frau, Kind (Relief; Karnak, Außenseite der Nordostecke des großen Säulensaales des Amuntempels; 19. Dyn., Sethos I., 1293-1279 v. Chr.). Aus: The Epigraphic Survey (Hg.), The Battle Reliefs of King Sety I, Reliefs and Inscriptions at Karnak IV (The University of Chicago Oriental Institute Publications 107), Chicago 1986, Pl. 2
  • Abb. 7 Schamsi, die Königin der Araber, ergibt sich im Kampf gegen die Assyrer (Wandrelief; Gips; Nimrud [Kalchu], Zentralpalast; Tiglatpileser III.; 728 v. Chr.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 118901 lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 4.0 International; Zugriff 10.2.2020
  • Abb. 8 Assyrisches Heer im Kampf mit Arabern auf Kamelen. Diese sitzen im Huckepack auf den Tieren. Der Vordermann lenkt, der Hintermann schießt (Wandrelief; Gips; Ninive [Kujundschik], Nordpalast, Raum L; Assurbanipal, 645-635 v. Chr.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 124926 lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 4.0 International; Zugriff 10.2.2020
  • Abb. 9 Assyrische Krieger massakrieren die nomadische Zivilbevölkerung in ihren Zelten und verbrennen sie (Wandrelief; Gips; Ninive [Kujundschik], Nordpalast, Raum L; Assurbanipal, 645-635 v. Chr.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 124927 lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 4.0 International; Zugriff 10.2.2020
  • Abb. 10 Die Römer stellen die bezwungenen Judäer als einen Bacchanten dar, der neben einem Kamel kniet. Auf der römischen Münze, die die Bezwingung der Nabatäer feiert, steht stattdessen der Name des Königs Aretas. Ansonsten stimmen die Münzen überein, was den Brudercharakter der beiden Ethnien unterstreicht (a: Denar; Silber; Rom; Aulus Plautius, 55 v. Chr.; b: Denar; Silber; Rom; Aemilius Scaurus, 58 v. Chr.). Aus: a) Othmar Keel, Die Geschichte Jerusalems und die Entstehung des Monotheismus, Göttingen 2007, Abb. 680 (mit Dank an © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz); b) Staubli 1991, Abb. 78a
  • Abb. 11 Berittene Wüstenpolizisten auf Kamelen und Pferden sorgten für die Sicherheit der Karawanenstraßen im Umfeld Palmyras in römischer Zeit. Hier bei einer Räucherzeremonie im Tempel (Kalksteinrelief; Palmyra oder Umgebung; 213 n. Chr.; Damaskus, Nationalmuseum). Aus: Staubli 1991, Abb. 110
  • Abb. 12 Südliches Juda im 10. Jh. v. Chr.: Hier trafen protobeduinische Kamelnomaden der Negevstämme und transhumierende lokale Hirtennomaden der judäischen Dörfer aufeinander. Letztere wurden nach 1Sam 25 vor den Razzien der Protobeduinen von landlosen Hebräern beschützt, die zeitweise auch als Söldner für die philistäischen Städte gegen die Protobeduinen kämpften. Nach Staubli 1991, 243 Fig. 21B
  • Abb. 13 Prozession mit Palladium auf Kamelrücken, angeleitet von einem frei laufenden Esel. Am Ort, wo er stillsteht, wird ein Grundstein oder eine Mazzebe gesetzt. Grüßende Männer und voll verschleierte Frauen begleiten die Prozession (Relief; Palmyra, Baalstempel; um 32 n. Chr.; Freiluftmuseum beim Baalstempel). Aus: Henry Seyrig, Bas-reliefs monumentaux du temple de Bel à Palmyre, Syria 15 (1934), Pl. XIX

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