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Lexikon

Menahem

(ca. 746-737 v. Chr.)

Tobias Häner

(erstellt: April 2018)

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1. Name

Der Name Menahem (hebr. מְנַחֵם mənaḥem) stellt das Partizip des Verbs נחם nḥm „trösten“ dar und bedeutet folglich „tröstend“ bzw. „Tröster“. Aus derselben Wurzel נחם nḥm leitet sich auch der Name → Nahum (vgl. Nah 1,1; Neh 7,7) ab.

Als Eigenname tritt Menahem in der Bibel nur in 2Kön 15,14-23 auf, wo von einem israelitischen König dieses Namens berichtet wird. Epigraphisch ist der Name für israelitische, judäische und nichthebräische Personen bezeugt (Zadok, 298, 328 u.a.), z.B. in einer Namensliste auf Arad-Ostrakon 72 (8. Jh.; HAE I/1, 114) und als Vatersname auf Ostrakon 1 von Chorvat ‘Uzzā (7. Jh.; HAE I/1, 443) sowie auf einer Fülle von Siegeln (WSS Nr. 240; 241; 551-553; 676-678; 942-947; aramäisch / ammonitisch: 861; 1110; 1149?).

Die Verbform מְנַחֵם mənaḥem kommt in der Hebräischen Bibel siebenmal vor (Pred 4,1 [2x]; Klgl 1,2.9.16.17.21). Zudem wird im babylonischen Talmud (Traktat Sanhedrin 98b) erwogen, dass Menahem („Tröster“) gemäß Klgl 1,16 als Name des Messias gelten könnte.

2. König von Israel

Über den israelitischen König Menahem, den Sohn Gadis, dessen Herrschaft in etwa auf 746-737 v. Chr. zu datieren ist, berichtet 2Kön 15,14-23. An außerbiblischen Quellen kommen zudem die Erwähnungen in assyrischen Tributlisten hinzu, die in den Annalen von Tiglat-Pileser III. (745-727 v. Chr.) sowie auf einer Tontafelinschrift und einer im heutigen Iran aufgefundenen Stele erhalten sind (Levine 11-24.76-81; Weippert, 26-53; TUAT 371-377; HTAT Nr. 141 und 143).

Menahem, der möglicherweise aus Gilead stammte (Hamitovsky 42-55), erlangte den Königsthron durch einen Putsch gegen → Schallum (2Kön 15,14), der seinerseits nur einen Monat zuvor → Secharja, den Sohn → Jerobeams II., blutig gestürzt hatte.

Bald nach Menahems Herrschaftsantritt begann die militärische Expansion Assurs (→ Assyrien) unter Tiglat-Pileser III. in die südliche Levante auszugreifen. In der Folge musste Menahem eine hohe Tributzahlung an den assyrischen Großkönig entrichten, wobei der israelitische König die Grundbesitzer durch Auferlegung einer Abgabe mit in die Pflicht nahm (2Kön 15,19-20). Der Loyalitätserweis gegenüber Assur, der (erstmals) frühestens 743, spätestens 738 v. Chr. erfolgte, trug wohl dazu bei, dass sich Menahem zehn Jahre an der Macht halten und nach ihm sein Sohn → Pekachja die Königswürde erben konnte (2Kön 15,22). Dieser allerdings wurde nach nur zwei Jahren Opfer einer Verschwörung (2Kön 15,25).

Neben dem summarischen Negativ-Urteil über Menahems Herrschaft in 2Kön 15,18, das der deuteronomistischen Perspektive der → Königsbücher entspringt (→ Deuteronomismus), erwähnt der biblische Bericht dessen brutales Vorgehen gegen die Stadt Tifsach und ihre Bewohner (2Kön 15,16). Dass es sich hier um das erst aus späterer Zeit bekannte Thapsakos am → Euphrat handelt, wird in der Forschung meist infrage gestellt, da kaum vorstellbar ist, dass sich der israelitische Einflussbereich soweit in den Nordosten ausdehnen konnte (Haran 284-290). Sollte dagegen das in Jos 16,8 und Jos 17,8 genannte, an der Grenze zwischen den Stammesgebieten von Manasse und Ephraim gelegene Tappuach gemeint sein, wäre die in 2Kön 15,16 geschilderte Grausamkeit gegen Angehörige des eigenen Volkes wohl kaum als historisches Ereignis zu verstehen, sondern als Teil der generellen Abwertung des israelitischen Königtums zu deuten.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971-1996
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Eerdmans Dictionary of the Bible, Grand Rapids 2000
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006
  • The New Interpreter’s Dictionary of the Bible, Nashville 2009

2. Weitere Literatur

  • Cogan, M. / Tadmor, H., II Kings (AncB 11), New York 1988
  • Donner, H., Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen (GAT 4), Göttingen 1984
  • Frevel, C., Geschichte Israels (Studienbücher Theologie 2), Stuttgart 2016
  • Hamitovsky, I., Between Tirzah and Tirzah (Thersila) in the Onomasticon of Eusebius, and the Origin of Menahem Ben Gadi, בית מקרא 52 (2007), 42-55
  • Haran, M., The Rise and Decline of the Empire of Jeroboam ben Joash, VT 17 (1967), 266-297
  • Levine, L.D., Two Neo-Assyrian Stelae from Iran (Occasional Paper 23), Toronto 1972
  • Loretz, O. / Mayer, W., Pulu-Tiglatpileser III. und Menahem von Israel nach assyrischen Quellen und 2 Kön 15,19-20, UF 22 (1991), 221-231
  • Thiele, E.R., Two new Assyrian Synchronisms with Jehoash and Menahem. The Archaeology of Jordan and other Studies 2 (1986), 601-619
  • Shea W.H., Menahem and Tiglath-Pileser III, JNES 37 (1978), 43-49
  • Tadmor, H., The Inscriptions of Tiglath-Pileser III, King of Assyria, Jerusalem 1994
  • Weippert, H., Menahem und seine Zeitgenossen in einer Steleninschrift des assyrischen Königs Tiglathpileser III. aus dem Iran, ZDPV 89 (1973), 26-53
  • Zadok, R., The Pre-Hellenistic Israelite Anthroponymy and Prosopography (OLA 28), Leuven 1988

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