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Lexikon

Masada

1. Name, Lage, Forschungsgeschichte

© bacoo.de, http://www.israel-guide.de/israel/karten/karte-festung-massada (lizenzfrei)

Abb. 1 Die Lage von Masada

Masada (hebr. „Festung“) ist eine Felsenfestung (Abb. 2) in Israel, die seit 2001 zum UNESCO-Welterbe (materielle Kultur) zählt. Sie liegt in etwa 25 km südlich der Stadt → En Gedi am Westufer des → Toten Meeres (Abb. 1). Die genaue Lage ist: 31°18′ 56″ N, 35 21′ 14″ O. Die Festung steht auf dem rhombischen Plateau (600 x 300 m) eines etwa 400 m hohen Kegelberges mit deutlicher Dominanz hin zum Meer.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Aerial\_view\_of\_Masada\_-\_israeltourism.jpg (lizenzfrei)

Abb. 2 Luftaufnahme von Masada

In der Bibel selbst findet die Festung keine Erwähnung. In den Schriften des jüdisch-hellenistisches Autors → Josephus Flavius (ca. 37-100 n. Chr.), besonders im Jüdischen Krieg (Bellum Judaicum), wird die Festung als Besitz des → Herodes und wegen ihrer Rolle als Fluchtburg im Ersten → Jüdischen Krieg (66-70 / 73 n. Chr.) behandelt.

Aufgrund der Beschreibungen des Josephus konnte Masada bereits 1838 von den amerikanischen Bibelforschern E. Smith und E. Robinson mit Sicherheit identifiziert werden.

Die vier wichtigsten Untersuchungen waren (kartographiert in Abb. 3)

  • F. de Saulcy 1851 (Frankreich): erste Karte von Masada
  • A. Schulten 1932 (Deutscher Palästina-Verein): Messungen
  • Y. Yadin 1963-1965 (Israel): Ausgrabung
  • E. Netzer / G. Stiebel 1995-2000: gezielte Freilegung und Grabung

    Quelle: wikimedia Common (lizenzfrei)

    Abb. 3 Plan von Masada mit Gebäudenummerierung

2. Geschichte

2.1. Vorherodianische Zeit

Nach Angaben von Josephus, Bell VII 8,3 (VII 285), wurde Masada um 152 v. Chr. vom hasmonäischen Hohepriester → Jonatan (161-134 v. Chr.) errichtet und später von Herodes I. (41 v. Chr – 4 n. Chr.) ausgebaut. An anderer Stelle heißt es, „die alten Könige“ hätten Masada erbaut (Josephus, Bell IV 7,2 [IV 399-410]). Unklar ist, ob es sich dabei um die → Hasmonäer handelt oder ob Josephus eine Anspielung auf 1Sam 24,1 vornimmt.

Die archäologischen Daten lassen keinen eindeutigen Befund zu. Zwar wurden in einigen Höhlen unterhalb des Plateaus Scherben, Speisereste und Steinritzungen aus dem Chalkolithikum gefunden. Diese belegen nur den Aufenthalt von Menschen, keineswegs aber die dauerhafte Besiedlung des Plateaus. Auch von einer hasmonäischen Festung, die den Bauten des Herodes vorausgeht, ist – im Gegensatz zu anderen Anlagen des Königs – nichts Sicheres zu finden. Die Zisternen 2006 und 2007 könnten hasmonäischen Ursprungs sein, stehen aber so nah an den zelotischen Gebäuden, dass es sich auch um eine Nachahmung handeln könnte. Ein Münzfund, der auf den Hasmonäerkönig → Alexander Jannai (103-76 v. Chr.) zurückgeht, würde eine spätere Besiedlung, als von Josephus angegeben, plausibel machen. Die Münzen reichen jedoch nicht für eine eindeutige Datierung der umliegenden Gebäude.

Die einzigen sicheren Hinweise für eine Besiedlung finden sich unterhalb der Festung in der Gegend des späteren Römerlagers F. Dort ist ein Grab mit einer römischen Münze entdeckt worden, die sich auf das 2. Jh. v. Chr. datieren lässt.

2.2. Die herodianische Residenz (42 v. Chr. - ca. 10 n. Chr.)

Insgesamt lassen sich zwei oder drei bauliche Phasen unterscheiden, die nicht genau datierbar sind. Vermutlich begann der Ausbau der zweiten Phase nach der Konsolidierung der Macht des Herodes und des → Augustus um 30 v. Chr.

2.2.1. Erste Phase

Bereits von Anfang an verfügte Masada über eine geschlossene Kasemattenmauer. Die äußere Kasematte ist 1,4 m, die innere ca. 1 m dick und überall zwischen 4-5 m hoch. Der unterschiedliche Höhenlauf, der auch die Überdachung der Kasematten verkomplizierte, ist der fehlenden Bereinigung von Bodenunebenheiten geschuldet, sodass die Fußböden Niveauunterschiede von bis zu 70 cm hatten. 30 Türme flankierten die Mauern, die aus taktischen Gründen zwischen 35 m und 90 m Abstand zueinander hatten. Einige Türme sind eher niedrig, andere hatten eine Treppe, kaum einer verfügte über eine begehbare Plattform. Alle Türme waren unten betretbar durch einen – soweit möglich – im Norden gelegenen Zugang. Vier quadratische Doppeltoranlagen ermöglichten den Zugang zur Festung Masada, die, wie Bänke im Torgang nahelegen, dem antiken Usus folgend zugleich als Zoll- und Gerichtsorte dienten. Die Lage der Tore entschied zugleich über ihre Ausstattung. Das Haupttor am Schlangenpfad (Nordosten) war gepflastert und weist einen gesonderten Raum (vermutlich für Wachsoldaten) auf. Das Westtor, das Südtor (Zisternentor) und das Wassertor (Norden) der zweiten Phase sowie die drei inneren Tore (kleiner, keine Bänke) von Masada sind sehr schlicht und funktional gehalten. Die kleinen Tore trennten den Nordpalast, das große Badehaus (Westen) und die Vorratshäuser von der restlichen Anlage ab. Ein Teil der Zisternen muss als Wasserspeicher bereits in der ersten Bauphase vorhanden gewesen sein. Dort wurde das Wasser vermutlich noch händisch bzw. auf Eseln den Schlangenpfad hinauftransportiert und in die Zisternen gegossen. Am Ende des Pfades war ein Tor, das später nach Stilllegung des Pfades seine Funktion verlor.

Quelle: Magdalena Pittracher (lizenzfrei)

Abb. 4 Rekonstruktion des Nordpalastes in Masada

Der sogenannte Nordpalast, bei dem es sich um eine terrassierte Villa handelt, findet sich an der Nordost-Seite des Plateaus. Er besteht aus drei Gebäuden, die sich auf drei Stufen des Abhangs befinden (Abb. 4). Das obere Gebäude ist zweigeteilt in einen halbrunden Balkon und zwei Zimmer mit schwarz-weiß ausgelegtem Mosaikboden. Der knapp 20 m tiefer liegende Mittelteil ist kreisförmig, nur über Außenstufen erreichbar und bis auf einige Überreste hellenistischer Ornamentik völlig zerstört. Die untere Terrasse liegt weitere 15 m unter dem Mittelteil und ist ebenfalls nur über Außenstufen erreichbar. Der Grundschnitt ist quadratisch und von Säulen mit korinthischen Kapitellen umgeben (s. Abb. 5). In einem Teil des Gebäudes findet sich ein kleines luxuriöses Badehaus, das in der zweiten Phase außer Funktion gewesen sein dürfte.

Quelle: http://www.theologische-links.de/bilder/israel/masada\_nordpalast-unterterrasse02.jpg (lizenzfrei)

Abb. 5 Der unterste Teil des Nordpalastes

Das Masada der frühen Phase als Fluchtburg des Herodes nach Josephus, Bell I 12,1-16,1 (I 237-303)

Josephus erwähnt Masada erstmals im Zusammenhang mit Herodes, als dieser kurz nach seiner Machtübernahme (40 v. Chr.) während eines Aufenthalts in Damaskus kurzzeitig die Kontrolle über die Festung (I 12,1-2 [I 237-238]) verliert. Dieser Versuch der Parther und seines Widersachers Antigonos, seine Herrschaft gleich wieder zu beenden, verlangte sofortiges Handeln. Herodes zieht gegen Masada und erobert die Festung zurück, die er zugleich zur Fluchtburg für seine Frauen und seinen Besitz umfunktioniert (vgl. I 12,7-8 [I 264-266]). Angeblich ließ er 800 Mann Besatzung zurück und verteilte weitere 9.000 Soldaten über ganz Idumäa, um die Aufständischen in Schach zu halten. Von dort zog Herodes weiter in die Nabatäerhauptstadt Petra (I 12,7-8 [I 264-266]). Über Petra fordert Herodes Unterstützung aus Rom an (I 14,3-8 [I 281]), während Antigonos Jerusalem besetzt und Masada belagert (I 15,1 [I 286-287]). Die Nahrungsmittel, besonders aber das Wasser seien – so Josephus – knapp geworden, weshalb der Ausbau des Wassersystems – ohne zwingende materielle Beweise – erst für die zweite Phase angenommen wird.

Herodes zieht mit der neuen Unterstützung sofort nach Masada, sprengt die Belagerung und zieht gegen Jerusalem weiter (I 15,4 [I 293-294]).

Die aus Masada Geretteten werden derweil nach Samaria gebracht, weil Herodes nach Galiläa zieht, um dort die letzten Reste der Rebellion auszulöschen (I 16,1 [I 303]).

In Bell VII 8, ergänzt Josephus noch einmal seinen Bericht, indem er Masada als wichtigen Stützpunkt und Fluchtort bezeichnet, den Herodes aus Angst vor Rebellion, aber auch vor der ägyptischen Königin → Kleopatra VII. (69-30 v. Chr.), die als Ehefrau des römischen Triumvirs → Marcus Antonius (um 86-30 v. Chr.) eine ständige Bedrohung für den Machtbereich des Herodes bedeutete, schuf.

2.2.2. Zweite Phase

Nach der gescheiterten Belagerung durch Antigonos und die Parther baut Herodes die Festung zu einem gesicherten Wohnsitz um. Aus dieser Zeit ist seine Präsenz durch Ostrakonfunde, z.B. die Inschrift auf einer Weinamphore aus dem Jahr 19 v. Chr. (Abb. 6), belegt. Der Ausbau

Quelle: Arubas, B. / Goldfus, H., Art. Masada. An Update to Vol. 3, in: NEAEHL 5 (2008) 1935-1940: 1936 (Lizenz)

Abb. 6 Ostrakon mit „Herodes“-Inschrift

umfasst nicht die Verteidigungsanlage, sondern allein die Wohn- und Nutzgebäude. Die zwei wichtigsten Maßnahmen sind die Sicherung des Wasservorrats und die Errichtung eines Gebäudekomplexes im Westteil der Festung, mit einem Palast als Hauptgebäude.

Durch ein Erdbeben im Jahr 31 v. Chr. sind einige Höhlen und Teile der Zisternen im Nordteil eingestürzt, die Herodes zuschütten ließ, um auf ihnen einen Stall zu errichten. Beim Westpalast gab es nahe Gebäude VII einige Privatvorräte. Der Nordpalast wurde teilweise stillgelegt, seine drei Vorratshäuser um zwei weitere, kleinere, verputzte Gebäude ergänzt. Die Vorräte wurden nun nach Sorten getrennt gelagert, was auf den Besitz von Luxusgütern schließen lässt. Neben diesen Privatvorräten gab es nun auch öffentliche Vorratsräume im Norden (1 à 27 x 3,8 m) und im Süden (11 à 27 x 4 m).

Zur besseren Wasserversorgung errichtete Herodes ein Regenwasseraquädukt in den Hügeln westlich der Festung. Dort staute er zwei Wadis (Drainage) und führte ihr Wasser über eine 1,4 m breite versteckte Leitung (bei Belagerung) in zwölf unterirdische Zisternen im Nordwesten (acht

Quelle: Netzer, E., Art. Masada, in: NEAEHL 3 (1993) 973-985: 977 (Lizenz)

Abb. 7 Westpalast von Masada (Luftaufnahme)

oben, 4 darunter), die ein Gesamtvolumen von ca. 40 Mio. Liter hatten. Im Süden sind oberirdische Zisternen, die ebenfalls durch einen Teil des Wassers befüllt werden konnten (die Leitungen liegen heute unter dem römischen Hauptlager). Bei den größeren Gebäuden gab es weiterhin private Zisternen.

Das Zentrum der neuen Anlage bildet der Westpalast (Abb. 7), der auf 4000 m² eine Vierteilung (Gemächer, Vorräte, Personal, Repräsentation) vornahm und aus den Gebäuden IX und X bestand. Er diente repräsentativen Zwecken und weist neben einem Bad und einem Columbarium mehrere große Räume auf. Der Stil des Palastes ist hellenistisch-nabatäisch, was typisch herodianisch ist.

Neben diesem Palast gibt es drei kleinere Paläste sowie mehrere noble Gebäude, ein großes Badehaus mit nabatäischem Dekor.

2.2.3. Dritte Phase (E. Netzer) und die römische Besatzung

Die Analysen und Ausgrabungen (1995-2000) von Ehud Netzer (1989) führten ihn zu dem Schluss, dass die Errichtung von Gebäude VII, eines größeren Wohnhauses, für einen Verwalter gedacht war. Dieser sei für Erhaltung und Sicherung der Festung als Fluchtburg verantwortlich gewesen, bevor Herodes starb. Eine genaue Datierung dieser Phase wird nicht vorgenommen.

Nach dem Tod des Herodes weisen Münz- und Keramikfunde auf eine kurzfristige Benutzung der Gebäude durch römische Soldaten hin. Es wurden in dieser Zeit keine nachweisbaren baulichen Veränderungen durchgeführt.

2.3. Die Festung im jüdischen Krieg (66-73 n. Chr.)

2.3.1. Die Darstellung des Josephus Flavius

Nach der Darstellung von Bell II 17 (II 408) wird Masada unter der Führung von Eleazar ben Hanania von den Aufständischen erobert und die römische Besatzung getötet. Diese Tat und das mit ihr in Verbindung stehende Opferverbot für die nicht-jüdische Bevölkerung im Umland von Masada, wird von Josephus als einer der Auslöser für den Ersten Jüdischen Krieg benannt. Dabei bleibt unklar, ob es sich bei diesem Anfang um einen erzählerischen Kniff handelt, damit der Fall Masadas diesem Krieg und damit dem Buch als offizielles Ende vorgegeben ist.

Masada, so Josephus weiter in Bell II 17 (II 433), wird im Anschluss von Menaem, einem der Führer des Aufstandes, besucht und das herodianische Waffenlager geplündert, um eine Ausstattung für Jerusalem zu haben. Nachdem dieser Aufstand scheitert, zieht sich Eleazar ben Jair nach Masada zurück und verschanzt sich dort bis zum Ende des Krieges (II 447).

In Bell IV 7,2 (IV 399-410) wird diese Besatzungsgruppe den „Sikariern“ zugeordnet, einem Schimpfwort für die Aufständischen, was auf ihre Taktik des Meuchelmordes anspielt. Nach diesem Bericht ziehen die Sikarier am Pessachtag gegen die Bevölkerung von En Gedi, dem nächsten Standort der Römer, plündern und richten dort ein Massaker unter der Bevölkerung an. Josephus nimmt diese Geschichte als Ausgangspunkt für eine negative Überzeichnung der Aufstandsbewegung. In der Forschung wird diese Passage apologetisch gedeutet, denn Josephus möchte sich von den Revolutionären distanzieren.

Ein Höhepunkt dieser Darstellung ist der zeitweilige Aufenthalt eines gewissen Simon ben Giora aus Gerasa, der als Rebellenführer so radikal erschien, dass selbst die Besatzung von Masada ihm misstraute und ihm einen abgetrennten Wohnbereich in der Zentrale (vermutlich der Nordpalast) zuwies (vgl. IV 9,3-4 [IV 504-508.516]).

Die bei weitem ausführlichste Schilderung von Masada wird von Josephus im Zusammenhang mit der römischen Belagerung der Festung in Bell VII 8-10,1 (VII 253-409) geliefert, die mit dem kollektiven „Selbst“-Mord der gesamten Einwohner von Masada endet. Nur zwei Frauen und fünf Kinder seien, so Josephus, dem Massaker der → Zeloten entkommen. Josephus schildert das Vorgehen als heroischen Freitod, der in der Antike sehr geachtet war. Dazu hätten die Männer, nachdem sie sich in der Synagoge besprachen, beschlossen, zunächst alle umzubringen und dann per Los zu entscheiden, welche zehn Personen die anderen Männer töten müssen. Diese wiederum losten einen aus, der sie töten und dann die gesamte Festung in Brand stecken sollte, bevor er sich selbst tötete. Einzige Ausnahme bei der Verbrennung sollten die Essensvorräte sein. Diese sollten gut sichtbar drapiert werden, damit der Feind sehen könne, dass man der Belagerung weiter hätte standhalten können und nicht hungers gestorben sei. Die berühmte Ausführungsperikope lautet aus dem Griechischen übersetzt:

Und alsbald nahmen sie Abschied; sie umarmten ihre Frauen und zogen noch einmal ihre Kinder an sich […]. In Gedanken an die Übel, die sie unter den Feinden zu leiden hätten, fanden sie Trost in der grausamen Pflicht, töten zu müssen. So sah man zuletzt niemand, der in der Kraft seines Wagemutes einem anderen nachstand, vielmehr töteten sie alle zusammen der Reihe nach ihre nächsten Angehörigen. Unglücklich waren sie, zudem in einer Zwangslage, in der ihnen das Töten der eigenen Frauen und Kinder als das noch geringere Übel erschien. Danach freilich vermochten sie den Schmerz über alles, was geschehen war, kaum noch zu ertragen. Sie glaubten, dass sie den Ermordeten Unrecht taten, wenn sie sie auch nur um ein kurzes überlebten. So warfen sie schnell den gesamten Besitz zu einem Haufen zusammen und legten Feuer an ihn. Durchs Los wählten sie darauf zehn Männer aus ihrer Mitte; sie sollten die Mörder aller anderen sein. Dann legte sich ein jeder neben die schon Dahingestreckten, schlang die Arme und sie und bot schließlich den Männern, die den unseligen Dienst ausführen mussten, bereitwillig die Kehle. Ohne Wanken mordeten jene alle insgesamt; darauf bestimmten sie dasselbe Gesetz des Loses auch für sich untereinander. Der ausgeloste Mann hatte die neun zu töten und endlich, nach allen anderen, sollte er auch sich selbst den Todesstoß geben. […] Als er erkannte, dass alle getötet seien, legte er an vielen Stellen Feuer in den Palast. Dann stieß er mit geballter Kraft das Schwert ganz durch seinen Körper und brach neben den Seinen zusammen. (VII 9,1 [VII 392-400])

In diesen Kapiteln erfährt man auch einiges über die Römer. Die Belagerer standen unter dem Befehl von Flavius Silva, also gehörten sie der Zehnten Legion an. Am 15.4.73 n. Chr. (= Pessach) sei Masada erobert und im Anschluss mit einer römischen Besatzung ausgestattet worden.

Flavius Silva ließ gleich zu Beginn der Belagerung einen Wall um die gesamte Festung errichten (sog. circumvallatio), der mit Lagern und Wachtürmen versehen war. Das Hauptlager sei auf dem Felsen gegenüber von Masada errichtet worden, wobei zugleich der Westzugang blockiert wurde. Das eindrucksvollste Werk sei die Belagerungsrampe gewesen (200 Ellen = 90 m breit), die mit Steinen verkleidet einem riesigen Belagerungsturm (60 Ellen = 27 m im Umfang) Raum bot, um auf Masada Balliste und Katapulte abzufeuern. Weder vom Turm noch von der Verkleidung der Rampe ist heute etwas nachweisbar.

Innerhalb dieser Erzählung stellt Josephus die Festung auch ausführliche vor. Die Beschreibung stimmt mit dem heutigen Befund in weiten Teilen überein (s.o.). Der Aufgang zum Plateau ist auf der Ostseite durch einen Schlangenpfad möglich (vgl. Abb. 8). Dieser endet an einem großen Turm, der zu einer das gesamte Plateau umgebenden Mauer gehört, die über weitere 36 Türme verfügt. Innerhalb der

 Quelle: www.ecosia.org/bilder (lizenzfrei)

Abb. 8 Der Schlangenpfad und die Seilbahn

Mauern sind Flächen zur Bewirtschaftung freigehalten. Am Nordwest-Ende des Plateaus liegt ein genordeter Palast mit eigenen Mauern und vier Türmen, der über einen eigenen geheimen Zugang von unten verfügt. Das Wassersystem von Masada bestehe aus Höhlungen in denen sehr viel Wasser gespeichert ist, sodass es wie eine Quelle wirke. Die Vorratsräume und Waffenkammern seien so gut angelegt, dass die Lebensmittel und Rohstoffe auch nach annähernd 100 Jahren noch nicht verdorben seien. Josephus ist überzeugt, dass die Zeloten die Kasematte der Festung errichteten, eine These, die heute widerlegt ist.

2.3.2. Die Festungsanlage (66-73 n. Chr.)

Die deutlichste bauliche Veränderung ist die Einrichtung einer → Synagoge (Abb. 9) in den Ställen des Herodes, die Einrichtung eines Bet Midrash in Gebäude XIII (umstritten) und die Anlage zahlreicher Wasserbecken, bei denen es sich eventuell um → Mikwen handelt. Darüber

Quelle: Magdalena Pittracher (lizenzfrei).

Abb. 9 Die Synagoge von Masada

hinaus wurden die Kasematten zum Teil zu Wohnungen umgebaut, wobei Baumaterial aus den herodianischen Bauten verwendet wurde. 70 Räume (ca. 4 m breit und 6-35 m, meist 15 m, lang) wurden hier gefunden. Große Teile der beiden unteren Stockwerke des Nordpalastes sowie die Küchenausstattung des Westpalastes (v. a. Öfen) fanden sich in anderen, jetzt in kleinere Wohneinheiten unterteilten Gebäuden (kleine Paläste; Gebäude VII) wieder. Diese intensive Nutzung des Wohnraums sowie die Errichtung einfacher Hütten aus dem vierten Kriegsjahr (Münzfunde) lassen den Schluss zu, dass sich um die 1.000 Menschen in Masada aufhielten. Der Westpalast wurde vermutlich weiterhin als Administrativgebäude verwendet. Der Zugang zum Wasser über den Nordpalast wurde aufrechterhalten, ansonsten scheint das Gebäude aber, im Gegensatz zu den Berichten des Josephus, nur im oberen Teil bewohnt worden zu sein. Die untere Etage des Nordpalastes könnte eine der letzten Zufluchtsmöglichkeiten gewesen sein, da dort verbrannte Pfeile und die Skelette einer gut gekleideten jüdischen Familie (Mann, Frau, Kind) gefunden wurden.

In Gebäude IX wurden Alabastergefäße, Münzen und weitere Luxusgüter gefunden, die eine Art Schatzkammer plausibel erscheinen lassen. Die Vorratshäuser behielten ihre Funktion bei, wie datierbare Essensfunde nahelegen. Auch die Badehäuser blieben in Benutzung, ob als Mikwen oder in einer anderen Funktion, ist unklar. Die deutlichsten Hinweise auf eine Mikwennutzung bietet die komplizierte Anlage um Mikwe 1301. Sie hat eine direkte Verbindung zu Zisterne 1901, die wiederum an acht höhere Becken angeschlossen war, um so einen künstlichen Wasserfluss zu erzeugen.

In der Nähe der Synagoge wurden in einem der Türme 350 Kupfermünzen (Kriegsprägung) gefunden, im nahegelegenen locus 1039 weitere 17 Silberschekel (5. Kriegsjahr) sowie vierzehn Schriftfragmente (bes. Dtn; Jos; Jes; Sir; Dan) in der Synagoge selbst (vergraben) und ihrer direkten Umgebung.

Spuren des Kampfes finden sich an mehreren Gebäuden, die Brandspuren aufweisen, sowie an in der Außenmauer im Westen (Rampenseite) gefundenen Pfeilspitzen und Überresten von Ballisten und Munition von Schlingenschleudern / Katapulten. In den südlichen Höhlen unterhalb des Plateaus gab es weitere Leichenfunde, die trotz intakter Kleidungsstücke (z.B. Sohlen), bisher nicht eindeutig datiert werden konnten.

2.3.3. Die römischen Anlagen von der Belagerung (66-73 n. Chr.) bis zum Abzug der Truppen (114 n. Chr.)

Die römischen Anlagen waren von vorneherein auf eine längere Belagerung hin angelegt. Sie gehören zu den besterhaltenen Zeugnissen einer antiken Belagerungsanlage.

Ein Ring aus acht Feldlagern (A-H) umschloss Masada von allen Seiten. Zwischen den Lagern befand sich ein geschlossener Wall (circumvallatio), der 1,5 m breit und 4,6 km lang war. Er verfügt über drei oder vier Eingänge. Vermutlich um den Nachteil im Gelände durch die vielen Unebenheiten auszugleichen, wurden dreizehn Wachtürme entlang des Walls errichtet.

Die riesige Belagerungsrampe, die im Lauf der Belagerung an der Westseite von Masada aufgeschüttet wurde (vgl. Abb. 2), ist vermutlich nie fertiggestellt worden. Dies wurde von Yigael Yadin postuliert, doch es gibt keine vergleichbare Erosion im Umland oder bei irgendeiner anderen archäologischen Stätte bzw. Sight mit vergleichbaren Bedingungen, die den heutigen Zustand der Rampe erklären könnte. Die Schäden an der Kasemattenmauer könnten ebenso auf Baumaterialbeschaffung oder spätere Erosionen rückführbar sein.

Die Rampe wurde an einer Wasserscheide errichtet, die sehr nah an den Festungshügel heranreichte. Einige natürliche Erhebungen konnten mitverwendet werden, z.B. der sogenannte Zealot’s knoll („Zelotenhügel“), sodass man Materialien einsparte. Als solche dienten Holz (vor allem im unteren Teil und im Rahmen), Steine und Sand. Die Rampe war breit genug für einen mobilen Belagerungsturm.

Quelle: Magdalena Pittracher (lizenzfrei)

Abb. 10 Das römische Heerlager F

Die Heerlager folgen dem klassischen Aufbau eines römischen Armeelagers aus Zelten. Es waren allerdings Gebäude aus Stein und Holz, was ein weiteres Anzeichen für die lange Belagerungszeit ist. Westlich des Festungsberges wurden vier der Lager errichtet, unter anderem das deutlich größere Hauptlager (F; s. Abb. 10).

Dieses Lager umfasste zwei Besiedlungsphasen. Zunächst war es größer (F1) und wurde, vermutlich nach der Eroberung 73 v. Chr., verkleinert, um neben der Besatzung auf der Festung noch einen zweiten Stützpunkt zu haben. Das kleinere Lager F2 wurde zum Teil aus Steinen des ersten errichtet und verfügte über größere

Quelle: Arubas, B. / Goldfus, H., Art.

Abb. 11 Schematische Darstellung von Lager F1 und F2

Gebäude, was auf eine administrative Bedeutung hinweist (vgl. Abb. 11). Diese These wird erhärtet durch Münzfunde aus den Jahren 106-113 n. Chr., die zwei Schlüsse zulassen. Zum einen signalisieren die Münzwerte, dass in den großen Gebäuden Offiziere lebten. Zum zweiten ist überliefert, dass Kaiser → Trajan 114 n. Chr. Truppen konzentrierte, um gegen die Parther zu ziehen (Cassius Dio 68,17), d.h. eine deutliche Reduktion der Besatzung von Masada ist plausibel.

Nach der Eroberung, die zugleich das Ende des Ersten Jüdischen Krieges bedeutete, wurden auch im Nordpalast einige Truppen stationiert. Über die Dauer ihres Aufenthalts gibt es keine sicheren Informationen, vermutlich wurden aber auch sie um 114 n. Chr. abgezogen.

2.4. Masada als byzantinisches Kloster (5. / 6. Jh.)

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/44/Masada\_Massada\_Byzantinische\_Kirche\_1.JPG (lizenzfrei)

Abb. 12 Die byzantinische Kirche

Nach jahrhundertelangem Leerstand ließen sich im Lauf des 5. / 6. Jh. n. Chr. byzantinische Mönche in Masada nieder. Sie besiedelten Masada bzw. errichteten in den Kasematten, in Höhlen und Gebäuderesten auf dem Plateau ihre Zellen und schufen ein Zentrum mit Kirche und Küchengebäude in der Nähe des Westpalastes. Die Kirche (Abb. 12) ist geostet und dreiteilig (Diakonikon, Narthex, Apsis). Ein Guilloche-Mosaik aus in Masada gefundenen und behauenen Steinen wurde gelegt. Unmittelbar neben der Kirche befindet sich ein Funktionsgebäude, das vermutlich als Küche diente, und eine Werkstatt zum Behauen der Steine.

3. „Masada“ und der Staat Israel (20. Jh.)

Im modernen → Israel avancierten der Heldenmut und der „Ehrensuizid von Masada“ zu einem Nationalsymbol. Die hohe Zahl von Besucherinnen und Besuchern des Ortes führte 1971 zum Bau einer Seilbahn, die neben dem Schlangenpfad und dem Pfad entlang der Römerrampe den einzigen Zugang zum Felsplateau bildet. Masada zählt heute etwa 0,5 Mio. Besucherinnen und Besucher pro Jahr.

Doch auch über die Grenzen Israels hinaus erlangte Masada eine gewisse Berühmtheit. 1981 erschien in Großbritannien eine vierteilige Miniserie mit Peter O’Toole (bekannt aus Lawrence of Arabia; Großbritannien; 1962) in der Rolle des Flavius Silva. Sie basiert auf dem Buch The Antagonists von Ernest K. Gann.

Das große Interesse hängt besonders stark mit der ideologischen Bedeutung Masadas für den Staat Israel und die zionistische Bewegung zusammen, die der israelische Soziologieprofessor Nachman Ben-Yehuda in zwei Werken (1995 und 2002) zum Thema „Mythos Masada“ untersuchte.

Im ersten Werk weist Nachman Ben-Yehuda nach, wie die Geschichte des Josephus als Inspiration für einen modernen Mythos verwendet wurde. Autorin und Autor dieses Mythos waren Shmaria Guttmann und Joseph Klosner, durch deren Engagement der „Masada-Mythos“ von der Jugendbewegung bis in das Heer des Staates Israel überdauert habe. Sie adaptierten die Erzählung des Josephus und schärften sie auf eine Legende zu: Eine kleine Gruppe von Zeloten habe über drei Jahre hinweg als Guerillas in Masada gekämpft. Sie seien die letzten Kämpfer von Jerusalem und ihr Heldenmut zwinge die Römer zum Aufbringen einer riesigen Armee. In einer beeindruckenden Rede werde der Suizid als einziger Ausweg zum Leben in Freiheit gesehen (Ben-Yehuda, 2002, 47-49).

Aus Angst vor den Armeen Rommels wurde zum Jahreswechsel 1940 / 41 ein „Masada-Plan“ unter den Zionisten verabschiedet, der beim Heranrücken der NS-Truppen ein neues Masada zwischen Haifa und dem Karmelgebirge vorsah (Ben-Yehuda, 2002, 48). Ein Jahr später (1941) erschien Israel Halperins Book of Heroism, das unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas Masada als Denkmal jüdischen Heldenmutes bekannt machte (Ben-Yehuda, 2002, 51).

Nach der Staatsgründung setzte bald eine Art „Pilgerfahrt“, besonders für die säkularen Jüdinnen und Juden, nach Masada ein, die General Yadin veranlasste, seine beiden Berufe (Soldat und Archäologe) zu verbinden und das Nationalsymbol auszugraben. Das sensationelle Ergebnis der Ausgrabung der 1960er-Jahre war, dass alles so auftrat, wie es dem Mythos entsprach. Ehud Netzer erschien dies zu glatt und er zeigte in seiner Grabungszeit von 1995 bis 2000, dass einige Dinge nicht haltbar waren, z.B. die zu hohe Zahl an Skeletten aller Größen und Geschlechter widersprach den wenigen Männern im Mythos (Ben-Yehuda, 2002, 23f.; 52f.). Netzer beanstandete weiter, dass die gefundenen Becken nicht zwingend als Mikwen zu identifizieren seien. Zugleich fand er selber Ostraka mit Namen, die ihn dazu veranlassten, diese Funde in locus 113 als die Lose der Soldaten von Masada zu deklarieren.

Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, wie staatstragend der „Masada-Mythos“ war. Israels Außenminister Moshe Dayan (1915-1981) sagte in einem Interview: „Today, we can point only to the fact that Masada has become a symbol of heroism and of liberty for the Jewish People to whom it says: Fight to death rather than surrender; prefer death to bondage and loss of freedom“ (Ben-Yehuda, 2002, 83). Zwischen 1965 und 1991 endete die Grundausbildung aller Wehrpflichtigen Israelis auf der Festung Masada, wo sie vereidigt wurden. Zur Vereidigungsformel zählte in dieser Zeit der Satz: „Masada darf nie wieder fallen“ (Ben-Yehuda, 1995, 141f.).

In seinem zweiten Buch untersucht Nachman Ben-Yehuda besonders die Frage, wie es zu Fehldeutungen bzw. Überinterpretationen von Masada kommen konnte. Dazu sichtete er die Grabungsaufzeichnungen und Korrespondenzen. Er postulierte daraufhin den Druck, der auf der Grabung von Yadin gelegen habe, den Mythos zu beweisen. Dieser habe gefunden, wonach er gesucht habe, weil er keine anderen Schlüsse denkbar fand. Wesentlich objektiver seien dagegen seine Beschäftigungen mit dem herodianischen Bau und der byzantinischen Kirche gewesen, die von keinerlei ideologischem Interesse für den Staat Israel waren (Ben-Yehuda, 2002, 94f.).

Seit 2009 (Back to Masada) bemüht sich der Archäologieprofessor Amnon Ben-Tor (Hebrew University of Jerusalem) um eine weitere Grabung in Masada.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Arubas, B. / Goldfus, H., Art. Masada. An Update to Vol. 3, in: NEAEHL 5 (2008) 1935-1940
  • Ben-Yehuda, N., The Masada Myth. Collective Memory and Mythmaking in Israel, Madison 1995
  • Ben-Yehuda, N., Sacrificing Truth. Archaeology and the Myth of Masada, Amherst 2002
  • Fabry, H.-J., Art. Masada, in: LThK 6 (31997) 1454-1455
  • Flavius Josephus. De bello Judaico / Der Jüdische Krieg. Griechisch und Deutsch, 3 Bände, hg. v. O. Michel u. O. Bauernfeind, Darmstadt 2013
  • Mason, S., Flavius Josephus. Judean War 2. Translation and Commentary. Volume 1B, Leiden 2008
  • Netzer, E., Art. Masada, in: NEAEHL 3 (1993) 973-985

Abbildungsverzeichnis

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