Krippe

(erstellt: Juli 2020)

1. Altes Testament

© public domain; Foto: Klaus Koenen, 2018

Abb. 1 Pfeilerhaus in Megiddo mit Trögen, die wohl als Futterkrippen dienten (Eisenzeit II).

Eine Krippe (hebräisch אֵבוּס ’ebûs, griechisch φάτνη phatnē) ist ein aus Stein oder Lehm gefertigter, zum Teil mit Getreide gefüllter Futtertrog für Haustiere (Spr 14,4), vor allem → Hausrind und → Esel, die wichtigsten Arbeitstiere des Bauern, für die er in besonderer Weise sorgte. Nicht umsonst betont daher Spr 14,4: „Wo keine Rinder sind, bleibt der Futtertrog leer“, denn ohne Rinder sind die landwirtschaftlichen Arbeiten auf den Feldern äußerst erschwert. Gerade der Esel kennt die Krippe seines Herrn; er wird im Bildwort Jes 1,3, das in der Darstellung von Rind und Esel bei der Geburt Jesu aufgenommen wird, dem Volk Israel gegenübergestellt, das sich gegen seinen Gott erhoben hat. Im Kennen aber zeigt sich Zugehörigkeit, die durch das gemeinschaftliche Arbeiten zwischen Mensch und Tier und die Sorge des Besitzers für das Tier gestärkt wird (vgl. Riede 2002, 20f). Die unbändige Freiheitsliebe des Wildstiers dagegen wird u.a. daran deutlich, dass er vom Menschen nicht dienstbar gemacht werden kann; sein Aufenthalt an einer Krippe ist daher undenkbar (Hi 39,9).

2. Neues Testament

Im Neuen Testament wird die Krippe viermal und nur im Lukasevangelium erwähnt. So verweist Jesus Lk 13,15 im Rahmen einer Sabbatheilung auf den von den Pharisäern gebilligten Brauch, am Sabbat Rind und Esel von der Krippe zu lösen und zur Tränke zu führen. Aus diesem Verhalten des Bauern, der für seine Tiere sorgt, ergibt sich der Schluss vom Kleineren zum Größeren: Was beim Tier erlaubt ist, gilt erst recht für den Menschen. Die anderen Belege finden sich in der Geburtsgeschichte Jesu (Lk 2,7.12.16), und zwar bei der Schilderung der Geburt (V. 7), der Verheißung des Engels (V. 12) und der Huldigung der Hirten gegenüber dem neugeborenen Kind (V. 16), wobei Windeln und Krippe entsprechend der Ankündigung der Engel zu Zeichen für die Geburt des „Heilandes“ werden. Vorausgesetzt ist, dass das Kind außerhalb des menschlichen Wohnbereichs an einem Ort ist, wo sonst die Tiere sind; doch es ist unklar, ob die Krippe sich in einem Stall oder einer Höhle (vgl. dazu Greßmann 1908, 128f) befand. In jedem Fall besteht mit der Erwähnung der Krippe eine enge Verbindung zum Hirtenmilieu der Geburtsgeschichte.

3. Archäologie

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM124548 (Detail), lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 4.0 International; Zugriff 26.6.2020

Abb. 2 Futterkrippen für Pferde in einem assyrischen Feldlager (Nimrud, Nordwestpalast, Thronsaal Assurnasirpals; 9. Jh.).

Archäologisch lassen sich Futterkrippen in den Pfeilerhäusern von Megiddo nachweisen (vgl. Cantrell 2001; Zwickel 2008), die sich u.a. deshalb als Pferdestallanlagen deuten lassen (→ Stall). Auch in der altorientalischen Bildkunst gibt es Hinweise auf Futtertröge für Pferde, so auf einem Flachrelief aus dem Grab des Haremheb oder auch auf einer Darstellung eines assyrischen Feldlagers (vgl. Schäfer / Andrae, 354; Barnett / Forman / Solar 1959, Tf. 21). In hellenistischer Zeit finden sich in Felshöhlen Futtertröge, die in den Fels gehauen waren, z.B. in ‘arāq el-emīr (vgl. Greßmann 1908; Dalman 1939, 287).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1933-1979
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Barnett, R.D. / Forman, W. / Solar, G., Assyrische Palastreliefs, Prag 1959
  • Cantrell, D., The Horseman of Israel. Horses and Chariotry in Monarchic Israel (Ninth - Eighth Centuries B.C.E.), Winona Lake 2011, 92ff
  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina VI, Gütersloh 1939, 276-287
  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina VII, Gütersloh 1942, 112-170
  • Greßmann, H., Durch das Ostjordanland, PJB 4 (1908), 104-131
  • Riede, P., Im Spiegel der Tiere. Studien zum Verhältnis von Mensch und Tier im alten Israel (OBO 187), Göttingen / Freiburg (Schweiz) 2002
  • Schäfer, H. / Andrae, W., Die Kunst des Alten Orients (Propyläen Kunstgeschichte 2), Berlin o.J.
  • Zwickel, W., Der Pfeilerbau: Pferdestall, Markthalle, Lagerhalle oder Baracke? Auf den Spuren eines wichtigen Gebäudetyps der Königszeit, WUB 50 (2008), 72-75

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Pfeilerhaus in Megiddo mit Trögen, die wohl als Futterkrippen dienten (Eisenzeit II). © public domain; Foto: Klaus Koenen, 2018
  • Abb. 2 Futterkrippen für Pferde in einem assyrischen Feldlager (Nimrud, Nordwestpalast, Thronsaal Assurnasirpals; 9. Jh.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM124548 (Detail), lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 4.0 International; Zugriff 26.6.2020

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