Kreter und Pleter

Die Kreter und Pleter, von denen in der Hebräischen Bibel nur im Kontext der Zeit → Davids die Rede ist, bildeten eine Truppe, die David treu ergeben war und seine Herrschaft sicherte. Dem Namen nach waren die Kreter und Pleter vielleicht philistäischer Herkunft (→ Philister; → Kaftor). Über Zusammensetzung, Größe und Struktur dieser Truppe lässt sich wenig sagen.

1. Name

Die Bezeichnung Kreter und Pleter (hebr. הַכְּרֵתִי וְהַפְּלֵתִי hakkəretî wəhappəletî) ist in der Hebräischen Bibel siebenmal belegt: 2Sam 8,18; 2Sam 15,18; 2Sam 20,7.23; 1Kön 1,38.44; 1Chr 18,17 und in ihrer Bedeutung unklar. Der Begriff Kreter (hebr. כְּרֵתִי kəretî) kommt darüber hinaus in 1Sam 30,14, Ez 25,16 und Zef 2,5 vor, wohingegen der Begriff Pleter, abgesehen von den genannten Stellen, nicht mehr belegt ist.

An den drei zuletzt genannten Stellen werden die Kreter im Zusammenhang mit den Philistern (hebr. פְּלִשְׁתִּים pəlištîm) erwähnt (vgl. 1Sam 30,16; Ez 25,16; Zef 2,5), so dass die Bezeichnung Kreter entweder für eine Gruppe unter den Philistern oder als eine weitere Bezeichnung für die Philister gebraucht worden sein könnte. Darüber hinaus wird vermutet, dass der Begriff Kreter auf die Insel Kreta verweise, die in Verbindung mit der Herkunft der Philister stehe (Schroer, 161; Noort, 1744).

Es legt sich daher nahe, dass die Bezeichnung Kreter und Pleter für Kreter und Philister steht. Die abweichende Bezeichnung Pleter (hebr. פְּלֵתִי pəletî) statt Philister (hebr. פְּלִשְׁתִּים pəlištîm) wäre der analogen Gentilbildung zu Kreter geschuldet und diente einem Wortspiel. Als gesichert kann diese Identifizierung allerdings nicht gelten (vgl. Noort, 1744).

2. Vorkommen in der Hebräischen Bibel

2.1. Belege

In der Hebräischen Bibel werden die Kreter und Pleter erstmals in der sogenannten Beamtenliste Davids in 2Sam 8,18 erwähnt sowie in deren Varianten in 2Sam 20,23 und 1Chr 18,17. Die Kreter und Pleter werden in 2Sam 8,15ff. und in 1Chr 18,14ff. jeweils als vorletztes Glied in den Beamtenlisten aufgeführt. In 2Sam 20,23 werden sie dagegen an zweiter Stelle, gleich nach dem Heerbann (→ Heer) genannt, was eventuell mit der Bedrohung der davidischen Herrschaft zusammenhängen könnte, in deren Kontext die Beamtenliste steht.

Im Rahmen der Beamtenlisten wird stets → Benaja ben Jojada als Anführer der Kreter und Pleter genannt. Gleich im ersten Beleg, 2Sam 8,18, ist seine Zuordnung zu dieser Gruppe jedoch textlich unsicher. Ein Teil der Handschriftenüberlieferung ergänzt daher die Präposition „über“, also: „über Kreter und Pleter“, die auch in 2Sam 20,23 und 1Chr 18,17 belegt ist.

Auf der Erzählebene sind die Kreter und Pleter vor 2Sam 8,18 nicht in Erscheinung getreten. Wer sie sind, woher sie kommen, was sie tun, bedarf scheinbar keiner weiteren Erklärung und ist entweder als bekannt vorausgesetzt oder als zu unwichtig angesehen worden. Die weiteren Erwähnungen der Kreter und Pleter lassen aber darauf schließen, dass die Gruppe für die davidische Herrschaft durchaus von Bedeutung gewesen ist, da die Kreter und Pleter im Kontext von innerisraelitischen Herrschaftskrisen in Aktion treten.

So treten die Kreter und Pleter während → Absaloms Erhebung gegen seinen Vater David in Erscheinung (2Sam 15,18). Als David wegen des Machtgewinns Absaloms Jerusalem verlassen muss, begleiten ihn unter anderem die Kreter und Pleter sowie 600 loyale Gatiter mit ihrem Befehlshaber Ittai, der ebenfalls Gatiter ist. Welche Aufgabe die Kreter und Pleter haben, wird aber nicht erwähnt.

Bei dem Zusammenstoß mit → Schimi ben Gera, einem Verwandten → Sauls, werden die Kreter und Pleter, wie die Gruppe der Gatiter, nicht mehr explizit genannt. Es wird nur allgemein von הַגִּבֹּרִים hagibborim (2Sam 16,6) gesprochen, die an der Seite Davids sind. Doch allein Abischai will aus eigenem Antrieb seinen König schützen und Schimi bestrafen, was David aber ablehnt. Die Kreter und Pleter sind vermutlich nicht zu den הַגִּבֹּרִים hagibborim zu zählen, da sie in 2Sam 20,7 explizit neben dieser Gruppe erwähnt werden, als → Abischai, der Neffe Davids und Anführer der „Dreißig“, einer Gruppe von ausgezeichneten Kriegern Davids (vgl. 2Sam 23), gegen den aufständischen Scheba ben Bichri loszieht.

Die Kreter und Pleter beteiligen sich also aktiv an der gewaltsamen Durchsetzung königlicher Interessen. Hierfür können sie die unmittelbare Gegenwart des Königs verlassen. Überraschenderweise scheinen sie unter dem Befehl Abischais zu stehen. Dagegen findet sich am Ende der Schilderung des Scheba-Aufstandes in 2Sam 20,23ff. die Beamtenliste, in der die Kreter und Pleter Benaja als ihrem Befehlshaber untergeordnet werden, der jedoch in der voranstehenden Erzählung ungenannt bleibt. Die Liste unterstreicht den erfolgreichen Auftrag der Machterhaltung Davids, zu dem die Kreter und Pleter beigetragen haben.

Ebenso setzen die Kreter und Pleter im ersten Buch der Könige den Willen von David durch, als dieser sich – nach der Manipulation durch seine Frau → Batseba und den Propheten → Nathan – für → Salomo als seinen Thronfolger ausspricht, während sein ältester noch lebender Sohn → Adonija schon nach der Krone greift (1Kön 1,38.44). David beauftragt den Priester Zadok, Nathan und Benaja, Salomo an der Gihonquelle zum König auszurufen und zu salben. Benaja stimmt diesem Auftrag ausdrücklich zu (1Kön 1,36) und macht sich zusammen mit Zadok und Nathan sowie den Kretern und Pletern auf den Weg zum Gihon. Die Kreter und Pleter setzen Salomo auf ein Maultier und begleiten ihn zur Quelle. Der Bote, der Adonija die Nachricht von der Krönung Salomos überbringt, erwähnt ausdrücklich die Beteiligung der Kreter und Pleter (1Kön 1,44).

Die Bedeutung der Kreter und Pleter für den Erhalt und die Stabilität der Herrschaft Davids zeigt sich sowohl in ihren Erwähnungen in den Beamtenlisten, als auch in diesen drei kritischen Situationen, ohne dass der Erzähler zu sehr ins Detail geht. Die Beleglage lässt es daher kaum zu, konkrete Aussagen über die Zusammensetzung, Größe, Aufgabe und Struktur der Kreter und Pleter zu machen. Im Rahmen einer kontextuellen Betrachtung können lediglich einige Vermutungen angestellt werden.

2.2. Zusammensetzung

Nach einer Notiz in 1Sam 22,1-2 scharte David im Bereich der Höhle bzw. Bergfeste von → Adullam (1Sam 22,1; 2Sam 23,13; 1Chr 11,15) 400 Leute um sich, bei denen es sich um bedrängte, verschuldete und verbitterte Menschen gehandelt haben soll. Auch die Kreter und Pleter mögen zu diesen 400 Leuten gezählt haben und aus dem genannten Milieu stammen. Da Adullam (1Sam 22,1; 2Sam 23,13; 1Chr 11,15) am Übergang vom judäischen Bergland zum flacheren Hügelland der → Schefela liegt, das zum Einflussbereich der Philister gehörte, ist auch damit zu rechnen, dass Philister zu den Kretern und Pletern gehörten. E. Noort nimmt an, dass die Kreter und Pleter von David verpflichtet wurden, als dieser bei → Achisch, dem Philisterkönig von → Gat, Vasall war (vgl. 1Sam 27,2; Noort, 1744).

Die weiteren Erzählungen von David und seinen Männern, die eventuell mit den Kretern und Pletern zu identifizieren sind bzw. diese mit einschließen, lassen lediglich erkennen, dass es sich um eine Gruppe von gewaltbereiten Menschen handelt. Die Erzählung um → Nabal und → Abigajil (1Sam 25) etwa zeigt, dass die Männer um David bereit sind, ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Auch die folgenden Episoden bestätigen die Annahme, dass die Gruppe kämpferische Auseinandersetzungen gewöhnt und darin geübt war (z.B. 1Sam 27,8ff). Sie war in der Lage, mit David zusammen an der Seite Achischs in den Krieg gegen Saul zu ziehen. Dieses wurde nur durch das gerechtfertigte Misstrauen der Philisterfürsten verhindert (vgl. 1Sam 29).

Der Antrieb dieser Männer scheint allein in ihrer Loyalität gegenüber David zu bestehen, während ihre Zusammengehörigkeit auf der drohenden Verfolgung durch Saul basiert (1Sam 27,1f.). Außerdem ist der Anführer der Kreter und Pleter, Benaja ben Jojada, ein Israelit, was ebenfalls gegen eine ethnisch homogene Gruppe spricht.

Anders verhält es sich bei einer weiteren Gruppe, die David loyal ergeben ist. 600 Gatiter unter der Führung ihres Landsmanns Ittai unterstützen David neben den Kretern und Pletern beim Aufstand seines Sohnes Absalom. Diese Männer werden vom Erzähler insgesamt als Fremde wahrgenommen, so dass David sie zunächst nicht in den Konflikt involvieren will (vgl. 2Sam 15,19ff.). Erst nachdem er sich von Ittais Loyalität überzeugt hat, darf dieser sich ihm mit seinen Männern anschließen. Umgekehrt wird David gegen den Willen des Königs von Gat vom Kriegszug der Philister gegen Saul ausgeschlossen. Diese Entscheidung gründet nicht in erster Linie darin, dass David Hebräer ist, sondern dass seine Loyalität angezweifelt wird (1Sam 29,3.4f.).

Aus diesen Beobachtungen ist zu schließen, dass die Kreter und Pleter ihre Zusammengehörigkeit vor allem aus ihrer Loyalität gegenüber David ableiten, die wiederum mehr in ihrem sozialen und weniger in ihrem ethnischen Status begründet ist.

2.3. Aufgabe

Anhand der Beamtenlisten lässt sich keine konkrete Aufgabe der Kreter und Pleter ableiten. Im Allgemeinen wird angenommen, dass sie als militärische Spezialeinheit bzw. Fremdenlegion oder königliche Leibwache fungierten.

Neben dem allgemeinen Heerbann treten weitere Truppenverbände in den Erzählungen der Samuelbücher auf. Hierzu zählen neben den Kretern und Pletern die sogenannten „Tapferen Männer“ (הַגִּבֹּרִים haggibborîm) bzw. die „Dreißig“, die „Drei“ sowie die Gatiter (vgl. 2Sam 15,18ff.). Alle sind für Davids Herrschaft entscheidend, aber nur die Oberbefehlshaber über den Heerbann und über die Kreter und Pleter werden in die Beamtenlisten aufgenommen. Umgekehrt finden die Kreter und Pleter keine Erwähnung in den Notizen über die verschiedenen „Tapferen Männer“ in 2Sam 23,8-39. Auch wenn Letztere idealisiert oder an Erzählungen über David angelehnt sind, ist es bemerkenswert, dass über die Kreter und Pleter keine vergleichbaren Nachrichten vorliegen.

Einzig der Anführer der Kreter und Pleter, Benaja ben Jojada, wird in 2Sam 23,20ff. erwähnt, weil er auch zu den „Tapferen Männern“ gezählt wird. Er ist aufgrund seiner außergewöhnlichen Heldentaten unter den „Dreißig“ hoch geachtet. Dennoch reicht sein Ansehen nicht aus, um Teil des Elitetrios der „Drei“ zu sein.

Andererseits wird er von David über die מִשְׁמַעַת mišma‛at gesetzt (2Sam 23,23b). Das Lexem מִשְׁמַעַת mišma‛at ist in der Hebräischen Bibel selten belegt: 1Sam 22,14; 2Sam 23,23 (par. 1Chr 11,25); Jes 11,14. Seine Bedeutung ist unsicher. Meist wird es von der Wurzel שׁמע šm‛ „hören“ abgeleitet und mit „das Gehörte“ oder „das Verkündete“ wiedergegeben. S. Bar-Efrat versteht die Wendung וְסָר אֶל־מִשְׁמַעְתֶּךָ wəsār ’æl mišma‛tækhā in 1Sam 22,14 wörtlich: „und er wendet sich nach dem, was du hören lässt“. Gemeint ist damit seiner Meinung nach eine Gruppe von Menschen, die dem König gegenüber Gefolgschaft leisten und ihm nahestehen (Bar-Efrat, 299). In 1Sam 22,14 wird David von Saul mit dieser Gruppe in Verbindung gebracht. Bar-Efrat vermutet weiter, dass hier שַׂר śār anstelle von סָר sār zu lesen sei. Dafür sprechen sowohl die → Septuaginta als auch der Targum Jonatan, die jeweils שַׂר śār „Befehlshaber“ voraussetzen. David werde von Saul zum Befehlshaber über Menschen eingesetzt, die dem König nahe stehen und ihm Gefolgschaft leisten. In diesem Sinne versteht Bar-Efrat auch 2Sam 23,23, unabhängig davon, dass Benaja hier nicht als Befehlshaber bezeichnet wird.

Setzt man die Beamtenlisten und 2Sam 23,23 miteinander in Beziehung, könnte der Schluss gezogen werden, dass die Kreter und Pleter eine Gruppe von Menschen sind, deren Loyalität und Gefolgschaft ganz und gar auf den König ausgerichtet sind. Dagegen scheint es fraglich, ob die Kreter und Pleter im Sinne einer institutionalisierten Leibwache verstanden werden können, denn einerseits finden sich für die königliche Leibwache, die fest im Staatsapparat eingebunden ist, andere und häufiger belegte Bezeichnungen (z.B.: טַבָּחִים ṭabbāḥîm, 2Kön 25,8 u.ö.; רָצִים rāṣîm, 2Sam 15,1 u.ö.; שֹׁמֵר לְרֹאשִׁי šomer ləro’šî, 1Sam 28,2) und andererseits werden die Kreter und Pleter nach dem Tod Davids nicht mehr erwähnt. Sie dienen einzig dem Machterhalt und Willen Davids. Diese Aufgabe aber erlischt mit dessen Tod.

2.4. Größe

Würde in 1Sam 22,1f. ausschließlich die Entstehung der Kreter und Pleter erzählt, würde ihr Größe 400 Mann umfassen (V.2). Handelt es sich in 1Sam 27,2 um dieselbe Personengruppe wie in 1Sam 22,2, wäre sie auf 600 Mann angestiegen, als David sich vor Saul zum Philisterkönig Achisch nach Gat flüchtete.

Betrachtet man die Kreter und Pleter als Leibwache Davids (vgl. dazu oben) in Parallele zu den in 2Sam 15,1 und 1Kön 1,5 erwähnten Männern (hebr. אִישׁ רָצִים ’îš rāṣîm), die Davids Söhne Absalom und Adonija jeweils im Zuge ihrer Erhebung gegen ihren Vater David um sich sammelten, dann könnte man davon ausgehen, dass die Leibwache eines Königs stets aus 50 Männern bestehen würde. Entsprechend hätten auch die Kreter und Pleter 50 Männer umfasst. Die unterschiedliche Bezeichnung beider Größen spricht jedoch dagegen, diese zu parallelisieren.

Aber auch die 400 bzw. 600 Männer, die David um sich sammelt, können nicht mit den Kretern und Pletern gleichgesetzt bzw. zu ihnen gerechnet werden, da auch die Gatiter zu dieser Gruppe gezählt werden (vgl. 2Sam 16,6). Auf der anderen Seite sind in antiken Quellen eben diese Größenangaben geläufig: 50 Mann für eine Leibwache und bis zu 600 Mann für eine Elitetruppe (vgl. Tallis).

2.5. Struktur

Über die innere Struktur der Kreter und Pleter ist nichts bekannt, abgesehen davon, dass sie einen Oberbefehlshaber namens Benaja ben Jojada hatten. Die biblischen Belege legen überdies eine freiwillige Zugehörigkeit der Mitglieder zur Gruppe nahe. Über ihre Bezahlung gibt es keine genaueren Nachrichten. Ob sie in Form von Lehensgaben entlohnt wurden, wie dies für den alten Orient häufig belegt ist, bleibt unsicher (vgl. unten).

3. Historische Einordnung

Wesen und Aufbau des Heeres, der Gesellschaft, der Wirtschaft und des Staats hingen im Alten Orient eng miteinander zusammen, ohne dass die jeweiligen Strukturen auf bestimmte Machtbereiche beschränkt gewesen wären (Tallis, 47). Archäologische Funde und ikonographische Darstellungen auf Stelen und Standarten (z.B. in Girsch oder Ur) belegen vielmehr seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. eine hochentwickelte Militärtechnik und Heeresorganisation mit häufig sehr ähnlicher Bewaffnung und Ausrüstung (Tallis, 50f.). Bei der Machtübernahme in einem Großreich konnten daher oft vorhandene Strukturen fortgeführt und in die eigene militärische Organisation eingefügt werden. Die assyrischen Herrscher z.B. konnten bereits auf einen gut organisierten Königshof zurückgreifen, an dem spezialisierte Streitkräfte verschiedene Aufgaben wahrnahmen, die im Kriegsfall sofort rekrutiert werden konnten (vgl. Tallis, 52f.). Der Sold wurde in Form von Verpflegung und Kleidung gezahlt, die Berufssoldaten wurden mit dem vom König gewährten Pachtland (illkum) belehnt (vgl. Tallis, 53).

In Israel und Juda blieb bei der Staatenbildung die verwandtschaftsbasierte Gesellschaftsform auch für die höfische Administration zunächst maßgeblich. Darüber hinaus nahm man aber auch die Dienste ausländischer Spezialisten in den Kreisen der סָרִיסִים sārîsîm „Eunuchen / Höflinge“ in Anspruch (vgl. Kessler, 84f.), die in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zum König standen (Kessler, 86).

In der vorstaatlichen Zeit wurde in Israel im Kriegsfall der (freiwillige) Heerbann der Stämme jeweils unter der Führung eines charismatisch begabten Anführers einberufen. Nach dem Ende der militärischen Auseinandersetzung löste sich die Gruppe wieder auf. Daneben gab es aber auch kleinere, dauerhaft bewaffnete Verbände, die als Outlaws oder „Söldner“ (‛apîru; → Hapiru) in den literarischen Zeugnissen des 2. Jahrtausends v. Chr. aus Palästina / Syrien häufiger begegnen. Wer seine Macht auf Dauer sichern wollte, benötigte die Loyalität einer solchen Gruppe. David überführte seine ihm loyal ergebene Söldnertruppe schließlich in ein Berufsheer. Auf diese Weise etablierte sich eine militärische Doppelstruktur von situativ einberufenem Heerbann und einem stehenden Berufsheer (Kessler, 88), die vermutlich bis zum Ende der Monarchie erhalten blieb. Der freiwillige Kriegsdienst wurde dabei zur „Wehrpflicht“, die in Friedenszeiten als Fronarbeit für den König abzuleisten war (vgl. Kessler, 89).

Die biblisch erwähnten Einheiten des Heerbannes bzw. der Berufsarmee von 100, 50 und 10 Mann (z.B. Num 31,14; Ri 7,19; 2Sam 15,1; 1Kön 1,5; 2Kön 25,25) waren auch in den umliegenden Kulturen gebräuchlich. Eine Anzahl von 600 Mann als Standardgröße für ein Berufsheer scheint hingegen fraglich (vgl. 1Sam 23,13). Vermutlich unterteilten sich die 600 Männer in weitere Untereinheiten zu je 150 oder 200 Personen, wie es aus der Umwelt Israels bekannt ist (vgl. Gabriel, 32).

R.A. Gabriel zufolge wählte David seine Leibwache aus den „Dreißig“ aus, die seinen Aufstieg begleitet haben und ihm treu ergeben waren. Sie stellten mit einer Söldnergruppe philistäischer Männer den Kern seiner Armee (vgl. Gabriel, 34f.). Dagegen gibt es keine Belege dafür, dass David oder Salomo die „Dreißig“ und die Kreter und Pleter durch die Vergabe von Lehen an Grund und Boden an sich gebunden hätten, was vielleicht erklärt, warum sie spätestens nach Salomos Thronbesteigung nicht mehr erwähnt werden.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Bar-Efrat, S., Das erste Buch Samuel. Ein narratologisch-philologischer Kommentar (BWANT 176), Stuttgart 2007
  • Gabriel, R.A., The Military History of Ancient Israel, Westport 2003
  • Kessler, R., Sozialgeschichte des alten Israel. Eine Einführung, Darmstadt 2006
  • Noort, E., Art. Krethi und Plethi, in: Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 4, 4. Aufl., Tübingen 2001, 1743-1744
  • Schroer, S., Die Samuelbücher (NSK.AT 7), Stuttgart 1992
  • Tallis, N., Krieg im Vorderen Orient, in: P. de Souza (Hg.), Die Kriege des Altertums. Von Ägypten bis zum Inkareich, Leipzig 2008, 47-66

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