Korb / Flechtwerk

(erstellt: Sept. 2022)

1. Definition Korb

Als Korb wird ein geflochtenes Behältnis bezeichnet, das seit der Vorzeit in vielfältiger Weise in Haushalt und Wirtschaft eingesetzt wird, sei es zur Aufbewahrung oder zum Transport von Gegenständen. Ein Korb kann flach gearbeitet sein und als Untersetzer oder Tablett genutzt werden; tiefer gewölbt dient er als Aufbewahrungsgefäß (mit Deckel).

2. Materialien

Aus: W. Gaitzsch, Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, Abb. 21 (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg). Auch in: Wikimedia Commons; © Chamberi, Wikimedia Commons, lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 3.0 unported; Zugriff 24.4.2022

Abb. 1 Seitenansicht eines zylindrischen Korbs aus Weidengeflecht (lat. cista), dazu die detaillierte Zeichnung des Flechtmusters (bei ‛Ēn Gedi; 2. Jh. n. Chr.). Die erhaltenen Reste sind ca. 20 cm hoch und haben einen Durchmesser von 16,5 cm. Der Korb hat ein Fassungsvolumen von ca. 4 Litern.

Ein Korb wird aus pflanzlichen Materialien gefertigt, die biegbar und vor Ort verfügbar sind: Getreidestroh, dünne Zweige der Weide, Blätter von Typhaceae (Rohrkolben), Schachtelhalm, Binse, Schilf, Hanf, Gräser oder Papyrus. Alle diese Pflanzen (außer Getreidestroh) benötigen einen feuchten oder nassen Untergrund zum Wachsen. Zur Herstellung von Matten und Körben eignen sich insbesondere Binsen, da sie weich und elastisch sind. Ein 42 x 21 x 26 cm großer Korb hat ein Füllvermögen von 18 Litern und kann eine Last von 25 kg aufnehmen.

Bei Ausgrabungen am Toten Meer wurden Körbe aus der Zeit Bar Kochbas (2. Jh. n. Chr.) gefunden, die aus Palmfasern und Weiden gefertigt waren. Eine Frau namens Babatha hatte zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. ihre Habseligkeiten in einem Korb aus Palmfasern in einer Höhle bei ‛ĒnGedi (Koordinaten: N 31° 28' 05'', E 35° 23' 18'') am Westufer des Toten Meeres versteckt.

Aus: G. Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 3: Von der Ernte zum Mehl. Ernten, Dreschen, Worfeln, Sieben, Verwahren, Mahlen, Gütersloh 1933, Abb. 15

Abb. 2 Dreschendes Rind mit einem Maulkorb, der von einem hinter die Hörner gelegten Seil gehalten wird.

Dort wurde auch ein zylinderförmiger Korb aus Weidengeflecht gefunden, der in einem überaus anspruchsvollen Muster hergestellt ist (Abb. 1). Das Bodengerüst bilden nach Gaitzsch (1986, 58, Abb. 21) 23 strahlenförmig angeordnete Zweige, die Wandung 62 senkrechte Staken. Die äußere Oberfläche des Korbes gliedert sich in drei Zonen, in die ein Rautenmuster eingeflochten ist.

Das in Dtn 25,4 überlieferte Verbot, einem Rind beim → Dreschen das Maul zuzubinden, belegt, dass es eine derartige Praxis gab. Zu Beginn des 20. Jh.s wurde dazu in Israel / Palästina ein Maulkorb (arab. Kemāme) genutzt (Abb. 2): Die einfache Variante bestand aus einem von Zweigen geflochtenen Ring, der um das Maul gelegt und mit einem Strick an den Hörnern befestigt wurde. Bei einem richtigen Maulkorb wurde an den Ring ein ca. 16 cm tiefer Korb aus sieben Rippen geheftet.

3. Materialvorbereitung und -verarbeitung

Aus: E. Völling, Textiltechnik im Alten Orient. Rohstoffe und Herstellung, Würzburg 2008, 120 (mit freundlicher Erlaubnis von © Elisabeth Völling)

Abb. 3 Geflochtenes Korbgeflecht, bei dem Schilf oder Fäden im rechten Winkel verkreuzt wurden.

Die Kunst der Flechterei reicht bis in die Frühgeschichte der Menschheit zurück. In Höhlen westlich des Toten Meeres wurden Flechtwerke aus der Steinzeit gefunden. Im März 2021 wurde der Öffentlichkeit ein ca. 10.500 Jahre alter Korb mit Deckel präsentiert, der am Toten Meer in einer Höhle gefunden wurde. Er hat ein Fassungsvermögen von rund 100 Litern.

Die geschnittenen und getrockneten Weidenruten oder Fasern werden vor der Verarbeitung wieder befeuchtet. So erhalten sie die zum Flechten notwendige Geschmeidigkeit. Nach Aussage des römischen Schriftstellers Lucius Iunius Moderatus Columella (1. Jh. n. Chr.) können Weidenruten nach dem Entrinden aber auch für 15 Tage in Dung gepackt werden, um geschmeidig zu werden. Die Befeuchtung mit Wasser war nur in Gebieten möglich, die über die entsprechenden Ressourcen verfügten. Zu nennen sind im Norden Israels das Hule-Becken und der → See Genezareth, das Jordangebiet (→ Jordan), die sumpfigen Gebiete der → Schefela und der Jesreel-Ebene, im Süden die aufgestauten Wasser von → Wadis. Demgegenüber findet sich Getreidestroh in Landstrichen, in denen Getreide (vornehmlich Gerste und Weizen) angebaut werden kann: Im Norden zwischen Mittelmeer und See Genezareth bzw. Jordan, in der Schefela, auf den judäischen Bergen oder östlich des südlichen Toten Meeres.

Aus: E. Völling, Textiltechnik im Alten Orient. Rohstoffe und Herstellung, Würzburg 2008, 120 (mit freundlicher Erlaubnis von © Elisabeth Völling)

Abb. 4 Herstellung eines Spiralwulstkorbs in der sog. coiled-Technik.

Die Tätigkeit des Flechtens besteht darin, biegsames Material in mehreren Strängen miteinander zu verkreuzen oder zu umschlingen (Abb. 3 und 4). Die Spiralwulst- oder coiled-Technik („Wickel-Technik“) ist eine der ältesten Flechtmethoden zur Herstellung von Körben. Bei ihr wird ein Bündel aus Binsen, Stroh oder Gräsern mit Streifen aus Rinde (dem sog. Binder) umschlungen.

Der entstandene Wulst wird in Form einer Schlange immer länger gemacht. Durch den Binder wird der weitergeführte Wulst mit dem bereits vorhandenen Geflecht verbunden. Zum Flechten von Körben ist neben dem eingesetzten Material kein Werkzeug notwendig.

In Höhlen in der nördlichen Judäischen Wüste wurden bei Ausgrabungen Reste von Körben entdeckt, die über 6000 Jahre alt und in der sog. coiled-Technik gearbeitet sind. Die Stichlänge misst 4,25 mm, die Stichbreite 1,8 mm. Der Abstand zwischen den Stichen beträgt 0,8-1,5 mm. Auf diese Weise kann ein Korb hergestellt werden, der äußerst dicht ist.

4. Korb im Alten Testament

Aus: W. Gaitzsch, Antike Korb- und Seilerwaren, hg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, 49 Abb. 21 (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg)

Abb. 5 Herstellung des Bodens eines Weidenkorbes aus strahlenförmig angeordneten Weidenzweigen. Für die Erstellung der Wandung werden am äußeren Rand senkrechte Staken eingesetzt (s. mittlere Darstellung).

Im Alten Testament werden folgende Begriffe für „Korb“ erwähnt:

1) דּוּד dûd 1Sam 2,14 (LXX: χαλκίον chalkíon „Kupfergefäß“); Jer 24,2 (LXX: κάλαθος kálathos „geflochtener Korb“; nach Plinius, nat. hist. 21,23 in Kelchform; Text gr. und lat. Autoren); Ps 81,7 (LXX: κόφινος kóphinos „Tragkorb / Korb“); 2Kön 10,7 (LXX: κάρταλλος kártallos „Futtersack“, Korb mit spitzem Boden). Der Begriff kann auch einen Kessel oder Topf bezeichnen (Hi 41,12; → Gefäße).

2) כְּלוּב kəlûv Am 8,1f (LXX: ἄγγος ángos „Gefäß / Behältnis / Schüssel / Napf“); Jer 5,27 (LXX: παγίς pagís „Schlinge / Netz / Falle“); Sir 11,30 (nicht in der Lutherbibel 1984).

3) טֶנֶא ṭænæDtn 26,2.4 (LXX: κάρταλλος kártallos „Futtersack“); Dtn 28,5.17 (LXX: ἀποθήκη apothēkē „Speicher / Scheuer / Magazin“).

4) סַל sal Gen 40,16-18; Ex 29,3.23.32; Lev 8,2.26.31; Num 6,15.17.19; Ri 6,19 (in LXX jeweils: κανοῦν kanoun „Rohrkorb / Korb“ für Brot, Früchte, Opfergeräte u.a.).

4.1. דּוּד dûd

Aus: W. Gaitzsch, Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, 49 Abb. 13e (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg)

Abb. 6 Beispiel für einen calathus. Er dient als Behälter für Früchte, Blumen oder auch Wolle.

Als דּוּד dûd bezeichnet man einen Lastkorb, in dem größere Gegenstände transportiert werden können: In Jer 24,1ff schildert → Jeremia, wie er nach der Deportation von 597 v. Chr. (→ Zerstörung Jerusalems) in einer → Vision zwei Körbe sieht. Der eine enthält gute Feigen, die für die Exilierten stehen, der andere schlechte, die für die im Land verbliebenen Judäer stehen. In 2Kön 10,7 werden die Köpfe von 70 Menschen in Körben transportiert. Laut Ps 81,7 befreit Gott den Menschen von Bedrängendem, das wie ein Lastkorb auf seinen Schultern liegt – eine Anspielung auf die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. Wenn ein דּוּד dûd in 1Sam 2,14 neben Kessel, Pfanne und Schüssel genannt wird, dann scheint es sich bei diesem Transportbehälter nicht nur um ein belastbares, sondern auch dichtes Behältnis zu handeln. Binsen, Hanf, Palmfasern oder Weide könnten ein geeignetes Herstellungsmaterial darstellen und in der sog. coiled-Technik gearbeitet gewesen sein. Gewundene Spiralwulstkörbe können so dicht geflochten werden, dass sie Wasser halten und – je nach Material – auch zum Kochen verwendet werden können. Das Nomen ist mit dem assyrischen dūdu „Kessel“ und dem ägyptischen ddt „Schale“ verwandt. Als Lastkorb wird der דּוּד dûd mit Henkeln versehen sein.

Aus: W. Gaitzsch, Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, 49 Abb. 13f (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg)

Abb. 7 Beispiel für einen cophinus.

Der als κάλαθος kálathoscalathus“ bezeichnete Korb ist kelchförmig. Die Korbwand ist in zwei Zonen geteilt; zwischen Boden und unterer Zone, unterer und oberer Zone sowie als oberer Abschluss befindet sich ein Flechtband. Das parallele Flechtwerk ist in den beiden Wandzonen gegenläufig gearbeitet.

Der als κόφινος kóphinoscophinus“ bezeichnete Korb dient in griechisch-römischer Zeit als Garten- oder Arbeitskorb.

4.2. כְּלוּב kəlûv

Der כְּלוּב kəlûv ist ein Korb aus einem Geflecht, das locker gearbeitet ist. In Am 8,1f schildert → Amos eine Vision, in der er einen Korb mit Obst, vielleicht auch einen leeren Obstkorb sieht. Das hebräische Wort für „Obst“ gleicht dem Wort für „Ende“ und so zielt das Bild von einem Obstkorb darauf, Israel das Ende anzukündigen. In Jer 5,27 dient ein Korb zum Verwahren von Vögeln. Das Behältnis muss geschlossen und mit einer Öffnung und einem Deckel versehen sein, damit die Tiere nicht entfliehen können, oder das Geflecht ist so flexibel, dass es auseinandergezogen und wieder zusammengeschoben werden kann, um Obst oder Tiere herauszunehmen oder hineinzugeben. Der כְּלוּב kəlûv könnte aus langen Halmen des Rohrkolbens, Schilf oder Papyrus gearbeitet gewesen sein.

4.3. טֶנֶא ṭænæ

Aus: W. Gaitzsch Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, Abb. 4 (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg)

Abb. 8 Ein טֶנֶא ṭēnē’ könnte möglicherweise so ausgesehen haben.

טֶנֶא ṭænæ’ bezeichnet einen muldenförmigen, flachen Korb, in dem die Erstlinge der Feldfrüchte gelagert und vor Gottes Altar dargebracht werden. Er bestand vermutlich aus Stroh, Binsen oder Blättern. Ob der Korb geflochten oder in der coiled-Technik gearbeitet ist, kann nicht gesagt werden.

4.4. סַל sal

Mit Dank an © The Metropolitan Museum of Art (open access; https://www.metmuseum.org/art/collection/search/329067; Zugriff 19.12.2021)

Abb. 9 Eine Grundnagelfigur, der den sumerischen König Urnammu mit einem Korb auf dem Kopf zeigt, um ihn als Bauherrn darzustellen (Ur; um 2100 v. Chr.).

סַל sal bezeichnet einen Brotkorb: → Josef deutet im Gefängnis (→ Kerker) die Träume eines Bäckers, der in Körben → Brot transportiert (Gen 40,16-18); diese sind nicht bedeckt, so dass Vögel an dem Backwerk picken können. Im Priesterdienst soll Fladen, Brot und anderes Backwerk in Körben am Eingang zum Stiftszelt abgelegt werden (Ex 29,3.23.32; Lev 8,2.26.31). Zu den Gaben, die Nasiräerinnen und Nasiräer (→ Nasiräer) nach Num 6,15.17.19 darbringen sollen, wenn die Zeit ihrer Weihe abgelaufen ist, gehört ein Korb mit Broten. → Gideon nutzt einen solchen Korb, um Gott darin das Fleisch eines Ziegenböckchen darzubringen (Ri 6,19). Offensichtlich wurde diese Korbart verwendet, um hochstehenden Persönlichkeiten bzw. Gott selbst etwas darzubringen.

Der סַל sal ist ohne Deckel, so dass der Inhalt sofort sichtbar ist. Er hat eine runde Form, da Backwerk im Alten Testament in der Regel eine runde Form aufweist. Die Körbe scheinen stapelbar gewesen zu sein, da der Bäcker in der Josefsgeschichte mehrere Körbe trug.

Die griechische Übersetzung des hebräischen Nomens bestätigt diese Annahme: Ein κανοῦν kanoun ist ein aus Weidenruten geflochtener, flacher Korb. Er hat eine runde oder ovale Form und drei Henkel.

Mit freundlicher Erlaubnis des © LVR-LandesMuseum Bonn, Foto: Jürgen Vogel

Abb. 10 Eine Opferdienerin trägt in ihrer linken Hand einen Korb, der mit verschiedenen Früchten gefüllt ist. Der Opferkorb hat eine niedrige Wandhöhe, sodass der Inhalt für die Gottheit sofort erkennbar ist (den Aufaniae geweihter Matronenaltar (Igel bei Trier, 2. Jh. n. Chr.).

Homer bezeichnet in der Odyssee (Od 17, 335.343; Text gr. und lat. Autoren) den κανοῦν kanoun als Brotkorb, aber auch als Opferkorb, in dem Gerste gespendet wurde (Od 3, 441; Text gr. und lat. Autoren).

Auf Darstellungen von Kanephoroi (Korbträgerinnen) wird der als κανοῦν kanoun bezeichnete Korb mit drei Henkeln dargestellt, der von Mädchen in griechischen Opferprozessionen auf dem Kopf getragen wurde. Hergestellt wurde er vermutlich in der coiled-Technik.

5. Korb im Neuen Testament

Auch im Neuen Testament werden für Körbe unterschiedliche Begriffe verwendet:

1) κόφινος kóphinos (Mt 14,20 par. Mk 6,43; Mt 16,9 par. Mk 8,19; Lk 9,17; Joh 6,13).

2) σπυρίς spyrís (Mt 15,37 par. Mk 8,8; Mt 16,10; Mk 8,20; Apg 9,25).

3) σαργάνη sargánē (2Kor 11,33).

5.1. κόφινος kóphinos

Der Begriff κόφινος kóphinos fällt im Neuen Testament nur in der Erzählung von der Speisung der 5000 (Belegstellen s.o.). Nachdem die Menschen gegessen haben, bleiben noch zwölf Körbe mit Brotbrocken übrig. In der Erzählung von der Speisung der 4000 bleiben sieben Körbe mit Brotbrocken übrig, jedoch wird für die Körbe hier nicht der Begriff κόφινος kóphinos, sondern σπυρίς spyrís verwendet. Der Begriffswechsel nimmt vielleicht einen regional verschiedenen Sprachgebrauch auf: Im Duktus des Markus-Evangeliums findet die Speisung der 5000 (Mk 6,35-43) an der Westseite des See Genezareth statt (Lk 9,17 folgt in der Übernahme des Korb-Begriffs dem Markus-Evangelium, siedelt die Erzählung aber in der Gegend um Bethsaida am Nordrand des See Genezareth an, vgl. Lk 9,10). κόφινος kóphinos könnte also eine Korb-Bezeichnung sein, die im untergaliläischen Raum beheimatet war.

Dieser Tragkorb ist zugleich ein Hohlmaß für Getreide und umfasst ca. 10 Liter. Seit griechisch-römischer Zeit dient der cophinus auch als Schanzkorb, ein zylindrisches Geflecht, das, gefüllt mit Erdreich, als Feldbefestigung zum Schutz gegen Angreifer eingesetzt wird.

5.2. σπυρίς spyrís

σπυρίς spyrís bezeichnet einen geflochtenen Korb bzw. Fischkorb, der z.B. für Speisereste und Fische oder Getreide gebraucht wurde.

Diese Korbbezeichnung findet sich nur im Zusammenhang der Speisung der 4000 und der Flucht des Saulus bzw. Paulus aus Damaskus in Apg 9,25.

In der Erzählung von der Speisung der 4000 bleiben 7 Körbe (Akk. σπυρίδας spyrídas) Reste übrig. Der Begriff κόφινος kóphinos wird in der Erzählung von der Speisung der 5000 verwendet; hier bleiben 12 Körbe Reste übrig. Eine mögliche Erklärung für die unterschiedliche Bezeichnung der Körbe könnte in deren Volumen liegen.

Wo die Speisung der 4000 stattfand, wird in den Evangelien nicht gesagt. Erwähnt wird nur, wohin sich Jesus nach der Speisung begab: nach Mt 16,13 in Richtung Cäsarea Philippa, nach Mk 8,10 in die Gegend des nicht lokalisierbaren Dalmanutha, nach Mk 8,22 nach Bethsaida. Der Begriffswechsel könnte also auch auf verschiedene regionale Bezeichnungen zurückgehen.

Σπυρίς spyris wird auch im Zusammenhang mit der Flucht des Saulus / Paulus aus Damaskus erwähnt (Apg 9,25). Das könnte darauf hinweisen, dass der Begriff die lokale Bezeichnung für dieses Behältnis gewesen ist, die im Norden des Landes (Obergaliläa und Syrien) üblich war. Sollte ein solches Gefäß von Saulus / Paulus zur Flucht aus Damaskus genutzt worden sein, muss dieser strapazierfähige Korb ein großes Volumen gehabt haben. Vermutlich wurde er aus Weide geflochten.

5.3. σαργάνη sargánē

Der Begriff σαργάνη sargánē kommt im Neuen Testament nur einmal vor: Saulus / Paulus berichtet in 2Kor 11,33, dass er sich den Häschern des Statthalters in Damaskus nur entziehen konnte, indem in einem σαργάνη sargánē die Stadtmauer herabgelassen wurde.

Der Begriff geht auf das hebräische שֹרג śrg „flechten / verflechten“ zurück. Er sagt deswegen nur etwas über die Herstellungsweise des Behältnisses aus, nicht aber über Form und Herstellungsmaterial.

Zu berücksichtigen ist, dass ein Korb, in dem eine Last über eine so große Höhendistanz wie eine Stadtmauer herabgelassen oder heraufgezogen werden konnte, aus strapazierfähigem Material wie Weidenrute geflochten sein muss, darüber hinaus noch schmal und hochwandig gefertigt sein muss, damit der Inhalt nicht herausfallen kann.

6. Korb in nachbiblischer Zeit

In der Zeit der Mischna (2./3. Jh. n. Chr.) bezeichnet קופה qûppāh einen im Haushalt viel genutzten Gegenstand. Seine Herstellung wird folgendermaßen beschrieben: Aus Ruten oder Blättern wurde ein langes Seil geflochten; dieses Seil wurde um einen geflochtenen Boden und übereinander gewunden und mit einem Henkel versehen. Benutzt wurde die קופה qûppāh als Vorratsbehälter für Getreide, Baumfrüchte, Gemüse, Heu und Stroh, aber auch als Transportbehälter. In der Landwirtschaft fand er ebenfalls Verwendung. Genutzt wurde der Korb, um darin Gewürze feilzubieten, Nahrungsmittel für Arme zu sammeln oder, innen mit Pech versiegelt, bei der Traubenlese. Als Fassungsvolumen werden 3 Seah, aber auch 40 Seah (ein Seah entspricht etwa 6,7 Liter Trockenmaß) und mehr angegeben.

In der Zeit der Mischna wurde der סַל sal als Behälter für Weintrauben, Oliven oder Feigen genutzt, diente aber auch als Brotkorb. Hergestellt wurde er häufig aus Ruten der Bachweide oder aus Palmblättern.

Aus: G. Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 3: Von der Ernte zum Mehl. Ernten, Dreschen, Worfeln, Sieben, Verwahren, Mahlen, Gütersloh 1933, Abb. 35

Abb. 11 Getreide- und Fruchtkörbe, wie sie zu Beginn des 20. Jh.s in Palästina gebraucht wurden.

Ein κάλαθος kalathos war ein gewöhnlicher Handkorb, der bei Maimonides als „Geflecht aus ḥalaf (Halfagras)“ beschrieben ist.

Zu Beginn des 20. Jh.s bezeichnete arabisch sall einen flachen großen Korb aus Zweigen von Mastixterebinthe, Weide oder Brombeere, 50 cm breit, 12 cm tief. Er wurde zum Transport von Getreide, Trauben oder Oliven genutzt; da diese Art Korb auch bei der Olivenölherstellung eingesetzt wurde, scheint er sehr belastbar und flexibel gewesen zu sein. Im Lateinischen bezeichnet man diese Korbform als fiscus oder saccus, als ein Korb mit elastischem, weichem Geflecht oder als Presskorb.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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  • Jewish Encyclopedia, New York 1901-1906 (baskets)
  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1933-1979 (κανοῦν)
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979 (Korb)
  • Der Kleine Pauly, München 1964-1975 (Kalathos)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart 1973-2015 (סָלַל)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992 (Korb)
  • Der Neue Pauly, Stuttgart 1996-2003 (Kanephoroi, Kalathos, Kanun)
  • Das große Bibellexikon, Gütersloh 2004 (Korb)
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006 (Maße und Gewichte)

2. Weitere Literatur

  • Bar-Adon, P., 1980, The Cave of the Treasure. The Finds from the Caves in Naḥal Mishmar, Jerusalem
  • Bar-Yosef, O., 1985, A Cave in the Nahal Hemar. 9000-Year-Old-Finds, Jerusalem
  • Dalman, G., 1933, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 3: Von der Ernte zum Mehl. Ernten, Dreschen, Worfeln, Sieben, Verwahren, Mahlen, Gütersloh, 194.205
  • Dalman, G., 1935, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 4: Brot, Öl, Wein, Gütersloh, 109.192.195.342
  • Dalman, G., 1939, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 6: Zeltleben, Vieh- und Milchwirtschaft, Jagd, Fischfang, Gütersloh, 57.99
  • Gaitzsch, W., 1986, Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart
  • Krengel, J., 1898, Das Hausgerät in der Misnah, Bd. 1, Breslau, 39-45 (online https://archive.org/details/hausgeratind00kren/page/40/mode/2up bis https://archive.org/details/hausgeratind00kren/page/43/mode/2up) (Zugriffsdatum: 03.08.2021)
  • Löw, I., 1967, Die Flora der Juden, Bd. 1, Hildesheim
  • Luz, U., 1990, Das Evangelium nach Matthäus, Bd. 2 (EKK I/2), Neukirchen-Vluyn
  • Mathys, S., Über das Flechten (online www.flechtart.ch/medien/ueberDasFlechten.pdf) (Zugriffsdatum: 05.08.2021)
  • Probst-Böhm, A., 2020, Wie man einen Spiralwulstkorb herstellt – basierend auf einigen neolithischen Funden, in: J. Banck-Burgess / L.-M. Rösch (Hgg.), Verknüpft und zugenäht! Bound and Stitched Up !: Gräser, Bast, Rinde – Alleskönner der Steinzeit / Grass, Bast, Bark – Stone Age All-Rounders (Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 82), Heidelberg, 61-69 (online https://books.ub.uni-heidelberg.de/propylaeum/reader/download/643/643-30-90371-1-10-20200923.pdf) (Zugriffsdatum: 27.07.2021)
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  • Völling, E., 2008, Textiltechnik im Alten Orient. Rohstoffe und Herstellung, Würzburg
  • Yadin, Y., 1972, Bar Kochba. Archäologen auf den Spuren des letzten Fürsten von Israel, Hamburg
  • Zwickel, W., 2002, Einführung in die biblische Landes- und Altertumskunde, Darmstadt

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Seitenansicht eines zylindrischen Korbs aus Weidengeflecht (lat. cista), dazu die detaillierte Zeichnung des Flechtmusters (bei ‛Ēn Gedi; 2. Jh. n. Chr.). Die erhaltenen Reste sind ca. 20 cm hoch und haben einen Durchmesser von 16,5 cm. Der Korb hat ein Fassungsvolumen von ca. 4 Litern. Aus: W. Gaitzsch, Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, Abb. 21 (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg). Auch in: Wikimedia Commons; © Chamberi, Wikimedia Commons, lizenziert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 3.0 unported; Zugriff 24.4.2022
  • Abb. 2 Dreschendes Rind mit einem Maulkorb, der von einem hinter die Hörner gelegten Seil gehalten wird.
  • Aus: G. Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 3: Von der Ernte zum Mehl. Ernten, Dreschen, Worfeln, Sieben, Verwahren, Mahlen, Gütersloh 1933, Abb. 15
  • Abb. 3 Geflochtenes Korbgeflecht, bei dem Schilf oder Fäden im rechten Winkel verkreuzt wurden.
  • Aus: E. Völling, Textiltechnik im Alten Orient. Rohstoffe und Herstellung, Würzburg 2008, 120 (mit freundlicher Erlaubnis von © Elisabeth Völling)
  • Abb. 4 Herstellung eines Spiralwulstkorbs in der sog. coiled-Technik.
  • Aus: E. Völling, Textiltechnik im Alten Orient. Rohstoffe und Herstellung, Würzburg 2008, 120 (mit freundlicher Erlaubnis von © Elisabeth Völling)
  • Abb. 5 Herstellung des Bodens eines Weidenkorbes aus strahlenförmig angeordneten Weidenzweigen. Für die Erstellung der Wandung werden am äußeren Rand senkrechte Staken eingesetzt (s. mittlere Darstellung).
  • Aus: W. Gaitzsch, Antike Korb- und Seilerwaren, hg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, 49 Abb. 21 (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg)
  • Abb. 6 Beispiel für einen calathus. Er dient als Behälter für Früchte, Blumen oder auch Wolle.
  • Aus: W. Gaitzsch, Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, 49 Abb. 13e (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg)
  • Abb. 7 Beispiel für einen cophinus.
  • Aus: W. Gaitzsch, Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, 49 Abb. 13f (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg)
  • Abb. 8 Ein טֶנֶא ṭēnē’ könnte möglicherweise so ausgesehen haben.
  • Aus: W. Gaitzsch Antike Korb- und Seilerwaren, hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Unterstützung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart und der Stadt Aalen, Stuttgart 1986, Abb. 4 (mit freundlicher Erlaubnis des © Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg)
  • Abb. 9 Eine Grundnagelfigur, der den sumerischen König Urnammu mit einem Korb auf dem Kopf zeigt, um ihn als Bauherrn darzustellen (Ur; um 2100 v. Chr.). Mit Dank an © The Metropolitan Museum of Art (open access; https://www.metmuseum.org/art/collection/search/329067; Zugriff 19.12.2021)
  • Abb. 10 Eine Opferdienerin trägt in ihrer linken Hand einen Korb, der mit verschiedenen Früchten gefüllt ist. Der Opferkorb hat eine niedrige Wandhöhe, sodass der Inhalt für die Gottheit sofort erkennbar ist (den Aufaniae geweihter Matronenaltar (Igel bei Trier, 2. Jh. n. Chr.).
  • Mit freundlicher Erlaubnis des © LVR-LandesMuseum Bonn, Foto: Jürgen Vogel
  • Abb. 11 Getreide- und Fruchtkörbe, wie sie zu Beginn des 20. Jh.s in Palästina gebraucht wurden.
  • Aus: G. Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 3: Von der Ernte zum Mehl. Ernten, Dreschen, Worfeln, Sieben, Verwahren, Mahlen, Gütersloh 1933, Abb. 35

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