Keila

Andere Schreibweise: Keïla, Kegila, Kehila, Keilah, Ceila

(erstellt: Mai 2020)
© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage Keïlas.

Bei Keïla handelt es sich um eine Stadt im Stammesgebiet von Juda in der näheren Umgebung von → Achsib und → Marescha (Jos 15,44). Aufgrund der Lage in der → Schefela war Keïla nach der Bibel den Übergriffen der → Philister ausgesetzt, wurde aber von → David unterstützt. Trotzdem konnte sich David nicht dauerhaft dort etablieren (1Sam 23). Unter → Nehemia war Keïla schließlich der Hauptort eines halben Bezirks (Neh 3,17f.)

1. Name

Bei קְעִילָה Qə‘îlāh „Keïla“ handelt es sich um eine feminine qatīl-Form. Die Etymologie des Toponyms קְעִילָה Qə‘îlāh ist jedoch ungeklärt, auch wenn es die unterschiedlichsten Optionen gibt. Verschiedene innersemitische Vorschläge wurden bislang diskutiert:

1) Oft verbindet man קְעִילָה Qə‘îlāh mit dem in → Ugarit belegten Lexem q‘l „Hügel / Kammlinie“ (KTU 1.3 VI:8), das darüber hinaus mit dem arabischen Kognat qau‘ilatu „Höhe“ zusammenhängen könnte (Jirku 1963, 87; Neiman, 65f.; Lipiński, 36f.). In diesem Fall würde der Ort Keïla auf einem Hügel oder einem Kamm liegen.

2) Darüber hinaus wird aber auch erwogen, dass קְעִילָה Qə‘îlāh von arabisch qa‘īl „Hase“ abzuleiten wäre (Borée, 40). Dann würde hier wie bei anderen biblischen Toponymen eine Tierbezeichnung verwendet werden. In diesem „Hasenort“ hat es demnach offenbar viele Hasen gegeben.

3) Schließlich wird eine Verbindung zum arabischen Lexem qu‘al „Weintraube“ gezogen (Jirku 1963, 87). Dann könnte es sich um einen Ort in der Schefela handeln, der für seinen Reichtum an Wein bekannt gewesen wäre. Dies hätte sich dann auch in der Namenswahl durchgesetzt.

4) Neben diesen Ableitungen wird auch an eine akkadische Herkunft des Toponyms Keïla gedacht. Dementsprechend könnte man קְעִילָה Qə‘îlāh von einem Gottesnamen dKi-el-ti ableiten (Jirku 1930, 229). Die Gottheit Kelti ist Sohn der Göttin Ayya, der Gemahlin des babylonischen Sonnengottes, und gilt als vergöttlichte Personifikation des Waldes. Der Name Kelti ist darüber hinaus eine hurritische Lesart des akkadischen Lexems qištu „Wald“, das auch die Nebenform qiltu ausbildet. Allerdings ist die Beziehung Keïlas zu einem fremden Gott eher unwahrscheinlich. Außerdem kann der Konsonant kaum mithilfe der Form qiltu erklärt werden (van der Toorn, 901).

Eine allgemein akzeptierte Etymologie des Toponyms ist bislang nicht gelungen.

2. Belege

2.1. Keïla in außerbiblischen Quellen

Das Toponym Keïla ist vermutlich in der Amarna-Korrespondenz als URUQiltu belegt (EA 279:12; 280:11.18; 287;11; 289:28; 290:10.18; → Amarnabriefe), auch wenn die Gleichsetzung von URUQiltu mit קְעִילָה Qə‘îlāh nicht ohne Probleme ist, zumal man den Verlust des Konsonanten erklären muss. Darüber hinaus ist es schwierig, die Verhältnisse der Spätbronzezeit mit diesen fragmentarischen Texten korrekt zu rekonstruieren. Bei der sogenannten Qiltu-Affaire, die sich in den Texten von el-Amarna widerspiegelt, scheint es sich um folgende Ereignisse zu handeln (Na’aman 2011):

Zunächst weist der Stadtfürst Schuwardata darauf hin, dass in Keïla eine Menge von Rebellen Zuflucht fand, die das Umland verwüsteten (EA 279:9-23). Diese Rebellen wurden angeblich von anderen Stadtstaaten unterstützt (EA 287:4-19). Es hat den Anschein, dass Schuwardata zusammen mit → Abdi Chepa von → Jerusalem siegreich gegen die Rebellen mit Unterstützung durch die Stadtstaaten von → Akko und Achschaf vorgegangen ist (EA 366:11-27). Die Rebellen, bei denen es sich wohl um ‘Apiru handelt (→ Hapiru), wurden darüber hinaus von den „Männern aus Qiltu“ unterstützt (EA 289:28). Vermutlich hat Abdi Chepa von Jerusalem kurze Zeit später auf das Territorium von Schuwardata ausgegriffen und die Bevölkerung von Qiltu auf seine Seite gezogen (EA 280:16-36). Daraufhin kündigte Schuwardata sein Bündnis mit Abdi Chepa auf und verbündete sich mit seinen Widersachern, den Herrschern von → Geser, → Sichem und Ginti-Kirmil, um Qiltu wieder unter seine Herrschaft zu bringen (EA 289:25-28; 290:10.18). Alles in allem zeigt die Qiltu-Affaire die wechselhaften Machtverhältnisse in der Schefela und dem judäischen Bergland sowie die politische Instabilität der ägyptischen Vasallenstaaten.

→ Flavius Josephus erwähnt den Ort Keïla in seiner Darstellung der Daviderzählung unter der Namensform Κίλλα Killa (Antiquitates VI:273; Text gr. und lat. Autoren), während die Bewohner als Κιλλανοὶ Killanoi (Antiquitates VI:271f.) oder Κιλλῖται Killitai (Antiquitates VI:274) bezeichnet werden.

Nach → Eusebius liegt der Ort Keïla sieben Meilen östlich von Eleutheropolis. Dort sei zudem der Prophet → Habakuk begraben (Onomastikon 88:26-28; Eusebs Onomastikon). Dieser Ort wird von Eusebius als Ἐχελά Echela bezeichnet, der in byzantinischer Zeit aber Ἐνκηλά Enkēla heiße. Der Ort Ἐχελά Echela ist aufgrund der weiteren Angaben des Eusebius nicht als das biblische Toponym Hachila zu deuten. Vielmehr ist der hier genannte Ort Ἐχελά Echela mit Ἐνκηλά Enkēla bzw. Κηλά Kēla gleichzusetzen. Aufgrund der Distanzangaben handelt es sich bei Ἐχελά Echela / Ἐνκηλά Enkēla vermutlich um den modernen Ort Qīlā (Koordinaten: 1498.1135; N 31° 36' 35'', E 35° 00' 11'').

Außerdem liegt nach Eusebius der biblische Ort Keïla, Κεειλά Keeila, acht Meilen östlich von Eleutheropolis auf dem Weg nach → Hebron (Onomastikon 114:15-18). Die unterschiedlichen Meilenangaben in Bezug auf Ἐνκηλά Enkēla und Κεειλά Keeila mögen darauf zurückzuführen sein, dass der Ort Chirbet Qīlā in einiger Entfernung zur Römerstraße liegt und daher die Entfernung nur ungefähr angegeben werden konnte.

Das Habakukgrab (→ Habakuk) wird in frühchristlichen und frühjüdischen Quellen unterschiedlich lokalisiert:

1) Die Tradition des Habakukgrabes in Κελα Kela bzw. Κειλα Keila belegt auch der Kirchenhistoriker Sozomenos (Sozomenos, Historia ecclesiastica VII,29). Um das Jahr 385 n. Chr. seien von Bischof Zebennos von Eleutheropolis nach einer Traumvision die Gebeine des Propheten Habakuk an dem Ort Κελὰ Kela und das Grab des Propheten Micha in Berathsatia, zehn Stadien von Kela entfernt, aufgefunden worden.

2) Auch Petrus Diaconus kennt offenbar diese Tradition, verlagert aber das Grabmal an einen Ort namens Bycoyca, der in Eleutheropolis liege (Petrus Diaconus, De locis sanctis V:8). Bei Bycoyca handelt es sich vermutlich um eine Entstellung des Prophetennamens Habakuk. Das Prophetengrab wurde folglich nach dem Namen des Bestatteten benannt.

3) Neben diesen beiden Traditionen des Habakukgrabes (Keïla und Eleutheropolis) überliefert die frühe hagiographische Literatur mit Beit Zouchar im Territorium von Simeon einen weiteren Ort für das Habakukgrab (Vitae Prophetarum 12,1.9).

4) Eusebius selbst erwähnt mit Gabbatha einen vierten Ort für das Habakukgrab. Gabbatha ist zwölf Meilen von Eleutheropolis entfernt (Onomastikon 70:23f.).

Das einzig Sichere aus all diesen unterschiedlichen Traditionen ist lediglich die ungefähre Lokalisierung des Habakukgrabes in der Gegend von Eleutheropolis, auch wenn die exakte Verortung nicht sicher ist.

Hieronymus deutet den schwierigen Eigennamen Ceila als „ad fundam iacta sive suscitans eam aut tollens sibimet“ (Hieronymus, Liber interpretationis hebraicorum nominum 26:6f.): „zu Boden Geworfene oder diese in die Höhe treibend oder vielmehr sich selbst aufhebend“, wobei er offenbar die Wurzel ‘LJ bemüht.

Der Ort Keïla ist schließlich als קעילה Q‘JLH wiederholt in rabbinischen Quellen belegt, wo betont wird, das Keïla nahe an der Grenze liege (Babylonischer Talmud, Traktat Eruvin 45a). Neben der aus der Bibel bekannten Form קעילה Q‘JLH ist die feminine Form קעילית Q‘JLJT in rabbinischer Zeit belegt (Reeg, 575). Offenbar waren Feigen aus dem Ort Keïla sehr bekannt, da diese wiederholt in rabbinischen Quellen genannt werden (z.B. Babylonischer Talmud, Traktat Eruvin 27b; Traktat Joma 76a etc.). Die Feigen aus Keïla entwickelten zudem infolge ihres starken Zuckergehalts berauschende Eigenschaften (Dalman, 33).

2.2. Keïla im Alten Testament

Der Ortsname Keïla wird im Alten Testament 16-mal in der Langform קְעִילָה Qə‘îlāh (Jos 15,44; 1Sam 23,1.2.4.5[2x].6.7.8.10.11.12.13; 1Chr 4,19; Neh 3,17.18) und zweimal in der defektiven Form קְעִילָה Qə‘îlāh verwendet (1Sam 23,3.13). Ein Grund für den Wechsel zwischen defektiver und plene Schreibweise in 1Sam 23 ist nicht zu erkennen.

Die Stadt Keïla wird aufgrund der späten chronistischen Tradition zunächst gerne den Kalebitern zugeordnet (1Chr 4,19). Allerdings ist dieser Text schwierig zu deuten. Denn über die ethnische Zuordnung des ansonsten unbekannten Nacham, der hier als Initiator der Erstbesiedelung von Keïla gilt (Willi, 134), ist nichts bekannt. Insofern ist es müßig, über eine ehemals kalebitische Bevölkerung in Keïla zu spekulieren.

Nach Jos 15,44 zählt Keïla hingegen zu den Städten des Stammesgebietes Judas. Der Ort Keïla liegt demnach im vierten Distrikt Judas in der Nähe der sicher zu identifizierenden Orte Nesib und Marescha, was für die Lokalisierung von Keïla durchaus wichtig ist. Während der judäischen Königszeit war Keïla somit zusammen mit acht weiteren Städten vielleicht ein Teil des Bezirks von Marescha (Aharoni, 300), wobei diese Deutung freilich davon abhängt, wie man die judäische Städteliste in Jos 15 datiert.

Aus: Biblia, das ist: Die gantze H. Schrifft, Altes und Neues Testaments teutsch, Herrn Doct. Martin Luthers, 1670. 271 (https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/5648488)

Abb. 2 David rettet Keïla und erbeutet das Vieh der Philister (Holzschnitt; Lutherbibel, 1670).

Der Ort Keïla findet sich schließlich in sehr redundanter Form in der → AufstiegserzählungDavids in 1Sam 23 (14 Belege). Mithilfe der topographischen Verortung, auf die der Erzähler immer wieder hinweist, wird gezeigt, dass sich David – ausgehend von → Gat und → Adullam – zunächst in südöstlicher Richtung immer weiter weg von den → Philistern und → Saul bewegen will. Allerdings bleibt ihm Saul stets auf den Fersen, sodass David sein Heil schließlich bei den Philistern suchen muss (Dietrich, 665).

Zur Zeit Davids gehörte Keïla offenbar noch nicht zum Stammesgebiet Judas, da sich Davids Männer in Keïla noch mehr vor den Philistern fürchten als in Juda selbst (1Sam 23,3). Dies gilt freilich nur dann, wenn mit Juda tatsächlich das Stammesgebiet und nicht nur die Landschaft Juda gemeint ist (Veijola, 80f.), wobei letzte Option weniger wahrscheinlich ist. Keïla lag somit außerhalb des Stammesgebiets Judas, was die Bedenken der Truppe Davids erklärt. Aufgrund der Angst seiner Krieger musste David zweimal ein Gottesorakel bemühen. Die Freischärler Davids befanden sich vor dem Angriff auf die Philister vermutlich in Jaar-Heret (1Sam 22,5), das mit dem 3 km östlich von Chirbet Qīlā liegenden Ort Ḥarās (Koordinaten: 1540.1136; N 31° 36' 52'', E 35° 02' 29'') gleichgesetzt werden kann (Veijola, 82), und damit in unmittelbarer Nähe von Keïla (s.u.).

Map of Western Palestine in 26 Sheets from Surveys Conducted for the Committee of the Palestine Exploration Fund / by Lieutenants C.R. Conder and H.H. Kitchener, R.E., during the years 1872-1877, London 1880 (Einzeichnung Erasmus Gaß)

Abb. 3 Orte der Daviderzählung.

Offenbar zogen die Philister das Terebinthental – vielleicht ausgehend von der Stadt Gat, die ungefähr 17 km nordwestlich von Keïla liegt – herauf, entweder um zu plündern oder um ihr Gebiet nach Osten zu erweitern. Die Stadt Keïla lag zudem im Grenzgebiet zwischen den Philisterstaaten und dem Stammesgebiet von Juda. Als bislang unabhängige Stadt verwundert es nicht, dass Keïla somit das Interesse der Philister und Israeliten auf sich zog.

Mit freundlicher Erlaubnis von © Todd Bolen / BiblePlaces.com (Zugriff: 3.3.2020)

Abb. 4 Dreschplätze bei Chirbet Qīlā.

Nach der biblischen Erzählung plünderten die Philister zur Zeit Sauls die Tennen der Bevölkerung von Keïla. Es handelt sich bei den Tennen um die Dreschplätze, die außerhalb der Stadt lagen (→ dreschen). Die Philisterstadt Gat war sicherlich auf Lebensmittel aus dem Hinterland angewiesen, die man sich ohne eigentliche Bezahlung aneignen wollte. Vielleicht „plünderte“ man die Tennen in einer aggressiven Form der Steuereintreibung (Dietrich, 674). Zumindest waren die schwach gesicherten Tennen eine leichte Beute und der wirtschaftliche Schaden für Keïla groß (Klein, 229). Fraglich ist jedoch, ob in der ursprünglichen Tradition tatsächlich Philister als Gegner auftraten. Es könnte sich auch um eine Truppe von Banditen gehandelt haben, die ähnlich wie die Truppe um David das Land unsicher machten (Stolz, 148).

Nachdem David die Gegner Keïlas geschlagen hatte, versuchte er diese Stadt als Hauptquartier und Rückzugsort gegen Saul zu nutzen. Als Befreier Keïlas übte er offenbar polizeiliche Funktionen aus und lebte auf Kosten der von ihm „befreiten“ Stadt. Vermutlich haben die Dörfer in der Peripherie des judäischen Berglands Saul um Hilfe angerufen, um die Plünderer unter David wieder loszuwerden. Nach 1Sam 23,7 war Keïla zudem eine Festungsstadt mit Toren und Riegeln. Vielleicht gehörte Keïla zu einer Reihe von befestigten Städten in der östlichen Schefela. In der Stadt Keïla war David für Saul ohnehin leichter zu greifen als im offenen Gelände (Klein, 230).

Bei den in 1Sam 23,11f. erwähnten „Herren von Keïla“ handelt es sich vermutlich um ein kollektives Gremium von Honoratioren, das neben dem Bürgermeister die lokale freie Bevölkerung der Stadt vertrat und über alle internen und externen Angelegenheiten des Ortes entschied. In städtischen Gesellschaften wurden die Mitglieder aus der wohlhabenden und aristokratischen Oberschicht ausgewählt (Stolz, 148), in Stammes- und ländlichen Gesellschaften aus den wohlhabenden Clans. In den biblischen Texten werden derartige Stadtherren immer wieder negativ geschildert (Na’aman, 91f.). Schon angesichts der Bedrohung der Stadt Keïla durch Saul war damit zu rechnen, dass die „Herren von Keïla“ im Ernstfall David ausliefern würden. Hinzu kommt, dass es sich bei den „Herren von Keïla“ vermutlich nicht um Judäer handelte (McCarter, 371). Durch eine Orakelanfrage erfuhr David, dass die Gerüchte von Sauls geplanter Zerstörung Keïlas wie auch die Illoyalität der „Herren von Keïla“ einen Verbleib in der Stadt lebensgefährlich erscheinen ließen, sodass sich David mit seinen Freischärlern aus Keïla zurückzog.

Zur Zeit → Nehemias gehörte Keïla zur persischen Provinz Jehud. Die Bezeichnung „halber Bezirk“ von Keïla (Neh 3,17f.) weist darauf hin, dass dieser Distrikt von zwei unabhängigen Verwaltungsbeamten beherrscht wurde (Simons, 394). Diese Beamten namens Haschabja und Binnui waren zudem für einen Teil des Mauerbaus in Jerusalem verantwortlich. Der Bezirk von Keïla umfasste vermutlich das Teilgebiet der persischen Provinz Jehud, das nordwestlich vom Bezirk Bet-Zur lag (Schunck, 110). Offenbar handelte es sich bei Keïla zu dieser Zeit um eine nicht unbedeutende Stadt. Erst später wechselte der Zentralort des Bezirks von Keïla nach Bethletepha, wo sich in römischer Zeit der Sitz einer Toparchie befand (Schmitt, 103f.).

2.3. Lokalisierung und Grabungsbefund

Der biblische Ortsname Keïla ist im arabischen Toponym Chirbet Qīlā (Koordinaten: 1503.1134; N 31° 36' 43'', E 35° 00' 09'') durchaus noch erhalten, auch wenn in der Regel bei der arabischen Übertragung der Laryngal erhalten bleibt (Elitzur, 296f.), was hier nicht der Fall ist.

Mit freundlicher Erlaubnis von © Todd Bolen / BiblePlaces.com (Zugriff: 3.3.2020)

Abb. 5 Blick von Süden auf Chirbet Qīlā.

Während Edward Robinson die vermutlichen Überreste von Chirbet Qīlā lediglich als „verfallene Grundmauern“ bezeichnete (Robinson, 220), identifizierte C.W.M. van der Velde als erster den Ruinenhügel von Kîla mit dem biblischen Ort Keïla (van der Velde, 328). Nach Victor Guérin ist die ursprüngliche Lesart dieses Ortes zudem Chirbet Kīlā (Guérin, 341). Der Ort Chirbet Qīlā liegt auf der Ostseite des Wādī ṣ-Ṣūr, westlich der Stadt Bēt Ūlā in der östlichen Schefela, ungefähr 13,5 km nordwestlich von → Hebron und 5 km südlich von → Adullam. Der Ruinenhügel Chirbet Qīlā befindet sich auf dem Ausläufer eines Hügelzuges, der nach Norden, Westen und Süden von der Umgebung stark isoliert und im Osten über einen Sattel mit dem fast gleich hohen Gelände verbunden ist. Der Hügel erhebt sich etwa 66 m über die Talsohle. Das Hügelplateau erstreckt sich auf eine Fläche von etwa 5 ha.

Aufgrund seiner Lage in der östlichen Schefela am Übergang zum judäischen Bergland war Keïla von strategischer Bedeutung. Darüber hinaus lag Keïla an der wichtigen Nordsüdstraßenverbindung, die zahlreiche Städte miteinander verband. Im 2. Jt. v. Chr. war die Gegend um Keïla stark bewaldet und vermutlich nur dünn besiedelt. Aus diesem Grund wäre Keïla eigentlich ein geeigneter Zufluchtsort für die Freischärlergruppe unter David gewesen. Über das nördliche Wādī s-Sanṭ und das südliche Wādī l-Merğ war Chirbet Qīlā zudem für die Philister leicht zu erreichen.

Auf Chirbet Qīlā fand man ein halbkreisförmiges Gewölbe, das aus schönem Quader gebaut war, und die Überreste einer Umfassungsmauer. Auf einem benachbarten Hügel im Norden waren mehrere antike Gräber in den Felsen gehauen, die aller Wahrscheinlichkeit nach zu der Nekropole von Chirbet Qīlā gehörten (Guérin, 341; Conder / Kitchener, 118). Bisherige Oberflächenuntersuchungen ergaben, dass es sich bei Chirbet Qīlā um einen befestigten Ort mit Glacis und einem Torkomplex auf der Nordseite handelte. Der Keramikbefund von Chirbet Qīlā deutet in die Mittelbronzezeit, die Spätbronzezeit, die Eisenzeit I und II sowie die persische, hellenistische, römische und byzantinische Periode (Kochavi, 48f. Site 70; Dagan 1992, 161 Site 143; Dagan 2000, 63 Site 188; McKinny, 221). Bei Oberflächenuntersuchungen wurden auch zwei lmlk-Krughenkel gefunden (Alt, 21).

Um das Jahr 2000 wurden über tausend hebräische Bullen bei illegalen Ausgrabungen in Chirbet Qīlā entwendet. Es handelt sich vor allem um Bullen aus der Zeit des Königs → Hiskija, sowie Bullen hoher Beamter am königlichen Hof (Deutsch 2012, 59). Die fiskalischen Bullen von Chirbet Qīlā belegen zum einen die Existenz von bislang außerbiblisch nicht erwähnten Orten, zum anderen die judäische Steuerverwaltung in der Schefela zur Zeit Hiskijas. Auf einer der Bullen von Chirbet Qīlā wird der Ortsname Keïla genannt: „im 19. Jahr (von) Keïla an den König“ (Deutsch 2003, 85-89).

Mit freundlicher Erlaubnis von © Robert Deutsch, aus: R. Deutsch, Biblical Period Hebrew Bulla. The Josef Chaim Kaufman Collection, Tel Aviv 2003, 86

Abb. 6 Bulle mit Erwähnung Keïlas.

Seit 2014 finden Ausgrabungen auf Chirbet Qīlā durch die Birzeit University, das Palestinian Department of Antiquities and Cultural Heritage und die Université de Montpellier statt (Halayqa, 146). Der Zustand der Ruinenstätte ist jedoch durch zahlreiche Raubgrabungen massiv beeinträchtigt. Diese Störungen gingen bis zu 3 m in die Tiefe und weisen einen Durchmesser von bis zu 5 m auf. Danach wurden die entstandenen Löcher sekundär verfüllt. Aufgrund dieser Schädigungen sind die Schichten von Chirbet Qīlā bis zur Eisenzeit II nachhaltig gestört.

Bei den Ausgrabungen wurden zwei Areale geöffnet. Areal A liegt auf der Westseite, Areal B am südöstlichen Hang. Aufgrund des archäologischen Befundes (Getreidesilo, Weinpresse, Reibsteine, Webgewichte) diente Areal A offenbar zur Herstellung von Lebensmitteln und zur Industrieproduktion. Bei Ausgrabungen hat man in Areal A auch ein lmlk-Stempelsiegel gefunden, das mit Hebron zu verbinden ist (Halayqa, 146-149). In Areal B legte man 20 m der Stadtmauer und einen rechteckigen Turm frei.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
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  • Eerdmans Dictionary of the Bible, Grand Rapids 2000
  • The New Interpreter’s Dictionary of the Bible, Nashville 2006-2009
  • Encyclopedia of the Bible and its Reception, Berlin 2009ff

2. Weitere Literatur

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  • Alt, A., 1925, Das Institut im Jahre 1924, Palästinajahrbuch 21, 5-58
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  • Conder, C.R. / Kitchener, H.H., 1883, The Survey of Western Palestine III, London
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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage Keïlas. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 David rettet Keïla und erbeutet das Vieh der Philister (Holzschnitt; Lutherbibel, 1670). Aus: Biblia, das ist: Die gantze H. Schrifft, Altes und Neues Testaments teutsch, Herrn Doct. Martin Luthers, 1670. 271 (https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/5648488)
  • Abb. 3 Orte der Daviderzählung. Map of Western Palestine in 26 Sheets from Surveys Conducted for the Committee of the Palestine Exploration Fund / by Lieutenants C.R. Conder and H.H. Kitchener, R.E., during the years 1872-1877, London 1880 (Einzeichnung Erasmus Gaß)
  • Abb. 4 Dreschplätze bei Chirbet Qīlā. Mit freundlicher Erlaubnis von © Todd Bolen / BiblePlaces.com (Zugriff: 3.3.2020)
  • Abb. 5 Blick von Süden auf Chirbet Qīlā. Mit freundlicher Erlaubnis von © Todd Bolen / BiblePlaces.com (Zugriff: 3.3.2020)
  • Abb. 6 Bulle mit Erwähnung Keïlas. Mit freundlicher Erlaubnis von © Robert Deutsch, aus: R. Deutsch, Biblical Period Hebrew Bulla. The Josef Chaim Kaufman Collection, Tel Aviv 2003, 86

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