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Lexikon

Joram

Andere Schreibweise: Jehoram; Ioram

Andreas Hilpert

(erstellt: April 2017)

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1. Name

Der Name „Joram“, der auch in anderen semitischen Sprachen belegt ist, erscheint im Alten Testament in der Langform יְהוֹרָם jəhôrām und der Kurzschreibweise יוֹרָם jôrām. יְהוֹרָם jəhôrām setzt sich aus dem Gottesnamen יהוה jhwh sowie der Wurzel רום rwm „hoch sein“ zusammen und bedeutet „JHWH ist erhaben“. Sowohl im Südreich Juda als auch im Nordreich Israel gab es je einen König mit dem Namen Joram. Beide regierten in der Mitte des 9. Jh.s v. Chr. Die genaue Datierung ist jedoch sehr umstritten. Teile der Forschung vertreten die These, dass Joram von Juda und Joram von Israel historisch gesehen ein und dieselbe Person sind, ebenso wie Ahasja von Israel und Ahasja von Juda. Joram stammte aus dem Nordreich, habe aber zunächst in Juda, das ein Filialkönigtum des Nordreichs gewesen sei, regiert und erst dann im Tausch mit seinem Bruder Ahasja im Nordreich geherrscht. Erst später habe die biblische Geschichtsschreibung daraus zwei Könige konstruiert. Als Gründe für die These werden die Namensgleichheit, die fast parallele Regierungszeit und die ähnliche Regierungsdauer angeführt. Ebenso führen beide Könige in 2Kön 9 gemeinsam Krieg, was auf eine enge Verbindung von Juda und Israel zu der Zeit hindeutet (Frevel, 160.204-208).

2. Joram, König von Juda

Über Joram als König von Juda liegen zwei biblische Darstellungen in 2Kön 8,16-24 und 2Chr 21 vor. Außerbiblische Belege sind bisher nicht bekannt.

2.1. Joram in den Königebüchern (2Kön 8,16-24)

2.1.1. Biblische Darstellung

Joram aus dem Hause Davids ist der Sohn von König → Joschafat, der im Alten Testament zu den bekannteren Königen Judas zählt. Im Alter von 32 Jahren wird Joram für acht Jahre König. Unter seiner Herrschaft kommt es zur Verschwägerung der Königshäuser vom Südreich Juda und Nordreich Israel. So heiratet er eine Tochter → Ahabs aus dem Haus → Omri, was die → Königebücher theologisch negativ als Annährung an Israel bewerten. In 2Kön 8,26wird die Frau als → Atalja aus dem Haus Omri identifiziert, die in 2Kön 11,1 das Königshaus Davids gänzlich auszurotten versucht. Somit wird bei Joram die Grundlage für die Atalja-Episode in 2Kön 10f. gelegt, die das Königtum Judas fast an den Untergang führt.

2Kön 8,20-22 berichtet von einem siegreichen Feldzug Jorams gegen die → Edomiter. Dennoch lösen sich Edom und die Stadt Libna von Juda, womit ätiologisch (→ Ätiologie) die endgültige Loslösung Edoms beschrieben wird. Joram wird in der Gruft Davids in Jerusalem begraben und sein Sohn → Ahasja wird König.

2.1.2. Forschungsfragen

Der vorliegende Text bietet trotz seiner Kürze einige Spannungen und Indizien für Erweiterungen. Besonders die theologische Erklärung in 2Kön 8,19, die sich ähnlich in 1Kön 11,36; 1Kön 15,4 findet, gilt als Nachtrag des deuteronomistischen Nomisten (Würthwein, 333; → Deuteronomismus). Demnach müssten Jorams Frevel eigentlich die Vernichtung durch Gott nach sich ziehen. Juda bleibt aber durch Gottes Gnade und Davids Verdienste erhalten.

Höchstwahrscheinlich ist der älteste Kern der Darstellung die Schilderung des Abfalls von Edom und der Stadt Libna im unübersichtlichen Abschnitt 2Kön 8,20-22 zu finden (Würthwein, 322f.). Doch auch dort liegt entweder Textverderbnis oder literarisches Wachstum vor. So berichtet 2Kön 8,21 von einer Schlacht in der unbekannten Stadt Zaira, die laut Masoretischem Text siegreich verläuft. Als Ergebnis der Schlacht steht in 2Kön 8,22 aber der Abfall Edoms. Viele Exegeten nehmen darum hier und in der Parallelstelle der Chronik eine Konjektur vor (Rudolph, 264) und wandeln den Schlachtausgang zu einem Sieg Edoms. Andere Forscher hingegen werten diesen Widerspruch aufgrund der literarischen Wiederaufnahme von 2Kön 8,20 als Fortschreibung, die Edoms Abfall mit einem Sieg Judas relativieren möchte. Somit bleibt der Schlachtablauf rätselhaft, auch wenn die Loslösung Edoms und Libnas wohl eine alte Annalennotiz darstellt.

2.2. Joram in den Chronikbüchern

2Chr 21 erweitert die Darstellung der Königebücher mit zahlreichem Sondergut. 2Chr 21,2-4 berichten von Jorams Mord an seinen sechs Brüdern. Mit dieser Tat beginnt eine neue Zeit, die sich von der positiven Herrschaft Joschafats negativ abhebt. Durch den Mord sowie durch die Ehe mit → Atalja (2Chr 21,6) wird das Davidische Königtum geschwächt. In der Forschung wird angesichts der Tendenz der Aussage diskutiert, ob 2Chr 21,2-4 eine spätere Hinzufügung darstellt (Noth, 143).

Darauf folgen in 2Chr 21,5 die Rahmendaten über Jorams Herrschaft und der Erzählabschnitt in 2Chr 21,6-10, der parallel zu 2Kön 8,18-22 aufgebaut ist. Hier sind theologische Glättungen und Neuformulierungen auffällig. So wird in 2Chr 21,7 explizit ein Gottesbund mit David eingefügt, der Jorams Verschonung erwirkt. Nicht in die offenbar unbekannte Stadt Zairah (‎צָעִירָה) zieht Joram, sondern mit seinen „Obersten“ (שָׂרָיו), was phonetisch ähnlich klingt. Der rätselhafte Satz aus 2Kön 8,21, dass das Volk zu seinen Zelten floh, entfällt. Ferner wird in 2Chr 21,10 der Abfall Edoms und Libnas theologisch mit dem Abfall von JHWH begründet.

Das folgende Sondergut stellt Jorams schlechte Taten in Juda nun ausführlich dar. 2Chr 21,11 berichtet von der Errichtung der Höhen, von Prostitution und der Verführung Judas. Eine Chronik-Besonderheit ist der Brief von → Elia in 2Chr 21,12-15, da Nordreichspropheten in der Chronik sehr selten sind. Das Medium des Briefes erklärt sich dadurch, dass Elia nicht im Südreich auftritt oder bereits entrückt ist. Die Untergangsbotschaft Elias weist aber keine Bezüge zu den Elia-Texten der Königebücher auf. Vielmehr ist seine Botschaft an die der Chronik-Propheten angepasst. So werden Joram in 2Chr 21,12-15 Plagen für Volk und Königshaus sowie Krankheiten vorhergesagt, an denen er zugrunde gehen wird. Diese treffen in 2Chr 21,16-18 ein, so dass fremde Völker in Juda einfallen und das Königshaus noch weiter dezimieren. Joram selbst stirbt an einer unheilbaren Krankheit, da seine Eingeweide herausbrechen. 2Chr 21,19 berichtet davon, dass sein Begräbnis erstmals ohne ein Ehrenfeuer stattfindet, wie es die Könige zuvor erhalten haben. In 2Chr 21,19 wird ihm die Bestattung in der Königsgruft verweigert.

Der Text wird von der Forschung überwiegend als einheitlich angesehen. Kontrovers wird Elias Brief in 2Chr 21,12-15 bewertet, da der Prophet schon entrückt sein müsste. Rätselhaft ist der Schlussvers in 2Chr 21,20, der Jorams Regierungsantritt aus 2Chr 21,5 am Textende wiederholt. Probleme bereitet hier der ungebräuchliche Ausdruck וַיֵּלֶךְ בְּלֹא חֶמְדָּה. Meist wird dies wie in der Zürcher Bibel (2007) übersetzt: „und er ging, ohne bedauert zu werden“. Galling (130f.) übersetzt die Wörter neutraler als „er wandelte im Nichtgefallen“.

2.3. Zur Rezeption Jorams im Neuen Testament und in der Kunst (Klaus Koenen)

© public domain (Foto und Beschriftung: Klaus Koenen, 2017)

Abb. 1 Joram in einer Wurzel Jesse (zweite Reihe von rechts; Archivolten des Hauptportals des Kölner Doms; 19. Jh.).

Als König des Hauses David zählt Joram nach Matthäus zu den Vorfahren Jesu (Mt 1,8). Als solcher erscheint er in der Kunst z.B. in der sog. Wurzel Jesse, in der Vorfahren Jesu als Nachfahren von Jesse (→ Isai), dem Vater Davids, in einem Baum zusammengestellt sind, der aus Jesse hervorgeht. Eine solche Wurzel Jesse findet sich z.B. in den Archivolten des Hauptportals des Kölner Doms. Unmittelbar auf Jesse folgen hier Rehabeam, Joschafat und dann dessen Sohn Joram.

3. Joram, König von Israel

3.1. Biblische Darstellung in 2Kön 3,1-3

Joram ist der Sohn → Ahabs und letzter Vertreter aus dem Haus Omri. Er tritt die Regierung im 18. Jahr → Joschafats an und regiert zwölf Jahre. Bemerkenswert ist das ambivalente Urteil in 2Kön 3,2. Joram wird wie fast alle Nordreichskönige schlecht bewertet, da er den Sünden → Jerobeams folgt. Allerdings wird gelobt, dass er besser handelte als sein Vater und seine Mutter, da er die → Mazzebe des Baalskultes (→ Baal) beseitigte, die sein Vater Ahab aufstellen ließ (Werlitz, 209f.). Dies steht insbesondere mit seinem Tod in Konflikt, da Jehu ihm in 2Kön 9,22 gerade die Sünden seiner Mutter vorhält.

3.2. Krieg Jorams und Joschafats gegen Moab

3.2.1. Biblische Darstellung in 2Kön 3,4-27

2Kön 3 berichtet von der Loslösung → Moabs. So wird in 2Kön 3,4-5 der Moabiter-König Mescha als tributpflichtiger Vasall Israels präsentiert, der nach Ahabs Tod die Verbindung mit Israel bricht (→ Mescha / Mescha-Stele). Ab 2Kön 3,6f. gründet sich auf Jorams Initiative ein Triumvirat aus Joram, Joschafat von Juda und einem Edomiterkönig, das zum Feldzug gegen die Moabiter mit einem Umweg durch die Wüste Edoms aufbricht. 2Kön 3,9-19 schildert nun die Begegnung der drei Könige mit dem Propheten → Elisa. Elisa zeigt den Königen den Weg zum Wasser und sagt einen Sieg über die Moabiter voraus. 2Kön 3,20-24 berichtet von der Schlacht gegen die Moabiter. Die kampfbereiten Moabiter werden durch ein Wasserwunder in der Wüste aus ihren Stellungen gelockt. Da sie das Wasser für Blut halten, vermuten die Moabiter, dass sich die Könige gegenseitig angegriffen haben. Beim Betreten des Lagers werden die Moabiter vernichtend geschlagen. 2Kön 3,25 stellt die Verwüstung des Landes und die Belagerung der Stadt Kir-Heres dar. Nach einem misslungenen Ausbruchsversuch der Moabiter in 2Kön 3,26 opfert der Moabiterkönig in 2Kön 3,27 seinen Sohn als Brandopfer auf der Mauer (→ Menschenopfer). Daraufhin kommt großer → Zorn über Israel, so dass der Feldzug abrupt beendet wird und alle nach Hause zurückkehren.

3.2.2. Forschungsfragen zu 2Kön 3,4-27

Der Moabiter-Krieg ist der bekannteste Text zu Joram. Besonders über die möglichen Bezüge zur → Mescha-Stele aus dem 9. Jh. wird intensiv diskutiert, da dort ebenso von Kriegen zwischen dem Haus Omri und Moab berichtet wird.

Die Einheitlichkeit der Geschichte ist stark umstritten. Von den diversen literarkritischen Vorschlägen sei hier als Hauptspannung die Begegnung zwischen Elisa und den Königen in der Wüste in 2Kön 3,9-19 genannt. Elisas Auftreten ist abrupt und besonders seine Vision passt nur bedingt zum Verlauf der Geschichte. So weist er in 2Kön 3,17 dem Heer den Weg zum überlebenswichtigen Wasser. Ein Auffinden des Wassers wird aber gar nicht geschildert, sondern in 2Kön 3,22f. verwirrt ein Wasserwunder in der Wüste lediglich die Moabiter. Zudem trifft die Vorhersage in 2Kön 3,18, dass Moab fallen werde, nicht zu, da das Heer in 2Kön 3,27 sieglos abzieht. Deswegen werden in den Versen 2Kön 3,9-19 häufig deuteronomistische Hinzufügungen (→ Deuteronomismus) beobachtet, die Elisa alsPropheten einführen (Hobbs, 31f.; Würthwein, 285-287). Die Verse werten Joschafat von Juda deutlich auf, der nach einem JHWH-Prophet fragt, so dass dessen Frömmigkeit zum Überleben führt. Hingegen wird Joram in 2Kön 3,14 von Elisa beleidigt, eines JHWH-Propheten unwürdig zu sein.

Das Ende der Geschichte bleibt rätselhaft. Fraglich ist, was der „große Zorn“ (קֶצֶף־גָּדוֹל) in 2Kön 3,27 sein soll, der die Angreifer zum Rückzug in einer siegreichen Schlacht bewegt. Dazu gibt es mehrere Theorien.

1) In der Darstellung wurde eine alte Sage verarbeitet, in der die moabitischen Götter durch das Menschenopfer den Zorn gegen die Angreifer erwirken. Die Frage nach dem Ursprung des Zorns wird somit im Bibeltext bewusst offen gehalten, um den Eindruck zu vermeiden, dass JHWH schwächer sei als die Götter Moabs (Hentschel, 13).

2) Die Einführung Meschas und die Verschonung der Moabiter in 2Kön 3,4f.25b-27 sind sekundär, während die Erzählung ursprünglich den Sieg über die Moabiter in 2Kön 3,24 darstellt (De Vries, 88f.122f.).

3) Den Zorn zieht sich Joram durch seine Verfehlungen in 2Kön 3,2f.10.13 zu. Somit ist der Umschwung die späte Folge von JHWHs Missgunst gegenüber Joram. Der Zorn selbst stellt also keine Strafe, sondern die Ursache des Unheils dar, wie viele altorientalische Parallelen belegen (Kratz, 100-111).

4) Der „Zorn“ umschreibt die Folge des Menschenopfers. Das Opfer erwirkt zwar Moabs Verschonung, aber diese resultiert nicht aus eigener Stärke, sondern durch eine Freveltat mit Beigeschmack, da Menschenopfer im Judentum verboten sind (Würthwein, 285).

5) Vielfach wird der Text mit der Mescha-Stele verglichen, die ebenso von Auseinandersetzungen zwischen Moab und Israel und einem Zorn berichtet. Zwar stimmen viele Details der Texte nicht überein, aber dennoch lässt sich in beiden Texten als Ergebnis konstatieren, dass sich Moab von Israel loslöst, wie es schon 2Kön 1,1 berichtet. Von daher wäre die Kriegsdarstellung in 2Kön 3 eine mehrfach gewachsene literarische Auseinandersetzung, die sich an den historischen Kriegen zwischen Israel und Moab abarbeitet.

3.3. Jorams Ende durch Jehu

3.3.1. Biblische Darstellung in 2Kön 9

Durch die Elia-Elisa-Geschichten unterbrochen geht der Erzähltext über Jorams Tod und den Untergang des Hauses Omri erst ab 2Kön 8,27 weiter. Gemeinsam mit seinem Schwager, König Ahasja aus Juda, führt Joram Krieg gegen den Aramäerkönig → Hasael (→ Aramäer), wovon 2Kön 8,27-29 berichtet. → Jehu wird derweil in 2Kön 9,1-15 gekrönt und vollzieht einen militärischen Putsch gegen Joram. Dieser hält sich währenddessen mit Ahasja von Juda in → Jesreel auf, um seine Wunden auszukurieren, die die Aramäer ihm zugefügt haben. In 2Kön 9,16-24 ahnen Joram und Ahasja nichts von der Verschwörung. Als Jehu anrückt, werden Boten zu Jehu ausgeschickt, die Jehu nicht zurückkommen lässt. So reiten die beiden Könige schließlich selbst Jehu entgegen. Jehu gibt sich mit der Frage zu erkennen, wie Friede sein könne im Angesicht der Frevel → Isebels? Jehu tötet Joram, der „Verrat“ schreit, mit dem Bogen in 2Kön 9,24, so dass dieser im Wagen tot zusammenbricht. Jorams Leichnam wird in 2Kön 9,25f. auf → Nabots Weinberg geworfen zur Vergeltung für Ahabs Mord an Nabot, womit sich literarisch der Kreis zu 1Kön 21,19 schließt. Ahasja kann vorläufig entkommen und wird in 2Kön 9,27 in → Meggido getötet. Im Anschluss ermordet Jehu Isebel und die weiteren Vertreter des Haus Ahabs in 2Kön 10.

3.3.2. Forschungsfragen zu 2Kön 9

Die Putscherzählung Jehus in 2Kön 9 ist eher literarisch als historisch zu betrachten (Werlitz, 241). Zwei konträre Darstellungen durchziehen zudem den Text. So wird einerseits der kaltblütige Putsch Jehus aus der Perspektive der Opfer dargestellt, die, ohne es zu ahnen, ihren Mörder empfangen und hingerichtet werden (Minokami, 176). Andererseits finden sich immer wieder Passagen, die Jehu positiv bewerten, da er den Baalskult Isebels auslöscht, wie es das Deuteronomium vorschreibt. Auch in 2Kön 9,22 tritt eine derartige Begründung auf, die die Frevel Isebels als Motiv für Jehus Härte ausfindig machen. Von der Forschung werden diese Passagen darum häufig einer deuteronomistischen Redaktion zugerechnet, die Jehu als Erfüller des deuteronomistischen Gesetzes darstellt.

Weiterhin wird diskutiert, ob nicht die → Tel-Dan-Inschrift ein außerbiblischer Beleg der Schlacht gegen die Aramäer ist. Der Text berichtet vom Sieg eines Aramäer-Königs über Israel, bei dem zwei Könige ermordet wurden, was an die gemeinsame Schlacht Judas und Israels gegen Aram in 2Kön 9 erinnert. Allerdings sind ausgerechnet die beiden Königsnamen Ahasja und Joram nur fragmentarisch erhalten und müssen rekonstruiert werden. Außerdem hätten dann die Aramäer Ahasja und Joram ermordet und nicht Jehu, was von der Darstellung der Königebücher abweicht (Frevel, 214-218).

4. Weitere Personen mit dem Namen Joram

1. In der Bibel tritt der Name „Joram“ weiterhin für den Sohn des Königs Toi von Hamath auf, der nach 2Sam 8,10David Geschenke der Ehrerbietung bringt.

2. „Joram“ heißt auch der Sohn eines Leviten Jesaja in einer Levitenliste in 1Chr 26,25, in der der Tempelaufbau angeordnet wird.

3. Nach 2Chr 17,8 gehörte ein Priester namens Joram zu den Lehrern, die König Joschafat durch sein ganzes Land schickte, damit sie das Volk in der Tora unterweisen. Die Bemerkung soll die Frömmigkeit des Königs veranschaulichen.

4. Nach der → Septuaginta hatte → Tibni, gegen den sich Omri als König durchsetzen musste, einen Bruder namens Joram (1Kön 16,22LXX). Da die Notiz kaum als Einfügung der Septuaginta zu erklären ist, kann sie auf eine hebräische Vorlage zurückgehen.

5. Inschriftlich ist der Name Joram mehrfach belegt, nämlich auf einem Ostrakon aus dem Judäischen Bergland (AHI II, 99.005,5; um 600 v. Chr.), auf einem Siegelabdruck unbekannter Herkunft (AHI II, 101.235,1) sowie einem Siegelabdruck aus → Lachisch (AHI I, 100.779).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006
  • Encyclopedia of the Bible and its Reception, Berlin / New York / Boston 2009ff

2. Weitere Literatur

  • Cogan, M., 1988, 2 Kings: a new translation with introduction and commentary (AncB 11), New York.
  • De Vries, S., 1978, Prophet against Prophet, the role of the Micaiah narrative (I Kings 22) in the development of early prophetic tradition, Grand Rapids.
  • Frevel, C., 2016, Geschichte Israels (KStTh 2), Stuttgart.
  • Fritz, V., 1998, Das zweite Buch der Könige (ZBK 10,2), Zürich.
  • Galling, K., 1958, Die Bücher der Chronik, Esra, Nehemia (ATD 12), Berlin.
  • Hentschel, G., 1985, 2 Könige (NEB.AT 11), Würzburg.
  • Hobbs, T., 1985, 2 Kings (WBC 13), Waco/ Texas.
  • Kratz, R.G., 2008, Chemosh’s Wrath and Yahweh’s No: Ideas of Divine Wrath in Moab and Israel, in: R.G. Kratz / H. Spieckermann (Hgg.), Divine Wrath and Divine Mercy in the World of Antiquity (FAT II/33), Tübingen, 92-121.
  • Minokami, Y., 1989, Die Revolution des Jehu (GTA 38), Göttingen.
  • Mulzer, M., 1992, Jehu schlägt Joram: text-, literar- und strukturkritische Untersuchung zu 2 Kön 8,25 - 10,36 (ATSAT 37), St. Ottilien.
  • Noth, M., 1967, Überlieferungsgeschichtliche Studien: die sammelnden und bearbeitenden Geschichtswerke im Alten Testament, 3. Auflage, Tübingen.
  • Rudolph, W., 1955, Chronikbücher (HAT 1,21), Tübingen.
  • Wagner, T., 2006, Art. Mescha/ Mescha-Stele, in: Das Wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (www.wibilex.de), (Zugriffsdatum: 26.4.2017).
  • Werlitz, J., 2002, Die Bücher der Könige (NSK.AT. 8), Stuttgart.
  • Würthwein, E., 1984, Die Bücher der Könige: 1. Kön. 17 - 2. Kön. 25 (ATD 11/2), Göttingen.

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Joram in einer Wurzel Jesse (zweite Reihe von rechts; Archivolten des Hauptportals des Kölner Doms; 19. Jh.). © public domain (Foto und Beschriftung: Klaus Koenen, 2017)

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