Hammer

(erstellt: Febr. 2020)
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Abb. 1 Ägyptische Arbeiter bearbeiten Quadersteine mit Meißel und Holzhammer (Grab des Rechmire, el-Qurna, Ägypten; Neues Reich, 15. Jh. v. Chr.).

Ein Hammer ist ein Schlagwerkzeug mit einem Kopf aus Holz, Stein oder Metall sowie einem Stiel aus Holz. Einfache Schlagsteine hat es seit den Anfängen der Menschheit gegeben. Auch im antiken Israel dürften sie im Alltag weithin verwendet worden sein, zuweilen geglättet und mit Greiflöchern, um sie besser halten zu können. Ihnen gegenüber bietet der Hammer zwei Vorteile: Mit der Länge des Stiels erhöht sich der Schwung und damit der Aufschlagdruck und zugleich wird der Rückstoß auf die Hand abgefedert. Für Haushalt und Handwerk war der Hammer ein äußerst wichtiges Werkzeug, z.B. beim Plätten von Metall sowie, in Verbindung mit einem Meißel, bei der Bearbeitung von Steinen und Holzgegenständen.

1. Archäologische Belege

Aus: P.L.O. Guy, Megiddo Tombs (OIP 33), Chicago 1938, Pl. 158, 22

Abb. 2 Zylinderförmiger Hammerkopf aus Stein mit seitlichem Loch für einen Stiel (Megiddo, Datierung fraglich).

Da Gegenstände aus Holz in Palästina nur sehr selten erhalten sind, werden von Hämmern auf Grabungen nur Köpfe aus Stein oder Metall gefunden. Hammerköpfe aus Bronze und Eisen sind jedoch relativ selten, da sie wohl ausschließlich von spezialisierten Handwerkern verwendet wurden.

Aus: P.L.O. Guy, Megiddo Tombs (OIP 33), Chicago 1938, Pl. 116, 11 und 12

Abb. 3 Kugelförmige Hammerköpfe aus Stein mit Loch für einen Stiel (Megiddo, Datierung fraglich).

In der Regel hatten Hämmer Köpfe aus Stein. Da ihre Form über die Epochen hinweg sehr konstant geblieben ist, kann ihre Datierung immer nur auf dem Fundkontext beruhen. Die Steine sind meist Kugeln oder Zylinder mit einem Durchmesser von 10-15 cm. In der Mitte weisen sie ein Loch auf, in dem einst der Holzstiel steckte. Nach Weippert (133) gab es auch Hämmer, bei denen der Kopf in der Mitte eines sehr langen Stiels befestigt war, so dass der Hammer zwei Schlagseiten hatte. Ein anderer Kopftyp hat Einkerbungen auf beiden Seiten, in denen zwei Stöcke oder zwei Enden einer Astgabelung mit Kordel befestigt waren.

Aus: R.S. Lamon / G.M. Shipton, Megiddo I. Seasons of 1925-34, Strata I-V (OIP 42), Chicago 1939, Pl. 106,1

Abb. 4 Zylinderförmiger Hammerkopf aus Stein mit seitlichen Einkerbungen, in denen ein Stiel mit Astgabelung befestigt werden konnte (Megiddo, Datierung fraglich).

Hämmer mit Holzkopf und aus einem Stück gefertigte Schlegel, die unterschiedliche Kopfformen aufweisen konnten, sind zwar nicht erhalten, aber für Ägypten auf Darstellungen gut dokumentiert. Dass es sie auch in Palästina gegeben hat, ist anzunehmen.

2. Erwähnungen im Alten Testament

Das Alte Testament kennt verschiedene Begriffe für Hämmer, doch lassen sich diese nicht bestimmten, in Palästina gefundenen Hammerarten zuordnen. Es bleibt unklar, ob mit diesen Begriffen terminologisch z.B. zwischen den Materialien, den Gewichtsklassen oder den Formen der Hammerköpfe unterschieden wurde.

1. Das Nomen מַקֶּבֶת maqqævæt1 geht auf die Wurzel נקב nqb „durchbohren“ zurück. Die Bezeichnung bezieht sich vermutlich auf die Durchbohrung, nämlich das Stielloch, im Hammerkopf, das ein Alleinstellungsmerkmal dieses Werkzeugs darstellt (Kapelrud, 1112; vgl. מַפֶּלֶת mappælæt „gefällter [Baumstamm]“; מַצֶּבֶת maṣṣævæt „aufgestellter [Stein]“). Wenn der Hammer dagegen als das Werkzeug charakterisiert werden sollte, das für Bohrungen durch Gestein, für Löcher und Schächte unverzichtbar war, konkret z.B. für den Bau der großen Anlagen zur → Wasserversorgung, wäre eher eine kausative maqtil-Form zu erwarten (vgl. Bauer / Leander, 492; vgl. מַפֵּץ mappeṣ „Hammer“).

Das Wort מַקֶּבֶת maqqævæt ist auch in anderen semitischen Sprachen belegt, z.B. akkadisch in → Mari (na-aq-qa-bi, Archives Royales de Mari 21, 270,1) und in den → Amarnabriefen in einer Liste von Gegenständen (ma-qi-bu, Die El-Amarna-Tafeln 120,11) sowie ugaritisch (mqb, 7-mal in KTU 4.625; → Ugarit).

Von מַקֶּבֶת maqqævæt bzw. aramäisch מַקַּבַא maqqava’ „Hammer“ leitet sich vermutlich – doch ist das nicht unumstritten – Μακκαβαῖος Makkabaios ab, der Beiname des → Judas Makkabäus (1Makk 2,4), der wohl im Sinne von „Hämmerer“ zu verstehen ist und Judas’ Stärke hervorheben soll. Von diesem Beinamen stammt der Name der → Makkabäer, die sich im 2. Jh. v. Chr. militärisch gegen die → Seleukiden und ihre Hellenisierungspolitik wandten (vgl. Schunck, 736; Kapelrud, 1113). Heute finden sich davon abgeleitet die Begriffe „Makkabi“ als Name von Sportvereinen und „Makkabiade“ als Bezeichnung der größten jüdischen Sportveranstaltung (vgl. auch das Bier „Makkabi“).

מַקֶּבֶת maqqævæt dürfte einen relativ schweren Hammer bezeichnet haben. Jedenfalls konnte man mit ihm Steine und Metall bearbeiten sowie einen Pflock in die Erde schlagen. So erzählt Ri 4,21, wie → JaelSisera, den Feldherrn von Hazor, tötete, während er in ihrem Zelt schlief, indem sie ihm mit einem Hammer einen Zeltpflock durch den Kopf schlug. Ri 5,26 bezieht sich auf eben dieses Ereignis, verwendet für den Hammer jedoch den Terminus הַלְמוּת halmût, ein Hapaxlegomenon, das von הלם hlm „schlagen“ abzuleiten ist. Ob die verschiedenen Termini unterschiedliche Geräte bezeichnen (Hammer – Schlagstein), unterschiedliche Begriffe für dasselbe Gerät sind oder הַלְמוּת halmût ein Oberbegriff im Sinne von „Schlagwerkzeug“ darstellt, lässt sich nicht sagen.

Beim Bau des Jerusalemer Tempels wurden die Steine nach 1Kön 6,7 im Steinbruch zugeschlagen, so dass auf dem heiligen Tempelplatz kein Lärm von Hammer und → Hacke zu hören war (zum Lärm von Hämmern vgl. Sir 38,28 [Lutherbibel: Sir 38,29]). Im Kontext der Polemik gegen die Herstellung von → Götterbildern (→ Götterpolemik) wird die Arbeit des Schmieds beschrieben, der sein Werk mit dem Hammer bearbeitet (Jes 44,12), der den Hammer aber auch nutzt, um Götterbilder mit → Nägeln auf einem Sockel zu befestigen (Jer 10,4).

2. Auch פַּטִּישׁ paṭîš meint einen schweren Hammer, vielleicht jedoch einen Hammer, der speziell zum Plätten geeignet war, weil er eine abgeflachte Schlagfläche hatte. Kopf (193f) verweist dazu auf arabisch afṭas „plattnasig“ als Begriff von derselben Wurzel (vgl. arab. faṭasa „plätten“). Ward will den Begriff jedoch von ägyptisch pds „zerdrücken / pressen“ ableiten. Jedenfalls spricht Jes 41,7 von Handwerkern, die mit einem Hammer etwas glätten (vgl. Fitzgerald, 443f). Auch der Parallelbegriff פַּעַם pa‘am dürfte hier eine Art Hammer bezeichnen (vgl. Elliger, 129). Von פַּטִּישׁ paṭîš ist im Alten Testament ansonsten nur bildlich die Rede. Jer 23,29 veranschaulicht die Macht des Wortes Gottes und zugleich dessen unheilsvollen Inhalt mit einem Vergleich: Es ist wie ein vernichtendes Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert. Hier dürfte ein Vorschlaghammer im Blick sein. In Jer 50,23 wird das Babylonische Reich, um seine Macht zu veranschaulichen, metaphorisch als „der Hammer der ganzen Erde“ bezeichnet. Doch dieser Hammer, einst Gottes Waffe (s.u.), wird zerbrochen.

3. Das seltene Nomen מַפֵּץ mappeṣ kommt von der Wurzel נפץ npṣ „zerschlagen“. Es wird in deutschen Übersetzungen oft mit „Hammer“ wiedergegeben, doch ist eher eine Keule gemeint, da es sich nach dem Kontext um eine Kriegswaffe handeln muss. Da נפץ npṣ allerdings ebenso „auseinanderschlagen“ bedeuten kann, ist mit Uehlinger (22) vielleicht auch an ein Spaltgerät, eine Kriegsaxt zu denken. Nach Jer 51,20 war das Babylonische Reich für Gott eine derartige Kriegswaffe. In Spr 25,18 stellt מֵפִיץ mefîṣ eine Variante des Begriffs dar, wenn der Text nicht zu מַפֵּץ mappeṣ zu ändern ist. Jedenfalls zeigen die Parallelbegriff „Schwert“ und „Pfeil“ hier, dass eine Waffe gemeint sein muss. Ein falscher Zeuge ist wie eine solche Waffe.

Zu כֵּילָף kêlāf in Ps 74,6 s. → Hacke.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928-2018
  • The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Nashville / New York 1962
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. 7, Gütersloh 2. Aufl. 1942
  • Elliger, K., Deuterojesaja I. Jesaja 40,1-45,7 (BK XI/1), Neukirchen-Vluyn 1978
  • Fitzgerald, A., The Technology of Isaiah 40:19-20 + 41:6-7, CBQ 51 (1989), 426-446
  • Flinders Petrie, W.M., Tools and Weapons, London 1917
  • Groß, W., Richter (HThK.AT), Freiburg i.Br. 2009
  • Kapelrud, A.S., Art. מַקֶּבֶת maqqæbæṯ, in: ThWAT, Bd. IV, Stuttgart u.a. 1984, 1112-1113
  • Kopf, L., Arabische Etymologien und Parallelen zum Bibelwörterbuch, VT 8 (1958), 161-21
  • Moorey, P.R.S., Ancient Mesopotamian Materials and Industries. The Archaeological Evidence, Winona Lake 1999
  • Schunck, K.-D., Art. Makkabäer / Makkabäerbücher, in: TRE, Bd. 21, Berlin u.a. 1991, 736-745
  • Uehlinger, Chr., Art. Hammer, in: NBL, Bd. II, Zürich / Düsseldorf 1995, 21-22
  • Ward, W.A., Notes on Some Egypto-Semitic Roots, ZÄS 95 (1969), 65-72
  • Weippert, H., Art. Hammer, in: Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977, 133-134

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Ägyptische Arbeiter bearbeiten Quadersteine mit Meißel und Holzhammer (Grab des Rechmire, el-Qurna, Ägypten; Neues Reich, 15. Jh. v. Chr.). Aus: Wikimedia Commons; lizenziert unter Creative-Commons-Lizenz CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright; Zugriff 27.2.2020
  • Abb. 2 Zylinderförmiger Hammerkopf aus Stein mit seitlichem Loch für einen Stiel (Megiddo, Datierung fraglich). Aus: P.L.O. Guy, Megiddo Tombs (OIP 33), Chicago 1938, Pl. 158, 22
  • Abb. 3 Kugelförmige Hammerköpfe aus Stein mit Loch für einen Stiel (Megiddo, Datierung fraglich). Aus: P.L.O. Guy, Megiddo Tombs (OIP 33), Chicago 1938, Pl. 116, 11 und 12
  • Abb. 4 Zylinderförmiger Hammerkopf aus Stein mit seitlichen Einkerbungen, in denen ein Stiel mit Astgabelung befestigt werden konnte (Megiddo, Datierung fraglich). Aus: R.S. Lamon / G.M. Shipton, Megiddo I. Seasons of 1925-34, Strata I-V (OIP 42), Chicago 1939, Pl. 106,1

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