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Lexikon

Granatapfel / Granatbaum

Peter Riede

(erstellt: Okt. 2017)

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1. Botanisch

© public domain; Foto: Klaus Koenen, 2014

Abb. 1 Granatapfel.

Der Granatbaum (Punica granatum L.) ist ein viel verzweigtes, strauchartiges Gewächs, das bis zu 10 m hoch werden kann. Anfang Mai trägt er korallenrote (granatrote) Blüten, die in auffälligem Kontrast zu den hellgrünen Blättern stehen.

Seine apfelähnlichen, scharlachroten Früchte, die mit Krönchen geschmückt sind, können ab September geerntet werden. In mehreren Fächern und angeordnet in Reihen enthalten sie eine Vielzahl von roten Samenkörnern. Diese sind fleischig, saftig und von angenehmem, säuerlichem Geschmack. Aus den Früchten kann man Most bereiten (vgl. Hhld 8,2), Fruchtschale und Rinde können als Färbemittel verwendet werden.

2. Biblisch

2.1. Als Nahrungsmittel

Aus: W. Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera 1885

Abb. 2 Punica granatum.

Der Granatapfel (hebr. רִמּוֺן rimmôn), der schon in prähistorischer Zeit kultiviert wurde, gehört neben Weizen, Gerste (→ Ackerbau), → Weinstock, → Ölbaum, → Feigenbaum und → Dattelpalme zu den sieben typischen Kulturpflanzen Palästinas (Dtn 8,8), wie schon die Kundschaftergeschichte zeigt: Denn die ins Land vorausgesandten Kundschafter brachten bei ihrer Rückkehr zum Volk in der Wüste neben Trauben auch Granatäpfel mit (Num 13,23f), die in der Wüste schmerzlich vermisst werden (Num 20,5). Allerdings waren Granatäpfel kein Hauptnahrungsmittel, wenngleich die Vernichtung solcher Bäume ein großer Verlust war (Joel 1,12; Hag 2,19).

Auf Granatapfelvorkommen im Lande lässt der verschiedentliche Gebrauch von רִמּוֺן rimmôn in Ortsnamen schließen (→ Rimmon; → Gat-Rimmon), so z.B. für eine Stadt in Sebulon (Jos 15,32; Jos 19,7; 1Chr 4,32; Sach 14,10), einen Lagerplatz in der Wüste (Num 33,19) und einen Felsenort in der Nähe von Gibea (Ri 20,45.47). Auch als Personenname ist רִמּוֺן rimmôn belegt (2Sam 4,2.5.9; → Rimmon).

In Ägypten sind Granatäpfel im Garten Thutmosis III. (um 1450 v.Chr.) belegt, der sie von seinen Feldzügen nach Vorderasien mitgebracht hatte. Dort ist mit ihm auch die Lebensbaumsymbolik verknüpft (→ Weltenbaum).

2.2. Metaphorik

Metaphorisch wird der Granatapfel sechsmal im Hohenlied erwähnt. Im Hintergrund stehen seine Verbindung mit → Fruchtbarkeit und seine Wirkung als Aphrodisiakum (vgl. Keel 1986, 134). Beides kann für den ganzen Orient vorausgesetzt werden. Der Riss im Granatapfel, auf den Hhld 4,3 anspielt, ist auf den Gaumen der Geliebten zu beziehen, der zum Genuss einlädt (vgl. ähnlich Hhld 6,11). In Hhld 4,13 gleicht die Geliebte einem exotischen, betörend duftenden Garten, der u.a. Granatbäume beherbergt. Das Schauen nach den Blüten des Granatapfelbaumes ist die Einladung zum Liebesgenuss (Hhld 7,13; vgl. Hhld 8,2).

2.3. Symbolik

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 3 Am Saum des Gewandes des Hohenpriesters waren goldene Glöckchen und Granatäpfel aus Wolle befestigt.

Als Fruchtbarkeits- und Lebenssymbol erscheint der Granatapfel als Dekorelement im Jerusalemer Tempel. So waren die Kapitelle der beiden Säulen → Jachin und Boaz mit 200 Granatäpfeln aus Bronze geschmückt (1Kön 7,18.20). Auch der Saum des hohepriesterlichen Ornats war mit Granatäpfeln aus rotem und blauem Purpur im Wechsel mit goldenen Schellen verziert (Ex 28,33f; Ex 39,24-26). So wurde akustisch und visuell der heilige Bereich vom profanem abgegrenzt und zugleich der Hohepriester als ein von Gott Ausgewählter ausgewiesen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Anderson, D.A., All the Trees and Woody Plants of the Bible, Washington 1979, 136-139
  • Borowski,O., Agriculture in Iron Age Israel, Winona Lake 1987, 116f
  • Darom, D., Die schönsten Pflanzen der Bibel, Herzlia, o.J., 4f
  • Harrison, R.H., Healing Herbs of the Bible, Leiden 1966, 27f
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustriere Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 64
  • Keel, O., Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 81
  • Löw, I., Die Flora der Juden III, Nachdruck Hildesheim 1967, 80-113
  • Moldenke, H.N. und A.L., Plants of the Bible, New York 1952, 189-191
  • Schroer, S., In Israel gab es Bilder. Nachrichten von darstellender Kunst im Alten Testament (OBO 74), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1987, 60-66
  • Walker, W., All the Plants of the Bible, London, 3. Aufl. 1959, 166
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch., Stuttgart 2. Aufl. 1986, 62
  • Zwickel, W., Faszination Bibelgarten, Gütersloh 2000, 24f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Granatapfel. © public domain; Foto: Klaus Koenen, 2014
  • Abb. 2 Punica granatum. Aus: W. Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera 1885
  • Abb. 3 Am Saum des Gewandes des Hohenpriesters waren goldene Glöckchen und Granatäpfel aus Wolle befestigt. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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