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Lexikon

Gottesknecht

1. Allgemeines zum Begriff עֶבֶד ‘ævæd

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Das Siegel mit der Aufschrift „Dem Schema gehörig, dem Diener Jerobeams“ gehörte wohl einem hohen Beamten zur Zeit Jerobeams II. (Megiddo; 8. Jh. v. Chr.).

1.1. Das hebräische Wort עֶבֶד ‘ævæd (in der Septuaginta als δούλος dulos oder παῖς pais wiedergegeben) bezeichnet die untergeordnete Position gegenüber einem Höhergestellten, oft einen Bediensteten gegenüber seinem Arbeitgeber, auch Soldaten gegenüber ihrem Vorgesetzten usw. Für eine Frau in unfreier Stellung steht אָמָה ‘āmāh „Magd“ (Gen 21,10; Ex 2,5; Ex 20,10; Lev 25,6 u.ö.). Abhängig vom Rang des Höheren kann עֶבֶד ‘ævæd geradezu als Würdetitel gebraucht werden. Militärische und andere hohe Dienstränge und Beamte im Dienst des Königs sind „Knechte des Königs“, sie werden durch Zuweisung von Lehen oder Steuererträgen besoldet.

1.2. עֶבֶד ‘ævæd ist jedoch auch Bezeichnung des Sklaven. Dabei sind zwei Formen von → Sklaverei zu unterscheiden: Für verarmte Angehörige des eigenen Volks gibt es das Institut der zeitlich begrenzten Schuldsklaverei, d.h. die Möglichkeit des Schuldners, sich oder einen Familienangehörigen zu verkaufen und seine Schulden (→ Verschuldung) durch abhängige Arbeit abzutragen. Nach den Bestimmungen des → Bundesbuchs und des → Deuteronomiums soll die Zeit der Schuldsklaverei auf sechs Jahre begrenzt sein, im siebenten Jahr (Sabbatjahr) ist der Schuldsklave freizulassen (Ex 21,2; Dtn 15,12; → Erlassjahr). Er kann sich jedoch entschließen, auf Dauer Sklave zu bleiben (Ex 21,5f.; Dtn 15,16f.); die Entscheidung setzt voraus, dass es ihm in der abhängigen Stellung besser ergeht als in der Freiheit. Wieweit die Freilassung im siebenten Jahr praktiziert wurde, ist schwer zu sagen; jedenfalls gibt es Hinweise darauf, dass die Regel nicht befolgt wurde (vgl. Jer 34,8ff.). Nach der späteren Anordnung des → Heiligkeitsgesetzes sollen Schuldsklaven in jedem fünfzigsten Jahr, dem → „Jobeljahr“ als allgemeinem Schuldenerlassjahr, freikommen (Lev 25,39ff.); ob die alten Sklavengesetze daneben gültig bleiben, ist offen. – Für ausländische Sklaven gelten die Beschränkungen nicht (Lev 25,44f.); sie werden Sklaven auf Dauer. – Hebräische wie ausländische Sklaven gehören grundsätzlich zum Besitz des Herrn und können weiterverkauft werden. Andererseits gehören sie auch zur Familie und können darin hohe Positionen einnehmen (vgl. die Erzählungen vom Knecht → Abrahams als Hausverwalter und Vertrauensperson [Gen 24] oder von → Josef bei → Potifar in Ägypten [Gen 39,1-6]).

Eindeutig negative Konnotation hat der Begriff עֶבֶד ‘ævæd da, wo Völker als Sklaven bezeichnet werden. Das gilt besonders für die Erinnerung an Israels Sklavenrolle in Ägypten, aber auch für das Verhältnis zu „Kanaan“ (in Gestalt seines Ahnherren), das zur Existenz als „Sklave von Sklaven“, also niedrigster Sklave, verflucht wird (Gen 9,25).

Die Einzelheiten sind hier nicht zu erörtern (s. die Lexikonartikel in ThWNT, THAT und ThWAT sowie de Vaux, Kap. III); es genügt, dass der Begriff עֶבֶד ‘ævæd eine große Spannweite hat und sehr hohe wie sehr niedere Positionen bezeichnen kann, immer aber ein Abhängigkeitsverhältnis und eine Verpflichtung gegenüber dem Herrn. Umgekehrt ist der Herr und Besitzer zur Fürsorge gegenüber seinem Sklaven verpflichtet.

Der Begriff wird gewöhnlich mit „Knecht“ oder „Sklave“ oder mit „Diener“ (engl. servant, franz. serviteur) übersetzt, die Wiedergabe richtet sich nach der je spezifischen Beziehung zum Herrn.

1.3. „Dein Knecht“ ist auch Selbstbezeichnung gegenüber einem Höhergestellten: eine Höflichkeitsanrede, mit der mitunter die Gunst oder das Wohlwollen des Mächtigeren gewonnen werden soll; über ein tatsächliches Abhängigkeitsverhältnis ist damit nichts gesagt.

So spricht der heimkehrende → Jakob zu seinem Bruder → Esau (Gen 32,5.19.21; Gen 33,5); → Juda zu dem unerkannten Bruder → Josef in Ägypten (Gen 44,18.32f.); auch der Prophet kann so angesprochen werden (1Kön 18,9.12; 2Kön 5,15.17f.; 2Kön 8,13). Eine Frau sagt entsprechend „deine Magd“ (1Sam 1,16; 1Sam 25,24ff.; 1Kön 1,13 u.ö.). Bei einer Gruppe steht der Plural „deine Knechte“ (z.B. Num 31,49; Num 32,4; Jos 9,8f. u.ö.). Auch ein in der Rede erwähnter Dritter kann als „dein Knecht“ eingeführt werden (Gen 44,27.30f. Juda von seinem Vater Jakob; 1Sam 17,58David von seinem Vater → Isai; 2Kön 4,1 „dein Knecht, mein Mann“).

Wo man zum König oder zum Oberherrn spricht, ist „dein Knecht” die angemessene Selbstbezeichnung (1Sam 17,32.34.36; 1Sam 22,15; 1Sam 27,5 u.ö.; vgl. 1Sam 20,7f.; 2Sam 15,2 vor dem Königssohn; 1Kön 20,9Ahab vor Benhadad; 2Kön 16,7 → Ahas vor Tiglat-Pileser [Unterwerfungsformel]).

2. Gottes Knechte

Der profane Sprachgebrauch hat viele Analogien im Verhältnis von Menschen als Knechten zu Gott als Herrn. Die Entsprechung kann ausdrücklich namhaft gemacht werden (vgl. Ps 123,2; Mal 1,6), meist ist sie selbstverständlich. Im religiösen Bereich sind nicht alle Formen des Verhältnisses für das Verhältnis Herr / Knecht vertreten, doch sind Züge wie die gegenseitige Verpflichtung auch hier grundlegend.

So ist der pejorative Gebrauch des Begriffs „Sklave“ im Verhältnis zur Gottheit der religiösen Sprache fremd; auch Kauf und Weiterverkauf von Sklaven gehören nicht hierher. Allerdings setzt eine Wendung in Jes 50,1 (vgl. Jes 52,3) den Verkauf von Kindern an einen Gläubiger voraus. Befreiung aus der (ägyptischen) Knechtschaft durch Jahwe ist zwar ein zentrales Motiv israelitischen Glaubens, aber das Institut einer begrenzten Schuldknechtschaft ist auf die Beziehung von Menschen zu Gott nicht zu übertragen.

2.1. Die Anrede Jahwes im Gebet und der Ehrentitel für Einzelne

2.1.1. Wie man sich in der Anrede an den Höheren und Mächtigeren, insbesondere den König, als „dein Knecht“ bezeichnet, so auch im Gebet zu Gott. Die Selbstbezeichnung hebt einen besonderen Zug des Verhältnisses hervor: Sie ist nicht bloße höfische Etikette, sondern Jahwe wird als der Herr auf seine Fürsorgepflicht für den Knecht angesprochen und zugleich (wie prinzipiell auch im zwischenmenschlichen Gebrauch) der Treue oder Ergebenheit des Knechts versichert.

Dafür gibt es zahlreiche Belege in den Psalmen (Ps 19,12.14; Ps 27,9; Ps 69,18 u.ö.), einige auch in Erzählungen (z.B. → Simson in Ri 15,18; → David in 1Sam 23,10f.; 2Sam 7,19-21.25-29; 2Sam 24,10; Salomo in 1Kön 3,7-9 u.ö.), zuweilen für ein direktes Gespräch mit Gott (→ Mose Ex 4,10; vgl. → Abraham [Gen 18,3]; Gen 19,19). Wie im profanen Bereich kann der Beter zugleich von einer dritten Person als „deinem (Jahwes) Knecht“ sprechen (Gen 24,14 Isaaks Brautwerber von → Isaak; 1Kön 3,6; 1Kön 8,25f. → Salomo im Rückblick von seinem Vater David). Gebete von Frauen sind selten überliefert, aber das Gebet → Hannas in 1Sam 1,11 mit der Selbstbezeichnung „deine Magd“ kann beispielhaft für andere stehen.

Der Plural „deine Knechte“ kann teils als Selbstbezeichnung im Wechsel mit der „Wir“-Form (Jes 63,17; Ps 90,13.16) erscheinen, teils in der Fürbitte eines Dritten für Israel (vgl. besonders Neh 1,6.10f. oder Salomos Tempelweihgebet in 1Kön 8,23.32.36). Beides ist nicht streng zu scheiden, denn auch da, wo der Beter von „deinen Knechten“ spricht, ist das inklusiv zu verstehen, d.h. er redet als einer „deiner Knechte“, Glied des Volkes Israel, für das er bittet. Wesentlich ist die Gleichung von „dein Volk Israel“ und „deine Knechte“, wie sie explizit in 1Kön 8,36; Jes 63,17; Neh 1,10 u.ö. (vgl. in 3. Pers. Ps 105,25; Ps 135,14) ausgesprochen wird. Dabei ist in der Regel das ganze Volk gemeint. Erst in späten Texten (s.u. → Tritojesaja) verstehen sich Teile Israels exklusiv als Jahwes Knechte. Seinerseits spricht Jahwe von den Israeliten als „meinen Knechten“, in Lev 25,42.55 als Grundsatz, der die dauernde Versklavung von Israeliten ausschließt.

2.1.2. „Gottesknechte“ kann schließlich so viel bedeuten wie die Frommen, die treuen Jahweverehrer.

Das ist nicht immer eindeutig: In Salomos Tempelweihgebet wird Jahwe mit der Wendung angerufen „der du den Bund und die Huld bewahrst deinen Knechten, die mit ganzem Herzen vor dir wandeln“ (1Kön 8,23; vgl. Ex 20,6; Dtn 7,9 u.ö.). Kurz darauf behält aber auch das sündige Volk Israel, das zu Jahwe umkehrt, den Titel (1Kön 8,36, vgl. das Gebet Neh 1,6.10f.). Selbst die schuldig gewordenen Brüder Josefs können sich vor ihrem Bruder darauf berufen, dass sie „Knechte des Gottes deines Vaters“ sind (Gen 50,17). Erst in einigen Texten Tritojesajas bezeichnet der Titel nur die Gruppe der Frommen – im Gegensatz zu ihren gottlosen Gegnern im Volk (Jes 65,8f.13-15; Jes 66,14).

2.1.3. Namentlich bekannte Einzelne erhalten als treue Jahweverehrer den Ehrentitel „Gottesknecht“. So ist bei → Kaleb (Num 14,24), Eljakim (Jes 22,20) und insbesondere bei → Hiob (Hi 1,8; Hi 2,3; Hi 42,7f.) nicht (wie bei anderen einzelnen Jahweknechten, s.u. 2.2.) an einen speziellen Auftrag zu denken; „mein Knecht“ nennt Jahwe sie wegen ihrer Frömmigkeit und ihres Gehorsams, und ebendarum geht es, wenn → Isaak in Gen 24,14 „dein Knecht“ und → Hiskia in 2Chr 32,16 „sein Knecht“ genannt wird.

Abraham heißt „Gottesknecht“ darüber hinaus als Verheißungsträger, um dessentwillen der Nachkomme Jahwes → Segen empfängt (Gen 26,24). → Mose erinnert Jahwe in der Fürbitte für Israel an seine Knechte Abraham, Isaak und Jakob, denen er reiche → Nachkommenschaft und das → Land zugeschworen hat (Ex 32,13; ähnlich Dtn 9,27; vgl. noch Jakob als Gottesknecht in Ez 28,25; Ez 37,25).

2.1.4. Zusammenfassend ist zu sagen: Einzelne Beter wenden sich als Glieder des Gottesvolks mit der Gebetsanrede „dein Knecht“ an Jahwe (entsprechend das Gesamtvolk im Plural); sie berufen sich damit auf die Verheißungen, die Jahwe seinem Volk gegeben hat. Als Knechte erwarten sie Zuwendung, Schutz und Hilfe des Herrn, der sie, wie in Lev 25,42.55 formuliert wird, „aus dem Land Ägypten herausgeführt hat“. Vgl. schon Lev 25,38: „Ich bin Jahwe, euer Gott, der ich euch aus dem Land Ägypten herausgeführt habe, um euch das Land Kanaan zu geben, um euer Gott zu sein“, oder noch weiter in Lev 11,45: „… um euer Gott zu sein, so sollt ihr heilig sein, denn heilig bin ich“. Daneben erhalten Einzelne wegen ihres Gehorsams gegenüber Jahwe den Ehrentitel „Gottesknecht“, Abraham auch als Verheißungsträger. Von einer besonderen Aufgabe dieser Knechte Gottes ist nicht die Rede. Man kann mit dem Heiligkeitsgesetz nur von einem Maßstab sprechen, dem sie als Gottesknechte entsprechen sollen.

2.2. Gottes Beauftragte

Anders eine Reihe von Einzelgestalten, die Jahwe als Knechte einsetzt. Ihre Loyalität ist vorausgesetzt und steht in manchen Texten im Vordergrund; wesentlich ist, dass sie einen bestimmten Auftrag Jahwes auszuführen haben.

2.2.1. Pauschal kommt das in der deuteronomistischen Wendung (→ Deuteronomismus) „meine / seine / deine Knechte, die Propheten“ zur Sprache: Sie haben Israel „früh und spät” (so die Jeremiabelege), aber vergeblich zur Jahwetreue und zum Toragehorsam ermahnt, und sie haben deshalb das Unheil angekündigt (Jer 7,25; Jer 25,4; Jer 29,19; Jer 35,15; 2Kön 17,23; 2Kön 21,10; 2Kön 24,2; Dan 9,6; Esr 9,11 u.ö.). Das wird in Am 3,7 noch einmal verallgemeinert: Jahwe gibt „seinen Knechten, den Propheten“ alle seine Vorhaben kund.

2.2.2. Gelegentlich werden einzelne Propheten als Knecht Gottes bezeichnet, so → Ahija von Silo 1Kön 14,18; 1Kön 15,29; → Elia 2Kön 9,36; 2Kön 10,10; → Jona ben Amittai 2Kön 14,25. Alle diese Belege notieren die Erfüllung eines durch den Propheten vermittelten Jahweworts („nach Jahwes Wort, das er durch seinen Knecht … [, den Propheten,] gesprochen hatte“ o.ä.), sie sind bezeichnend für die Geschichtsdeutung des → Deuteronomistischen Geschichtswerks (DtrGW). Nur zwei Belege weichen davon ab: → Elia auf dem Karmel erbittet von Jahwe das Gottesurteil: „heute soll bekannt werden, dass du Gott bist in Israel und ich dein Knecht und ich all dies in deinem Auftrag getan habe“ (1Kön 18,36). In Jes 20,3 gibt Jahwe die Deutung einer Zeichenhandlung „meines Knechts Jesaja“. Ob auch diese Texte deuteronomistisch beeinflusst sind, ist nicht sicher. Der Gottesknechtstitel ist für Propheten sonst nicht belegt. Ihr Dienst geschieht in der Sukzession Moses (Dtn 18,15ff.), der als Jahwes direkter Gesprächspartner alle Propheten übertrifft (Num 12,6-8; Dtn 34,10).

2.2.3. „Knecht Gottes“ ist → Mose vor allem in dieser ausgezeichneten prophetischen Rolle (Num 12,7f.!) als Vermittler der → Tora vom → Sinai oder spezieller göttlicher Befehle (Jos 1,7; Jos 8,31; Jos 11,12.15; Jos 22,5; 2Kön 18,12; 2Kön 21,8; Mal 3,22; Neh 1,7f.; Neh 9,14; Neh 10,30; 1Chr 6,34; 2Chr 24,6), auch der Erwählung Israels und der Verheißung des Landes (1Kön 8,53.56). Daneben geht es um Anweisungen, die → Josua bei Inbesitznahme und Verteilung des Landes zu beachten hat (Jos 1,13-15; Jos 8,33; Jos 12,6; Jos 18,7 u.ö.).

Wenn Mose bei seinem Tod „Jahwes Knecht“ heißt (Dtn 34,5; Jos 1,1f.), ist seine Aufgabe beim Exodus gewiss eingeschlossen, doch kommt der Titel in der Exoduserzählung nur einmal nach dem Schilfmeerwunder vor: „… sie glaubten an Jahwe und an seinen Knecht Mose“ (Ex 14,31). Rückblickend ist von seiner Knechtstätigkeit in der Wüste (Jos 14,7) oder bei den Wundern in Ägypten die Rede (Ps 105,26f.).

2.2.4. Weitaus häufiger als Mose erscheint → David als Jahwes Knecht. Von seiner Aufgabe spricht am deutlichsten 2Sam 3,18, wo sein Gefolgsmann → Abner ein Jahwewort zitiert: „Jahwe hat zu David gesagt: Durch David, meinen Knecht, ‚will ich‘ mein Volk Israel erretten aus der Hand der → Philister und aus der Hand aller seiner Feinde“. Das klingt auch in der Dynastiezusage an „meinen Knecht David“ (2Sam 7,5.8) und seine Nachkommen an: Jahwe hat ihn von der Weide und den Schafen geholt, dass er „Anführer“ (נָגִיד nāgîd) über sein Volk Israel sei, hat seine Feinde vor ihm vertilgt und gibt Israel einen Ort, an dem es ohne Feindbedrängnis sicher wohnen kann (2Sam 7,8-11).

In allen folgenden Texten, die meisten innerhalb des → Deuteronomistischen Geschichtswerks (und in den → chronistischen Parallelen), ist „Gottesknecht“ als Prädikat Davids ein Ehrentitel. Er wird wegen seiner beispiellosen Frömmigkeit so genannt und damit zum Maßstab für nachfolgende Könige (1Kön 14,8; vgl. ohne den Titel 1Kön 15,4f.), und es wird auf ihn als Träger der Verheißung verwiesen, um dessentwillen Jahwe dem Nachfolger das Königtum über Israel (1Kön 3,6; 1Kön 8,24-26) bzw. über den „einen Stamm“ Juda gewährt (1Kön 11,13.32ff.) oder später Juda bestehen lässt (2Kön 8,19). Beide Motive für den Titel, Frömmigkeit Davids und Verheißung an ihn, sind kaum zu trennen, zumal David immer mehr zum idealen König und das von ihm erworbene Großreich zum Ideal der nationalen Existenz Israels wird.

Auch zwei Psalmentexte beziehen sich auf die Dynastiezusage: eine Bitte für den Gesalbten (Ps 132,10) und eine Klage darüber, dass Jahwe den „Bund“ mit seinem Knecht David zerbrochen hat (Ps 89,4.40). In zwei Texten → Ezechiels verheißt Jahwe die Wiedervereinigung Judas und Israels unter „meinem Knecht David“, der hier für den künftigen Davididen genannt wird (Ez 34,23; Ez 37,24).

2.2.5. Es gibt weitere Einzelne, die als Beauftragte Jahwes den Titel Gottesknecht tragen, so → Josua, dessen Auftrag Eroberung und Verteilung des Verheißungslandes ist. Der Titel „Gottesknecht“ wird erst bei seinem Tod genannt (Jos 24,29; Ri 2,8); als Nachfolger Moses hat er jedoch nach Jos 1,1-9 einen Auftrag Jahwes wahrzunehmen, was in dem postumen Titel bedacht sein wird. Nach Hag 2,23 ist → Serubbabel Jahwes erwählter Knecht, so bezeichnet für „seinen Einsatz beim Tempelbau“ (H.W. Wolff, Haggai [BK XIV/6], 1986, 83) und nun mit dem Rätselwort vom „Siegelring“ in seinem Wirken bestätigt, wenn nicht für ein größeres (messianisches) Amt bestimmt (vgl. die Diskussion bei H.W. Wolff, 84f). Für eine Erneuerung des davidischen Königtums, also eine messianische Zusage an Serubbabel, spricht der eschatologische Kontext von der Erschütterung von Himmel und Erde und vom Umsturz der Königsthrone in V. 21f. (vgl. auch F. Horst, Die Zwölf Kleinen Propheten [HAT I/14], 1954, 209). – Sogar den babylonischen König → Nebukadnezar nennt Jahwe „meinen Knecht“ (Jer 25,9; Jer 27,6; Jer 43,10); das ist er gewiss nicht als frommer Anhänger Jahwes, aber als sein Werkzeug zur Durchsetzung seiner geschichtlichen Pläne (→ Ratschluss Gottes).

2.3. Zusammenfassung

Die Rede vom „Gottesknecht“ im Alten Testament kann man in drei Typen einteilen:

a) Jahwes Knechte sind die Angehörigen des Gottesvolks Israel, Jahwes Verehrer, auch dann, wenn sie sich ihm gegenüber verschuldet haben. Die Volksgemeinde und vor allem ihre einzelnen Glieder wenden sich im Gebet als seine Knechte an Jahwe und erwarten Schutz und Hilfe ihres Herrn.

b) Einzelne aus dem Gottesvolk (in der Weisheit mit „Hiob“ als Typus eines Frommen auch außerhalb) werden wegen ihres besonderen Gehorsams oder ihrer herausragenden Frömmigkeit mit dem Ehrentitel Gottesknecht ausgezeichnet. Sie können für ihr vorbildliches Verhalten eine Zusage Jahwes erhalten, die für das ganze Volk bedeutsam ist: so Abraham, (Jakob) und David.

c) „Knechte“ Gottes im eigentlichen Sinn sind die Menschen, die einen Auftrag Jahwes auszuführen haben. Das sind im deuteronomistischen Sprachgebrauch pauschal „seine Knechte, die Propheten“ in der Sukzession Moses als des Vornehmsten unter ihnen; sie haben wie Mose Jahwes Wort und Willen zu verkünden. Einzelne Propheten im DtrGW sollen Jahwes geschichtliche Vorhaben ansagen. Durch David begründet Jahwe Israels gesicherte nationale Existenz. Als Knecht beauftragt sind Josua, Moses Nachfolger, Serubbabel zur Neubegründung des Tempels und vielleicht eines erneuerten davidischen Königtums, zuvor Nebukadnezar, durch den Jahwe Judas Existenz als Königreich ein Ende setzt.

Die „Typen“ können sich partiell überschneiden, z.B. ist David nicht allein Beauftragter, sondern auch durch seine Frömmigkeit und die an ihn ergangene Verheißung ausgezeichnet, und in der Anrede Jahwes partizipiert er an der allgemeinen Gebetssprache. Auch für andere Auftragnehmer ist zumindest Gehorsam (Nebukadnezar) oder besondere Treue gegenüber dem Herrn vorausgesetzt. Umgekehrt schließen die Typen a) und b) den Typ c) nicht ein.

3. „Gottesknecht“ bei Deuterojesaja

In solchen Vorgaben der Tradition formuliert → Deuterojesaja (im Folgenden: Dtjes) sein theologisches Konzept vom Gottesknecht.

3.1. Die Texte

3.1.1. Der Gottesknecht Israel

In einigen Texten des Deuterojesajabuchs (Jes 40-55) wird eindeutig Israel als Gottesknecht bezeichnet: „mein Knecht“ im Heilsorakel Jes 41,8f.; Jes 44,(1.)2; im Mahnwort Jes 44,21; im Kyrosorakel Jes 45,4; „sein Knecht“ im Hymnus Jes 48,20. Mit Ausnahme des hymnischen Belegs Jes 48,20 findet sich immer die doppelte Benennung „Jakob / Israel“ (für „Israel“ in Jes 44,2 der Ehrenname „Jeschurun“), meist in dieser Reihenfolge, umgekehrt in Jes 41,8. Zum Titel „Knecht“ gehören Erwählungsaussagen, zunächst: „(du,) den ich erwählt habe“ Jes 41,8; Jes 44,1f.; „ich habe dich erwählt“ Jes 41,9; „mein Erwählter“ Jes 45,4.

3.1.2. Die Gottesknechtslieder

Daneben steht eine Reihe zusammengehöriger Texte, die – mit einer Ausnahme in Jes 49,3 – den Namen des Gottesknechts nicht nennen und die jedenfalls eine Sonderrolle spielen: Jes 42,1-4; Jes 49,1-6; Jes 52,13-53,12. In diese Reihe gehört auch Jes 50,4-9, obwohl der Titel „Knecht“ dort nicht fällt, wohl aber der Korrespondenzbegriff „Herr“ (אֲדֹנָי ’ǎdonāj). Herkömmlich nennt man diese Texte „Gottesknechtslieder“; der Begriff (abgekürzt „Lieder“) wird auch hier zur Unterscheidung der Textgruppe gebraucht, obwohl er nichts über die Gattung sagt (verschiedene Formen). Die öfter hinzugerechneten Passagen Jes 42,5-9; Jes 49,7; Jes 49,8-12; Jes 50,10-11 sind spätere Ergänzungen (s.u. 5.1.).

Der Nachtragscharakter wird an Jes 50,10(.11) besonders deutlich: V. 10 „Wer unter euch Jahwe fürchtet, der höre auf die Stimme seines Knechts …“ ist eine Paränese im Anschluss an das Bekenntnis des Gottesknechts. V. 11 ist ein noch späteres Unheilswort über die Gegner des Gottesknechts.

Wer mit dem Gottesknecht der Gottesknechtslieder gemeint ist, gehört zu den umstrittensten Fragen alttestamentlicher Exegese.

3.1.3. Weitere Texte

Drei weitere Texte von Jahwes Knecht werden verschieden gedeutet. Am einfachsten ist die Frage für Jes 44,26 zu entscheiden. In Jes 44,24-28 wird Jahwe in hymnischen Prädikationen als Weltschöpfer (Jes 44,24) und als der gepriesen, der die Vorhersagen der fremden Wahrsager und Orakelpriester zunichte macht (Jes 44,25), aber „das Wort seines Knechtes aufrichtet und den Rat seiner Boten erfüllt“ (Jes 44,26). Selbst wenn man den Plural „Knechte“ lesen will (was sich trotz des Parallelismus nicht empfiehlt), wären seine prophetischen Knechte und nicht Jakob / Israel gemeint. Vgl. die ähnliche Konstellation im Prophetengesetz Dtn 18,9ff., speziell V. 14-15: Israel braucht keine Wahrsager, weil Jahwe ihm zu jeder Zeit einen Propheten wie Mose geben wird.

Schwieriger ist Jes 43,10: „Ihr seid meine Zeugen, Spruch Jahwes, und mein Knecht, den ich erwählt habe …“ Jes 43,8-13 ist eine der fiktiven Gerichtsszenen, in denen die Völkerwelt für den Erweis der Nichtigkeit ihrer Götter und der Einzigkeit Jahwes als Gott versammelt ist. In diesem Prozess soll Israel, das „blinde und taube“ Volk (Jes 43,8), für Jahwe als den einzigen Gott Zeugnis ablegen. Die „Blinden und Tauben“ taugen als Zeugen, weil sie das Jahwevolk sind, das von Babylon in die Wüste hinausgeführt die großen Wunder Jahwes (Bewässerung der Wüste, Schatten spendende Bäume, vgl. Jes 41,17-20; Jes 43,19-21) erfährt: Israel ist Jahwes Demonstrationsobjekt vor der Welt. – Jes 43,10 wird meist so ausgelegt, dass mit „Zeugen“ und „Knecht“ dieselbe Größe, also Israel, gemeint sei. Das wird durch die Fortsetzung des Verses ausgeschlossen: „(und mein Knecht, den ich erwählt habe,) damit ihr (!) erkennt und mir glaubt und einseht, dass ich es bin; vor mir wurde kein Gott gebildet, und nach mir wird keiner sein“. Der Knecht ist erwählt, um den blinden und tauben Zeugen Israel zu überzeugen; er kann mit Israel nicht identisch sein. Man muss also ergänzen: „Ihr seid meine Zeugen …, und mein Knecht (ist mein Zeuge)“.

Es bleibt Jes 42,19 innerhalb des mehrfach überarbeiteten Textes Jes 42,18-25. Der „blinde und taube“ Diener und Bote Jahwes ist nach dem Kontext eindeutig Israel. Die Passage ist aber höchstwahrscheinlich insgesamt erst redaktionell.

Jes 54,17 kann hier beiseite bleiben: Nur an dieser Stelle im Deuterojesajabuch ist von dem Jahwevolk als „den Knechten Jahwes“ im Plural die Rede, eine Redeform, die dann im → Tritojesajabuch ausschließlich verwendet wird. Der Vers ist aber wohl noch nicht tritojesajanisch beeinflusst, sondern knüpft an ältere Aussagen über Israel als Jahwes Knechte an (s.o. 2.1.). Von den 10 pluralischen Belegen bei Tritojesaja bezeichnen 8 die Gruppe der frommen Anhänger Jahwes im Gegensatz zu ihren Feinden in Israel – eine Spaltung Israels, die Dtjes und offenbar auch dieser sekundäre Text noch nicht kennen.

3.2. Der Streit um den Gottesknecht der „Lieder“

3.2.1. Lösungsvorschläge

Die zahlreichen Antworten kann man so einteilen:

3.2.1.1. Der Gottesknecht der „Lieder“ ist derselbe wie in den übrigen Texten, nämlich Israel. Es gibt zwei oder drei Varianten dieser kollektiven Deutung:

a) ganz Israel, das „empirische Israel“,

b) ein Teil Israels, das „bessere“ Israel oder die Gruppe der Exulanten im babylonischen Exil,

c) ein Ideal Israels: Israel, wie es werden soll.

Die Lösungen b) und c) gehen manchmal ineinander über, sofern man das Ideal schon als erreicht oder im Lauf des Deuterojesajabuchs verwirklicht ansieht. Grundsätzlich sind jedoch beide Lösungen zu unterscheiden.

3.2.1.2. Der Gottesknecht der „Lieder“ ist ein Einzelner (individuelle Deutung).

Die individuellen Lösungen kann man nach dem vorausgesetzten Amt unterscheiden. Drei Möglichkeiten kommen in Betracht:

a) ein königliches Amt,

b) ein mosaisches Amt,

c) ein prophetisches Amt.

Für konkrete Amtsträger kommt der zeitliche Ansatz hinzu: Ist es eine vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Gestalt?

3.2.1.3. In sog. „fließenden“ Lösungen ist nicht überall dieselbe Gestalt gemeint, z.B. Israel im ersten und zweiten Text (Jes 42,1-4; Jes 49,1-6), ein Einzelner im dritten und vierten (Jes 50,4-9; Jes 52,13-53,12). – Eine zwischen kollektiver und individueller Auffassung changierende Lösung ist die Annahme, der besondere Gottesknecht sei nicht ein Einzelner, sondern eine Gruppe von Predigern, die das Kollektiv Israel überzeugen und für sich gewinnen will. Diese Lösung hängt mit der Frage nach der Identität „Deuterojesajas“ zusammen und ist eher eine Variante der individuellen Deutung.

3.2.2. Diskussion der kollektiven Auffassung

3.2.2.1. Für die kollektive Deutung der Gottesknechtslieder auf ganz Israel spricht der Kontext des Deuterojesajabuchs. Es gibt eine Reihe von gleichen Prädikaten für den dort ausdrücklich „Jakob / Israel“ genannten Knecht und für den Knecht der Gottesknechtslieder:

Beide sind erwählt (בחר bḥr) Jes 41,8f.; Jes 44,1f. // Jes 42,1; (vgl. Jes 43,10 s.o.); berufen Jes 41,9; (vgl. ohne den Titel „Knecht“ Jes 48,12) // Jes 49,1; vom Mutterleib (zu Jahwes Knecht) geformt Jes 44,2.21.24 // Jes 49,5; bei der Hand gefasst Jes 41,10 // Jes 42,1; geehrt in Jahwes Augen Jes 43,4 // Jes 49,5; dienen der Verherrlichung Jahwes Jes 44,23 // Jes 49,3.

Dass der Knecht der Lieder eine individuelle Gestalt ist, Israel aber ein Kollektiv, lässt sich mit der Vorstellung der „corporate personality“ erklären, das heißt, Israel wird wie in den Heilsorakeln in der Gestalt seines Erzvaters Jakob / Israel angesprochen, und in diesem Ahnherrn ist seine Erwählung garantiert (vgl. u. 3.2.2.3 a).

Schließlich erhält der Knecht im zweiten Gottesknechtslied den Namen „Israel“ (Jes 49,3). In Jes 42,1 hat die → Septuaginta die Namen „Jakob” und „Israel“ zugefügt.

3.2.2.2. Gegen die kollektive Deutung spricht bereits, dass der Gottesknecht der Lieder außer in Jes 49,3 nirgends einen Namen hat. „Israel“ in Jes 49,3 kann man zwar nicht textkritisch eliminieren (der Name fehlt nur in einer unbedeutenden Handschrift), wohl aber literarkritisch: Der Name kann nachgetragen sein (wie in Jes 42,1 durch die Septuaginta) und so das Gottesknechtslied nachträglich kollektiv deuten. Der Ergänzer könnte sich auf die ähnliche Aussage von Jahwes „Verherrlichung“ in Jes 44,23 berufen. Beide Aussagen sind aber ausweislich ihres Zusammenhangs nicht gleich: Der hymnische Satz Jes 44,23b „… denn Jahwe hat Jakob erlöst, und an Israel verherrlicht er sich“ spricht von Jahwes Rettungstat für sein Volk. Der Kontext von Jes 49,3 redet dagegen von Aufgaben, die Jahwe mit dem Knecht ausführen will; deshalb ist hier zu übersetzen: „… durch dich verherrliche ich mich“.

„Israel“ in Jes 49,3 ist also entweder als Ergänzung oder im Einklang mit dem Kontext zu verstehen (s.u. 4.3. e). Der spricht entscheidend gegen die Kollektivdeutung. Der Knecht der Lieder hat nach Jes 49,5f. eine Aufgabe an Jakob / Israel und kann mit ihm nicht identisch sein.

Die Eliminierung der Passage, um an der kollektiven Lösung festhalten zu können, ist nur eine Notlösung. Vollends scheitert der Versuch, die Infinitive in V. 5 als ‚begleitenden Umstand‘ (Ges-K § 114f.o) zu deuten, weil nur ein verschrobener Satz herauskäme: „Jetzt hat Jahwe zu mir gesagt, der mich (kollektiv = Jakob / Israel!) … sich zum Knecht gebildet hat, indem er Jakob zu sich zurückführt …“.

Es gibt weitere Unterschiede zwischen dem Knecht innerhalb und dem außerhalb der Gottesknechtslieder. In Jes 49,4a zitiert der Knecht seine Klage, er habe sich vergeblich gemüht; Israel wird in Jes 43,22 vorgehalten, es habe sich nicht für Jahwe gemüht. So kann man ihm auch nicht die Klage von Jes 49,4 in den Mund legen. – Nach Jes 53,9 hat der Knecht unschuldig gelitten, was für Israel nicht zutrifft: Das Exil war Strafe für seine Sünden; der Vergebungszuspruch in Jes 40,2 besagt nicht, dass sein vergangenes Leiden schuldlos war. Zu weiteren für Israel unpassenden Zügen der „Lieder“ s.u. 4.1.-3.

3.2.2.3. Den genannten Problemen einer kollektiven Deutung der Lieder auf ganz Israel suchen verschiedene kollektive Varianten zu entgehen.

a) Man deutet den Gottesknecht der Lieder auf einen Teil Israels, das „bessere“ Israel oder die Exulanten im babylonischen Exil. Das geht schon deshalb nicht, weil der „Jakob / Israel“ genannte Gottesknecht in den Einleitungen der Heilsorakel immer das ganze Israel meint. An diesen Texten mit der namentlichen Identifikation hängt die kollektive These: Wenn der Knecht hier und dort derselbe sein soll, kann er nur ganz Israel sein. Überdies haben auch die Exulanten (oder ein anderer Teil Israels) nicht unschuldig gelitten.

Die Bezeichnung des Volkes Israel als Gottesknecht im Singular kommt nur bei Dtjes und in einigen abhängigen oder späteren Texten vor (in Sprache und Stil abhängig sind Jer 30,10; Jer 46,27f.; später ist Ps 136,22). 1Chr 16,13 redet vom gegenwärtigen Volk als den Nachkommen des Erzvaters und Gottesknechts Israel; vgl. Ez 28,25; Ez 37,25 von Jakob. Dtjes aber spricht Israel in der Gestalt seines Erzvaters Jakob / Israel an, weil es durch den Erzvater verkörpert wird und die Erwählung des Volks in ihm begründet und mit ihm garantiert ist: Israel ist in seinem Erzvater Jakob / Israel als Gottesknecht erschaffen und erwählt. Die inkludierende Sicht des Erzvaters mit seinen Nachkommen ist nicht ungewöhnlich (vgl. bereits Gen 32,29 mit Jakobs Umbenennung in „Israel“). Neu ist die singularische Benennung dieses im Erzvater verkörperten Volks als „mein Knecht“ etc.

Mit Israels Aufteilung ist das Problem, dass der Knecht eine Aufgabe an Israel hat, nicht zu lösen.

b) Es bleibt die kollektive Variante, in den Gottesknechtsliedern sei ein ideales, noch zukünftiges Israel gemeint, ein Israel, wie es eigentlich sein soll. Damit wären die Texte weit von der geschichtlichen Realität des Propheten und seiner Hörer entfernt. Sie sind zudem nirgends als Appell an Israel formuliert. Die Aufgabe „Israels“ an Israel ist auch damit nicht erklärt.

Letzten Endes ist eine solche Deutung nur für das fertige Deuterojesajabuch möglich, etwa indem man es als ein Drama mit einer Entwicklung Israels versteht und darin eine Scheidung innerhalb Israels entdeckt (vgl. etwa die bedeutende Dtjes-Auslegung W.A.M. Beukens oder die Arbeiten H. Leenes). Für die ursprüngliche Verkündigung des Propheten an seine exilischen Zeitgenossen sind die Probleme dadurch nicht gelöst.

3.2.3. Diskussion der individuellen Lösungen

3.2.3.1. Auf ein königliches Amt verweisen die Erwählungsprädikate, die der Knecht mit Israel gemein hat (s.o. 3.2.2.1.). Dass der König zu seinem Amt von der Gottheit (im Mutterleib) erschaffen, dass er erwählt und berufen ist oder dass die Gottheit ihn an der Hand fasst, wird schon in altorientalischen Königsurkunden betont. Königliche Züge trägt der Knecht der Lieder in der Präsentation als Jahwes Beauftragter für die Völker, in seinem weltweiten Amt (Jes 42,1.4; Jes 49,1f.6) und seiner Rolle bei der Eroberung der Welt für Jahwe (49,1f.), zuletzt in der höchsten Würdestellung nach Jes 52,13.

Als vergangene Könige Judas hat man → Usija, die Reformkönige → Hiskia und → Josia oder den ins Exil geführten → Jojachin für die Rolle des Gottesknechts genannt. Dafür könnte man nur ihr Leidensgeschick anführen: bei Usija den Aussatz (2Kön 15,5; 2Chr 26,19-21), den man nach Jes 53,4 („geschlagen von Gott“) auch für den Gottesknecht diagnostiziert hat (B. Duhm); bei Hiskia die Krankheit (2Kön 20) und bei Josia seinen vorzeitigen Tod (2Kön 23,29f.). Das in den Gottesknechtsliedern beschriebene Amt wird damit nicht ausgefüllt, überdies sprechen die Texte nicht von Vergangenem, sondern von einer gegenwärtigen oder zukünftigen Aufgabe.

Als gegenwärtiger König kommt für die Zeit Dtjes’s nur der Perserkönig → Kyros in Betracht. Die beiden ersten Lieder werden öfter auf ihn gedeutet, weil er als Befreier Israels aus dem → Exil eine bedeutende Rolle in Dtjes’s Botschaft einnimmt und weil sein von Jahwe gewährter Siegeszug Jahwe als den einzigen Gott bezeugt (Jes 45,6). Der Eindruck, dass die beiden ersten Gottesknechtslieder von Kyros reden, entsteht aber erst durch die redaktionelle Anordnung des Kyrosorakels Jes 42,5-8* nach dem ersten und durch den redaktionellen Text Jes 49,8f. nach dem zweiten Gottesknechtslied: Erst durch die Redaktion bekommt Kyros einen Anteil an der Rolle des Gottesknechts (s.u. 5.1.3.). Die Übertragung hat daran einen Anhalt, dass beide für Jahwe die Welt erobern – aber Kyros mit dem Schwert (Jes 41,1-4; Jes 45,1ff.), der Knecht mit dem Wort (Jes 49,2). Bei Dtjes heißt Kyros einmal Jahwes „Gesalbter“ (Jes 45,1), nirgends Knecht Jahwes.

Vorgeschlagen wurde auch der Davidide → Serubbabel, der eine Heimkehrerschar leitete und die judäischen Verhältnisse in persischem Auftrag ordnen sollte; die Texte müsste man dafür nach 515 v.Chr. datieren. Weil der Prophet → Haggai ihn als „Messias” proklamiert hat (Hag 2,23; vgl. Sacharja nach dem ursprünglichen Text von Sach 6,10-13), vermutet man sein böses Ende durch die Perser. Für seine Maßnahmen in Juda kann man einige Passagen aus Jes 49 (V. 5.6a; V. 8) beanspruchen, für sein Ende soll Jes 53 stehen. Tatsächlich sind keine persischen Maßnahmen gegen Serubbabel bekannt; selbst wenn er verurteilt und hingerichtet worden sein sollte, wäre in Jes 53 nur der Tod des Knechts vergleichbar, nicht sein Werk.

Scheiden historische Herrscher aus, bleibt als königliche Gestalt nur ein künftiger „Messias“ zu erwägen (s.u.).

3.2.3.2. Mosaische Traditionselemente kann man in der Tora-Erteilung nach Jes 42,(1.)4 sehen, in der Rückführung Israels nach 49,5 und im neuen Exodus in der Gesamtverkündigung Dtjes’s. Schließlich mag das Mosebild sogar bei der Gestaltung von Jes 53 eine Rolle spielen, nämlich im stellvertretenden Leiden des Knechts für sein Volk; vgl. Dtn 1,37 u.ö.: Mose muss – um Israels willen? – außerhalb des Landes sterben, nach Ex 32,31f. setzt er sich fürbittend vor Jahwe für das abtrünnige Volk ein (vgl. von Rad, Theologie I, 306-308).

Es geht hier um Elemente der Tradition, die in das Bild des Gottesknechts eingegangen sind, nicht um eine Dichtung über den vergangenen oder die Erwartung eines künftigen Mose: Mose ist nicht der Gottesknecht, die Texte haben nur einige Züge der Mosegestalt aufgenommen.

3.2.3.3. Als Prophet erscheint der Knecht durch seine Amtsführung, wie besonders Jes 49,2 und Jes 50,4 zeigen: Jahwe hat seinen Mund zum scharfen Schwert der Welteroberung gemacht, und er hat ihm eine „gelehrte Zunge“ gegeben, zu den Müden zu reden. Er wirkt durch das verkündigte Wort, auch da, wo er Israel zu Jahwe zurückführen soll (Jes 49,5).

Auch für diesen Aspekt des Gottesknechtsamts hat man bestimmte vergangene Propheten genannt. Schon → Mose ist nach deuteronomisch-deuteronomistischer Tradition Prophet, konkret hat man → Ezechiel und vor allem → Jeremia als den Gottesknecht der Lieder angesehen. Wieder ist an das Leidensgeschick dieser Propheten zu denken, aber Jeremiatraditionen spielen bei Dtjes vielfach und so auch in den Gottesknechtsliedern eine Rolle. Man kann z.B. an Jeremias Fürbittamt denken (vgl. Jer 14,1-15,2 und Jer 18,20 mit Jes 53,12).

Vor allem ist in Jeremias Berufungserzählung die Verbindung von prophetischem und königlichem Amt vorgegeben: Er ist „zum Propheten über die Völker“ bestimmt, Jahwe setzt ihn „über Völker und Königreiche“, hat ihn „im Mutterleib gebildet“ (Jer 1,5.10): Es geht in der Jeremiatradition um ein weltweites Amt, wie es nur mit den Kategorien eines Weltkönigs beschrieben werden kann. Das Völkeramt des Gottesknechts in den beiden ersten Liedern hat die gleiche Dimension. Wenn er „das Recht zu den Völkern bringen“ und „auf Erden das Recht aufrichten“ soll (Jes 42,1.4), so wird damit das mosaische Amt ins Universale ausgeweitet. Darin wirkt nicht ein prophetisch begabter König, sondern ein königlicher Prophet, dem ein universaler Herrschaftsbereich zugewiesen ist.

Mit solcher prophetischer Tradition wird das prophetische Amt beschrieben. Die „Lieder“ sind jedoch keine Dichtung über Jeremia.

4. Deuterojesajas theologisches Konzept vom Gottesknecht

4.1. Herkunft und Zusammenhang der Texte

4.1.1. Es gibt in den drei ersten Gottesknechtsliedern keinerlei Anzeichen dafür, dass sie von einer vergangenen Gestalt handeln. Im Gegenteil: Der Gottesknecht hat eine Aufgabe, die jetzt auszuführen ist. Nur das vierte Lied blickt im Mittelteil auf seine Aufgabe und sein Geschick zurück, Anfangs- und Schlussteil sprechen von seiner Zukunft.

4.1.2. Die Texte vom Gottesknecht fügen sich genau in die Gesamtbotschaft Dtjes’s ein. Das gilt besonders für die drei ersten Gottesknechtslieder, und es gibt keinen Grund, sie Dtjes abzusprechen. Redaktionsgeschichtlich bilden sie mit dem vierten Gottesknechtslied einen zusammenhängenden Block, der zunächst für sich überliefert wurde und erst von der Redaktion (der „Naherwartungsschicht“, → Deuterojesaja) in das älteste Deuterojesajabuch integriert wurde.

4.1.3. Die vier Texte bilden eine zusammenhängende Sequenz:

a) In Jes 42,1-4 wird der Knecht von Jahwe mit seiner prophetisch-königlichen Aufgabe präsentiert: „Siehe, mein Knecht, den ich (an der Hand) halte, mein Erwählter, an dem ich Gefallen habe! Ich lege meinen Geist auf ihn, das Recht wird er zu den Völkern hinausbringen …“.

b) In Jes 49,1-6 stellt der Knecht sich mit seinem Amt selbst den Völkern vor. „Hört, ihr Inseln, auf mich, und merkt auf, ihr Völker in der Ferne! Jahwe hat mich von Mutterleib berufen … und hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht …“. Es folgt die Klage des Knechts über Erfolglosigkeit sowie sein Vertrauenswort, sein Lohn sei bei seinem Gott verwahrt, daraufhin die Erneuerung seines Israelamts als Amt an der Welt.

c) Jes 50,4-9 ist ein prophetisches Vertrauensbekenntnis: „Der Herr Jahwe hat mir die Zunge von (gelehrigen) Schülern gegeben, dass ich weiß, zu den Müden zu reden … Morgen für Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre wie Schüler … Ich aber war nicht widerspenstig, bin nicht zurückgewichen, meinen Rücken beugte ich den Schlägern, meine Wangen den Raufenden, mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel“. Der Sprecher schildert die ihm von Jahwe verliehene Gabe: zu den Erschöpften zu reden und auf die Stimme des Lehrers zu hören. Er nennt im gleichen Atemzug die Verfolgung auf Grund seiner Botschaft, die er bereitwillig auf sich nimmt in der Gewissheit: „Aber der Herr Jahwe hilft mir, darum bin ich nicht in Schmach vergangen, darum habe ich mein Angesicht wie einen Kiesel gemacht und weiß, dass ich nicht zuschanden werde …“.

Mit diesem Bekenntnis schließt der Teil der Sequenz, der auf den Propheten selbst zurückgeht. Durch die drei Texte zieht sich die Gewissheit von Erfolg und Lohn des Knechts: schon in Jes 42,4: „Er wird nicht verlöschen und nicht einknicken, bis er auf Erden das Recht aufrichtet …“, dann in den Vertrauensbekenntnissen von Jes 49,4b trotz des Misserfolgs und Jes 50,7-9 trotz der Verfolgung.

d) Was wurde aus dieser Gewissheit? Das vierte Gottesknechtslied, Jes 52,13-53,12, berichtet im Mittelteil vom elenden Geschick des Knechts bis zu Tod und Grab, das „wir“, die Sprecher, für die göttliche Strafe für seine Schuld hielten. Jetzt aber wissen sie, dass er nicht als Schuldiger, sondern stellvertretend für die Sünden seines Volks gelitten hat und dass Jahwes Plan gerade durch ihn gelingen wird. Sie wissen das auf Grund eines göttlichen Offenbarungsworts, wiedergegeben am Anfang und am Ende des Texts, das vom Erfolg und höchsten Ehren des Knechts spricht und zugleich erklärt, wie er durch sein stellvertretendes Leiden zu Erfolg und Lohn kommt.

Es ist evident, dass dieser letzte Text nicht mehr von dem gleichen Autor stammt, der im zweiten und dritten Gottesknechtslied mit seinem „Ich“ auftrat und sein Vertrauen bekannte: Der Knecht ist gestorben und begraben. Der Text ist von einem seiner „Schüler“ verfasst, ist aber nicht von den drei ersten Texten zu trennen, sondern als Antwort auf die darin offen gebliebene Frage verfasst. Die Frage nach dem „Lohn“, d.h. nach dem Erfolg seines Auftretens, ist dem Autor durch eine göttliche Offenbarung beantwortet. (Die Annahme eines einzelnen Offenbarungsempfängers und Autors liegt nahe, auch wenn er für eine Gruppe spricht.)

e) Die drei ersten Texte beschreiben die dem Propheten von Jahwe zugewiesene Aufgabe.

Angesichts der gewaltigen Dimensionen dieser Aufgabe hat man oft dafür plädiert, dass hier und vor allem im vierten Gottesknechtslied von einer zukünftigen messianischen Gestalt die Rede sei – so wie die Texte z.T. im Judentum und besonders in der christlichen Botschaft angeeignet wurden.

Historisch sprechen zwei Gründe dagegen. Einmal ist die „Ich“-Rede der beiden Mitteltexte nicht als dichterische Fiktion, in der ein Zukünftiger spricht, erklärbar. Zum andern ist in der Botschaft Deuterojesajas kein Raum für einen erst noch kommenden Heilsmittler: Er ist sich gewiss, dass alles jetzt auf Israels Heimkehr und Jahwes Eroberung der Welt hinausläuft. Die Dimensionen des Amtes sind nicht Anmaßung des Propheten, sondern Konsequenz des endgültigen und weltweiten göttlichen Heilswerks, dessen Verkündigung ihm aufgetragen ist.

4.2. Die „autobiographische“ Deutung

Wenn das kollektive Verständnis in seinen Varianten und die individuelle Deutung auf einen konkreten König, einen vergangenen Propheten oder den kommenden Messias ausfällt, bleibt als Gottesknecht der „Lieder“ der Prophet selbst, herkömmlich die „autobiographische Deutung“ genannt. Die Bezeichnung ist irreführend: Es handelt sich nicht um eine Autobiographie des Propheten, sondern um die Beschreibung des dem Propheten in der gegenwärtigen Weltsituation aufgetragenen Amts. Autobiographische Züge kommen darin nur insoweit vor, als dieses Amt von einem Menschen auszuüben und zuletzt zu erleiden ist. In den Texten ist die prophetische Tradition verarbeitet und im Blick auf die Aufgabe des Propheten in Jahwes eschatologischem Aufbruch weitergeführt.

Wie Jahwe seinen weltweiten Plan mit seinem prophetischen Knecht durchführen will, wird erst verständlich, wenn man den Gottesknecht Israel hinzunimmt und das Zusammenwirken der beiden Knechte beachtet.

4.3. Das Konzept von den beiden Gottesknechten

Zwei Gottesknechte bei Dtjes, Israel und der prophetische Gottesknecht: Wie verhalten sich die beiden zueinander?

Zwei Bedeutungen der Bezeichnung „Gottesknecht“ im übrigen Sprachgebrauch (s.o. 2.3. a.c) kommen vorrangig in Betracht:

a) Der prophetische Gottesknecht der Lieder ist von Jahwe beauftragt. Er soll die „Rechtsordnung“ zu den Völkern hinausbringen (Jes 42,1.4), Jahwe setzt seinen Mund als „Schwert“ und „Pfeil“ zur Eroberung der Welt ein (Jes 49,2), er soll Israel zu ihm zurückführen (Jes 49,5), er bringt Jahwes Wort zu den „Müden“ (Jes 50,4), er leidet für Jahwe (Jes 50,6), und Jahwes Plan gelingt durch sein unschuldiges Leiden (Jes 53,10).

b) Israel heißt Gottesknecht als das in seinem Ahnherrn Jakob erwählte Volk Jahwes. Seine Rolle als Knecht Gottes bedeutet zuerst, dass es Jahwes Rettung, Hilfe, Schutz erwarten kann, wie das die Gebete einzelner oder des ganzen Volkes in Anspruch nehmen: Der Herr hat Verantwortung für seinen Knecht. Wo Israel Jahwes Knecht genannt wird, ist von einer aktiv zu erfüllenden Aufgabe noch nicht die Rede. „Gottesknecht“ ist hier auch kein Ehrentitel, der Israel für vorbildlichen Gehorsam oder besondere Frömmigkeit verliehen werden könnte. Jedoch braucht Jahwe sein erwähltes Volk, um an ihm seine Rettungsmacht vor den Völkern zu demonstrieren. Das Volk ist Zeuge für Jahwe (Jes 43,10), und wiewohl es zuvor als „blindes und taubes“ Volk vorgestellt wird, kann es allein durch seine Existenz als Jahwevolk, dem die Wunder widerfahren, für Jahwe zeugen. Man spricht deshalb von Israel als dem passiven im Unterschied zum prophetischen Gottesknecht als dem aktiven Zeugen.

Bei Israels Passivität soll es nicht bleiben. In Jes 43,10 („… und mein Knecht …“) wird der Prophet als der zweite Zeuge genannt, der auch Israel allererst überzeugen soll (s.o. 3.1.3.). Von Israel ist der Aufbruch gefordert, mit dem es sich die befreiende Heilstat Jahwes aneignet; diese Heilstat soll es im Hymnus besingen und so vor aller Welt bezeugen. Damit hat auch Israel eine Aufgabe, und so erklären sich die beiden Knechten gemeinsamen königlichen Erwählungsprädikate. Jahwe hat Israel „im Mutterleib“ „sich zum Knecht erschaffen“ (Jes 44,2.21.24), um sein Lob zu verkünden – so ausdrücklich Jes 43,21 angesichts der Wüstenwunder.

c) Das Verhältnis der beiden Gottesknechte kommt vor allem im zweiten und dritten Gottesknechtslied zur Sprache:

Der prophetische Knecht soll Israel „zu ihm zurückführen“ (Jes 49,5): Die Aufgabe hat eine geistliche und eine praktisch-lokale Dimension. Der Prophet verkündet Israel Vergebung der Schuld (Jes 40,2; Jes 44,22), Befreiung und Heimkehr (Jes 40,10f.), er ruft es zum Aufbruch aus dem babylonischen Exil und zum Weg durch die Wüste zum → Zion auf (Jes 48,20; Jes 52,11). Diese Aufgabe verfolgt der Knecht mit allen rhetorischen Mitteln, in Heilsorakeln und argumentativen Texten, indem er Israel an seine Geschichte mit Gott und an seine Tradition erinnert. Seinem Auftrag von Jes 49,5, „Jakob zu ihm zurückzuführen (ləšôvev … ’elāw)“, entspricht exakt das Jahwewort Jes 44,21f., mit dem der Prophet Israel zu mahnen hat: „kehr zurück zu mir (šûvāhelaj), denn ich habe dich erlöst“.

Israel ist noch nicht bereit, der Botschaft zu glauben und – als praktische Konsequenz – aufzubrechen. Das zeigt das Wort von der vergeblichen Mühe des Knechts in Jes 49,4a wie der gewaltsame Widerstand gegen seine Verkündigung nach Jes 50,6 und hernach der Bericht des vierten Gottesknechtslieds in Jes 53,2-9, ebenso die Rede vom „blinden und tauben“ Volk, das der Prophet als Jahwes Knecht überzeugen soll (Jes 43,8.10). Der Knecht ist mit dem bisherigen Misserfolg nicht aus seinem Auftrag entlassen. Er selbst setzt dagegen die unbedingte Zuversicht auf Jahwe, der ihn rechtfertigen (Jes 49,4b; Jes 50,7-9), d.h. geradezu: ihn als wahren Propheten erweisen, seine Botschaft bestätigen wird.

Der Israelauftrag für sich allein wäre „zu wenig“ für die Knechtsaufgabe (Jes 49,6a): Im Ergebnis soll Jahwes Rettungstat weltweit wirksam werden (V. 6b), denn indem Jahwe seine Herrlichkeit in der Befreiung Israels durch Kyros und beim Heimweg seines Volkes zeigt, werden alle Völker Jahwe als den wahren Gott erkennen und sich von ihm retten lassen.

Die Abfolge der Texte zeichnet die komplexe Aufgabe des prophetischen Gottesknechts. Jes 40,5 spricht programmatisch von der globalen Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit. Jes 41,18-20 zielt mit der Schilderung der Wüstenwunder Jahwes zuerst auf den Glauben des durch die Wüste wandernden Gottesvolks (V. 20). In Jes 43,8-13 ist der Israelauftrag verschränkt mit der weltweiten Wirkung der Botschaft: Der prophetische Zeuge soll das blinde und taube Volk zur gerichtlichen Verhandlung über Jahwes Einzigkeit in die Wüste „hinausführen“ (V. 8: hôṣî’ als Topos der Exodustradition), er soll Israel zum Glauben und zur Einsicht bringen (V. 10f.) und es dadurch befähigen, seine Rolle als Zeuge Jahwes vor dem Forum der versammelten Völkerwelt wahrzunehmen (V. 9a.10aα.11.12b). Zur Gerichtsszene gehört der sog. „Weissagungsbeweis“: Der Prophet war beauftragt, das schöpferische Jahwewort von Kyros Siegeszug in die Welt zu geben (Jes 41,1-4 u.ö.), und weil nur Jahwe solchen Sieg kundgetan und bewirkt hat (Jes 43,9.12a), hat er seine alleinige Schöpfermacht erwiesen – Israel soll das bezeugen (V. 12b). – In Jes 43,19-21 stimmen die wilden Tiere ob der Verwandlung der Wüste in das Jahwelob ein (V. 20, vgl. Jes 40,5 „alles Fleisch“), und Israel soll in Hymnen Jahwes Wundertaten erzählen (V. 21) – natürlich vor den Völkern der Welt. Mit dem Orakel Jes 45,1-7 verleiht Jahwe dem Perserkönig Kyros um Israels willen (V. 4) weltweiten Sieg, damit alle Welt Jahwes Einzigkeit erkennt (V. 5f.). Den Höhepunkt bezeichnet Jes 45,20a.21-23 mit Jahwes eidlicher Versicherung, dass „alle Enden der Erde“ sich vor ihm beugen werden.

Darum bleibt der Israelauftrag im zweiten Gottesknechtslied der Kern seines Völkerauftrags: Er muss Israel zu dem Gott versammeln (Jes 49,5), der als Sieger auf der Wüstenstraße zum Zion ziehen und sein Volk mitbringen will (Jes 40,3-5.10-11). Noch das dritte Gottesknechtslied (Jes 50,4-9) spricht von der Begabung des Knechts, zum „Erschöpften / Müden“ zu reden (Jes 50,4) und damit sein Trostamt an Israel wahrzunehmen. Die Aufgabe, Jahwe als den einzigen und allein rettenden Gott vor der Welt zu bezeugen, erfüllen beide Knechte nur gemeinsam: der Prophet durch seine Botschaft von Jahwes die Welt verwandelnder Heilstat, Israel, indem es Jahwes Taten akzeptiert und sie in Hymnen vor der Welt besingt.

d) Das vierte Gottesknechtslied berichtet vom Leiden, Tod und Begräbnis des Gottesknechts und beantwortet die offene Frage, was aus seiner Gewissheit wurde. Es beruft sich auf ein Jahweorakel, das den Text rahmt und vom Lohn des Knechts spricht: von seiner Erhöhung aus tiefster Niedrigkeit zu höchster Würde und dem Erstaunen von Völkern und Königen, von seinem Leiden für „die Vielen“, die sein elendes Geschick als Strafe Gottes für seine Schuld missverstanden haben und nun begreifen, dass er stellvertretend die Folge ihrer eigenen Sünde getragen hat, schließlich von dem Lohn, den er zusammen mit den durch sein Leiden gerechtfertigten Vielen empfangen wird, nämlich dem Anteil an der Beute Gottes (Jes 53,12; vgl. Jes 49,1-3). Der Mittelteil des Textes führt aus, was im Jahwewort offenbart wurde, der Autor spricht für seine Gemeinschaft: Die „Wir“ im Mittelteil sind „die Vielen“ des zweigeteilten Orakels, nämlich Israel, das Jahwevolk. Die Einsicht, die hier ausgesprochen wird, ist aber noch nicht allgemein, sondern die Gewissheit eines Einzelnen, der das Jahweorakel empfangen hat, wohl auch die neue Überzeugung einer Gruppe in Israel. Das Jahwewort korrigiert ja nicht nur vergangene Urteile über den Knecht, sondern spricht auch von dem kommenden Wunder: seiner Erhöhung und seinem neuen Leben. Durch dieses Wunder wird ganz Israel zur Einsicht kommen, und so „wird der Plan Jahwes durch ihn gelingen“. Das wird im Mittelteil in Jes 53,10 formuliert, der eine Reihe textlicher Schwierigkeiten hat, aber an Anfang und Ende ganz klar ist: Er bezeichnet die Wende mit dem „Aber Jahwe …“ am Anfang, spricht vom neuen Leben des Knechts und endet mit dem zitierten Satz. Dazwischen ist vom stellvertretenden Einsatz des Knechts die Rede.

Die Einzelheiten des schwierigen Textes Jes 52,13-53,12 sind fast alle umstritten. Die Auseinandersetzung ist hier nicht zu führen (s. dazu H.-J. Hermisson, Deuterojesaja [BK XI/3], 2017, 309-469), doch ist der Text, auch wenn er nicht vom Propheten stammt, in der Folge der vorangehenden Gottesknechtslieder zu verstehen.

Dass der Gottesknecht „zusammen mit den Vielen Beute teilen“ wird (Jes 53,12), entspricht der Konstellation des zweiten Gottesknechtslieds. Jahwe gebraucht den Mund seines Knechts als Waffe zur Welteroberung (Jes 49,1-3): Er gibt durch den Propheten sein schöpferisches Wort in die Welt, und er lässt durch ihn Israel zu sich zurückführen (Jes 49,5), um am Jahwevolk seine Wundermacht zu demonstrieren: – „dass meine Heilstat reiche bis ans Ende der Erde“ (Jes 49,6). Die „Beute“ sind die Völker, sie sind Jahwes „Beute“, und der Lohn und zugleich Erfolg des prophetischen Gottesknechts ist sein Anteil, den er zusammen mit dem Gottesknecht Israel empfängt.

e) Das Verhältnis des prophetischen Knechts zum Knecht Israel zeigt sich im zweiten Gottesknechtslied auch darin, dass er das Vertrauen auf Jahwe bewährt, das Israel verweigert. Israel klagt: „mein Recht geht an meinem Gott vorüber“ (Jes 40,27), der Knecht aber sagt im Anschluss an seine Vergeblichkeitsklage: „Fürwahr, mein Recht ist bei Jahwe, und mein Lohn ist bei meinem Gott“ (Jes 49,4) – was er in Jes 50,4-9 eindringlich ausführt. Weil der Knecht mit seinem unbedingten Vertrauen auf Jahwe Israel einstweilen vertritt, könnte er in Jes 49,3 – wenn „Israel“ hier original ist – auch den Ehrennamen „Israel“ tragen. Bereits in der Folge der drei ersten Gottesknechtslieder geht es also um eine Art → Stellvertretung, sie wird jedoch im vierten dadurch übertroffen, dass der Knecht stellvertretend die Folge der Sünde der Vielen trägt. Die Sünde der Vielen ist aber nichts anderes als ihr mangelnder Glaube an die Botschaft und damit ihr mangelndes Vertrauen auf Jahwe. Am Ende soll diese Kluft aufgehoben werden: Durch Leiden und Tod des Gottesknechts und durch Jahwes Wundertat am toten Propheten wird ganz Israel zum Glauben kommen und seine Rolle als Gottesknecht wahrnehmen. So gehören am Ende die beiden Gottesknechte zusammen; zuvor sind es verteilte Rollen.

f) Die Abfolge der beiden ersten Gottesknechtslieder wird erst voll verständlich, wenn man einen weiteren Text hinzunimmt. Im zweiten Gottesknechtslied ist von einem zuvor ergangenen Israelauftrag die Rede, der im ersten nicht erwähnt wird und ihm doch vorausgegangen sein muss. Er findet sich im Berufungstext (Jes 40,1-11), in dem der Bau der Wunderstraße durch die Wüste angeordnet wird, auf der Jahwe mit seinem aus Babylon befreiten Volk durch die Wüste zum Zion ziehen und damit seine → Herrlichkeit (כָּבוֹד kāvôd) „vor allem Fleisch“ offenbaren wird. In diesem Text erhält der Prophet den Auftrag, Israel zu trösten, ihm Befreiung und Heimkehr anzukündigen und es damit um Jahwe zu versammeln (Jes 49,5) und auf den Weg zu bringen. Der Zusammenhang von Jahwes Heilstaten an Israel und der Wirkung auf die Völker ist also bereits im Berufungstext gegeben, aber von einem Völkerauftrag an den Propheten ist dort noch nicht die Rede. Wenn das erste Gottesknechtslied von der Sendung des prophetischen Knechts zu den Völkern spricht, expliziert es die Bedeutung des im Berufungsbericht angekündigten Geschehens, der Offenbarung der Herrlichkeit Jahwes vor aller Welt, und es zeigt, dass diese Offenbarung für die Welt nicht tödlich, sondern heilvoll ist: Der Knecht soll den מִשְׁפָּט mišpāṭ, die heilsame Rechtsordnung Jahwes (→ Recht), zu den Völkern bringen. Wie das geschehen soll, wird wiederum im zweiten Gottesknechtslied expliziert, das dem weiterhin bestehenden Auftrag des Propheten die weltweite Dimension gibt, als „Licht der Völker“ zu wirken und Jahwes Heilstat an Israel bis ans Ende der Welt wirksam zu machen. Das zweite Gottesknechtslied geht hinsichtlich des prophetischen Auftrags nicht über das erste hinaus, zumal der Knecht nach 49,1-3 „von Mutterleib“ zu seinem Weltamt berufen ist: Durch ihn will Jahwe sich verherrlichen (V. 3).

g) Zusammenfassend ist zu sagen: Die drei ersten Gottesknechtslieder spiegeln die Grundzüge der Verkündigung des Propheten und zeichnen das prophetische Amt, wie es in dieser Weltzeit, im eschatologischen Aufbruch Jahwes zur Eroberung der Welt, wahrzunehmen ist. Sie bilden eine sachliche Einheit und explizieren sukzessive, was schon im Berufungsbericht angesagt war: Jahwe wird sich durch die wunderbare Heimführung seines Volkes durch die Wüste zum Zion vor der Welt verherrlichen und wird so – durch Faszination – die Welt „erobern“, d.h. in seine Heilstat einbeziehen. Er braucht dazu die beiden Knechte: Israel, das sich auf den Weg macht und als „passiver Zeuge“ Jahwes Wunder an sich geschehen lässt und sie vor der Welt in Hymnen preist, und den Propheten, der durch seine Verkündigung als „aktiver Zeuge“ Israel auf den Weg bringt und Jahwe vor der Welt als den einzigen rettenden Gott proklamiert.

Durch die drei Gottesknechtslieder zieht sich das Motiv von Lohn und Erfolg des Knechtes, d.h. die Gewissheit, dass er nicht scheitern, sondern seine Aufgabe erfüllen wird. Das vierte Gottesknechtslied antwortet auf die Frage, was aus dieser Gewissheit wurde, nachdem der Knecht gelitten hat, hingerichtet und begraben wurde. Der Autor weiß sich durch einen überraschenden Gottesspruch zur Antwort ermächtigt: Leiden und Tod hat der Knecht stellvertretend für sein Volk Israel erlitten und damit ihre Sünde getragen. Die Sünde ist der Unglaube an die göttliche Botschaft, und das ist Rebellion (פֶּשַׁע pæša‘) gegen Gott, die den Knecht trifft. Gott aber wird seinem Knecht neues Leben geben, ihn damit rechtfertigen und vor der staunenden Welt zu höchsten Ehren erheben. Das göttliche Wunder an seinem Knecht wird Israel auf den Weg und Jahwes Werk durch seinen Knecht zum Ziel bringen.

5. Die neue Auffassung der Gottesknechtslieder in der Redaktion der Naherwartungsschicht

Zu den Texten und zur Absicht dieser Schicht → Deuterojesaja (4.2.). Ein Schwerpunkt ist die Aktualisierung der Gottesknechtslieder und ihre Integration in die Komposition deuterojesajanischer Texte. Die Redaktion hat das vierte Gottesknechtslied bereits vorgefunden, aber man muss davon ausgehen, dass der Verfasser / Verfasserkreis (zur möglichen Mehrzahl von Autoren der Redaktion → Deuterojesaja 4.2.) dieser Neuausgabe des Deuterojesajabuchs in das Bekenntnis der „Wir“ aus Jes 53 einstimmt und deren neue Einsicht in den Sinn des prophetischen Leidens und Sterbens teilt. Der stellvertretende Sühnetod (→ Sühne) des Propheten ist also vorausgesetzt. Die drei ersten Gottesknechtslieder müssen neu verstanden werden, wenn sie mehr sind als archivarisches Material der Vergangenheit.

Weil es jetzt verschiedene Möglichkeiten gibt, sich auf die Texte zu beziehen, ist der veränderte Sinn schwieriger zu bestimmen. Im Unterschied zum Original muss er nicht eindeutig sein und nicht jeweils den ganzen Text umfassen. Doch gibt es Indizien dafür, wie die Naherwartungsschicht die Gottesknechtslieder vorrangig verstanden wissen will.

5.1. Die Neuverteilung der Rolle des Knechts

Der Eindruck, dass mit dem Einbezug der „Lieder“ jetzt überall Israel als Gottesknecht gemeint sei, trifft nicht zu. Vielmehr wird die Rolle des prophetischen Gottesknechts auf verschiedene Größen verteilt, z.T. durch Anordnung der Texte, z.T. durch ergänzende Passagen. Für ihr Anliegen, Israel der Nähe des angekündigten Heils zu versichern, findet die Redaktion das entscheidende Stichwort „nahe“ gerade im dritten Gottesknechtslied (Jes 50,8).

5.1.1. Der Völkerauftrag als Jahwes eigene Domäne (Jes 51,1-8)

Der Gottesknecht ist gestorben, darum wird sein Völkerauftrag von Jahwe zurückgenommen und von ihm selbst durchgeführt oder noch einmal neu vergeben (s.u. 5.1.3.). Das zeigt evident der Text Jes 51,1-8, der in seiner zweiten und dritten Strophe (V. 4-8) mit Elementen der drei ersten Gottesknechtslieder neu konstruiert ist.

Jes 51,4a entspricht dem Anfang des zweiten Gottesknechtslieds (Jes 49,1a), nur spricht jetzt nicht der Knecht, sondern Jahwe selbst, und statt der Völker („ihr Inseln, ihr Nationen“) wird Israel angesprochen („mein Volk, meine Nation“). Jes 51,4b „Tora geht von mir aus und mein Recht zum Licht der Völker“ ist aus Elementen des ersten und zweiten Gottesknechtslieds konstruiert (vgl. Jes 42,1.4; Jes 49,6). In Jes 51,5a wird ein Satz des dritten, „nahe ist, der mich rechtfertigt), umformuliert in „nahe ist meine Gerechtigkeit (= mein Heil)“, und in Jes 51,5b wird der Schluss des ersten Gottesknechtslieds (Jes 42,4b) aufgenommen. Schließlich hat Jes 51,8 eine Wendung des dritten Gottesknechtslieds verarbeitet: Die Adressaten sollen sich vor den Schmähungen der Menschen nicht fürchten, „denn wie ein Gewand frisst sie die Motte und wie Wolle die Made“ – eine Zerdehnung von Jes 50,9b.

5.1.2. Zion / Israel soll sich als Gottesknecht bewähren

Jes 51,4-8 zeigt eine Akzentverschiebung: Es geht zuerst um das anstelle der Völker angesprochene Israel. Die heilsame Rechtsordnung für die Völker, die der Gottesknecht bringen sollte (Jes 42,1-4; Jes 49,1-6) und die jetzt Jahwe selbst herbeiführt, ist nicht aufgegeben, dient jedoch vorrangig der Sicherheit und dem Heil Israels. Die Situation des von Feinden bedrängten Gottesknechts aus dem dritten Lied wird auf Israel übertragen, und die Gewissheit, die er dort im Vertrauensbekenntnis ausspricht, erscheint jetzt in Form der Zusage Jahwes an Israel. Die Redaktion hat das dritte Gottesknechtslied in eine Komposition von Ziontexten eingestellt und damit den Schwerpunkt von der Wüstenwanderung auf das Ziel verlegt.

Das ergibt sich aus allerlei Bezügen zwischen Jes 49,14-21.22-23 und dem dritten Gottesknechtslied) einerseits, Jes 51,1-8 als „Kommentar“ und Jes 50,1-3 als Brückentext der Redaktion andererseits. In der Komposition erscheint Israel als Zionsgemeinde oder im Bild der Mutter Zion mit ihren (verlorenen) Kindern. Vgl. den Kontrast zwischen dem klagenden Zion (Jes 49,14) und dem vertrauenden Gottesknecht, dazu den Zuspruch an Zion „du wirst erkennen, dass ich Jahwe bin, an dem nicht zuschanden werden, die auf mich harren“ (Jes 49,23) und das Vertrauensbekenntnis des Knechts „ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde” (Jes 50,7). Der Brückentext Jes 50,1-3 unterstreicht Willen und Macht Jahwes, Zion / Israel zu helfen.

Es gibt im größeren Gefüge weitere Querverweise, doch zeigen die Beispiele, wie man das dritte Gottesknechtslied jetzt verstanden hat. Die Redaktion hat nicht angenommen, mit dem Knecht in Jes 50,4-9 sei Zion / Israel gemeint: Jes 50,4-6 wird nicht übertragen, der Knecht von Jes 50,4-9 ist wie in Jes 50,10 das Vorbild der Gemeinde. Wohl aber soll in Jes 51,4-8 mit der Adaptation von Wendungen aus dem Bekenntnis von Jes 50,7-9 Zion / Israel in die Rolle des Knechts hineingezogen werden, indem ihm zugesprochen wird, was der Knecht geglaubt hat.

Damit kann Israel als Gottesknecht wie bei Dtjes von seinem Herrn Schutz und Hilfe erwarten. Seine Rolle als Jahwes „Demonstrationsobjekt“ ist in dieser Schicht vielleicht in Jes 49,3 und jedenfalls in Jes 46,13 angesprochen, s.u.

5.1.3. Der Auftrag des Kyros

Jahwes Auftrag an Kyros kann mit Teilen des ersten und zweiten Gottesknechtslieds beschrieben werden.

Das erste Gottesknechtslied (Jes 42,1-4) wird zwischen zwei Kyrostexte, eine szenische Prozessrede (Jes 41,21-29; vgl. spez. V. 25) und ein ursprüngliches Kyrosorakel (Jes 42,5-8*), gestellt und damit redaktionell als Kyrostext verstanden (ähnlich R.G. Kratz, 134ff.): → Kyros wird die Aufgabe zugewiesen, die Rechtsordnung Jahwes bei den Völkern durchzusetzen (V. 1-4) und Israel zu befreien (V. 7). Er handelt in Jahwes Auftrag, deshalb besteht kein Widerspruch zu Jes 51,4f., wo Jahwe selbst das Völkeramt ausübt; der himmlische Herrscher hat selbstverständlich seine irdischen Agenten.

Die Redaktion hat dem Kyrosorakel den Satz „und ich habe dich gebildet (= erschaffen) und gemacht zur Verpflichtung für das Volk und zum Licht für die Völker“ (Jes 42,6b) zugefügt und damit den doppelten Auftrag des Kyros formuliert: Das „Volk“ ist Israel.

Anders H.-J. Hermisson, Deuterojesaja (BK XI/2), 2003, 378 mit K. Elliger, Deuterojesaja (BK XI/1), 1978, 235. Doch ist der Gebrauch von עָם ‘ām für „Menschenvolk“ in Jes 42,5 bei einem Zusatz kein Argument. Der Begriff בְּרִית bərît kommt im Deuterojesajabuch nur in Texten der Schule vor (Jes 54,10; Jes 55,3) und ist dort immer eine Verpflichtung Jahwes zugunsten Israels. Die eigenartige Formulierung, dass Jahwe einen Menschen zur „Verpflichtung für das Volk“ geschaffen hat, wird an beiden Stellen durch die nachfolgenden Infinitive weitergeführt: in Jes 42,7 die Gefangenen freizulassen, in Jes 49,8 das Land aufzurichten usw. D.h., der hier zur „Verpflichtung“ gemachte Kyros wird von Jahwe zu etwas verpflichtet (vgl. Elliger a.a.O.), genauer: Jahwe überträgt ihm die Realisierung der Selbstverpflichtung, die er gegenüber dem Volk eingegangen ist (vgl. seine „Friedensverpflichtung“ in Jes 54,10).

Der Satz dient der Redaktion als Klammer zum zweiten Gottesknechtslied in Jes 49,1-6 mit der Ergänzung in Jes 49,8-12: Der Anfang von Jes 42,6b wird in Jes 49,8 wiederholt, „zum Licht für die Völker“ steht (original) in Jes 49,6, Jes 49,9a nimmt Jes 42,7 auf. Der Auftrag in Jes 49,8bβ-9a geht an Kyros: die Gefangenen zu befreien in Jes 42,7 / Jes 49,9a, dazu „verödete Erbteile“ neu zu verteilen und „das Land aufzurichten“ (Jes 49,8bβ), was dasselbe, die Wiederherstellung der Besitzverhältnisse in Palästina, meint und an Jes 49,6 („die Stämme Jakobs aufzurichten“) anknüpft.

Damit wird das zweite Gottesknechtslied Jes 49,1-6 mit dem Anhang in Jes 49,8-9a (Jes 49,9b-12 spricht von Jahwes Wüstenführung nach Jes 52,12) partiell zu einem Kyrostext. Die Berufung im Mutterleib (V. 1: Motiv der Königsideologie) und der Einsatz als Schwert und Pfeil Jahwes zur Welteroberung (V. 2) ist auf Kyros bezogen. „Israel zu Jahwe zurückführen“ (V. 5) und „die Bewahrten Israels zurückbringen“ (V. 6) wird politisch verstanden als Ermöglichung der Heimkehr, und „Licht für die Völker“ ist Kyros in Jes 49,6 wie in Jes 42,6 mit der Durchsetzung der Friedensordnung (vgl. Jes 51,4b!), die Jahwe nach Jes 51,4-8 für Israels Sicherheit herbeiführt. Jes 49,4 ist bei dieser Interpretation zu übergehen; der Vers passt weder zu Kyros noch zu Israel.

Schwierig ist die redaktionelle Auffassung von Jes 49,3. Wenn „Israel“ hier noch nicht genannt war, könnte im Zusammenhang auch Kyros gemeint sein, durch den Jahwe „sich verherrlicht“. Mit der Namensnennung wäre jetzt punktuell an die Volksgemeinde Israel (/Zion) gedacht und Jes 49,3 nach Jes 44,23b verstanden („… an Israel verherrlicht er (Jahwe) sich“). Eindeutig ist Jes 46,13, ein Kerntext der Naherwartungsschicht: „Ich habe nahe gebracht mein Heil, nicht ist es fern … und in Zion schaffe ich Rettung für Israel, meine Zierde“ (für „Zierde“ steht der Wortstamm פאר p’r, der verbal die Verherrlichung ausdrückt). Es geht wieder um Israels Rolle als Gottesknecht, an dem Jahwe sich durch Wundertaten vor der Welt verherrlicht (für diese Redaktion besonders durch die Verherrlichung Zions / Jerusalems). Mit „Israel“ in Jes 49,3 wäre das zweite Gottesknechtslied verschieden bezogen worden – teils auf Kyros (V. 1f.5f.), teils auf Israel (V. 3). Jedoch wird „Licht der Völker“ in Jes 49,6 wegen der Klammer zu Jes 42,6 von dieser Redaktion auf Kyros gedeutet; anders erst Jes 49,7; s.u. 5.1.5.

5.1.4. Jes 53

Zur Auffassung des vierten Gottesknechtslieds in dieser Schicht ist wenig zu sagen. Es bleibt bei der Einsicht in das stellvertretende Sühneleiden des prophetischen Knechts und darüber hinaus bei der Erwartung der großen Wende durch das göttliche Wunder an seinem toten und begrabenen Knecht. Hier war nichts auf Israel zu übertragen. Man kann im Ziontext Jes 54,1-10 Anklänge an Jes 52,13-53,12 finden, aber anders als bei den drei ersten Gottesknechtsliedern werden statt ganzer Sätze nur einzelne Begriffe aufgenommen. Zwei Begriffe sind hervorzuheben: Die der Frau Zion in Jes 54,1-3 verheißene große Nachkommenschaft (זֶרַע zæra‘) kann an die künftige Nachkommenschaft des Gottesknechts in Jes 53,10 anknüpfen, und Jahwes „Verpflichtung zu שָׁלוֹם šālôm“, sein „Friedensbund“, in Jes 54,10 könnte sich auf שָׁלוֹם šālôm in Jes 53,5 beziehen. Das sind Anklänge, mit denen Zions große Zukunft nach großem Leiden dem Geschick des Gottesknechts zu entsprechen scheint. Zu weiteren Begriffen, die in der Diskussion genannt werden, vgl. H.-J. Hermisson, Deuterojesaja (BK XI/3), 2017, 524f.; dass der Knecht von Jes 53 damit als die „Frau (!) Zion“ verstanden worden sei, ist eine viel zu grobe Einschätzung und entspricht nicht dem Eigen-Sinn von Jes 53, den die Schüler festhalten.

5.1.5. Anhang: Jes 49,7

Anders der Spruch Jes 49,7, der nicht mehr zur Naherwartungsschicht gehört. Der verachtete „Knecht der Herrschenden“, vor dem um Jahwes willen „Könige aufstehen“ werden, ist Israel als Zionsgemeinde in seiner gegenwärtigen Erniedrigung und seiner künftigen Hoheit, gezeichnet nach dem Bild des Knechts im vierten Gottesknechtslied. Wieder ist zu bezweifeln, dass dieser Text im ganzen auf Israel / Zion als Gottesknecht gedeutet werden soll. Stellvertretung als zentraler Gehalt von Jes 53 spielt keine Rolle, es geht nur um Erniedrigung durch die Mächtigen der Welt und um Erhöhung durch Jahwes Treue zu seinem Volk. Damit wird im wesentlichen Jes 52,13-15 ausgelegt.

Wichtiger ist, dass durch Einfügung dieses Spruchs dem ganzen Block Jes 49,1-12 noch einmal ein neuer Sinn gegeben wird: Jetzt soll der Gesamtzusammenhang nicht mehr von Kyros, sondern von Israel verstanden werden (s. H.-J. Hermisson, Deuterojesaja (BK XI/2), 2003, 398).

5.2. Zusammenfassung: Die Gottesknechtslieder in der Naherwartungsschicht

Wo Texte über ihren ursprünglichen Bezug hinausgehen und in eine neue Situation sprechen, verlieren sie ihre Eindeutigkeit und sind für neue Deutungen offen. Das gilt auch für die Gottesknechtslieder; sie bekommen einen polyvalenten, aber keinen beliebigen Sinn. Die Naherwartungsschicht als erste große Redaktion des Deuterojesajabuchs hat sie in das Buch integriert und implizit interpretiert, aber trotz unterschiedlicher Rollenzuweisungen und Verschiebung des Schwerpunkts wahrt sie doch den Gesamtsinn. Pauschal könnte man sagen, dass nach dem Tod des prophetischen Gottesknechts seine Rolle auf Jahwe selbst, auf Kyros und auf Israel verteilt wird.

Das erste Lied (Jes 42,1-4) wird durch die Positionierung vor einem Kyrosorakel (Jes 42,5-8*) auf den Perserkönig gedeutet: Er ist beauftragt, den Völkern Jahwes heilsame Rechtsordnung zu bringen (Jes 42,1.4.6bβ) und Israel zu befreien (Jes 42,6bα.7; vgl. Jes 49,9a). Das zweite (Jes 49,1-6+Jes 49,8-12) geht primär ebenfalls auf Kyros, der für Jahwe die Welt erobert und mit der Durchsetzung der göttlichen Ordnung zum „Licht der Völker“ werden soll (Jes 49,6b) und für Israel die Besitzverhältnisse im Lande wiederherstellen wird (Jes 49,6a; Jes 49,8b). Das dritte Lied (Jes 50,4-9) zielt auf Israel, indem das Leiden des Knechts Israels Leiden anzeigt, das Vertrauen des Knechts Vorbild für Israel ist und Jahwe das Bekenntnis des Knechts mit der Zusage des nahen Heils an Israel (Jes 50,8 // Jes 51,5) beantwortet. Das Jahwewort Jes 51,(1-3.)4-8 verwendet Formulierungen aus den drei ersten Gottesknechtsliedern und stellt das ganze Geschehen, auch den Anteil des Kyros, als Jahwes Werk heraus: die Befriedung der Völker durch seine heilsame Rechtsordnung, damit verbunden Israels nahes Heil, so dass es wie der Gottesknecht keinen Grund zur Furcht hat.

Keines der Gottesknechtslieder geht ganz in dieser Deutung auf. So ist Jes 42,2 ebenso wenig auf Kyros zu deuten wie Jes 49,4, und Jes 49,3 könnte man nur dann auf Kyros beziehen, wenn „Israel“ dort noch fehlte. Für 49,2.5f. passt der Bezug auf den Perserkönig auch nur teilweise, und der Kommentar zum zweiten Gottesknechtslied geht von Jes 49,9b (oder spätestens Jes 49,10) an zu Jahwes Geleit durch die Wüste über. Im zweiten Gottesknechtslied ist V. 3 dann auf Israel zu beziehen, wenn dort der Name genannt ist, denn der Name „Israel“ könnte zwar dem Propheten zugesprochen werden, nicht aber Kyros. Dagegen ist Jes 49,6 „Licht der Völker“ erst mit der späteren Ergänzung Jes 49,7 eine Israelaussage, nämlich so, dass Jahwes Rettungstat an Israel dieses Licht schafft – wie denn der Text fortfährt: „… dass meine Rettungstat sei bis ans Ende der Erde“. In Jes 49,7 wird auch die Wende von tiefster Verachtung zu höchsten Ehren in Jes 52,13-15 auf Israel übertragen. Das betrifft wieder nur einen Aspekt des letzten Gottesknechtslieds; das stellvertretende Leiden des Knechts bleibt exzeptionell.

Die Beweglichkeit im Bezug der Schüler auf die Gottesknechtslieder ist (von Jes 49,7 abgesehen) noch kein Indiz für verschiedene Schichten. Sie bleiben im Grundsatz bei der Botschaft des Propheten von Jahwes rettendem Eingreifen für sein Volk, durch das er auch die Völker von seiner Einzigkeit als Gott und Retter überzeugt. Hier wie dort geht es um Jahwes Werk, und nur die Rollenverteilung auf seine irdischen Knechte wechselt.

6. Spätere Texte

Andere Ergänzungen des Deuterojesajabuchs tragen nichts Neues zum Verständnis der Gottesknechtslieder bei. Im übrigen Alten Testament finden sich nur sporadische Hinweise auf den Gottesknecht bei Dtjes. Am deutlichsten knüpft Jes 61,1-3 an: Eine prophetische Stimme in der Nachfolge Dtjes’s weiß sich mit Jahwes Geist begabt und beauftragt, die Trauernden zu trösten und den Gefangenen die Freilassung zu verkünden (vgl. Jes 42,1.7; Jes 49,8f.). – Auf Jes 53 bezieht sich Dan 12,3 mit der Rede von den Weisen (הַמַּשְׂכִּלִים hammaśkilîm, vgl. Jes 52,13), die „die Vielen“ gerecht machen (Jes 53,11), aber nicht durch stellvertretendes Leiden, sondern durch ihre Unterweisung. – Erst im Neuen Testament werden die Gottesknechtstexte in größerem Umfang aufgenommen. Man konnte Jesu Leiden, Sterben und Auferstehung mit Hilfe von Jes 53 verstehen, weil der Text zukunftsoffen ist, weil er ein Modell göttlichen Handelns bewahrt und weil in Kreuz und Auferstehung Jesu derselbe Gott am Werk ist. „Weissagung“ ist der Text nicht darin, dass „Jesaja“ Jesu Werk in Leiden und Sterben mit seiner Erhöhung durch Gott vorausgesagt hätte, sondern darin, dass eine im Geschick des Propheten unerfüllt gebliebene Erwartung göttlichen Handelns in Jesu Geschick ihre Entsprechung und „Erfüllung“ fand. In Wahrnehmung und Erfahrung des Christusgeschehens gründet das Recht, dieses Geschehen mit Jes 53 zur Sprache zu bringen und es dadurch besser und genauer als Gottes eschatologisches Werk zu verstehen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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  • de Vaux, R., Das Alte Testament und seine Lebensordnungen, Bd. I: Fortleben des Nomadentums. Gestalt des Familienlebens. Einrichtung und Gesetze des Volkes, Freiburg im Breisgau 2. Aufl. 1964, 132-148

2. Literaturberichte zum Gottesknecht

  • Haag, H., Der Gottesknecht bei Deuterojesaja (EdF 233), Darmstadt 1985
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3. Kommentare zu Deuterojesaja

s. Art. → Deuterojesaja

4. Zum Gottesknecht bei Deuterojesaja (Auswahl)

Die umfangreiche Literatur von 1892-1984 ist bei H. Haag besprochen, dort auch die Vertreter der verschiedenen Deutungen.

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  • Hermisson, H.-J., Der Lohn des Knechts, in: ders., Studien zu Prophetie und Weisheit (FAT 23), Tübingen 1998, 177-196
  • Hermisson, H.-J., Israel und der Gottesknecht bei Deuterojesaja, in: ders., Studien zu Prophetie und Weisheit (FAT 23), Tübingen 1998, 197-219
  • Janowski, B. / Stuhlmacher, P. (Hgg.), Der leidende Gottesknecht. Jes 53 und seine Wirkungsgeschichte (FAT 14), Tübingen 1996; englische Ausgabe (erweitert): The Suffering Servant. Isaiah 53 in Jewish and Christian Sources, Grand Rapids (Michigan) 2004
  • Janowski, B., „Er trug unsere Sünden“. Jes 53 und die Dramatik der Stellvertretung, in: ders., Gottes Gegenwart in Israel. Beiträge zur Theologie des Alten Testaments, Neukirchen-Vluyn 1993, 303-326 [= FAT 14, 27-48]
  • Janowski, B., Stellvertretung. Alttestamentliche Studien zu einem theologischen Grundbegriff, (SBS 165), Stuttgart 1997
  • Kaiser, O., Der königliche Knecht: eine traditionsgeschichtlich-exegetische Studie über die Ebed-Jahwe-Lieder bei Deuterojesaja (FRLANT 70), Göttingen 1959, 2. Aufl. 1962
  • Kratz, R.G., Kyros im Deuterojesaja-Buch. Redaktionsgeschichtliche Untersuchungen zu Entstehung und Theologie von Jes 40-55 (FAT 1), Tübingen 1991
  • Kutsch, E., Sein Leiden und Tod – unser Heil. Eine Exegese von Jesaja 52,13-53,12 (BSt 52), Neukirchen-Vluyn 1967
  • Mowinckel, S., Der Knecht Jahwäs, Gießen 1921
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  • Schmidt, G., Der „prophetische Gottes-Diener“. Zur Herkunft und Geschichte der Rede vom sog. Gottes-Knecht im Alten Testament, BN 117 (2003), 71-104
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  • Wolff, H.W., Jesaja 53 im Urchristentum, Gießen / Basel 4. Aufl. 1984
  • Zimmerli, W. / Jeremias, J., Art. παῖς θεοῦ, in: ThWNT, Bd. V, Stuttgart 1954, 653-713

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Das Siegel mit der Aufschrift „Dem Schema gehörig, dem Diener Jerobeams“ gehörte wohl einem hohen Beamten zur Zeit Jerobeams II. (Megiddo; 8. Jh. v. Chr.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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