Gabel

(erstellt: März 2020)
Aus: R.A.S. Macalister, The Excavation of Gezer 1902-1905 and 1907-1909, Bd. 2, London 1912, 47 Abb. 244a

Abb. 1 Fleischgabel aus Bronze, deren Holzgriff nicht erhalten ist (31 cm lang; Geser, undatiert).

Wie in Ägypten und Mesopotamien waren Gabeln im antiken Israel als Tischbesteck nicht bekannt. Man aß mit den Fingern. Mit „Gabel“ sind im Alten Testament größere Geräte gemeint, die am ehesten heutigen Grillgabeln vergleichbar sind und bei der Zubereitung von Fleisch verwendet wurden.

1. Begriff

Die Übersetzung „Gabel“ gibt das hebräische Wort מַזְלֵג mazleg wieder, das entweder von einer sonst nicht belegten Wurzel זלג zlg stammt und wie andere Geräte (מַסְמֵר masmer → „Nagel“; Bauer / Leander § 61qζ) mit dem Präfix ma beginnt oder als akkadisches Fremdwort (mazlagum „Dreizack“; AHw 637) zu verstehen ist (vgl. Mankowski, 87-89).

2. Funde von dreizinkigen Gabeln

Auf Ausgrabungen wurden – wenn auch in geringer Zahl – dreizinkige Gabeln gefunden. Sie haben eine Tülle, in der ursprünglich ein Holzstiel steckte, der jedoch nicht erhalten ist. Bei den meisten dieser Gabeln handelt es sich um Grabbeigaben, fast alle werden in das 14.-10. Jh. v. Chr. datiert. Sie sind bis zu 60 cm lang und meist aus Bronze gefertigt. Eine Gabel aus Eisen mit drei langen Zinken, die aus dem 10. Jh. stammt, wurde in einem Grab bei → Lachisch gefunden (Thomsen / Zippert, 388; Zwickel, 157).

Als Waffe können die Geräte nicht gedient haben, da den Zinken dafür die nötige Stabilität fehlt. In Ägypten wurden derartige Geräte mit drei Zinken beim Fischstechen als Harpunen verwendet (vgl. den in 1Sam 13,21 erwähnten Dreizack). Eine solche Verwendung kommt jedoch zumindest bei den Geräten kaum in Frage, die an Orten ohne Gewässer zum Fischfang gefunden wurden. Die Kostbarkeit der Bronzegeräte und die Seltenheit der Funde zeigen, dass es sich bei ihnen nicht um Alltagsgegenstände handelt. Sie dürften eher aus dem Bereich des Kultes stammen. Da 1Sam 2,12-17 belegt, dass im Kult bei der Zubereitung von Opferfleisch dreizinkige Gabeln verwendet wurden, legt sich die Annahme nahe, dass es sich bei den Funden um derartige kultische Geräte handelt (vgl. Macalister, 46f; Zwickel, 157-161).

3. Dreizinkige Gabeln im Alten Testament

Von „Gabeln“ ist im Alten Testament ausschließlich in kultischem Kontext die Rede. Nach der Erzählung von den Untaten der Söhne des Priesters → Eli in 1Sam 2,12-17 dienten die Gabeln mit drei Zinken im Kult dazu, heiße Fleischstücke zu bewegen, z.B. aus Töpfen herauszuholen (1Sam 2,13.14).

In Ex 27,1-8 gibt Gott dem → Mose Anweisungen zum Bau des transportablen Brandopferaltars, der nach der fiktiven Darstellung der → Priesterschrift zum Wüstenheiligtum gehörte (→ Stiftshütte). Ex 38,1-7 berichtet von der Ausführung. Im Zusammenhang mit dem Altarbau geht es auch um die Herstellung der bronzenen Altargeräte, um Eimer und → Schaufeln, mit denen man nach dem Opfer die Asche beseitigt, sowie um Schalen, → Pfannen und Gabeln (Ex 27,3; Ex 38,3). Wenn der mobile Altar zum Transport vorbereitet wurde, sollten die dafür verantwortlichen Kehatiten, die zu den → Leviten gehörten, ihn nach Num 4,13-14 von fettiger Asche reinigen, mit einem purpurroten Tuch bedecken, die Altargeräte, also auch die Gabeln, darauflegen und sie mit feinem Leder (→ Dachs) abdecken.

Nach den → Chronikbüchern hat → David den Bau des Salomonischen Tempels sehr gründlich vorbereitet. Er soll sogar schon an die Gabeln für den Opferkult gedacht haben, die nach der Chronik aus → Gold sein sollten (1Chr 28,17). Später werden sie allerdings nicht aus Gold, sondern aus polierter Bronze gefertigt (2Chr 4,16).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928-2018
  • The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Nashville / New York 1962
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dietrich, W., Samuel, Teilband 1, 1Sam 1-12 (BKAT VIII,1), Neukirchen-Vluyn 2010
  • Macalister, R.A.S., The Excavation of Gezer 1902-1905 and 1907-1909, Bd. 2, London 1912
  • Mankowski, P.V., Akkadian Loanwords in Biblical Hebrew (HSS 47), Winona Lake 2000
  • Propp, W.H.C., Exodus 19-40 (The Anchor Bible), New York u.a. 2006
  • Thomsen, P. / Zippert, E., Ausgrabungen und Forschungsreisen, Archiv für Orientforschung 10 (1935-1936), 379-394
  • Zwickel, W., Räucherkult und Räuchergeräte. Exegetische und archäologische Studien zum Räucheropfer im Alten Testament (OBO 97), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1990

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Fleischgabel aus Bronze, deren Holzgriff nicht erhalten ist (31 cm lang; Geser, undatiert). Aus: R.A.S. Macalister, The Excavation of Gezer 1902-1905 and 1907-1909, Bd. 2, London 1912, 47 Abb. 244a

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