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Lexikon

Flachs

Peter Riede

(erstellt: Nov. 2017)

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1. Botanisch

Aus: Wikimedia Commons; © 4d44, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 21.11.2017

Abb. 1 Flachs.

Der Flachs (Linum usitatissimum L.) ist eine einjährige, blaublühende, zwischen 30 und 120 cm hoch werdende Pflanze, die vor allem im Winter angebaut und im April / Mai geerntet wird. Sie stammt vom wilden Leinen (Linum bienne) ab. Schon um 8000 v. Chr. war die Kulturform in → Jericho belegt, ebenso in Ägypten. Charakteristisch für die Pflanze ist ihr aufrechter Stängel, der sich zur Spitze hin verzweigt. Die Zweige selbst sind mit langen, schmalen Blättern versehen. Auffällig ist die Frucht, eine kugelförmige Kapsel mit mehreren ölhaltigen Samen, die für die Herstellung von Leinöl verwendet werden.

2. Biblisch

2.1. Bezeichnung

Aus: Wikimedia Commons; © Elke Wetzig, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 21.11.2017

Abb. 2 Flachsfasern.

Die hebräische Bezeichnung für Flachs ist פֵּשֶׁת pešæt. Der Begriff meint auch die Flachsfasern als Ausgangsmaterial für Stoffe und das Endprodukt der Pflanze, das Leinen. Das verwandte, nur dreimal belegte Nomen פִּשְׁתָּה pištāh bezeichnet den Flachs (Ex 9,31) und den daraus hergestellten Docht (Jes 42,3; Jes 43,17).

2.2. Verwendung im Alltag

Flachs ist die einzige Faserpflanze, die in Palästina landwirtschaftlich angebaut wurde, vor allem im Jordangraben (Jos 2,6) und an der Küste (1Chr 4,21). Von der Flachsernte, genauer dem Monat des Flachsraufens, berichtet beispielsweise der Geserkalender (Ende des 10. Jh.s v. Chr..; vgl. KAI 182; Text in → Kalender). Die Stängel der Pflanze wurden bündelweise aus dem Boden herausgezogen, danach legte man die Bündel zum Trocknen auf die Dächer von Häusern (Jos 2,6). Nach dem Trocknen zerkleinerte man sie und trennte die einzelnen Fasern heraus. Hierfür waren mehrere Schritte nötig: das Riffeln, also das Trennen von Samenkapseln und Stroh mittels eines Kamms, das Rotten, also das Einweichen der Stängel in Wasser, damit diese morsch werden und die Bastfäden herausgelöst werden können, das Schwingen, also die Verwendung eines Schwingstabes zum Herausschlagen der morschen Teile und der Freilegung der Fasern, und schließlich das Kämmen bzw. Hecheln zum Auslösen der Einzelfasern (vgl. Staubli 2012, 81f; Hepper 1992, 167).

Aus den langen Bastfasern der Pflanze stellte man Leinen her, das neben der Wolle (→ Schaf) den wichtigsten Rohstoff für die Herstellung von Kleidern bildete (Lev 13,47f.52.59; → Kleidung), aus den kurzen (Werg genannt) grobes Leinen oder Dochte für Lampen. Nicht umsonst gehört es zum Lob der tüchtigen Hausfrau, dass sie es versteht, Wolle und Flachs zu verarbeiten (Spr 31,13). Eine Mischung beider Ausgangsstoffe, die einmal tierischen und einmal pflanzlichen Ursprung haben, zur Herstellung von Textilien war allerdings verboten (Dtn 22,11; vgl. Lev 19,19), sind ihnen doch völlig verschiedene Wachstumskräfte zu eigen. Daher war beim Gebrauch dieser Materialien die unterschiedliche Herkunft zu beachten, damit der ihnen innewohnende → Segen nicht in → Fluch umschlägt (vgl. Rose 1994, 277f). Da Schweiß als Verunreinigung angesehen wurde und Leinen das Schwitzen reduzierte, bestanden beispielsweise Priestergewänder aus diesem eher kühlenden Material (Ez 44,17ff; vgl. ferner Ex 28,39.42; Ex 39,28; Lev 6,3; Lev 16,4.23).

Aus Leinen stellte man Gürtel (Jer 13,1), Schnüre (Ez 40,3), Dochte für Öllampen (Jes 42,3; Jes 43,17; vgl. Mt 12,20) und große Tücher her (Apg 10,11, Apg 11,5), außerdem Leichenbinden (Lk 24,12; Joh 19,40; Joh 20,5.6.7)

Auch in Ägypten war Flachs eine hochgeschätzte Nutzpflanze (Ex 9,31), zumal die Textilien dort zum großen Teil aus diesem Material bestanden. Entsprechend nennt Jes 19,9f die in der dortigen Textilproduktion vorausgesetzten Methoden. Anders verhält es sich in Mesopotamien, wo Flachs als Material zur Herstellung von Stoffen nur in der Gegend des oberen Tigris und im Euphrattal nachweisbar ist.

Ex 9,31 erwähnt die blühende Pflanze neben der Gerste; das ist evtl. ein Hinweis darauf, dass Flachssamen auch als Nahrungsmittel verwendet wurden. Beide Pflanzen werden von Hagel vernichtet. Nach Hos 2,11 (vgl. Hos 2,7) gehört Flachs neben → Brot, → Wasser, → Öl und → Getränken zu den guten Gaben Jahwes. Flachsfäden waren leicht brennbar (Ri 15,14; Jes 1,31). Die Kundschaftergeschichte setzt das Trocknen der Stängel auf den Dächern voraus: Denn die ins Land geschickten Späher verstecken sich unter den auf dem Dach der → Rahab ausgebreiteten Flachsstängeln (Jos 2,6).

2.3. Metaphorik

Das Gerichtswort Jer 13,1ff kündigt Juda und Jerusalem an, sie würden wie ein Gürtel aus Leinen werden, der aufgrund des langen Liegens in einer Felsspalte verdarb. Nach Jes 42,3 gleicht Israel einem aufgrund Ölmangels matt gewordenen Docht in einer Lampe, die der Gottesknecht aber nicht auslöschen wird, sondern deren Licht er durch Zufuhr von Öl neue Leuchtkraft verleiht (vgl. Elliger 1978, 213f). Mit dem Erlöschen eines Dochtes wird auch die Niederlage Pharaos im Schilfmeer verglichen (Jes 43,17). Der Vers lenkt auf Jes 43,2 zurück, wo sich ebenfalls eine Kombination von Wasser- und Feuerbildern findet, nur dass diese dort auf Israel bezogen sind, das weder durch Wasser noch durch Feuer untergeht.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972
  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. II, Gütersloh 1932, 298f; Bd. V, Gütersloh 1937, 19-31
  • Elliger, K., Deuterojesaja. 1. Teilband: Jesaja 40,1-45,7 (BK XI/1), Neukirchen-Vluyn 1978
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 134.167-169
  • Löw, I., Die Flora der Juden, Bd. II, Nachdruck Darmstadt 1967, 208-216
  • Moldenke, H.N. und A.L., Plants of the Bible, New York 1952, 129-133.135
  • Rose, M., 5. Mose. Teilband 1: 5. Mose 12-25 – Einführung und Gesetze (ZBK.AT 5/1), Zürich1994
  • Staubli, Th., Kleider in biblischer Zeit, Freiburg (Schweiz) 2012
  • Walker, W., All the Plants of the Bible, London 1958, 82f
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl. 1986, 73.78

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Flachs. Aus: Wikimedia Commons; © 4d44, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 21.11.2017
  • Abb. 2 Flachsfasern. Aus: Wikimedia Commons; © Elke Wetzig, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 21.11.2017

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