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Lexikon

Feige / Feigenbaum (AT)

Peter Riede

(erstellt: Jan. 2018)

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Speise / Speisezubereitung

1. Botanisch

Aus: Wikimedia Commons; © Joanbanjo, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 nicht portiert; Zugriff 20.2.2018

Abb. 1 Feigenbaum.

Die Feige (Ficus carica L. var. domestica) gehört zur Familie der Maulbeergewächse (moraceae). Sie kommt in ganz Vorderasien und so auch in Palästina vor. Wildformen gibt es im ganzen Mittelmeerraum. Die Feige ist bereits im 8. Jt. als Kulturpflanze belegt. In → Geser fand man getrocknete Früchte, die um 5000 v. Chr. geerntet worden sein dürften.

Aus: Wikimedia Commons; © SuperJew, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 nicht portiert; Zugriff 20.2.2018

Abb. 2 Früchte an einem Feigenbaum.

Der Feigenbaum ist eine strauch- oder baumförmige, milchsaftführende, zweihäusige Pflanze. Er wächst auch bei geringer Bewässerung selbst auf steinigem Gelände. Der Baum wird 3-5 m hoch, hat gefingerte, rauhe Blätter, die zu Beginn des Winters abgeworfen werden und im zeitigen Frühjahr wieder austreiben. Der Baum kann bis zu 40 Jahre alt werden und braucht etwa 6 Jahre, bis er Früchte trägt. In freier Natur ist für die Fruchtbildung die Fremdbestäubung notwendig. Es gibt männliche und weibliche Bäume, wobei der männliche Baum sowohl weibliche wie männliche Blüten aufweist, der weibliche Baum dagegen nur weibliche Blüten. Feigenbäume tragen zweimal im Jahr Früchte. Nur die Feigen weiblicher Pflanzen werden gegessen, die Feigen männlicher Bäume, die auch unter der Bezeichnung Bocksfeigenbäume (Caprifigus) bekannt sind, werden als Bocks- oder Holzfeige bezeichnet.

Neben den auf Fremdbestäubung angewiesenen Wildformen ist seit dem Altertum die Zucht von Feigenbäumen bekannt, die auch ohne Befruchtung saftige, süße Früchte hervorbringen. Die Vermehrung der Bäume geschieht nicht durch Samen, sondern auf vegetativem Wege durch Stecklinge weiblicher Pflanzen.

2. Altes Testament

2.1. Bezeichnung

 Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 20.2.2018

Abb. 3 Aufgeschnittene Feige.

Der Feigenbaum heißt hebräisch תְּאֵנָה tə’enāh. Er trägt mehrfach im Jahr Früchte. Die ungenießbaren Vorfrüchte heißen פַּגִּים paggîm, die Ende Mai und im Juni zu erntenden Frühfeigen בִּכּוּרִים bikkûrîm (Hos 9,10; Mi 7,1, vgl. Hhld 2,13). Diese waren besonders begehrt. Ende August und im September schließlich kann man die Spätfeigen (hebr. תְּאֵנִים tə’enîm) ernten.

2.2. Bedeutung

Die Feige gehört zu den sieben Früchten des Landes Israel (Dtn 8,8; vgl. Num 13,23). Der Feigenbaum war in Israel neben → Ölbaum und → Weinstock der wichtigste Fruchtbaum und als Schattenspender wegen seiner großen Blätter beliebt (vgl. Joh 1,48-50). Gerne pflanzte man einzelne Feigenbäume in Weingärten an (Hhld 2,13).

2.3. Verwendung

Die Feige wird bereits in der zweiten Schöpfungserzählung (→ Paradieserzählung) namentlich erwähnt (Gen 3,6-7), ihre Blätter dienen Adam und Eva wegen ihrer Form und Größe als Kleidung. Feigen waren vor allem ein wichtiges Nahrungsmittel (vgl. dazu Neh 13,15-22) und wegen ihrer Süße hochgeschätzt (Ri 9,8ff). Man konnte sie trocknen oder zu Fladen gepresst (1Sam 25,18; 1Sam 30,12; 1Chr 12,41) aufbewahren und so für die obstlose Zeit lagern. Als Heilmittel bei Geschwüren verwendete man Pflaster von Feigen (Jes 38,21 par. 2Kön 20,7). Spr 27,18 rät, den Feigenbaum ständig zu bewachen, um selbst von seinen Früchten essen zu können. Im Hintergrund steht das bäuerliche Wissen, dass der Baum seine Früchte nicht auf einmal hervorbringt, „sondern Schritt für Schritt vom Beginn der Baumfruchternte im Juni bis zu ihrem Ende im Herbst“ (Meinhold, 458).

2.4. Metaphorik

Vom Feigen ist in der alttestamentlichen Metaphorik mehrfach die Rede. Sie stehen in der Vision von den beiden Feigenkörben als Bild für Juda bzw. seine Bewohner (Jer 24,1-10), wobei der Gegensatz von guten und schlechten Früchten übertragen wird auf die Menschen im babylonischen Exil, denen Gott sich zuwendet, bzw. den im Lande Juda verbliebenen König → Zedekia und seine Anhänger, denen das göttliche Gericht angekündigt wird (vgl. ähnlich Jer 29,17).

Häufig wird der Feigenbaum zusammen mit dem Weinstock genannt (→ Jotam; → Fabel). Im Hintergrund könnte u.a. die Tatsache stehen, dass man die Weinranken gerne am Feigenbaum hochklettern ließ. Das Sitzen unter Weinstock und Feigenbaum steht für Wohlergehen und Frieden (1Kön 5,5; Mi 4,4; 2Kön 18,31; Sach 3,10; 1Makk 14,12). Gleiches gilt, wenn jedermann von seinem Feigenbaum essen kann (2Kön 18,31 par. Jes 36,16). Wenn der Feigenbaum aber vernichtet wird oder unfruchtbar ist, ist das gleichbedeutend mit Unheil, Unglück und Gericht (Ps 105,33; Jes 34,4; Jer 8,13; Hos 2,14; Am 4,9; Hab 3,17). Bei der Vernichtung können Pflanzenschädlinge wie → Heuschrecken (Joel 1,7.12; Am 4,9) oder auch feindliche Gruppen (Jer 5,17) eine Rolle spielen. Fruchtbringende Feigenbäume dagegen stehen für Heil und einen Neuanfang (Joel 2,22). Mit Feigen, die leicht abfallen, wenn der Baum geschüttelt wird, vergleicht Nah 3,12 die Festungen Ninives, die dem Untergang geweiht sind.

3. Neues Testament

3.1. Bezeichnung

Der Feigenbaum bzw. die Feige hat die griechische Bezeichnung συκῆ sykē. Die Spätfeige heißt ὂλυνθoς olynthos (nur Apk 6,13).

3.2. Metaphorik

Ein Feigenbaum, der schon drei Jahre keine Frucht mehr trägt, dem man aber vor dem Fällen ein letztes Jahr die Chance gibt, doch noch Frucht zu bringen, verdeutlicht, dass den Menschen noch eine Chance zur Umkehr eingeräumt wird („vielleicht“), dass die Zeit zur Umkehr aber begrenzt ist (Lk 13,6-9). Nach Mk 11,13 sucht Jesus vergeblich Früchte an einem Feigenbaum, um seinen Hunger zu stillen. Daraufhin verflucht er den Baum, der künftig keinem mehr Frucht bringen soll (Mk 11,14). Mk 11,20 konstatiert dann das Eintreffen dieser Ankündigung: Der Feigenbaum ist verdorrt – im Kontext der Erzählung und in Verbindung mit der Kritik Jesu am Tempelbetrieb für Markus ein Hinweis auf das „offizielle Israel, dem Unheil bevorsteht, weil es sich der Botschaft Jesu verweigert“ (Giesen 1992, 662).

Ebenso wie das Ausschlagen des Feigenbaums das Kommen des Sommers ankündigt, so gibt es auch Zeichen für das Nahen der Gottesherrschaft, die es zu erkennen gilt (Mk 13,28f par. Lk 21,29; Mt 24,32). Die Verfluchung des Feigenbaumes in Mt 21,19-21 ist Ausdruck eines Wunders, das das Moment des Glaubens unterstreicht. Einem Feigenbaum, der Oliven trägt, bzw. einem Weinstock, der Feigen hervorbringt, gleicht eine Zunge, die zugleich Segen und Fluch ausspricht (Jak 3,12). Die Frage: „Sammelt man von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen“ mit dem daraus folgenden Schluss: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,16 par Lk 6,44), formuliert eine allgemeine, weisheitlich geprägte Regel, die auf einen Konflikt innerhalb der Gemeinde verweist, bei dem es auf die Unterscheidung der Geister ankommt. Apk 6,13 vergleicht das Fallen der Sterne des Himmels auf die Erde beim Öffnen des sechsten Siegels mit Spätfeigen, die ein starker Wind vom Feigenbaum schüttelt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972
  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1933-1979
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Cebulj, Chr., Vom edlen Wettstreit der Natur. Zur Pflanzenwelt im Neuen Testament, in: P. Riede / U. Neumann-Gorsolke, Das Kleid der Erde, 250-273
  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina I/1, Gütersloh 1928, 99f.257; I/2, Gütersloh 1928, 378f
  • von Gemünden, P., Vegetationsmetaphorik im Neuen Testament und in seiner Umwelt (NTOA 18), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1993
  • Giesen, H., Art. Feige, in: Neues Bibel-Lexikon, Bd. 1, Zürich u.a. 1991, 662f
  • Goor, A., The History of the Fig in the Holy Land from Ancient to the Present Day, Economic Botany 19 (1965), 124-135
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 110-112
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 80f
  • Löw, I., Die Flora der Juden, Bd. I, Nachdruck Hildesheim 1967, 224-254
  • Meinhold, A., Die Sprüche, Teil 2: Sprüche Kapitel 16-31 (ZBK.AT 16/2), Zürich 1991
  • Moldenke, H.N., Plants of the Bible, Waltham 1952, 103-106
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P. (Hgg.), Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart / Neukirchen-Vluyn 2002
  • Riede, P., Und sie brachten Weihrauch und Myrrhe. Heil- und Duftpflanzen in der Bibel, in: ders., Schöpfung und Lebenswelt. Studien zur Theologie und zur Anthropologie des Alten Testaments (MThSt 106), Leipzig 2009, 43-52
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl. 1986, 58f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Feigenbaum. Aus: Wikimedia Commons; © Joanbanjo, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 nicht portiert; Zugriff 20.2.2018
  • Abb. 2 Früchte an einem Feigenbaum. Aus: Wikimedia Commons; © SuperJew, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 nicht portiert; Zugriff 20.2.2018
  • Abb. 3 Aufgeschnittene Feige. Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 20.2.2018

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