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Lexikon

Emmer

Peter Riede

(erstellt: Juli 2018)

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Ackerbau

1. Botanisch

Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 8.9.2018

Abb. 1 Emmer.

Der Emmer (Triticum sativum [dicoccum]) ist eine frühe Weizenart (→ Weizen), die sich durch einen aufrechten, in einer Ähre mündenden Halm auszeichnet. In den Ähren sind jeweils zwei Körner. Bei dieser Weizenart sind Korn und Spelz schwer zu trennen, da das Korn fest vom Spelz umschlossen ist, was einen zusätzlichen Schutz und somit längere Lagerfähigkeit mit sich bringt. Bei der Verarbeitung der Körner ergibt sich jedoch die Erschwernis, dass diese vor dem Mahlen erst vom Spelz getrennt werden müssen, was einen zusätzlichen Arbeitsgang erfordert. Wilde Formen des Emmer sind besonders in den Gebirgen des Libanon und Israels belegt.

2. Altes Testament

2.1. Bezeichnung

Die hebräische Bezeichnung für Emmer ist כֻּסֶמֶת kusæmæt (→ Spelt). Das Wort geht auf die gestutzten (כסם ksm) Grannen zurück, also die borsten- oder fadenförmigen, meist starren Fortsätze eines Pflanzenorgans.

2.2. Bedeutung

Emmer war wegen des hohen Eiweißgehalts im Alten Orient eine wichtige Nahrungsquelle. Er wurde im Frühjahr gesät; die Ernte war im Sommer (zusammen mit dem Weizen). Der Emmer erscheint in Ex 9,32 als eine in Ägypten wachsende Feldfrucht, die später als → Flachs und → Gerste reift. Jes 28,25 enthält eine Beschreibung der Tätigkeit eines Ackerbauern, der sein Feld gepflügt hat und dann zur Aussaat übergeht, wobei er verschiedene Getreidesorten jeweils wohlüberlegt und planvoll „an die richtige Stelle setzt“ (Beuken 2010, 91). Dabei wird der Emmer „an den Rand des Ackers [gepflanzt] zur Einfassung anderer Kulturen, die für Schädigungen von außen empfindlicher sind“ (Wildberger 1982, 1093). Nach Ez 4,9 soll sich der Prophet aus Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und Emmer ein Notbrot für die Zeit der Belagerung backen, denn kein Bestandteil dieses Brotes ist in so großem Maße vorhanden, dass es für einen Laib Brot reichen würde.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977 (Reg. s.v.)
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001 (s.v. Wicken)

2. Weitere Literatur

  • Beuken, W.A.M., Jesaja 28-39 (HThKAT), Freiburg 2010
  • Borowski, O., Agriculture in Iron Age Israel, Winona Lake 1987, 90f
  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina II, Gütersloh 1932, 246-248
  • Germer, R., Flora des pharaonischen Ägypten, Mainz 1985, 211
  • Küster, H. u.a., Korn, Kulturgeschichte des Getreides, Salzburg 1999, 79-81.90f
  • Löw, I., Die Flora der Juden I, Nachdruck Hildesheim 1967, 767-776.
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede. P. (Hgg.), Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart / Neukirchen-Vluyn 2002
  • Wildberger, H., Jesaja. 3. Teilband: Jes 28-39 (BK.AT X/3), Neukirchen-Vluyn 1982, 1092-1094
  • Zimmerli, W., Ezechiel 1-24 (BK.AT XIII/1), Neukirchen-Vluyn 2. Aufl. 1979, 122-124
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl. 1986, 74f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Emmer. Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 8.9.2018

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