Docht

(erstellt: März 2021)

1. Der Docht in Öllampen

© public domain; Foto: Klaus Koenen, 2021

Abb. 1 Öllampe mit brennendem Docht.

Öllampen gehörten in der Antike zu den wichtigsten Gegenständen des Alltags. Mit ihnen brachte man Licht in Räume (→ Lampe; vgl. auch → Fackel). Allerdings war die Helligkeit im Vergleich zu heutigen Lampen sehr bescheiden. In der Bronze- und Eisenzeit sowie in persischer Zeit waren Öllampen offene Schalen, die – abgesehen von den ältesten Modellen – eine oder mehrere Schnauzen für jeweils einen Docht und damit eine Flamme hatten. Sie bestanden meist aus gebranntem Ton, nur selten aus Bronze oder Stein. Als Brennstoff diente → Olivenöl. Der Docht wurde meist aus pflanzlichen Fasern, z.B. Flachs oder Hanf, gedreht oder aus alten Stoffresten gebildet. Sein unteres Ende lag in dem Öl, sein oberes ragte an einer dafür vorgesehenen Stelle aus der Schale. An diesem Ende brannte eine Flamme, die über den Docht mit Öl versorgt wurde. Ab der hellenistischen Zeit waren die Öllampen geschlossen, hatten aber mindestens zwei Löcher: eines zum Nachfüllen des Öls und eines für den Docht. Hellere Öllampen hatten mehrere Dochtlöcher für entsprechend viele Flammen.

2. „Docht“ im Alten Testament

Im Alten Testament bezeichnet das nur 4-mal belegte Nomen פִּשְׁתָּה pištāh zunächst „Flachs“ (Ex 9,31, zwei Belege; vgl. פֵּשֶׁת pešæt „Flachs“), dann aber auch einen aus Flachs gedrehten Docht. Im ersten → Gottesknechtslied (Jes 42,1-4) des → Deuterojesajabuchs beschreibt Jes 42,3 das Wirken des Knechtes in zwei Bildern, die wohl die Klage der → Exulanten aufnehmen: Ein angebrochenes Rohr bricht er nicht durch, einen glimmenden Docht löscht er nicht aus (zitiert in Mt 12,20). Im zweiten Bild werden die Exulanten in ihrem Leid als eine Lampe gesehen, die im Begriff ist auszugehen. Doch der Knecht füllt die Lampe – diese positive Aussage ist impliziert – mit Öl auf, damit sie wieder leuchtet (vgl. Elliger 1978, 213f). Jes 50,4 sagt das Gleiche ohne Bild: Der Knecht gibt den Ermatteten eine Antwort, eröffnet ihnen eine heilvolle Perspektive, und das letztlich zum Heil der Völker (Jes 42,1.4).

Jes 43,17 verweist, um Jahwes Überlegenheit zu veranschaulichen, auf die Vernichtung der ägyptischen Streitkräfte beim Auszug Israels aus Ägypten (→ Exodustradition). Bildlich heißt es im Blick auf die Ägypter: Sie sind erloschen wie ein Docht. Normalerweise bezieht sich „Erloschen sein“ auf Feuer (z.B. Lev 6,5-6), speziell das Feuer einer Lampe (z.B. Spr 31,18), hier jedoch auf den Docht und bildlich auf die Ägypter. „Docht“ steht demnach metonymisch für das Feuer, und das Ausgehen des Feuers bietet ein Bild für den Untergang der machtvollen ägyptischen Truppe.

3. Die Dochtzange

Das Nomen מֶלְקַחַיִם mælqaḥajim, das nur im Dual belegt ist und oft mit „Dochtschere“ wiedergegeben wird, kommt von dem Verb לקח lqḥ „nehmen“ und bezeichnet demnach nicht ein Schneide-, sondern ein Greifgerät. Die Verwendung des Duals lässt an eine Art Greifzange denken. Erwähnt wird dieses Gerät nur in kultischem Kontext. In Jes 6,6 dient es dazu, glühende Kohlen vom Räucheraltar im Inneren des Jerusalemer Tempels zu nehmen. Zu dem siebenarmigen → Leuchter (Ex 25,31-40), der nach der fiktiven Darstellung der → Priesterschrift im Bereich des Wüstenheiligtums stand (→ Stiftshütte), gehörten neben kleinen Feuerschaufeln (→ Pfanne) auch Greifzangen. Sie sollten der Heiligkeit des → Feuers entsprechend, wie der Leuchter selbst, aus → Gold gefertigt werden (Ex 25,38; Ex 37,23). Ihre praktische Funktion bestand vielleicht darin, einen noch brennenden, aber zerfaserten Docht wieder in Form zu bringen oder einen nur noch glimmenden Docht aus dem heißen Bereich der Lampen zu holen, um ihn zu bearbeiten oder zu erneuern. Wenn der Leuchter und der Altar zum Transport vorbereitet wurden, sollten die dafür verantwortlichen Kehatiten, die zu den → Leviten gehörten, mit den Lampen und Feuerschaufeln die Zangen sorgfältig verpacken (Num 4,9). Auch zu den Leuchtern des Jerusalemer Tempels gehörten nach 1Kön 7,49 (// 2Chr 4,21) Dochtzangen aus Gold.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977 (Lampe)
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001 (Lampe)

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Band 7: Das Haus, Hühnerzucht, Taubenzucht, Bienenzucht (SDPI 10, BFChTh.M 48), Gütersloh 1942
  • Elliger, K., Deuterojesaja I. Jesaja 40,1-45,7 (BK XI/1), Neukirchen-Vluyn 1978

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Öllampe mit brennendem Docht.
  • © public domain; Foto: Klaus Koenen, 2021

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