Blüte / blühen

(erstellt: Jan. 2020)

1. Bezeichnungen

Es gibt verschiedene hebräische Termini für das Blühen von Pflanzen: צוּץ ṣwṣ, נצץ nṣṣ hif., פרח prḥ „blühen / sprossen“. Die Blüte wird mit folgenden substantivischen Derivaten bezeichnet: צִיץ ṣîṣ, פֶּרַח pæraḥ und נִצָּה niṣṣāh. צִיץ ṣîṣ kann auch für → „Blumen“ stehen.

2. Botanisch

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Abb. 1 Blühender Mandelbaum bei Modein (Israel).

Immer wieder wird auf das Blühen von Pflanzen Bezug genommen. Dies geschieht vor allem im Blick auf Fruchtbäume, wie z.B. den → Weinstock (Gen 40,10) oder auch Blumen und → Gräser. Die Vorgänge der Fruchtbildung beim Weinstock vom Treiben der Sprossen, der Blütenbildung im Mai bis hin zum Reifen der Trauben schildert Jes 18,5. Die Blüte des → Mandelbaumes erfolgt zu Beginn des Frühlings (Ende Januar / Anfang Februar) und ist im natürlichen Jahreslauf Zeichen des beginnenden Lebens (Pred 12,5).

3. Metaphorik

Blühen ist ein Vorgang, der mit Leben, Vitalität und Heil in Verbindung steht. Daher kann eine Heilszeit im Bild des Blühens gezeichnet werden (Ps 72,7). Auch Jakob / Israel gleicht einer Pflanze, die in der Heilszeit Wurzeln schlägt, sprosst und blüht (Jes 27,6). Und nach Hos 14,6.8 wird Gott Israel wie Tau beleben, so dass es blüht.

Das Bild der blühenden Frucht des Libanon überträgt Ps 72,16 auf das Land des judäischen Königs, das in gleicher Weise von Fruchtbarkeit und Schönheit gekennzeichnet ist wie der Gottesgarten im Libanon (→ Garten). Dagegen sieht das Gerichtswort Jes 28,1 (vgl. Jes 28,4) das Nordreich Israel mit seiner Hauptstadt → Samaria im Bild der welkenden Blüte, die in Kontrast steht zur „stolzen Krone“ und zur „prächtigen Zier“, die eigentlich das Bild einer solchen Stadt ausmachen.

Die Blüten, besser der Blütenstand von Sträuchern und Bäumen markiert die Gunst der Stunde für die Geliebte, am Fest der Liebe teilzunehmen (Hhld 2,12). Dagegen ist das Blühen des → Granatapfelbaumes (Hhld 6,11, vgl. Hhld 7,13) ein Bild „für die erwachende Liebesfähigkeit“ (Keel 1986, 208).

Auch die „Blüte“ von Menschen wird im Rahmen der Metaphorik immer wieder aufgenommen: So gleicht die prächtige Erscheinung von → Simon, dem Hohenpriester, einer Blüte an den Zweigen in den Tagen des Festes (Sir 50,8). Und wenn von den Aufrichtigen gesagt wird, dass „ihr Zelt blüht“ (Spr 14,11), so wird ihnen verheißen, dass sie „eine blühende Zukunft“ (Meinhold 1991, 235) haben. Zelt wird hier im Sinne von „Familie“ verstanden.

Auch Vergänglichkeitsbilder nehmen Naturvorgänge in den Blick. Der Mensch gleicht → Gras, das am Morgen aufblüht und dann nachwächst, am Abend aber verwelkt (Ps 90,5f, vgl. Ps 103,15). Das dem im Frühjahr aufsprossenden Steppengras gleichende Aufblühen der Frevler hindert ihren Untergang nicht, denn das von ihnen ausgehende Unrecht trägt „den Todeskeim des Untergangs“ (Hossfeld / Zenger 2000, 635) bereits in sich (Ps 92,8). Das Ende des Frevlers und seine fruchtlose Existenz vergleicht Hi 15,33 mit einem → Ölbaum, der seine Blüten abwirft, so dass ein Fruchtansatz gar nicht möglich ist. „Dem liegt die Beobachtung zugrunde, daß der Ölbaum nur einen kleinen Teil seiner weißlichen Blütenträubchen zu Früchten entwickelt und die übrigen abwirft oder daß in jedem Jahr die Blüte ganz abgeworfen wird und der Ölbaum gar keine Frucht zu tragen pflegt“ (Fohrer 1989, 276f). Und wo die → Wurzel einer → Pflanze abstirbt, verdorrt auch die Blüte, die dann leicht vom Wind weggetragen wird: Ähnlich spurlos werden die vergehen, die das Recht verdrehen und gegen die → Tora JHWHs verstoßen (Jes 5,24).

Auch Frechheit kann „blühen“ und so ihre unheilvolle Wirkung entfalten (Ez 7,10). Hos 10,4 hält sarkastisch fest: Wo das Königtum korrumpiert ist und mit Wortbrüchen und Meineiden Politik macht, „blüht“ das Recht – aber wie Giftkraut.

Die Erzählung vom blühenden Aaronstab (Num 17,16-26, hier bes. V. 23; → Aaron) dagegen unterstreicht durch das wunderhafte bildlich-symbolische Geschehen, nach dem zur Zeit der Ernte am Mandelbaum alle drei Entwicklungsstadien des Baumes (Knospe, Blüte und Reife) zu erkennen sind, die bleibende Erwählung des Stammes → Levi.

4. Baukunst

Von Blütenornamenten an den Wänden und Türen des Tempels berichtet 1Kön 6,18.29. Bei diesen floralen Schmuckmotiven handelte es sich vermutlich um Reliefs auf Zedern- oder Olivenholz, die geöffnete Blüten oder Rosetten darstellten. Blütenverzierungen schmückten auch das → Eherne Meer (1Kön 7,26; 2Chr 4,5) und den Leuchter im Tempel (1Kön 7,49; vgl. Ex 25,31.33f u.ö.; Num 8,4).

5. Blütenförmiger Schmuck

Das blütenförmige Diadem am Turban des Hohenpriesters, das mehrfach erwähnt und beschrieben wird (Ex 28,36; Ex 39,30; Lev 8,9), soll seine prächtige Erscheinung unterstreichen (Ps 132,18).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992

2. Weitere Literatur

  • Fohrer, G., Das Buch Hiob (KAT XVI), Gütersloh 2. Aufl. 1989
  • Hossfeld, F.-L. / Zenger, E., Psalmen 51-100 (HThKAT), Freiburg 2000
  • Keel, O., Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986
  • Löw, I., Die Flora der Juden, Nachdruck Hildesheim 1964, 599f
  • Meinhold, A., Die Sprüche, Teil 1: Sprüche 1-15 (ZBK.AT 16/1), Zürich 1991
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P. (Hg.), Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des Alten Israel, Neukirchen-Vluyn 2002
  • Riede, P., „Der Gerechte wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon“ (Psalm 92,11). Pflanzenmetaphorik in den Psalmen, in: ders., Schöpfung und Lebenswelt. Studien zur Theologie und Anthropologie des Alten Testaments (MThSt 106), Leipzig 2009, 19-42
  • Rüthy, A.E., Die Pflanze und ihre Teile im biblisch-hebräischen Sprachgebrauch, Diss. Bern 1942, 44.66-69.76

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