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Lexikon

Bet-Zur

Andere Schreibweise: Beth-Zur; Bethzur; Beth Zur; Beth-sur; Beth Tsur; Bethsura

Mathias Winkler

(erstellt: Jan. 2018)

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1. Name

Bet-Zur (בֵּית־צוּר bêt-ṣûr) bedeutet „Felsenhaus“. Dies mag seiner Lage im Gebirge geschuldet sein, vielleicht auch der strategisch wichtigen Lage des Ortes. Ob צוּר ṣûr „Fels“ ein theophores Element im Ortsnamen darstellt (Sellers 1933, 9; Keel / Küchler 1982, 719) ist nicht ausgeschlossen, jedoch unwahrscheinlich, da צוּר ṣûr „Fels“ kein eigentliches Theonym ist.

Im Griechischen sind verschiedene Schreibweisen belegt: Βαιθσουρ Baithsour in Jos 15,58; 1Chr 2,45; Βαιθσουρα Baithsoura in 2Chr 11,7; 1Makk 4,29.61; 1Makk 6,7.26.31.49-50; 1Makk 9,52; 1Makk 10,14; 1Makk 11,65; 1Makk 14,7.33; 2Makk 11,5; 2Makk 13,19.22; Βηθσουρ Bēthsour in Neh 3,16; Βεθσουρα Bethsoura in Josephus, Antiquitates 12,313.326.370; 13,155-156; Βηθσοῦρα Bēthsoura in Josephus, Antiquitates 12,367; Josephus, Bellum Judaicum 1,41; Βαιθσούρα Baithsoura in Josephus, Antiquitates 13,42.

2. Belege

Die Verteilung der Belege innerhalb des Alten Testaments weist darauf hin, dass der Ort vor allem in der hellenistischen Epoche von größerer Bedeutung war. Bet-Zur ist nämlich insbesondere in den beiden → Makkabäerbüchern belegt. 1Chr 2,45 gebraucht Bet-Zur als Personennamen in der Abstammungsliste der → Kalebbiter (1Chr 2,42-55). Auch im Onomastikon des → Eusebius ist Bet-Zur belegt, bei der dortigen Schreibweise Βeθσουρ Bethsour handelt es sich allerdings um eine Konjektur (Klostermann 1904, 52:1-2; Timm 2017, 62 Nr. 237; Eusebs Onomastikon).

3. Lage

Der biblische Ort Bet-Zur ist mit Chirbet eṭ-Ṭubēqa (Koordinaten: 1590.1108; N 31° 35' 22'', E 35° 05' 39'') zu identifizieren. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Hügel, der sich auf der Nordseite rund 100m über ein Tal erhebt, auf der Südseite jedoch nur um 22m über die Ebene hinausragt. Diese exponierte und gleichzeitig relativ unzugängliche Lage auf dem Hügel prädestiniert ihn für den Bau einer Festung. Rund 500m davon entfernt liegt der Ruinenhügel Chirbet Burğ eṣ-Ṣūr, der den Ortsnamen noch bewahrt hat. Dieser Ort ist jedoch nicht mit dem biblischen Bet-Zur gleichzusetzen, da dort nur Überreste aus byzantinischer und arabischer Zeit gefunden wurden. Im unmittelbar benachbarten Chirbet eṭ-Ṭubēqa wurden hingegen archäologische Überreste ab der Frühbronzezeit bis in die hellenistische Epoche und die Zeit der → Makkabäer entdeckt.

Bet-Zur liegt strategisch günstig im judäischen Bergland, etwa 7km nördlich von → Hebron und ca. 30km südlich von → Jerusalem an der Verbindungsstraße zwischen Jerusalem und Hebron. Mit einer Höhenlage von rund 1000m ü.NN. liegt der Ort sehr hoch und eignet sich gut für die Kontrolle der Nord-Süd-Verbindung im judäischen Bergland. Zugleich führt bei Bet-Zur ein Weg hinab in die → Schefela über Keilah nach → Gat (Dorsey 1991, 192). Ab der Perserzeit lag Bet-Zur an der Grenze zum Gebiet der → Edomiter und hatte damit die wichtige Funktion eines Grenzpostens bzw. einer Grenzfestung. Die wichtige strategische Lage des Ortes dokumentieren die → Makkabäerbücher, denn der Ort Bet-Zur ist stark umkämpft und wechselt mehrfach zwischen seleukidischer und makkabäischer Kontrolle.

Nach der Darstellung des → Josuabuches (Jos 15,58) liegt der Ort Bet-Zur im Stammesgebiet Judas im judäischen Bergland. Die Orte Halhul, Gedor, Maarat, Bet-Anot und Eltekon werden gemeinsam mit Bet-Zur genannt und zu einer Gruppe von sechs Städten mit ihren Gehöften zusammengefasst. Diese Nachbarschaft ist historisch durchaus zutreffend, da die Lage der Ortschaften Halhul, Gedor und Bet-Anot bekannt ist und diese sich unweit von Bet-Zur befinden. Die Beschreibung des Gebietes des Stammes Juda nach Jos 15 bildet allerdings nicht die Zustände zur Zeit der Landnahme ab, sondern eher solche der Königszeit.

Die Abstammungsliste der → Kalebbiter in 1Chr 2,42-55 reflektiert keine Personennamen und deren Verwandtschaftsverhältnisse, sondern geografische Zusammenhänge: Bet-Zur ist nach 1Chr 2,45 der Sohn des Maon. Die Siedlung Maon in Juda liegt ebenfalls im judäischen Bergland und ist nicht weit von Bet-Zur entfernt. Maon wiederum wird genauer in die Genealogie des Kalebbiters Hebron eingeordnet – was ebenfalls für den Ort Hebron steht, der nicht unweit von Maon und Bet-Zur liegt. Ebenfalls in dieser Genealogie stehen als Personennamen Sif, Marescha und Tappuach, die zugleich für die entsprechenden Orte in Juda stehen. Die Einordnung Bet-Zurs in diese Liste deutet auf eine gewisse geografische Nähe des Ortes zu den anderen erwähnten Ortsnamen hin. Die Einordnung in die Genealogie des Kaleb lässt zwar vermuten, dass der Stamm der Kalebbiter ursprünglich in diesem Gebiet heimisch war, allerdings ist die literarische Konstruktion in 1Chr 2,42-55 überdeutlich. Auf eine Nähe der Kalebbiter zur Stadt Hebron lassen auch Jos 14,13-15; Jos 15,13-14 schließen, denn diese Stellen geben an, Kaleb, dem Sohn des Jefunne, sei die Stadt Hebron als Erbteil zugeteilt worden.

Eusebius schreibt in seinem Onomastikon, dort, wo das biblische Bet-Zur war, liege nun der Ort Βηθσωρω Bēthsōrō. Gleich neben Bet-Zur verortet Eusebius die Quelle, in welcher → Philippus den Kämmerer der Königin von Äthiopien tauft (Apg 8,36-37). Eine Nachbarschaft des Ortes Bet-Zur zu dieser Taufstelle dokumentiert den Angaben des Eusebius folgend das Madaba-Mosaik, das beide Örtlichkeiten nebeneinander zeigt. Auf dem Madaba-Mosaik ist Bet-Zur nur sehr klein durch drei Türme dargestellt, von denen der mittlere ein Tor hat. Die im Onomastikon des Eusebius angegebene Distanz von 20 römischen Meilen nach Jerusalem ist durchaus stimmig. Das Itinerarium Burdigalense lokalisiert Bet-Zur 14 römische Meilen von Betlehem entfernt und ebenfalls neben der Taufstelle des Philippus (Geyer 1898, Nr. 599). Auch → Hieronymus erwähnt die Nachbarschaft Bet-Zurs zur Taufstelle (ep. 108,11).

4. Geschichte

4.1. Archäologische Quellen

4.1.1. Mittelbronzezeit: Ein Festungsort

© Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 1 Skarabäus aus der Zeit zwischen 1700-1500 v. Chr. Im unteren Teil sind zwei nach außen gewandte Falken dargestellt, im oberen zwei nach innen gewandte Uräus-Schlangen. Unter den Uräus-Schlangen steht der Gottesname Ptah (BIBEL+ORIENT Datenbank Online).

Der Ort ist schon seit der Frühbronzezeit besiedelt, wovon wenige Keramiküberreste Zeugnis geben. Größere Bedeutung erlangte Bet-Zur in der Mittelbronzezeit II/III: Im 17. Jh. v. Chr. wurde der Ort besiedelt und etwas später zu einer Festung ausgebaut. Eine rund 2,5m dicke Stadtmauer stammt aus dieser Zeit. Die Mauer besteht aus größeren Steinen in unregelmäßiger Form, die ohne bestimmtes Muster gelegt sind und in deren Zwischenräume kleinere Steine eingefügt sind (sog. Zyklopenmauer). Die Befestigungsstrukturen in Bet-Zur ähneln denen, die etwa zeitgleich in Tell Bēt-Mirsim (→ Tell Bēt-Mirsim), → Sichem und → Bethel entstanden. Im Südosten wurde ein Turm entdeckt, der die Verteidigungsanlagen der Mauer unterstützte; im Nordosten wurde die Mauer durch angebaute Lagerräume abgestützt und verstärkt. Diese Anbauten an die Mauer gehören jedoch nicht zur ersten Bauphase der Mauer, sondern sind etwas später anzusetzen. Das Tor der Maueranlage konnte bisher nicht lokalisiert werden. Die Befestigungsanlagen aus der Mittelbronzezeit sind äußerst gut erhalten und stabil gebaut, sodass es nicht verwundert, dass die mittelbronzezeitlichen Maueranlagen bis in die hellenistische Zeit immer wieder Verwendung fanden. Die Mauer ist teilweise noch bis zu einer Höhe von rund 3m erhalten.

Aus: O.R. Sellers, The Citadel of Beth-Zur. A Preliminary Report of the First Excavation Conducted by the Presbyterian Theological Seminary, Chicago, and the American School of Oriental Research in 1931 at Khirbat et Tubeiqa, Philadelphia 1933, 58

Abb. 2 Löffel mit anbetendem Mann.

Die mittelbronzezeitliche Siedlung umfasste zwischen 1,1 und 1,5ha je nach Annahme des Mauerverlaufs im Norden. Damit ist Bet-Zur für eine so kleine Siedlung äußerst stark befestigt, sodass man Bet-Zur wohl als Festung ansprechen darf und nicht als dörfliche oder städtische Siedlung. Der Ort diente wohl eher militärischen als zivilen Zwecken. Der Mittelbronzezeit lassen sich neben der Mauer nur zwei Gebäude an der Innenseite der Mauer zuweisen. Ein Grund hierfür liegt wahrscheinlich in der Bautätigkeit in hellenistischer Zeit, in der alles bis auf den Felsenuntergrund abgetragen wurde, um darauf neue Bauten zu errichten.

Von der intensiven Nutzung des Ortes in der Mittelbronzezeit zeugen auch Skarabäen und Siegelabdrücke, die mitunter klar von ägyptischer Motivik beeinflusst sind (Abb. 1). Aus dieser Zeit stammt auch das Fragment eines verzierten Löffels (Abb. 2). Auf diesem Löffel ist ein Mann abgebildet, der mit erhobener Hand anbetet.

Um 1550 v. Chr. wurde der Ort durch ein Feuer zerstört. Infolge der Zerstörung weist der Ort etwa bis zum 14 Jh. v. Chr. nur eine spärliche Besiedlung auf.

4.1.2. Spätbronzezeit: Spärliche Besiedlung

© Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 3 Skarabäus aus der XIX. oder XX. Dynastie. Der Pharao steht auf einem Streitwagen, die Peitsche in der Hand, und wird von einem Pferd mit Kopfschmuck gezogen (BIBEL+ORIENT Datenbank Online).

Zwischen dem 14.Jh. v. Chr. und der Eisenzeit I ist der Ort kaum oder gar nicht bewohnt. Aus der Spätbronzezeit stammen nur wenige Funde. Auf einem Skarabäus ist der Thronname → Ramses II. (1279-1213 v. Chr.) eingraviert. Derartige Skarabäen wurden aber in der XIX. und XX. Dynastie oft kopiert und waren recht weit verbreitet (Abb. 3). Daher kann eine Besiedlung des Ortes in der Spätbronzezeit anhand der Funde nicht zweifelsfrei belegt werden.

Die Bewohner ab der Eisenzeit I haben anscheinend die mittelbronzezeitlichen Befestigungen weiter benutzt, zugleich aber im Norden eine neue Mauer errichtet, die innerhalb der mittelbronzezeitlichen Anlage liegt. Der Ort hat sich im Vergleich zur mittelbronzezeitlichen Siedlung deutlich verkleinert. Aus dieser Zeit stammt eine liegende Sphinx, die aus Knochenmaterial geschnitzt wurde. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der ägyptische Einfluss auch mit dem Ende der Spätbronzezeit in Palästina nicht schlagartig zu Ende ging, sondern eine gewisse kulturelle und materielle Kontinuität bestand.

4.1.3. Eisenzeit II: Eine unbefestigte Siedlung ab dem 8. Jh.

Am Ende des 11. Jh. v. Chr. wird Bet-Zur abermals verlassen. Die Gründe hierfür sind unklar. Auf einen starken Besiedlungsrückgang in der Zeit zwischen dem 11. und 8. Jh. v. Chr. weisen die äußerst geringen Keramikfunde hin; auch die Verteidigungsanlagen waren in dieser Zeit nicht in Gebrauch. Die wenigen Funde aus dieser Zeit stammen vermutlich nicht von Einwohnern, sondern von Menschen, die sich nur temporär dort aufhielten.

Im 8. Jh. v. Chr. wurde der Ort wohl wieder stärker besiedelt. Anzeichen hierfür sind zahlreiche Keramikfunde. Aus dieser Zeit stammen auch ein kleiner Getreidespeicher und niedrige Mauern. Hinweise auf eine Weiternutzung der älteren Befestigungsanlagen gibt es jedoch nicht. Judäische Präsenz ist im 8. und 7. Jh. v. Chr. durch eine Anzahl von lmlk-Krugstempeln (→ Siegel) belegt. Zwei der lmlk-Krugstempel tragen zusätzlich den Ortsnamen Hebron, ein Stempel den Ortsnamen Sif und einer Mamschit. Diese Krugstempel sind in das ausgehende 8. Jh. v. Chr. in die Zeit König → Hiskijas zu datieren.

 © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 4 Siegelabdruck mit der Inschrift „dem Gedaljahu, Sohn des Königs“ (BIBEL+ORIENT Datenbank Online).

Interessant ist der Fund eines Siegelabdrucks, auf dem „dem Gedaljahu, Sohn des Königs“ zu lesen ist (Abb. 4; → Gedalja). Es ist nicht klar, wer der erwähnte Gedaljahu ist. Denkbar ist, dass es sich um einen leiblichen Nachfahren des Königs → Jojachin handelt (1Chr 3,22), der Jigal genannt wurde. Dieser war der Ururenkel Jojachins. Allerdings ist Gedalja ein recht häufiger Name und „Sohn des Königs“ kann auch eine Amtsbezeichnung sein (Haag, 672f.; vgl. auch 1Kön 22,26).

Ob der Ort im Zuge der Eroberung und Zerstörung Jerusalems 587 v. Chr. ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist unklar. Ein eindeutiger Zerstörungshorizont, der sich über die gesamte Siedlungsfläche erstreckt, wurde nicht entdeckt, lediglich lokal begrenzte Zerstörungshorizonte. Da Bet-Zur zu jener Zeit unbefestigt war, kam es wohl zu keinen größeren Kampfhandlungen und Zerstörungen, sollten die → Babylonier den Ort attackiert haben (Funk 1968a, 8).

4.1.4. Persische Zeit: Ein unbedeutender Ort

Für das 5. und 4. Jh. v. Chr. sind die archäologischen Zeugnisse für den Ort äußerst spärlich. Auch die Münzfunde für das 5. und 4. Jh. v. Chr. sind sehr überschaubar mit insgesamt nur neun Münzen für beide Jahrhunderte. Die archäologischen Daten lassen nur Rückschlüsse auf eine bescheidene Besiedlung und Funktion des Ortes zu. Man ist daher geneigt, an der Darstellung von Neh 3,16, Bet-Zur sei eine Distrikthauptstadt gewesen, zu zweifeln (Finkelstein 2010, 41f.).

Aus dem 4. Jh. v. Chr. stammt eine → Münze mit einer Jehud-Prägung. Diese Münze erwähnt einen Hiskija. Sellers liest auf der Münze „Hiskija von Juda“ und identifiziert diesen mit dem Hohepriester Hiskija, der ein Freund Ptolemaios I. gewesen sein soll (Josephus, Contra Apionem 1,186-187; Sellers 1933, 73; Sellers 1968a, 2). Eine andere Position vertritt Funk, der auf der Münze „Statthalter Hiskija“ liest (1993, 261). Dieser Lesart ist der Vorzug zu geben. Die auf der Münze abgebildete attische Eule gibt Zeugnis von Kulturkontakten mit dem griechischen Raum und Kultur in Palästina schon vor der hellenistischen Zeit. Auch wenn diese Münze eine Jehud-Prägung ist, so ist dies allein kein ausreichender Beweis dafür, dass Bet-Zur tatsächlich eine Distrikthauptstadt in Jehud gewesen ist oder in der Provinz Jehud gelegen hat.

Der archäologische Befund für eine Zuordnung Bet-Zurs zur Provinz Jehud ist dünn, da dort keine Jehud-Siegelabdrücke gefunden wurden, wie z.B. in → Ramat-Rahel. Israel Finkelstein behauptet daher, Bet-Zur habe nicht auf dem Gebiet der perserzeitlichen Provinz Jehud gelegen (Finkelstein 2010, 439). Allerdings ist die Skepsis Christian Frevels berechtigt, dass die Verteilung der Jehud-Stempelabdrücke kaum geeignet ist, territoriale Grenzen zu beschreiben, da mehr als 80% der gefundenen Abdrücke aus Ramat-Rahel und Jerusalem stammen, die Verteilung der Funde also extrem einseitig und damit insignifikant ist (Frevel 2016, 299). Eine eindeutige Klärung der Zugehörigkeit Bet-Zurs zur Provinz Jehud ist gegenwärtig nicht möglich.

Insgesamt zeigt sich: Für die Zeit zwischen dem 6. und dem 3. Jh. v. Chr. sind kaum gesicherte Erkenntnisse für Bet-Zur zu gewinnen. Der Ort war in dieser Zeit unbedeutend und höchstens spärlich besiedelt, wenn nicht sogar vielleicht mehr oder weniger verlassen.

4.1.5. Hellenistische Zeit: Eine florierende Stadt mit Zitadelle

Eine große Anzahl von Münzfunden belegt die gestiegene Bedeutung des Ortes in hellenistischer Zeit. Bei den Münzfunden handelt es sich nicht um Hortfunde, sodass die Münzen das alltägliche Wirtschaftsleben und den alltäglichen Münzgebrauch wohl recht gut widerspiegeln. 56 Münzen stammen aus ptolemäischer Zeit, was auf einen Aufschwung zu dieser Zeit deutet. Die erste Phase der Zitadelle von Bet-Zur stammt wohl aus der Zeit der ausgehenden Ptolemäerherrschaft über Palästina.

Es ist sehr schwer, die Baugeschichte der Zitadelle zu rekonstruieren. Drei Bauphasen lassen sich unterscheiden, die der hellenistischen Epoche zuzuordnen sind. Eine genauere Zuordnung der Bauphasen zu einzelnen Baumaßnahmen während der Makkabäer-Kriege, von denen die Bibel berichtet, ist aus archäologischer Sicht nicht möglich. Die These, die Zitadelle von Bet-Zur stamme ursprünglich aus der Perserzeit (Reich 1992), ist wenig wahrscheinlich. In hellenistische Zeit fällt auch der Wiederaufbau der mittelbronzezeitlichen Ummauerung. Zusätzlich dazu wurde eine der mittelbronzezeitlichen Mauer vorgelagerte Mauer errichtet.

Unter seleukidischer Herrschaft war Bet-Zur eine durchaus lebendige und florierende Stadt. Aus dieser Zeit stammen 180 Münzfunde. Ein Badehaus mit Badewannen, einem Bassin und Fußbädern wurde gefunden; über das gesamte Stadtgebiet verteilt wurden 12 Badewannen ausgegraben. Aufgrund des ungewöhnlichen Designs mancher Wannen bestehen Zweifel an der Theorie, es handle sich um Badeeinrichtungen; stattdessen könnte man diese Wannen zum Färben von Textilien gebraucht haben, was allerdings unsicher ist (Sellers 1933, 16-19; → Wasserverbrauch; → Färben). Eine Mittelposition bietet sich hier am ehesten an: Ein Teil der Bassins und Wannen war für die Körperpflege bestimmt, während andere für das Wäschewaschen gebraucht werden konnten (Sellers 1968a, 1). Bet-Zur verfügte auch über einen Marktplatz mit einem Metzgerbetrieb, einer Taverne und einer Herberge.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 5 Münze Antiochus’ IV. Epiphanes.

Auf die Bedeutung Bet-Zurs in der Zeit vor und während der Makkabäer-Aufstände, genauer in der Zeit → Antiochus’ IV. Epiphanes (215-164 v. Chr.), weisen 131 von insgesamt 180 seleukidischen Münzen, die der Zeit Antiochus’ IV. zugeordnet werden können (Abb. 5). Auf die Phase der seleukidischen Kontrolle weisen auch Weinamphoren aus Rhodos hin; die Besatzung der Festung scheint ihren Wein importiert zu haben.

Aus der Makkabäer-Zeit stammen lediglich 20 Münzen. Die Münzfunde zeigen, dass Bet-Zur einmal unter makkabäischer Kontrolle war, aber wohl an Prosperität einbüßte. Aus der Zeit nach Johannes Hyrkan finden sich kaum noch Münzen und es gibt nahezu kaum Keramik, die nach dem 2. Jh. v. Chr. anzusetzen wäre. Bei diesen sehr sporadischen Funden handelt es sich viel eher um verlorenes Gut von Umherziehenden als um das von Bewohnern. Man darf daraus schließen, dass um 100 v. Chr. der Ort aus unbekannten Gründen verlassen wurde.

Bet-Zur verfügt über keine natürliche Quelle. Als Wasserreservoir diente unter anderem eine natürliche Höhle auf der Südseite des Hügels. Von einem längeren Gebrauch jener Höhle als Wasserreservoir zeugen drei Verputzschichten. Das Reservoir konnte von Norden her betreten werden, wozu 26 breite Stufen in das Gestein geschlagen wurden. Später wurde ein weiterer Zugang im Süden des Reservoirs durch das Gestein geschlagen, der allerdings nur sehr schwer zu passieren ist (Sellers 1933, 27-31; Keel / Küchler 1982, 723f.). Diese umfangreichen Arbeiten an der Höhle werden der hellenistischen Epoche zugeordnet.

4.2. Biblische Überlieferung

4.2.1. Königszeit

2Chr 11,7 erwähnt Bet-Zur als einen der Orte, die König → Rehabeam von Juda zu einem Festungsort ausbauen ließ. Diese Notiz ist allerdings historisch nicht zuverlässig. In der Eisenzeit lassen sich keinerlei Ausbau- und Befestigungsarbeiten in Bet-Zur nachweisen, weder für die Zeit Rehabeams noch für die Zeit eines anderen judäischen Königs. Eine Datierung der Liste in die Zeit des Königs → Josia ist nicht wahrscheinlich (anders Fritz 1981). Die auf der Liste erwähnten Ortschaften bilden eine Kette von Städten, die einerseits die Westflanke Judas von der Schefela her, andererseits von Süden her das judäische Gebiet schützen. Orte, die das Gebiet von Norden her schützen könnten, finden sich auffälligerweise nicht auf der Liste (Fritz 1981). Die Ortsliste in 2Chr 11,5-12 spiegelt mit großer Wahrscheinlichkeit eher nachexilische Verhältnisse wider.

4.2.2. Persische Zeit

Nach biblischer Darstellung diente Bet-Zur als Hauptort eines Verwaltungsdistrikts der perserzeitlichen Provinz → Jehud. Eine Abteilung aus diesem Distrikt wirkte angeblich am Wiederaufbau der Jerusalemer Mauern mit (Neh 3,16).

Es gibt gute Gründe für die Annahme, Neh 3 stamme aus der Makkabäer-Zeit und gebe historische Realitäten aus dieser Epoche wieder, nicht aus der Perserzeit. Neh 3 wäre durch eine späte Redaktion aus makkabäischer Zeit in Esra-Nehemia eingefügt worden (Böhler 1997, 382-397). Damit würde Neh 3 als textlicher Beleg für das perserzeitliche Bet-Zur wegfallen (Finkelstein 2008, 510-512).

4.2.3. Hellenistische Zeit

Die Bedeutung Bet-Zurs nahm in hellenistischer Zeit wieder zu, als es zu Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen den → Ptolemäern und den → Seleukiden kommt. Nach → Flavius Josephus (Antiquitates 12,313; Bellum Judaicum 1,41) war Bet-Zur zu Beginn dieser Zeit ein unbefestigtes Dorf (κωμη kōmē), was die Ausgrabungen bestätigen.

Während der Makkabäer-Kriege wächst die militärische Bedeutung Bet-Zurs abermals. Über die Schlachten bei und um Bet-Zur berichten die beiden Makkabäerbücher sowie der jüdische Historiker Flavius Josephus. Die ursprüngliche Besatzung der Zitadelle war seleukidisch. 1Makk 4,28-34 und Josephus (Antiquitates 12,313-315) berichten von einer Schlacht zwischen dem seleukidischen General Lysias und → Judas Makkabäus bei Bet-Zur, aus der Judas Makkabäus als Sieger hervorging. Interessanterweise spielt bei dieser Schlacht der Ort mit seiner Befestigung keine Rolle, er wird nicht belagert und wird als „Dorf“ (κωμη kōmē) bezeichnet. Ort und Zitadelle gehen somit im Jahr 164 v. Chr. in die Hand der Makkabäer über. 1Makk 4,61 und Josephus (Antiquitates 12,326) geben an, Judas Makkabäus habe anschließend Bet-Zur als Bollwerk gegen Idumäa befestigt.

Lange konnten die Makkabäer Bet-Zur allerdings nicht kontrollieren. Der zuvor vertriebene seleukidische General Lysias konnte 162 v. Chr. Bet-Zur zurückerobern. Er belagerte Bet-Zur und schickte ein Heer aus Soldaten, Belagerungsmaschinen und Kriegselefanten (→ Elefant) den jüdischen Entsatzungstruppen entgegen. Die Juden mussten sich zurückziehen. Die Festung in Bet-Zur musste sich ergeben, da ihre Nahrungsreserven zu Ende gingen. Sie übergaben Bet-Zur kampflos und erhielten dafür freies Geleit (1Makk 6,28-50; Josephus, Antiquitates 12,367-376; Bellum Judaicum 1,41). Bet-Zur scheint so gut befestigt zu sein, dass es einer Belagerung standhalten kann – lediglich die Nahrungsreserven sind das Problem. Nach Auskunft von 1Makk 10,14 waren aber nicht nur seleukidische Truppen vor Ort in Bet-Zur, sondern auch jüdische Kämpfer im Dienste der Seleukiden. 1Makk 10,14 begründet dies damit, diese jüdischen Kämpfer hätten in Bet-Zur ein φυγαδευτήριον phygadeutērion, einen Zufluchtsort. Vielleicht entgingen jüdische Kämpfer oder Kriegsgefangene einer Bestrafung durch die Seleukiden, wenn sie die Seiten wechselten.

In den letzten Jahren der Herrschaft des Hasmonäerkönigs → Jonathan eroberte dessen Bruder → Simon zwischen 145 und 143 v. Chr. Bet-Zur und belegte den Ort mit einer jüdischen Garnison (1Makk 11,65-66; 1Makk 14,33; Josephus, Antiquitates 13,41-42; 13,155-157). Der Ort blieb in jüdischer Hand und behielt eine hohe Bedeutung als Grenzfestung nach Süden zum Gebiet Idumäa (s.o.). Mit der Eroberung Idumäas unter Johannes Hyrkan im Jahre 129 v. Chr. nimmt die Bedeutung Bet-Zurs als Grenzfestung ab.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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  • Sellers, O.R., 1968a, Echoes from the 1931 Campaign, AASOR XXXVIII, 1-3
  • Sellers, O.R., 1968b, Objects, AASOR XXXVIII, 80-87
  • Timm, S., 2017, Eusebius Werke III/1. Das Onomastikon der biblischen Ortsnamen. Kritische Neuausgabe des griechischen Textes mit der lateinischen Fassung des Hieronymus (Die griechischen christlichen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte NF 24), Berlin / Boston

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