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Lexikon

Bascha

(906-883 v. Chr.)

Andere Schreibweise: Baescha; Baësa; Baasha (engl.); Baasa (ital.)

Monika Egger

(erstellt: Mai 2019)

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1. Name

Herkunft und Bedeutung des Namens Bascha (בַּעְשָׁא ba‘šā’) sind unsicher. Thomas Römer vermutet eine Kurzform für „Baal hört“ oder „Baal der Himmel“ (zur Kurzform: Noth, 40). Die → Septuaginta belegt die Namensform Βαασα Baasa (vgl. Vulgata: Baasa).

2. Bascha, König von Israel

Gemäß 1Kön 15,27 ist Bascha Sohn des → Ahija aus dem Stamm Issachar. Obwohl er nach der Darstellung der → Königsbücher mehr als zwanzig Jahre über Israel regierte, wissen die Bibeltexte nur wenig über ihn zu berichten. Das liegt daran, dass das Hauptinteresse der Texte auf die Ereignisse im Südreich Juda fokussiert ist.

2.1. Chronologie

Bascha ist nach → Jerobeam I. und dessen Sohn → Nadab, der jedoch nur knapp zwei Jahre an der Macht bleibt, der dritte König des Nordreichs Israel (vgl. die Übersicht bei → Königsbücher). Seine Regierungszeit wird gemeinhin angegeben als 906-883 und ist mit 24 Jahren außerordentlich lang (nur → Jehu mit 28 und → Jerobeam II. mit 41 Jahren herrschen länger über das Nordreich).

Da die Königsbücher durch die Amtsantritte der Könige gegliedert werden, ergeben sich bei überlappenden Amtszeiten in Juda und Israel Ungleichzeitigkeiten im Erzählverlauf. So wird in 1Kön 15,16-22 bereits vom immerwährenden Krieg zwischen Asa und Bascha berichtet und der Erzählfaden mit Blick auf Asa bis zu seinem Tod verfolgt (v23-24). Erst danach (v25) werden Nadabs kurze Regierungszeit zu Beginn von Asas Herrschaft und die Machtübernahme Baschas (v27) im dritten Jahr Asas (v33) erwähnt. Doppelungen ergeben sich auch aus der den Königsbüchern eigenen Weise, einerseits Handlungen zu erzählen, andererseits mittels Rahmenformeln die Textstruktur zu markieren. Für die hier zur Diskussion stehenden Texte zeigt Tabelle 1 die Erzählchronologie.

© Monika Egger

Tabelle: Könige des Nordreichs während der Regierungszeit des judäischen Königs Asa nach der Chronologie der Königsbücher.

Bei der Chronologie ist außerdem zu berücksichtigen, dass jeweils nicht nur die abgeschlossenen, sondern auch die angefangenen Regierungsjahre als volle Jahre gezählt werden.

Die → Chronikbücher bieten eine abweichende Chronologie. Während Bascha nach 1Kön 15,33 und 1Kön 16,8 im 26. Jahr Asas, mit dem er fortwährend Krieg geführt hatte, verstorben ist, gab es laut 2Chr 15,19 und 2Chr 16,1 nach einer 35jährigen Friedenszeit erst im 36. Jahr Asas Krieg zwischen Asa und Bascha – also zu einer Zeit, als Bascha nach den Königsbüchern schon 10 Jahre tot war.

2.2. Aufstieg und Fall Baschas (1Kön 15,25-16,13)

Mit dem für die Königsbücher üblichen Rahmenformular wird Bascha als König Israels in 1Kön 15,33-34 eingeführt, seine Geschichte beginnt aber schon früher im Erzähltext, nämlich ab v27. Bascha erobert die Macht durch Mord an seinem Vorgänger Nadab. Damit wechselt die Herrschaft in den kleinen Stamm Issachar. Neben Nadab ermordet Bascha auch alle anderen Mitglieder der Jerobeam-Familie, was 1Kön 15,29-30 als Erfüllung eines Gotteswortes deutet (vgl. 1Kön 14,10-11). Dennoch weiß 1Kön nichts Gutes über Bascha zu berichten. Mit Ausnahme des Grenzkonflikts mit dem Südreich (dazu unten) gibt es zu seiner Amtszeit nur die für die Könige des Nordreichs stereotype Angabe, dass er „tat, was in den Augen JHWHs böse ist“, indem er die Kultpolitik Jerobeams fortsetzt und damit „das Volk Israel zur Sünde verführt“ (1Kön 15,34).

So trifft ein weiteres Gotteswort Bascha, das dessen Tod und das schmachvolle Ende seiner Familie voraussagt (1Kön 16,1-4). 1Kön 16,7 liefert als Begründung dafür zusätzlich den Hinweis „und weil er es [das Haus Jerobeams] erschlagen hat“. Obwohl also die Vernichtung Jerobeams von Gott angekündigt war, hat sich Bascha als deren Vollstrecker schuldig gemacht.

Das Rahmenformular (1Kön 16,5-6) schließt die Ausführungen zu Bascha ab. Er wird in → Tirza begraben. Sein Sohn Ela wird sein Nachfolger, jedoch nur für zwei Jahre. 1Kön 16,9-13 bringt die Erfüllung des Gotteswortes aus v1-4: Simri erschlägt Ela und das ganze Haus Bascha.

2.3. Der Konflikt mit Asa (1Kön 15,16-23; 2Chr 16,1-6)

„Es herrschte Krieg zwischen Asa und Bascha, dem König von Israel, während all ihrer Tage“ (1Kön 15,16). Anlass des Konfliktes sind Grenzstreitigkeiten zwischen dem Nord- und dem Südreich. Bascha befestigt → Rama und baut die Ortschaft ca. 8 km nordöstlich von Jerusalem zur Grenzstadt aus. Da Rama an der bedeutenden Höhenstraße zwischen → Bethel und → Jerusalem sowie einer ostwärts nach → Michmas abzweigenden Straße liegt, erlangt Bascha damit Kontrolle über wichtige Verkehrswege. Offensichtlich kann sich das kleine Juda gegen das Nordreich nicht allein wehren. Asa wendet sich hilfesuchend an Ben-Hadad I., König von → Aram in Damaskus. Als überzeugende „Argumente“ bringt er Gold und Silber aus dem Tempelschatz und aus der königlichen Schatzkammer mit. Damit erreicht er, dass der König von Aram ein bestehendes Bündnis mit dem Nordreich bricht und sich stattdessen mit dem Südreich verbindet. Als Ben Hadad den Norden Israels angreift, verlässt Bascha seine Stellung im Süden Israels, zieht sich nach Tirza zurück und überlässt Rama, und damit auch die Verkehrswege, dem nachrückenden Juda. Asa seinerseits lässt die Bauten in Rama abtragen und zur Befestigung von → Geba und → Mizpa verwenden. Somit wird der Grenzverlauf entlang der Mizpa-Geba Linie konsolidiert und bleibt denn auch in der folgenden Zeit erhalten.

2Chr 16 nimmt 1Kön 15,17-22 fast wörtlich auf. Auf die unterschiedliche Datierung wurde bereits hingewiesen. Auffallend ist außerdem ein längerer Einschub, 2Chr 16,7-10, der die Konsequenzen des Zwischenfalls für Asa beschreibt.

Wenn bis hierher von Chronologie oder Datierung die Rede war, war damit die innerbiblische Sicht gemeint. Über den historischen Wert der geschilderten Daten und Ereignisse lässt sich kaum etwas Gesichertes sagen, da es nur wenige sichere Fixpunkte gibt. Zweifelsohne haben die biblischen Erzählungen ein anderes Interesse als eine im heutigen Sinne historische Darstellung. Vielmehr geht es ihnen um eine Deutung der Geschichte, die aus einseitig judäischer Perspektive und unter Beifügung von mindestens zum Teil freien Ergänzungen erfolgt (siehe dazu auch → Königsbücher, 5.3 oder ausführlicher Frevel, bes. 157-165.172-191).

2.4. Weitere Belege

2.4.1. 1Kön 21,22; 2Kön 9,9

An beiden Stellen (1Kön 21,22; 2Kön 9,9) wird der Untergang der Ahab-Familie angekündigt. Der Spruch gegen König → Ahab nennt Bascha in einem Atemzug mit Jerobeam. So wie deren Häuser vernichtet wurden, so soll auch das Haus Ahabs zugrunde gerichtet werden.

2.4.2. Jer 41,9

„Die Zisterne aber, in die Jismael die Leichen warf, […] war jene, die der König Asa gegraben hatte wegen Bascha, des Königs von Israel […].“(→ Jismael). Die blutige Geschichte im Zusammenhang mit dem von Babylon eingesetzten → Gedalja spielt in Mizpa, der von Asa gegen Bascha befestigten Stadt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006
  • The New Interpretor’s Dictionary of the Bible, Abingdon 2006
  • Encyclopedia of the Bible and its Reception, Berlin / New York / Boston 2009ff

2. Weitere Literatur

  • Elgavish, D., 2000, Objective of Baasha’s War Against Asa, in: G. Galil / M. Weinfeld (Hgg.), Studies in Historical Geography and Biblical Historiography (VT.S 81), Leiden, 141-149
  • Frevel, C., 2016, Geschichte Israels (KStTh 2), Stuttgart
  • Japhet, S., 2003, 2 Chronik (HThKAT), Freiburg i.Br.
  • Joo, S., 2006, Provocation and Punishment. The Anger of God in the Book of Jeremiah and Deuteronomistic Theology (BZAW 361), Berlin / New York
  • Noth, M., 1928, Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung (BWANT III/10), Stuttgart
  • Römer, T., 2011, Art. Baasha, in: Encyclopedia of the Bible and its Reception, Bd. 3, Berlin u.a., 234-235

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