bibelwissenschaft.de - Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft

Lexikon

Baal-Hazor

Klaus Koenen

(erstellt: Mai 2008)

Permanenter Link zum Artikel: https://www.bibelwissenschaft.de/de/stichwort/44092/

1. Lage

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Baal-Hazor.

Baal-Hazor (ba‘al chaṣôr) ist eine Lokalität, die nur in 2Sam 13,23 erwähnt wird. Der Namen verdankt sich wohl einem lokalen Baal-Heiligtum und bezeichnet vielleicht nicht mehr als eine kleine offene Kultstätte (→ Baal; dort 4.1.1. zu Ortsnamen mit Baal). Aufgrund der Übereinstimmung von hebräisch chāṣôr mit arabisch ‘Aṣūr wird Baal-Hazor am Ǧebel el ‘Aṣūr lokalisiert, dem 22 km nördlich von Jerusalem gelegenen höchsten Berg Ephraims (1016 m), auf dem sich heutzutage ein militärischer Beobachtungsposten befindet (Koordinaten: 1771.1539; N 31° 58' 39'', E 35° 17' 10''). Für diese Lokalisierung spricht auch das in Qumran gefundene → Genesis-Apokryphon (1Q 20 XXI 8ff), da hier mit der „Höhe von Hazor“ der Ǧebel el ‘Aṣūr gemeint sein muss (Noth, 1966, 266). Gott fordert Abraham in Aufnahme von Gen 13,14ff auf, „die Höhe von Hazor, die links (= nördlich) von Bethel liegt,“ zu besteigen, und Abraham sieht von dort das ganze Land vom Nil bis zum Libanon, vom Mittelmeer bis zum Hauran, ja sogar bis zum Euphrat. Das ist zwar übertrieben, doch kann man vom Ǧebel el ‘Aṣūr aus das Mittelmeer und Jordanien sehen, den Hermon und das Tote Meer.

2. Altes Testament

2Sam 13 erzählt, wie → Amnon seine Halbschwester → Tamar vergewaltigt und wie ihn deren Bruder → Absalom deswegen in Baal-Hazor während des Festes der Schafschur töten lässt. Der Ort der Schafschur, der nur beiläufig erwähnt wird und deswegen unverdächtig erscheint, ist für die Frage nach der Herkunft → Davids interessant. Normalerweise gilt David als Mann aus → Bethlehem. Auffälligerweise wird sein Vater → Isai in 1Sam 17,12 allerdings als Ephraimit bezeichnet, und dem entspricht, dass sein Sohn Absalom seine Schafschur im ephraimitischen Baal-Hazor hält, dort also über Land verfügt, das – da die Mutter Syrerin war (2Sam 3,3) – väterlicher Herkunft sein muss, also David gehört hat. Von daher kann man überlegen, ob David aus der Gegend von Baal-Hazor stammt. Die Übertragung nach Bethlehem mag dann mit der Übertragung der Tötung → Goliats von → Elhanan auf David geschehen sein, da Elhanan wohl tatsächlich – so 2Sam 21,19 – aus Bethlehem stammte (Schwab, 1993, 122ff).

1Makk 9 beschreibt den Kampf des → Judas Makkabäus gegen syrische Truppen unter Bakchides. Bevor Judas eine Niederlage erleidet und den Tod findet, ergreift ein Teil der Syrer nach 1Makk 9,14-15 die Flucht bis zu den „Gebirge von Aschdod“ (Αζωτου ορους). Da es bei → Aschdod keine Berge gibt, ist der Text vielleicht zu „Gebirge von Hazor“ zu ändern (Aζωρου ορους). Dafür spricht auch die Wiedergabe dieser Ereignisse bei Josephus (Antiquitates 12,429; Text gr. und lat. Autoren), wenn es sich bei der von ihm bezeugten Lesart „Gebirge von Aza“ (Αζα ορους) um eine Haplographie von „Gebirge von Hazor“ (Aζωρου ορους) handelt.

Die Kupferrolle von Qumran (3Q15) erwähnt einen Ort namens Bet-Hazor (VIII,2), für den eine Identifizierung mit Baal-Hazor erwogen wurde.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Archaeological Encyclopedia of the Holy Land, New York / London 2001

2. Weitere Literatur

  • Möller, C. / Schmitt, G., Siedlungen Palästinas nach Flavius Josephus (B.TAVO B 14), Wiesbaden 1976
  • Noth, M., Das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes im Jahr 1965, ZDPV 82 (1966), 255-273
  • Schwab, E., Betlehem Efrata. Zur Überlieferung von Davids Herkunft, in: P. Mommer u.a. (Hgg.), Gottes Recht als Lebensraum (FS H.J. Boecker), 1993, 117-128

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Baal-Hazor. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

PDF-Archiv

Alle Fassungen dieses Artikels seit September 2017 als PDF-Archiv zum Download:

VG Wort Zählmarke
http://m.bibelwissenschaft.de