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Lexikon

Araber

Ulrich Hübner

(erstellt: Okt. 2006)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Araber auf der Flucht vor assyrischen Soldaten (Relief aus dem Palast des Assyrerkönigs Assurbanipal [668-627 v. Chr.] in Ninive).

„Araber“ (hebr. עַרְבִיאִים wörtl. „Wüstenbewohner“; vgl. עֲרָבָה „Wüste“) meint nicht die Bewohner der → Araba, sondern ist im Alten Testament eine Kollektivbezeichnung für Halbnomaden und andere Teil- bzw. Nichtsesshafte sowie Oasenbewohner auf der Nordarabischen Halbinsel entlang der Weihrauchstraße (→ Dedan / al-‘Ulā und Taima [→ Teman]) und in der Syrischen Wüste (Jes 13,20; Jes 21,13-17).

Südarabien wird im Alten Testament dagegen als → Saba bezeichnet (Gen 10,26-29; Ez 27,20-22; Ps 72,10.15 [LXX Αραβες / Αραβια]), wie z.B. die Königin von Saba zeigt (1Kön 10,1-13 par. 2Chr 9,1-12), die später zu einer christlichen Heiligen avancierte (vgl. schon Mt 12,42 par. Lk 11,31).

Araber können dabei als Händler (1Kön 10,15 par 2Chr 9,14; Ez 27,21), als Tributäre und Kleinviehzüchter (2Chr 17,11), Wegelagerer (Jer 3,2; vgl. 2Chr 21,16f; 2Chr 22,1) und – in offenbar absichtsvoll geänderter masoretischer Vokalisation – auch als ‚Mischvolk’ (1Kön 10,15; Jer 25,24) bezeichnet werden. Darin kommt die ambivalente Wahrnehmung arabischer Nachbarkulturen durch das sedentäre Israel zum Ausdruck, das sich spätestens seit der achämenidisch-hellenistischen Zeit einer zunehmenden Arabisierung Südpalästinas gegenübersah.

Mit dem Ethnonym „Araber“ können im Alten Testament der Stamm bzw. die Personen → Kedar, Geschem / Gaschmu (Neh 2,19; Neh 4,1; Neh 6,1) und Nabatäer bezeichnet werden (1Makk 5,25; 1Makk 9,35; 2Makk 5,8; vgl. 1Makk 12,31; 2Makk 12,10-12). Aus historisch-philologischer Sicht sind auch Midianiter und Ismaeliter als Araber zu verstehen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2004
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993-2001
  • Der Neue Pauly, Stuttgart / Weimar 1996-2003
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998ff.
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Eph‘al, I., The ancient Arabs. Nomads on the borders of the Fertile Crescent 9th - 5th centuries B.C., Jerusalem / Leiden 1982.
  • Staubli, Th., Das Image der Nomaden (OBO 107), Fribourg / Göttingen 1991.
  • Knauf, E. A., Südarabien, Nordarabien und die Hebräische Bibel, in: N. Nebes (Hg.), Arabia felix (FS W.W. Müller), Wiesbaden 1994, 115-122.
  • Rouillard-Bonraisin, H., Présence et représentation des Arabes dans les écrits bibliques, in: H. Lozachmeur (Hg.), Présence arabe dans le Croissant Fertile avant l’Hégire. Actes de la Table Ronde Internationale, Paris 1995, 23-35.
  • Hübner, U., Early Arabs in Pre-Hellenistic Palestine in the Context of the Old Testament, in: U. Hübner / E. A. Knauf / R. Wenning (Hgg.), Nach Petra und ins Königreich der Nabatäer (FS M. Lindner; BBB 118), Bodenheim 1998, 34-48.

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Araber auf der Flucht vor assyrischen Soldaten (Relief aus dem Palast des Assyrerkönigs Assurbanipal [668-627 v. Chr.] in Ninive). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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