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Lexikon

Akko

Wolfgang Zwickel

(erstellt: Sept. 2011)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Akko.

Akko (hebräisch עַכּוֹ ‘akkô; die Bedeutung des Namens ist unklar) ist eine bedeutende Hafenstadt an der Mittelmeerküste Nord-Palästinas. Im Alten Testament wird von ihr nur erwähnt, dass der Stamm Asser sie nicht erobern konnte (Ri 1,31).

1. Lage

Die vorhellenistische Siedlung von Akko kann mit Tell el-Fuḫḫār „Scherbenhügel“ (Koordinaten: 158.258; N 32° 55' 17'', E 35° 05' 15'') identifiziert werden. Während der hellenistischen Zeit wurde diese Siedlung zunehmend verlassen und eine neue Siedlung zwischen dem Tell und der Kreuzfahrersiedlung sowie im Bereich der Kreuzfahrersiedlung selbst gegründet.

2. Grabungen

Tell el-Fuḫḫār wurde in 12 Kampagnen von 1973-1989 ausgegraben. Seit 2010 gibt es erneute Grabungen unter der Leitung von Ann Killebrew. Hinzu kamen einige weitere kleine Kampagnen der israelischen Antikenverwaltung. Die Grabungen auf dem Tell wurden vom Department of the History of Maritime Civilizations der Universität Haifa unter der Leitung von M. Dothan und vom Alttestamentlichen Seminar der Universität Marburg unter der Leitung von D. Conrad durchgeführt. Bis auf kurze Vorberichte und einige Detailveröffentlichungen sind die Grabungen unpubliziert. Ein Projekt der Universität Mainz beschäftigt sich mit der Veröffentlichung des deutschen Grabungsanteils, während das Institut in Haifa die israelischen Funde bearbeitet. Die ältesten Funde in Akko stammen aus dem Übergang vom Chalkolithikum zur Frührbronzezeit (3500-3000 v. Chr.), eine größere ist ab der Mittelbronzezeit, ab dem 20. Jh. v. Chr. nachgewiesen.

3. Bronzezeit

Die ältesten Erwähnung Akkos findet sich in den → Ächtungstexten (Gruppe Posener; ‘-k-j; s. HTAT 41 E49 mit Anm. 78 zu ägyptischen Schreibweisen), die in die späte 12. oder frühe 13. Dynastie (18. Jh. v. Chr.) datiert werden. Damals regierte Tir-Ammu in der Stadt als König. Aus dieser Zeit stammt auch ein Siegel des ägyptischen Pharaos Sesostris II., das auf dem Tell gefunden wurde. Insgesamt wurden hier bislang 297 Siegel ausgegraben oder gefunden. Mehrere von ihnen nennen ägyptische Königsnamen (Thutmosis III. [1479-1426 v. Chr.], Amenhotep III. [1390-1353 v. Chr.], Sethos I. [1290-1279 v. Chr.] und Ramses II. [1279-1213 v. Chr.]). Akko wird auch auf der Feldzugsliste des → Thutmosis III. (Nr. 47) erwähnt. Mehrere Texte der Amarna-Epoche erwähnen die Stadt oder ihren König Scharatum bzw. dessen Sohn Schutatna (EA 8; 85; 111; 232-236; 245; 327, 366; → Amarnabriefe). Es zeigt sich in diesen Briefen, dass Akko zwar einerseits ägyptentreu ausgerichtet war, sich andererseits aber einige Freiheiten herausnahm, da es als bedeutende Handelsstadt eine wichtige wirtschaftliche Position im Lande innehatte.

Amarnabrief EA 235/327 erwähnt, dass Glas an den ägyptischen Pharao gesendet wurde. Damit scheint Akko schon in der Spätbronzezeit ein bedeutendes Zentrum der Glasproduktion gewesen zu sein. Josephus (Bellum Judaicum II,190f; Text gr. und lat. Autoren), Plinius (Naturalis Historia V,19) und Strabo (XVI,758) erwähnen den Quarzsand von Akko, der in der Glasherstellung eine zentrale Rolle spielte.

Aus: W. Wreszinski, Atlas zur altaegyptischen Kulturgeschichte, Bd. II,1 Leipzig 1935, Tf. 55a; © public domain

Abb. 2 Übergroß dargestellt erobert Pharao Ramses II. zwei übereinander gezeigte Städte, die obere ergibt sich, die untere – Akko (der Name ist rot markiert) – wird zerstört (Tempel von Karnak; 13. Jh.).

Während der 19. Dynastie gibt es wieder Feldzugslisten von Sethos I. (1290-1279 v. Chr.) und → Ramses II. (1279-1213 v. Chr.), die Akko erwähnen. In Theben befindet sich an einer Tempelwand auch ein Bild der Einnahme der Stadt. Außerdem wird Akko im Papyrus Anastasi I, 132 zu den bedeutenden Städten entlang der Mittelmeerküste gezählt.

Als bedeutende Handels- und Hafenstadt wird Akko auch in den Texten aus → Ugarit erwähnt (KTU 2.38; 4.63 III 37; 2.82:4; RS 19.42; 19.182). Aber auch aus Palästina selbst stammt mögicherweise ein Beleg für Akko. In → Aphek wurde ein Brief von Taguhlina, dem Gouverneur für das Land Ugarit, gefunden, den er an den ägyptischen Kommissar für das Land geschrieben hat. Leider ist an der fraglichen Stelle unsicher, ob tatsächlich „Akko“ zu lesen ist.

Eher unwahrscheinlich ist dagegen, dass Akko auch in den Texten aus → Emar genannt wird. Zwar findet sich dort ein Ort dieses Namens, der Kontext macht es aber wahrscheinlicher, dass es sich um eine Ortslage in Syrien handelt.

4. Eisenzeit

Akko scheint nicht vom Seevölkersturm betroffen gewesen zu sein (→ Seevölker) und hat damit beim Übergang zur Eisenzeit keine Eroberung erlebt. Eine 1925 in einem Grab in Tell er-Ruweis (Südlibanon) gefundene Pfeilspitze trägt die Inschrift: „Pfeil des Ado, des Mannes von Akko“.

Nach Ri 1,31 wurde Akko nicht von den Israeliten erobert. Einige Forscher nehmen an, dass in Jos 19,30 statt Uma Akko zu lesen sei, doch kann dies nicht sicher bewiesen werden. Ob Akko jemals kurzzeitig zu Israel gehörte, entzieht sich unserer Kenntnis. Nach 1Kön 9,10-14 gelangte dieses Gebiet im 10. Jh. v. Chr. auf jeden Fall in den Besitz von → Tyrus.

Im 8. Jh. v. Chr. scheint → Sidon die dominantere unter den phönizischen Hafenstädten gewesen zu sein. → Sanherib (705-681 v. Chr.) eroberte die Stadt (Ak-ku-ú; HTAT 330). Schon kurze Zeit später dürfte Tyrus wieder die Kontrolle über die Region ausgeübt haben. → Asarhaddon (681-669 v. Chr.) jedenfalls schloß einen Vertrag mit dem tyrischen König Baal, in dem Baal die politische Kontrolle über Akko und die südlich anschließende Küstenregion zugestanden wurde (HTAT 343). Unter → Assurbanipal (669-630 v. Chr.) wurde Akko erneut erobert. Die Oberherrschaft Phöniziens hielt auch in der Perserzeit noch an, wie die Inschrift des Königs Eschmunazar belegt (5. Jh. v. Chr.).

5. Babylonische, persische und frühgriechische Zeit

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)

Abb. 3 Die Altstadt des heutigen Akko ist von den Befestigungsanlagen der Kreuzritter geprägt.

Leider sind – bis auf eine Inschrift – die bei den Ausgrabungen in Akko gefundenen Ostraka noch unveröffentlicht. Die bereits publizierte Inschrift erwähnt einen Tempel in Akko. Vielleicht im Jahr 526 v. Chr, sicher aber im Jahr 374/3 v. Chr. diente Akko als Sammelplatz persischer Truppen im Kampf gegen Ägypten (Strabo XVI,758; Diodorus Siculus XV,41,3; Trogus Pompeius, Prologi 10). Der gut geschützte Hafen, der südlich des heutigen Hafens lag, war hierfür anscheinend ideal. Nach Pseudo-Skylax gehörte Akko im 4. Jh. wieder zu Tyrus. In dieser Zeit siedelte sich hier eine Kolonie athenischer Kaufleute an (Isaios, Orationes IV, LII 7). Ab 350 v. Chr. wurden in Akko tyrische → Münzen geprägt. Die Stadt öffnete Alexander dem Großen freiwillig ihre Tore und kam so unter griechische Kontrolle. Ptolemäus I. (323-283 v. Chr.) eroberte die Stadt kurz darauf und fügte ihr schweren Schaden zu. Hiervon hat sich das antike Akko nie mehr erholt. Die Siedlung auf dem Tell wurde nach und nach aufgegeben und Ptolemäus II. (283-246 v. Chr.) gründete eine neue Siedlung am Fuße des Tells, verbunden mit einem neuen Hafen, der noch heute existiert. Der alte Hafen scheint zunehmend versandet zu sein und existiert heute nicht mehr.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • The New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land, Jerusalem 1993 / Suppl. 2008

2. Weitere Literatur

  • Killebrew, A.E. / Raz-Romeo, V., One Thousand Nights and Days. Akko through the Ages, Haifa 2010
  • Makhouly, N. / Johns, C.N., Cuide to Acre, Jerusalem 1946
  • Zwickel, W., Unbekannte Stadt in der Heimat der Bibel. Die Ausgrabungen von Akko werden endlich ausgewertet, WUB 63 (2012), 2-7

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Akko. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Übergroß dargestellt erobert Pharao Ramses II. zwei übereinander gezeigte Städte, die obere ergibt sich, die untere – Akko (der Name ist rot markiert) – wird zerstört (Tempel von Karnak; 13. Jh.). Aus: W. Wreszinski, Atlas zur altaegyptischen Kulturgeschichte, Bd. II,1 Leipzig 1935, Tf. 55a; © public domain
  • Abb. 3 Die Altstadt des heutigen Akko ist von den Befestigungsanlagen der Kreuzritter geprägt. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2010)
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