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Lexikon

Ahinoam

Andere Schreibweise: Achinoom

Joachim Vette

(erstellt: März 2010)

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1. Name

Der Name Ahinoam (hebräisch: אחינעם ’ǎchîno‘am; griechisch: Αχινοομ oder Αχινααμ; lateinisch: Achinoom) ist außerbiblisch kaum bezeugt (vgl. nur Diringer, 41). Nach Noth ist er ein profaner Satzname und bedeutet möglicherweise „Mein Bruder ist Freundlichkeit / Lieblichkeit“ (Noth, 166.233). Innerbiblisch tragen zwei Personen diesen Namen: die Frau Sauls (Ahinoam, Tochter des Ahimaaz: 1Sam 14,50) und die zweite Frau Davids (Ahinoam von Jesreel: 1Sam 25,43; 1Sam 27,3; 1Sam 30,5; 2Sam 2,2; 2Sam 3,2; 1Chr 3,1).

2. Ahinoam, die Frau Sauls

Die Frau → Sauls wird zusammen mit anderen Familienmitgliedern und engen Vertrauten im Rahmen der Schlussnotizen in 1Sam 14,47-52 kurz erwähnt. Ansonsten ist über sie nichts bekannt (aber s.u.).

3. Ahinoam, die Frau Davids

Ahinoam von → Jesreel erscheint immer zusammen mit → Abigajil, der ehemaligen Frau des Karmeliters → Nabal. Obwohl sie erzählchronologisch nach Abigajil eingeführt wird, wird sie immer zuerst erwähnt; sie ist auch die Mutter von Davids erstem Sohn → Amnon. Daher ist es wahrscheinlich, sie als zweite und nicht dritte Frau Davids einzuordnen (Davids erste Frau, → Michal, „hatte kein Kind bis an den Tag ihres Todes“; 2Sam 6,23).

Obwohl die meisten Exegeten davon ausgehen, dass es sich bei Sauls Frau und Davids zweiter Frau um völlig verschiedene Personen handelt, ist die Namensgleichheit auffallend. Da sich die jeweiligen Attribute als genealogische (Tochter des Ahimaaz) und geographische Angaben (von Jesreel; wahrscheinlich ein kleiner Ort im Süden Judas, s. Jos 15,56) nicht zwangsläufig ausschließen, ist es denkbar, dass die zwei Personen identisch sind (vgl. Levenson). In diesem Fall wäre Ahinoams Wechsel von Sauls auf Davids Seite ein Schritt auf dem Weg der Herrschaftssicherung Davids. Es bleibt aber höchst fraglich, wie David dies während der Zeit seiner Flucht vor Saul hätte bewerkstelligen sollen. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass die Namensähnlichkeit auf der Ebene des Endtextes auch auf den zunehmenden Autoritätstransfer von Saul auf David verweist. Vielleicht liegt hier auch die Erklärung, warum die Ersterwähnung der Ahinoam von Jesreel mit der Notiz einhergeht, dass Saul die Michal, Davids erste Frau, Palti gegeben hatte (1Sam 25,43-44). Im Angesicht der wachsenden Macht Davids schneidet ihn Saul von der familiären Bindung an das Königshaus ab.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Dietrich, W., 1997, Die frühe Königszeit in Israel. 10. Jahrhundert v. Chr., Stuttgart
  • Diringer, D., 1934, Le iscrizioni antico-ebraiche palestinesi, Firenze
  • Levenson, J.D., 1978, 1 Samuel 25 as Literature and as History, Catholic Biblical Quarterly 40, 11-28
  • McCarter, P.K., 1980, I Samuel. A New Translation with Introduction, Notes and Commentary, New York
  • Noth, M., 1928, Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namensgebung, Stuttgart
  • Stoebe, H., 1973, Das Erste Buch Samuelis, Gütersloh

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