Afek

Andere Schreibweise: Aphek

(erstellt: März 2019)

1. Name

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage der biblischen Orte Afek / Afeka.

Formal hängt der Ortsname Afek (אֲפֵקǎfeq) vermutlich mit dem gleichlautenden Substantiv אָפִיקāfîq „Bachbett / Quellbach“ zusammen, wobei der Langvokal gekürzt wurde (Schwarzenbach 1954; Borée 1968; Richter 1996). Ausweislich dieses Namens wird Afek also an einem Bach zu finden sein. Alternativ hierzu wird der Ortsname Afek mit einer unsicheren Wurzel ’PQ-II „fest sein / übertreffen“ abgeleitet, die mit einer akkadischen Wurzel epēqu verbunden wird (Albright 1922). Dann würde „Afeq“ mit der Bedeutung „Festung“ auf die befestigte und sichere Lage der Stadt anspielen. Ob sich beide Ableitungen verbinden lassen, ist fraglich (Elitzur 2004). Auf alle Fälle können beide Bedeutungsebenen für die Identifikation herangezogen werden. Hieronymus deutet den Ort Afec hingegen als continuit sive continentia (Hieronymus, De nominibus hebraicis 23:30), wobei er offenbar die Wurzel ’PQ-II „sich zusammennehmen“ bemüht.

Meist wird der Ortsname in der Defektivschreibung אֲפֵקǎfeq verwendet (Jos 12,18; Jos 13,4; Jos 19,30; 1Sam 4,1; 1Sam 29,1; 1Kön 20,27.30; 2Kön 13,17). Nur in Ri 1,31 taucht der Ortsname in der unkontrahierten Langform אֲפִיקǎfîq auf. In Jos 13,4; 1Sam 29,1; 1Kön 20,26.30 wird zusätzlich ein he locale gefügt, während in Jos 15,53 der Ort als Afeka zu deuten ist, da hier syntaktisch keine Lokalendung möglich ist.

2. Biblische Überlieferung

Der Ort Afek ist im Alten Testament nur neunmal belegt. Bei Afek handelt es sich um eine kanaanäische Stadt, die zum nicht-eroberten Lehen des Stammes Ascher gehört (Jos 12,18; Jos 13,4; Jos 19,30; Ri 1,31). Eine Stadt namens Afek ist zudem mehrfach der Schauplatz von Schlachten der Israeliten gegen die → Philister und → Aramäer (1Sam 4,1; 1Sam 29,1; 1Kön 20,26.30; 2Kön 13,17).

Vermutlich beziehen sich die einzelnen Stellen zu Afek nicht auf ein und denselben Ort (anders North 1960). Dementsprechend wird immer wieder vermutet, dass es mehrere Orte desselben Namens gegeben haben könnte:

a) Afek in der Scharonebene: Der Nahkontext der Liste der kanaanäischen Könige in Jos 12,18 und die Auseinandersetzungen mit den Philistern in 1Sam 4,1 und 1Sam 29,1 haben vermutlich einen Ort Afek in der Scharonebene im Blick. Ein Text-Zusatz der LXXL in 2Kön 13,22 erwähnt ebenfalls einen Ort Afek, der vielleicht in der Scharonebene zu suchen ist (Ehrlich 1996).

b) Afek im Golan: Die Auseinandersetzungen mit den Aramäern in 1Kön 20,26.30 und 2Kön 13,17 könnten im Golan stattgefunden haben. Die Lokalisierung im Golan basiert vor allem auf den Angaben des → Eusebius in seinem Onomastikon, der ein Großdorf Apheka in der Nähe von Hippos östlich des Sees Genezareth kennt (Eusebius, Onomastikon 22:20f.; Eusebs Onomastikon). Außerdem liegt der Rückzugsort Afek im Golan näher am aramäischen Kerngebiet, während eine Lokalisierung in der Scharonebene zu weit vom aramäischen Einflussbereich entfernt ist. Allerdings müsste man voraussetzen, dass das israelitische Gebiet derart weit in den Norden ausgegriffen hat, damit eine solche Konstellation überhaupt vorstellbar ist. Hinzu kommt, dass das Nordreich sowohl Galiläa als auch die Jesreelebene nie dauerhaft halten konnte. Dementsprechend lag das Grenzgebiet zwischen Israel und Aram, in dem die Auseinandersetzungen stattfanden, kaum im Golan. Dann stellt sich aber zu Recht die Frage, ob man Afek überhaupt im Golan suchen darf. Außerdem spielt der Ausdruck מִישׁוֹר mîšôr „Ebene“ in 1Kön 20,23.25 mitnichten auf die Hochebene des Golan an, da der Golan ansonsten nie als מִישׁוֹר mîšôr „Ebene“ bezeichnet wird. Darüber hinaus fand die entscheidende Schlacht gegen die Aramäer nach 1Kön 20,28 in einem Tal und nicht auf der Hochebene statt. In der Nähe eines solchen Tals müsste sich Afek befinden, wohin sich die flüchtenden Aramäer zurückgezogen haben. Allerdings sucht man ein solches Tal auf der Hochebene des Golan vergeblich. Hierfür käme höchstens der schmale Streifen am Ufer des Sees Genezareth in Frage. Dieser ist aber kaum als wirkliches Tal zu bezeichnen. Schließlich sind die Sätze, die מִישׁוֹר mîšôr „Ebene“ und עֵמֶק ‘emæq „Tal“ erwähnen, vermutlich redaktionelle Zusätze, sodass man mit deren Hilfe Afek ohnehin nicht verorten darf. Vom biblischen Befund ist demnach ein Ort Afek im Golan nicht zwingend gefordert. Möglicherweise ist daher dieser Ort Afek nicht auf dem Golan, sondern eher im Quellgebiet des → Jarmuk und seiner Seitentäler zu suchen, zumal dort eine wichtige Grenze zwischen Israel und Aram verlief (Zwickel 2010). Allerdings ist überhaupt nicht sicher, ob man die Topographie der Erzählung in 1Kön 20 historisch verstehen darf, da hier die biblischen Autoren den Ort Afek möglicherweise aus den Saul-Erzählungen eingetragen haben, um die Kämpfe mit den Philistern und Aramäern miteinander zu parallelisieren (Hasegawa 2012). Außerdem erfüllen die beiden Glossen von LXXL in 2Kön 13,22.24, die ebenfalls den Ort Afek erwähnen, lediglich die Prophezeiung → Elisas (Hasegawa 2014), sodass man auch diese Angaben nur literarisch, aber nicht historisch verwerten darf.

c) Afek in Ascher: Schließlich gibt es noch ein ascheritisches Afek in Jos 19,30 und Ri 1,31, das zwischen Achsib, Helba / Mahaleb, Umma auf der einen Seite und → Rehob auf der anderen Seite lokalisiert wird. Allerdings könnte dieses Afek auch mit demjenigen in der Scharonebene identisch sein, wenn sich das Stammesgebiet von Ascher derart weit in den Süden erstreckt hat.

d) Afek im Libanon: Der Ort Afek in Jos 13,4 könnte sich bereits jenseits der nördlichsten Grenze des israelitischen Einflussgebietes befunden haben. Dementsprechend wäre es nicht ausgeschlossen, dass es einen weiteren Ort Afek im Libanon gegeben hat (anders Dothan 1975). Die topographischen Angaben von Jos 13,4 sind allerdings schwer zu deuten, zumal in Jos 13,3 die philistäische → Pentapolis und in Jos 13,5 ein libanesisches Gebiet beschrieben werden. Auch die Angabe וּמְעָרָה אֲשֶׁר לַצִּידֹנִים ûmə‘ārāh ’ǎšær laṣṢîdonîm „und Meara, das den Sidoniern gehört“ in Jos 13,4 verweist nicht notwendigerweise auf eine nördliche Lokalisierung dieses Ortes. Falls nämlich מְעָרָה mə‘ārāh nicht als Substantiv „Höhle“, sondern als wirklicher Ortsname zu deuten wäre, könnte es sich um eine südliche sidonische Dependenz handeln, zumal die in Jos 13,4 erwähnten Amoriter nach Ri 1,34-36 im Süden lokalisiert werden. Demnach ist ein Afek im Libanon nicht über jeden Zweifel erhaben.

e) Afeka in Juda: Schließlich gibt es gemäß Jos 15,53 einen weiteren Ort Afeka, der aufgrund des Nahkontextes im judäischen Gebirge, in der Nähe von → Hebron, zu suchen ist.

Insgesamt gibt es also auf alle Fälle drei unterscheidbare Orte mit dem Namen Afek bzw. Afeka: Afeka in Juda, Afek in der Scharonebene und Afek im Stammesgebiet von Ascher. Unter Umständen kann man noch an zwei weitere Orte mit dem Namen Afek im Libanon bzw. im Golan denken.

3. Außerbiblische Belege

Außerbiblisch ist der Ort Afek in der Thutmosis-Liste [Nr. 66] und in einer Liste von Amenophis II. belegt (Aḥituv 1984). Aufgrund des näheren Kontextes dieser Listen handelt es sich um den Ort in der Scharonebene. Nach der Thutmosis-Liste ist Afek eine Stadt zwischen dem südlichen Ort Ono und dem nördlichen Ort Soko. Außerdem war Afek während des zweiten Palästinafeldzugs von Amenophis II. um 1440 v. Chr. die erste Stadt, die sich friedlich dem Pharao unterworfen hat. Vielleicht ist diese unterwürfige Haltung auch der Grund dafür, dass Afek ansonsten nicht auf den anderen ägyptischen Listen erwähnt wird.

In einem fragmentarischen Feldzugsbericht Asarhaddons wird ein Ort mit Namen Apqu erwähnt, der an der Grenze zum Land Same(ri)na liegt. Wenn dieses Land mit Samaria gleichgesetzt wird, dann könnte dieses Afek ebenfalls in der Scharonebene zu suchen sein (Borger 1956). Allerdings soll dieser Ort 30 Doppelstunden (~ 330km) vom südlichen Rafaḥ entfernt sein, was somit eher in den Libanon weist. Allerdings stellt sich dann die Frage, um welches Land es sich bei Same(?)na handelt, das ansonsten nirgendwo bezeugt ist (Bagg 2007).

Ein aramäischer Brief des Herrschers von → Ekron an den Pharao (Saqqāra-Papyrus) schildert, wie sich die plündernden → Babylonier auf ihrem Feldzug bei Afek niedergelassen haben (KAI 266:4). Ob allerdings der Ort Afek in der Scharonebene im Blick ist, ist fraglich, da die beiden Orte Afek und Ekron zu nahe beieinanderliegen, sodass ein Hilferuf nach Ägypten kaum sinnvoll erscheint.

In hellenistischer Zeit wurde die Stadt Afek in der Scharonebene aufgrund von Lautnachahmung und Übertragung Pegae genannt, wobei der griechische Name πηγαὶ pēgai „Quellen“ eine Übersetzung des biblischen Toponyms sein könnte (Zenonpapyri PSI 4,406.12; Josephus, Antiquitates 13:261, Text gr. und lat. Autoren).

Unter Herodes wurde der Ort Afek vergrößert und zu Ehren seines Vaters in Antipatris umbenannt. Dieser Ort wird des Öfteren von → Flavius Josephus genannt (Antiquitates 13:390; 16:143; Bellum Judaicum 1:99.417; 2:513.515.554; 4:443). Von Josephus wird darüber hinaus eine Festung Ἀφεκός Aphekos in der Küstenebene zwischen Caesarea und Joppe erwähnt (Bellum Judaicum 2:513), die vielleicht auf Meğdel Jābā (Koordinaten: 1460.1653; N 32° 04' 51'', E 34° 57' 25'') gefunden werden kann (Di Segni / Tsafrir 2017). In rabbinischer Literatur findet sich mit ’nṭjpṭrjs und davon abhängigen Varianten ausschließlich der Name Antipatris für das biblische Afek der Scharonebene (Reeg 1989).

Ein weiter nördlich gelegener Ort namens Afek wird bereits in den → Ächtungstexten [E 9] genannt (Aḥituv 1984), wo ein Prinz mit dem amoritischen Namen Janakilu regiert haben soll. Allerdings ist die topographische Verortung schwierig, zumal im Nahkontext Pella [E 8] bzw. Achsab in der Akkoebene [E 11] genannt werden. Dementsprechend ist dieser Ort vermutlich in der Akkoebene zu lokalisieren. Folglich könnte es sich um den Ort Afek im Stammesgebiet von Ascher handeln.

Ebenso schwer zu lokalisieren ist der Ort Afek in einer Inschrift → Ramses’ II. aus dem Amuntempel in Karnak, die die asiatischen Feldzüge des Pharao rühmt. Diese Liste wurde später im Begräbnistempel von Medinet Habu von Ramses III. kopiert (Aḥituv 1984). Auch hier könnte der Ort Afek in Ascher aufgrund des Nahkontextes im Blick sein, auch wenn stattdessen bisweilen der Ort Afek im Libanon vorgeschlagen wurde.

Gelegentlich wird sogar vorgeschlagen, dass ein nördliches Afek in der Inschrift von Tell el-Qāḍī ebenfalls erwähnt sei (KAI 310:5) (Noll 1998). Allerdings ist der umgebende Kontext fragmentarisch, sodass sich weiterführende Folgerungen verbieten.

Eusebius nennt wiederholt den Ort Afek, wobei er aber meist nur die biblischen Daten referiert (Onomastikon 22:1f.; 26:15; 30:16f.; Eusebs Onomastikon). Lediglich der Ort, in dessen Nähe Saul nach 1Sam 29,1 mit den Philistern kämpft, lokalisiert Eusebius in der Nähe von → En-Dor in der Jesreelebene (Onomastikon 34:11f.). Schließlich erwähnt Eusebius ein Großdorf Afeka in der Nähe von Hippos, das östlich des Sees Genezareth liege (Onomastikon 22:20f.). Hieronymus ändert zudem den Begriff κώμη kōmē zu castellum (Onomastikon 23:22f.), wobei im späten Latein der Ausdruck castellum ein Großdorf bzw. eine Kleinstadt bezeichnen kann, die auf einem Berg liegt.

Außerbiblisch sind somit drei unterscheidbare Orte mit dem Namen Afek / Afeka in den unterschiedlichsten Regionen belegt: in der Scharonebene, im Gebiet des Stammes Ascher und im Ostjordanland.

4. Lokalisierung

4.1. Afek in der Scharonebene

Der Ort Afek / Antipatris in der Scharonebene kann mit großer Sicherheit mit Rās el-‘Ēn (Koordinaten: 1435.1680; N 32° 06' 18'', E 34° 55' 46'') identifiziert werden. Der Ort Rās el-‘Ēn war strategisch bedeutsam, da er den engen Passdurchgang zwischen den Quellen des Jarkon im Westen und den samarischen Bergen im Osten bewachen konnte (Kochavi 1980). Forschungsgeschichtlich wurde zwar zunächst nur Antipatris mit Rās el-‘Ēn gleichgesetzt, als man aber erkannt hat, dass Antipatris ein späterer Name des Ortes Afek ist, hat man auch das biblische Afek mit Rās el-‘Ēn verbunden.

Der Ort Rās el-‘Ēn wurde durch mehrere Kampagnen ergraben: 1936 und 1938 durch J. Ory, 1960 durch A. Eitan und schließlich in den Jahren 1972-1985 durch M. Kochavi / P. Beck.

Die frühesten Siedlungsspuren auf Rās el-‘Ēn weisen ins Chalkolithikum. Bereits in der Frühbronzezeit I erstreckte sich die Siedlung über den gesamten Hügel. Die frühbronzezeitliche Stadtmauer bestand aus Ziegelwerk, das auf einem dreilagigen Steinfundament aufsaß. In ähnlicher Technik waren auch die Wohnhäuser gebaut, die aufgrund ihrer Uniformität und der rechteckigen Straßenführung ein hohes Maß an Stadtplanung erkennen lassen. Aus der Frühbronzezeit II stammen Breitraumhäuser, die einander gegenüberstanden und durch eine Straße getrennt wurden. In der Frühbronzezeit III verfiel die Stadt jedoch zusehends und wurde schließlich aufgegeben.

Nach einer längeren Besiedlungslücke entwickelte sich Rās el-‘Ēn in der Mittelbronzezeit IIA allmählich wieder zu einer blühenden Stadt. Auf höherem Niveau als die frühbronzezeitliche Mauer entstand nun eine weitere 4 m breite Mauer mit zugeordneten Wachtürmen. Aus dieser Zeit stammen zwei → Paläste mit Höfen, die nacheinander an unterschiedlichen Plätzen (Palast I in Areal X, Palast II in Areal A) gebaut wurden. Beim Übergang zur Mittelbronzezeit IIB ersetzte man den Bereich des Palastes II durch Wohnhäuser. Schließlich wurde Palast III mit ähnlicher Orientierung an die Stelle von Palast I gesetzt, wobei die starken Fundamentmauern ein Absinken verhindern sollten. Dies war vermutlich auch der Grund für die frühere Verlegung des Palastes in der Mittelbronzezeit IIA. Palast III hatte eine große, zentrale Halle, deren Überdachung durch zwei starke Pfeiler gestützt wurde. In einer späteren Bauphase teilte man die große Halle in mehrere kleinere Räume auf. Dabei schuf man einen Kultraum mit monolithischem Rundaltar und Zisterne. Abgesehen vom Palast hat man nur wenig Wohnbebauung aus dieser Siedlungsphase entdeckt. Palast III wurde schließlich in der Mitte des 16. Jh.s v. Chr. vermutlich durch die Pharaonen der 18. Dynastie zerstört.

Aus: Gadot 2010, 54, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 2 Palast V von Rās el-‘Ēn.

In der Spätbronzezeit bestand Rās el-‘Ēn nur aus der Akropolis und einer kleinen Siedlung in der näheren Umgebung. Im 15. Jh. v. Chr. baute man schließlich Palast IV in ähnlicher Orientierung wie den Vorgängerpalast. Mit anderer Ausrichtung errichtete man schließlich im 14. Jh. v. Chr. Palast V mit einem nördlich vorgelagerten Hof und einer Kolonnadenstraße (Abb. 2). Dieser Palast wurde allerdings durch die Errichtung einer ägyptischen Residenz im 13. Jh. v. Chr. zerstört (Abb. 3).

Palast VI wies 1,4 m breite und 2 m hohe Steinmauern auf, auf denen Ziegelwerk und ein zweites Stockwerk mit dem eigentlichen Wohnbereich aufruhte. Dieser Palast VI ist vermutlich als ägyptisches Landgut zur landwirtschaftlichen Nutzung des Jarkon-Tals zu deuten (Gadot 2010). Aus dieser Zeit stammen ansonsten nur Weinpressen und Grabanlagen. Palast VI wurde schließlich gewaltsam zerstört. Aufgrund der schriftlichen Funde in dieser ägyptischen Residenz und mittels Synchronismus der darin erwähnten Personen ist die Zerstörung von Rās el-‘Ēn ins Ende des 13. Jh.s v. Chr. zu datieren, als auch Jaffa, das ägyptische Herrschaftszentrum der Region, unterging.

Aus: Gadot 2010, 55, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 3 „Ägyptische Residenz“ (Palast VI) von Rās el-‘Ēn.

Nach einem kurzen Siedlungshiat wurde Rās el-‘Ēn von Neuankömmlingen besiedelt. Möglicherweise handelte es sich bei dieser Bevölkerung um Seevölker. Für eine philistäische Präsenz sprechen mehrere Figurinenköpfe der philistäischen Gottheit Ašdoda und philistäische Keramik (→ Philister). Neuerdings wird vermutet, dass Rās el-‘Ēn zu dieser Zeit ein philistäisches Landgut war, das zum Handel mit den Berglandbewohnern diente (Gadot 2006).

Im 10. Jh. v. Chr. baute man schließlich Vierraumhäuser und Silos. Diese neue Siedlungsweise könnte ein neues Bevölkerungselement in Rās el-‘Ēn andeuten. Während der Eisenzeit IIA wuchs die Siedlung bis auf den westlichen Hang. Der archäologische Befund zeigt eine Nähe zur nördlichen Keramiktradition. Vielleicht hat Israel zur Zeit der Omriden (→ Omri; → Ahab) bereits diesen Ort dominiert oder zumindest kulturell beeinflusst. Zerstört wurde die Ansiedlung gegen Ende des 9. Jh.s v. Chr., vielleicht durch → Hasael, worauf auch die textkritisch schwierige Passage der LXXL in 2Kön 13,22 hinweisen könnte (Kleiman 2015). Aus der Eisenzeit IIB sind nur wenige Überreste erhalten geblieben. Man darf aber annehmen, dass sich die Besiedlung auf den nördlichen Teil des Hügels beschränkte. Aus persischer Zeit stammen schließlich nur noch vereinzelte Farmhäuser.

In hellenistischer Zeit wurde eine hippodamische Stadtanlage mit einer gliedernden Nord-Süd-Straße und einer Festung gebaut. In herodianischer Zeit gruppierten sich entlang des Cardo mehrere Geschäfte, die einen Vorraum und einen hinteren Lagerraum aufwiesen. Außerdem baute man eine neue Festung. Zu dieser Zeit erstreckte sich die Stadt über zwei Drittel des Hügels.

Während des ersten jüdischen Aufstandes wurde Rās el-‘Ēn von Vespasian im Jahr 68 n. Chr. zerstört. Von diesem Schlag erholte sich die Stadt nur langsam. Aus dem 1./2. Jh. n. Chr. stammt ein Mausoleum, das Ende des 3. Jh.s bzw. Anfang des 4. Jh.s n. Chr. zerstört wurde. In spätrömischer Zeit vergrößerte sich die Stadt bis auf den südlichen Hügelteil, wo ein Odeon gebaut wurde. Um das Forum herum entstanden mehrere Villen mit Mosaikböden und öffentliche Gebäude. Das Erdbeben des Jahres 363 n. Chr. machte schließlich die Stadt dem Erdboden gleich. Danach befand sich in byzantinischer Zeit auf Rās el-‘Ēn nur noch ein kleines militärisches Lager.

4.2. Afek in Ascher

Den biblischen Ort Afek im Stammesgebiet von Ascher, der in Jos 19,30 und Ri 1,31 genannt wird, identifiziert man in der Regel mit zwei unterschiedlichen Orten:

a) Tell Kerdāne (Koordinaten: 1606.2500; N 32° 50' 49'', E 35° 06' 40'')

Aufgrund seiner Lage an der Küstenstraße hatte Tell Kerdāne strategische Bedeutung. Die zum Nahr en-Na‘āmīn (160.255) gehörige Quelle ‘Ajun el-Bass entspringt östlich des Ruinenhügels und konnte folglich die Wasserversorgung des Ortes sicherstellen. Bei Rettungsgrabungen wurden Keramik und Architektur der Frühbronzezeit entdeckt (Siegelmann 1986). Darüber hinaus fand man Grabanlagen der Mittelbronzezeit IIA, die auch noch in der Spätbronzezeit II verwendet wurden (Shalem 2008). Der Oberflächenbefund auf Tell Kerdāne weist in die Frühbronzezeit, Mittelbronzezeit II, Spätbronzezeit, Eisenzeit I/II und in die persische bis byzantinische Periode (Lehmann 2002a). Der Ruinenhügel wird vor allem geprägt von den mittelbronzezeitlichen Wallanlagen, die eine Siedlungsfläche von 10 ha umschließen. In der Spätbronzezeit ging die Besiedlung merklich zurück. In der Eisenzeit I geht man sogar nur noch von einer 1 ha großen Siedlungsfläche aus, wobei sich die Größe in der Eisenzeit II auf 5 ha steigerte. In persisch-hellenistischer Zeit erreichte Tell Kerdāne wieder die Größe der Mittelbronzezeit. Nach der spärlichen Besiedlung in römischer Zeit vergrößerte der Ort sich schließlich auf 6 ha in byzantinischer Zeit. Aus der Kreuzfahrerzeit stammen eine Mühle, ein Damm und ein Verteidigungsturm (Lehmann / Peilstöcker 2012). In mamlukischer Zeit baute man Tell Kerdāne zu einer Karawanserei um. Der moderne Name Tell Kerdāne geht auf die Kreuzfahrersiedlung Recordana bzw. Recordane zurück, die von einem Kreuzfahrer namens Richard gegründet und vom Malteserorden bzw. von den Templern gehalten wurde. Somit hat sich im arabischen Namen kein ursprünglicher Ortsname erhalten, der einen Hinweis auf die Identifizierung liefern könnte (Rothschild 1949).

b) el-Kābrī (Koordinaten: 1644.2690; N 33° 00' 30'', E 35° 08' 21'')

 Aus: Wikimedia Commons; © Eric H. Cline - Tel Kabri Expedition 2013, Wikimedia Commons, lizensiert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 3.0 unported; Zugriff 5.4.2019

Abb. 4 Der Palast von el-Kābrī (Foto von 2013).

Der Ruinenhügel von el-Kābrī liegt etwa 4 km östlich von Naharijje. In seiner Umgebung befinden sich vier große Quellen, die die Wasserversorgung sicherstellen können. Der Ort el-Kābrī wurde von 1986 bis 1993 von A. Kempinski / W.-D. Niemeier ausgegraben. Ab dem Jahr 2005 finden neue Grabungskampagnen unter E.H. Cline / A. Yasur-Landau statt. Die frühesten Besiedlungsspuren weisen in das Neolithikum. Besiedlungsreste des Chalkolithikums haben sich zudem noch unterhalb der mittelbronzezeitlichen Stadtmauer erhalten. Aus der Frühbronzezeit stammen ovale Gebäude mit zentralen Pfeilern und rechteckige Häuser. Der Siedlungsschwerpunkt lag zu dieser Zeit auf dem nördlichen Teil des Tell. Vermutlich war el-Kābrī in der Mittelbronzezeit I eine unbefestigte Siedlung. Zumindest weisen Grabanlagen auf eine Besiedlung hin. Erst gegen Ende der Mittelbronzezeit I wurde im 19. Jh. v. Chr. die Wohnbebauung eingeebnet, um einen ersten festungsartigen Palast zu errichten, dessen Kennzeichen ein langer Korridor war. Dieser Palast ist in der Folgezeit immer wieder erweitert worden (Yasur-Landau u.a. 2014).

Aus: Yasur-Landau u.a. 2014, 359, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 5 Mittelbronzezeitlicher Palast auf el-Kābrī.

Ab dem Übergang zur Mittelbronzezeit IIA wurde el-Kābrī intensiv besiedelt und mit Wall sowie Stadtmauer befestigt. Die komplizierte Verteidigungsanlage bestand aus einem Kern, Aufschüttungen auf beiden Seiten, einer äußeren Rückhaltemauer und einer massiven Stadtmauer. Das Stadttor ist vermutlich im Nordwesten zu suchen. Außerdem wurde zu dieser Zeit der bereits bestehende Palast ausgebaut und um eine ungefähr 10 x 10 m großen Zeremonialhalle erweitert, deren Wände unten mit Orthostaten geschmückt waren (Abb. 5). Bemerkenswert an dieser Zeremonialhalle sind darüber hinaus die Wandfresken und der verputzte Fußboden, der ebenfalls mit Fresken kretischen Stiles versehen war. Wahrscheinlich hat der lokale Dynast einen kretischen Künstler mit der Ausschmückung seines Palastes betraut. In einer späteren Bauphase wurde im Süden eine Monumentalhalle ergänzt und der Raum östlich der Zeremonienhalle aufgeteilt. Außerdem wurden die Fresken zur Ausbesserung der Böden verwendet. Fraglich ist, weshalb man auf die Ausschmückung mit ägäischen Fresken verzichtete, obwohl es offenbar nicht zu einem wirtschaftlichen Niedergang kam. Aus dieser Bauphase stammt zudem das 6 x 14 m große Orthostatengebäude westlich der Zeremonienhalle, das als Tempel, Lagerhalle oder Festsaal genutzt werden konnte (Yasur-Landau 2012). Westlich des Orthostatengebäudes befand sich schließlich noch ein Komplex von Lagerhallen. Um 1600 v. Chr. wurde diese blühende Siedlung zerstört.

Aus: Lehmann 2002, 79, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 6 Eisenzeitliche Festung auf el-Kābrī.

In der Spätbronzezeit verkleinerte sich der Ort zu einem Dorf, das sich nur auf die Hügelspitze erstreckte (Lehmann 2002c). In der Eisenzeit II befand sich ab dem 8. Jh. v. Chr. auf el-Kābrī eine Festung mit Kasemattenmauern, die den strategisch wichtigen Punkt kontrollierte und als wirtschaftlicher Umschlagsplatz für Güter diente. Im 7. Jh. v. Chr. wurde diese Festung zerstört und im Anschluss nach einem anderen Plan mit dreifachen Kasematten aufgebaut (Abb. 6). Vermutlich wurde el-Kābrī von den Babyloniern zerstört.

In persischer Zeit kam es schließlich zu einer Wiederbesiedlung auf el-Kābrī. Offenbar widerstand dieser Ort dem Hellenisierungsprozess noch längere Zeit trotz der Nähe zu den hellenistischen Zentren Ptolemais und Tyrus, worauf ein in phönizischer Sprache und Schrift verfasster Siegelabdruck aus der Mitte des 2. Jh.s v. Chr. hinweisen könnte. In römischer Zeit verlagerte sich die Siedlung zum modernen Ort Kābrī.

Die beiden Orte Tell Kerdāne und el-Kābrī sind aufgrund des archäologischen Befundes für eine Identifizierung mit dem biblischen Afek im Stammesgebiet von Ascher bestens geeignet, sodass nur der literarische Befund eine Entscheidung ermöglicht. In Jos 19,28.30 taucht zweimal der Ort → Rehob auf, wobei das erstgenannte Rehob aufgrund des Nahkontextes im Norden, in der Gegend von Hammon und Kana, zu finden ist. Dann folgt in Jos 19,30 ein weiteres Rehob, das wahrscheinlich südlicher zu lokalisieren ist. Dieses südliche Rehob wird gerne in Tell Bīr el-Ġarbī (Koordinaten: 1662.2563; N 32° 54' 05'', E 35° 10' 10'') vermutet. Da nun sowohl in Jos 19,30 als auch in Ri 1,31 dieselbe Abfolge Afek-Rehob erscheint, die wohl von Nord nach Süd gedeutet werden kann, wird das ascheritische Afek nördlich von Rehob zu suchen sein. Dann könnte man Afek mit Vorbehalt auf el-Kābrī suchen (Frankel 1998).

4.3. Afek im Libanon

Falls es jemals ein Afek im Libanon gegeben hat, dann könnte dieser Ort aufgrund der Namenskontinuität in Afqā (Koordinaten: LG 1650.2370; N 34° 04' 04'', E 35° 53' 29'') an den Quellen des Nahr Ibrāhīm im Nordosten von Beirut gesucht werden. Der Oberflächenbefund von Afqā weist vielleicht schon in die Eisenzeit, sicher aber erst in die römisch-byzantinische Epoche (Lehmann 2002b). In Afqā befand sich ein Kultzentrum des Astarte-Adonis-Kultes mit einem Schrein (Rouvier 1900). Die dort entspringende heilige Quelle speist den Nahr Ibrāhīm, der früher Adonisfluss hieß. Für rituelle Zwecke hatte der Tempel ein Schwimmbad und Kanalisationen. Die Terrasse, auf der der Ort gebaut wurde, und das Heiligtum von Afqā wurden im Jahre 1911 durch den Nahr Ibrāhīm unterspült, was zum Einsturz der Anlage führte. Das Podium des Tempels wurde bei neueren archäologischen Arbeiten freigelegt.

Aufgrund des byzantinischen Lexikographen Suidas, der den Ort Aphaka mit Naḥle bei Heliopolis / Baalbek identifizierte, könnte man Afek aber auch mit Naḥle (Koordinaten: LG 1994.2332; N 34° 02' 29'', E 36° 15' 40''), 6 km nordöstlich von Baalbek, gleichsetzen (Honigmann 1924). Die Lage des Ortes Naḥle in der Nähe eines Baches und einer Quelle rechtfertigt zudem den Namen Afek. Auf einem Hügel im Osten des modernen Dorfes befinden sich mehrere alte Grabanlagen. Im Zentrum von Naḥle erheben sich die Überreste eines großen römischen Tempels. An dieser Stelle dürfen die vorrömischen Besiedlungsspuren vermutet werden, auch wenn der Keramikbefund an der Oberfläche erst ab der römischen Zeit beginnt (Lehmann 2002b). Wahrscheinlich sind die alten Siedlungsschichten durch den Siedlungsschutt späterer Epochen vollständig überlagert.

Dementsprechend gibt es für den Ort Afek im Libanon zwei ernstzunehmende Vorschläge, über deren archäologischen Befund nur wenig bekannt ist. Beide Orte zeichnen sich durch Wasserreichtum aus und würden demnach den Namen Afek durchaus rechtfertigen. Eine definitive Entscheidung ist höchstens dann möglich, wenn man das Argument der Namenskontinuität bemüht. Dann wäre der libanesische Ort Afek auf Afqā zu finden.

4.4. Afek im Golan

Der Ort Afek im Golan wird aufgrund der Namensähnlichkeit in dem östlich des Sees Genezareth gelegenen Ort el-Fīq (Koordinaten: 2160.2424; N 32° 46' 31'', E 35° 42' 08'') gesucht, der wohl mit dem im Onomastikon des Eusebius genannten Dorf Apheka bei Hippos identisch sein könnte (Eusebius, Onomastikon 22:20f.). Der arabische Name el-Fīq lässt sich zudem durch Ausfall des anlautenden Alef leicht erklären. Der archäologische Befund auf el-Fīq spricht allerdings gegen eine Gleichsetzung mit dem biblischen Afek. Der Oberflächenbefund von el-Fīq weist zwar unter Umständen bereits in die Mittelbronzezeit II, dann aber erst wieder in römische bis arabische Zeit (Gaß 2005), sodass dort durchaus das Dorf Apheka des Eusebius vermutet werden kann. Bei Ausgrabungen fand man darüber hinaus keine Hinweise auf eine Besiedlung, die in die vorhellenistische Zeit datiert werden könnte (Zwickel 2017). Auf el-Fīq entdeckte man lediglich Überreste einer Synagoge mit einer aramäischen Inschrift. Die etwa 10 ha große Siedlung von el-Fīq stammt also frühestens aus der Mitte des 2. Jh.s n. Chr. Insofern muss der biblische Ort vielleicht auf einem anderen Ruinenhügel gesucht werden, der in der Nähe von el-Fīq liegt. Folgende Orte wurden hierfür vorgeschlagen:

a) Tel Soreg (Koordinaten: 2145.2424; N 32° 46' 32'', E 35° 41' 07'')

Aus: Kochavi 1989, 8, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 7 Plan von Tel Soreg.

Tel Soreg liegt im Tal nordwestlich von el-Fīq. Dieser kleine, etwa 0,5 ha große Ruinenhügel wurde in den Jahren 1987-1989 von M. Kochavi ausgegraben (Abb. 7). Die früheste Besiedlung auf Tel Soreg weist in die Übergangszeit zwischen Früh- und Mittelbronzezeit (2200-2000 v. Chr.). Zu dieser Zeit haben die Siedler Gruben für Hütten und Höhlen zum Wohnen gegraben (Kochavi u.a. 1992). Darüber hinaus weist der Keramikbefund von Tel Soreg in die Mittelbronzezeit IIB und in die Spätbronzezeit II, auch wenn dieser Keramik keine Architektur zugewiesen werden kann. Insofern ist fraglich, ob es in dieser Zeit überhaupt eine dauerhafte Besiedlung gab. Vielleicht wurde zu dieser Zeit lediglich eine Grabhöhle, die in den nördlichen Hang des Hügels geschlagen wurde, verwendet. Dementsprechend könnte die auf Tel Soreg entdeckte Keramik aus dieser Höhle stammen (Zwickel 2017). In der Eisenzeit I wurden einige Gruben gegraben. Im nordwestlichen Bereich errichtete man in der Eisenzeit II im 9./8. Jh. v. Chr. eine Kasemattenfestung mit 1 m starken Mauern. Vermutlich hat dieses kleine, ungefähr 20 x 20 m große Fort als Befestigungsanlage gedient. Neben dem Fort, das aus strategischen Gründen gebaut wurde, um die nahe gelegene Straße zu bewachen, befand sich auf Tel Soreg nur eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Siedlung, wovon einige Privathäuser am südlichen Hügelrand mit landwirtschaftlichen Installationen zeugen (Zwickel 2010). Die Festung wurde vermutlich im 8. Jh. v. Chr. von → Tiglat-Pileser III. zerstört. Nach einem Siedlungshiat begann man ab der persischen Zeit, den Ort wieder zu nutzen. Danach siedelte man bis in hellenistische Zeit auf Tel Soreg. Erst als die benachbarten Städte Hippos und Afeka in späthellenistischer Zeit aufblühten, gab man Tel Soreg allmählich auf. Aufgrund seiner geringen Größe kann es sich bei Tel Soreg jedoch kaum um das golanitische Afek handeln, zumal dieser Ort im 9. Jh. v. Chr. lediglich ein kleiner befestigter Straßenposten, aber keine große Siedlung war, wie dies der literarische Befund erwarten lässt.

b) Chirbet el-‘Āšeq (Koordinaten: 2102.2435; N 32° 47' 02'', E 35° 38' 15'')

Aus: Sugimoto 2015, 215, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

Abb. 8 Kasematten und Pfeilerhäuser auf Chirbet el-‘Āšeq.

Der Ruinenhügel Chirbet el-‘Āšeq, auch Tel ‘En Gev genannt, wurde von drei Ausgrabungsteams ergraben: 1961 von B. Mazar, 1990-2004 von M. Kochavi / A. Tsukimoto und schließlich 2009-2011 von D.T. Sugimoto. Der 250 x 120 m große Ort Chirbet el-‘Āšeq lässt sich in eine Unterstadt mit Wohnbebauung und in eine erhöhte Oberstadt mit Zitadelle gliedern. Vermutlich erst in der Mitte des 11. Jh.s v. Chr. wurde Chirbet el-‘Āšeq gegründet. Aus dieser Zeit stammen ein großes Gebäude und die Umfassungsmauer, bei der es sich um eine 1,8 m starke Ziegelmauer auf Steinfundament handelt (Sugimoto 2015). Nach der Zerstörung dieser Siedlung befestigte man in der Mitte des 10. Jh.s v. Chr. Chirbet el-‘Āšeq mit einer Kasemattenmauer. In dieser Zeit baute man auch die 60 x 60 m große Zitadelle auf einer künstlichen Erhebung. Im Nordosten des Zitadellenbereichs entdeckte man ein System von drei Pfeilergebäuden, die wahrscheinlich zur Lagerhaltung dienten. Nach der Zerstörung dieses Stratums im 9. Jh. v. Chr. baute man Chirbet el-‘Āšeq nach ähnlichem Plan, aber kleiner als zuvor, wieder auf. Außerdem gestaltete man in einer zweiten Phase die früheren Lagergebäude zu einem doppelten Pfeilerhaus um (Abb. 8). Fraglich ist, ob Chirbet el-‘Āšeq in diesem Stratum unbefestigt blieb, oder ob die Kasematten verfüllt waren. Mit der Zerstörung infolge des Feldzuges Tiglat-Pilesers III. um 733/732 v. Chr. endet zunächst die Besiedlung von Chirbet el-‘Āšeq. Aus persischer Zeit stammen nur noch Gruben. In hellenistischer Zeit, in der der Ort unbefestigt blieb, baute man über der Pfeilerhalle ein Privathaus, das die Pfeiler sekundär verwendete. In hellenistischer Zeit wurden darüber hinaus über den eisenzeitlichen Mauern und am terrassierten Hang neue, anders orientierte Privathäuser mit Höfen errichtet, die mit Koch- und Backstellen versehen waren. Allerdings ging die Besiedlung auf Chirbet el-‘Āšeq angesichts der neugegründeten, 2 km östlich liegenden Stadt Hippos und der dazugehörigen Hafenstadt zurück.

Aufgrund des archäologischen Befundes, der topographischen Lage, der Größe der befestigten Siedlung und der Nähe zum Ort el-Fīq, der den alten Namen Afeka bewahrt hat, könnte man das eisenzeitliche Afek auf Chirbet el-‘Āšeq suchen. Ob dieser Ort tatsächlich Schauplatz der Auseinandersetzung mit den Aramäern war, bleibt aber umstritten und soll hier nicht geklärt werden.

4.5. Afeka in Juda

Für den judäischen Ort Afeka, der aufgrund des Namens in der Nähe von Wasserquellen liegen wird, werden drei Orte vorgeschlagen. Bisweilen wurde Chirbet Kan‘ān (Koordinaten: 1572.1022; N 31° 30' 43'', E 35° 04' 29'') mit Afeka gleichgesetzt (Abel 1938). Für diese Identifikation spricht zumindest, dass der Keramikbefund auf Chirbet Kan‘ān von der Eisenzeit bis in die byzantinische Zeit reicht. Allerdings liegt dieser Ort zu weit von Wasserquellen entfernt und ist lediglich ein befestigter Straßenposten. Demgegenüber wäre Chirbet el-Ḥadab (Koordinaten: 1551.0985; N 31° 28' 44'', E 35° 03' 09'') besser geeignet (Alt 1932), da dieser Ort oberhalb der großen Quelle von ‘Ēn Fawar liegt und der Oberflächenbefund neben der Frühbronzezeit auch in die Eisenzeit, sowie in die hellenistische und byzantinische Zeit weist. Allerdings wäre Chirbet el-Marāğim (Koordinaten: 1523.0996; N 31° 29' 18'', E 35° 01' 26'') ein noch besserer Kandidat für die Identifikation mit dem judäischen Ort Afeka (de Vos 2003), da dieser Ort an den wasserreichen Quellen der Sēl ed-Dilbe liegt und in der Eisenzeit bis hellenistischen Periode sowie der byzantinischen Zeit besiedelt war.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage der biblischen Orte Afek / Afeka. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Palast V von Rās el-‘Ēn. Aus: Gadot 2010, 54, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 3 „Ägyptische Residenz“ (Palast VI) von Rās el-‘Ēn. Aus: Gadot 2010, 55, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 4 Der Palast von el-Kābrī (Foto von 2013). Aus: Wikimedia Commons; © Eric H. Cline - Tel Kabri Expedition 2013, Wikimedia Commons, lizensiert unter Creative Commons-Lizenz, Attribution-Share Alike 3.0 unported; Zugriff 5.4.2019
  • Abb. 5 Mittelbronzezeitlicher Palast auf el-Kābrī. Aus: Yasur-Landau u.a. 2014, 359, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 6 Eisenzeitliche Festung auf el-Kābrī. Aus: Lehmann 2002, 79, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 7 Plan von Tel Soreg. Aus: Kochavi 1989, 8, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß
  • Abb. 8 Kasematten und Pfeilerhäuser auf Chirbet el-‘Āšeq. Aus: Sugimoto 2015, 215, mit Bearbeitung von Erasmus Gaß

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