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Lexikon

Ähre

Peter Riede

(erstellt: Juli 2018)

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Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 8.9.2018

Abb. 1 Abernten des Getreides (Wandmalerei im Grab des Sennedjem in Dēr el-Medīna, Ägypten; 19. Dynastie).

Getreide

1. Botanisch

Eine Ähre ist der oberste Teil des Getreidehalms (→ Halm); an ihr sitzen die Körner.

2. Altes Testament

2.1. Bezeichnungen

Das Alte Testament kennt verschiedene Bezeichnungen für die Ähre:אָבִיב ’āvîv ist eine Kollektivbezeichnung für Ähren, deren Körner noch weich sind. Ein anderer Ausdruck ist שִׁבֹלֶת šivolæt. מְלִילָה məlîlāh (Dtn 23,26) dagegen bezeichnet „nicht ‚botanisch‘ die Ähre als solche, sondern den Vorgang, daß man jeweils Ähre für Ähre die Körner herausreibt (wörtl: die Herauszureibenden). Im Hebräischen sind also zwei Vorgänge (Ähren ausreißen und zerreiben) in einem einzigen Ausdruck komprimiert“ (Rose 1994, 201). עָמִיר ‘āmîr steht für geschnittene Ähren (Am 2,13; Jer 9,21), צֶבֶת ṣævæt für das Ährenbündel nach dem Sichelschnitt (Rut 2,16).

2.2. Bedeutung

Immer wieder wird im Alten Testament von der Ährenlese (Rut 2,2) und den damit verbundenen Arbeitsvorgängen, wie dem Bündeln von Ähren (Rut 2,16) gesprochen. Nach dem Schneiden wurden die Ähren mit dem Lastkarren zur → Tenne gebracht, um dort gedroschen zu werden (Am 2,13; → Dreschen).

Der ägyptische Pharao träumt von Halmen mit sieben prallvollen Ähren, denen sieben kümmerliche und ausgedörrte korrespondieren – Zeichen für Nahrungsüberfluss bzw. Nahrungsmangel (Gen 41,5-7.22-24.26). Das Gedeihen der Ähren wie Gras steht für die umfassende Fruchtbarkeit des Landes (Ps 72,16 cj.). Im Rahmen der → Plagenerzählung schildert Ex 9,31, dass die → Gerste in Ähren stand, als der Hagel seine vernichtende Wirkung entfaltet. Nach Lev 2,14 sind im Feuer geröstete Ähren Bestandteil des Erstlings-Speisopfers. Dtn 23,26 gibt die Erlaubnis, Ähren mit der Hand in einem fremden Getreidefeld abzureißen, um den Hunger zu stillen. Verboten war jedoch die Verwendung einer → Sichel.

2.3. Metaphorik

Jes 17,5 setzt das Abernten des Getreides voraus, das aus verschiedenen Vorgängen besteht. Mit der linken Hand fasst der Schnitter die Halme, während seine Rechte mit der Sichel diese etwas unter dem Ansatz der Ähren abschneidet. „Ist die Hand voll, legt man das Ährenbündel (צֶבֶת ṣævæt* Rut 2,16) auf die Seite“ (Wildberger 1978, 647). Danach bleibt kaum etwas von den Ähren auf den Feldern übrig, das man auflesen könnte. Die Ernte in ihren einzelnen Vollzügen ist hier Bild für das Gericht an Israel, das keine Zukunft mehr haben wird. Geschnittene Ähren, die nicht aufgesammelt werden, werden zum Bild für das absolute Ende, das die Toten erwartet (Jer 9,21; vgl. Fischer 2005, 367). Das Ausklopfen der Ähren (statt des üblichen Dreschens) führt dazu, dass weniger Erntegut verlorengeht – Bild für das rettende Sammeln Jahwes (Jes 27,12): „kein einziges Körnchen darf verloren gehen“ (Wildberger 1978, 1023).

Sach 12,6 vergleicht die militärischen Führer Judas mit einer Feuerfackel in einem Ährenhaufen, die alles restlos vernichtet. Bild für Vergänglichkeit ist das Verdorren wie die Spitze der Ähren (Hi 24,24).

3. Neues Testament

3.1. Bezeichnung

Die griechische Bezeichnung der Ähre ist στάχυς stachys (Mk 4,28; Mk 2,23 par. Mt 12,1; Lk 6,1).

3.2. Bedeutung

Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat beschreibt deren Aufgehen, zu dem die Ausbildung der Ähren und der Körner in den Ähren gehört (Mk 4,28). In Mk 2,23 par. ist vom Ährenraufen der Jünger am Sabbat die Rede.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina VIII, Gütersloh 2001, Reg. s.v.
  • Fischer, G., Jeremia 1-25 (HThKAT), Freiburg 2005
  • Löw, I., Die Flora der Juden II, Nachdruck Darmstadt 1967, 479f
  • Rüthy, E., Die Pflanze und ihre Teile im biblisch-hebräischen Sprachgebrauch, Diss. Bern 1942, 74f
  • Wildberger, H., Jesaja: Kapitel 13-27 (BK X/2), Neukirchen-Vluyn 1978

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Abernten des Getreides (Wandmalerei im Grab des Sennedjem in Dēr el-Medīna, Ägypten; 19. Dynastie). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 8.9.2018

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