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Lexikon

Achsib

Andere Schreibweise: Achzib ; Achsib ; Aksib ; Akzib ; Akhzib ; Aczib ; Achazib

Erasmus Gaß

(erstellt: März 2012)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Lokalisierung des ascheritischen und judäischen Achsib.

Der im Alten Testament viermal erwähnte Ortsname Achsib bezieht sich auf zwei verschiedene Orte: Es gibt 1. Achsib, das im Stammesgebiet von Ascher liegt (Jos 19,29), von diesem aber nicht erobert werden konnte (Ri 1,31), und 2. Achsib in Juda bei → Keïla und → Marescha (Jos 15,44; Mi 1,14). Hinzu kommen noch Kesib (Gen 38,5) und Koseba (1Chr 4,22), die vermutlich mit dem judäischen Achsib identisch sind.

1. Name

Der Ortsname Achsib (אַכְזִיב ’Akhzîv; Septuaginta: Αχζιβ; Αχζιφ; Ασχαζι; Vulgata: Achzib; Acziba; Achazib) lässt sich von zwei Homonymen der Wurzel KZB mit vorangestelltem Aleph prostheticum ableiten. Zum einen könnte es sich bei Achsib um eine Nominalform der Wurzel KZB I „versiegen / lügen“ handeln, so dass der Ortsname mit „Lügenort“ bzw. „(Ort am) trügerischen Bachbett“ wiedergeben werden müsste (Richter 146). Bei einer solchen Ableitung weist der Ortsname darauf hin, dass der zugehörige Ort bestenfalls über eine intermittierende Quelle verfügt. Diese etymologische Ableitung vertritt schon → Hieronymus, denn nach ihm heißt Achazib „Lüge oder Torheit“ (Nomina Hebraica 24,13: mendacium sive stultitia). Zum anderen kann man Achsib von der Wurzel KZB II „füllig sein“ ableiten, die von akkadisch kazābu „füllig sein“ zu erschließen ist. Diese positive Konnotation passt besser zur Beschreibung eines Ortes. Demnach wird Achsib wohl eher „Ort der Fülle“ heißen (Gass / Zissu 67).

2. Achsib in Ascher

2.1. Belege

Nach Jos 19,29 gehört der Ort Achsib zur Grenze des Stammesgebietes von Ascher. Da an den Ortsnamen Achsib ein direktives he locale angefügt worden ist („nach Achsib“), handelt es sich bei dem vorausgehenden מֵחֶבֶל meḥæbæl vielleicht um eine separative Präpositionsverbindung: „von Hebel“. In diesem Fall verläuft die Grenze des Stammes Ascher „von Hebel nach Achsib“. Somit ist der Ort Achsib offenbar der südlichste Grenzpunkt des ascheritischen Stammesgebietes. Allerdings wird מֵחֶבֶל meḥæbæl gerne nach Metathesis der beiden Konsonanten ב und ל zu מֵחֶלֶב meḥælæv verändert und mit Ahlab, Chelba / Helba (חֶלְבָּה ḥælbāh, Ri 1,31) und dem außerbiblisch erwähnten Mahalib gleichgesetzt. Dann bleibt aber das he locale erklärungsbedürftig, es sei denn, dass מֵחֶלֶב meḥælæv ebenfalls separativ zu verstehen wäre, weil zuvor die Präposition min ausgefallen wäre. Nach Ri 1,31 konnte Ascher die kanaanäische Bevölkerung nicht aus Achsib vertreiben.

Außerbiblisch wird das ascheritische Achsib beim dritten Feldzug → Sanheribs im Jahr 701 v. Chr. als uru Ak-zi-bi genannt (Chicago-Taylor-Tonprisma II,44). Zusammen mit anderen nördlichen Städten unterwarf sich Achsib dem assyrischen Großkönig. Flavius Josephus berichtete von einer Stadt Ekdippa an der phönizischen Küste (Bellum Judaicum I,257; Text gr. und lat. Autoren), die mit dem ascheritischen Achsib zu identifizieren ist. Nach dem Onomastikon des → Eusebius, der Achsib ebenfalls mit Ekdippa gleichsetzt, befindet sich der Ort Achsib an der Straße nach → Tyrus, 9 Meilen von → Akko entfernt (Onomastikon 30,12-14; Onomastikon). Achsib wird darüber hinaus noch von Plinius als oppidum Ecdippa erwähnt (Naturalis historia V 17,75).

Ferner wird das ascheritische Achsib in rabbinischen Texten neben seiner biblischen Schreibweise noch als Gəzīv bzw. Kəzīv bezeichnet (Reeg 174-176). Der Weg zwischen Akko und Achsib wird des Öfteren in den Quellen beschrieben. Vermutlich liegt Achsib nördlich von Akko, worauf Tosefta Traktat Ahilot 18,14 hinweist. Nach Tosefta Traktat Terumot 2,13 (Text Tosefta) befand sich in Achzib offenbar eine jüdische Gemeinde mit einer Synagoge. Im Mittelalter hieß der befestigte Ort Achsib entweder Casal Umberti nach einem Ritter, der die Festung um 1104 n. Chr. befehligte, oder manchmal auch Castellum Ziph (Lipiński 303).

2.2. Lokalisierung und archäologischer Befund

© Erasmus Gaß (nach Prausnitz 204)

Abb. 2 Ausgrabungsareale in ez-Zīb.

Aufgrund der Namensähnlichkeit wird das ascheritische Achsib mit ez-Zīb (Koordinaten: 1598.2725; N 33° 02' 58.1'', E 35° 06' 06.7'') identifiziert. Wahrscheinlich ist das Aleph prostheticum von Achsib keineswegs ausgefallen, da sich der zweite Konsonant offenbar zu Azzīb assimilierte, wobei dann später die erste Silbe fälschlicherweise als Artikel abgetrennt worden ist.

Die Stadtentwicklung an diesem Ort wurde besonders durch die Küstenstraße und die natürliche Lage begünstigt. Der Ort ez-Zīb lag nämlich an der Verbindungsstraße von Akko nach Tyros (Lipiński 303).

Der Doppelhügel von ez-Zīb wurde im Westen durch das Mittelmeer, im Süden durch die Bucht des Naḥal Šaḥal, im Norden durch den perennierenden, etwa 20 m breiten Naḥal Kəziv und im Osten durch einen etwa 4 m tiefen Graben, der Naḥal Šaḥal und Naḥal Kəziv verband, geschützt. Auf diese Weise wurde ez-Zīb in eine künstliche, etwa 12 ha große Insel verwandelt (Oredsson 57), auch wenn der Boden des Verbindungsgrabens zwischen Naḥal Šaḥal und Naḥal Kəziv 2-3 m über NN lag. Auf diese Weise konnte jedoch der Graben als Reservoir für Süßwasser verwendet werden, das aus den vielen natürlichen Quellen der näheren Umgebung gesammelt werden konnte (Prausnitz). Wahrscheinlich wurden die beiden Mündungsarme des Naḥal Šaḥal und Naḥal Kəziv als Anlegestellen für Boote verwendet. Insofern könnten etwa 5 ha der Siedlungsfläche von den Hafenanlagen beansprucht worden sein. An der südlichen Bucht befand sich zumindest der gut geschützte und große Hafen von Minet ez-Zīb, der zahlreiche Schiffe aufnehmen konnte.

© Erasmus Gaß, gezeichnet nach Prausnitz 206

Abb. 3 Mittelbronzezeitliche Wallanlage in ez-Zīb (Areal D).

Im nordöstlichen Teil des Hügels entdeckte man in Areal D eine in zwei Stufen entstandene Befestigungsanlage mit Wall aus Ziegelsteinen, vorgelagertem Glacis, Aufschüttung und Graben aus der zweiten Hälfte des 18. Jh.s v. Chr., die in der Mitte des 16. Jh.s v. Chr. zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Unsicher ist, ob sich auf dieser mächtigen Wallanlage, die 20 m breit und 10 m hoch war, eine zusätzliche Stadtmauer befunden hat. Vielleicht wurde auf der Kante zwischen Glacis und Aufschüttung eine Brüstungsmauer gebaut (Prausnitz). Gegen Ende der Spätbronzezeit wurden die Verteidigungsanlagen wiederum zerstört. Zu Beginn der Eisenzeit legte man Gruben, Feuerstellen und Mauern an. Erst ab dem 11. Jh. v. Chr. vergrößerte sich Achzib nach Osten über die frühere Wallanlage hinaus. Um 701 v. Chr. wurde die blühende phönizische Hafenstadt von Sanherib erobert. Im nördlichen Ausgrabungsareal wurden einige Lagerräume freigelegt, die an die späteisenzeitlichen / persischen Befestigungen anschlossen. In diesen Vorratsräumen fand man Krüge, die die Aufschrift „Adonimelek“ („mein Herr, der König“) tragen und offenbar für Steuerleistungen verwendet worden sind. Am Fuß der Kreuzfahrerfestung Casal Umberti fand man die Reste von öffentlichen Gebäuden aus der hellenistischen und römischen Zeit. Eine dort entdeckte Stele zeigt die Fassade eines Tempels mit einer Göttin in der Mitte.

Nördlich des Hügels befand sich ein eisenzeitliches Heiligtum aus dem 8. Jh. v. Chr. mit einer 1,5 x 1 m großen → Massebe (Stratum 4). In einer späteren Bauphase umschloss eine Mauer diesen heiligen Bezirk. Anschließend diente diese Anlage für Begräbnisse (Stratum 3). Bis ins 6. Jh. v. Chr. verwendete man diesen nördlichen Friedhof zur Leichenverbrennung. Etwa aus dem Ende des 10. Jh.s v. Chr. stammt eine runde Anlage mit 4,2 m Durchmesser, die vermutlich als Krematorium diente. Die mit mehreren Schichten Putz versehenen Mauern sind noch auf eine Höhe von 2,4 m erhalten. Auf dem Boden befindet sich ein von Ost nach West orientierter Kanal, der zu einer Lüftungsöffnung in der Westwand führte. Um diese runde Anlage fand man zahlreiche Urnen mit der Asche von Erwachsenen.

Auch die übrigen drei Friedhöfe (zentraler, östlicher und südlicher Friedhof) von Achzib tragen viel zum Verständnis der dortigen materiellen Kultur bei, die phönizische und syro-hethitische Einflüsse verrät. Der zentrale Friedhof, der in der Mittelbronzezeit, Eisenzeit und römisch-byzantinische Zeit verwendet wurde, weist Steinkistengräber der frühen Eisenzeit IB auf, in denen bis zu zwei Leichname auf dem Rücken bestattet worden sind. Die Steinkistengräber sind aus langen teilweise bearbeiteten Steinen gebaut, so dass eine etwa 3,15 x 1,8 m große Kiste entstand, die mit langen Steinplatten verschlossen wurde.

Der östliche Friedhof wurde ab dem 11. Jh. v. Chr. verwendet. In dieser Zeit wurden zahlreiche Grabkammern in den Sandsteinfelsen geschlagen, die etwa 300 Jahre genutzt worden sind. Ab dem 8. Jh. v. Chr. sind Bänke an drei Wänden belegt, auf die die Leichname zusammen mit Grabbeigaben gelegt worden sind.

Der südliche Friedhof bei Minet ez-Zīb wurde vom 11. bis ins 7. Jh. v. Chr. verwendet. Im Südfriedhof fand man Felskammergräber, Erd- und Urnenbestattungen. Die Erdbestattungen sind von Süd nach Nord angelegt, während die übrigen Bestattungstypen sich von Ost nach West orientieren.

3. Achsib in Juda

3.1. Belege

Das judäische Achsib liegt aufgrund des Nahkontextes von Jos 15,44 in der Umgebung von → Keila und → Marescha. Dieser Ort gehört zum vierten Distrikt der Liste, die das judäische Stammesgebiet beschreibt. Während Distrikt II (Jos 15,33-36) das Terebinthental und Distrikt III das Tal von Lachisch (Jos 15,37-41) im Blick haben, werden in Distrikt IV (Jos 15,42-44) offenbar verschiedene Orte nachgetragen (Zissu / Gass 378-379).

Möglicherweise hat sich in Achsib eine königliche Töpferwerkstatt befunden, worauf Mi 1,14 hinweisen könnte (Demsky; Mittmann 63). Für einen gemeinsamen Herstellungsort der lmlk-Krughenkel (Königs-Krughenkel) spricht zumindest der chemische Befund dieser besonderen Keramik. Wahrscheinlich ist das judäische Achsib mit Kesib aus Gen 38,5 und mit Koseba aus 1Chr 4,22 identisch. Die drei Namen Achsib, Kesib und Koseba können allesamt von einer Wurzel KZB II abgeleitet werden, wobei die Grundform Kesib wäre, an die sich entweder eine Femininendung (Koseba) oder ein Aleph prostheticum (Achsib) fügt. Nach Gen 38,1-5 liegt das judäische Achsib in der Nähe von → Adullam, da von dort eine nicht näher bezeichnete Tochter des Kanaanäers Schua stammt, die dem Stammvater → Juda während seines Aufenthaltes in Kesib einen Sohn mit Namen Schela geboren hat. Möglicherweise hat Juda sogar in Kesib gewohnt (de Vos 384).

© Erasmus Gaß

Abb. 4 Lokalisierung von Gedera im Terebinthental.

Nach 1Chr 4,22-23 könnte es sich bei den Männern von Koseba um Töpfer handeln, die im Dienst des judäischen Königs standen, was auch Mi 1,14 entsprechen würde. Insofern müssten Koseba und Achsib ebenfalls gleichgesetzt werden. Aus 1Chr 4,22-23 folgt außerdem, dass Achsib in der Nähe der beiden Orte Netaim und Gedera liegen muss, die beide im Terebinthental zu verorten sind.

Der judäische Ort Achsib ist darüber hinaus vermutlich auf einem Ostrakon aus Lachisch belegt, falls es sich hier nicht um eine Verbalform der Wurzel KZB handelt (HAE, Lak(6):1.8,7). Außerdem wird auf einem weiteren Ostrakon aus Lachisch ein bjt ’kzb genannt (HAE, Lak(6):15,10). Es handelt sich in beiden Fällen vermutlich um das judäische Achsib. Auf beiden Ostraka werden bedauerlicherweise keine weiterführenden topographischen Angaben gemacht.

Josephus erwähnt schließlich einen Ort Kaphaiora pseudopolichnion, (Bellum Judaicum IV,552), wobei der zweite Zusatz eine Übersetzung des ersten Namens, aber auch des biblischen Namens Achsib sein könnte. Allerdings ist fraglich, ob hier tatsächlich an das biblische Achsib zu denken ist.

Das Onomastikon des Eusebius bietet noch einen verlassenen Ort Chasbi bei Adullam (Onomastikon 172,6-7), der sicher dem biblischen judäischen Achsib entspricht. Nach der Kupferrolle (3Q15 VII 14-15) hat es darüber hinaus vermutlich nahe des Wādī el-Qelt einen gleichnamigen Ort Koziba gegeben, der aber kaum mit dem judäischen Achsib identisch sein kann.

Nach dem mittelalterlichen Gelehrten Estori ha-Farchi liegt das in Gen 38 genannte Kesib im Norden des Verheißungslandes, und zwar in der Nähe der beiden Orte Timna und Adullam (Edelmann 45b,14-18), die jedoch schwerlich im Norden verortet werden können, sondern auf einen südlichen Ort hinweisen. Nach Estori befindet sich Kesib darüber hinaus 3 Meilen nördlich von der sogenannten tyrischen Leiter (Edelmann 45b,23-25), was sich wohl auf das ascheritische Achsib bezieht.

3.2. Lokalisierung und archäologischer Befund

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Abb. 5 Identifizierungsvorschläge für das judäische Achsib.

Die Lage des judäischen Ortes Achsib ist bislang nicht befriedigend geklärt. Trotz der Namensähnlichkeit kann das judäische Achsib kaum mit Chirbet Kuwēzibe (Koordinaten: 1641.1121; N 31° 36' 05.5'', E 35° 08' 54.7'') identifiziert werden, da der dortige archäologische Befund erst ab römisch-byzantinischer Zeit einsetzt. Bislang wurden vor allem fünf unterschiedliche Ortslagen für eine Identifizierung mit dem judäischen Achsib erwogen:

3.2.1. Chirbet Tell el-Bēḍā (Elliger). Meist wird der judäische Ort Achsib mit Chirbet Tell el-Bēḍā (Koordinaten: 1456.1167; N 31° 38' 31'', E 34° 57' 09'') identifiziert. Dieser Ort liegt etwa 7 km nordöstlich von → Marescha und würde damit den biblischen Angaben entsprechen. Der Oberflächenbefund von Chirbet Tell el-Bēḍā weist in die Spätbronzezeit, Eisenzeit II und in die römisch-byzantinische Zeit (Dagan II/2, 58). Auf Chirbet Tell el-Bēḍā entdeckte man die Überreste eines 24 x 13 m großen Gebäudes, bei dem es sich vielleicht um eine Kirche handelt.

Eusebius kennt den Ort Chasbi, der im Gebiet von Eleutheropolis, nahe der Stadt Odollam, liegt, nur noch als Ruine (Onomastikon 172,6; Onomastikon). Dies spricht gegen den archäologischen Befund, demzufolge Chirbet Tell el-Bēḍā auch noch in römisch-byzantinischer Zeit besiedelt war. Vielleicht ist folglich von einer Differenzierung auszugehen, so dass möglicherweise die Akropolis bereits in Ruinen lag, während am Hang noch gesiedelt worden ist (Schmitt 205). Eine Doppellage würde dem Befund bei Flavius Josephus, der ein Kaphaiora pseudopolichnion erwähnt (Bellum Judaicum IV,552; Text gr. und lat. Autoren), insofern entsprechen, als sich dieser Doppelname als Kompositname zweier zusammengehöriger Orte mit demselben Namen deuten ließe.

3.2.2. Chirbet Umm Burğ (Saarisalo). Der Keramikbefund von Chirbet Umm Burğ (Koordinaten: 1471.1159; N 31° 38' 08.8'', E 34° 58' 08.6'') weist in byzantinische und arabische Zeit. Möglicherweise handelt es sich hierbei um die Nachfolgesiedlung von Chirbet Tell el-Bēḍā. Die Lage an einer Parallelstraße zur Hauptrömerstraße mag diesen Ort aufgrund von strategischen Überlegungen motiviert haben. Auf Chirbet Umm Burğ gibt es einen zentralen Turm, Ruinen, Höhlen, Brunnen mit Nischen, Zisternen, Fundamente und ein Kolumbarium. Hinsichtlich des archäologischen Befundes kommt Chirbet Umm Burğ bestenfalls für das hellenistische Kaphaiora, nicht aber für den biblischen Ort Achsib in Frage.

3.2.3. Chirbet el-Kafr (Schmitt). Wenn man den von Josephus genannten Ort Kaphaiora mit dem judäischen Achsib verbindet, dann könnte man aufgrund der Namensähnlichkeit diesen Ort auf Chirbet el-Kafr (Koordinaten: 1519.1167; N 31° 38' 35.7'', E 35° 01' 10.8'') suchen. Auf Chirbet el-Kafr befinden sich eingestürzte Mauern, eine Presse und eine alte Straße, die ins Gebirge führt. In der Mitte der Chirbe steht ein Hauptgebäude. Außerdem entdeckte man noch eine in den Felsen geschlagene Zisterne. Der Keramikbefund weist in die byzantinische und arabische Zeit. Chirbet el-Kafr entspricht den literarischen Angaben, da es auf einer Linie mit Nezib und Keila und auch in der Nähe von Adullam liegt. Allerdings müsste man eine Verschiebung des Ortsnamens in byzantinischer Zeit von Kaphaiora zu Chasbi annehmen, was sich insofern erklären ließe, als Kaphaiora vielleicht der hellenistische Alternativname war, der nach der Zerstörung der Stadt verlorenging. Das arabische Namenselement Kafr („Dörfchen / Weiler“) ist jedoch zu gebräuchlich, als dass es toponomastische Rückschlüsse zuließe.

3.2.4. Chirbet Bēt ‛Elem (Dagan 1996). Auf Chirbet Bēt ‛Elem (Koordinaten: 1449.1097; N 31° 34' 45.9'', E 34° 56' 44.9'') fand man die Überreste einer 6 ha großen Siedlung, die in Hufeisenform angelegt war. Die überall erkennbaren Fundamente lassen sich jedoch kaum zu einem durchdachten Plan rekonstruieren. Am westlichen Hang entdeckte man ein großes Kolumbarium, in dessen Nähe sich Fragmente von Säulenbasen und Kapitellen befinden. Am südlichen Hang wurde ein großes Wasserbassin ausgehauen. Im Süden von Chirbet Bēt ‛Elem wurde ein Friedhof angelegt, der größtenteils geplündert ist. Der Keramikbefund von Chirbet Bēt ‛Elem weist in die Frühbronzezeit, darüber hinaus noch in die Eisenzeit II und in die hellenistische bis arabische Periode (Dagan II/2,71). Die Erwähnung von (bjt) ’kzb auf den Ostraka aus Lachisch könnte mit der Nähe von Achsib zu Lachisch zu erklären sein, was auf Chirbet Bēt ‛Elem zutrifft.

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Abb. 6 Ansicht von Chirbet ‛Ēn el-Kizbe.

3.2.5. Chirbet ‛Ēn el-Kizbe (Zissu / Gass). Die Quelle ‛Ēn el-Kizbe (Koordinaten: 1504.1220; N 31° 41' 25.5'', E 35° 00' 12.7'') liegt östlich eines Hanges, von dem aus das biblische Terebinthental gut einsehbar ist, was für die strategische Lage der Chirbet ‛Ēn el-Kizbe spricht. Neuere Surveyarbeiten haben den archäologischen Befund von Chirbet ‛Ēn el-Kizbe erhoben. Dieser Ort befindet sich am Hang nördlich der ‛Ēn el-Kizbe oberhalb der Römerstraße, die Eleutheropolis und Jerusalem verband.

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Abb. 7 Plan des archäologischen Befundes der Chirbet ‛Ēn el-Kizbe.

Chirbet ‛Ēn el-Kizbe besteht aus zwei Siedlungsschwerpunkten. Der untere Ort lag auf einem 10 m hohen natürlichen Kalksteinfelsen. Durch diese erhöhte Position war eine Kontrolle der Verkehrswege, die in alle Richtungen führten, gegeben. Nordwestlich des unteren Ortes befand sich eine obere Siedlung, so dass sich Chirbet ‛Ēn el-Kizbe auf fast 2 ha erstreckte. Der Keramikbefund dieser Doppelsiedlung weist in die Eisenzeit II, persische bis römische Epoche. Zwei lokale lmlk-Stempel (Königs-Stempel) sprechen dafür, dass sich hier eine königliche Töpferstätte befunden haben könnte, was dem literarischen Befund entsprechen würde. Denn bei Achzib könnte es sich nach Mi 1,14 um eine königliche Töpferstätte gehandelt haben, in der lmlk-Stempel hergestellt wurden. Da einige dieser lmlk-Stempel den Ortsnamen Soko tragen, spricht die Nähe von ‛Ēn el-Kizbe zu Soko für eine Identifikation von Achsib mit diesem Ruinenhügel. Wahrscheinlich wurde Chirbet ‛Ēn el-Kizbe im Rahmen des Bar-Kochba-Aufstandes zerstört, zumal der Anführer dieser antirömischen Revolte vielleicht aus diesem Ort stammte (Zissu / Gass). In byzantinischer Zeit war dieser Ort zumindest nicht mehr besiedelt, was den Angaben des Eusebius bestens entspricht.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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2. Weitere Literatur

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Lokalisierung des ascheritischen und judäischen Achsib. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Ausgrabungsareale in ez-Zīb. © Erasmus Gaß (nach Prausnitz 204)
  • Abb. 3 Mittelbronzezeitliche Wallanlage in ez-Zīb (Areal D). © Erasmus Gaß, gezeichnet nach Prausnitz 206
  • Abb. 4 Lokalisierung von Gedera im Terebinthental. © Erasmus Gaß
  • Abb. 5 Identifizierungsvorschläge für das judäische Achsib. © Erasmus Gaß
  • Abb. 6 Ansicht von Chirbet ‛Ēn el-Kizbe. © Erasmus Gaß
  • Abb. 7 Plan des archäologischen Befundes der Chirbet ‛Ēn el-Kizbe. © Erasmus Gaß

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