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Lexikon

Abjatar

Andere Schreibweise: Abjathar ; Abiathar (engl.)

Lara van der Zee-Hanssen

(erstellt: Juni 2007)

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1. Name

Der Name Abjatar (אֶבְיָתָר) ist aus zwei Teilen zusammengesetzt: (1) das Nomen „Ab(i)“ (אב) „Vater“; (2) das Verbum jtr (יתר) „übrig lassen / haben“, „Überfluss geben“. Damit bedeutet der Name: „(mein) Vater ist reich / hat Überfluss gegeben“. Es handelt sich um einen altorientalischen Namen, der erstmals am Anfang des zweiten Jahrtausends v. Chr. als „Abijatar“ oder „Abumjatar“ bei den Amoritern belegt ist.

2. Biblische Überlieferung

Abjatar ist ein Sohn → Ahimelechs, des Priesters von → Nob (1Sam 22,20). Von Ahimelech erhält David auf seiner Flucht vor → Saul Brote und das Schwert → Goliaths. Als Vergeltungsmaßnahme lässt Saul Ahimelech und seine ganze Familie ermorden. Abjatar kann als Einziger entkommen. Er nimmt den Efod (→ Kultgeräte) und flieht zu David. Dieser gesteht mitschuldig zu sein am Mord an seinen Verwandten (1Sam 22,22) und nimmt ihn in sein Gefolge auf. Dies geschieht nicht ganz ohne Eigennutz, denn David gewinnt damit einen prominenten Priester. Die positive Auswirkung dieser Aktion zeigt sich schon bald. David hat nun die Möglichkeit, mit Hilfe des von Abjatar mitgebrachten Efod JHWH zu befragen (1Sam 23,9; 1Sam 30,8).

Die Geschichte erzählt die definitive Entfremdung zwischen Saul einerseits und JHWH und dem Volk Israel andererseits. Gleichzeitig festigt sich das Verhältnis zwischen David und JHWH.

Aus 2Sam 8,17; 2Sam 20,25; 1Chr 18,16 ist zu schließen, dass Abjatar und sein Sohn → Ahimelech während der Königsherrschaft Davids zu dessen wichtigsten Beamten gehören. Zusammen mit → Zadok bekleidet Abjatar das Amt des Oberpriesters. Unklar ist allerdings, ob in 2Sam 8,17 und 1Chr 18,16 ein Schreibfehler vorliegt und eigentlich „Abjatar, der Sohn Ahimelechs“ gemeint ist, oder ob der Text hier wirklich den Sohn Abjatars meint, der dann den Namen seines Großvaters trug.

Abjatar bleibt David immer treu, auch während des Aufstands → Absaloms. Bei den Rivalitäten um die Thronnachfolge Davids ergreift er aber gegen Salomo die Partei → Adonijas. Als Salomo der Verschwörung ein Ende macht, wird Abjatar wegen seiner Treue zu Salomos Vater David als Einzigem das Leben geschenkt. Er wird auf seinen Familienbesitz nach Anatot verbannt.

Damit endet auch die Zusammenarbeit und Gleichstellung des Landpriesters Abjatar mit dem städtischen (Jerusalemer) Priester Zadok. Während der Königsherrschaft Davids haben sich diese beide Elemente im Gleichgewicht gehalten, jetzt aber findet eine Gewichtsverschiebung zugunsten des kanaanäischen städtischen Elements statt. Es wird behauptet, Abjatar habe aus Anatot eine Oppositionsbewegung gegen die Jerusalemer Priesterhierarchie entstehen lassen, dessen späterer Vertreter → Jeremia sein soll (Jer 1,1). Die jüdische Tradition gibt aber eine andere, nicht-politische, Erklärung für den Ersatz von Abjatar durch Zadok: als Abjatar die Urim und Tummim (→ Divination) zu Rate zog, hätten sie ihm nicht mehr geantwortet (Babylonischer Talmud, Traktat Sota 48b; Text Talmud).

Im Markusevangelium (Mk 2,26) erwähnt ein Wort Jesu (fälschlich) Abjatar als den Hohenpriester, der David die Schaubrote zu essen gab. Es war nach 1Sam 21,2-7 Abjatars Vater Ahimelech.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • International Standard Bible Encyclopaedia, 1915: http://www.studylight.org/enc/isb
  • Encyclopaedia Miqra’it (hebr.), Jerusalem 1950
  • Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971-1996
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • New International Dictionary of Old Testament Theology and Exegesis, Grand Rapids 1997
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Bar Efrat, S., 1996, 1 Samuel, 2 Samuel, Tel Aviv (hebr.)
  • Dietrich, W., 1997, Die frühe Königszeit in Israel, Stuttgart
  • Noth, M., 1928, Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung, Stuttgart

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