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Lexikon

Abimelech

Andere Schreibweise: Abimelek

Martin Mulzer

(erstellt: Jan. 2008)

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1. Name

Abimelech (אֲבִימֶלֶך) ist ein theophorer Personenname mit der Bedeutung „der Vater (= der Vatergott) ist König“. Personen mit diesen Namen treten in der Abrahams- (Gen 20,1-18; Gen 21,22-34) und Isaaküberlieferung (Gen 26,1-17; Gen 26,26-31) und im → Richterbuch (Ri 8,31; Ri 9,1-57) auf. Es handelt sich jeweils um Könige. Zwei weitere Belege des Namens nennen Abimelech nur irrtümlich, da sie sich auf andere Personen beziehen: Die Psalmüberschrift Ps 34,1 greift eine Episode über Davids Zusammentreffen mit → Achisch von Gat auf (vgl. 1Sam 21,11-16), und 1Chr 18,16 meint → „Ahimelech, der Sohn Abjatars“ (2Sam 8,17) statt „Abimelech, der Sohn Abjatars“.

2. König Abimelech von Gerar

Abb. 1 Abimelech beobachtet Isaak und Rebeka (Raffael; Fresco im Vatikan; 1518-19).

Abb. 1 Abimelech beobachtet Isaak und Rebeka (Raffael; Fresco im Vatikan; 1518-19).

Sowohl in der → Abrahams- als auch in der → Isaaküberlieferung erscheint Abimelech als König von → Gerar bzw. König der → Philister in Gerar (Gen 20,2; Gen 26,1) innerhalb der → Preisgabeerzählungen. Es handelt sich dabei um Überlieferungsdubletten (vgl. auch noch Gen 12,10-20 mit Abraham und dem Pharao; zur Literargeschichte vgl. z.B. Fischer, 1994), so dass nur von einer Person „Abimelech, König von Gerar“ auszugehen ist. Der Stoff der Überlieferung wurde möglicherweise von einem Erzelternpaar auf das andere übertragen. Gerar liegt im westlichen Negev etwa zwischen → Beerscheba und → Gaza und bereits im philistäisch-ägyptischen Einflussgebiet (in der Eisenzeit). Abimelech wird unterschiedlich gezeichnet: In Gen 20,1ff ist er der „gottesfürchtige Heide“, dem sich Gott im Traum offenbart und der daraufhin Sara dem Abraham mit Geschenken zurückgibt. In Gen 26,1-11 erkennt Abimelech den wahren Sachverhalt der Ehe Isaaks mit Rebekka, bevor überhaupt eine Gefährdung eintritt, und sichert beiden Schutz zu. Später kommt es zum Bruch zwischen Abimelech und Isaak (Gen 26,12-17). Die Ätiologie von → Beerscheba („Schwurbrunnen“) ist in beiden Traditionen mit einem Vertrag zwischen dem Ahnvater und Abimelech verbunden (Gen 21,22-34; Gen 26,26-31).

3. König Abimelech von Sichem

Abb. 2 Abimelechs Tod (Gustave Doré; 1866).

Abb. 2 Abimelechs Tod (Gustave Doré; 1866).

Abimelech, der Sohn Jerubbaals (→ Gideon), schwingt sich mit der Unterstützung seiner Onkel mütterlicherseits in → Sichem zum König auf, wobei er seine 70 Halbbrüder in → Ofra beseitigt (Ri 9,1-6; vgl. Ri 8,31). Als Aufenthaltsort oder Residenzort wird auch Aruma genannt (Ri 9,41; Chirbet el-‘Orme; Koordinaten: 1805.1727; 8 km südöstlich von Sichem). Nach der Darstellung des Alten Testaments ist dies der erste Versuch, in Israel ein Königtum zu errichten. Die Herrschaft Abimelechs erstreckte sich dabei über ein Gebiet von etwa 25 km Länge. Abimelech gelingt es, den Aufstand Gaals, des Sohnes Ebeds, in Sichem niederzuschlagen (Ri 9,26-41; Ri 9,46-49). Die Angabe der Dauer seiner Herrschaft mit drei Jahren (Ri 9,22) und die Episode von der Zerstörung Sichems und der Ermordung seiner Bewohner (Ri 9,22-25; Ri 9,42-45) gehört einer jüngeren Textschicht an. Bei der Belagerung der Stadt → Tebez (wohl bei Ṭūbās; Koordinaten: 1850.1920; 15 km nordöstlich von Sichem) wird Abimelech von einem Mühlstein am Kopf getroffen, den eine Frau vom Wehrturm geworfen hat. Schwer verwundet lässt er sich von seinem Waffenträger töten, um der Schmach eines unrühmlichen Todes zu entgehen (Ri 9,50-57; vgl. 2Sam 11,21).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001 (Art. Abimelech, Ahnfraugeschichten, Gerar)

2. Weitere Literatur

  • Álvarez Barredo, M., 2001, Abimelec. Paradigma de una actitud autónoma ante Dios (Estudio literario de Jue 9), Carthaginensia 17, 1-66
  • Becker, U., 1990, Richterzeit und Königtum. Redaktionsgeschichtliche Studien zum Richterbuch (BZAW 192), Berlin / New York
  • Castelbajac, I. de, 2001, Histoire de la rédaction de Juges ix, VT 51, 166-185
  • Fischer, I., 1994, Die Erzeltern Israels. Feministisch-theologische Studien zu Genesis 12-36 (BZAW 222), Berlin / New York, 119-258
  • Gaß, E., 2005, Die Ortsnamen des Richterbuches in historischer und redaktioneller Perspektive (ADPV 35), Wiesbaden
  • Gesenius, W., 1987, Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Begonnen von Rudolf Meyer, bearb. und hrsg. von Herbert Donner, 18. Aufl., Berlin, 6
  • Jans, E., 2001, Abimelech und sein Königtum. Diachrone und synchrone Untersuchungen zu Ri 9 (ATSAT 66), St. Ottilien
  • Levin, C., 2003, Das vorstaatliche Israel [2000], in: Ders., Fortschreibungen. Gesammelte Studien zum Alten Testament (BZAW 316), Berlin / New York, 142-157, hier 153-156
  • Müller, R., 2004, Königtum und Gottesherrschaft. Untersuchungen zur alttestamentlichen Monarchiekritik (FAT II/3), Tübingen
  • Rechenmacher, H., 1997, Personennamen als theologische Aussagen. Die syntaktischen und semantischen Strukturen der satzhaften theophoren Personennamen in der hebräischen Bibel (ATSAT 50), St. Ottilien

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Abimelech beobachtet Isaak und Rebeka (Raffael; Fresco im Vatikan; 1518-19).
  • Abb. 2 Abimelechs Tod (Gustave Doré; 1866).

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