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Lexikon

Aas

Peter Riede

(erstellt: Okt. 2015)

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1. Altes Testament

1.1. Terminologie

Das Aas, also der Kadaver toter Tiere, heißt hebräisch נְבֵלָה nəbelāh. Das Wort, das auch den Leichnam von Menschen bezeichnen kann, ist abgeleitet vom Verb נָבַל nbl „welken / kraftlos werden / zerfallen“. In Ri 14,8 findet sich für den Kadaver eines Löwen dagegen die Bezeichnung מַפֶּלֶת mappælæt.

1.2. Alttestamentliche Belege

Bezogen auf Tiere bezeichnet das Nomen נְבֵלָה nəbelāh „jedes tote Tier, das nicht durch rituelle Schächtung geschlachtet ist“ (Fabry, 170). Ein solches Tier galt als unrein. Allerdings wird das Aas unreiner Tiere von dem reiner Tiere unterschieden. Während das Aas unreiner Tiere in jedem Fall unrein macht und auch nicht verzehrt werden darf (Lev 5,2; Lev 11,8.24.28.35-38; Dtn 14,8), kann das Aas reiner Tiere durchaus Verwendung finden (Lev 7,24; Lev 11,39-40; Lev 17,15), und zwar sowohl das Fett (Lev 7,24), z.B. zum Einfetten von Leder, als auch das Fleisch zum Verzehr (Lev 11,39-40; Lev 17,15). Hier verunreinigt allein die Berührung. Deswegen galt man nach dem Verzehr bis zum Abend als unrein und musste sich baden sowie seine Kleider waschen (Lev 17,15-16). Auch grundsätzlich wurden Kleider, die mit Aas in Berührung gekommen waren, als unrein betrachtet und mussten gewaschen werden (Lev 11,40). Priestern war jeglicher Umgang mit Aas verboten (Ez 4,14; Ez 44,31). In späterer Zeit galt dieses Verbot für alle Israeliten (Dtn 14,21).

2. Neues Testament

2.1. Terminologie

Die griechische Bezeichnung für Aas ist πτῶμα ptōma, wörtlich „Fall / Gefallenes / Leichnam“. Ersticktes heißt πνικτός pniktos.

2.2. Neutestamentliche Belege

Von Aas ist im Zusammenhang mit dem sog. Aposteldekret die Rede. Apg 15,20.29 schärft ein, „sich des Erstickten zu enthalten“ (vgl. ähnlich Apg 21,25), und knüpft damit an die entsprechenden Vorschriften in Lev 17 an. πνικτός pniktos bezieht sich hier auf Fleisch, das von nicht rituell geschächteten Tieren stammt. In bildlich-sprichwörtlichem Zusammenhang ist Aas Mt 24,28 erwähnt: „Wo Aas ist, sammeln sich Geier“. Das aber heißt bezogen auf den Kontext: Ebenso wenig, wie diese Raubvögel ein verendetes Aas übersehen, „können die Christen die Parusie Christi verfehlen“ (Luz 1997, 431).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1933-1979
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Kommentare

  • Fabry, H.-J., Art, נָבֵל nāḇel I, in: ThWAT V, Stuttgart u.a. 1986, 163-170
  • Gerstenberger, E.S., Das dritte Buch Mose. Leviticus (ATD 3), Göttingen 1993
  • Luz, U., Das Evangelium nach Matthäus (Mt 18-25) (EKK I/3), Neukirchen-Vluyn 1997
  • Pesch, R., Die Apostelgeschichte (Apg 13-28) (EKK V/2), Neukirchen-Vluyn 1986

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