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(erstellt: Mai 2021)

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1. Archäologische Funde (Jennifer Zimni)

1.1. Einleitung

Als Gefäße werden Behälter bezeichnet, die mit Flüssigkeiten oder festen Stoffen gefüllt werden können. Sie gehören in der Archäologie zu den am häufigsten gefundenen Gattungen. Gefäße werden zum einen anhand ihres Materials, zum anderen auch anhand ihres Verwendungszweckes wie Transport, Lagerung, Zubereiten beziehungsweise Zuführung von Nahrung, rituelle Zwecke sowie funeralen Gebrauch unterschieden.

Vermutlich wurden die ältesten „Gefäße“ (Essgeschirr) bereits aus naturgegebenen Materialien (Früchte bzw. deren Schalen) hergestellt. Am häufigsten werden auf Ausgrabungen Gefäße aus → Keramik gefunden. Jedoch wurden auch Gefäße aus anderen, allen bis dato bekannten, Materialien (→ Glas; → Fayence, Stein) verwendet.

Die Gefäßformen und -typen der verschiedenen Materialen beeinflussen sich gegenseitig im Laufe der Zeit – ihre Formen und Verzierungen regen einander an. Die heutige Klassifikation von antiken Gefäßformen lehnt sich an der Bezeichnung von modernen Gefäßformen an. Aufgrund einer mangelnden fachübergreifenden Terminologie werden für orientalische Formen auch teilweise die klassischen, griechischen Namen verwendet. Die detaillierte Typologie der einzelnen Gefäßformen unterscheidet sich je nach Region und Epoche. Durch seinen individuellen Stil (Form, Verzierung etc.) kann jeder Gefäßtyp einer bestimmten Kultur oder Zeitepoche zugeordnet werden. Daher dienen Gefäßformen Archäologen als Möglichkeit zur Datierung der Befunde. Insbesondere ein Ensemble von Gefäßen, die über unterschiedlich lange Zeiträume, aber nur über einen kurzen Zeitraum gleichzeitig benutzt worden sind, kann die Datierung eines Stratums in ein relativ enges Zeitfenster ermöglichen.

Durch interkulturelle Interaktion verschiedener Gruppen aus unterschiedlichen Regionen können neue Gefäßformen oder Verzierungsarten in das jeweilige örtliche Spektrum übernommen werden. Oft werden so die „neue Formen“ auf lokale Materialien und Produktionsmethoden übertragen.

Anhand der Funde von Formen, welche für die jeweilige Region eher untypisch sind, können Archäologen diese Handelsbeziehungen / interkulturelle Interaktion mit anderen Regionen (Import und Export), in denen die gefundenen Gefäße typisch sind, rekonstruieren.

1.2. Material und Funktion

Je nach Material und Form kommt Gefäßen eine bestimmte Funktion zu. Die Rekonstruktion der Verwendung von antiken Gefäßen ist bisweilen nicht ganz einfach. Allerdings erlauben zum Beispiel organische Rückstände sowie bildliche und schriftliche Quellen Rückschlüsse auf die jeweilige Funktion. Schwieriger ist die Zuordnung zur antiken Bezeichnung eines Gefäßes in schriftlichen Quellen. Sie ist nur möglich, wenn das Gefäß im Text genau beschrieben wird, doch ist dies nur selten der Fall.

Grob kann zwischen Gebrauchs- und Kultgefäßen unterschieden werden. Die Wahl des Materials geschah vermutlich teilweise aufgrund der möglichen Funktion des Gefäßes. Solche, die für Götter oder Könige bestimmt waren, wurden eher aus kostbarem Material wie zum Beispiel Metall (Gold, Silber, Kupfer) hergestellt, wohingegen Gefäße für den alltäglichen Gebrauch wohl eher aus Ton oder Stein gefertigt wurden.

1.2.1. Material

Gefäße 01

Zu den ersten menschengemachten Gefäßen zählen Stein- sowie Keramikgefäße. Auch aus Holz hergestellte Gefäße gehören vermutlich zu den frühesten Gefäßen. Jedoch zerfällt Holz relativ schnell, sodass bei der Auffindung eines Fundplatzes durch die Archäologen hiervon kaum mehr etwas auszugraben ist.

Steingefäße tauchen in der südlichen Levante ungefähr ab dem späten Paläolithikum auf. Die Wahl des verwendeten Gesteins für die Herstellung eines Steingefäßes hängt zuerst einmal von den jeweiligen regionalen Ressourcen ab – so können für Gefäße natürlich nur die in der jeweiligen Region vorkommenden Gesteine (→ Alabaster; → Kalkstein, Obsidian, Steatit, Basalt, Chlorit etc.) verwendet werden. Die Steingefäße werden aus dem jeweiligen Rohling mit Werkzeugen (Bohrer, Meißel) herausgearbeitet.

Keramikgefäße (→ Keramik) werden ab dem späten Neolithikum hergestellt. Zu Beginn der Geschichte der Keramikherstellung existieren nur handgeformte Gefäße. Ungefähr ab dem späten Chalkolithikum tauchen in der südlichen Levante Gefäße auf, die die Verwendung von Töpferscheiben nahelegen.

Seit 1500 v. Chr. werden in Ägypten, neben Keramik- und Steingefäßen, auch Glasgefäße (→ Glas) hergestellt und verwendet. In den Anfängen der Herstellung von Glasgefäßen wurden diese größtenteils durch die sogenannte Kerntechnik hergestellt.

Mit dem Aufkommen der Metallurgie in der südlichen Levante ab dem Chalkolithikum werden auch Gefäße aus Metallen wie Kupfer, Silber und Gold hergestellt. Gefertigt aus Silber und Gold gehören sie naturgemäß zu den wertvollen Gefäßen.

1.2.2. Vorratsgefäße

Gefäße 02

Für die Lagerung, Transport und Herstellung von Nahrungsmitteln eignen sich große, robuste, aus Keramik oder Stein gefertigte Gefäße mit einem hohen Fassungsvermögen (Amphoren, Pithoi, Reibgefäße). Sollen die darin enthaltenen Güter lange Zeit aufbewahrt werden, so sind insbesondere die gefüllten Gefäße meist zu groß und zu schwer, um einfach bewegt werden zu können.

Für den Transport (oftmals auch auf dem Seeweg) müssen robuste Gefäße verwendet werden, welche bequem und stabil auf dem Boden stehen können. Wenn sie nicht eigenständig stehen können, werden die Gefäße in dafür vorgesehenen Halterungen transportiert.

1.2.3. Öl- und Salbgefäße

Kleinere, filigrane Gefäße enthielten oft kostbare Substanzen zur Körperpflege, wie zum Beispiel Öle oder Salben. Daher können sie als Öl- oder Salbgefäße bezeichnet werden. Sie können aus Glas, Keramik oder Stein hergestellt sein. Eine eigene Gattung der Glasgefäße bilden die sogenannten „Kohl Tubes“, die zur Aufbewahrung von Kosmetika, wie Kohl (meist schwarzes Kosmetikpulver, das um die Augen herum aufgetragen wird), dienen.

1.2.4. Ess- und Trinkgefäße

Die einfachen Formen von Ess- und Trinkgefäßen (→ Getränke; → Speisen) beruhen auf eher plattenartigen (Teller, Platten) Gefäßen für feste Nahrung und auf eher kugelförmigen (Schalen / Schüsseln) für Flüssigkeiten. Diese können aus verschiedenen Materialien hergestellt sein. Antike Kochgefäße (Töpfe) bestehen meist aus Ton, da sie stabil und robust sein müssen. Im alltäglichen Gebrauch müssen sie Feuer und die Zubereitung von Lebensmitteln aushalten können. Ebenso können Gefäße zur Herstellung von Nahrung verwendet werden. Beispiele hierfür sind Gefäße zum Bierbrauen oder zum Backen von Brot (Reibschalen).

In poröseren Keramikgefäßen können sich organische Rückstände der darin transportierten oder aufbewahrten Stoffe feststellen lassen. Diese können naturwissenschaftlich untersucht werden und liefern so Hinweise auf die ehemalige Funktion des Gefäßes. Auch können so Rückschlüsse auf die Ess- und Trinkkultur und die Ernährungsgewohnheiten gezogen werden.

1.2.5. Kultgefäße

Neben dem Gebrauch im alltäglichen Leben wurden Gefäße verschiedener Art auch für den kultischen Bereich verwendet. Hierbei spielen Bestattungen eine große Rolle. Den Verstorbenen wurden neben anderen Grabbeigaben oft Gefäße mitgegeben. Diese waren gefüllt mit Nahrungsmitteln, die die Versorgung des Verstorbenen auch in der Nachwelt sicherstellen sollten. Ebenso können in Gefäßen, meist aus Ton, Gaben für Götter dargebracht werden. Die Formen der Kultgefäße lehnen sich an die der Gebrauchsgefäße an.

Im ägyptischen Raum sind, neben den üblichen Gefäßgrabbeigaben, die Sonderform der „Kanopen“ bekannt, welche die Organe des mumifizierten Verstorbenen enthielten. Ebenfalls in Ägypten existierten ab der Spätzeit standardisierte Gefäße für den Balsamierungsabfall.

1.3. Gefäßteile

Die detaillierten Gefäßtypologien in der Archäologie wenden differenzierte Formenkriterien an, um die einzelnen Typen genauer zu unterscheiden. Ausschlaggebend sind dabei zum Beispiel die Form und Verzierung des Gefäßkörpers (Ritzverzierung, Stempel, Bemalung, Glasur), der Durchmesser der Gefäßöffnung, die Form der Randlippe und des Bodens, Ansatz sowie Form und Anzahl der Henkel. Unabhängig von Material und Form können die verschiedenen Abschnitte eines Gefäßes wie folgt unterteilt werden:

Gefäße 04

1.3.1. Randlippe / Öffnung / Mund. Die Öffnung eines Gefäßes wird als Mund (Mündung) mit Randlippen bezeichnet. Sie variiert in Durchmesser, Form und Aussehen, denn dieser Teil des Gefäßes ist eng mit seiner Funktion (Schütten, Gießen, Schöpfen) verknüpft. Die Form der Randlippe unterscheidet sich ebenfalls in ihrer Ausführung (verdickt, ausladend, eingezogen, profiliert). Meist ist der Ausguss eines Gefäßes bereits hier angebracht. Auch er unterscheidet sich in ihrer Form und Aufbau (Röhre, Sieb, Schnabel).

Gefäße 05

1.3.2. Hals / Schulter. Die Schulter ist ein eher kleines Segment am Gefäß. Hierbei handelt es sich um den Übergang zwischen Öffnung und dem Körper eines Gefäßes. Auch hier lassen sich Form und Ausführung differenzieren. Unterschieden werden kann hier zum Beispiel, ob der Übergang zu den anderen Segmenten eher fließend oder als Knick auftritt.

1.3.3. Gefäßkörper / -bauch. Der Körper bzw. Bauch ist der Teil eines Gefäßes, welcher den meisten Raum einnimmt. Somit kann hier der maximale Durchmesser des Gefäßes bestimmt werden. Auch die typischen Verzierungen eines Gefäßes sind meist dort zu finden.

1.3.4. Henkel. Die Henkel eines Gefäßes können entweder horizontal oder waagerecht angebracht sein. Auch können sie an unterschiedlichen Stellen angesetzt sein, wie an der Randlippe oder am Gefäßbauch.

1.3.5. Gefäßboden. Das unterste Teil oder auch die Standfläche eines Gefäßes wird Boden oder Fuß genannt. Dabei wird zwischen Fläche, Ring und Fuß unterschieden.

1.4. Gefäßformen

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Im antiken Palästina und den Nachbargebieten existieren viele verschiedene (regional und zeitlich unterschiedliche) Formen, Typen und Untertypen, sodass im Folgenden nur eine allgemeine Übersicht über die gängigen Formen gegeben werden kann (für eine Übersicht der Typologie der Steingefäße siehe Sparks 2007; für eine Übersicht der Keramiktypologie im Heiligen Land siehe Amiran 1969; Gitin 2015-2019).

Aufgrund der sich regional und zeitlich unterscheidenden Gefäßtypen ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen über Gefäßformen zu treffen. Immer wieder wurden Versuche unternommen, dies zu tun (zum Beispiel Delougat 1952; Hachmann 1969). Auch wurde versucht, diese nach mathematischen Kriterien zu erstellen (zum Beispiel Karstens 1994). Der aktuelle Forschungstrend geht dahin, computergestützte Systeme zu entwickeln, welche anhand von mathematischen Kriterien Keramikformen erkennen sollen. Die Formen selbst können noch detaillierter in verschiedene Typologien (→ Keramiktypologie) unterteilt werden. Diese werden meist versehen mit Nummern und Buchstaben, um die verschiedenen (oft an kleinen Details unterschiedenen) Typen zu kennzeichnen.

Wichtig für die genaue Identifizierung von Gefäßen ist ihre Verzierung. Zum einen können Verzierungen auf die Oberfläche selber aufgetragen werden (zum Beispiel Glasur, Überzug [„Slip“]) oder separat angefertigte Applikationen, die an das Gefäß angebracht wurden. Auf der anderen Seite kann die Gefäßoberfläche selbst modifiziert werden. Es können Stempelverzierungen, Ritzverzierungen oder Kammverzierungen aufgebracht sein.

Gefäße 07

Über die Funktion und Bedeutung von Verzierungen von Gefäßen wird in der wissenschaftlichen Forschung viel diskutiert. Oftmals basieren archäologische Untersuchungen auf ethnografischen Studien. Zum einen kann die Gefäßverzierung als eine Art von künstlerischem Ausdruck interpretiert werden. Zum anderen kann die Dekoration von Gefäßen auch in einem weiteren sozio-kulturellen Kontext (Religiosität, soziale Hierarchie, ethnische Zugehörigkeit) gesehen werden. Da die Bandbreite der Motive sehr groß ist (naturalistisch, realistisch und geometrisch) ist eine generelle Interpretation der Bedeutung von Verzierungen auf Gefäßen kaum möglich.

1.4.1. Amphora

Gefäße 08

Eine Amphore ist ein vasenförmiges Gefäß mit zwei Henkeln. Ihr Hals ist weitaus schmaler und kleiner als der Rest des Gefäßkörpers. Amphoren existieren in sehr vielen verschiedenen Ausführungen und Größen sowie mit unterschiedlicher Dekoration. Sie werden je nach Größe zum Transport und zur Lagerung von Lebensmitteln verwendet.

1.4.2. Pithos

Gefäße 09

Pithoi sind generell größer (oft mannshoch oder höher) und voluminöser als Amphoren und dienen so als typisches Vorratsgefäß, das gefüllt nicht mehr so leicht bewegt werden kann. Daher haben sie oft Transportösen auf der oberen Hälfte des Gefäßes, durch die Seile gezogen werden können, mit denen der Pithos bewegt werden kann.

1.4.3. Kanne / Krug

Gefäße 10

Eine Kanne oder ein Krug wird meist zum Anreichen oder Gießen von Flüssigkeiten verwendet. Daher weisen sie meist eine Art von Ausgussvorrichtung auf, die in ihrer Form auch variieren kann. Darüber hinaus gibt es Vorratskrüge, in denen meist Flüssigkeiten transportiert oder gelagert wurden. Diese fassen meist bis 20-50 Liter.

1.4.4. Flasche

Gefäße 11

Eine Flasche ist ein Hohlgefäß, welches einen abgesetzten, schmalen Hals und eine enge, schmale Mündung aufweist. Die Höhe der Flasche kann doppelt so hoch wie der Durchmesser des Gefäßes sein. Der Übergang zur Kanne und zum Krug kann fließend sein. Flaschen werden meist zum Transport oder Konsum von Getränken verwendet.

1.4.5. Schüssel / Schale

Gefäße 12

Eine Schüssel bezeichnet ein tiefes bauchiges Gefäß, welches in der Regel breiter als hoch ist. Der Durchmesser beträgt meist mehr als 10-15 cm. Eine sehr niedrige Schüssel kann auch als Schale bezeichnet werden. Die Übergänge und Definitionen von Schalen, Schüsseln und Tellern können fließend ineinander übergehen.

1.4.6. Teller / Platte

Gefäße 13

Ein Teller ist niedriger und flacher als eine Schale. Meist ist der Rand eines Tellers ausgeprägter verziert als der einer Schale oder einer Schüssel. Eine Platte ist größer, aber niedriger als ein Teller. Oftmals ist sie sehr flach geformt. Wie teilweise Schalen und Schüsseln werden Teller und Platten zum Darreichen von Speisen verwendet.

1.4.7. Topf

Ein Topf hat einen bauchigen Gefäßkörper und eine ausgeprägte Schulter. Gefäße, die zum Kochen verwendet werden, werden als Kochtöpfe bezeichnet. Diese hatten meist eine große Öffnung, sodass der Inhalt darin gut umgerührt werden konnte. Oftmals konnten diese mit einem Deckel verschlossen werden. Eine spezifische Form der Kochtöpfe ist die der Kasserolen, welche einen Deckel hatten sowie waagrecht angebrachte Henkel.

Gefäße 14

Kochtöpfe sind im archäologischen Befund relativ leicht zu erkennen, denn oft weisen sie noch Rückstände von Feuer (Brandspuren) auf. Außerdem sind sie aus einer für die Gattung charakteristischen Tonware gefertigt, die sich deutlich von der der Alltagskeramik unterscheidet.

1.4.8. Becher / Kelch / Tasse

Gefäße 15

Ein → Becher hat eine konische, zylindrische Form. Oft kann er den gleichen Durchmesser wie Höhe haben. Die Öffnung ist oftmals nicht größer als ca. 10-15 cm. Ein Becher mit Henkeln wird meist als Tasse bezeichnet. Seine Hauptfunktion ist die des Trinkens. Ein Becher mit sehr hohem, abgesetzten Standfuß wird als Kelch bezeichnet.

2. Gefäße im Alten Testament (Erasmus Gaß)

In der Bibel wird an zahlreichen Stellen auf die unterschiedlichsten Gefäße verwiesen. Da das archäologische Formenspektrum sehr reichhaltig ist, kann bei den biblischen Texten oft nicht mehr genau bestimmt werden, um welchen Gefäßtyp es sich im Einzelfall handelt, zumal die Bibel fast nur über die Funktion des jeweiligen Gefäßes informiert, nicht aber über das Aussehen. Meist ist auch nicht gesichert, aus welchem Material die erwähnten Gefäße gefertigt waren.

Der hebräische Oberbegriff für Gefäß ist kәlî. Eine spezifische Gefäßform ist für kәlî nicht erkennbar, auch wenn z.B. in Ez 4,9 ein großes Vorratsgefäß zur Aufbewahrung von Getreide im Blick ist. Der Ausdruck kәlî lässt sich ganz allgemein auf Gefäße aus Ton, Metall, Holz oder Leder beziehen. Bisweilen wird jedoch lexematisch darauf hingewiesen, dass es sich bei diesen Gefäßen tatsächlich um Keramik handelt. Allgemein spricht man dann von kәlî ḥæræś „Tongefäße“ (Lev 6,21; Lev 11,33; Lev 14,5.55; Lev 15,12; Num 5,17; Jer 32,14), um das Material anzugeben, bzw. kәlî jôṣer „Töpfergefäße“ (2Sam 17,28; Ps 2,9; Jer 19,11), um auf den Hersteller hinzuweisen. Auch das Lexem ḥæræś alleine kann für Tongefäße bzw. Tonscherben verwendet werden. Allerdings wird nur selten durch derartige Zusätze verdeutlicht, dass die jeweiligen Gefäße aus Ton gefertigt sind. Aus diesem Grund sind andere Materialien, wie Metall, Holz und Stein, nicht ausgeschlossen. Vor allem Gefäße, die im Kult eingesetzt werden, sind vermutlich aus Metall gearbeitet. Nur in seltenen Fällen wird explizit betont, dass für bestimmte Kulthandlungen ein Tongefäß nötig oder möglich ist (beim Sündopfer Lev 6,21; bei der Reinigung des Aussätzigen Lev 14,5.55 oder beim Ordal Num 5,17).

Ein weiteres allgemeines Wort für ein tönernes Gefäß könnte ‘ӕṣӕv (Jer 22,28) sein. Dieses Lexem kann etymologisch von der Wurzel ‘ṢB „bilden“ abgeleitet werden. Vermutlich hängt ‘ӕṣӕv mit akkadisch ḫaṣbu „Töpferton“ zusammen. In Jer 22,28 ist ein Gefäß im Blick, an dem niemand Freude hat, vielleicht minderwertiges Küchengeschirr oder Vorratsgefäße (Kelso, 28). Allerdings wäre hier aufgrund der Zusammenstellung mit der pejorativen Wurzel BZJ ein ‘āṣāv „Götzenbild“ denkbar.

Ein ähnlicher Oberbegriff wie kәlî scheint das aramäische Wort māʼn zu sein (Kelso, 22; Becking, 20). Dieses Lexem, das entweder von einer Wurzel ʼNJ „fassen / enthalten“ oder ʼūN „stark / wuchtig sein“ abgeleitet werden kann, wird in den biblischen Texten für Metallgefäße der unterschiedlichsten Art verwendet, die kultisch eingesetzt werden. Derartige goldene und silberne Kultgefäße, die zum Trinken geeignet waren, werden profaniert (Dan 5,2.3.23) oder von → Kyros zurückgegeben (Esr 5,14.15; Esr 6,5; Esr 7,19). Bisweilen wird vermutet, dass solche Tempelgefäße anikonisch die Präsenz Gottes im Tempel symbolisieren (Becking, 28).

2.1. Krug / Kanne

Für Krug bzw. Kanne verwendet das Alte Testament die unterschiedlichsten Wörter: Krüge werden als kad, nevæl bzw. ṣappaḥat bezeichnet. Sie dienen dem Transport und der Bevorratung von Flüssigkeiten und Schüttgut. Für ein Krüglein findet sich der Begriff ʼāsûkh, der funktional mit der Salbung verbunden ist.

Darüber hinaus werden vielleicht noch die Begriffe ṣinṣænæt, qaśwāh und ʼagarṭāl für bestimmte Kannen in kultischer Verwendung gebraucht.

Es hat den Anschein, dass die meisten dieser Gefäße aus Ton hergestellt sind. Lediglich die Kannen, die in kultischem Kontext eingesetzt wurden, könnten vielleicht auch aus Metall gefertigt sein.

2.1.1. kad – großer Transport- / Vorratskrug

Das semitische Wort kad (18 Belege) hat zahlreiche Kognate in den verwandten Sprachen, hängt aber auch mit dem griechischen Begriff kados zusammen, bei dem es sich um eine Weinamphore handelt (Brown, 155f.). Die biblische kad ist demgegenüber ein relativ großer Transport- und Vorratskrug.

Dementsprechend wird eine kad verwendet, um Wasser vom Brunnen bzw. der Wasserquelle zum Haus zu transportieren (Pred 12,6; 1Kön 18,34). In der Regel trug man eine kad auf den Schultern (Gen 24,15.16.18.45). Es war darüber hinaus möglich, aus diesem Gefäß trotz seiner Größe ohne Probleme zu trinken (Gen 24,14.17.43.46). Den Inhalt einer solchen kad konnte man zudem in eine Tränke für das Vieh gießen (Gen 24,20).

Zeitweise konnte eine kad zudem als Vorratskrug dienen. Denn ein derartiger Krug wird immer wieder zum Aufbewahren von Nahrungsmitteln verwendet (1Kön 17,12.14.16: Mehl). Derartige Lagerkrüge waren ausweislich des Inhalts vielleicht etwas kleiner als die transportablen Wasserkrüge. Die Öffnung einer kad war zudem ideal zur Aufnahme von Mehl, da diese so breit war, dass man zum einen leicht eine Handvoll Mehl herausheben konnte, und zum anderen diesen Lagerkrug mit einer Schale oder Stein verschließen konnte.

Eine kad taucht handlungstragend in der Gideonerzählung auf (→ Gideon). Mit einer merkwürdigen Kriegstaktik tragen die Krieger Israels unter der Führung Gideons jeweils kad, Fackel und Widderhorn mit sich, bevor sie in der Nacht über das Lager der → Midianiter herfallen (Ri 7,16.19.20). Durch das Zerschlagen der Krüge werden die darunter verborgenen brennenden Fackeln sichtbar, sodass die Midianiter neben dem Lärm der Widderhörner durch das plötzliche Licht überrascht werden (Groß, 441-443). Dadurch, dass 300 Krieger mit derartigen Gefäßen ausgestattet sind, scheint es sich bei kad um einen gebräuchlichen und leicht erhältlichen Krugtyp zu handeln.

Bisweilen wird das Wort kad nicht nur als Gefäß, sondern – wie andere Gefäßtypen auch – als ganz bestimmtes Hohlmaß verstanden (Kletter, 29f.), über dessen Größe jedoch nichts bekannt ist.

In übertragener Bedeutung kann das Bild einer zerbrochenen kad mit Tod und Vergänglichkeit verbunden sein (Pred 12,6). Das alltägliche Bild des Wasserkrugs, der im Brunnenschacht zerschellt, wird hier neben das Bild der Zerstörung der kostbaren Lampe gesetzt, sodass der Tod als sozialer Gleichmacher auftritt, der keine sozialen Unterschiede berücksichtigt (Köhlmoos, 245).

Aufgrund der oft beobachteten Füllung einer kad mit Wasser wird es sich um einen Wasserkrug handeln, worauf die griechische Übersetzung ὑδρία hydria der → Septuaginta ebenfalls hinweist. Vermutlich hatte eine kad zwei Griffe und einen abgerundeten Boden, der das Tragen erleichterte (Kelso, 19). Der weite flache Rand der kad ermöglichte zudem das leichte Befüllen mit Wasser und verhinderte das Verschütten (Honeyman, 82). Insgesamt war eine kad ein eher zylindrischer Krug mit abgerundetem Boden und weitem flachen Rand.

2.1.2. nevæl – Transport- / Lagerkrug

Oft wird vermutet, dass das Nomen nevæl (11 Belege) zunächst ein Lederschlauch gewesen sei (Honeyman, 85). In der Bibel wird nevæl allerdings fast durchwegs als Begriff für einen großen Vorratskrug mit zwei oder vier Henkeln verwendet, der mit Öl, Wein oder Getreide befüllt wurde (Kelso, 25). Wein wird zudem gerne in einem nevæl abgefüllt (Jer 13,12). Die Verbindung zwischen Krug und Schlauch mag mit der Größe oder auch der Form zusammenhängen. In Jes 30,14 wird nevæl explizit mit jôṣәrîm und in Klgl 4,2 mit ḥӕrӕś verbunden, sodass hier ein getöpfertes Tongefäß und kein Lederschlauch im Blick ist. Ein nevæl kann zudem zerschmettert werden, was wiederum darauf hinweist, dass es sich um ein Keramikgefäß handelt (Jer 48,12). Außerdem kann man nevæl an einem Wandpflock aufhängen (Jes 22,23f.). Oft wurde Wein in einem nevæl transportiert, sodass es sich zwar auch um einen Schlauch handeln könnte (1Sam 1,24; 1Sam 10,3; 1Sam 25,18; 2Sam 16,1), aber für die Bedeutung „Schlauch“ wird in der Regel das Wort noʼd verwendet (Jos 9,4.13; 1Sam 16,20), auch wenn diese Einschränkung von noʼd einzig auf Schlauch trotz einschlägiger Kognate nicht gesichert ist.

Metaphorisch wird die Vorstellung entwickelt, dass der Himmelsozean in nivlê šāmajim „Himmelskrüge“ abgefüllt ist, die umgestürzt werden können (Hi 38,37). Angesichts der Parallele zu šәḥāqîm „Wolken“ dienen hier die Himmelskrüge als Umschreibung für Wolken und als Ursprungsort für Regen.

Die Identifizierung eines nevæl mit einer bestimmten Keramikform ist schwierig. Vielleicht gehören die sogenannten lmlk-Lagerkrüge zum Gefäßtyp nevæl (Kelso, 26). Darüber hinaus wird mit dem sogenannten Askos ein weiterer Typ für die Identifikation mit dem biblischen nevæl vorgeschlagen (Aharoni, 96), zumal auch der Askos eine ähnliche Form wie ein lederner Weinschlauch hatte. Ein Askos hat zudem einen geradlinigen Ausguss, der oberhalb mit einem Henkelgriff verbunden ist. Offenbar war das Füllungsvermögen eines Askos (14 l) in etwa standardisiert.

Möglicherweise ist nevæl ähnlich wie kad auch ein Hohlmaß für Flüssigkeiten, da in 1Sam 1,24 ein Epha Mehl mit einem nevæl Wein verbunden wird und LXX diesen Begriff mit νεβελ nebel transkribiert. Auch die Verwendung des Wortes nevæl in den Samaria-Ostraka deutet eine solche Verwendungsweise an (Jacobson, 84).

2.1.3. ṣappaḥat – kleiner Transport- / Lagerkrug

Das Wort ṣappaḥat (6 Belege) lässt sich etymologisch als qattalat-Form von einer hypothetischen Wurzel ṢPḤ ableiten, deren Bedeutung unklar ist, da es die unterschiedlichsten semitischen Kognate gibt („zusammenpressen“, „ausbreiten“, „ausgießen“). Vielleicht deutet die Wurzel ṢPḤ an, dass es sich um ein dünnwandiges bauchiges Gefäß handelt, das einen Ausguss hatte. Meist wird das Lexem ṣappaḥat mit „bauchiger Krug“ wiedergegeben, der für Wasser (1Sam 26,11.12.16; 1Kön 19,6) und für Öl (1Sam 17,12.14.16) verwendet werden kann.

Aufgrund des Kontextes von 1Sam 26, als → David dem schlafenden Gesalbten → Saul seinen Speer und Wasserkrug wegnimmt, scheint es sich um einen kleineren transportablen Krug zu handeln. Auch in 1Kön 19,6 ist ṣappaḥat ein kleines Wassergefäß, das auf Reisen mitgenommen werden konnte.

In der Erzählung von der Witwe von → Sarepta dient dieses Gefäß zur Aufbewahrung von wertvollem Öl, das für die Zubereitung von Speisen benutzt wird. Auch hier ist ṣappaḥat vermutlich ein kleines Gefäß, da nicht davon auszugehen ist, dass ärmere Personen größere Mengen an Öl bevorraten konnten.

Bisweilen wird vermutet, dass es sich bei ṣappaḥat um die zweihenkelige Pilgerflasche handelt (Kelso, 30). Da in einer ṣappaḥat aber auch geringe Vorräte an Öl gelagert werden können, ist die einschränkende Deutung auf eine Pilgerflasche für Wasser zweifelhaft. Ähnlich wie kad ist auch ṣappaḥat ein Transport- und ein Lagergefäß, allerdings von kleinerer Größe.

2.1.4. ʼāsûkh – Salbkrüglein

Angesichts der etymologischen Ableitung des biblischen hapax legomenon ʼāsûkh von der hebräischen Wurzel SūK „salben“ scheint es sich bei ʼāsûkh um ein Salbgefäß zu handeln (Honeyman, 79). Bisweilen wird ʼāsûkh etymologisch als jiqtol der Wurzel NSK „ausgießen“ gedeutet (Kelso, 16f.), was aber unwahrscheinlich ist.

In der Bibel ist ʼāsûkh ein Krüglein, in dem Öl aufbewahrt werden konnte (2Kön 4,2). Da dieses Gefäß mit einer armen Witwe verbunden wird, war es vermutlich nicht allzu groß.

Vielleicht handelt es sich bei ʼāsûkh um einen vierhenkeligen Vorratskrug, bei dem ein Henkel eine Vertiefung für das Schöpfgefäß aufweist. Durch diesen sogenannten „falschen Ausguss“ konnte das Öl zudem in das Gefäß zurücklaufen.

2.1.5. ṣinṣænæt – Vorratskanne

Die etymologische Ableitung des Lexems ṣinṣænæt (1 Beleg) ist schwierig. Ob es sich um einen Korb, wie die etymologische Verbindung mit aramäisch ṣinnāʼ „Korb“ nahelegt, oder um einen Krug, wie die antiken Übersetzungen andeuten, handelt, ist ungewiss. Es scheint zumindest ein Gefäß gewesen zu sein.

Das nur einmal belegte Wort ṣinṣænæt bezeichnet ein Gefäß, in welches Mose ein Gomer Manna (etwas mehr als 2 l) zur Aufbewahrung für Jahwe hineingab (Ex 16,33). Ob mit Manna das Gefäß ganz gefüllt oder ob nur der Boden bedeckt ist, ist fraglich. Wahrscheinlich ist es aufgrund der geringen Füllmenge nur eine Kanne, die der Bevorratung diente. In der Bibel wird ṣinṣænæt in kultischem Kontext verwendet. Ob deshalb dieses Gefäß aus Metall gefertigt ist, kann nicht mehr gesagt werden. In der rabbinischen Literatur wird in der Mekhilta zu Exodus eine ṣinṣænæt als Tongefäß definiert (Cohen, 179). In LXX wird diese ṣinṣænæt zudem als „golden“ beschrieben, wobei es sich aber wohl nur um eine fromme Ergänzung handelt (Honeyman, 88).

2.1.6. qaśwāh – Libationskanne (Kult)

Der Begriff qaśwāh (4 Belege) ist entweder als Primärnomen zu deuten oder von einer ansonsten unbekannten Wurzel QŚJ abzuleiten, sodass die genaue Bedeutung von qaśwāh kaum noch ermittelt werden kann. Das Bedeutungsspektrum reicht daher von Kanne über Schale bis hin zu Löffel.

Dieses kultische Gefäß, das zusammen mit drei anderen Gefäßtypen auf dem Schaubrottisch stand, ist zumindest aus Gold gefertigt (Ex 25,29; Ex 37,16). Es dient vermutlich dem Trankopfer, da es sich in Num 4,7 bei qәśôt hannāsӕkh explizit um Gefäße für das Trankopfer handelt. Außerdem instruiert David seinen Sohn Salomo über die goldenen qәśāwot, die kultisch im Tempel eingesetzt werden, ohne dass deren Funktion bestimmt wird (1Chr 28,17). Die anderen drei Gefäßtypen des Schaubrottisches fehlen auffälligerweise in 1Chr 28, sodass es sich vielleicht bei diesen qәśāwot um andere Gegenstände handelt.

Bei den beiden Aufzählungen der Gefäße des Schaubrottisches wird entweder qaśwāh (Ex 37,16) oder mənaqqît (Ex 25,29) direkt mit Libation verbunden, sodass beide Gefäßtypen vielleicht gemeinsam beim Trankopfer verwendet wurden (Gane, 183). Vielleicht ist daher qaśwāh eine Kanne, mit der die Flüssigkeit in die Opferschale mənaqqît gegossen wird (Kelso, 31).

2.1.7. ʼagarṭāl – Krater (Kult)

Die etymologische Ableitung von ʼagarṭāl (2 Belege) ist abgesehen von dem prosthetischen Aleph unsicher. Vielleicht ist ein Bezug zum griechischen Wort Krater möglich.

In nachexilischer Zeit wird als Gefäß der sogenannte ʼagarṭāl verwendet (Esr 1,9), bei dem es sich um ein kultisches Metallgefäß aus Gold oder Silber handelt. Derartige Gefäße werden von Kyros dem judäischen Statthalter → Scheschbazar übergeben.

Der Ausdruck ʼagarṭāl scheint ein Oberbegriff für verschiedene Behälter aus Gold oder Silber zu sein, da in Esr 1,9 nicht nach Form differenziert wird. Nach LXX ist der ʼagarṭāl ein ψυκτήρ psyktēr „Kühlgefäß“, das mit einem Krater verbunden wird. Allerdings muss die griechische Wiedergabe nicht notwendigerweise zuverlässig sein. Aufgrund der Etymologie wird es sich bei ʼagarṭāl vermutlich um einen kultisch eingesetzten Krug bzw. Krater handeln.

2.2. Flasche

Flaschenähnliche Gefäße sind in der hebräischen Bibel nur selten belegt. Außerdem ist die Abgrenzung zu Krug bzw. Kanne schwierig.

2.2.1. baqbûq – Dekanter

Vermutlich gehört zu dieser Gruppe der sogenannte baqbûq (3 Belege), der ausweislich seiner onomatopoetischen Ableitung und mehrerer semitischer Kognate ein „gurgelndes Gefäß“ ist (Honeyman, 80). Dementsprechend wird das mit baqbûq verbundene Gefäß einen engen Hals besessen haben, sodass beim Ausgießen ein gurgelndes Geräusch entsteht und das Wasser auf diese Weise belüftet wird.

Wenn dieses Gefäß zerbrach, konnte es aufgrund seines engen Halses nicht mehr wiederhergestellt werden, sodass Jeremia bei seiner in Jer 19 erzählten prophetischen Zeichenhandlung einen baqbûq verwendete (Jer 19,1.10). In 1Kön 14,3 wird zudem ein baqbûq mit Honig gefüllt, um den blinden Propheten → Ahija von → Silo über die königliche Herkunft des Geschenks zu täuschen. Offenbar wurde Honig ansonsten nicht in einen baqbûq gefüllt.

Die Identifizierung eines baqbûq mit einem archäologisch belegten Gefäßtyp ist schwierig. Ein baqbûq scheint zumindest eine Art Wasserdekanter zu sein, der für die unterschiedlichsten Zwecke dienen konnte. Oft wird angenommen, dass der baqbûq ein enghalsiges, einhenkeliges, bauchiges Gefäß mit Standring ist.

2.2.2. pakh – kleine Flasche

Darüber hinaus gibt es für den Gefäßtyp der Flasche auch noch die Bezeichnung pakh. Ausweislich der Etymologie von einer Wurzel PKJ „tröpfeln“ wird es sich um ein Gefäß mit einem dünnen Hals handeln, da dieses Verb das Tropfen onomatopoetisch verdeutlicht.

Dieses Gefäß wird bei der → SalbungSauls durch → Samuel verwendet (1Sam 10,1). Es wird sich bei einem pakh vermutlich um ein kleineres Fläschchen handeln, das bei einer geheimen Aktion ohne Aufsehen verwendet werden kann, wie die Salbung → Jehus durch einen Prophetenschüler → Elisas zeigt (2Kön 9,1.3).

Bei einem pakh ist wahrscheinlich eine kleine Flasche im Blick, die aufgrund der biblischen Belege zur Aufnahme von parfümiertem Öl zur Salbung gebraucht werden kann. Ob es noch andere Verwendungszwecke für pakh gibt, ist fraglich, zumal bei allen Belegen immer noch explizit die Bezeichnung šӕmӕn „Öl“ ergänzt wird. Insofern ist es auch möglich, dass ein pakh mit anderen Flüssigkeiten gefüllt werden kann.

2.3. Schüssel

Für den Gefäßtyp der Schüssel finden sich in der hebräischen Bibel nur zwei Wörter: mišʼæræt und qә‘ārāh.

2.3.1. mišʼæræt – Brottrog / -schüssel

Das seltene Wort mišʼæræt (4 Belege) kann eine bestimmte Schüssel bezeichnen, die zum Backen verwendet wird. Vermutlich ist dieses Wort von dem Primärnomen śәʼor „Sauerteig“ abzuleiten. Dementsprechend würde mit diesem Gefäß ein Sauerteig angesetzt werden. Eine mišʼæræt wäre folglich je nach Größe ein Backtrog bzw. eine Backschüssel, in der der Teig geknetet wird.

Zu dieser Ableitung passt ebenso die biblische Verwendung. Denn in Ex 7,28 wird mišʼæræt mit dem Backofen verbunden. Es wird sich somit um einen größeren Trog zum Kneten des Teigs handeln. Da hier mišʼæræt und ṭænæʼ „Korb“ miteinander verknüpft werden, wird es sich bei mišʼæræt ebenfalls um ein Gefäß handeln, auch wenn LXX in Ex 7,28 mit φύραμα phyrama nur an „Teigklumpen“ denkt (Propp, 326). Offenbar konnten diese Gefäße aber auch klein und transportabel sein, da die Israeliten ihre Backschüsseln in Kleidung gewickelt auf ihren Schultern tragen konnten (Ex 12,34). Darüber hinaus wird im Kontext von Segen und Fluch die Backschüssel gesegnet oder verflucht (Dtn 28,5.17).

Archäologisch ist mišʼæræt nur schwer mit einem belegten Gefäßtyp zu identifizieren. Derartige Gefäße sind zudem entweder aus Ton oder aus Holz gefertigt (Kelso, 25). Offenbar ist zudem der Verwendungszweck der mišʼæræt auf den Bereich des Backens eingeschränkt.

2.3.2. qә’ārāh – Metallschüssel (Kult)

Der Begriff qә‘ārāh scheint ausweislich der etymologischen Ableitung von einer Wurzel Q‘R „tief sein“ eine Schüssel zu sein, da dieses Wort eine größere Vertiefung bzw. Aushöhlung im Blick hat. Insofern kann qә‘ārāh eigentlich keine Platte sein (so aber Carstens, 116).

Derartige Schüsseln stehen auf dem Schaubrottisch, ohne dass hier deren Funktion beschrieben wird (Ex 25,29; Ex 37,16; Num 4,7). Allerdings wird wiederholt darauf hingewiesen, dass die qә‘ārot wie auch die anderen Gefäße für den Schaubrottisch aus reinem Gold gefertigt werden sollen. Aufgrund des verwendeten Materials kann es sich bei einer qә‘ārāh nicht um eine Pfanne zum Backen der Schaubrote handeln. Vielleicht fehlen solche Gefäße im Salomonischen Tempel, da in der Beschreibung von 1Kön 7 keine qә‘ārot mehr auftauchen. Dann wären die Schaubrote im Tempel direkt auf dem Schaubrottisch gelagert worden (Hurowitz, 162). Außerdem werden zwölf silberne Schüsseln von den Stammesfürsten für das Heiligtum gespendet (Num 7,13.19.25.31.37.43.49.55.61.67.73.79.84.85), die jeweils 130 Schekel (an die 2 kg) wiegen und in denen Mehl mit Öl für das Speiseopfer gemischt wurde.

Eine Identifizierung mit einer archäologisch bezeugten Gefäßform ist nahezu unmöglich. Es handelt sich jedoch um eine Metallschüssel aus Gold oder Silber, die kultisch verwendet wurde.

2.4. Schale

Für Schale gibt es in der hebräischen Bibel ebenfalls zahlreiche Bezeichnungen: ʼaggān, gullāh, kaf, mizrāq, mənaqqît, saf, sefæl, ṣallaḥat, ṣәloḥît und eventuell noch jā‘, sowie der nur in nachexilischen Texten belegte Terminus kәfôr. Einige dieser Schalen tauchen ausschließlich in kultischen Kontexten auf, während andere Schalen offenbar auch in profanem Gebrauch üblich sind.

2.4.1. ʼaggān – Misch- / Sprengschale

Bei ʼaggān (3 Belege) könnte es sich um ein akkadisches Lehnwort handeln, das für eine weite Tonschale steht, in der Mischwein gereicht wurde (Hhld 7,3). Insofern wird der ʼaggān gerne als Mischgefäß für Wasser und Wein gesehen (Brown, 158). Etymologisch könnte dieses Wort mit der semitischen Wurzel ʼGN „rund sein“ verbunden werden (Honeyman, 78).

Nach Jes 22,24 zählt ein ʼaggān zu den eher kleinen Gefäßen (Jes 22,24). Außerdem konnte dieses offenbar zerbrechliche Gefäß (Jes 22,25) an der Wand aufgehängt werden. Es scheint sich bei ʼaggān um eine funktional unterscheidbare Gruppe von Gefäßen zu handeln, da hier von kәlê hāʼaggānôt die Rede ist.

Darüber hinaus kann ein ʼaggān aber auch kultisch verwendet werden. Derartige ʼaggānôt dienen zur Aufbewahrung des Opferbluts (Ex 24,6), das später über das Volk ausgesprengt wurde (Ex 24,8). Da zu diesem kultischen Zweck mehrere Schalen verwendet werden, muss es sich ebenfalls nicht um ein großes Gefäß handeln. Aus welchem Material diese kultische Schale gefertigt ist, kann zwar nicht mehr gesagt werden. Da diese Schale aber beim kultischen Dienst nicht zerbrechen durfte, wird man von einer Sprengschale aus Metall ausgehen dürfen (Kelso, 16).

Eine Identifizierung dieser Mischschale bzw. kultischen Sprengschale mit einem bestimmten archäologisch belegten Gefäßtyp ist kaum noch möglich. Vielleicht handelt es sich um eine große Bankettschale mit zwei oder vier Henkeln, die halb so hoch wie ihr Durchmesser (etwa 40 cm) war.

2.4.2. gullāh – Ölschale

Aufgrund der Herleitung des hebräischen Lexems gullāh (3 Belege) von einer Wurzel GLL und der semitischen Kognate scheint gullāh eine runde, kugelförmige bzw. schalenartige Form gehabt zu haben. Die Etymologie scheint etwas Rundes anzudeuten, sodass die abgeleitete Bedeutung „Schale / Becken“ durchaus naheliegend ist.

Nach Sach 4,2-3 ist gullāh eine Ölschale oberhalb des → Leuchters. Da in Pred 12,6 eine silberne Schnur mit einer goldenen gullāh verbunden ist, könnte es sich um eine Lampenschale handeln, die von der Decke hängt und mit der silbernen Schnur befestigt ist. Auch in diesem Fall wäre an eine Ölschale zu denken (Köhlmoos, 245). Darüber hinaus wird dieser Begriff noch als Dekorelement in Verbindung mit den beiden Säulen → Jachin und Boas genannt (1Kön 7,41f.; 2Chr 4,12f.), ohne dass ein separater Gegenstand im Blick ist.

Bei einer gullāh handelt es sich offenbar um eine Ölschale aus Metall, die zur Beleuchtung verwendet wurde. Eine Identifizierung mit archäologisch belegten Gefäßen ist schwierig.

2.4.3. sefæl – Bankettschale

Ein weiterer Ausdruck für Schale ist sefæl. Bei ihm könnte es sich um ein Lehnwort handeln, das vom akkadischen Lexem saplu „(Metall)schale / Schüssel“ abgeleitet werden kann. Noch in der Neuzeit wird eine große Schüssel aus Ton mit einem Durchmesser von etwa 1 m, die als Waschbecken verwendet wird, als sifl bezeichnet. Das arabische Wort sifl ist zudem ein hebräisch / aramäisches Lehnwort und hängt direkt mit sefæl zusammen (Sukenik, 59f.). Allerdings ist fraglich, ob ein derart großes Gefäß zum Trinken geeignet ist.

In der Bibel wird ein sefæl nur zweimal im Richterbuch genannt. → Jael reicht eine kostbare Trinkschale mit Milch dem erschöpften → Sisera (Ri 5,25). Möglicherweise ist dieser sefæl aufgrund des nomadischen Kontextes aus Holz gefertigt und nicht allzu groß (Honeyman, 86). In einem solchen Gefäß drückt → Gideon die vom Tau nasse Wolle aus (Ri 6,38). Dies kann jedoch nur in einer relativ großen Schale geschehen.

Es könnte sich bei sefæl um eine große zweihenklige Bankettschale aus Ton handeln (Kelso, 28), auch wenn dies eigentlich nicht zum arabischen Lehnwort sifl passt. Aber in einer solchen Bankettschale könnte man Milch reichen und auch die nasse Wolle ausdrücken. Dafür, dass sefæl aus Metall hergestellt sein könnte, gibt es keinen Hinweis. Obschon sefæl aufgrund der Verwendung in Ri 5,25 eher die handtellergroße Trinkschale zu sein scheint, kann man diese Bedeutung eigentlich nicht mit Ri 6,38 verbinden.

2.4.4. ṣallaḥat – Servierschale

Bei ṣallaḥat (3 Belege) könnte es sich um eine Art Servierschale handeln, was ausweislich der etymologischen Ableitung von einer Wurzel ṢLḤ „aushöhlen“ durchaus naheliegend ist (Thomas, 273). Gelegentlich wird eine Verbindung zu akkadisch ṣilūtu gezogen, ebenfalls ein Gefäß (Cathcart, 56).

Nach 2Kön 21,13 wischt man eine ṣallaḥat aus und stellt sie dann auf den Kopf. Die ṣallaḥat hatte daher vermutlich keine Griffe zum Aufhängen. Nach Spr 19,24; Spr 26,15 ist der Faule sogar zu faul, die Hand von der Schale in den Mund zu führen. Dementsprechend könnte ṣallaḥat eine Schale zur Aufbewahrung bzw. zum Servieren von Lebensmitteln sein.

Der Begriff ṣallaḥat bezeichnet somit nach Ausweis der biblischen Belege vielleicht eine mittelgroße Servierschale, die kleiner als sefæl war und keine Henkel besaß (Kelso, 29f.).

2.4.5. ṣәloḥît – kleine Schale

Das Lexem ṣәloḥît, das nur einmal in der Bibel belegt ist, ist vermutlich eine aramaisierende Nominalform der Wurzel ṢLḤ „aushöhlen“. Dementsprechend wird es sich wohl wie bei ṣallaḥat um eine Schale handeln.

Im Kontext von 2Kön 2,20 befiehlt → Elisa, Salz in eine ṣәloḥît zu schütten. Mit diesem Gefäß geht er dann zur Quelle und reinigt anschließend mit dem Salz aus der ṣәloḥît das Wasser. Es ist kaum vorstellbar, dass Elisa dieses Wunder mit einer Flasche oder einem Krug vollzieht (entgegen Honeyman, 88). Vielmehr wird er das Salz aus einer Schale genommen haben (Kelso, 29).

Es könnte sich bei einer ṣәloḥît entweder um eine kleine Schale oder um einen Napf von kleiner oder mittlerer Größe handeln. Eine Identifizierung mit archäologisch belegten Gefäßtypen ist nicht möglich.

2.4.6. kaf – Räucherschale (Kult)

Das hebräische Wort kaf „Hand(fläche)“ bezeichnet einen handähnlichen Gegenstand und kann daher ebenfalls eine Art kleine Schale meinen, die nach dem Kontext der Belegstellen kultisch verwendet wurde.

Das Wort kaf (19 Belege) wird für kultische Gefäße aus reinem Gold verwendet. Derartige Schalen gehören zur Ausstattung des Schaubrottisches der Stiftshütte (Ex 25,29). Da diese Gefäße explizit mit dem Schaubrottisch verbunden werden, scheint es sich kaum um Schöpflöffel zu handeln (Kelso, 22, dagegen aber Levine, 257). Außerdem werden zwölf kappot im Kult für Räucheropfer verwendet, ohne dass die damit verbundene Handlung beschrieben wird. Diese Räucherschalen waren jeweils zehn Schekel schwer (Num 7,14.20.26.32.38.44.50.56.62.68.74.80.84.86). Auf derartigen Schalen wurden vermutlich Weihrauch und andere Gewürze dargebracht (Hurowitz, 158). Diese Räucherschalen werden bereits auf Salomo zurückgeführt (1Kön 7,50). Sie gehen schließlich bei der Zerstörung des ersten Tempels durch die Babylonier verloren (2Kön 25,14; Jer 52,19).

Daneben könnte es noch weitere Schalen aus Bronze gegeben haben, die im Opferritual verwendet wurden (Jer 52,18). Allerdings könnten hier aber auch die goldenen Räucherschalen gemeint sein, da kappot hier nicht explizit mit dem Material Bronze verbunden wird.

Offenbar handelt es sich bei kappot ausschließlich um goldene Räucherschalen. Eine Identifizierung mit archäologisch belegten Exemplaren ist jedoch schwierig.

2.4.7. mizrāq – Sprengschale (Kult)

Ein geläufiger Terminus für eine besondere Art von Schale ist das Wort mizrāq (32 Belege). Das an sich maskuline Wort bildet zwei unterschiedliche Pluralformen mizrāqîm (nur Sach 14,20 und die maskuline constructus-Form mizrәqaj in Num 7,84; 2Chr 4,8; Am 6,6) und mizrāqôt, wobei hier keine Bedeutungsdifferenz zu erkennen ist. Bei diesem Lexem handelt es sich um eine miqtāl-Form der Wurzel ZRQ „versprengen / streuen“ (Levine, 168). Der Begriff mizrāq bezieht sich somit auf die Funktion. Ein mizrāq wäre dementsprechend ein Sprenggefäß bzw. eine Schale für Flüssigkeiten, die appliziert werden. Vielleicht ist mizrāq aber auch eine Schale zum Ausgießen von Flüssigkeit, zumal die Wurzel ZRQ in priesterlichen Texten die Bedeutung von ŠPK „ausgießen“ übernommen hat (Hurowitz, 157). Allerdings passt diese Bedeutung als Libationsgefäß nicht zur Verwendung im Rahmen des Blutopfers. Für eine Deutung als Mischgefäß gibt es ebenfalls keinen Hinweis. In den biblischen Belegen wird ein mizrāq aus Metall, nicht aus Ton hergestellt. Ob es ausweislich dieser Beobachtung auch profane mizrāqôt aus Ton gab, ist somit fraglich (gegen Kelso, 22).

Diese Sprengschalen aus Bronze sind im Kontext des Brandopferaltars (Ex 27,3; Ex 38,3; Num 4,14) belegt. Auch für den Salomonischen Tempel wurden mizrāqôt von → Hiram aus Bronze gefertigt (1Kön 7,40.45; 2Chr 4,11). Daneben gibt es aber auch noch mizrāqôt aus Gold (1Kön 7,50; 2Chr 4,8.22). Vielleicht waren diese Sprengschalen für den Dienst im eigentlichen Tempelgebäude bestimmt. Mit diesen sehr wertvollen mizrāqôt konnte man folglich das Opferblut ins Allerheiligste bringen. Demnach hätte man zwei unterschiedliche Funktionen der mizrāqôt. Die bronzenen Gefäße waren für das Opferblut während des Dienstes außerhalb des Tempelgebäudes gedacht, während die goldenen Gefäße für den Kult im Tempelinneren bestimmt waren (Greer, 30f.). Die Deutung als Sprengschalen für das Opferblut lässt sich vielleicht aus Sach 14,20 ableiten. Im Rahmen von Gericht und Heil wird nämlich der Begriff mizrāq für eine Art Opferschale gebraucht (Sach 9,15; Sach 14,20). Da nach Sach 9,15 Blut in einem mizrāq aufbewahrt wird, könnte diese Stelle die Deutung belegen, dass es sich bei mizrāq in erster Linie um eine Sprengschale für das Opferblut gehandelt haben wird.

Außerdem werden zwölf silberne Sprengschalen von den Stammesfürsten für das Heiligtum gespendet (Num 7,13.19.25.31.37.43.49.55.61.67.73.79.84.85). Diese Sprengschalen enthalten Mehl und Öl und werden für das vegetabilische Opfer verwendet. Vielleicht dienen diese Schalen dazu, das Öl beim Speiseopfer hinzuzugießen (Greer, 28). Allerdings sind nach Num 7 sowohl die mizrāqîm wie auch die kappôt mit einer Mischung von Öl und Mehl gefüllt, sodass vielleicht diese Paste im Kult versprengt wird.

Unter → Joasch wurde lediglich das Tempelgebäude restauriert, aber keine neuen silbernen Sprengschalen angeschafft (2Kön 12,14). Die bronzenen, silbernen und goldenen Sprengschalen wurden schließlich bei der Tempelzerstörung von den Babyloniern weggeschafft (Jer 52,18.19).

Nach dem Propheten → Amos werden diese Sprengschalen von der Oberschicht profaniert (Am 6,6). Vermutlich liegt hier die prophetische Anklage weniger im Vorwurf des exzessiven Gelages und der Maßlosigkeit, sondern im kultischen Frevel. Allerdings wäre aufgrund von Am 6,7 auch eine Verortung dieser mizrāqîm im Rahmen der Marzeaḥ-Feierlichkeiten möglich (King, 99), die hier überspitzt kritisiert werden.

Falls man sich ausschließlich auf diese Verortung im Trinkgelage stützt, dann könnte man mizrāq mit einer großen vierhenkligen oder kannelierten Trinkschale gleichsetzen (King, 104). Dies gilt freilich nur, wenn man in Am 6,6 eine andere Bedeutung als bei den anderen Stellen annehmen darf. Auch eine Sonderbedeutung als großer tönerner Krater ist kaum wahrscheinlich, denn nach Num 7,85 wiegt eine derartige silberne Sprengschale nur 70 Schekel (gut 1 kg), sodass sie lediglich ein kleines Gefäß sein kann. An überdimensionierten Weinkonsum der Oberschicht mit großen Krateren ist somit hier ebenfalls nicht zu denken.

Manchmal wird mizrāq mit einem kernos identifiziert (Borowski, 153). Ein kernos ist ein röhrenförmiger Ring, an dessen Oberseite Vorsprünge in Form von Tieren, Vögeln, Früchten oder anderen Objekten angebracht sind. Dieser Ring kann auch mit einer Schale verbunden sein. Aus diesen Vorsprüngen lässt sich das Getränk in die Münder der Trinkgesellschaft von Am 6,6 gießen, was der Wurzel ZRQ durchaus entspricht. Dass bei dieser Trinktechnik wertvoller Wein verschüttet und verschwendet wird, ist leicht einzusehen. Die Kritik besteht bei dieser Deutung im übermäßigen und verschwenderischen Weinkonsum. Derartige kernoi scheinen zudem im Trauerkult verwendet worden zu sein. Das Freudenfest in Am 6,6 wäre somit ironisch mit dem Untergang des Nordreichs verbunden (Borowski, 156f.).

Ob man jedoch nur mit Am 6,6 einen mizrāq mit einer Trinkschale, einem Krater oder einem kernos gleichsetzen darf, ist fraglich. Aufgrund der etymologischen Ableitung und der Verwendung im Kult an der Stiftshütte bzw. am Salomonischen Tempel wird es sich eher um eine Sprengschale aus verschiedenem Metall für das Opferblut oder das Mehl-Öl-Gemisch handeln. Eine Gleichsetzung mit einem bestimmten archäologisch belegten Gefäßtyp ist schwierig, da der mizrāq vermutlich nur im Jerusalemer Kult belegt ist und eine profane Verwendung nicht ersichtlich ist.

2.4.8. mәnaqqît – Libationsschale (Kult)

Unter dem Wort mәnaqqît versteht man aufgrund der etymologischen Ableitung von NQJ „reinigen“ eine Opferschale aus Gold, die im Kult zur Reinigung eingesetzt wurde. Möglicherweise ist auch eine Verbindung zu akkadisch naqu „opfern / libieren“ möglich (Carstens, 116).

Derartige Libationsschalen wurden im Kult der Stiftshütte (Ex 25,29; Ex 37,16; Num 4,7), aber auch im Salomonischen Tempel verwendet. Für die Verwendung im Tempel spricht eine Notiz in Jer 52,19, nach der die Babylonier diese Gefäße nach der Eroberung Jerusalems mitgenommen haben. Nach Ex 25,29 ist die mәnaqqît aus reinem Gold gefertigt. Außerdem gießt man das Trankopfer entweder „mit ihnen“ (bāhen) aus oder man gießt das Trankopfer in diese Schalen. Die mәnaqqît wird zusammen mit qaśwāh, kaf und qә‘ārāh auf dem Schaubrottisch deponiert. Da in Ex 37,16 der gleiche Satz mit der Libationskanne qaśwāh verbunden ist, ist die Zuordnung der beiden Libationsgefäße nicht klar. Vielleicht hat man das Trankopfer von der qaśwāh in die mәnaqqît gegossen.

Auffälligerweise finden sich die Libationsgefäße mәnaqqît und qaśwāh nicht mehr in der Beschreibung der Tempelgefäße in 1Kön 7 (Hurowitz, 162). Vielleicht wurden daher mәnaqqît und qaśwāh erst relativ spät in den Tempelkult eingeführt, zumal mit einer Libation die anthropomorphe Vorstellung eines aus Trinkschalen trinkenden Gottes abgeschwächt wird.

Vermutlich ist die mәnaqqît eine Libationsschale. Eine Identifizierung mit archäologisch belegten Gefäßen ist schwierig, da es die mәnaqqît nur im Tempel gab und diese Gefäße nach der Eroberung Jerusalems verlustig gingen. Eine Deutung als Schöpflöffel oder Rohr ist demgegenüber eher unwahrscheinlich.

2.4.9. saf – Opferschale (Kult)

Das Primärnomen saf (5 Belege) ist nur schwierig wiederzugeben, zumal die Homonyme unterschiedliche Bedeutungen haben. Die Übersetzungsmöglichkeiten reichen von Schale über Schüssel bis hin zu Becken. Interessanterweise wird dieser Begriff auch in akkadischen Texten als kultisches Gefäß für Getränke benutzt, die in Verbindung zu einem Gabentisch für eine Gottheit analog zum biblischen Schaubrottisch stehen (Hurowitz, 155).

Ein saf scheint aufgrund der biblischen Belege zunächst eine kleine Schale aus Keramik für den alltäglichen Gebrauch zu sein (Kelso, 27f.), da alle Israeliten ein derartiges Gefäß vermutlich aus Keramik für das Opferblut haben, das mit einem Ysopzweig an die Türpfosten gestrichen wird (Ex 12,22). An dieser Stelle ist vermutlich ein Gefäß vorausgesetzt, da hier bassaf und nicht ‘al saf steht (Propp, 408). Da in 2Sam 17,28 vielleicht eher von sappāh „Bettdecke“ anstelle von saf auszugehen ist (Honeyman, 59), kann dieser Beleg nicht dafür herangezogen werden, dass saf ein Metallgefäß im Gegensatz zu den folgenden Tongefäßen darstellt.

Aufgrund der Verwendung von saf als Schale für das Opferblut in der Passanacht könnten auch die gleichnamigen kultischen Gefäße für die Aufnahme des Opferblutes gedacht sein. Derartige Schalen sind aus Gold (1Kön 7,50) oder Silber (2Kön 12,14) gefertigt. Diese Kultgeräte wurden bei der Eroberung Jerusalems von den Babyloniern entwendet (Jer 52,19).

Im Rahmen einer Ansage des Unheils kann saf in übertragener Bedeutung ebenfalls verwendet werden, wenn es in Sach 12,2 um eine Taumelschale geht (→ Becher / Taumelbecher). Ob bei diesem Bild an realistische Verhältnisse gedacht ist, ist fraglich. Insofern muss hier nicht von einer sehr großen Schale ausgegangen werden, die alle Völker nach dem Trinken taumeln lässt. Denn schon kleine Dosen des toxischen Getränks können gefährliche Folgen nach sich ziehen.

Zunächst scheint saf eine kleinere Keramikschale gewesen zu sein, die aber aufgrund der Verwendung in der Passanacht später für den Kult ebenfalls herangezogen und aus Gold oder Silber hergestellt wurde. Eine kultische Opferschale wurde folglich nach der biblischen Erzählung auf eine alltägliche Keramikschale zurückgeführt. Eine genaue Identifizierung mit bekannten archäologischen Gefäßtypen ist nicht möglich. Ob diese Schale einen hohen Fuß hatte, wie dies gelegentlich vermutet wird, ist nicht gesichert. Es wird sich eher um eine gewöhnliche Schale gehandelt haben.

2.4.10. jā‘ – bronzene Opferschale (Kult)

Unsicher in seiner Deutung ist der Begriff jā‘ (9 Belege), der nur als Plural belegt ist. Meist wird jā‘ mit der Wurzel J’J „beseitigen / wegfegen“ verbunden und daher mit „Schaufel“ wiedergegeben (Propp, 422). Allerdings tauchen jā‘îm immer wieder in Verbindung mit anderen Gefäßen auf, sodass es sich hierbei ebenfalls um Behälter handeln wird. Hierfür spricht auch die etymologische Verbindung mit arabisch wi‘āʼ „Gefäß / Behälter“, während eine ägyptische Herleitung eher zweifelhaft ist (so Kelso, 18f.).

Derartige jā’îm werden in der Bibel wiederholt mit dem transportablen Brandopferaltar genannt (Ex 27,3; Ex 38,3; Num 4,14). Diese Gefäße scheinen ausschließlich aus Bronze hergestellt zu sein. Für den Salomonischen Tempel werden nämlich ebenfalls bronzene jā’îm von Hiram von Tyros gefertigt (1Kön 7,40.45 // 2Chr 4,11.16), die bei der Tempelzerstörung von den Babyloniern konfisziert werden (2Kön 25,14 // Jer 52,18).

Da die jā’îm meist zwischen den Töpfen und Sprengschalen genannt werden, wird es sich auch bei ihnen um Opferschalen gehandelt haben, die ausschließlich aus Bronze hergestellt wurden. Eine Identifizierung dieses Kultgeräts mit archäologisch belegten Gefäßen ist nicht mehr möglich.

2.4.11. kәfôr – nachexilische Opferschale (Kult)

Ein spätes nachexilisches Wort ist kәfôr (9 Belege). Möglicherweise ist kәfôr eine qitāl-Form der Wurzel KPR „sühnen“. Derartige Nominalbildungen werden für die Namen von Werkzeugen verwendet. Dementsprechend wäre kәfôr ein Gefäß zur Sühnung, vielleicht eine spezielle Opferschale.

Schon im Salomonischen Tempel gab es angeblich kәfôrîm. Diese Gefäße sind aus Gold und Silber hergestellt (1Chr 28,17). Neben anderen Kultgegenständen wurden auch kәfôrîm von Kyros dem judäischen Statthalter → Scheschbazar zurückgegeben (Esr 1,9), wobei die silbernen kәfôrîm einer zweiten Klasse angehören und aufgrund ihrer großen Anzahl vielleicht kleiner als die goldenen sind (Kelso, 21). Außerdem fügte → Esra noch 20 weitere kәfôrîm aus Gold hinzu (Esr 8,27).

Zur Form eines kәfôr kann ausweislich der schütteren biblischen Angaben nur sehr wenig gesagt werden. Auch die semitischen Kognate von kәfôr, die zwischen Korb, Krug und Gefäß schwanken, lassen keine spezifische Form erkennen. Angesichts dieser Unbestimmtheit wird der kәfôr entweder als Schale oder als Becher wiedergegeben. Oft wird vermutet, dass kәfôr in nachexilischer Zeit den Terminus saf ersetzt habe. Demnach wäre kәfôr ebenfalls eine Schale gewesen. Bisweilen wird sogar angenommen, dass kәfôr ein Deckelbecher gewesen sei. Allerdings gibt es hierfür keine schlüssige Begründung. Eine Identifizierung des kәfôr mit einem archäologisch belegten Gefäßtyp ist kaum möglich. Dies ist schon deshalb schwierig, da der Begriff kәfôr oft wie ein Allgemeinbegriff bei Aufzählungen verwendet wird, sodass eine spezielle Form eigentlich nicht angezeigt ist.

2.5. Topf / Becken

Für die Gefäßform „Topf“ gibt es in der hebräischen Bibel verschiedene Bezeichnungen: dûd, mærqāḥāh, maśret, sîr, pārûr, ṣelaḥāh und qallaḥat.

Für die Bedeutung „Becken“, die unterschiedliche Funktionen haben können, werden die Lexeme ʼāḥ und kijjôr verwendet.

2.5.1. sîr – sehr großer Kochtopf

Von dem hebräischen Primärnomen sîr (28 Belege) ist das arabische Lehnwort zīr „großes Tongefäß“ abhängig, sodass es sich bei sîr vermutlich um ein großes Gefäß handelt.

Das Wort sîr bezeichnet vermutlich einen großen Topf mit einer weiten Öffnung, da man dieses Gefäß auch als Waschbecken verwenden kann (Ps 60,10 // Ps 108,10). Dieses Gefäß war wohl aus Ton, konnte aber auch aus Metall hergestellt sein, worauf gesondert hingewiesen wird (Ez 24,11). Ein derartiges Metallgefäß konnte verrosten (Ez 24,6). In der Regel ist sîr aber ein tönerner Kochtopf, mit dem Fleisch gekocht wird (Ex 16,3; Ez 11,3.7.11; Mich 3,3). Nach 2Kön 4,38-41 kann darüber hinaus Gemüse in diesem großen Topf zubereitet werden. Sein Feuer konnte mit dem Holz eines Dornstrauches betrieben werden (Ps 58,10; Pred 7,6). Nach Sach 14,20f. scheint sîr sogar ein Oberbegriff für den profanen Kochtopf im Gegensatz zur kultischen Schale zu sein. Ein erhitzter sîr konnte dampfen (Jer 1,13). In einen sîr goss man Wasser zum Erhitzen (Ez 24,3). In ihm konnte Wasser zum Sieden gebracht werden (Hi 41,23).

Der Begriff sîr kann darüber hinaus in kultischer Verwendung ein Oberbegriff für Topf sein, der sich von mizrāq oder ṣallahat differenzieren lässt (Ex 38,3; 1Kön 7,45; 2Chr 4,11; 2Chr 35,13). Hier ist davon auszugehen, dass es sich um bronzene Gefäße handelt (2Chr 4,16). Ob ein sîr allerdings ebenso aus Gold bzw. Silber gefertigt werden konnte (Jer 52,19), ist fraglich. Diese kultischen Kochtöpfe wurden bei der Eroberung Jerusalems neben den anderen Kultgeräten von den Babyloniern konfisziert (2Kön 25,14; Jer 52,18). In einem bronzenen sîr wurde die Fettasche vom Brandopferaltar entfernt (Ex 27,3), sodass es sich in diesem Fall um einen Aschetopf handelt.

Bisweilen wird sîr mit dem archäologisch belegten, großen zweihenkeligen Kochtopf mit großer Öffnung und abgerundetem Boden identifiziert (Honeyman, 85). In früheren Zeiten hatte dieser Kochtopf noch keine Henkel (Kelso, 27).

2.5.2. dûd – großer Kochtopf

Aufgrund der semitischen Kognate ist dûd (3 Belege) sicher ein Topf, der zum Kochen verwendet wurde. Da das Lexem dûd zudem für „Korb“ stehen kann, sieht diese Gefäßform vermutlich wie ein Korb aus.

Ein dûd wird im profanen Bereich zum Kochen verwendet (Hi 41,12). Dementsprechend wird dieses Gefäß vermutlich aus Ton hergestellt sein, auch wenn für die kultische Verwendung sicherlich nur Metallgefäße in Frage kommen (1Sam 2,14; 2Chr 35,13). Da der dûd in der Aufzählung nie an erster Position erscheint, wird er vermutlich kleiner als ein sîr oder ein kijjôr sein.

Ein dûd ist entweder ein tiefer Kochtopf mit rundem Boden und einem Henkel (Honeyman, 81) oder ein tiefer zweihenkliger Kochtopf mit gerundetem Boden (Kelso, 18). Eine definitive Entscheidung für einen bestimmten archäologisch belegten Kochtopftyp kann nicht getroffen werden.

2.5.3. pārûr – kleiner Kochtopf mit Henkel

Der Begriff pārûr (3 Belege) könnte sich explizit auf einen Kochtopf beziehen, wenn man das hebräische Lexem mit dem arabischen Wort fāra „kochen“ zusammenbringen darf.

Auf die Bedeutung „Kochtopf“ weist auch Num 11,8 hin, wo das → Manna im pārûr gekocht wird. Nach Ri 6,19 wird dieser Kochtopf mindestens einen Henkel gehabt haben, da Gideon den Topf mit Brühe zusammen mit anderen Dingen dem Boten Jahwes serviert. In der Aufzählung der unterschiedlichen Kochtöpfe für kultische Handlungen in 1Sam 2,10 wird auch ein pārûr erwähnt, der aufgrund seiner kultischen Verwendung vermutlich aus Metall gefertigt ist. In Sir 13,2 wird der pārûr außerdem mit dem sîr genannt, wobei der pārûr offenbar aus Ton ist, da er zerbrechen kann. Es hat den Anschein, dass es sich um einen kleinen Kochtopf handelt, da er gut transportabel sein muss (Num 11,8; Ri 6,19), einen geringen Inhalt haben kann (Ri 6,19) und in der Aufzählung der Kochtöpfe an letzter Stelle steht (1Sam 2,10).

Aus alledem folgt, dass es sich bei pārûr vermutlich um einen eher kleinen, tiefen, einhenkligen Kochtopf mit rundem Boden aus Ton handelt (Kelso, 29).

2.5.4. ṣelaḥāh – mittelgroßer Kochtopf (Kult)

Etymologisch kann ṣelaḥāh von einer Wurzel ṢLḤ „aushöhlen“ abgeleitet werden (Thomas, 273). Dieser Gefäßtyp ist schon aufgrund der fehlenden Reduplikation und der anderen Funktion nicht mit ṣallaḥat „Schale“ gleichzusetzen (entgegen Cathcart, 55).

Der nur hier genannte Terminus ṣelaḥāh wird in 2Chr 35,13 in der Aufzählung von verschiedenen Kochtöpfen hinter sîr und dûd genannt. Syntaktisch gehört ṣelaḥāh jedenfalls zu den Kochgeräten und kann nicht als Schale bestimmt werden, auf der das Passamahl gereicht wird. Da sîr und dûd vermutlich große Kochtöpfe sind, scheint auch ṣelaḥāh ein großes Exemplar zu sein.

Da die ṣelaḥāh nur hier und ohne weitere Spezifizierung genannt wird, lässt sich über die Form nichts Genaues aussagen. Dementsprechend kann die ṣelaḥāh kaum noch mit einem archäologisch belegten Gefäßtyp identifiziert werden.

2.5.5. qallaḥat – mittelgroßer Kochtopf (Kult)

Es handelt sich bei qallaḥat vermutlich um ein ägyptisches Lehnwort (Ellenbogen, 149), auch wenn es im Ugaritischen ein ähnlich lautendes Kognat gibt (Cathcart, 57f.).

Am Heiligtum von Silo wird neben anderen Kochgefäßen auch eine qallaḥat genannt (1Sam 2,14), bei der ein mittelgroßer Kochtopf vermutlich aus Metall im Blick sein könnte. Dies gilt allerdings nur, wenn die Liste in 1Sam 2,14 vom Größeren zum Kleineren angeordnet ist. Dem scheint Mich 3,3 zu widersprechen, da hier eher ein größerer Kochkessel gemeint ist, wenn hier das Fleisch „inmitten“ einer qallaḥat schwimmt. Hier wird in übertragener Bedeutung das frevelhafte Verhalten der Oberschicht angeprangert, die die Unterschicht wie Fleisch kocht, und dies vielleicht noch in einem Kultgefäß.

2.5.6. mærqāḥāh – Salbentopf

Ein spezieller Topf ist die mærqāḥāh (1 Beleg). Dieses Wort lässt sich von einer Wurzel RQḤ „Salben / Gewürze mischen“ ableiten und wird daher ein Topf sein, mit dem man Salben oder Gewürze zubereiten konnte.

Schon die Parallele zu sîr in Hi 41,23 verdeutlicht, dass es sich um einen Topf handeln wird. Der zweite mögliche Beleg für mærqāḥāh in Ez 24,10 ist vermutlich nach LXX (ζωμός zōmos) zu verbessern und hier stattdessen māraq „Brühe“ zu lesen, die abgeschüttet wird.

Der Verwendungszweck einer mærqāḥāh legt nahe, dass es sich um ein Metallgefäß handeln wird, da man in einem Keramikgefäß die Temperatur nicht exakt regeln kann, was aber für die Salbenzubereitung notwendig ist. Außerdem absorbiert ein Metallgefäß nicht das teure Parfüm (Kelso, 25). Gelegentlich wird auch vorgeschlagen, dass es sich um einen Topf zum Mischen von Wein mit Gewürzen handelt, worauf auch Hhld 5,13 hinweisen könnte (Honeyman, 84). Allerdings wird in Hhld 5,13 nur das Nomen mærqāḥ „Würzkraut“ genannt und auch eine Verbindung zu Wein wird nicht explizit behauptet.

2.5.7. maśret – Frittiertopf

Formal handelt es sich bei dem Lexem maśret (1 Beleg) um eine maqtil-Form der Wurzel ŚRT, deren Bedeutung aber unbekannt ist. Auf alle Fälle ist maśret eine erstarrte Partizipialform des Kausativs, die vor allem für Werkzeuge verwendet wird.

Aufgrund von 2Sam 13,9 wird die maśret ein Topf zum Frittieren gewesen sein. Im Kontext knetet → Tamar einen Teig und backt die Kuchen in einer maśret, bei der es sich wohl um einen weit geöffneten Kochtopf für das Ausbraten in Öl oder Butter gehandelt haben könnte, worauf auch das Verb BŠL hinweist (Kelso, 25). Die Königstochter Tamar wird für diesen Zweck vermutlich einen Metalltopf benutzt haben.

Eine maśret war somit vermutlich ein Topf zum Frittieren in Öl. Ob dieses Gefäß zur leichteren Handhabung einen Griff hatte, ist fraglich (Honeyman, 84). Eindeutige archäologische Belege für Frittiertöpfe sind schwierig zu finden. Vielleicht ähnelt die maśret dem großen zweihenkeligen Kochtopf mit großer Öffnung und abgerundetem Boden (Kelso, 25).

2.5.8. kijjôr – Wanne / Kessel

Meist wird vermutet, dass kijjôr (23 Belege) ein akkadisches Lehnwort ist. Allerdings kann kijjôr auch mit einer Wurzel KWR „herumgehen“ oder mit kûr „Schmelzofen“ verbunden werden (Propp, 480).

Ein kijjôr ist ausweislich der biblischen Belege ein Waschbecken aus Bronze, das zum Brandopferaltar der Stiftshütte gehört (Ex 30,18.28; Ex 31,9; Ex 35,16; Ex 38,8; Ex 39,39; Ex 40,7.11.13; Lev 8,11).

Außerdem gibt es im Salomonischen Tempel zehn kijjorot aus Bronze, die jeweils auf fahrbare Gestelle gesetzt wurden (1Kön 7,30.38.43; 2Chr 4,6.14). Hier wird es sich ebenfalls um eine Art von Kesseln handeln, die jeweils 40 Bat (ungefähr 780 l) fassen konnten, aber vermutlich nur eine halbe Elle hoch waren (Zwickel, 140). Die Funktion dieser kijjorot im Kultbetrieb ist fraglich. Aufgrund der Höhe der Kesselwagen von etwa 3,5 m werden sie wohl kaum zum Waschen der Brandopfer verwendet worden sein. Unter König →